Hermann Hesse: Sein Leben und sein Werk (Roman) - Hugo Ball - E-Book

Hermann Hesse: Sein Leben und sein Werk (Roman) E-Book

Hugo Ball

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Beschreibung

In "Hermann Hesse: Sein Leben und sein Werk" entfalte Hugo Ball eine poetische und analytische Auseinandersetzung mit dem Leben und Schaffen des renommierten Schriftstellers Hermann Hesse. Ball verbindet biografische Episoden mit einer tiefen literarischen Analyse der Hauptwerke Hesses wie "Steppenwolf" und "Der Glasperlenspiel". Der dichte, expressive Stil des Buches spiegelt die emotionale Komplexität Hesses wider, während Balls eigene philosophische Überlegungen und sein Engagement mit der Literatur um 1910 bis 1920 in den Kontext gestellt werden, der das Werk Hesses maßgeblich beeinflusste. Hugo Ball, ein bedeutender Dadaist und Mitbegründer der avantgardistischen Bewegung, suchte in seinen Schriften nach der Essenz humanistischer und spiritualistischer Ideen. Seine persönliche Erfahrung als Dichter und Zeitgenosse Hesses prägte seine Perspektive und lässt die Leserschaft die tiefere Verbindung zwischen den beiden Autoren spüren. Balls kritische Auseinandersetzung mit Hesses Werk trägt dazu bei, die Relevanz und den Einfluss von Hesses Gedankenwelt auf die moderne Literatur zu beleuchten. Dieses Buch ist eine unverzichtbare Lektüre für Literaturinteressierte, die ein tieferes Verständnis für Hermann Hesse gewinnen möchten. Balls differenzierte Thesen und sein eigenes literarisches Erbe schaffen eine faszinierende Verbindung, die sowohl Hesse-Kenner als auch Neulinge in den Bann ziehen wird. Es lädt dazu ein, das bedeutende Leben und Schaffen Hesses aus einer neuen, reflektierenden Perspektive zu betrachten. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine prägnante Einführung verortet die zeitlose Anziehungskraft und Themen des Werkes. - Die Synopsis skizziert die Haupthandlung und hebt wichtige Entwicklungen hervor, ohne entscheidende Wendungen zu verraten. - Ein ausführlicher historischer Kontext versetzt Sie in die Ereignisse und Einflüsse der Epoche, die das Schreiben geprägt haben. - Eine gründliche Analyse seziert Symbole, Motive und Charakterentwicklungen, um tiefere Bedeutungen offenzulegen. - Reflexionsfragen laden Sie dazu ein, sich persönlich mit den Botschaften des Werkes auseinanderzusetzen und sie mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen. - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Hugo Ball

Hermann Hesse: Sein Leben und sein Werk (Roman)

Bereicherte Ausgabe. Eine tiefgründige Analyse von Hesses literarischem Schaffen und spirituellen Themen
In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen
Einführung, Studien und Kommentare von Finnian Chase
Bearbeitet und veröffentlicht von Good Press, 2023
EAN 8596547796039

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Synopsis
Historischer Kontext
Hermann Hesse: Sein Leben und sein Werk (Roman)
Analyse
Reflexion
Unvergessliche Zitate
Notizen

Einführung

Inhaltsverzeichnis

Im Kern verfolgt das Buch die Spannung zwischen gelebtem Leben und gestalteter Dichtung – und wie beides bei Hermann Hesse unauflöslich ineinandergreift. Hugo Ball legt mit Hermann Hesse: Sein Leben und sein Werk ein biografisch-essayistisches Porträt vor, das in den späten 1920er Jahren im Umfeld der Weimarer Literaturkritik entstand. Es handelt sich nicht um Fiktion, sondern um eine kenntnisreiche, pointierte Annäherung an Autor und Werk. Der Schauplatz ist die geistige Landschaft des deutschsprachigen Mitteleuropa der frühen Moderne; die Bühne bildet Hesses öffentliches Schreiben wie sein Rückzug ins Private. Ball fragt, was Hesses Bücher über ihren Verfasser und ihre Zeit verraten.

Ausgangspunkt ist eine geduldige Lektüre, die Hesses Lebensweg nicht als Abfolge von Daten, sondern als Entwicklung einer künstlerischen Haltung versteht. Ball schreibt in einer überlegten, klar gegliederten Prosa; er bevorzugt den argumentierenden Ton, lässt aber Platz für leise Bewunderung. Das Leseerlebnis ist dadurch zugleich nüchtern und bewegend: analytisch, ohne trocken zu wirken; empathisch, ohne in Verehrung zu kippen. Wer folgt, betritt ein textnahes Gespräch, in dem Thesen behutsam aufgebaut und mit Beispielen aus dem Werk unterlegt werden. Die Stimmung bleibt konzentriert und ruhig, getragen von dem Willen, Hesses innere Logik und seine Konsequenz ernst zu nehmen, bis zum Schluss.

