Home Girl - Alex Wheatle - E-Book

Home Girl E-Book

Alex Wheatle

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14,99 €

Beschreibung

»Home Girl« ist so rasant und lustig, zärtlich, tragisch und voller Courage wie seine Heldin. Naomi ist erst 14, hat aber schon mehr Enttäuschungen und Stress erlebt als die meisten Erwachsenen je erleben werden. Ihr Vater säuft, ihre Mutter hat sich umgebracht. Jetzt kommt sie schon wieder in eine neue Pflegefamilie. Die Goldings. Haben schon zwei Pflegekinder, ist doch immer dasselbe. Doch diesmal kommt alles anders: Colleen und Tony Golding sind schwarz und eigentlich ziemlich cool für Pflegeeltern. Sharyna und Pablo, ihre neuen Geschwister, sind sogar mehr als okay. Nur mit Kim und Nats, ihren Freundinnen, läuft es irgendwie nicht mehr ganz so gut, und langsam muss sich Naomi die Frage stellen, ob sie ihnen noch vertrauen kann. »Home Girl« erzählt von einer Jugend im Fürsorgesystem, von tiefen Verletzungen und enttäuschten Hoffnungen, von gerechter Wut und schlechten Entscheidungen, von Rassismus und verfehlter Politik, von falschen Freunden und davon, wie Fremde zu Familie werden und, trotz allem, nach Heim über Heim, ein Zuhause entstehen könnte.

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Seitenzahl: 357

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Zum Buch

Naomi ist erst 14, hat aber schon mehr Enttäuschungen und Stress erlebt als die meisten Erwachsenen je erleben werden. Ihr Vater säuft, ihre Mutter hat sich umgebracht. Jetzt kommt sie schon wieder in eine neue Pflegefamilie. Die Goldings. Haben schon zwei Pflegekinder, ist doch immer dasselbe. Doch diesmal kommt alles anders: Colleen und Tony Golding sind schwarz und eigentlich ziemlich cool für Pflegeeltern. Sharyna und Pablo, ihre neuen Geschwister, sind sogar mehr als okay. Nur mit Kim und Nats, ihren Freundinnen, läuft es irgendwie nicht mehr ganz so gut, und langsam muss sich Naomi die Frage stellen, ob sie ihnen noch vertrauen kann. »Home Girl« erzählt von einer Jugend im Fürsorgesystem, von tiefen Verletzungen und enttäuschten Hoffnungen, von gerechter Wut und schlechten Entscheidungen, von Rassismus und verfehlter Politik, von falschen Freunden und davon, wie Fremde zu Familie werden und, trotz allem, nach Heim über Heim, ein Zuhause entstehen könnte.

Über den Autor

Alex Wheatle wurde 1963 in Brixton geboren und wuchs größtenteils in einem Kinderheim auf. Mit 16 gründete er ein Reggae Soundsystem und trat unter dem Namen Yardman Irie auf. Während der Brixton Riots wurde er verhaftet und verbrachte einige Zeit im Gefängnis, wo er seine Liebe zur Literatur entdeckte. Er hat mehrere von der Kritik gefeierte Romane veröffentlicht, bevor er sich der Jugendliteratur zuwandte. Er lebt mit seiner Familie in London.

Von Alex Wheatle erschienen bisher im Verlag Antje Kunstmann Liccle Bit. Der Kleine aus Crongton (2018), Die Ritter von Crongton (2018) und Wer braucht ein Herz, wenn es gebrochen werden kann (2019).

ALEX WHEATLE

HOME GIRL

ROMAN

Aus dem Englischen von Conny Lösch

 

 

 

 

 

 

Verlag Antje Kunstmann

Für alle Kinder, die in Heimen oder Pflegefamilien leben oder gelebt haben

1

PLATZWECHSEL

»Das ist ein Perverser!«, schrie ich. Ich schnallte mich an und stellte dabei einen Grime-Sender im Radio ein. Ich wusste, sie hasste das. »Wieso glaubst du mir nicht?«

Louise sah mich an, als wollte sie mir eine runterhauen. Durfte sie aber nicht. Sie war meine Sozialarbeiterin. Und hatte Probleme, den Wagen anzulassen. Ihre Hände zitterten. »Er sagt, er hat nur mit deinem Handtuch vor dem Badezimmer gestanden«, sagte sie.

»Jedes Mal, wenn ich ins Bad bin, stand er da pädophil rum«, fauchte ich. »Ob ich mein Shampoo hab? Ist auch genug Schaum in der Wanne? Hab ich die Seife? Glaubt der, ich bin zu blöd, meine Sachen mit ins Bad zu nehmen? Ich sag dir, das ist ein Perverser mit großem Pimmel-P!«

Endlich ließ Louise den Motor an. Schnappte nervös nach Luft. Das machte sie immer, wenn ich in ihrer klapperdürren Anwesenheit Schimpfwörter benutzte. »Er … er sagt, er wollte dir nur helfen«, stammelte sie.

»Sperr die Ohren auf, Louise! Der hilft mir nicht. Ich weiß schon, auf was für einer Mission der sich befindet. Ich kann meinen Kram selbst mit ins Badezimmer nehmen.«

Louise ließ ihre Scheibe runter und zündete sich eine Kippe an.

Sie zog dran, als wollte sie das Ding in einem einzigen Zug killen. Sie schaute auf die Straße. Eine Getto-Tusse im schwarzen Hoodie führte einen Pitbull Gassi. Louise fuhr los. Wir waren im Osten von Ashburton, wo sogar die Köter erst mal argwöhnisch über die Schulter schauen, bevor sie um eine Ecke biegen. Ich sah zu, wie Louise ihren Qualm zum Fenster raus paffte. Ihre Stirnfalten sagten, dass sie jetzt am liebsten zu Hause wäre, Rotwein versenken und Bridget-Jones-Filme gucken würde. Sie verzog das Gesicht.

»Kann ich auch eine?«, fragte ich.

»Nein!«

»Wieso nicht? Du weißt doch eh, dass ich rauche.«

»Solange ich dabei bin, rauchst du nicht.«

»Du darfst eigentlich auch gar nicht mit mir in der Karre qualmen.«

Louise zog noch mal an ihrem Krebslutscher. Dann blies sie wieder Qualm aus dem Fenster und machte das Ding aus. Die übrige Hälfte legte sie ins Handschuhfach.

Zu meinen Füßen lag mein lädiertes Kuschelerdmännchen. Der Mund war eingerissen und dadurch breiter, an der linken Pfote fehlte eine Kralle, und ein Auge hing lockerer als das andere. Ich nahm es und legte es mir in den Schoß, streichelte es zweimal und lächelte es an.

Erinnerungen.

Dann warf ich Louise einen bösen Blick zu. Lily Allen rauschte mit Smile aus dem Autoradio. Kein Bass. Louise drehte leiser. Ich drehte wieder lauter, lauter als vorher. Louise wusste, dass sie das Spiel verlieren würde. Sie bedachte mich mit einem von ihren echt-jetzt-Blicken und schüttelte den Kopf.

»Wo bringst du mich hin?«, fragte ich.

