Herz aus Stahl (eBook) - Jan Beinßen - E-Book
Beschreibung

Paul Flemmings fünfter Fall: Der fränkische George Clooney und Hobbydetektiv Paul Flemming ermittelt wieder: Dieses Mal wird er in einen Kriminalfall verwickelt, der weit in die Vergangenheit zurückreicht. Ein längst verjährtes Verbrechen erscheint in neuem Licht. Paul vermutet einen Justizirrtum - und schlimmer: eine gemeine Falle für Konrad Kleinschmidt, der vor 25 Jahren wegen Mordes verurteilt wurde. Seine Nachforschungen führen Paul zum Inhaber eines mächtigen Stahlkonzerns. Natürlich darf auch in Paul Flemmings fünftem Fall die Geschichte Nürnbergs nicht fehlen. Diesmal erscheint sie in Gestalt der ersten Eisenbahn, die auf deutschen Gleisen fuhr: des "Adlers". Für Paul und seine Freunde - Reporter Blohfeld, Staatsanwältin Katinka Blohm und ihre Tochter Hannah - ist Vorsicht geboten, denn der mächtige Konzernchef hat nicht nur eine eiserne Faust, sondern auch ein Herz aus Stahl ...

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Seitenzahl:297

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JAN BEINSSEN

 

HERZ AUS STAHL

PAUL FLEMMINGS FÜNFTER FALL

 

Kriminalroman

 

 

 

ars vivendi

 

Vollständige eBook-Ausgabe der im ars vivendi verlag erschienenen Originalausgabe (2. Auflage 2010)

© 2009 by ars vivendi verlag

GmbH & Co. KG, Cadolzburg

Alle Rechte vorbehalten

www.arsvivendi.com

 

Lektorat: Dr. Hanna Stegbauer

Umschlaggestaltung: Anna Ponton unter Verwendung einer Fotografie von Norbert Treuheit

Datenkonvertierung eBook: ars vivendi verlag

 

eISBN 978-3-86913-391-1

 

Für Uwe

 

 

Wer vor der Vergangenheit flieht,

verliert das Rennen.

T.S. Eliot

 

 

Prolog

Der Sommer verabschiedete sich mit einem angenehm warmen Tag. Im Radio war bereits das Tief Karla angekündigt worden, doch das kümmerte Paul Flemming wenig, als er sich im Strom vieler Hundert gut gelaunter Menschen treiben ließ und die wunderbare Atmosphäre des Trempelmarktes genoss. Weite Teile der Nürnberger Altstadt hatten sich in den größten Floh- und Trödelmarkt Deutschlands verwandelt. Kaum eine Nische, die nicht mit Ständen aus Holz und Segeltuch und einfachen Auslagen aus Decken und Laken besetzt war. Hobbytrödler und professionelle Ramschhändler standen dicht an dicht an den Straßenrändern. Ihre Angebote ließen keine Wünsche offen. Paul registrierte im Vorbeischlendern eine zerbeulte Tuba, eine hüfthohe Chinavasenimitation und eine reichlich zerlesene Sammlung von Tim & Struppi-Heften. Ein Trödler hatte sich auf mehr oder weniger originell bedruckte Klobrillen spezialisiert, der nächste hatte ausgediente Vogelkäfige neben kühner Erotikmalerei arrangiert.

Alle zwanzig, dreißig Meter buhlten Straßenmusiker um Spenden, und die Leute ließen gern eine Münze springen. Imbissstände verbreiteten Duftwolken von indischem Curry, chinesischen Süßsauerpfannen und natürlich Original Nürnberger Rostbratwurst. Kinder lachten, Liebespaare schmusten, die Sonne strahlte – und über allem thronte die stolze Silhouette der Kaiserburg.

Ja, dachte sich Paul, so gefällt mir meine Stadt! Er war bester Dinge. An einer mobilen Weinbar besorgte er sich einen Chianti. Den gab es zwar nur aus dem Plastikbecher, aber er schmeckte Paul wie ein Prädikatswein, genossen auf einer italienischen Piazza. Nach ein paar Schlucken erschien Paul das muntere Treiben sogar noch angenehmer. Ungern dachte er daran, dass er seine Trempelmarktrunde allmählich beenden musste. Seine Eltern, die heute zu Besuch waren und die er vor einer halben Stunde mit einer Tasche voller Schnäppchen zum Kaffeetrinken geschickt hatte, warteten auf ihn. Also machte Paul in einem sehr weiten Bogen kehrt, freute sich, als ihm eine schöne Unbekannte zulächelte, zog das letzte Stück des Weges bis zur Pegnitz noch ein wenig mehr in die Länge und blieb vor dem Starbucks beim alten Fleischhaus stehen.

