Hieronymus - Antonia Gust - E-Book

Hieronymus E-Book

Antonia Gust

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Beschreibung

Hallo, da bin ich wieder. Die neunmalkluge Eule aus der Nachbarschaft. Hieronymus Nachteule. Ihr kommt genau pünktlich, denn gerade ist SIESTA und ich erlaube mir jetzt eine kleine Auszeit, bevor es weitergeht. Wer mich kennt, weiß, dass ich mich sozusagen um jedes Wehwehchen im Wald kümmere - egal wie groß. Deshalb bin ich eigentlich IMMER im Einsatz ... In diesem Buch erfahrt Ihr wieder Erstaunliches, Neues und schon mal Gehörtes über die Bewohner des Waldes. Ich kann mit stolzer Brust sagen, dass ich jeden - absolut jeden davon - kenne und schätze. Egal, wie ekelig, hinterlistig, lieb, verplappert oder hochnäsig die alle hier sind - jeder hat seinen Platz und seine Aufgabe. Wir leben hier alle in einer großen Gemeinschaft und haben gelernt, miteinander auszukommen. Da kann es schon einmal vorkommen, dass man manch sonderbare WG gründet, obwohl man sich absolut nicht RIECHEN kann oder einfach verbündet, damit man auch als Kleiner nicht übersehen wird. So, wohl dann, Ihr jungen Küken, ich muss leider schon wieder los, denn irgendwer ruft nach mir - oder träum ich das schon? Egal, wir sehen uns im Unterholz ...

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Seitenzahl: 73

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Verzeichni der Künste

Die Kunst, unsichtbar zu sein

...zu babbeln

...der Bewegung

...zu beobachten

...zu helfen

...zu heulen

...zu schleichen

...zu stolzieren

...zu schleimen

...zu ruhen

...zu zählen

Auf ein Wort:

Zuerst ein Wort des Dankes an alle Leser, die uns auf den ersten Teil von Hieronymus Nachteule angesprochen haben, sei es im Kindergarten, auf der Straße oder direkt im Buchhandel – Reaktionen unterschiedlichster Art, die man sich nicht vorstellen kann. Wie soll man sich z. B. als Autor fühlen, wenn Kinder unbeobachtet plötzlich Stellen aus unserem Buch zitieren:

„Nachts sind alle Katzen schwarz – außer Ella, die war grün...“

So etwas erfreut natürlich jeden und spornt nur an, mehr daraus zu machen. Deshalb folgt jetzt der zweite Teil von Hieronymus Nachteule. Schon bei der Recherche bemerkte ich, dass wir lange noch nicht alles über die Bewohner und den Wald überhaupt wissen und vielleicht auch nie wissen werden. Wenn – ja wenn das Wörtchen 'wenn' nicht wäre...

Denn inzwischen hat man zwar angefangen, alte Bewohner der Wälder, die schon früher für den „Haushalt“ des Waldes zuständig waren, wieder einzubürgern, damit das Gleichgewicht in unseren so wichtigen Wäldern wiederhergestellt wird, aber man muss wissen, je höher ein Tier in der Nahrungskette steht, desto weniger gibt es davon. Deshalb schmerzt es mich immer, wenn ich etwas von getöteten Luchsen oder Wölfen lese, die den Menschen lieber aus dem Weg gehen, als ihnen gefährlich zu werden. Doch inzwischen gibt auch wieder positive Nachrichten und der Mensch erkennt langsam, wie wichtig unsere INTAKTEN grünen Lungen sind. Inzwischen werden Patienten auch bei uns zur Waldtherapie geschickt, wie in anderen Ländern wie z.B. Japan, Österreich oder der Schweiz schon länger üblich. Der Wald besteht ja nicht nur aus den Tieren, sondern ist ein geschlossenes Ökosystem. Nichts geht verloren, alles wird verwertet. Sogar tote Bäume dienen anderen Lebewesen als Futter, Unterschlupf oder zur Aufzucht ihrer Nachkommen.

Marvin, der Marder, könnte da auch was darüber sagen, aber den sieht man ja fast nie. Denn wie viele im Wald ist er lieber nachts unterwegs. Es ist zwar auch hier dunkel, aber das bedeutet nicht, dass sich deswegen nichts rührt. Die Tiere haben sich so gut angepasst, dass man sie kaum hört, kaum sieht – oder es ist meist zu spät, wenn man sie bemerkt. Katzen jeglicher Größe sind da wahre Meister, denn sie scheinen das Anschleichen schon mit der Muttermilch aufsaugt zu haben und sind die Ruhe selbst. Wer selbst einen Stubentiger zu Hause hat, wird mich verstehen, denn irgendwie bringen sie jeden, der von einem hektischen Arbeitstag heimkommt, wieder zum Durchatmen. Im Wald sieht man dann die etwas größere Variante, aber mit der wird man wohl nicht kuscheln, denn so schön wie ein Luchs auch ist – es ist und bleibt ein Raubtier. Eines dieser Tiere, die man lieber dort lassen soll, wo sie hingehören. Im Wald hat jeder noch so kleine Organismus seinen Platz und seine Aufgabe. Egal wo man hinblickt – sei es oben in die Baumkronen der mächtigen Baumriesen, zwischen den Ästen, unter den Rinden, am Boden oder sogar tief im Waldboden selbst – findet man Leben.

