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Während der Corona-Pandemie bekam die Hauskirche eine völlig neue Bedeutung. Da die Kirchen geschlossen waren, riet man von Rom aus Familien, in Zeiten des Virus einfach zu Hause einen kleinen Wortgottesdienst zu feiern. Aber wie und wo im Haus sollte man selbst so etwas gestalten, so ganz ohne Pfarrer? Wie können Familien lernen, ihren Glauben und den Alltag harmonisch miteinander zu verbinden, die Scheu vor freiem Gebet zu verlieren und die Anwesenheit Gottes im Trubel des Alltags als ganz normal zu empfinden? Michael Defrancesco gibt mit dem Hausheiligtum, das ursprünglich aus der Spiritualität der katholischen Schönstatt-Bewegung stammt, eine Antwort. Er sagt: "Laden Sie Jesus und Maria zu sich nach Hause ein, heißen Sie sie in Ihrem Hausheiligtum willkommen – und lassen Sie sich überraschen, welchen Segen und welche Geschenke der himmlische Besuch mitbringt. Denn: Jesus und Maria sind gekommen, um zu bleiben."
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Seitenzahl: 83
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Michael Defrancesco
Himmlische Ehrengäste
Michael Defrancesco
Familienleben mitdem Hausheiligtum
Für Mama
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über ‹http://dnb.d-nb.de› abrufbar.
1. Auflage 2023
© 2023 Echter Verlag GmbH, Würzburg
www.echter.de
Umschlag: wunderlichundweigand.de
(Umschlagfoto: Andrea Link)
Innengestaltung: Crossmediabureau, Gerolzhofen
E-Book-Herstellung und Auslieferung: Brockhaus Commission, Kornwestheim, www.brocom.de
ISBN
978-3-429-05855-5
978-3-429-05250-8 (PDF)
978-3-429-06599-7 (ePub)
Prolog
1.Es geht um Beziehung: Mehr als ein Herrgottswinkel
2.Wir laden Jesus und Maria ein: So entsteht ein Hausheiligtum
3.Mitten im Leben: Der passende Ort
4.Die Familie wird kreativ: Rituale rund ums Hausheiligtum
5.Geprägte Zeiten: Es weihnachtet und ostert im Hausheiligtum
6.Streit und Leid: Wir bringen unser Wasser in den Krug
7.Me-Time: Nur Jesus, Maria – und ich
8.Gottesdienst feiern im Hausheiligtum: Worauf sollten wir achten?
9.Geht das Hausheiligtum auch ohne Maria?
10.Das Hausheiligtum wirkt
Danksagung
Biografie
Die heilige Corona lebte um 160 nach Christus in Ägypten, ist der Legende nach eine frühchristliche Märtyrerin und die Patronin des Geldes, der Metzger und der Schatzgräber. Eigentlich müsste sie – zumindest wegen ihres Namens – einen weiteren Schutzauftrag zugesprochen bekommen: Patronin der Hauskirche. Denn wegen Corona änderte sich in so manchen Familien so einiges.
Wenn wir in einigen Jahren auf die Corona-Pandemie zurückschauen werden, dann wird sich zeigen: Die Hauskirche bekam in diesen Tagen eine völlig neue Bedeutung. Hatte es früher in der Familie geheißen: „Sonntags gehen wir in die Kirche“, so sorgte der Lockdown für eine ganz neue Situation. Die Kirchen waren verschlossen, und nach und nach setzte sich die Version des Onlinegottesdienstes durch – mit allen Höhen und Tiefen.
Die Familie saß nicht selten noch im Pyjama am Frühstückstisch, während auf einem Tablet der Onlinegottesdienst gestreamt wurde. Die besonders Vorbildlichen hatten sich dennoch in Sonntagskleider geworfen, um sich rund um den Bildschirm zu versammeln. Aber es fühlte sich schon etwas seltsam an: Sollte man mitsingen? Mitbeten? Oder einfach den Gottesdienst wie eine Fernsehshow konsumieren? Wie üblich in der Predigt gedanklich wegdriften? Oder sogar zwischendurch mal kurz aufstehen, zum Müll gehen, die Spülmaschine einräumen, während der Pfarrer gerade das Evangelium vorlas? Ist es erlaubt, nebenbei in ein Marmeladenbrötchen zu beißen? Auch die Kommunion fühlte sich seltsam an: Man durfte nur zusehen. So als sei man wieder sechs Jahre alt und noch nicht zur Erstkommunion gegangen.
