HOW TO - Wie man's hinkriegt - Randall Munroe - E-Book

HOW TO - Wie man's hinkriegt E-Book

Randall Munroe

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9,99 €

Beschreibung

»Randall Munroe, Nerd und Genie.« ZEIT online

Für jede Aufgabe gibt es einen richtigen Weg, einen falschen und einen, der so offensichtlich absurd ist, dass man ihn niemals in Betracht ziehen würde. »How to« ist eine Anleitung zu diesem dritten Ansatz. Randall Munroe erklärt, wie wir digitale Daten versenden, indem wir Mikrochips an Schmetterlingen befestigen. Oder wie wir's schaffen, pünktlich zu sein, indem wir die Länge der Tage ändern. Einfache Probleme auf allerschwierigste Weise gelöst, cleverste Unterhaltung garantiert! Durchgehend illustriert mit den berühmten Strichzeichnungen des Kultautors.

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EPUB

Seitenzahl: 341

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Zum Buch

Für jede Aufgabe, die sich uns stellt, gibt es einen richtigen Weg, einen falschen und einen, der so offensichtlich absurd ist, dass man ihn niemals in Betracht ziehen würde. »How to« ist eine Anleitung zu diesem dritten Ansatz. Es zeigt uns, wie wir digitale Daten versenden, indem wir Mikrochips an Schmetterlingen befestigen. Wie wir herausfinden, ob wir zur Generation der Babyboomer gehören oder ein Kind der Neunziger sind – nämlich, indem wir die Radioaktivität unserer Zähne prüfen. Und wir erfahren, wie wir endlich pünktlich zu Verabredungen kommen: indem wir die Länge der Tage ändern. Einfachste Probleme auf allerschwierigste Weise gelöst, cleverste Unterhaltung garantiert!

Zum Autor

Randall Munroe ist der Autor von »What if? Was wäre wenn?« und »Der Dinge-Erklärer« (beides internationale Bestseller), des Wissenschaftsblogs »What if?« und des beliebten Webcomics »xkcd«. Der einstige Roboteringenieur verließ 2006 die NASA, um sich ausschließlich dem Zeichnen und Schreiben seiner Comics widmen zu können. Er lebt in Massachusetts.

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RANDALL MUNROE

how toWie man’s hinkriegt

Absurde, wirklich wissenschaftliche Empfehlungen für alle Lebenslagen

Aus dem Englischen von Ralf Pannowitsch und Benjamin Schilling

Die Originalausgabe erschien 2019 unter dem Titel How To: Absurd Scientific Advice for Common Real-World Problemsbei Riverhead Books, Penguin Random House, New York. Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.Sollte diese Publikation Links auf Webseiten Dritter enthalten, so übernehmen wir für deren Inhalte keine Haftung, da wir uns diese nicht zu eigen machen, sondern lediglich auf deren Stand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung verweisen.

Copyright © der Originalausgabe 2019 xkcd inc.

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2019

Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,

Neumarkter Straße 28, 81673 München

Covergestaltung: Favoritbuero, München

Coverillustrationen: Randall Munroe

Satz: Uhl + Massopust, Aalen

ISBN 978-3-641-24023-3V002www.penguin-verlag.de

Die Herausforderungen

Hallo!

