Hin und her gerissen - Patricia Vandenberg - E-Book

Hin und her gerissen E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. Patricia Vandenberg ist die Begründerin von "Dr. Norden", der erfolgreichsten Arztromanserie deutscher Sprache, von "Dr. Laurin", "Sophienlust" und "Im Sonnenwinkel". Ohne ihre Pionierarbeit wäre der Roman nicht das geworden, was er heute ist. »Seit wann genau sind Ihre Lymphknoten geschwollen?«, erkundigte sich Dr. Daniel Norden bei seiner langjährigen Patientin Emilia Krämer und musterte sie aufmerksam. Er hatte bereits die Schwangerschaften der ehemaligen Konzertpianistin begleitet und ihre Kinder aufwachsen sehen. Daher wusste er, dass sie weder wehleidig noch hypochondrisch veranlagt war und ihr Besuch bei ihm einen guten Grund hatte. Emilia hatte sich zurückgelehnt und dachte nach. »Seit ungefähr einer Woche. Das allein hätte mich aber nicht in Ihre Arme getrieben«, lächelte sie. Offenbar hatte sie ihren Sinn für Humor nicht verloren. »Viel lästiger ist, dass ich mich kaum mehr für längere Zeit konzentrieren kann. An Klavierspielen ist momentan überhaupt nicht zu denken. Außerdem bin ich ständig müde. Das zerrt an meinen Nerven. Ich kann ja schlecht den ganzen Tag schlafen.« »Gut, dann wollen wir uns mal auf die Suche nach dem Übeltäter machen.« Daniel bat sie hinüber ins Behandlungszimmer und begann mit seinen Untersuchungen. »Tja, was soll ich sagen?«, seufzte er, als er nach getaner Arbeit wieder an seinem Schreibtisch saß. »Augenscheinlich sind Sie kerngesund.

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Seitenzahl: 113

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Dr. Norden – 57 –Hin und her gerissen

Unveröffentlichter Roman

Patricia Vandenberg

»Seit wann genau sind Ihre Lymphknoten geschwollen?«, erkundigte sich Dr. Daniel Norden bei seiner langjährigen Patientin Emilia Krämer und musterte sie aufmerksam. Er hatte bereits die Schwangerschaften der ehemaligen Konzertpianistin begleitet und ihre Kinder aufwachsen sehen. Daher wusste er, dass sie weder wehleidig noch hypochondrisch veranlagt war und ihr Besuch bei ihm einen guten Grund hatte. Emilia hatte sich zurückgelehnt und dachte nach.

»Seit ungefähr einer Woche. Das allein hätte mich aber nicht in Ihre Arme getrieben«, lächelte sie. Offenbar hatte sie ihren Sinn für Humor nicht verloren. »Viel lästiger ist, dass ich mich kaum mehr für längere Zeit konzentrieren kann. An Klavierspielen ist momentan überhaupt nicht zu denken. Außerdem bin ich ständig müde. Das zerrt an meinen Nerven. Ich kann ja schlecht den ganzen Tag schlafen.«

»Gut, dann wollen wir uns mal auf die Suche nach dem Übeltäter machen.« Daniel bat sie hinüber ins Behandlungszimmer und begann mit seinen Untersuchungen. »Tja, was soll ich sagen?«, seufzte er, als er nach getaner Arbeit wieder an seinem Schreibtisch saß. »Augenscheinlich sind Sie kerngesund. Die Lunge ist frei, Ihre Reflexe funktionieren einwandfrei und auch sonst gibt es keinerlei Hinweise auf eine Erkrankung.«

»Und was machen wir jetzt?« Emilia schickte dem Arzt ihres Vertrauens einen ratlosen Blick.