Das Starbucks war gerammelt voll wie meistens, aber seine Mutter sah Paul, kaum dass er eingetreten war. Hertha, die einzige ältere Dame zwischen Teenagern, diskutierte gestenreich mit einer überfordert wirkenden jungen Frau an der Kasse. Um was auch immer es gehen mochte, Hertha schien als Siegerin aus dem Disput hervorzugehen, denn plötzlich hielt sie einen Becher Kaffee in der Hand, ohne dafür einen Geldschein über die Theke gereicht zu haben. Paul tippte ihr auf die Schultern und nickte ihr freundlich zu. Doch Herthas kleine dunkle Augen, die unter ihrer tiefschwarz gefärbten Dauerwellenpracht beinahe untergingen, sahen ihn ernst an.

»Gut, dass du da bist. Hermann möchte dich sprechen«, sagte sie. Es klang in Pauls Ohren mehr wie eine Drohung als wie eine freundliche Aufforderung. Sein Vater saß im einige Stufen tiefer liegenden Parterrebereich des Cafés, obwohl es draußen einladend sonnige Plätze mit Pegnitzblick gab. Hermanns volle Lippen wiesen bogenförmig nach unten, was Paul als ein weiteres Warnsignal wertete. Mit der unbeschwerten Lebensfreude war es für heute vorbei, ahnte er.

Hermann zog eine große Stofftasche hervor und leerte deren Inhalt mit vorwurfsvollem Schweigen auf den Tisch. Zum Vorschein kamen allerlei angestoßene und abgenutzte Fotoutensilien, steinalte Objektive ebenso wie beschädigte Blitzlichtgeräte und eine Handvoll kleiner Kameras. Alles Dinge, die Paul heute erstanden und seinen Eltern anvertraut hatte. Hermann wiegte mürrisch sein schlohweißes Haupt, während er fragte: »Was willst du damit anfangen? Dauernd kaufst du auf den Flohmärkten Dinge, die niemand mehr gebrauchen kann, und weil du in deiner Nürnberger ­Wohnung keinen Platz dafür hast, stellst du den Krempel am Ende doch nur wieder bei uns unter!«

Paul ließ sich neben seinem Vater nieder und nahm ein verbogenes Stativ in die Hände. Krempel? Er würde es Raritäten nennen! Zugegeben, auf dem Trempelmarkt gab er jedes Mal mehr Geld aus, als er sich eigentlich erlauben konnte. Paul, der Fotograf, konnte die Finger nicht von antiquierten Kameraausrüstungen lassen, genauso wenig hatte er aber eine Verwendung für sie. »Du hast ja recht«, sagte er zerknirscht und legte das Stativ beiseite. »Ich werde mich das nächste Mal zurückhalten.« Sein Blick fiel auf einen der Fotoapparate, und er hob ihn mit liebevoller Vorsicht an: Das war nun wirklich ein besonderes Stück. Reichlich verschrammt und für den Laien eher unscheinbar, doch Paul wusste die verborgenen Qualitäten dieses kleinen Wunders der optischen Technik sehr wohl zu würdigen. Diese Minox war nur zwei Finger breit und nicht länger als eine Zigarettenschachtel. Fotoapparate dieses Modells arbeiteten mit dem seltenen 8 x 11-Filmformat. Eine Kleinstbildkamera, die sich in Kinofilmen der sechziger Jahre als Spionagekamera einen Namen gemacht hatte. Während Paul noch über dieses Meisterwerk der technischen Miniaturisierung nachsann und die millimetergenaue Maßarbeit bewunderte, fuhr ihm mit einem Mal der Schreck durch die Glieder.

Hertha, die sich mit ihrem Kaffeebecher zu ihnen gesellt hatte, bemerkte Pauls plötzliches Zusammenzucken. »Was ist denn?«, erkundigte sie sich besorgt. »Hat dich etwas gestochen?«

Paul atmete tief ein und dann wieder aus. »Puh! Das war knapp.« Er presste die Minox fest an sich, bevor er sie erneut eingehend betrachtete.