Das päpstliche Dikasterium für Laien riet damals Familien, in Zeiten des Coronavirus sonntags einen kleinen Hausgottesdienst zu feiern. „Das geht ganz einfach“, erklärte der Präfekt, Kevin Farrell, in einem Artikel, der auf der Internetseite vaticannews.de veröffentlicht wurde. „Zuerst sprechen wir einen Lobpsalm, dann bitten wir uns gegenseitig um Vergebung. Dann können wir das Sonntagsevangelium lesen und ein Gebet sprechen. Und zum Schluss können wir dann unsere Familie und alle Familien, die wir kennen, dem Schutz Mariens anvertrauen.“ Man könne das Ganze in verteilten Rollen machen, die Kinder könnten beispielsweise abwechselnd die Texte lesen.
So manch einer wird gehustet haben, als er das las. Schön, was Kardinal Farrell sich da alles vorstellt. Wie soll das in einer Familie funktionieren? Wie soll man das Unwohlsein abschütteln, das man hat, wenn man auf einmal Bibeltexte vorlesen soll? Wie soll man die Scheu davor ablegen, freie Gebete voreinander zu sprechen? Wie sollen Eltern den Rollentausch hinbekommen, wenn sie gerade noch die Kleinen angeschnauzt haben und jetzt auf einmal fromme Sachen sagen? Fühlt sich irgendwie komisch und schräg an.
Über viele Jahrzehnte hinweg hatte die katholische Kirche es versäumt, die Gläubigen zu ermuntern und zu befähigen, selbst religiöse Rituale in die Hand zu nehmen. Die Gläubigen waren gewohnt, Vorgekautes serviert zu bekommen: im Sonntagsgottesdienst. Selbst einen Wortgottesdienst zu gestalten, komplett, ohne Priester – und das auch noch bei sich zu Hause –, das überforderte viele Familien, und das überfordert nach wie vor viele Familien. Was darf man zu Hause tun? So ganz ohne Pfarrer.
Und vor allen Dingen: Wo sollen solche Gebete und Wortgottesdienste zu Hause stattfinden? Wie können Familien lernen, Religion und Alltag miteinander zu verbinden, die Scheu zu verlieren und Gebet als ganz normal zu empfinden?
Die Antwort auf diese Fragen ist: das Hausheiligtum.
Haben Sie ein Kreuz in Ihrer Wohnung oder in Ihrem Haus? Religiöse Menschen beantworten diese Frage sicherlich mit einem Ja. Fein, dann weiter: Wo genau hängt das Kreuz? Lassen Sie mich raten: Viele von Ihnen werden jetzt antworten, dass das Kreuz im Eingangsbereich hängt, zum Beispiel innen über der Haustür. Manche von Ihnen haben vielleicht ein kleines schmuckes Kreuz im Wohnzimmer hängen. Oder im Schlafzimmer. Aber immer über der Tür. Stimmts?
Warum der Lieblingsplatz des Kreuzes oben über dem Türrahmen ist, kann ich nur vermuten. Hat es etwas damit zu tun, dass der liebe Gott ja im Himmel ist – und dass der Himmel nun mal oben ist? Dass also ein über dem Türrahmen schwebendes Kreuz den Segen von oben symbolisiert?
Weiter gefragt: Wie oft bemerken Sie im Alltag Ihr Kreuz? Beten Sie davor? Oder ist es eigentlich eher ein religiöses Deko-Element, das man einmal aufgehängt hat und das so langsam im Lauf der Jahre zustaubt? Und das so hoch oben über dem Türrahmen hängt, dass es auch ganz bequem aus dem Weg ist?
Im Alpenraum ist der Herrgottswinkel bekannt. Mächtige Kreuze, gern mit dem Corpus dran, hängen unübersehbar an der Wand. Vielleicht steht sogar die Osterkerze vom vergangenen Jahr davor, die man vom Pfarrer geschenkt bekommen hat – als Danke für den unermüdlichen Einsatz in der Pfarrei. Vielleicht gibt es auch Blumenschmuck beim Kreuz.
Ein wuchtiges Bekenntnis zum eigenen Glauben. Aber: Beten Sie davor? Wie benutzen Sie das mächtige Kreuz?
Als Kind liebte ich die Filme mit Don Camillo und Peppone. Und bis heute sind mir die Szenen im Gedächtnis geblieben, in denen Don Camillo mit Jesus am Kreuz spricht – und dieser antwortet. Die beiden haben eine richtige Beziehung, und sie diskutieren auch mal. Das geht so weit, dass Don Camillo auch hin und wieder das Kreuz packt und umdreht, sodass der gekreuzigte Jesus mit der Stirn an die Wand gepinnt wird. Jesus muss nicht alles sehen, sagt Don Camillo – meistens vermöbelt er dann gerade wieder jemanden. Wenn dann alles wieder paradiesisch ist, dreht er Jesus wieder zurück, und alles ist in Butter.