»Ich werde Ihre großzügige Blutspende gleich im Anschluss ins Labor der Behnisch-Klinik schicken«, scherzte Dr. Norden, um Emilia Krämers Sorgen wenigstens ein bisschen zu zerstreuen. »Dann wissen wir hoffentlich bald mehr.«

»Das wäre hilfreich. Mein Mann wird nämlich für ein Jahr ins Ausland versetzt. Jetzt, da die Kinder groß sind, möchte ich ihn gern begleiten«, erzählte Emilia von ihren spannenden Plänen.

Daniels Augen leuchteten auf. Wie immer bei solchen Gelegenheiten musste er an seine Zeit im Orient denken. Der Aufenthalt im Palast von Scheich Ahmed gehörte zu den aufregendsten Erinnerungen seines Lebens, die er nicht missen wollte. Im Nachhinein hatten die Erlebnisse den Schrecken, den sie mitunter gehabt hatten, verloren. Zurückgeblieben waren nur die Bilder des herrlichen Gartens voll mit blühenden Orangenbäumen und üppigen Palmen. Auch der Duft der fremden orientalischen Speisen war ihm in lebhafter Erinnerung, ganz abgesehen von den Freundschaften, die dort entstanden waren. Doch jetzt war nicht Zeit, sich solchen Gedanken hinzugeben, und schnell kehrte Dr. Nordens Aufmerksamkeit wieder zu seiner Patientin zurück. »Das ist eine fantastische Gelegenheit, andere Menschen und Kulturen hautnah kennenzulernen«, machte er keinen Hehl aus seiner Begeisterung über diese Pläne. »Wohin soll die Reise denn gehen?«

»An die Westküste Amerikas.«

»Oh, da ist mein Schwager auch gerade. Er ist sehr begeistert.«

Emilia lächelte.

»Ich freue mich auch schon sehr darauf. Mein einziges Problem ist, dass ich nicht weiß, was ich mit meinem Klavier anfangen soll. Es ist ein altes Liebhaberstück, und ich möchte nicht, dass es so lange ungespielt herumsteht. Das bekommt solchen Instrumenten nicht so gut«, erklärte sie, als ihr ein Gedanke in den Sinn kam. »Aber Sie kennen doch jede Menge Leute. Vielleicht wissen Sie jemanden, der sich kein eigenes Klavier leisten kann, aber trotzdem gern spielen würde. Es ist durchaus üblich, Klaviere zu verleihen …«

Bedauernd schüttelte Daniel Norden den Kopf.

»Spontan fällt mir da niemand ein. Aber ich werde mich umhören und Ihnen bei Ihrem nächsten Besuch Bescheid sagen«, versprach er, als er seine Patientin aus dem Zimmer und vor zum Tresen begleitete. Dort saßen die beiden Assistentinnen und unterhielten sich über die Werbung einer Cocktail-Bar, die mit der Post in die Praxis geflattert war. »Da spielt jeden Abend ein Pianomann«, las Wendy mit leuchtenden Augen aus dem Prospekt vor. »Das sollten wir uns nicht entgehen lassen.«

»Ich hab auch mal Klavier gespielt«, erinnerte sich Janine, als Emilia Krämer an den Tresen trat.

Sie hatte den letzten Satz der ehemaligen Krankenschwester aufgeschnappt.

»Dann könnte ich Ihnen ja mein Klavier leihweise zur Verfügung stellen«, machte sie sofort einen Vorschlag, den Janine jedoch bedauernd ablehnen musste.

»Sie kennen meine Wohnung nicht. Mal abgesehen davon, dass die anderen Hausbewohner sicher nicht begeistert wären.«

»Schade«, seufzte Emilia und steckte den Zettel mit dem neuen Termin ein, den Wendy ihr über den Tresen zugeschoben hatte. »Aber ein bisschen Zeit habe ich ja noch. Jetzt muss ich erst einmal wieder gesund werden.« Mit einem strahlenden Lächeln verabschiedete sie sich von ihrem Arzt und den beiden Assistentinnen.

»Aber den Pianomann können wir uns ja trotzdem mal anschauen«, bemerkte Wendy, als die Tür hinter der Patientin ins Schloss gefallen war.