»Weiß ich noch nicht.«

»Das weißt du nicht? Der Käsemond zeigt schon seine Löcher! Schöne Sozialarbeiterin bist du.«

»Hilft uns nicht weiter, wenn du überall, wo ich dich unterbringe, die kleine Miss Madam spielst. Mir gehen allmählich die Alternativen aus.«

»Ist nicht meine Schuld, dass du mich immer nur zu Freaks und Fummlern schickst.«

»Die Holmans in Ashburton nehmen seit über zwanzig Jahren Pflegekinder bei sich auf. Sie sind sehr zuverlässig. Niemand hat sich je über sie beschwert … bis heute Abend.«

»Die anderen hatten wahrscheinlich bloß zu viel Schiss, um was zu sagen«, meinte ich. »Die Alte wollte mich ständig umarmen. Was soll das? Andauernd hat sie sich mit ihrem ›Willkommen bei X-Factor‹-Lächeln vor mir aufgebaut.«

Ein Bild von meiner Mum platzte unaufgefordert in meinen Schädel. Ich erinnerte mich an ihr Lächeln. Ich versuchte es zu löschen, ging aber nicht. »Ist alles in Ordnung, Naomi?«, äffte ich meine Pflegemutter nach. »Heilige Affenscheiße! Irgendwann hab ich aufgehört mitzuzählen, wie oft sie mich das gefragt hat. Ich hab Haarausfall davon bekommen. Und dann er! Kim hat mich vor hinterhältigen Männern wie dem gewarnt. Alles, was du möchtest, Naomi, mein Schatz. Frag einfach. Ich weiß, was der wollte. Wäre er mir näher gekommen, hätte ich ihm das größte ›Einfahrt verboten‹-Schild aller Zeiten über den Schädel gezogen.«

»Bist du sicher, Naomi?«, fragte Louise. »Die beiden wollten nur nett sein. Und ich hab dir schon mal gesagt, hör nicht auf alles, was Kim sagt.«

Selbst jetzt glaubte mir Louise noch nicht. Die hatte nicht mehr alle Klöße im Gulasch. Was musste ich tun, damit diese Frau das Offensichtliche begriff?

»Neulich hab ich wieder Titanic geguckt«, sagte ich. »Ich muss immer heulen bei der Szene, wo Leo im Meer versinkt. Da kommt sie zu mir und umarmt mich, als hätte ich sie als Ersatzmutter gebucht. Ich hab ihr gesagt, sollte sie noch mal meine Komfortzone verschmutzen, brat ich ihr ne Pfanne über, sobald sie schläft. Wenn ich fertig mit der bin, hört sie die Vögel noch zwitschern, wenn sie sich am nächsten Tag die Krampfadern ziehen lässt. Ich sag dir, Louise, die gehören in die Klapse.«

Louise schwieg. Vielleicht hatte die Wahrheit ja endlich mal eine empfindsame Stelle bei ihr getroffen.

»Ich hab Hunger«, sagte ich. Das war nicht gelogen. Mein Magen knurrte. »Wo fährst du mit mir hin? Ich will nicht zum Alabama Chicken Cottage oder in die Mississippi Hen Hut. Bei denen schmecken die Hühner ranzig.«

Louise antwortete nicht. Sie hielt den Blick auf die Straße gerichtet. Zehn Minuten später bog sie auf den Parkplatz vom McD an der Ashburton Ring Road. Sie zog fünf Pfund aus ihrem Portemonnaie. Ich befreite sie davon, nahm mein Erdmännchen und war weg, bevor Louise auch nur das N von Naomi rausbrachte. Am Eingang vom McD drehte ich mich noch mal um. Louise schüttelte den Kopf, nahm ihr Handy aus der Tasche und gab eine Nummer ein. Sie fischte ihre halb gerauchte Kippe wieder aus dem Handschuhfach, zündete sie an und schaute aus dem Fenster.

Ich hatte gerade den letzten Krümel eines Quarter-Pounder mit Käse verdrückt, als Louise ihren dürren Arsch mir gegenüber parkte. Sie sah aus, als hätte sie sich für so einen Wohltätigkeitslauf angemeldet, ohne richtig fit dafür zu sein. »Kommt dein Typ heute nicht vorbei?«, fragte ich.

»Lass das, Naomi.«

»Vielleicht betrügt er dich ja, nagelt eine andere.«

»Naomi!«

»An deiner Stelle würde ich seine Eier in den Mixer stopfen, wenn er schläft.«

Ich trank meinen Schokomilkshake mit Strohhalm und versuchte den nächsten Kicheranfall zu blockieren. Gelang mir nicht so ganz. Ein Schokosprühregen spritzte über den Tisch auf Louise’ braune Lederjacke. Ein vorbeigehendes schwarzes Mädchen mit einem Tablett voll Burger und Fritten lachte laut los. Ich stellte meinen Shake ab und wischte mir mit dem Handrücken über Mund und Nase. Louise’ Augenbrauen legten sich um fünfundvierzig Grad um, außerdem passierte irgendwas Komisches mit ihren Lippen. Sie stand auf zwölf Zentimeter hohen Stöckelschuhen am Rand einer Klippe. Kann sein, dass ich zu weit gegangen war.

»Tschuldigung«, sagte ich.

Louise zog schnaufend und schnaubend zum Tresen ab. Wenig später kam sie mit einer Handvoll Servietten und einem Kaffee zurück. Ich hatte den Tisch sauber gewischt und lehnte mich mit meinem Erdmännchen zurück, klemmte es mir zwischen Arme und Bauch.

Louise tastete in ihrer Jeanstasche nach ihrem Telefon. Sie schloss die Augen und holte zwei Mal megatief Luft, betrachtete mich durchdringend. »Hättest du was dagegen, ein oder zwei Wochen lang bei einer schwarzen Familie zu wohnen?«, wollte sie wissen. »Ich dachte an eine in der zweiten Generation eingebürgerte westindische Familie. Ist nicht ideal, wäre aber auch nicht für lange. Nur bis ich was Passenderes für dich gefunden habe.«

»Eine schwarze Familie?«

Ich glaub mich laust der Affe! Was hat die denn genommen?

»Ja«, nickte Louise. »Wie gesagt, wäre nur für kurze Zeit. Die sind sehr gut. Und du hast ja auch schwarze Freundinnen, mit denen du dich sehr gut verstehst.«

Ich zuckte mit den Schultern. Mal was Neues. Könnte interessant werden. »Denke schon. Hauptsache keine Umarmer oder Fummler.«

Louise tippte in ihr Handy. Ich beobachtete jede einzelne Bewegung. Sie nahm ihren Kaffee und ging damit raus. Durchs Fenster behielt sie mich im Visier. Wozu eigentlich? Sie wird’s mir sowieso erzählen müssen.

Ich flitzte raus zu ihr. Louise kehrte mir den Rücken zu.

»Stell laut«, drängelte ich.

Louise ignorierte mich.

»Geht doch um mich, oder? Stell laut.«

Louise tat, wie ihr geheißen.