Im Zentrum der Darstellung stehen Themen, die Hesse nachhaltig prägten: Selbstsuche und Bildung, das Ringen zwischen Freiheit und Bindung, die Frage nach Humanität in Zeiten der Beschleunigung. Ball zeigt, wie Kunst für Hesse Lebenspraxis wird und wie Innerlichkeit nicht als Rückzug, sondern als Prüfung der Welt verstanden werden kann. Diese Linien machen das Buch heute relevant: Es lädt dazu ein, die Spannung zwischen persönlicher Integrität und gesellschaftlicher Erwartung neu zu durchdenken. Wer die Gegenwart als unruhig erlebt, findet hier ein historisch geschärftes Nachdenken über Sinn, Verantwortung und die Möglichkeit, als Einzelner aufrecht zu bleiben.

Methodisch verbindet Ball biografische Beobachtung mit werkimmanenter Lektüre. Er folgt den Etappen eines Schriftstellerlebens, ohne in bloße Chronik zu verfallen, und liest Motive quer durch frühe und spätere Texte. Leitbegriffe werden sorgfältig entfaltet; Widersprüche werden nicht geglättet, sondern als produktive Spannungen ausgewiesen. So entsteht das Porträt eines Autors, der seine Erfahrungen in poetische Formen überführt, und eines Werkes, das aus innerer Notwendigkeit wächst. Für Leserinnen und Leser eröffnet diese Vorgehensweise Orientierung: Man bekommt keine fertigen Urteile, sondern präzise Ansatzpunkte, um Hesses Bücher eigenständig weiterzudenken und sich zu verorten. Das macht die Lektüre anregend und verlässlich zugleich, auf lange Sicht.

Der Publikationskontext verweist auf eine von Umbrüchen gezeichnete Zeit: Die deutschsprachige Literatur ringt in den 1920er Jahren um neue Formen, während alte Gewissheiten schwinden. Vor diesem Hintergrund liest Ball Hesses Werk als Versuch, eine innere Ordnung gegen die äußere Unruhe zu behaupten. Der Schauplatz ist weniger geografisch als geistig: Salons, Zeitschriften, Debatten – das Netzwerk einer literarischen Öffentlichkeit, die Orientierung sucht. Indem Ball diese Diskurse aufnimmt, verankert er Hesse in seiner Gegenwart und macht sichtbar, wie eng persönliche Entwicklung und historische Erfahrung miteinander verwoben sind. So gewinnt die Studie Kontur als Zeitbild, das auch jenseits der Person Hesse verständlich bleibt.

Für heutige Leserinnen und Leser liegt die Anziehungskraft in der Klarheit, mit der Fragen nach Selbstbestimmung, Verantwortung und Maß verhandelt werden. Ball zeigt, wie ein Autor Öffentlichkeit sucht und meidet, wie Sprache Heilversprechen sein kann und Zumutung bleibt. Das ist aktuell, weil es Grundkonflikte künstlerischer Existenz berührt: Autonomie versus Erwartungsdruck, Reflexion versus Geschwindigkeit. Zugleich vermittelt die Studie, dass produktives Denken Geduld erfordert – ein Gegenentwurf zu schnellen Urteilsmustern. Wer Hesse neu entdecken oder jenseits von Vorurteilen lesen möchte, findet hier eine verlässliche, differenzierende Einführung in Ton, Themen und argumentative Tiefenschichten. Sie öffnet Räume, statt sie vorschnell zu schließen.

Erwartet werden darf kein sensationsheischender Lebensbericht, sondern ein sorgfältiges, klar konturiertes Bild, das Hesse ernst nimmt, ohne ihn zu idealisieren. Ball arbeitet mit Maß, ordnet und gewichtet – und vertraut darauf, dass genaue Lektüre die stärkste Auskunft gibt. Dadurch eignet sich das Buch als Einstiegsportal für Neulinge wie als kritischer Begleiter für Kennerinnen und Kenner. Es liefert Maßstäbe, um Hesses Texte im eigenen Rhythmus zu lesen, und bietet Halt, ohne Bevormundung. Wer Orientierung sucht, findet hier einen tragfähigen Ton, der das Gespräch über Hesse öffnet und zu eigenständigen Entdeckungen ermutigt.