»Unbedingt«, stimmte Janine zu und stand auf, um die Röhrchen mit dem Blut für den Versand fertigzumachen. »Warum nicht gleich heute Abend?«

*

»… der Burgherr zu einem Fest geladen hatte, ging es hoch her. Musikanten spielten auf, Diener brachten kräftige Wildgerichte auf die mit glänzenden Silberleuchtern geschmückte Tafel. Die prächtig gewandeten Damen mussten sich nicht über schlechte Manieren ihrer Tischherren beklagen. Entgegen der landläufigen Meinung galt richtiges Benehmen als gebildet und fortschrittlich.« In Lennis Stimme hinein zischte und fauchte das Dampfbügeleisen, das Felix mechanisch über den zerknitterten Stoff schob. In Gedanken war er immer noch in der Behnisch-Klinik, wo er in der Ergotherapie ein Freiwilliges Soziales Jahr ableistete. Eine neue Patientin, die elfenhafte Muriel Laroche, ließ ihn nicht mehr los. Immer wieder musste er an ihr fein geschnittenes Gesicht und die langen schlanken Finger der jungen Musikstudentin denken, die nach einem Unfall die Beweglichkeit ihres Rückens schulen musste.

Doch Lenni war ohnehin am Ende des Absatzes angelangt und sie ließ das Geschichtsbuch sinken, aus dem sie Felix vorgelesen hatte. Ihr versonnener Blick ruhte auf dem zweitältesten Sohn der Familie, der sich gerade an einem Hemd abquälte.

»Die Gesellschaft bei Hofe lebte wirklich in Saus und Braus damals«, seufzte die Haushälterin der Familie Norden, die nach einer Knieoperation noch immer nicht wieder voll einsatzfähig war. Besonders langes Stehen war schwierig, sodass die Familienmitglieder diese Aufgaben unter sich verteilt hatten. Diesmal war Felix mit Bügeln an der Reihe, und seine Begeisterung darüber hielt sich in Grenzen. »Die reichen Damen hatten ein feines Leben«, fuhr Lenni fort. »Aber die hatten ja auch genügend Personal.«

»Was für ein Glück für sie«, gab Felix ironisch zurück.

Doch Lenni war so vertieft in ihre Gedanken, dass sie den feinen Unterton nicht hörte.

»Das stimmt allerdings«, gab sie zurück, als sich ein Schlüssel im Schloss drehte. Gleich darauf war es vorbei mit der himmlischen Ruhe. »Was gibts zu essen? Ich sterbe gleich vor Hunger!«, rief der jüngste Sohn der Familie, Janni, schon im Flur.

»Das wäre ein großes Glück. Dann wären wir nämlich ein Problem los«, scherzte seine Zwillingsschwester Dési.

»Wie auch immer sollte dich dein Hunger aber nicht daran hindern, deine Jacke an die Garderobe zu hängen, statt sie auf den Boden zu werfen«, ging Felicitas Norden geistesgegenwärtig dazwischen, bevor die Zwillinge ernsthaft aneinandergeraten konnten.

Janni schickte seiner Schwester einen vernichtenden Blick, ehe er sich bückte, um den Wunsch seiner Mutter zu erfüllen. »In meinem Haus gibt es mal keine Garderobe. Viel zu umständlich. Dann stelle ich einfach Kisten auf den Boden«, murrte der jüngste Sohn der Familie vor sich hin.

»In deinen eigenen vier Wänden kannst du mal machen, was du willst«, erklärte Daniel in aller Seelenruhe. »Aber hier haben glücklicherweise deine Mutter und ich das Sagen.« »Du sagst doch immer, dass alle Entscheidungen hier demokratisch getroffen werden«, beschwerte sich Janni. Wenn er Hunger hatte, war er die personifizierte schlechte Laune und kaum zu ertragen. Das wusste auch Lenni und erhob sich, um dem Abendessen, das schon im Ofen wartete, den letzten Schliff zu verpassen. Wenig später saß die Familie am Tisch und ließ sich den Kartoffel-Porree-Auflauf schmecken.