»Hallo? Hallo, Colleen, hier ist Louise. Gott sei Dank, du bist da.«

»Hi, Louise. Alles gut bei dir?«

»Nicht so ganz. Ich steck ein bisschen in der Klemme.«

»Ach, was ist denn los?«

»Kannst du mir einen großen Gefallen tun? Ich hab’s schon bei allen anderen versucht und mir gehen die Alternativen aus. Ich weiß, es ist spät, aber ich brauche wirklich deine Hilfe.«

»Ist nach acht …«

»Ich hab einen Notfall«, fiel ihr Louise ins Wort. »Ich brauche unbedingt eine Notbetreuung für ungefähr zwei Wochen, bis ich was Dauerhaftes gefunden hab.«

»Zwei Wochen sind kein Problem. Ich mach das freie Zimmer sauber. Wurde eine Weile nicht benutzt. Gibt’s was an dem Fall, das ich wissen sollte? Ich will keine Autoaggressiven zugeteilt bekommen, ohne dass du’s uns sagst. Der letzte Fall hat den Kindern echt Angst gemacht. Tony musste die Wände streichen.«

Louise schenkte mir einen besorgten Blick, bevor sie antwortete. Ich schnitt eine Grimasse.

»Nein, so was nicht«, erwiderte Louise. »Aber, äh, es gibt etwas, worüber wir reden sollten, wenn ich komme. Bei der Letzten wusste ich selbst nicht, dass sie autoaggressive Neigungen hat. Davon stand nichts in der Akte und sie hatte auch keine Narben an den Armen.«

»Ihr hättet euch mal die Beine anschauen sollen.«

»Inzwischen weiß ich das. Tut mir sehr leid, war mein Fehler.«

»Wer macht sich’s mit Rasierklingen?«, wollte ich wissen. »Taneka Taylor, die aus der Sondereinrichtung? Die war immer schon abwegig.«

Louise hielt das Telefon mit der Hand zu. »Jetzt nicht, Naomi.«

»Woher weißt du, dass sich dein Notfall nicht ritzt?« Colleen wollte es noch mal bestätigt haben.

»Ich kenne den Fall schon eine ganze Weile.«

»Ich bin kein scheiß Fall«, hob ich meine Stimme. »Ich hab einen Namen. Naomi Brisset.«

Louise schaute mich schräg von der Seite an. Jetzt stand sie wieder an der Klippe.

»Wie alt?«, fragte Colleen.

»Vierzehn.«

Louise bohrte Blicke in mich.

»Benimmt sich aber wie neunundzwanzig«, fuhr sie fort. »Da ist noch was, das du wissen solltest.«

»Oh? Was denn?«

»Sie ist ethnisch weiß. Normalerweise würde ich …«

Verdammte Scheiße, was ist denn ethnisch weiß? Und wieso redet Louise auf einmal so kariert?

Ich bedachte Louise mit einem meiner schönsten was-redest-du-für-eine-Scheiße-Blicken. Zehn Sekunden lang herrschte Schweigen.

»Kann ich dich gleich noch mal anrufen, Colleen?«, fragte Louise. »Dauert nicht lange.«

Fünf Sekunden lang richtete Louise ihren Scheinwerfer auf mich, ohne ein Wort zu sagen. Ihr Blick war verzweifelt. »Ist das wirklich okay für dich, wenn du vorläufig bei einer schwarzen Familie bleibst? Entweder das oder ins Heim. Mir wär’s lieber, du würdest bei einer Pflegefamilie unterkommen …«

»Ins Heim geh ich nicht noch mal!« Ich drückte mir mein Erdmännchen fest an den Bauch. »Ich kann die Leute da nicht ausstehen. Ich hasse die.«

»Hasst du sie wirklich, Naomi? Warst ganz schön nah ans Wasser gebaut, als du weg bist.«

»Wegen Kim und Nats. Das sind meine besten Freundinnen.«

»Hmmm«, brummte Louise. Sie war von Kim und Nats noch nie angetan gewesen. »Also, was hältst du davon, bei einer schwarzen Familie zu wohnen? Wird nicht für lange sein.«

»Haben die Kinder?«, fragte ich.

»Haben sie«, nickte Louise.

»Wie alt?«

»Sharyna ist zehn und Pablo sechs. Beide adoptiert. Früher waren sie auch im Heim.«

»Und warst du ihre Sozialarbeiterin?«

»Ja. Bitte antworte mir, Naomi. Ich hab nicht die ganze Nacht Zeit.«

»Willst wohl schnell nach Hause, bevor dein Freund keinen Bock mehr hat zu warten und sich eine andere schnappt?«

»Naomi!«

Ich dachte drüber nach. Eine schwarze Familie. Definitiv cooler als die Holmans. Vielleicht würden sie mich ja sogar kiffen lassen. Und die Mutter könnte mir Zöpfchen flechten, wie Solange Knowles welche hat. Oder meine Dance Moves aufpolieren. Vielleicht würden sie mir ein paar geile Schimpfwörter beibringen, solche wie die, mit denen die schwarzen Mädchen in meiner letzten Schule um sich geworfen haben.

Ich grinste. »Ja. Von mir aus können wir das so machen.«

»Bist du sicher? Ich hab nämlich keine Lust, mir noch mal vorwerfen zu lassen, ich hätte dich nicht nach deiner Meinung gefragt, bevor ich dich irgendwem zuteile.«

Da hatte sie recht.

»Denke schon«, sagte ich. »Es sei denn, du besorgst mir eine eigene Wohnung. Wenn ich alleine sein könnte, das wäre super. Weiß nicht, warum du dir immer gleich so ins Hemd machst, nur weil ich davon anfange. Wenn ich fünfzehn bin, lerne ich einen netten Jungen kennen und wir bauen uns was zusammen auf …«

Louise hatte wieder ihr echt-jetzt-Gesicht aufgesetzt.

»Wie oft muss ich dir das noch sagen, Naomi?«, fragte sie. »Du bist minderjährig. Das Jugendamt ist für dich verantwortlich, bis du achtzehn bist.«

»Als ich mich um meinen Dad gekümmert hab, hat’s auch keine Rolle gespielt, dass ich minderjährig bin!«

Louise ging kopfschüttelnd weg. Sie drückte auf die Wahlwiederholung auf ihrem Handy. »Hallo, ich bin’s noch mal, Louise.«

Das Telefon war noch auf Lautsprecher geschaltet.

»Hallo, Louise.«

»Ich würde dich nicht drum bitten, wenn ich nicht verzweifelt wäre, Colleen, aber zwei Notpflegestellen sind im Urlaub und die dritte steht kurz vor einer Geburt. Ist doch kein Problem, dass der Fall weiß ist, oder? Sie heißt Naomi. Naomi Brisset.«

»Naomi«, wiederholte Colleen. »Schöner Name.«

Ich verzog den Mund zu einem Lächeln. Natürlich ist das ein schöner Name. Meine Mum hat ihn mir gegeben.

»Sag ihr, ich wurde nach Naomi Watts benannt«, sagte ich. »Die hat in King Kong mitgespielt und in einem Horrorfilm.«

Louise ignorierte mich. »Ist das für Tony auch okay, äh, du weißt schon?«, fragte sie.

»Natürlich«, erwiderte Colleen. »Er hat nichts dagegen. Ist okay.«

»Bist du sicher?«, fragte Louise noch mal. »Nur weil Tony immer ausdrücklich nur schwarze Pflegekinder haben wollte.«

»Er will allen Kindern helfen«, beharrte Colleen.