1.Wie man’s hinkriegt, richtig hoch zu springen

2. Wie man’s hinkriegt, eine Poolparty zu schmeißen

3. Wie man’s hinkriegt, ein Loch zu graben

4. Wie man’s hinkriegt, Klavier zu spielen

Wie man’s schafft, Musik zu hören

5. Wie man’s hinkriegt, eine Notlandung zu meistern

6. Wie man’s hinkriegt, über einen Fluss zu kommen

7. Wie man’s hinkriegt, einen Umzug zu stemmen

8. Wie man’s hinkriegt, sein Haus am Umziehen zu hindern

Wie man einen Tornado aufspürt

9. Wie man’s hinkriegt, einen Lavagraben anzulegen

10. Wie man’s hinkriegt, Dinge zu werfen

11. Wie man’s hinkriegt, Football zu spielen

12. Wie man’s hinkriegt, das Wetter vorherzusagen

Wie man erfolgreich rumkommt

13. Wie man’s hinkriegt, Fangen zu spielen

14. Wie man’s hinkriegt, Ski zu fahren

15. Wie man’s hinkriegt, ein Paket zu verschicken

16. Wie man’s hinkriegt, sein Haus mit Energie zu versorgen

17. Wie man’s hinkriegt, sein Haus mit Energie zu versorgen

18. Wie man’s hinkriegt, Freunde zu finden

Wie man Geburtstagskerzen auspustet

Wie man einen Hund Gassi führt

19. Wie man’s hinkriegt, eine Datei zu senden

20. Wie man’s hinkriegt, sein Handy zu laden

21. Wie man’s hinkriegt, ein Selfie zu machen

22. Wie man’s hinkriegt, eine Drohne zu fangen

23. Wie man rauskriegt, ob man ein Kind der Neunziger ist

24. Wie man’s hinkriegt, eine Wahl zu gewinnen

25. Wie man’s hinkriegt, einen Baum zu schmücken

Wie man eine Autobahn baut

26. Wie man’s hinkriegt, schnell irgendwo hinzukommen

27. Wie man’s hinkriegt, pünktlich zu sein

28. Wie man’s hinkriegt, dieses Buch zu entsorgen

Dank

Quellenverzeichnis

Wie man’s hinkriegt, eine Glühbirne zu wechseln

WARNHINWEIS

Bitte nicht zu Hause ausprobieren!

Der Autor dieses Buchs ist Zeichner von Internetcartoons, kein Gesundheits- oder Sicherheitsexperte. Er mag es, wenn etwas Feuer fängt oder explodiert, und das bedeutet, dass er nicht gerade das Beste für Sie im Sinn hat.

Verlag und Autor übernehmen keinerlei Haftung für etwaige schädliche Folgen, die direkt oder indirekt aus Informationen in diesem Buch entstehen.

Hallo!

Dies ist ein Buch voll schlechter Ideen.

Jedenfalls sind die meisten von ihnen schlecht. Es kann sein, dass auch ein paar gute mit reingerutscht sind. In diesem Fall bitte ich um Entschuldigung.

Manche Ideen, die lachhaft klingen, können sich als revolutionär erweisen. Schimmel auf eine infizierte Schnittwunde zu schmieren, hört sich wirklich nach einer schrecklichen Idee an, aber die Entdeckung des Penicillins hat gezeigt, dass es ein Wundermittel sein kann. Andererseits ist die Welt voll ekliger Substanzen, die man auf eine Wunde schmieren könnte, und die meisten von ihnen würden die Sache nicht besser machen. Nicht alle lachhaften Ideen sind gut. Wie können wir nun aber die guten Ideen von den schlechten unterscheiden?

Wir können sie ausprobieren und schauen, was passiert. Aber manchmal können wir auch mithilfe von Mathematik, Forschungen und Dingen, die wir bereits wissen, herausfinden, was passieren würde, wenn wir sie ausprobierten.

Als die NASA den Plan verfolgte, ihren autogroßen Rover Curiosity auf den Mars zu schicken, musste sie herausfinden, wie man es hinkriegt, ihn auf der Oberfläche des Planeten weich aufsetzen zu lassen. Frühere Rover waren an Fallschirmen oder mit Airbags gelandet, und so zogen die NASA-Ingenieure diese Methode auch für Curiosity in Betracht, aber der Rover war einfach zu groß und zu schwer, als dass ihn Fallschirme in der dünnen Mars-Atmosphäre ausreichend abgebremst hätten. Die Ingenieure dachten auch daran, Raketen an den Rover zu montieren, um ihn schweben und anschließend sanft aufsetzen zu lassen, aber die vom Gasausstoß erzeugten Staubwolken hätten die Oberfläche verdeckt und eine sichere Landung erschwert.

Schließlich kam ihnen die Idee eines »Himmelskrans« – einer Vorrichtung, die mithilfe von Raketen hoch über der Marsoberfläche schweben und Curiosity an einem langen Seil sanft zu Boden lassen sollte. Das klang nach einer lachhaften Idee, aber jede andere, mit der die Ingenieure aufwarteten, war noch schlechter. Je genauer sie sich die Idee mit dem Himmelskran anschauten, desto plausibler schien sie ihnen. Am Ende probierte man sie aus, und es klappte.