Ich mag diese Beziehung zu Jesus sehr, und irgendwie bin ich sicher, dass auch Jesus – falls er in der Ewigkeit Zugang zu irdischen Filmen hat – diese Szenen zum Schmunzeln findet. Denn ihm war immer die Beziehung zu den Menschen wichtig, Jesus wollte stets an unserem Leben teilhaben.
„Da berühren sich Himmel und Erde“ – das Lied von Thomas Laubach und Christoph Lehmann drückt das aus, was eigentlich der Kern des religiösen Lebens sein sollte: Dass wir es schaffen, dass sich Himmel und Erde berühren.
Zum Beispiel bei uns zu Hause.
Jemand, für den Beziehungen immer ganz wichtig waren, ist Pater Josef Kentenich. Der Gründer der katholischen Schönstatt-Bewegung wollte Natur und Übernatur – so formulierte er es gern – in Einklang bringen. Er wollte, dass sich Himmel und Erde berühren – und zwar nicht nur beim Kirchgang am Sonntag, sondern am liebsten jeden Tag und dauernd.
Jeden Tag? Im Alltag? In meinem Chaos?
Ein Gedankenspiel: Wie würden Sie sich fühlen, wenn Jesus zu Ihnen nach Hause zu Besuch käme? Bestimmt hätte er auch seine Mutter Maria dabei. Die beiden würden schrecklich gern mit Ihnen zusammen Zeit verbringen, essen und trinken, reden und lachen, vielleicht sogar diskutieren über Fragen und Probleme. Sie würden Ihnen so gern zuhören, sich Ihre Sorgen und Nöte anhören. Sie würden gern wissen, wie es Ihren Kindern geht, wie es den alt gewordenen Großeltern geht.
Ein schöner Gedanke? Oder vielleicht ein bisschen unheimlich? Wären Sie nervös, wenn auf einmal der Sohn Gottes vor der Tür stände? Wenn die heilige Jungfrau Maria auf Ihre Klingel drücken würde? Vielleicht ist die Wohnung gar nicht richtig aufgeräumt. Oje, die Fensterbank ist nicht abgestaubt. Die Blumen sind verwelkt. In der Küche türmt sich der Spülberg. Und die Kleinen lassen ihr Lego überall rumliegen. Außerdem hat die Mittlere heute ihren Nörgel-Tag und findet alles nur ätzend. Was ist, wenn sich die Kinder nicht benehmen – ausgerechnet dann, wenn die Heiligsten zu Besuch sind?
Vielleicht wäre es doch besser, wenn wir sie nicht zu uns nach Hause einladen würden, sondern sie lieber bei sich zu Hause besuchen. In der Kirche. Da ist es immer aufgeräumt und andächtig, und wenn die Kinder sich nicht benehmen, kann man kurz rausgehen und stört niemanden.
Aber wenn die Heiligsten bei mir auf dem Sofa sitzen und das ganze Chaos miterleben? Wenn sie miterleben, wie unperfekt wir als Familie sind? Wie unperfekt ich selbst bin?
Die liebsten Gäste sind normalerweise die, die wenig Chaos machen, die unkompliziert beim Essen sind – und die bitte auch wieder rechtzeitig gehen, bevor es lästig wird. Gäste, die über Nacht bleiben, sind da schon anstrengender. Aber was ist mit Gästen, die gar nicht mehr gehen wollen?
Puh, das muss man sich zweimal überlegen. Vor allen Dingen dann, wenn es um Ehrengäste wie Jesus und Maria geht.
Fragen Sie Ihre Kinder mal, was sie dazu sagen würden, wenn Jesus und Maria bei Ihnen wohnen würden. Was bräuchten die beiden wohl? Zu essen und zu trinken eher weniger, denn natürlich wissen auch die Kleinen schon, dass Jesus und Maria nicht leibhaftig in menschlicher Gestalt zu Besuch kommen. Aber auf jeden Fall bräuchten sie einen ganz besonderen Platz, damit sie sich wohlfühlen können. Ein Hausheiligtum zum Beispiel.
Dies ist kein Gedankenspiel, keine frömmelnde Fantasie. Schauen wir in die Bibel, da finden wir im Matthäusevangelium (18,20) den berühmten Spruch von Jesus: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Jesus will also mitten unter uns sein – ganz besonders auch in der Familie.
Wo versammeln wir uns also? Wie sieht ein Hausheiligtum aus?