»Okay, Colleen«, Louise nickte. Sie atmete erleichtert aus. »Wir sind in circa einer halben Stunde da.«

»Warte mal, warte«, sagte Colleen. »Müssen wir bei der Ernährung auf irgendwas achten? Weißt du noch, letztes Jahr? Da hast du uns einen Jungen geschickt, der keinen Reis, keine Kartoffeln, kein Fleisch und nichts Gewürztes essen wollte.«

»Naomi ist beim Essen nicht pingelig. Ich bring ihre Akte mit.«

»Ich mag kein Hackfleisch«, rief ich. »Erinnert mich an Würmer. Also keinen Shepherd’s Pie. Ach, und keine Maccaroni Cheese. Die sehen auch aus wie Würmer, wie gelbe Würmer.«

Louise schenkte mir einen funkelnden Halt-den-Rand-Blick.

»Ich freue mich drauf, sie kennenzulernen«, sagte Colleen nach einer Pause. Wir gingen wieder rein zu McD. Louise trank ihren Kaffee und rutschte tiefer auf ihrem Stuhl. »Sieht aus, als würde sich Colleen freuen, dich kennenzulernen«, sagte sie.

»Warum auch nicht?«, grinste ich. »Bin doch sehr liebenswert.«

Fest umarmte ich mein Erdmännchen.

2

EINE NEUE HOFFNUNG

Wir rasten über die Ashburton Circular. Ich starrte aus dem Autofenster und schaute auf die Straßenschilder. Monk’s Orchard, Spenge-on-Leaf, Crongton, Notre Dame, Cranerley, Smeckenham. In Shrublands fuhren wir ab. Ich dachte an meinen Dad. Fragte mich, was er davon halten würde, dass ich bei einer schwarzen Familie wohnte. Ihm wär’s egal gewesen. Hat ja auch immer mit allen gesoffen. Einmal musste ich seinen Alkoholikerarsch bei Lord Jazzbo rauszerren, das ist eine Cocktailbar mit Samba am Donnerstag, Disco am Freitag und Reggae am Samstag. Da gab’s so ein Spezialgetränk, das hieß Rumwave. Dad hat es geliebt. Ich hab’s auch mal probiert, aber einen Monsterkater davon bekommen. War das letzte Mal, dass ich was Hochprozentiges getrunken hab.

Wir kamen in Shrublands an.

Blumen hübschten die Verkehrskreisel auf. Geländewagen parkten an den Rändern der breiten Straßen. Katzen schliefen auf Zaunpfosten. Die Hecken waren ordentlich gestutzt.

»Hier wohnen Schwarze?«, fragte ich.

»Ja, allerdings«, erwiderte Louise. »Die Goldings sind eine nette Familie. Die haben es zu was gebracht.«

»Mit Dragon Hip Pills haben die ihre Kohle aber nicht verdient, oder?«

»Nein! Ganz bestimmt nicht. Und fang bloß nicht so an, Naomi.«

»Schon gut, war bloß ein Witz.«

»Das will ich hoffen, Naomi.«

Louise’ Augenbrauen hatten sich verhärtet. Ich sah ihr an, dass der ganze Deal sie voll frustrierte.

»Du wirst nicht furchtbar lange hierbleiben, gib mir einfach ein bisschen Zeit«, sagte sie. »Ich kann dich sowieso nicht dauerhaft hierlassen. Da müsste ich mir bei der Verwaltung schon ein Bein ausreißen und eine Million Anträge ausfüllen.«

»Und wer reißt sich bei der Verwaltung ein Bein aus, wenn die Klos verstopft sind?«, fragte ich.

Louise schüttelte den Kopf. »Das willst du gar nicht wissen«, erwiderte sie.

Wir hielten draußen vor einem hübschen Haus. Der Rasen im Vorgarten war vorschriftsmäßig rasiert. Auf die weiße Haustür war eine goldene Zahl genagelt. Dreiundzwanzig. Louise drückte auf die Klingel. Ungelogen, innerlich war ich voll am Zittern. Ich trat ein paar Schritte zurück. Also auf ein Neues.

Die Tür öffnete sich. Eine gut aussehende Schwarze tauchte auf.

Mitte bis Ende dreißig. Mir gefielen ihre pfauenfarbenen Ohrringe.

»Schön dich zu sehen«, sagte Colleen. »Kommt bitte rein. Ich hab gerade Teewasser aufgesetzt.«

Zuerst hatte mir die Vorstellung gefallen, bei Schwarzen zu wohnen. Aber jetzt war ich mir nicht mehr so sicher.

»Naomi!«, rief Louise.

Ich stand auf der Stelle, musterte Colleen eine Weile, dann schlappte ich langsam auf die Tür zu. Sie hatte schulterlange braune Dreadlocks. Oh gut. Vielleicht können wir ja ein paar richtige Dancehall Tunes hören. Breit grinsend winkte sie uns ins Haus. »Was willst du trinken?«, fragte sie. »Heiße Schokolade? Orangen- oder Apfelsaft? Cola? Hast du Hunger?«

Sie machte mich verlegen. Ich zog mein Handy aus der Tasche, obwohl ich gar nicht wusste, was ich damit anfangen wollte. »Ich will Kaffee«, erwiderte ich. »Vier Löffel Zucker.«

»Drei Löffel Zucker«, mischte Louise sich ein. »Vergiss nicht, wir haben einen Deal …«

»Aber du hast nicht mit dem Rauchen aufge…«

»Nicht jetzt«, fiel mir Louise ins Wort.

Ich zog ein Fick-dich-Gesicht.

»Na komm, Naomi«, sagte Louise. »Lass uns reingehen, damit Colleen die Tür zumachen kann. Wird ganz schön frisch.«

Es war kalt. Ich wollte mit meinem Grime-Therapy-T-shirt angeben, aber ich musste die Kapuzenjacke drüber anlassen.

Ich ging in die Diele. Entdeckte zwei auf der dritten Treppenstufe parkende Kinder. Das jüngere, ein Junge, kicherte. Das musste Pablo sein. Das ältere Mädchen hatte das Gesicht zwischen den Händen, war wohl Sharyna. Hübsch. Sie beäugten jede einzelne Bewegung von mir. Ich betrachtete meine Umgebung. Ganz anders als bei Mum zu Hause. Die bernsteinfarbenen Wände sahen aus, als wären sie erst vor wenigen Tagen frisch gestrichen worden. Die Diele war schmutzfrei und ich roch Bodenpolitur. Den Schwarzen mit den dicken Melonenbacken auf dem Bild in dem Rahmen kannte ich nicht. Sie brauchten noch ein Foto daneben, weil seine ausgefahrene Posaune auf eins nicht draufpasste.

Am Ende der Diele befand sich die Küche. Ein schwarzer Mann saß dort am Tisch. Seine Schultern waren multiplex-breit. Auf den Unterarm hatte er einen Tiger tätowiert. Ich vermutete, das war Tony. Colleen lud Louise und mich ein, unsere Hintern zu parken. Tony stand auf und lächelte mich an. Ein Goldzahn. »Hi, ich bin Tony«, sagte er und streckte die Hand aus. Ich sah sie an, als wär’s eine ausgebüchste Anakonda. Meine Nerven zischten wie Würstchen auf einem zu hoch gedrehten Gaskocher. Ich schaute auf seinen Teller. Das Essen kannte ich nicht. Dann guckte ich schnell wieder auf mein Handy.