Wir alle wissen am Beginn unseres Lebens nicht, wie man die Dinge richtig macht. Wenn wir etwas tun müssen, haben wir vielleicht das Glück, jemanden zu finden, der es uns zeigen kann. Manchmal aber müssen wir uns selbst eine Lösung einfallen lassen. Das bedeutet, dass wir über Ideen nachdenken und schließlich zu entscheiden versuchen, ob sie gut sind oder nicht.

Dieses Buch untersucht ungewöhnliche Herangehensweisen an alltägliche Aufgaben und schaut sich an, was wohl passieren würde, wenn man sie ausprobierte. Zu ergründen, warum sie funktionieren würden oder warum nicht, kann spaßig und informativ sein, und bisweilen führt es uns an überraschende Orte. Mag sein, dass eine Idee schlecht ist, aber genau herauszufinden, weshalb es eine miese Idee ist, kann uns eine Menge lehren – und vielleicht bringt es uns ja auf einen besseren Denkansatz.

Und selbst wenn Sie schon wissen, wie man alle diese Dinge richtig macht, kann es hilfreich sein, die Welt mit den Augen eines Menschen zu betrachten, der es nicht weiß. Immerhin lernen allein in Deutschland täglich mehr als 2000 Menschen erstmals Dinge, die »doch jeder weiß«, wenn er das Erwachsenenalter erreicht hat.

Deshalb mag ich es nicht, wenn man sich über Leute lustig macht, die zugeben, etwas nicht zu wissen oder es nie gelernt zu haben. Wenn man so vorgeht, erreicht man nämlich nur, dass sie es einem nicht mehr sagen werden, wenn sie etwas dazulernen … und am Ende lässt man sich eine Menge Spaß entgehen.

Kann sein, dass Sie aus diesem Buch nicht lernen, wie man es hinkriegt, einen Ball zu werfen, Ski zu fahren oder umzuziehen. Ich hoffe aber, Sie lernen trotzdem etwas. Wenn ja, sind Sie heute einer von den glücklichen Zweitausend.

KAPITEL 1 Wie man’s hinkriegt, richtig hoch zu springen

Menschen können nicht sehr hoch springen.

Basketballspieler machen bisweilen eindrucksvolle Sprünge, um einen Korb zu erreichen, der hoch oben in der Luft aufgehängt ist, aber ihre Reichweite haben sie überwiegend der eigenen Körpergröße zu verdanken. Ein durchschnittlicher Basketballprofi kann nur etwas mehr als 60 cm aus dem Stand in die Höhe springen. Bei Nichtsportlern beschränkt sich dieser Wert wahrscheinlich auf etwa 30 cm. Wenn Sie höher springen wollen, brauchen Sie etwas Unterstützung.

Ein Anlauf vor dem Sprung kann hilfreich sein. So machen es die Athleten bei Hochsprungwettkämpfen, und der Weltrekord liegt bei 2,45 m. Das ist allerdings vom Erdboden aus gemessen. Da Hochspringer in der Regel großgewachsen sind, startet ihr Schwerpunkt schon Dutzende Zentimeter näher an der Latte, und wegen der speziellen Technik, mit der sie ihre Körper verbiegen, um drüberzukommen, ist es sogar möglich, dass ihr Schwerpunkt unter der Latte hindurchschlüpft. Ein 2,45-m-Sprung bedeutet also keinesfalls, dass der Sportler seinen Körperschwerpunkt um die vollen 2,45 m anhebt.

Wenn Sie einen Hochspringer schlagen wollen, haben Sie zwei Optionen:

1. Sie können Ihr Leben von früher Kindheit an dem Leichtathletiktraining weihen, bis Sie eines Tages der beste Hochspringer der Welt sind.

2. Sie können schummeln.

Option 1 ist zweifellos bewunderungswürdig, aber wenn das Ihre Wahl ist, lesen Sie gerade das falsche Buch. Lassen Sie uns also über Option 2 reden.

Beim Hochsprung können Sie auf ganz unterschiedliche Weise schummeln. So könnten Sie eine Leiter benutzen, um über die Latte zu steigen, aber springen kann man das nicht mehr so recht nennen. Sie könnten versuchen, sich solche mit Federn versehenen Sprungstelzen1 anzuschnallen, wie sie unter Extremsportlern populär sind. Das könnte, falls Sie athletisch genug sind, ausreichen, um Ihnen den entscheidenden Vorteil über einen Hochspringer ohne Hilfsmittel zu verschaffen. Aber was die reine vertikale Höhe betrifft, so haben sich die Leichtathleten bereits eine bessere Technik einfallen lassen – den Stabhochsprung.