»Was ist denn, Bub?«, drängte Hermann und schaute nun selbst mit gewisser Neugierde auf die kleine Kamera in Pauls Hand. »Stimmt etwas nicht mit dem Ding? Ist doch wahrscheinlich sowieso längst im Eimer.«

Paul sah seinen Vater geistesabwesend an: »Um ein Haar hätte ich sie geöffnet – nicht auszudenken!«

Hertha verlor das Interesse. »Ich hole mir inzwischen ein Stück Kuchen«, sagte sie und stand wieder auf.

»Meine Güte«, sagte Paul, »da ist noch ein Film drin. Hätte ich die Kamera geöffnet, hätte das Tageslicht sämtliche Aufnahmen unbrauchbar gemacht.«

»Ein Film. Soso.« Hermann richtete seine Aufmerksamkeit auf das Sportprogramm, das in einem an der Wand befes­tigten Fernseher lief.

»Ich werde ihn natürlich entwickeln«, sagte Paul mit beinahe kindlicher Freude über seine Entdeckung.

»Wofür soll das gut sein?«, fragte Hermann, ohne seinen Blick vom Bildschirm zu lassen.

»Um zu sehen, was auf diesen Fotos drauf ist.«

»Was soll da schon Großartiges drauf sein?«

»Das weiß ich noch nicht. Aber es ist doch interessant, das herauszufinden. Wer weiß, wie alt die Kamera ist und wie lange dieser Film schon da drin steckt. Das können leicht zwanzig Jahre sein, vielleicht auch dreißig. Dieses Gerät hat schon so einiges hinter sich.«

»Ach was. Da wird auch nichts anderes drauf sein als das Übliche: Kinder am Strand, der achtzigste Geburtstag von Onkel Willi und die Konfirmation vom kleinen …«

»Vom kleinen …?«

»Vom kleinen … – Paule!«

»Sehr witzig«, sagte Paul bissig. »Ich werde auf jeden Fall mal einen Blick auf die Negative werfen. Vielleicht gibt es ja doch eine nette Überraschung.«

Hechelnd schmiegte sich Pudeldame Bella, die am Tischbein angeleint war, an Pauls Hosenbein. Wenigstens eine, die in dieser Familie zu mir hält, dachte er und tätschelte die betagte Hündin. Dann stand er auf, verabschiedete sich mit flüchtigem Gruß von seinem Vater und ging mit der Minox in der Hand die Stufen zur Kuchentheke hinauf.

»Tschüss, Mutti!«, sagte er.

Hertha, die etwas ratlos über der Auslage mit Cupcakes und Muffins brütete, sah ihren Sohn fragend an: »Du gehst schon wieder?«

»Ja, ich muss los«, sagte Paul eilig.

Hertha deutete auf die Minikamera: »Und den Rest nimmst du nicht mit?«

»Ich hole es mir demnächst mal bei euch ab«, versicherte Paul wenig glaubhaft. »Ich muss bei mir erst Platz dafür schaffen. Also – bis bald!«

»Einen Augenblick noch.« Hertha blickte sich verstohlen um, fischte dann einen Schein aus ihrer Geldbörse und steckte ihn Paul zu. »Aber psst! Du weißt ja …«

»Ich weiß«, bestätigte Paul geknickt. »Kein Wort darüber zu Vati. Er möchte, dass ich mir endlich einen anständigen Job suche und nicht länger auf eure Almosen angewiesen bin.«

Hertha zwinkerte ihm versöhnlich zu: »Du weißt doch, dass er es nicht so meint. Lass dich bald mal bei uns in Herzogen­aurach blicken.«

 

Zwar war auf den Straßen und Plätzen noch immer sehr viel los. Den kurzen Fußweg bis ins Burgviertel legte Paul jedoch zurück, fast ohne es zu merken. Er war ganz mit der angenehmen Vorstellung beschäftigt, wie er seinem überraschten Vater die – selbstverständlich lohnenden – Fotos aus der Minox präsentierte. Dann dachte er darüber nach, wie er den Teleskop-Schnellaufzug überlisten könnte, mit dem sich der Film in der Kamera vorwärts, aber eben auch wieder zurück transportieren ließ. Das Ding hakte nämlich, wie Paul schon bei seiner ersten flüchtigen Prüfung festgestellt hatte. Er würde wohl das Messinggehäuse auseinanderschrauben und sich langsam herantasten müssen.