Colleen griff nach einer Keksdose oben auf einem Schrank und nahm den Deckel ab. »Möchte jemand was Süßes?«, fragte sie.

Louise nahm zwei Vanillecremekekse.

»Gibt’s keine mit Schokolade?«, fragte ich.

»Tut mir leid, Liebes«, erwiderte Colleen. »Ich denk morgen dran, wenn ich einkaufe.«

Louise zog meine Akte aus einer Ledertasche. Ein straff gespanntes Gummiband hielt die Mappe mit den unzähligen Unterlagen darin zusammen. Sie schob sie Tony zu, der sie ignorierte, einen Schluck von seinem Obstsaft nahm und sich erneut vorstellte. »Sag einfach Tone zu mir.«

Ich wusste nicht, was ich entgegnen sollte. Verührte Affenkacke! Das passiert hier wirklich gerade. Colleen setzte sich neben Tony. »Und ich bin Colleen«, lächelte sie. »Colleen Golding. Wir freuen uns, dass du bei uns bist.«

Die Holmans hatten dieselbe Scheiße abgesondert.

Ich schaute Colleen kurz an, dann konzentrierte ich mich wieder auf mein Handy. Ich versuchte ein Spiel hinzukriegen, aber es klappte nicht.

»Sharyna! Pablo!«, rief Colleen.

Pablo kam als Erster angeflitzt. Er kicherte immer noch. Dann folgte Sharyna in die Küche, als würden sämtliche Paparazzi der Welt hier auf sie warten. Voll das nervöse Grinsen und Seitenblicke. Sie hielt die Arme hinter dem Rücken und das Kinn hoch erhoben.

»Hi, Naomi«, grüßte sie mit erwachsener Stimme.

Ich setzte ein Lächeln ab. Ich fand ihre langen Zöpfchen toll. »Du weißt ja, wie ich heiße«, sagte ich. »Alles klar bei dir? Spitzenzöpfchen übrigens.«

»Danke«, erwiderte Sharyna.

Ich glaube, sie wurde ein bisschen rot, aber sicher war ich mir nicht.

»Darf ich vorstellen: Sharyna«, lachte Tony.

Louise schmunzelte und nahm noch einen Keks. Ich betrachtete die Falten um ihre Augen. Anscheinend hatten ein paar von den anderen in ihren Akten sie so gestresst, dass ihr Ballon kurz vorm Platzen war.

Colleen schenkte mir Kaffee ein. Sie lachte nervös. »Ist er so in Ordnung, Liebes?«

Ich probierte ihn. Hätte ein bisschen süßer sein können.

»Geht schon«, sagte ich. »Ein Schokokeks wäre dazu nicht verkehrt gewesen.«

Während die Erwachsenen redeten, Kekse futterten und meine Akte durchgingen, erlaubte ich Pablo und Sharyna, sich mein Handy anzuschauen. Dann wurden sie zum Geschirrspülen verdonnert. Als Pablo den letzten Teller abgetrocknet hatte, wandte Colleen sich an mich.

»Bist du bereit für einen Rundgang?«

Einen Rundgang? Das Haus ist ja ganz schön, aber der Buckingham Palace ist es nicht.

»Denke schon«, sagte ich.

»Dann mir nach«, erwiderte Tony. Er nahm meine Taschen.

Wir ließen Louise und Colleen in der Küche sitzen, Tony führte mich die Treppe hinauf in mein Zimmer, Sharyna und Pablo folgten uns. Ich hielt mein Erdmännchen ganz fest. Tony öffnete die Tür und ich trat langsam vor. Blieb lange im Türrahmen stehen. Betrachtete das Doppelbett. Das ist neu. Normalerweise bekomme ich kein Doppelbett. Tony kramte neben mir herum. Sharyna und Pablo blieben draußen im Flur.

Gar nicht mal schlecht. Mal sehen, wie sich mein Leben von hier aus weiterentwickelt.

Ich legte mein Erdmännchen sachte zwischen die Kissen. Dann sah ich mir die Möbel an. »Wo ist der Fernseher?«, fragte ich.

»Das letzte Mädchen, das bei uns war, hat nicht viel ferngesehen«, erklärte Tony. »Stattdessen hat sie jede Menge Psychothriller gelesen.«

Ich trat zum Fenster und schaute in den Garten. Gerade so konnte ich die Umrisse eines Schuppens erkennen. Ich dachte an Dad. Wenn er sein Leben in den Griff bekommen würde, könnte er auch in einem Haus wie diesem wohnen. »Seh ich aus, als würde ich lesen? Ich will einen Fernseher.«

»Wenn du das so sagst, wirst du keinen bekommen, junge Dame.«

Ich drehte mich um, nahm mein Erdmännchen und drückte es mir fest an die Brust. »Ich will einen scheiß Fernseher! Was stellt ihr euch vor, was ich hier oben machen soll? Tic Tac Toe an der Wand spielen?«

Sharyna und Pablo schlichen näher an die Tür heran. Ich laserte Tony meinen Blick in die Stirn, aber anscheinend hatte er sein Schutzschild aktiviert, denn er blieb ganz ruhig. Ich hörte zwei Paar Füße die Treppe heraufkommen. »Wenn du so mit mir sprichst, wirst du keinen Fernseher bekommen«, sagte Tony erneut.

Louise platzte ins Zimmer. Sie hatte Cremekekskrümel am Mund. Fast hätte ich losgekichert. »Alles in Ordnung?«, fragte sie, sah erst mich an, dann Tony.

»Alles prima«, erwiderte Tony. »Wir lernen uns nur kennen.«

Colleen kam reingestolpert und wäre fast gegen Louise gerannt.

»Stimmt was nicht?«, fragte sie.

»Nein«, sagte ich. »Hab mich nur gefragt, ob’s wohl möglich wäre, dass ich einen Fernseher ins Zimmer bekomme?«

Colleen und Tony wechselten Blicke. Tony schüttelte den Kopf und setzte meine Taschen ab. Er lächelte und sagte sanft: »Ich glaub, wir haben noch einen.«

»Äh, ja, der ist in meinem Zimmer«, sagte Colleen.

Tony schüttelte erneut den Kopf. Louise schaute ihn an. »Ich hole ihn«, bot er an.

Ich ließ die Großspurigkeit stecken. »Kann ich auch einen DVD-Player?«, bat ich. »Ich hab jede Menge DVDs dabei, die ich gucken will. Manchmal kann ich nicht schlafen. Ich hab Albträume.«

Das war nicht gelogen. Solange ich denken konnte, hatte ich schon Schlafprobleme. Tony lächelte irgendwie komisch.

»Nicht so großspurig, Naomi«, sagte Louise. »Kannst du dich an unser Gespräch über den richtigen Tonfall erinnern? Und ich glaube, es fehlt auch noch ein Wort.«

Louise legt immer wieder dieselbe Platte auf. Ich bin doch keine verfluchte Idiotin. Ich hab’s kapiert. Ich umklammerte mein Erdmännchen fester und verdrehte die Augen.