Beim Stabhochsprung laufen die Athleten an, stecken einen biegsamen Stab vor sich in den Boden und schießen in die Luft hoch. Stabhochspringer können sich um ein Mehrfaches höher aufschwingen als die besten Hochspringer ohne Gerät.

Die Physik des Stabhochspringens ist interessant, und anders, als Sie vielleicht annehmen, geht es dabei nicht einmal so sehr um den Stab. Der Schlüssel zum Sprung ist nicht die Elastizität des Stabes, sondern die Anlaufgeschwindigkeit des Sportlers. Der Stab ist einfach nur ein effizientes Mittel, um diese Geschwindigkeit nach oben umzuleiten. Theoretisch könnten die Springer auch eine andere Methode nutzen, um ihre Richtung von vorwärts auf empor zu ändern. Statt eine Stange in den Boden zu rammen, könnten sie etwa auf ein Skateboard springen, eine glatte, gekrümmte Rampe hinauffahren und ungefähr die gleiche Höhe erreichen wie der Springer.

Wir können die Maximalhöhe eines Stabhochspringers berechnen, indem wir physikalisches Grundwissen anwenden. Ein Topsprinter schafft die hundert Meter in 10 Sekunden. Wenn ein Gegenstand mit dieser Geschwindigkeit nach oben geschossen wird und die Erdanziehungskraft wirkt, verrät uns eine nette kleine Gleichung, wie hoch er kommen sollte:

Da der Stabhochspringer vor dem Sprung anläuft, startet sein Schwerpunkt bereits ein ganzes Stück über dem Boden, was die erreichte Gesamthöhe steigert. Der Schwerpunkt eines normalen Erwachsenen liegt irgendwo im Unterleib, gewöhnlich auf etwa 55 % seiner Körpergröße. Renaud Lavillenie, der Weltrekordhalter im Stabhochsprung der Männer, misst 1,77 m. Sein Körperschwerpunkt beschert ihm also ungefähr 98 Extrazentimeter, was eine errechnete Gesamthöhe von 6,08 m ergibt.

Wie lässt sich unsere Vorhersage mit der Wirklichkeit vereinbaren? Nun ja, die Weltrekordhöhe liegt gegenwärtig bei 6,16 m. Für eine schnelle Schätzung war das also ziemlich genau!2

Wenn Sie bei einem Hochsprung-Wettbewerb mit einem Stab aufkreuzten, würde man Sie natürlich sofort disqualifizieren.3 Allerdings würden die Kampfrichter zwar Einspruch erheben, sich Ihnen aber wohl nicht in den Weg stellen – besonders wenn Sie Ihren Stab beim Anlauf drohend umherschwenken.

Ihr Rekord würde nicht offiziell registriert werden, aber das macht ja nichts – Sie selbst wissen schließlich, wie hoch Sie gesprungen sind.

Aber wenn Sie bereit sind zu schummeln, können Sie sogar höher als sechs Meter kommen. Viel höher. Sie müssen bloß die richtige Absprungstelle finden.

Läufer machen sich die Aerodynamik zunutze. Sie tragen glatte, eng anliegende Kleidung, um den Luftwiderstand zu reduzieren. Dadurch kommen sie auf größere Geschwindigkeit und können sich nach dem Absprung auch höher in die Luft aufschwingen.4 Warum nicht noch einen Schritt weiter gehen?

Wenn man sich mit einem Propeller oder einer Rakete vorantreibt, zählt das natürlich nicht. So etwas kann man wirklich nicht mehr als »springen« bezeichnen.5 Es ist kein Sprung, sondern ein Flug. Aber es ist doch sicher nichts Böses daran, ein bisschen zu … gleiten.

Die Bahn eines jeden fallenden Gegenstands wird davon beeinflusst, wie sich die Luft in seiner Umgebung bewegt. Skispringer richten ihre Umrisse so aus, dass sie beim Sprung einen großen aerodynamischen Auftrieb gewinnen. In einem Gebiet mit den richtigen Winden können Sie es genauso machen.