Synopsis

Inhaltsverzeichnis

Hugo Balls Buch zeichnet ein dichtes Porträt Hermann Hesses, das biografische Stationen mit werkgeschichtlicher Analyse verbindet. In sachlichem Ton verfolgt Ball die Entwicklung vom jungen Autor zum reifen Schriftsteller und ordnet die Werke in geistige und zeitgeschichtliche Kontexte ein. Er interessiert sich für Herkunft, prägenden Bildungshintergrund, Krisen und Wendepunkte sowie für die formale und thematische Evolution des Schreibens. Dabei verzahnt er Lebensabschnitte mit Werkphasen, um Kontinuitäten und Umbrüche sichtbar zu machen. Ziel ist eine klare, nachvollziehbare Übersicht über Hesses Weg, seine Themen und seine künstlerischen Entscheidungen, ohne in Verehrung oder Polemik zu verfallen.

Ausgangspunkt ist Hesses Kindheit im pietistisch geprägten Elternhaus in Calw. Ball zeigt, wie religiöse Strenge, missionarische Prägungen und frühe Lektüren die Sensibilität des späteren Dichters formten. Der Bildungsweg mit Versuchen in Klosterschule und Handwerk, der Bruch mit institutionellen Erwartungen und die Tätigkeit in Buchhandlungen liefern den Hintergrund für Hesses frühe Selbstsuche. Ball betont, wie Landschaft, Bücherwelt und das Ringen um persönliche Freiheit jene Motive vorzeichnen, die Hesse später poetisch variiert: innere Autonomie, Naturbindung, Skepsis gegenüber Autoritäten. Die biografischen Daten dienen Ball als Raster, um die entstehende Schreibhaltung präzise zu konturieren.

Mit den ersten Veröffentlichungen und dem Erfolg von Peter Camenzind markiert Ball den literarischen Durchbruch. Er beschreibt, wie Hesse eine klare, bildhafte Prosa findet, die Wanderung, Freundschaft und künstlerische Berufung als sanfte Gegenentwürfe zur bürgerlichen Normalität entfaltet. Ball interpretiert den Roman als Beginn eines Entwicklungsbogens, in dem Erfahrung statt Doktrin zählt und das Subjekt die eigene Stimme entdeckt. In dieser frühen Phase erkennt er eine Balance aus idyllischer Naturdarstellung und nüchterner Selbstprüfung. Die Resonanz beim Publikum deutet Ball als Zeichen für ein zeitgemäßes Bedürfnis: einfache Form, innere Wahrhaftigkeit und eine leise, nicht agitatorische Kritik.

An den Folgeromanen Unterm Rad, Gertrud und weiteren frühen Texten zeigt Ball, wie sich Hesses Motive differenzieren: Bildungszwang und Anpassungsdruck, Kunst und Lebenspraxis, Bindung und Freiheit. Die Erzählweise verdichtet sich rhythmisch, Musik und Malerei dienen als Vergleichsmaßstäbe für Stil und Komposition. Ball hebt hervor, dass Hesse Sentiment und Klarheit austariert, Pathos zügelt und zugleich psychologische Genauigkeit steigert. Knulp und andere Gestalten erscheinen als Verdichtungen von Randständigkeit und Würde. In Balls Lesart bereitet diese Werkphase die spätere Wendung nach innen vor, indem sie Konflikte des Alltags zu Brennpunkten existenzieller Fragen bündelt.

Die Jahre des Krieges und der persönlichen Krisen beschreibt Ball als Zäsur. Hesses offene Stellungnahme gegen nationalistische Hetze, seine Übersiedlung in die Schweiz und die Mitarbeit in der Fürsorge für Kriegsgefangene bilden den historischen Rahmen. Biografische Belastungen, gesundheitliche und familiäre Spannungen verstärken die Bewegung nach innen. Ball sieht darin keinen Rückzug, sondern eine Neuorientierung der Themen: Weg vom Milieubild hin zur seelischen Topografie. Stilistisch verschiebt sich der Akzent von der linearen Erzählung zu symbolisch aufgeladenen Formen, die individuelle Bewusstseinsprozesse und die Suche nach einem tragfähigen Ethos in den Mittelpunkt rücken.

Mit Demian, den späten Novellen und Erzählzyklen markiert Ball eine neue Werkphase. Er betont die Aufnahme von Tiefenpsychologie, Mythen und Symbolen, wodurch Hesse Konflikte zwischen Individuum und Gesellschaft als innere Schwellenrituale gestaltet. Die Figuren lösen sich von konventioneller Moral und testen neue Selbstbilder. Ball ordnet Einflüsse von Nietzsche und psychologischer Deutung ein, ohne sie zur Erklärung zu verengen. Entscheidend sei die künstlerische Form, die Erweckungserlebnisse und Krisen in eine klare, oft spröde Sprache fasst. Aus Balls Sicht konsolidiert Hesse hier eine Poetik des Erwachens, die zeitgenössische Erschütterungen in geistige Prüfungen übersetzt.