»Bitte, bitte und ein ganz besonders hübsches Bitte mit Glöckchen und rosa Einwickelpapier.«

»Kannst sehr gerne einen DVD-Player bekommen«, erwiderte Tony vornehm säuselnd. Ich warf ihm einen bösen Blick zu.

Tony ging aus dem Zimmer. Colleen lächelte nervös. »Muss ich heute Abend noch was von dir waschen?«, fragte sie. »Eine Schuluniform vielleicht?«

»Sie geht erst nächsten Montag wieder in die Schule«, erklärte Louise. »Donnerstag und Freitag hat sie frei, um sich besser an die neue Umgebung zu gewöhnen und eine Beziehung zu ihrer neuen Familie aufzubauen.«

»Dann sind wir tagsüber ja zusammen hier«, sagte Colleen. »Und können uns kennenlernen.«

»Hurra!«, sagte ich spöttisch. »Ganz schön viel auf einmal.«

Das hatte sie nicht verdient. Sie wollte nur nett sein. Lass sie doch.

Tony kam mit einem tragbaren Fernseher zurück und wartete, bis ich die Bücher vom Schreibtisch geräumt hatte. Den vornehmen Tonfall baute er wieder ab. »Danke schön«, sagte er.

»Wo ist der …?«

Sharyna kam mit einem DVD-Player hinterher, stellte ihn neben den Fernseher und schenkte mir ein wunderschönes Strahlelächeln. Wie hätte ich danach noch die Großspurige markieren sollen?

»Danke«, sagte ich. »Wie heißt du noch mal?«

»Sharyna.«

»Wenn die uns lassen, können wir ja ein paar Gruselfilme zusammen gucken.«

»Das wäre …«

Louise unterband Sharynas Begeisterung. »Sie ist erst elf«, warnte sie.

»Ich hab schon mit sechs Horrorfilme geschaut«, sagte ich. Das war nicht gelogen. Mum hatte sie auch geliebt. Wir hatten auf unserem schäbigen Sofa gesessen und Haribos dabei gefuttert. »Der neue Evil Dead ist obergeil.«

»Sharyna, willst du Naomi den Rest vom Haus zeigen?«

»Ja«, lächelte Sharyna. »Zuerst zeige ich ihr mein Zimmer.«

Eine halbe Stunde später saß ich in meinem Zimmer und fuhr Sharyna mit den Fingern durch die Zöpfchen. Sie hatte nichts dagegen. Wir verstanden uns super.

Louise streckte den Kopf zur Tür rein. »Kann ich dich kurz sprechen?«, fragte sie.

»Sicher«, erwiderte Sharyna.

Louise wartete, bis Sharyna die Tür zugemacht hatte. »Wirst du hier klarkommen?«

»Solange der nicht an mir rumfummelt.«

»Ich denke, dass du allmählich ein bisschen paranoid wirst.«

»Die sind alle gleich«, widersprach ich. »Kim hat mich vor Männern gewarnt, die Pflegekinder aufnehmen. Bei ihr haben es ganz viele versucht. Sie hat mir gesagt, dass ich denen nicht über den Weg trauen soll. Sieht man doch auch andauernd in der Zeitung und in den Nachrichten.«

Louise bedachte mich mit einem einwandfreien echt-jetzt-Blick. »Nicht alle Männer sind so wie in den Nachrichten«, sagte sie. »Und Kim kennt auch nicht alle. Sie ist kein allwissendes Orakel.«

»Orakel? Hör auf, Ausländisch zu reden. Wenn der was bei mir versucht, schneid ich ihm den Schwanz ab. Das lass ich mir nicht gefallen!«

Louise tätschelte mir die Schulter. »Ich denke nicht, dass das nötig sein wird. Hör endlich auf, alles zu glauben, was Kim sagt. Manchmal … dehnt sie die Wahrheit.«

»Genau wie Sozialarbeiter.«

Louise schüttelte den Kopf.

»Gib bloß mir nicht die Schuld, wenn du später heute Nacht noch einen Notruf kriegst«, setzte ich hinzu.

»Keine Angst. Mr Golding ist einer von den Guten.«

»Es gibt keine guten Männer, die Kinder in Pflege nehmen. Die haben alle … wie sagt man? Die führen alle was im Schilde.«

Louise stemmte die Hände auf die Hüften. »Meinst du, ich würde dich bei jemandem unterbringen, der nicht in Ordnung ist?«

»Du hast mich ja auch zu den Holmans geschickt. Das war der absolute Oberfummler, und ihr hab ich schon am ersten Tag an der lila Leggings und den pinken Turnschuhen angesehen, dass was nicht stimmt.«

»Hmmm.«

»Komm mir nicht mit hmmm«, sagte ich. »Das heißt, du denkst, ich rede Scheiße.«

Louise konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

»Wann kommst du wieder?«, wollte ich wissen.

»Mal sehen. Heute ist Mittwoch. Wir sehen uns Freitagvormittag.«

»Kriege ich kein Taschengeld?«, fragte ich. »Kann doch sein, dass mir diese Goldings was husten. Denk dran, wie der sich ins Hemd gemacht hat, wegen dem Fernseher.«

»Ich bin sicher, sie geben dir was.«

Ich hielt die Hand auf. »Und wenn nicht? Ich hab keinen Bock, Opfer von Sparmaßnahmen zu werden.«

»Sie werden dir geben, was sie für angemessen halten.«

»Und wenn nicht?«, wiederholte ich. »Außerdem ist das, was du angemessen findest, nicht dasselbe wie das, was ich angemessen finde.«

Louise bedachte mich erneut mit einem echt-jetzt-Blick, schüttelte den Kopf und nahm ihr Portemonnaie aus der Tasche. Jede Menge Karten waren drin. Ich frage mich, was Sozialarbeiter bezahlt bekommen? Sie gab mir einen Zehn-Pfund-Schein.

»Gib’s nicht für Zigaretten aus«, ermahnte sie mich. »Kannst auch was davon zu den Schokokeksen beisteuern, die du haben willst.«

Ich steckte den Schein in das Reißverschlussfach meiner Reisetasche.

»Die Goldings sind gute Leute«, setzte Louise noch mal an. »Sie nehmen seit Jahren Kinder in Pflege.«

Affe fährt Ski! Merkt die nicht, dass sie sich wiederholt? Die wird schon senil.

»Dasselbe hast du auch über die Holmans gesagt«, behauptete ich.

»Ein oder zwei Wochen lang wird das hier gehen, bis ich was Passenderes gefunden habe.«

»Hast du schon gesagt.«

»Benimm dich.« Louise lächelte.

Sie machte die Tür auf, zögerte aber beim Rausgehen, schenkte mir ein weiteres Lächeln. Ungelogen, ich sah sie nicht gerne gehen. Wieso kann sie mich nicht bei sich aufnehmen? Ich würde ihr schön viele Scheine aus den Rippen leiern. Ich nahm mein Erdmännchen und setzte es mir auf den Schoß.

3

DAS BAD-PROBLEM

Es war schon voll spät. Ich saß mit meinem pinken Handtuch über den Schultern auf dem Bett. Colleen stand im Eingang, sah mich an.