Wenn Sprinter mit Rückenwind rennen, können sie auf ein höheres Tempo kommen. Genauso gilt: Wenn Sie in einem Gebiet springen, in dem der Wind aufwärts bläst, können Sie eine größere Höhe erreichen.

Um Sie nach oben zu schieben, braucht es einen starken Wind – er muss stärker sein als Ihre Endgeschwindigkeit. Ihre Endgeschwindigkeit ist das maximale Tempo, das Sie erreichen, wenn Sie durch Luft fallen. Dabei gleicht die Kraft der vorbeirauschenden Luft die Abwärtsbeschleunigung durch die Schwerkraft aus. Genauso verhält es sich mit der Geschwindigkeit des aufsteigenden Windes, die mindestens vonnöten ist, um Sie vom Erdboden anzuheben. Da alle Bewegung relativ ist, kommt es nicht wirklich darauf an6, ob Sie durch die Luft nach unten fallen oder ob die Luft hinter Ihnen aufwärts bläst.

Menschen sind viel dichter als Luft, und so ist unsere Endgeschwindigkeit ziemlich hoch. Die Endgeschwindigkeit einer fallenden Person liegt bei etwa 210 km/h. Damit Sie vom Wind Auftrieb bekommen, muss die Geschwindigkeit des aufsteigenden Windes mindestens im selben Bereich liegen wie Ihre Endgeschwindigkeit. Ist der Wind deutlich langsamer, wird er Ihre Sprunghöhe nicht groß beeinflussen.

Vögel nutzen Säulen aus warmer, aufsteigender Luft (den sogenannten thermischen Auftrieb) als Fahrstuhl. Sie steigen empor, ohne mit den Flügeln zu schlagen, und lassen sich einfach von der aufsteigenden Luft nach oben tragen. Leider sind solche Aufwinde recht schwach, und es braucht eine stärkere Quelle aufsteigender Luft, um Ihren viel schwereren Menschenkörper in die Höhe zu befördern.

Einige der stärksten Aufwinde in Bodennähe gibt es an Gebirgsrücken. Wenn der Wind auf einen Berg oder einen Höhenzug trifft, kann der Luftstrom nach oben umgeleitet werden. In manchen Gegenden sind diese Winde ziemlich schnell unterwegs.

Unglücklicherweise reichen diese senkrecht aufstrebenden Winde selbst an den besten Stellen nicht annähernd an die Endgeschwindigkeit eines Menschen heran. Man würde durch die Windunterstützung also nur ein bisschen zusätzliche Höhe gewinnen.7

Statt zu versuchen, die Windgeschwindigkeit zu erhöhen, könnten Sie sich vielleicht lieber daranmachen, durch aerodynamische Kleidung Ihre Endgeschwindigkeit zu verringern. Ein guter Wingsuit (ein Kleidungsstück mit Stoffflächen zwischen Armen und Beinen) kann die Fallgeschwindigkeit einer Person von 210 auf gerade mal noch 65 km/h verringern. Das ist immer noch nicht genug, um auf den Winden aufwärts zu segeln, aber es würde Ihre Sprunghöhe definitiv steigern. Andererseits müssten Sie Ihren Anlauf in voller Wingsuit-Montur ausführen, was den Vorteil durch die Windunterstützung vermutlich wieder zunichte machen würde.

Damit Ihr Sprung wirklich substanziell höher wird, müssten Sie noch über die Wingsuits hinausgehen und die Welt der Fall- und Gleitschirme betreten. Diese großen Gerätschaften reduzieren die Fallgeschwindigkeit eines Menschen so sehr, dass die Bodenwinde häufig stark genug sind, um sie anzuheben. Geübte Gleitschirmflieger können vom Erdboden aus starten und auf der Thermik oder auf Winden an Bergkämmen bis in eine Höhe von etlichen hundert Metern aufsteigen.

Aber wenn Sie einen echten Hochsprungrekord aufstellen möchten, geht es sogar noch besser.