Siddhartha liest Ball als Kulmination einer religiös-philosophischen Suche, deren Wurzeln in Hesses Herkunft und Lektüren liegen. Er betont die Distanz zur bloßen Exotik: Nicht die Doktrin des Ostens, sondern der Erfahrungsweg steht im Zentrum. Der Roman entwirft eine ruhige Bewegung von Irrtum und Einsicht, in der Zeit, Wiederkehr und das Lauschen auf einen inneren Klang leitend werden. Ball arbeitet die Reduktion der Mittel, die Ruhe der Bilder und die ethische Nüchternheit heraus. Er zeigt, wie Hesse die Frage nach Sinn jenseits von Institution und Dogma stellt und eine Haltung der Aufmerksamkeit als mögliche Antwort entfaltet.

Im Blick auf Wirkung und Stellung Hesses in der Gegenwartsliteratur zeichnet Ball ein Bild zwischen Tradition und Moderne. Er verortet Hesse im Nachklang romantischer Innerlichkeit, aber mit nüchterner, formbewusster Sprache. Die Leserschaft, insbesondere junge Menschen, findet in den Texten Resonanz für Selbstprüfung und Freiheitssuche. Ball diskutiert Einwände gegen vermeintliche Weltflucht, kontert sie mit dem Hinweis auf ethische Konsequenz und Wahrhaftigkeit. Er notiert formale Entwicklungen, die Verdichtung der Symbole und den Verzicht auf pathetische Lösungen. So entsteht ein Profil, das Hesses Besonderheit im literarischen Feld sachlich kennzeichnet.

Abschließend fasst Ball Hesses Weg als konsequente Bewegung zur inneren Autonomie. Leben und Werk erscheinen verbunden durch das Leitmotiv einer erprobten, verantwortlichen Freiheit, die auf Erfahrung, nicht auf Parolen baut. Balls Darstellung vermeidet die Legende des Genies und die Denunziation des Rückzugs; er zeigt eine Arbeit an Form und Haltung, die aus Krisen erwächst. Die zentrale Aussage des Buches liegt in der Verbindung von biografischer Genauigkeit und werknaher Interpretation: Hesse wird als Suchender sichtbar, der Traditionen prüft und verwandelt. Damit liefert Ball eine klare, geordnete Orientierung über Person, Themen und künstlerische Entwicklung.

Historischer Kontext

Inhaltsverzeichnis

Hugo Balls Hermann Hesse: Sein Leben und sein Werk entfaltet sich zeitlich vom späten Kaiserreich bis in die Weimarer Jahre und räumlich zwischen dem schwäbischen Calw, Ausbildungsorten wie Maulbronn und Tübingen sowie Hesses Schweizer Stationen Bern und Montagnola. Der historische Horizont reicht von den 1870er Jahren bis zur Publikation 1927. Der Schauplatz ist damit ein Europa im Übergang: nationalstaatliche Konsolidierung, beschleunigte Industrialisierung, Erster Weltkrieg, Revolution und fragile Stabilisierung der Weimarer Republik. Die Schweiz — neutral, doch politisch hoch aufgeladen — bildet den Beobachtungsposten, von dem Ball Hesses Lebensweg als Zeitdiagnose betrachtet und Orte und Milieus miteinander verknüpft.

Die Reichsgründung 1871 und die wilhelminische Gesellschaft prägten Hesses Herkunftsmilieu in Württemberg. Calw stand im Einfluss pietistischer Frömmigkeit und globaler Missionsnetzwerke (Basler Mission seit 1815). Hesses Mutter, Marie Gundert (1842–1902), war die Tochter des Indologen Hermann Gundert, der in Mangalore unter britischer Kolonialherrschaft wirkte; der Vater, Johannes Hesse (1847–1916), stammte aus dem baltisch-deutschen Milieu Estlands. Historisch bedeutete dies: ein deutsches Bürgertum im Spannungsfeld von Nationalstaat, Protestantismus und kolonialer Weltmission. Ball zeigt, wie dieses transnationale, religiös geprägte Umfeld Hesses frühe Konflikte zwischen Autorität und innerer Freiheit formte.