Auch wenn man denkt, ein Waldbrand würde alles zerstören, stimmt das nicht ganz, es ist eigentlich nur eine kleine Unterbrechung und der Beginn eines neuen Lebens. Der zuweilen falsch verstandene Sauberkeitssinn von uns Menschen ist im Wald eigentlich am verkehrten Platz, denn auch wenn beispielsweise ein alter Baum stirbt, macht er nur Platz für einen neuen. Inzwischen ist man auch soweit, dass man Nutzen aus dem natürlich belassenen Wald zieht und sogar das Zwitschern der verschiedenen Vögel als Beruhigung empfohlen wird. Egal zu welcher Tages- oder Jahreszeit, der Wald verliert nie seine Anziehungskraft und es gibt immer etwas Neues zu entdecken. Ein Trend, der mich im Moment doch sehr freut, ist die Zunahme von Waldkindergärten, denn dort lernt man auch, dass der Wald und seine Bewohner nichts Böses sind, sondern genau das Gegenteil und so wichtig für uns.

Beim Schreiben dieses Vorwortes bin ich auf so viel „Neuigkeiten aus dem Wald“ gestoßen, dass Hieronymus bestimmt noch mehr zu erzählen hat – doch nun viel Spaß beim Lesen und haltet uns am Laufenden, was Euch dazu so einfällt!

(Näheres im Anhang...)

Markus und Antonia Gust

Die Kunst, unsichtbar zu sein

Jetzt bin ich ja ein Nachttier und kann mich mehr oder weniger so verhalten, dass man mich nicht so schnell bemerkt – was wieder gut ist, sonst könnte ich ab und zu nicht gewisse Geschöpfe, die es verdient haben, so richtig erschrecken. So wie Radebau oder Wilma Wildschwein. Aber dazu später. Nur, UNSICHTBAR zu sein – das schaffe nicht einmal ich. Aber, was soll ich Euch erzählen, in alten Sagen spricht man von einem solchen Tier, das man einfach nur GEIST nannte.

Dieser Geist, so erwähnte einmal meine Tante, sei bestimmt eine Dame so wie sie, denn die könne man nicht aus der Ruhe bringen. Na ja – dazu sage ich nichts weiter, als dass ich sie im nächsten Moment wütend davonfliegen sah, wie die ersten Regentropfen kamen...

Diesen Geist sieht man nicht. Hört man nicht. Außer, er will es so. Und ich bin einer der wenigen, der SIE, „hüstel“, kennenlernen durfte. Ich weiß es noch ganz genau. Es war einer dieser Tage, an denen der Morgen so richtig 'graute'. Ihr wisst schon, die Sonne mochte noch nicht aufstehen, weil so eine richtige Nebelsuppe zwischen den Bäumen hing. Ich kam von meiner letzten Nachtrunde und wollte gerade mein Gefieder austrocknen, als sie plötzlich im Zwielicht vor mir stand. Zuerst spürte ich nur einen Lufthauch, dann sah ich zwei durchdringende, aber wunderschöne Augen und zack – hatte ich eine Tatze im Nacken.

Schöne Bescherung, dachte ich mir nur, als ich jetzt mit dem Schnabel im Dreck lag und mich ein sehr kräftiges Tier zu Boden drückte. Alles ging so schnell, dass ich nicht wusste, wie mir geschah. Plötzlich hörte ich eine sanfte, ruhige Damenstimme:

„Wenn ich Dich jetzt loslasse, bitte ich Dich, ganz leise zu sein, denn ich vertrage keinen Lärm“.

Ich zwinkerte nur mit den Augen, denn mit dem Reden hatte ich in dieser Lage leichte Probleme. Langsam hob diese stille Unbekannte ihre Pfote und ich rappelte mich auf. Dann sah ich sie und traute meinen Augen nicht. Gehört hatte ich schon davon, dass wir diesen Geist in unserem Wald haben sollten, aber glauben konnte ich das nie. Früher waren die Geschichten darüber ja mehr als Warnung für uns gedacht, nicht so tief in den dunklen Wald vorzudringen.

Mit großen Augen saß ich nun da und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Zuerst dachte ich, es wäre eine zu groß geratene Wildkatze, als sie sich die Pfote leckte, aber als ich die gut krallenlangen schwarzen Haarpinsel an den Ohren und den kurzen Schwanz mit schwarzer Spitze sah, wusste ich: es war ein Luchs. Eines dieser sehr scheuen Waldtiere, die man so selten sieht, dass man denken könnte, sie seien dauernd auf Reisen. Nach dieser Stimme und ihrem recht edlen Benehmen zu urteilen, musste dieser Luchs eine sehr feine Dame sein. Als sie mich dann auch noch mit ihren wunderschönen gelben Augen ansah, war es mir so richtig peinlich. Wenn ich nämlich gewusst hätte, dass ich so hohen Besuch bekommen würde, hätte ich mich natürlich in Schale geworfen. Aber nein, triefnasses Gefieder und wieder einmal nicht aufgeräumt. Da musste selbst mein Gast ein wenig schmunzeln, als ich versuchte, wenigstens meine Frisur in Ordnung zu bringen.

Mit leiser Stimme meinte nur mein Gast:

„Sie müssen Herr Hieronymus Nachteule sein, werter Herr. Mein Name ist Lutetia von Luchs, wie sie bestimmt schon vermutet haben.“

Als sie das sagte, hatte sie wieder diesen Augenaufschlag, bei dem selbst mir die Knie weich wurden. Doch plötzlich kniff sie ihre Augen zusammen, wie wenn ihr etwas weh tat. Sie versuchte, ihre Schmerzen vor mir zu verbergen, indem sie den Kopf wegdrehte, aber als ich sie darauf ansprach, fing sie an zu erzählen, was ihr solche Schmerzen bereitete.