An den meisten Orten, an denen Luft über ein Gebirge strömt, reichen die sogenannten »Leewellen« nur bis in die Troposphäre hinauf. Dadurch wird die Höhe, die ein Gleitschirmflieger erreichen kann, begrenzt. Aber es gibt auch Stellen, wo diese Störungen – wenn alle Bedingungen stimmen – mit dem Polarwirbel und dem Polarnacht-Jetstream8 zusammenwirken können. Das erzeugt Strömungswellen, die bis in die Stratosphäre reichen.

Im Jahre 2006 ritten Steve Fossett und Einar Enevoldson diese Stratosphärenwellen mit einem Segelflugzeug bis in eine Höhe von mehr als 15 km über dem Meeresspiegel. Das ist fast die doppelte Höhe des Mount Everest, und selbst Flugzeuge des zivilen Luftverkehrs sind nie so hoch oben unterwegs. Dieser Flug stellte einen neuen Höhenrekord für Segelflugzeuge auf. Wie Fossett und Enevoldson berichteten, hätten sie sich von den Stratosphärenwellen sogar noch höher tragen lassen können – sie machten nur kehrt, weil der niedrige Luftdruck ihre Druckanzüge so sehr aufblähte, dass sie die Steuerung nicht mehr bedienen konnten.

Wenn Sie richtig hoch springen wollen, müssen Sie sich nur eine Montur basteln, die wie ein Segelflugzeug geformt ist (dafür gibt es schließlich Fiberglasharz und Kohlenstofffasern), und die argentinischen Berge ansteuern.

Wenn Sie die richtige Stelle finden und die äußeren Bedingungen gerade passend sind, können Sie sich in Ihren Segelflugzeug-Anzug einschließen9, in die Luft springen, den richtigen Hangwind erwischen und dann die Winde bis in die Stratosphäre hinauf reiten. Möglicherweise kann ein Segelflieger, der auf diesen Strömungswellen unterwegs ist, in größeren Höhen herumkreuzen als jedes andere Fluggerät mit Tragflächen. Das ist gar nicht so übel für einen einzigen Sprung!10

Wenn Sie ganz großes Glück haben, finden Sie sogar eine Stelle, die an der Luvseite des Ortes liegt, an dem die Olympischen Spiele ausgetragen werden. Springen Sie dann von der Klippe, werden die Stratosphärenwinde Sie über den Olympiaort tragen …

… und Sie den tollsten Hochsprungrekord der Sportgeschichte aufstellen lassen.

Man wird Ihnen vermutlich keine Medaille um den Hals hängen, aber das ist nicht weiter schlimm. Sie wissen ja, dass Sie der wahre Champion sind.

1 Oder, für die Kids aus den Neunzigern: Nickelodeon® Moon Shoes®™

2 Die Physik liefert uns noch ein interessantes Stück unnützes Wissen zum Thema »Stabhochsprung-Weltrekorde«. Das Schwerefeld der Erde zieht uns von Ort zu Ort unterschiedlich stark hinab. Das ist so, weil die Form der Erde ihre Anziehungskraft beeinflusst, aber auch, weil die Rotationsbewegung die Dinge »nach außen schleudert«. Diese Effekte sind gering, wenn man das große Ganze betrachtet, und doch ist die Abweichung messbar – sie beträgt bis zu einem Prozent. Wenn Sie durch die Gegend spazieren, werden Sie nichts davon merken, aber wenn Sie eine Waage kaufen, könnte es nötig sein, sie neu einzustellen, denn die Erdanziehungskraft in der Fabrik könnte von der bei Ihnen zu Hause etwas abweichen.

Die Unterschiede in der Erdanziehungskraft sind groß genug, um Stabhochsprungrekorde zu beeinflussen. Im Juni 2004 stellte Jelena Issinbajewa mit 4,87 m einen neuen Weltrekord auf. Das gelang ihr im englischen Gateshead. Einige Wochen später bewältigte Swetlana Feofanowa die 4,88 m und übertraf den alten Rekord damit um einen Zentimeter. Sie erzielte ihren Rekord allerdings in Heraklion (Griechenland), wo die Erdanziehungskraft ein wenig geringer ist. Der Unterschied ist gerade ausreichend, damit Issinbajewa, wenn sie es denn wollte, argumentieren könnte, Feofanowa habe den alten Rekord nur wegen der geringeren Schwerkraft übertroffen, und ihr eigener Sprung in Gateshead sei der beeindruckendere von beiden gewesen.