Zuhause, in seinem Loft am Weinmarkt, überlegte er das erste Mal, ob er nicht doch klein beigeben und seinen Vater recht behalten lassen sollte, denn in seinem längst zur ­Rumpelkammer degradierten Fotolabor fehlte es an praktisch allem, was man zur Entwicklung eines klassischen Negativfilms brauchte. Die meisten noch vorhandenen Chemikalien hatten ihr Verfallsdatum deutlich überschritten, die Schale für das Fixierbad war heruntergefallen und hatte ein Leck, und die Birne des Vergrößerungsapparats war durchgebrannt.

»Na toll!«, resümierte Paul wenig begeistert, als er über den vor ihm liegenden Arbeitsaufwand nachdachte. »Und das alles für ein paar öde Urlaubsbilder.«

Doch wenn ihn etwas anspornte, dann Hermanns Zweifel am Sinn seines Tuns. Paul setzte sich noch einmal in seinen Renault und startete zur Einkaufstour in den Fachhandel.

 

Es war spät geworden, als sich Paul nach stundenlanger Vorbereitungsarbeit ein rauchiges Dunkles aus dem Forchheimer Land aus dem Kühlschrank nahm und endlich sein Labor in rotes Licht tauchte. Nun konnte er beginnen, das Innere der Kamera zu erkunden. Er löste die winzigen Schrauben, legte den Transportschacht für den Film frei und hob die kleine Rolle schließlich vorsichtig aus ihrer Verankerung.

Um aus dem belichteten Film ein Negativ zu entwickeln, musste Paul das schmale Band aufrollen und in die Entwicklungsspule einführen. Aber beim ersten fehlgeschlagenen Versuch überkam ihn erneut das Gefühl, er sollte sein kindisches Vorhaben einfach aufgeben. Urlaubsfotos – noch dazu von wildfremden Leuten! Er machte sich doch nur lächerlich.

Paul trank sein Bier zur Hälfte aus und nahm einen neuen Anlauf. Dass der Film so stark verklebt war, sprach für sein fortgeschrittenes Alter. Er musste also scharf aufpassen, dass sich beim Auseinanderrollen die chemische Beschichtung nicht löste und der Film zerstört wurde. Aber selbst ohne vom Schlimmsten auszugehen, musste er sich klar machen, dass sich von einem Standardfilm mit sechsunddreißig Aufnahmen nach so langer Zeit im besten Fall vierzehn oder fünfzehn verwertbare Fotos retten ließen.

Pauls Rauchbier ging zur Neige, als er den Filmstreifen endlich komplett in die Entwicklungstrommel eingeführt hatte. Er schaltete das Deckenlicht wieder ein und stellte den Wecker, der ihm das Ende der Entwicklungszeit anzeigen sollte. Inzwischen war es nach Mitternacht. Draußen nahte das Tief Karla mit einem dumpfen Donnergrollen.

 

Aus dem Grollen war bald ein Gewitter geworden, das sich direkt über der Stadt entlud. Zwar konnte Paul die Blitze in der dunklen Abgeschiedenheit seines Labors nicht erkennen, doch die Paukenschläge des Donners ließen die Geräte auf der Arbeitsplatte erzittern.

Der Negativstreifen war fertig. Paul hielt ihn gegen das Licht einer Tischlampe und kräuselte angesichts der vielen Schlieren und ausgefransten Ränder skeptisch die Stirn. Die Negative einzuscannen und am Computer nachzubearbeiten, hatte in diesem Stadium noch wenig Sinn. Stattdessen würde er all seine Entwicklungskünste aus den Zeiten vor Einzug der Digitalfotografie aufbringen müssen, um aus diesem jämmerlichen Streifen noch etwas herauszukitzeln: einzelne Stellen aufhellen, teilweise abwedeln und hin und wieder mit einem Extraschuss Licht nachhelfen …

Das erste Foto nahm unter der Vergrößerungslampe Gestalt an. Zwar waren die Konturen schwach, aber Paul erkannte doch, dass es sich um das Bild einer Frau handelte. Die Haare waren lang, der Mund zu einem Lächeln geöffnet. Im Hintergrund konnte man eine Anrichte mit Blumenvase erahnen, ein Sofa und mehrere Bilder an der Wand – eine Wohnung. Die der Frau? Paul legte das belichtete Fotopapier ins Entwicklungsbad. Nachdem der Schwarzweißabzug das Optimum an Sättigung und Schärfe erreicht hatte, nahm er ihn mit einer Gummilippenzange vorsichtig heraus und ließ ihn ins Stopperbad gleiten.