Um 1900 gewannen Jugendbewegung und Lebensreform an Kraft: Der Wandervogel entstand 1896 in Berlin-Steglitz, naturreformerische Experimente wie Monte Verità bei Ascona setzten ab 1900 Zeichen gegen Verstädterung und Industrialisierung. Parallel wuchs die Sehnsucht nach Reisen und Selbstkultivierung. Hesse unternahm 1901 und 1904 Italienreisen, löste sich 1912 aus dem Deutschen Reich und zog nach Bern. Historisch markiert dies eine bürgerliche Gegenbewegung zur Beschleunigung der Moderne. Ball verknüpft Hesses Wander- und Rückzugsentscheidungen mit den sozialen Reformmilieus der Epoche und deutet sie als bewusste Positionierung gegen die Normen eines disziplinierenden Bildungs- und Leistungsstaats.

Der Erste Weltkrieg begann mit den Kriegserklärungen Anfang August 1914 (Deutschland an Russland am 1.8., an Frankreich am 3.8.; Einmarsch in Belgien am 4.8.). Hesse meldete sich freiwillig, wurde jedoch als frontuntauglich eingestuft. Im November 1914 veröffentlichte er in der Neuen Zürcher Zeitung den Aufruf O Freunde, nicht diese Töne!, der zur Besonnenheit mahnte; darauf folgten scharfe Angriffe nationalistischer deutscher Blätter. Ab 1915 engagierte er sich in Bern in der Fürsorge für deutsche Kriegsgefangene. Ball dokumentiert diese Stationen als Bruchlinie mit dem deutschen Militarismus und als Bewährungsprobe eines humanistischen Ethos im totalen Krieg.

Die Schweiz bekräftigte am 4. August 1914 ihre Neutralität und wurde zum Knotenpunkt für Flüchtlinge, Dissidenten und Hilfsorganisationen; das Internationale Komitee vom Roten Kreuz in Genf koordinierte transnationale Hilfe. Zürich und Bern fungierten als Drehscheiben intellektueller und humanitärer Netzwerke. In diesem Umfeld arbeiteten Hesse in der Kriegsgefangenenhilfe und Ball in einer kreisenden Öffentlichkeit von Kriegsgegnern und Exilierten. Das Buch macht die Schweizer Plattform sichtbar, von der aus Hesses Korrespondenzen, Interventionen und Hilfsarbeiten wirksam wurden, und zeigt, wie neutrale Infrastruktur eine ethische Gegenöffentlichkeit zum europäischen Bürgerkrieg ermöglichte.

1916 kulminierten für Hesse private Krisen (Tod des Vaters, Krankheit in der Familie), die ihn in die damals aufstrebende Tiefenpsychologie führten. In den Jahren 1916–1917 ließ er sich vom Zürcher Jung-Schüler J. B. Lang behandeln, Teil einer breiteren medizinisch-intellektuellen Bewegung, die seit der Trennung Jungs von Freud (1913) in der Schweiz an Profil gewann. Historischer Kern ist die Institutionalisierung moderner Psychotherapie in Zürich und Luzern. Ball ordnet Hesses Hinwendung zur Selbsterkundung dieser Entwicklung zu: nicht als ästhetische Mode, sondern als gesellschaftlich bedingte Antwort auf Kriegs- und Zivilisationsschäden.

Die deutsche Niederlage führte zur Revolution 1918/19 (Abdankung des Kaisers am 9.11.1918, Rätebewegungen, Spartakusaufstand im Januar 1919) und zum Versailler Vertrag (28.6.1919) mit territorialen Verlusten und Reparationen. Hyperinflation und politische Gewalt kulminierten 1923, bevor der Dawes-Plan ab 1924 eine fragile Stabilisierung einleitete. Hesse zog 1919 nach Montagnola (Tessin) und nahm 1923 das Schweizer Bürgerrecht an; Ball siedelte 1921 in den Tessin über und verfasste die Biographie, die 1927 erschien. Das Werk spiegelt diese Verwerfungen, indem es Hesses Lebensentscheidungen als bewusste Distanzierung von Nationalismus, Klassenpolarisierung und ökonomischer Destabilisierung deutet.

Das Buch fungiert als zeitgenössische Kritik, indem es am Beispiel Hesses Militarismus, Pressenchauvinismus, autoritäre Erziehung und Massenkonformität angreift. Es macht die systemische Vernachlässigung von Verwundeten und Kriegsgefangenen sichtbar und kontrastiert bürgerlich-pietistische Tugendrhetorik mit der Realität industrieller Kriegsführung und sozialer Not. Hesses Schritt in die Schweizer Neutralität erscheint als zivilgesellschaftliche Gegenposition zu ideologischer Radikalisierung und ökonomischer Willkür. Ball nutzt die Biographie, um strukturelle Ungleichheiten und politische Verblendungen seiner Epoche kenntlich zu machen und eine Ethik der Verantwortlichkeit, Internationalität und inneren Freiheit einzuklagen.

