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Gestattet mir, dass ich mich vorstelle. Mein Name ist Hieronymus Nachteule und ich bin hier bei uns im Wald sozusagen die „Eule für alle Fälle“. Egal, wie groß der Schuh ist, der drückt oder es nur um eine kleine Auskunft geht – jeder weiß, wo ich wohne und kommt einfach vorbei. Ich helfe, wo und wie ich nur kann und finde immer eine Lösung. Natürlich kann ich meinen Schnabel aber auch nicht halten, wenn mir etwas nicht passt. Nachts fliege ich Patrouille und sorge für die Einhaltung von Recht und Ordnung. Ich sehe und höre alles, was bei uns im Gehölz so passiert und erlebe dabei allerlei. Dies sind die Geschichten des Waldes und seiner Bewohner, die man auf diese Weise vielleicht noch nicht kannte.
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Seitenzahl: 74
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Ein ganz besonderes Dankeschön geht an die 6-jährige Clara Heelein für die liebevolle Illustration des Covers!
Die Kunst zu leuchten
...zu träumen
...zu singen
...zu bauen
...zu schweigen
...zu sammeln
...zu rennen
...zu lachen
...zu fiegen
Jetzt mal so unter uns. Ist Euch schon einmal aufgefallen, dass wir über exotische Tiere wie Tiger, Elefanten usw. mehr wissen, als über die Tiere, die bei uns vor der Haustüre leben? Ist ja eigentlich verständlich, da sie ja oft genug im Fernsehen zu sehen sind. Ist ja auch viel interessanter, etwas über die große Streifenkatze zu sehen, als über den einheimischen Uhu. Gäbe es nicht ab und zu Berichte über die heimische Tierwelt, wüssten wir eigentlich gar nicht, dass es sie noch gibt. Von den meisten Tieren bei uns im Wald sieht man nicht viel, da sie sehr scheu sind und den Kontakt zu Menschen meiden. Doch manches Tier setzt der Natur seinen Stempel auf, wie z. B. der Biber mit seinen Kunstwerken im Sanduhrdesign oder den Wasserburgen – und nicht zu vergessen: die grandiosen Staudämme. Wenn man mal ganz ruhig durch den Wald streift, wird man noch viel mehr entdecken. Fleißige Eichhörnchen, die eigentlich nie Zeit haben. Ameisen, die prächtige Hügel bauen und immer schön hintereinander auf ihren Straßen marschieren oder verschiedenste Vögel, die durch die Baumkronen fliegen und dabei ihr Lied trällern. Doch wie viele Kinder haben dies schon einmal selbst erlebt?
In unserer Zeit der Handys, Fernseher und Computer finden immer weniger Menschen Zeit, sich diese einfach für so etwas zu nehmen. Denn wenn man einmal den Weg in den Wald findet, wird man dort nicht sofort mit den tierischen Sehenswürdigkeiten verwöhnt, sondern muss schon ein wenig warten. Solche Tiere in freier Wildbahn zu beobachten ist schon etwas Besonderes und immer ein Zeichen, dass dort die Welt noch in Ordnung ist. Bei der Recherche zu diesem Buch musste ich leider feststellen, dass es sogar bei uns Tiere gibt, die vom Aussterben bedroht sind und wir es kaum oder gar nicht mitbekommen. Andere Tiere suchen sich z. B. neue Reviere, weil es einfach keine Nistbäume mehr gibt. Hat schon jemand davon gehört, dass es Eulen in Hamburg gibt, die dort in verlassenen Häusern leben? Oder dass Kassel sozusagen die Waschbärstadt Nr. 1 in Deutschland ist? Wer Näheres darüber wissen will, kann im Anhang auf die Links gehen...
Wenn die Tiere ihrer natürlichen Lebensgrundlage beraubt werden, sei es durch Abholzung oder Durcheinanderbringen des Gefüges, wenn plötzlich eine neue Rasse wie der Waschbär vor der Tür steht, dann gibt es nicht viel Möglichkeiten. Einen Wald kann man sich wie ein großes intaktes System vorstellen, in dem jeder seine Aufgabe hat. Seien es die Bäume, die Wohnraum und Futter für die Tiere bedeuten oder die Tiere, die für den Fortbestand des Waldes sorgen, indem sie seine Früchte und Körner als Samen weitertragen und ihn sauber halten. Jede Veränderung von außen kann Folgen nach sich ziehen, die man zuerst nicht erkennt, sondern erst viel später bemerkt. Deshalb habe ich das Buch 'Hieronymus Nachteule' geschrieben, um die meist noch fremde Welt in unserer Nachbarschaft und ihre Bewohner näher zu bringen. Natürlich kann und will ich nicht die ganze Geschichte der Waldbewohner erzählen, sonst hättet Ihr keine Zeit, den Wald selbst zu erkunden, sondern mir genügt es, Euch neugierig zu machen.
Da man aber sicher nicht jedes Tier selbst nach langer Suche im Wald zu Gesicht bekommt, lohnt sich auch ein Zoobesuch. Traut Euch ruhig, den Förster im Wald oder den Tierpfleger im Zoo mit Euren Fragen zu löchern, denn diese Menschen sind live vor Ort und wissen weit mehr, als jedes Buch oder jede Suchmaschine Euch sagen kann. Wenn Ihr mich was fragen wollt, könnt Ihr dies natürlich auch gerne tun. Am Ende des Buches findet Ihr meine Mailadresse und ich beantworte jede Frage gerne. Aber jetzt wünsche ich Euch viel Spaß beim Lesen – und nicht vergessen, wenn Ihr danach den Wald unsicher macht:
Alles im Wald hat seine Aufgabe und ist wichtig. Deshalb schaut mit den AUGEN und nicht mit den Händen!