»Apropos demokratische Entscheidung!«, kam Daniel auf die Bemerkung seines Sohnes zurück. »Hat jemand von euch einen Freund, der Klavier spielt, sich aber kein eigenes Instrument leisten kann?«, fragte er und berichtete kurz von Emilia Krämers Angebot.

Augenblicklich wurde Felix hellhörig, sagte aber nichts.

Anneka, die älteste Tochter der Familie, zuckte hingegen ratlos mit den Schultern. »Meine Freunde stecken im Augenblick alle voll im Abi-Stress. Da hat keiner Zeit für Klavierspielen.«

»Klavierspielen ist doch voll altmodisch«, bemerkte Janni, der sich schon den dritten Nachschlag nahm, offenbar aber immer noch nicht satt war. »Eine Gitarre würde ich sofort nehmen …«

»Puh, da haben wir ja noch mal richtig Glück gehabt«, entfuhr es Dési.

Wenn Jan so schlecht gelaunt war, machte es besonders viel Spaß, ihn zu ärgern. Sie hatte nur Glück, dass sie weit genug von ihm weg saß, sodass er sie für diesen hämischen Kommentar nicht boxen konnte.

»Warum nehmen wir das Klavier eigentlich nicht selbst?«, machte Felix einen Vorschlag.

Augenblicklich verstummten die Stimmen am Tisch, und aller Augen richteten sich auf ihn. »Weil hier niemand Klavier spielt«, erklärte Anneka in einem Tonfall, als hätte sie es mit einem Kleinkind zu tun. Felix schnitt eine Grimasse in ihre Richtung, ehe er sich an seinen Vater wandte.

»Ich hätte Lust, Klavier zu lernen«, erklärte er.

Daniels Augen wurden rund vor Staunen.

»Entschuldige. Aber ehrlich gesagt hatte ich eher damit gerechnet, dass Dési Spaß daran hätte. An dich habe ich nicht gedacht.«

»Tja, es geschehen eben noch Zeichen und Wunder«, deklamierte der zweitälteste Sohn der Familie, an dem ein Schauspieler verloren gegangen war. »Vielleicht habe ich endlich erkannt, dass meine Bildung gar nicht umfassend genug sein kann.«

Dési und Anneka platzten gleichzeitig prustend heraus. Jannis Augen dagegen waren schmal geworden vor Argwohn.

»Ich wette, da steckt eine Frau dahinter«, sagte er seinem großen Bruder auf den Kopf zu. »Wahrscheinlich hast du in der Klinik eine kennengelernt.«

Es kam nicht oft vor, dass der schlagfertige Felix um eine Antwort verlegen war. Diesmal war es so weit.

»Ach, Quatsch!«, winkte er ab und versuchte krampfhaft, möglichst lässig dabei zu wirken.

Vergeblich. Das bemerkten auch seine Mutter und sein Vater. Doch Daniel besaß genug Feingefühl, um seinen Sohn nicht bloßzustellen. »Der private Kontakt zwischen Betreuer und Patient ist in der Klinik nicht erwünscht«, erklärte er Janni, wohlwissend, dass sich Liebe nicht an Vorschriften hielt. Und zu Felix gewandt sagte er: »Und ehrlich gesagt finde ich die Idee mit dem Klavier gar nicht so schlecht. Während des Freiwilligen Sozialen Jahrs hast du wenigstens noch Zeit für so was. Wenn du erst studierst, ist es damit vorbei.«

»Sag ich doch!«, grinste der, hocherfreut über den Erfolg, den er wieder einmal errungen hatte. Janni verdrehte genervt die Augen.