»Er ist unten«, beharrte sie. »Du kannst in meinem Zimmer nachsehen, wenn du willst.«

»Vielleicht ist er ja bei Pablo oder bei Sharyna«, sagte ich. »Habt ihr einen Dachboden? Er kann doch auch da oben sein.«

»Tone!«, rief Colleen. »Ruf mal was, damit Naomi glaubt, dass du unten bist.«

»ICH BIN UNTEN, Naomi!«

»Siehst du«, sagte Colleen. Ungeduld nagte an ihren Wangen. Kim hatte gesagt, ich soll unbedingt meinen Fummler-Radar einschalten.

»Sofern mein Ehemann nicht gelernt hat, wie man seine Stimme in unterschiedliche Teile des Hauses transportiert, ist er unten«, versicherte mir Colleen.

»Bleibt er die ganze Zeit unten, solange ich dusche?« Ich wollte das bestätigt haben.

»Natürlich.«

»Versprich es.«

»ICH VERSPRECHE ES, NAOMI!«, brüllte Tony. »Mit Glöckchen und rosa Einwickelpapier.«

So eine Frechheit! Jetzt benutzt er meinen eigenen Text gegen mich. Immerhin hat er Humor. Kim hätte gefallen, wie entschieden ich darauf bestand, dass Tony unten parkte, solange ich mir den Mief vom Körper spülte. Ich nahm mein Erdmännchen und stand auf. Wortlos flitzte ich an Colleen vorbei in den Flur. Eine kurze Sekunde lang blieb ich stehen, um die Treppe runterzuschauen, dann ging ich ins Bad. Meine Nerven zischten und knisterten, als ich die Tür aufzog. Ich schloss die Augen, trat einen Schritt vor. War okay. Ein ganz normales Bad. Die Wanne war sauber. Ich roch irgendein Putzmittel, stieß eine große Lunge voll Atem aus und schloss die Tür hinter mir.

Ich stand nicht auf Bäder, aber ich musste nachdenken. Traurigkeit nagte an meinem Herzen. Der Tag war irre lang gewesen. Ich setzte mein Erdmännchen hinter den Duschschlauch, damit ich nicht runterschauen musste. Ich wünschte, es könnte lächeln. Ich schloss die Augen und ließ mir Wasser über den Kopf laufen.

Zweimal Abschrubben später klopfte jemand an die Tür.

»Alles klar, Naomi?«, fragte Colleen.

»Ist er noch unten?«, fragte ich.

»Ist er. Keine Angst. Er kommt erst rauf, wenn du fertig bist.«

Kurz nach elf lag ich im Bett, mein Erdmännchen neben mir. Müdigkeit packte mich. Colleen stand wieder an der Tür und sah mich an. »Wenn du was möchtest, dann sei nicht schüchtern und bitte drum. Und wenn du nachts Hunger oder Durst bekommst, dann gehst du einfach runter in die Küche und nimmst dir was.«

Ich nickte. »Lass das Licht an«, beharrte ich. »Und die Tür offen … aber nicht zu weit.«

»Du hast eine Lampe neben dem Bett auf dem Nachttisch.«

»Die will ich nicht. Lass das große Licht an.«

»Okay, dann gute Nacht.

»Kannst du mir morgen die Haare machen wie Alicia Keys oder Solange – das ist die kleine Schwester von Beyoncé.«

»Ich kann’s versuchen.«

»Und vergiss die Schokokekse nicht«, sagte ich mit einem Lächeln.

Louise bläute mir ewig ein, dass ich mehr lächeln sollte.

»Wird gemacht«, erwiderte Colleen.

Ich glaube, das geht hier. Colleen ist spitze.

Ich drehte mich zu dem Fenster um und umarmte mein Erdmännchen. Eigentlich sollte ich ihm einen Namen geben, aber was für einen? Ich hab ja niemanden, nach dem ich es benennen könnte. Mum kann ich es nicht nennen. Ich glaub nicht, dass sie zum Tier umgetauft werden will. Ich schloss die Augen, konnte aber nicht schlafen.

Später in der Nacht sah Colleen nach mir. Ich tat, als würde ich schlafen. Eine halbe Stunde später rollte ich aus dem Bett und schlich mich durch den Flur ans Schlafzimmer der Goldings. Das hatte ich in der ersten Nacht bei den Holmans auch gemacht. Ich wollte runterladen, was die über mich redeten.

Die Tür war nur angelehnt. Leise liefen die Nachrichten. Colleens Stimme: »… dass sie zu still wäre, kann man ja nicht gerade behaupten«, sagte sie. »Ich glaube, die kann ganz schön aufbrausen.«

»Das kannst du laut sagen«, sagte Tony. »Aber ich kann die Regeln nicht zu sehr schleifen lassen, bloß weil sie nicht lange bei uns bleiben wird.«

»Nein, kannst du nicht«, sagte Colleen. »Aber wie du sagst, es wird ja wohl nur für ungefähr eine Woche sein, bis Louise was anderes findet.«

»Länger geht es sowieso nicht«, sagte Tony. »Vergiss nicht, dass Louise gesagt hat, wenn sie länger bleibt, müssen wir alle möglichen Sonderanträge ausfüllen, wegen der Anti-Rassismus- und Anti-Diskriminierungsvorschriften.«

»So weit wird’s nicht kommen«, sagte Colleen. »Aber bist du sicher, dass du einverstanden bist? Vergiss nicht deinen Dad.«

Langes Schweigen. Im Fernsehen redete jemand über Konflikte in Nahost. Ich fragte mich, was das für ein Drama mit Tonys Dad war.

»Hauptsache, sie tut sich nichts an«, erwiderte Tony schließlich. »Um meinen Dad kümmern wir uns, wenn es so weit ist. Vielleicht wird das ja gar nicht nötig sein.«

»Ich hol mir noch einen Schlummertrunk«, sagte Colleen. »Willst du auch was?«

Ich hörte Tony lachen. »Pass bloß auf, dass Louise nichts von deiner nächtlichen Trinkerei mitbekommt«, sagte er. »Dann gibt’s gleich eine Inquisition durchs Jugendamt.«

Ich fragte mich, was eine Inquisition war. Ich hatte vielleicht ein paar Probleme, aber ich war nicht so irre, dass ich mir Stacheldraht um die Pulsadern wickeln würde. Dieser Tony kannte mich schlecht.

Leise schlich ich in mein Zimmer zurück, konnte aber immer noch nicht schlafen.

4

MORGENDLICHE EILE

Ich setzte mich im Bett auf und schaute mir das Kommen und Gehen meiner neuen Pflegefamilie an, die sich für einen neuen Arbeitstag bereit machte. Ich lachte, als Pablo in der Diele hockte und zwei verschiedenfarbige Socken anzog. Tony musste ungeduldig vor dem Badezimmer warten, bis Sharyna endlich fertig geduscht hatte. Ich hatte mein Stormzy-T-Shirt und meine pinke Jogginghose an – das war mein Schlafanzug – und beschloss, aufzustehen und runterzugehen. Mein Erdmännchen nahm ich mit. Gestern Abend hatte ich nicht richtig aufgepasst, aber jetzt sah ich die gerahmten Bilder an den Wänden neben der Treppe. Sie zeigten schwarze Frauen, die Wäsche in einem Fluss wuschen und Früchte in Körben auf den Köpfen trugen. Da war ein Foto von schwarzen Männern in zerrissenen Gefängnisklamotten, die schwer an Bahngleisen schufteten. Darunter stand: Wir bauen eure Häuser, wir bestellen eure Felder, und ihr habt nur Verachtung für uns. Ich hielt inne. »Die haben da in dem Land wohl keine Einkaufswagen und keine Waschmaschinen«, murmelte ich vor mich hin. Vielleicht konnten ja Angelina Jolie, David Beckham oder so jemand von einer Wohltätigkeitsorganisation was tun.