Außer Ihr seid ein Waschbär, weil der…
Aber lest lieber darüber!
Euer Markus
Faktum:
Hieronymus ist eine neunmalkluge Nachteule, die immer – ich betone IMMER – das letzte Wort haben muss. Diese Eule ist wirklich klug, sagen wir mal schlauer als alle anderen Tiere hier im Wald – und das lässt er ab und zu ziemlich heraushängen. Wenn er das macht, könnte man ihn so richtig gegen den Baum werfen. Aber im Grunde ist er ein ganz lieber Kerl, der mit seinem Wissen jedem gern hilft. Dies tut er aber nur, wenn man ihn nicht irgendwann mal geärgert hat, denn das mag er überhaupt nicht und kann daher sehr nachtragend sein. Sein Gedächtnis ist einfach unschlagbar, wie auch Rabenvater Radebau feststellen muss, wenn er wieder eine Schachpartie in wenigen Zügen verliert. Dies passiert meist immer bei Vollmond, denn dann haben die beiden begnadeten Spieler die beste Sicht. Manch einer, der die beiden beim Zocken beobachtet, traut seinen Augen nicht. Blitzschach ist gegen das Tempo, was die Herrschaften an den Tag legen – man möge mir den Wortlaut verzeihen – Standschach. Dass eine Eule schon zur intelligenteren Sorte Vogel gehört, dürfte ja vielen bekannt sein, aber dass so ein Rabe wie Radebau es faustdick hinter den Ohren (die er nicht hat!) hat, das wissen nicht viele.
Aufmerksame Leser werden bemerken, dass Hieronymus eine ganz besondere Eule ist. Eine NACHTEULE und da gibt es nicht so viele. Wenn ich so nachdenke, kenne ich nur Hieronymus bei uns in der Nachbarschaft.
Als wir noch klein waren, gab es eigentlich keinen Streich, bei dem er nicht sein Händchen mit im Spiel hatte. Wenn er sich z. B. mal kurz die Pfeife von seinem Opa „auslieh“, um still und heimlich eine neue Kräutermischung zu probieren, die ihm dann drei Tage lang Bauchweh verursachte. Schlecht für Hieronymus war der Umstand, dass er leider die Pfeife nicht ganz säuberte, als er sie dem Opa zurücklegte und der ihm dadurch auf die Schliche kam. Oder als in der Schule plötzlich ein Schild hing, dass der Unterrichtsbeginn auf Mittag verschoben wurde und jeder wieder nach Hause ging. Das Ganze nur, damit er nachts länger aufbleiben konnte – und das gefiel natürlich allen. Ich meinte die Schüler, nicht die Lehrer, weil die standen ja vor leeren Klassen. Als man ihm dann Strafarbeiten aufgab, bedankte er sich sogar dafür, weil er im Grunde ja ein richtiger Streber war, der halt einfach ab und zu mal keinen Bock hatte. Hieronymus war damals schon besonders und ist es immer noch. Wenn man ihn aber näher kennenlernen und mehr über die Bewohner unseres schönen Waldes wissen möchte, sollte man ihm einfach mal zuhören, was er so zu erzählen hat. Er ist nämlich ein wunderbarer Erzähler.
Viel Spaß wünscht Euch Leopold „Poldi“ Bücherwurm der Dritte.
p.s.:
Ach ja, kurz erwähnt: Dieses Buch habe ich zufällig bei einem meiner Essensausflüge in eine mir bekannte Gourmetbibliothek entdeckt und ich muss sagen, es war herrlich! Zuerst bekommt man etwas zu lachen und nebenbei kann man an den Seiten herumkauen. Fast hätte ich sogar das Vorwort gefressen, aber zu meinem Glück hatte ich meine Lesebrille auf. Wohl an, Ihr jungen Leser!
Wer kennt ihn nicht, den Spruch: Nachts sind alle Katzen schwarz...
– außer Ella, die war grün!
Als dieses Häufchen Elend vor mir saß, verschlug es mir die Sprache, was – ich muss es zugeben – nicht oft vorkommt. Aber so eine „Katze“ sah ich noch nie in meinem Leben und auch in keinem meiner Bücher. Vorsichtig schritt ich mit den Flügeln hinter dem Rücken verschränkt um dieses seltsame Getier herum, um mir ein besseres Bild zu machen. Unglaublich, aber das Ding, was da vor mir nur so vor Angst wimmerte und versuchte, sich ganz klein zu machen, war von den Nasenhaaren bis zur Schwanzspitze vollkommen GRÜN! Und nicht etwa das im Wald übliche Blattgrün, das wir ja schon kennen, auch nicht das etwas vergammelte Grün der Kröten vom Teich – nein, das Kätzchen Ella war LEUCHTGRÜN.
Am Tage hätte man sich ja noch daran gewöhnen können, aber hier im Schatten der Bäume, dort im Zwielicht des Waldes, konnte man das erahnen, was mit dem Kätzchen nachts passierte. Man sah sie ja jetzt schon sehr gut. Ich würde sogar soweit gehen und behaupten, die Kleine war unübersehbar. Allein schon bei dem Gedanken daran, wie sich dieses Nachttier fühlen musste, da kam mir schon mein Gewölle hoch. Armes kleines Kätzchen, wie war das nur geschehen?
Plötzlich hörte ich aus der Dunkelheit eine mir sehr gut bekannte Stimme:
„Siehst Du, Hieronymus, DAS meinte ich, als ich Dir bei der letzten Sitzung des Waldes ins Ohr flüsterte, dass hier sonderbare Dinge vor sich gehen. Du wirst schon sehen, der Wald wird bald verschwinden und die Bewohner auch.“