»Mensch, Leute, habt ihr schon mal dran gedacht, wie nervig das ist, wenn ein Anfänger Klavier übt?«, stöhnte er auf. »Wenn Felix viel übt, sind schon bald einfache Lieder möglich. Das hat mir Janine erst heute erklärt«, erwiderte Daniel Norden und sah seine Frau an. »Dann sage ich Frau Krämer Bescheid, dass wir ihr Klavier nehmen?«

»Ich hab nichts dagegen«, erwiderte Fee und musste unwillkürlich an ihre geliebten Klaviersonaten von Chopin denken, die sie besonders in den Wintermonaten gern zur Entspannung hörte. »Aber ich hab was dagegen!«, mischte sich Jan erbost ein. »Was ist denn jetzt mit demokratischer Entscheidung und so?«

»Du bist längst klassisch überstimmt«, teilte ihm Felix zufrieden mit und deutete auf Lenni, die eben mit dem Nachtisch hereinkam. »Wenn du willst, kannst du meine Portion auch noch haben.«

»Seit wann verzichtest du freiwillig auf Apfelstrudel mit Vanillesoße?«, fragte Jan argwöhnisch.

»Das ist ein Friedensangebot, um dich milde zu stimmen«, erklärte Felix mit Nachdruck. Janni dachte noch einen kurzen Moment nach, ob er dieses Angebot ohne Gefahr für Leib und Leben annehmen konnte. Als ihm aber der köstliche Duft in die Nase stieg, war es um seine Selbstbeherrschung geschehen.

»Wenn das so ist, kannst du deinen Kopf gern öfter durchsetzen«, grinste er und schob einen großen Löffel der süßen Spezialität in den Mund.

*

»Ich glaub, ich bin ein bisschen betrunken.« Wendy schwankte ein wenig auf dem Barhocker und sie musste sich festhalten, um nicht runterzufallen. »Diese Cocktails haben’s ganz schön in sich. Das traut man den kleinen, bunten Dingern gar nicht zu.« Sie kicherte, und Janine schickte ihrer Freundin und Kollegin einen besorgten Blick. Der Abend war unbeschwert und lustig gewesen. Während sich Wendy lebhaft mit einem Pärchen am Nebentisch unterhalten hatte, hatte Janine Gelegenheit gehabt, den Mann am Klavier näher zu betrachten. Schon allein seine gute Figur, die in dem schmalen schwarzen Anzug besonders gut zur Geltung kam, war ihr angenehm aufgefallen. Sein markant geschnittenes Gesicht, das von dunklem, an den Schläfen ergrautem Haar eingerahmt wurde, hatte ein Übriges dazu getan, dass sie den Blick nicht von ihm wenden konnte.

Ihre Aufmerksamkeit war ihm nicht entgangen, und das eine oder andere Lächeln war durch den dunkel getäfelten, kleinen Raum geflogen. »Ich glaub, ich muss nach Hause«, seufzte Wendy in Janines Gedanken hinein.

Nur mit Mühe konnte sich Janine von Fabians Anblick losreißen.

»Hast du was dagegen, wenn ich noch bleibe? Ich bin noch gar nicht müde«, fragte sie und half ihrer Freundin vom Barhocker. »Nein, nein. Lass dir von mir nicht den Spaß verderben«, murmelte Wendy und wankte hinüber zur Garderobe, um mit unsicheren Händen nach ihrem Mantel zu suchen. Janine, die sich bei den Cocktails zurückgehalten hatte, half ihr dabei.

»Ich ruf dir ein Taxi.«

»Nicht nötig! Der Weg ist ja nicht weit«, widersprach Wendy, hatte aber keine Chance gegen ihre Freundin und Kollegin.

»Nichts da. Wenn ich schon nicht mit dir gehe, dann sorge ich wenigstens dafür, dass du sicher heimkommst.« Sie drehte sich um und gab dem Mann hinter dem Tresen ein Zeichen. Der wusste, was zu tun war, und nickte, sodass sich Janine wieder voll und ganz auf Wendy konzentrieren konnte.