Hermann Hesse: Sein Leben und sein Werk (Roman)

Hauptinhaltsverzeichnis
Das Vaterhaus
Die Kindheit
Kloster Maulbronn
Tübinger Goethestudien
Hermann Lauscher und Peter Camenzind
Gaienhofen am Bodensee
Demian
Siddhartha
Klingsors letzter Sommer
Kurgast und Steppenwolf

Das Vaterhaus

Inhaltsverzeichnis

Hermann Hesse ist geboren am 2. Juli 1877 in dem württembergischen Städtchen Calw an der Nagold[1q]. Beide Eltern waren nicht Schwaben von Geburt. Johannes Hesse, der Vater des Dichters, war seinen Papieren nach russischer Untertan, aus Weißenstein in Estland; seine Familie kam dorthin aus Dorpat und hat baltisches Gepräge; der älteste nachweisbare Familienahn kam aus Lübeck und war hanseatischer Soldat. Die Mutter des Dichters, Marie Gundert-Dubois, Tochter von Dr.Hermann Gundert-Dubois, wurde als Missionarstochter geboren in Talatscheri (Ostindien). Dem Blute und Temperamente nach kommt ihre Mutter, eine geborene Dubois, aus der Gegend von Neuchâtel und aus calvinistischer Winzerfamilie.

Die von dem hanseatischen Soldaten Barthold Joachim stammenden Hesses (Vater und Sohn) zeigen einen schmalen, eher schmächtigen Typus von zartem Gliederbau; sie haben blaue, scharfe Augen und helles Haar; angespannte, habichtartige Gesichtszüge und in der Erregung spitzige, rückwärtsfliehende Ohren. Sie zeigen gefaßte Haltung, bei seelischer Berührung Schüchternheit, die sich überraschend in jähen Zorn wandeln kann; zähes, stilles, geduldig zuwartendes Wesen und Neigung zu einer edlen, ritterlichen Geselligkeit. Die Dubois (Mutter und Tochter) sind klein und schmal von Statur. Sie haben engsitzende, feurig-dunkle Augen; lebhaftes, nervöses, sanguinisches Temperament. Sie sind religiös verschwärmt und von innerer Glut verzehrt: heroische Frauen in ihren Vorsätzen und Zielen, in ihrer Hingabe und Leidenschaft; hochgemut bis zum Empfinden ihrer Überlegenheit und ihres Isoliertseins, milde aber und gütig in ihrem Werben um die ihnen Anvertrauten, worunter sie keineswegs nur die eigene Familie verstehen, sondern weit darüber hinaus die Familie der Menschenbrüder und -schwestern, die Gemeinde der gleich ihnen Opferbereiten, der Auserwählten und Heiligen.

Beide Großväter des Dichters, von Vater- und von Mutterseite, tragen den Vornamen Hermann, und es dürfte schwer zu entscheiden sein, an welchen der beiden man bei der Taufe des Dichters vorzüglich dachte; denn beide diese Großväter waren, jeder in seiner Weise, bedeutende und originelle Männer, die nicht nur ihre engere Umwelt und ihren Familienkreis, sondern durch gelehrte und menschliche Eigenschaften die breite Öffentlichkeit beschäftigten; Männer, über die sehr lesenswerte Memoiren im Druck, ja in mehreren Auflagen erschienen sind. Die 342Seiten starke Biographie des Missionars und Indologen Dr.Hermann Gundert hat den Vater des Dichters selbst zum Verfasser; sie erschien 1907 als 34.Band der »Calwer Familienbibliothek«. Erinnerungen an den Großvater väterlicherseits, den Kreisarzt und Staatsrat Hermann Hesse in Weißenstein, veröffentlichte mit einem Geleitwort des Dichters 1921 eine Nichte des Kreisarztes, die Sängerin Monika Hunnius. Beide Großväter erreichten ein hohes Alter und nahmen innig noch an der Entwicklung ihres heute gefeierten Enkels Anteil. Der Dr.Gundert starb achtundsiebzigjährig in Calw; der Kreisarzt Hesse überbot ihn noch um fünfzehn Jahre, als er mit dreiundneunzig in Weißenstein das Zeitliche segnete.

Hier ist zunächst über Gundert mancherlei zu sagen. Sein Name ist aufs engste mit der evangelischen Kirchengeschichte des Schwabenlandes verbunden. Seine Vorfahren, der »Schullehrer Gundert« und der »Bibelgundert«, waren im ganzen Neckarlande wohlbekannte Persönlichkeiten. Hermann, des »Bibelgundert« Sohn, studierte in Maulbronn und Tübingen und geriet zeitweilig unter den heftigen Einfluß des damaligen Repetenten am Tübinger Stift, David Friedrich Strauß[1]. Er bekehrte sich zwar bald wieder vom Junghegelianismus zu den pietistischen Neigungen seiner Familie, vermochte aber zeitlebens der kritischen Einwände und Anregungen jener Strauß, Bauer und Feuerbach nicht zu entraten.