Er wartete eine Weile und hielt ihn dann unters Licht. Tatsächlich stellte das stark lädierte Bild eine Frau dar. Und tatsächlich hatte sie lange, gewellte Haare. Aber der Mund – der zeigte kein Lächeln. Die Frau schrie. Um Hilfe? Paul war verblüfft. Und die Augen … auch an den Augen sah man der Unbekannten an, dass sie nicht glücklich war, als dieses Foto entstand. Sie hatte Angst.

Paul rieb sich grübelnd das Kinn. Mit einem solchen Bild hatte er nicht gerechnet. Was sollte ihm der Gesichtsausdruck dieser Frau sagen? Er verzichtete darauf, sich ein zweites Bier zu holen, und machte sich an die Entwicklung des nächsten Bildes. Wieder dauerte es eine Weile, bis sich Konturen auf dem Papier abzeichneten. Paul ließ das Foto in den Bädern schwimmen und hielt es dann ins Licht. Auch auf dieser Aufnahme war die Frau zu sehen, eindeutig zu erkennen an ihren langen Haaren. Aber das Gesicht war diesmal vom Fotografen abgewandt. Die krumme Körperhaltung der Unbekannten schien zu besagen, dass sie sich vor etwas schützen oder flüchten wollte. Das Bild war verschwommen, wahrscheinlich die Folge ihrer hektischen Bewegungen.

Wieder ließ ein Donnerschlag das Labor erzittern. Paul konnte es kaum erwarten, die nächste Aufnahme dieses seltsamen Films zu sehen. Belichtung, Entwicklungs- und Fixierbäder, unters Licht. Diesmal lag die Frau am Boden. Arme und Beine waren ausgestreckt. Die Haare verteilten sich in alle Richtungen. Das Gesicht war zur Seite gedreht.

Das dunkle Rinnsal entdeckte Paul erst auf der fünften Aufnahme. Es mäanderte wie ein Bächlein über den Boden und mündete in einen kleinen See am Rand des Bildes. Seinen Ursprung nahm es an der Schläfe der Frau. Auch wenn es nur eine Schwarzweißaufnahme war, wusste Paul: Was da floss, war Blut.

»Mein Gott!« Er stieß sich mit beiden Händen von der Arbeitsplatte ab. Auf was war er da gestoßen? Auf einen üblen Scherz? Auf Szenenfotos eines Theaterstücks? – Oder auf die Dokumentation einer realen Bluttat? Paul schüttelte es bei diesem furchtbaren Gedanken.

Er sah auf die Uhr – schon nach zwei, mitten in der Nacht. Egal, er musste etwas unternehmen! Er lief in sein Atelier, nahm das Telefon von der Ladestation auf der Fensterbank und tippte mit zittrigen Fingern die Handynummer von Kriminaloberkommissarin Jasmin Stahl.

1

»Darf ich dich zu Rinderfiletspitzen vom Grill auf Weinschaum mit frittierter Roter Bete und Bauchstecherla einladen?«, fragte Jan-Patrick. Seine Augen funkelten erwartungsvoll.

»Wenn du mir verrätst, was Bauchstecherla sind, vielleicht«, gab sich Paul wählerisch.

»Na, du bist mir ja ein Franke!«, tadelte ihn sein Lieblingskoch. »Das ist eine alte fränkische Beilage: Kartoffeln kochen und grob reiben. Dazu Gries, Milch, Mehl. Ordentlich würzen mit Salz, Pfeffer und Muskat. Kneten, rollen, in Scheiben schneiden und in Butterschmalz ausbacken. Alles klar?«

Paul nickte zögerlich und lehnte sich auf seinem Stammplatz im Goldenen Ritter zurück. »Hast du vielleicht auch etwas Leichteres? Nur eine Kleinigkeit?«

Der kleingewachsene Küchenchef strich sich mit der Hand durch sein dichtes schwarzes Haar. »Eigentlich ist ja jetzt Pilzsaison. Da bietet sich der Klassiker Pfiffer in Rahmsoße an, oder wie wäre es mit gegrillter Polenta an Balsamico-Egerlingen …«

»Nein, nein. Wirklich bloß einen Snack, bitte«, wehrte Paul ab.

»In Ordnung. Was hältst du dann von einem winzigen Stückchen Kürbis-Käse-Kuchen und einem Viertel Franken-Hausschoppen dazu?« Paul willigte ein, und der Wirt wollte bereits gehen, als ihm noch etwas einfiel: »Ach, sag mal, Paul, was ist eigentlich aus dieser Sache mit dem alten Film ­geworden?«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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