Ich fand Colleen in der Küche, wo sie Brote schmierte. Sie trug einen himmelblauen Morgenmantel und ein rot-gold-grünes Kopftuch.

»Guten Morgen, Liebes«, begrüßte mich Colleen. »Hast du gut geschlafen?«

»Nein«, erwiderte ich.

»Vielleicht in der zweiten Nacht. Ist immer schwer, in einem neuen Bett richtig zur Ruhe zu kommen.«

Da hatte sie nicht unrecht. Ich versuchte alle Betten zu zählen, in denen ich gepennt hatte, seit mich das Jugendamt in die Fürsorge genommen hatte.

Die Kühlschrankmagneten lenkten mich ab. Da war ein Rasta, der in einer Hängematte schlief. Er hatte einen fetten Joint im Mundwinkel. Dann war da ein Mann mit einem Sombrero und einem Zwirbelbart, Barack Obama, der sich an seine Frau schmiegte, und ein grinsendes Kamel aus Tunesien. Wo ist das? Ich überlegte, wie viele Magneten Dad an seinem Kühlschrank hätte haben können, wenn er nicht so viel gesoffen hätte.

»Ich will Kaffee«, sagte ich.

»Lass mich kurz die Sandwiches fertig machen, dann kümmere ich mich um dich.«

»Ich kann ihn mir selbst kochen«, bot ich an. »Ich bin ja nicht bescheuert.«

»Kaffee und Zucker sind im Schrank.«

Ich füllte den Wasserkocher und gab zwei Teelöffel Kaffee und drei Teelöffel Zucker in einen I-love-Washington-DC-Becher. Nachdem ich heißes Wasser draufgegossen hatte, starrte ich Colleen lange an. Sie beobachtete jede einzelne Bewegung von mir. Dann holte ich die Milch aus dem Kühlschrank, gab ein bisschen was in meinen Becher und rührte um. Colleens Scheinwerfer nervte. Der Kaffee kleckerte auf den Tisch. »Tschuldigung«, sagte ich. »Aber du wirst mir ein bisschen vertrauen müssen. Ich kann so was alleine. Ich hab mich ewig lange um meinen Dad gekümmert. Das Einzige, was ich nicht für ihn gemacht hab, war, ihm den Arsch abwischen.«

Colleen griff nach einem Lappen in der Spüle und beseitigte die Kleckerei. »Schon gut«, lächelte sie.

Ich setzte mich, probierte meinen Kaffee und beschloss, noch einen Löffel Zucker mehr zu nehmen. »Warum kümmerst du dich freiwillig um die Kinder von anderen?«, fragte ich.

Colleen packte Brote, Äpfel und Tetrapacks Saft in zwei Behälter und erwiderte: »Ich … ich konnte keine eigenen Kinder bekommen, deshalb …«

»Hat deine Kiste nicht funktioniert?«, fiel ich ihr ins Wort. »Ich kannte mal eine Frau, bei der war das auch so, die hat dann so einen Vierjährigen aus meinem alten Heim adoptiert. Bei der hat auch die Kiste nicht funktioniert. Als sich meine Freundin Kim endlich getraut hat, sie danach zu fragen, wollte sie aber nicht drüber reden. Kommt das, weil der Mann da was kaputt macht, wenn er sein Ding reinschiebt?«

»Äh, nein gar nicht«, erwiderte Colleen. Ich bin sicher, dass sie rot geworden ist. »Manche Frauen können aus gesundheitlichen Gründen keine Kinder bekommen.«

»Das Problem hatte meine Mum bei mir nicht«, sagte ich. »Sieht man ja, sie hat mich ja bekommen. Logisch. Aber ich erinnere mich, dass ihr eine Sozialarbeiterin gesagt hat, noch mehr sollte sie lieber nicht machen.«

»Ach, wirklich?«

»Ja, Mum war schwanger von dem Kerl, der bei uns im Gästezimmer gewohnt hat. War ein Ausländer, hatte aber was drauf. Er hat mir in Mathe geholfen und das Rohr unter der Spüle repariert. Manchmal hat er uns ein paar Scheine zugesteckt für die Gasrechnung. Ich konnte seinen Namen nicht aussprechen, deshalb hat Mum gesagt, ich soll ihn einfach Rafi nennen. Wenn Mum platt war, hat er mir Kaffee gemacht. Ganz starken. Ich musste immer voll viel Zucker reinmachen.

Hat ihm nicht gefallen, wenn Dad zu Besuch gekommen ist – da gab’s immer jede Menge Geschrei und Dresche. Deshalb hat mich das Jugendamt dann auch auf die Liste mit den Gefährdeten gesetzt.«

»Verstehe«, nickte Colleen.

»Eigentlich lief’s aber noch ganz okay, bis Mum das Baby von Rafi verloren hat«, fuhr ich fort. »Danach hat sie’s noch mal versucht, musste es aber abtreiben. Und das fand Rafi scheiße. Er ist in seiner komischen Sprache total hochgegangen und hat Mum sitzen lassen. Danach war sie voll neben der Spur. Ich glaub nicht, dass sie noch mal wieder durchgeblickt hat. Sie war immer ganz lange im Bad und hat nachgedacht. Du hast ja meine Akte gelesen und weißt, was passiert ist.«

Colleen nickte. Sie hatte aufgehört mit dem, was sie gemacht hatte, und stand jetzt still. Sie schenkte mir ihre gesamte Aufmerksamkeit. Erzählte ich zu viel? Ach, Pipapo & Co., steht ja sowieso alles in meiner Akte.

»Hast du schon die Schokokekse geholt?«, wechselte ich das Thema. »Vollkorn mit Schokoüberzug, Schokobutterkeks oder Schokostäbchen mag ich am liebsten. Ach, und diese Marshmallows mit dem Klecks Erdbeer drin.«

»Teekuchen«, erwiderte Colleen.

»Genau. Die liebe ich auch. Hast du schon mal abgetrieben? Tut das weh?«

Colleen schaute mich komisch an und schluckte schwer. »Äh, nein. Und die Kekse hab ich auch noch nicht geholt. Hatte noch keine Zeit, aus dem Haus zu gehen. Willst du nachher vielleicht mitkommen?«

»Kannst du den Erdbeerjoghurt mit dem Erdbeer-Dip holen? Der schmeckt obergeil mit Schokokeksen.«

Pablo sauste in seiner Schuluniform, schwarze Hose und lila Pulli, in die Küche. An seiner Schulter hing eine blaue Nike-Tasche und dengelte ihm an die Knie. Seine Schnürsenkel, sein Gürtel und seine Hemdmanschetten waren offen. Suuupersüß. Colleen schüttelte den Kopf und lächelte. »Was soll ich nur mit dir anstellen? Komm her.«

Ich musste laut lachen. »Ich mach das schon«, bot ich an.