Dr. Hermann Gunderts Jugend ist durchwirkt von den antichristlichen Beänstigungen, die Napoleons Auftreten im Gefolge hatte, und von den damit korrespondierenden frommen Erwartungen einer Wiederkehr des Messias Jesu, der sein Volk ins himmlische Jerusalem führen wird. Mit Freuden folgt er einundzwanzigjährig dem Werberuf eines englischen Fabrikanten Groves, der künstliche Gebisse herstellt, diese seine irdische Beschäftigung aber stets mit einem Zuge zum Jenseits und zur Verbreitung des Evangeliums in den indischen Kolonien zu vertauschen geneigt ist. Als Hauslehrer wandert der junge Dr.phil. nach England, von dort mit seinem Brotherrn und Protektor nach Bombay, nach Ceylon, nach Malabar. Auf diesen Reisen entdeckt er seine Sprachbegabung. Im Handumdrehen lernt er einige fünf oder sechs indische Dialekte, die er bald derart beherrscht, daß er in Hindostani, in Malajalam, in Sanskrit den Eingeborenen zu predigen, später sogar indische Gelehrte zu beschämen vermag.

Er wird einer der ersten Pioniere der pietistischen Mission in Indien[2q] und, aus dem englischen Dienst in denjenigen der Basler Mission[2] übertretend, deren wichtigster Vertreter bei der Missionierung von Malabar. Dort, unter Hindus und Mohammedanern, vermählt er sich mit Julie Dubois, die ebenfalls, von Neuchâtel aus, dem Grovesschen Kreise sich angeschlossen hatte und als Vorsteherin von Mädchen- und Fraueninstituten die Missionssorgen teilt. Dort, in Malabar, werden seine Kinder geboren, darunter Maria Hesse, die Mutter des Dichters, die als echte Dubois, nachdem sie herangewachsen, an den Erziehungsarbeiten unter den Eingeborenen teilnimmt und sich in erster Ehe mit dem indischen Missionar Isenberg verheiratet.

In den sechziger Jahren zurückgekehrt, läßt Dr.Gundert sich von seinen Basler Freunden nach Calw beordern. Er hat den Auftrag, dort zu einem Dritteil seine Zeit den wichtigen indologischen Studien, besonders der Fertigstellung seines Malajalam-Lexikons zu widmen, ein Werk, an dem er im ganzen etwa dreißig Jahre gearbeitet hat und das von der englischen Regierung mit einem Ehrensolde bedacht wird. Die zwei übrigen Drittel seiner Arbeitskraft sollen dem Calwer Verlagsverein und dessen dermaligem Vorstand Dr.Barth zur Verfügung stehen.

In Calw lernt Dr. Gundert zu seinen drei Weltsprachen (Deutsch, Englisch, Französisch) und den inzwischen an Zahl noch vermehrten indischen Dialekten einige zehn weitere Sprachen hinzu, deren Grammatik ihn in lebendigster Weise beschäftigt. In Calw widmet er sich neben der überseeischen Mission mit ganzer Hingabe auch der inneren. Er hält Betstunden, Missionspredigten, besucht Kongresse, redigiert Propagandablätter, empfängt Besuche aus aller Welt: gelehrte, exotische, pietistische Besuche. Er hat eine Audienz beim König, steht mit den bedeutendsten Persönlichkeiten des evangelischen und philologischen Lebens in Austausch, liest hundert Revuen, druckt sehr bedeutsam kirchengeschichtliche, exegetische und Übersetzungswerke, um sich schließlich, von seinem Biographen mit einem breiten, ruhig fließenden Strome verglichen, nach jener einen Wurzel der Realitäten zu sehnen, die er in allen Sprachen der Welt gesucht und vielleicht schon gefunden hatte.

Von ganz anderer, nicht weniger origineller, nicht weniger reicher Begabung in menschlichen und göttlichen Dingen ist der russische Staatsrat und Kreisarzt Hermann Hesse. Ist für den einen der Großväter die Studierstube bezeichnend, die wie ein Bergwerk aussah, wo Schichte um Schichte liegt; wo über dem bücherbeladenen Sofa, über dem ebenso dicht mit Briefen, Handschriften und Blättern beladenen Schreibtisch die Bilder der Missionskoryphäen hingen, so bezeichnet den anderen Ahnherrn der parkähnliche Garten, »der schönste Garten, den ich je gesehen«, wo es in einem Meer von Rosen, Lilien, Malven und wohlriechenden Erbsen, zwischen ungezählten Beerensträuchern, Grasplätzen und Obstbäumen, unter alten Linden, Tannen und Ahornkronen nicht weniger sachkundig und selbstsicher zuging als in der Studier- und Redaktionsstube des Calwer Verlagsvereins.