Offensichtlich entschied sich Issinbajewa dafür, diese komplizierten physikalischen Beweisgründe nicht ins Feld zu führen. Sie wählte stattdessen eine einfachere Antwort: Ein paar Wochen darauf brach sie Feofanowas Rekord, und zwar erneut unter den Bedingungen der stärkeren britischen Schwerkraft. Noch heute, im Frühjahr 2019, ist sie die Weltrekordhalterin.

3 Das nehme ich jedenfalls an. Möglicherweise hat es aber noch nie jemand versucht.

4 Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Kapitels gab es jedenfalls noch keinen Weltrekord für den höchsten Sprung, der von einem Athleten in einem viktorianischen Reifrock ausgeführt wurde, aber wenn es einen gäbe, läge er vermutlich unter dem regulären Hochsprung-Weltrekord.

5 Wir schummeln, aber wir bescheißen doch nicht.

6Jedenfalls in physikalischer Hinsicht; für Sie persönlich bedeutet es wahrscheinlich eine ganze Menge.

7 Sie müssten die Kampfrichter auch davon überzeugen, den Wettkampf nahe einer Felskante auszurichten. Das könnte sich schwierig gestalten.

8 Der Polarnacht-Jetstream ist eine Windströmung in großen Höhen, die zu bestimmten Jahreszeiten in der Nähe der Arktis und der Antarktis auftritt.

9 In der Kabine um Sie herum müssen Sie natürlich den Luftdruck regulieren, aber das dürfte nicht zu schwer sein, oder? Machen Sie die Fiberglashülle einfach luftdicht und atmen Sie durch einen Schlauch. Wenn Sie ein paar Kilometer Höhe erreicht haben und der Außendruck merklich zu sinken beginnt, klemmen Sie den Schlauch einfach ab, so dass Sie in der Kabine versiegelt sind. Möglicherweise müssen Sie dort eine ganze Weile zubringen. Versuchen Sie also, die Kabine groß genug zu bauen, damit Ihnen unterwegs nicht die Luft ausgeht.

10 Wir haben die Türen vergessen. Nach Ihrer Landung müssen Sie also einen Freund rufen, der mit einem Hammer vorbeikommt und Ihren Segelflieger aufbricht.

KAPITEL 2 Wie man’s hinkriegt, eine Poolparty zu schmeißen

Sie haben beschlossen, eine Poolparty zu schmeißen. Sie haben alles dafür beisammen – Snacks, Getränke, aufblasbare Schwimmenten, Handtücher und diese komischen Ringe, die man ins Wasser wirft und nach denen man dann tauchen muss. Aber am Vorabend der Party werden Sie das Gefühl nicht los, dass noch etwas fehlt. Und als Sie den Blick über Ihren Hof schweifen lassen, wird Ihnen auch klar, was es ist.

Sie haben keinen Pool.

Bloß keine Panik! Sie können dieses Problem lösen. Sie brauchen nur eine ganze Menge Wasser und einen Behälter zum Hineinfüllen. Lassen Sie uns zuerst den Behälter organisieren.

Es gibt zwei Haupttypen von Pools: solche, die in den Boden eingesenkt sind, und solche, die auf ihm stehen.

Eingesenkter Pool

Ein in den Boden eingelassener Swimmingpool ist letztendlich nichts anderes als ein schickes Loch. Solche Becken einzurichten, ist arbeitsaufwändiger, aber dafür ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass sie während Ihrer Party auseinanderfallen.

Wenn Sie ein eingesenktes Becken bauen wollen, sollten Sie zunächst mal Kapitel 3 (Wie man’s hinkriegt, ein Loch zu graben) zu Rate ziehen. Buddeln Sie nach diesen Instruktionen ein Loch von 6 × 9 m Kantenlänge und 1,50 m Tiefe. Wenn Sie ein Loch von geeigneter Größe ausgehoben haben, sollten Sie die Wände vielleicht mit einer Art Schutzbeschichtung versehen, damit sich Ihr Wasser nicht in Matsch verwandelt oder versickert, ehe die Party vorbei ist. Wenn Sie ein paar riesige Kunststoff-Folien oder Planen besitzen, können Sie sie hierzu verwenden; Sie können es aber auch mit einer Gummibeschichtung aus der Spraydose versuchen – das sind die, mit denen man Teiche für Kois auskleidet. Sagen Sie den Händlern einfach, Sie hätten ein paar echt große Kois.