Dieser andere Großvater ist ein ungeheuer lebendiger, witziger, fröhlicher Mensch, allem Akten-, Streber- und Beamtenwesen tief abgeneigt. Durch Goßners Bibel wird er in die seligen Bereiche eingeführt. »Gott selbst trat mir nahe und redete aus seinem Wort mit mir.« Nach Weißenstein zieht er als junger Arzt, ohne auch nur einen Rubel Einnahme in Aussicht zu haben. Die kleine öde Stadt mit dem Aussehen einer sibirischen Strafkolonie vermag ihn nicht abzuschrecken. Eine Freude im heiligen Geist bewegt sein Herz und ordnet die Widerstände. Die religiöse Erweckung war auch in Weißenstein soeben eingezogen. Um Pfingsten angekommen, kann er im Herbst schon ein Haus kaufen und seinen Garten anlegen. Als seine Frau niederkommt, bieten drei Ammen sich freiwillig an; es regnet vom Himmel. Losung am 2.Juni: »Sie sollen erfahren, daß ich, der Herr, ihr Gott bin.« Jeden Montagabend, so notiert er selbst, wird beim Dr.Hesse eine Bibelstunde gehalten.

Auch dieser Ahn also ist Pietist. Aber keineswegs kopfhängerisch und menschenscheu; auch nicht in Probleme versponnen und die Einheit der Erscheinungen suchend, sondern offen und hell allem Segen der Kreatur und der Offenbarung des Herrn in Menschen, Tieren und Pflanzen ergeben. Als Grenzpionier und Kolonisator bewahrt er sein hanseatisches Wesen im russischen Amt, wie der andere Großvater seine schwäbische Art in englischen Diensten. Er ist der Gründer des Studentenchors Livonia und liebt es als solcher, Choräle singen zu lassen, indes man die Bowle serviert. Bei den Gebetsstunden, die er selbst, nicht etwa der Geistliche oder der Organist des Städtchens abhält, erscheinen ohne Unterschied die Barone der Umgebung wie die Handwerksmeister und -burschen der Nachbarschaft. Man muß bei diesen Gebetsstunden oft herzlich lachen über die naive, direkte, urwüchsige Art des Herrn Doktor; denn es kann ihm bei seiner Hitzigkeit begegnen, daß er den falschen Spruch anzieht, wie er seine Patienten mitunter von einem gesunden statt vom kranken Zahne befreit. »Mein Heiland«, sagte er, »liebt frohe Kinder, und warum soll ich denn nicht lachen und jubeln, da ich so reich bin, weiß ich doch, daß ich meinen Heiland habe.«

Mit fünfzig Jahren noch läuft er Schlittschuh; schon in den Achtzigern, findet man ihn zum Entsetzen hoch oben im Gipfel eines Apfelbaums, wo er im Begriff ist, einen Ast abzusägen, den er, als Fallschirm benutzend, beim Sturz mit herunterbringt. 1847 wird als letztes von fünf Kindern des Dichters Vater geboren, der elf Jahre später nach Reval ins Haus des Barons von Stackelberg gebracht wird. 1868 reist Großvater Hermann nach Worms, wo er mit Kaiser Wilhelm und dreißigtausend Deutschen das Lutherdenkmal einweihen hilft; dann nach Basel, wo er seinen inzwischen Missionar und Lehrer der Basler Mission gewordenen Herzens-Johannes umarmen kann. Am 11.August dieses Jahres nämlich war Johannes in Heilbronn zum Missionsprediger ordiniert worden, kaum einundzwanzig Jahre alt.

Im Geburtsjahr des Dichters feiert Großvater Hesse sein 50.Doktorjubiläum: »Man hat mir Ehre und Liebesbeweise gegeben ohne Maß. Es kamen die Kameraden aus Dorpat alt und jung mit Fahnen und Ehrengeschenk. Es waren hundert Personen versammelt. Nach den An- und Dankreden haben wir gesungen: Nun danket alle Gott. Es war nichts als Liebe und Freude nach dem Burschenrezept: Gott lieben macht selig, Weintrinken macht fröhlich, drum liebe Gott und trinke Wein, dann wirst du fröhlich und selig sein.«