Die Alternative: Aufstellpools

Wenn Sie beschließen, dass ein eingelassenes Schwimmbecken nicht das Richtige für Sie ist, können Sie es stattdessen mit einem oberirdischen Pool versuchen. Solche Pools haben eine relativ einfache Gestalt:

Bedauerlicherweise ist Wasser schwer – fragen Sie mal jemanden, der schon einmal ein auf dem Fußboden stehendes Aquarium gefüllt hat und es dann auf einen Tisch heben wollte. Die Schwerkraft zieht das Wasser nach unten, aber die Unterlage drückt genauso stark zurück. Der Wasserdruck wird nach außen geleitet, zu den Wänden des Pools, der in alle Richtungen gedehnt wird. Diese Spannung bezeichnet man als Wandbeanspruchung oder Umfangsspannung. Am stärksten ist sie am Fuß der Wand, wo der höchste Wasserdruck herrscht. Wenn die Umfangsspannung die Zugfestigkeit der Wand übersteigt, wird Letztere bersten.11

Lassen Sie uns ein mögliches Material wählen – Alufolie zum Beispiel. Wie tief kann das Wasser in einem Pool mit Wänden aus Alufolie werden, bevor seine Seiten nachgeben? Wir können diese und viele andere Fragen zum Thema Poolgestaltung beantworten, indem wir zur Formel für die Wandbeanspruchung greifen:

Setzen wir also mal die Werte für Alufolie ein. Aluminium hat eine Zugfestigkeit von rund 300 Megapascal (MPa), und Folienbögen sind ungefähr 0,02 mm dick. Nehmen wir an, unser Becken hat einen Durchmesser von 9 m – da ist jede Menge Platz für Spiele. Jetzt können wir die Werte in unsere Gleichung einfügen und alles ein wenig umstellen, um herauszukriegen, wie hoch das Wasser in unserem glänzenden, knittrigen Pool steigen kann, bis die Umfangsspannung ebenso hoch ist wie die Zugfestigkeit des Aluminiums und die Wände nachgeben:

Leider sind vierzehn Zentimeter Wasser für eine Poolparty vermutlich nicht ausreichend.

Wenn wir die dünne Alufolie durch 2,5 Zentimeter dicke Holzplanken ersetzen, sehen die Werte gleich viel besser aus. Holz hat zwar eine geringere Zugfestigkeit als Aluminium, aber durch die Dicke wird dieser Nachteil mehr als wettgemacht.

Sollten Sie also zufällig einen hölzernen Zylinder von 9 Metern Durchmesser und mit einer Wandstärke von 2,5 Zentimetern irgendwo herumliegen haben, sind das gute Neuigkeiten für Sie.

Sie können die Gleichung auch so umstellen, dass sie Ihnen verrät, wie dick die Poolwände sein müssen, um einer gewünschten Wassertiefe standzuhalten. Sagen wir mal, das Wasser in unserem Becken soll etwa 1 m tief sein. Für ein Material mit einer bestimmten Zugfestigkeit gibt uns diese Version der Formel Auskunft darüber, wie dick die Wände mindestens sein müssen, um das Wasser zu halten:

Das Tolle an Physik ist, dass diese Berechnung für jedes beliebige Material funktioniert – selbst für noch so abwegige Stoffe. Die Physik schert sich nicht darum, ob Ihre Anfrage ein bisschen sonderbar ist. Sie liefert Ihnen einfach eine Antwort, ohne irgendwelche Urteile zu fällen. Laut dem umfassenden, 456 Seiten dicken Handbuch Cheese Rheology and Texture (Rheologie und Textur von Käse) hat harter Gruyère beispielsweise eine Zugfestigkeit von 70 kPa. Setzen wir das doch mal in die Formel ein!

Eine gute Nachricht! Sie brauchen bloß eine 60 Zentimeter dicke Käsewand, um das Wasser in Ihrem Pool zu halten! Die schlechte Nachricht ist, dass Sie vielleicht nur mit Mühe jemanden überzeugen können, in diesen Pool zu springen.

Angesichts der praktischen Probleme, die mit einer Verwendung von Käse verbunden sind, sollten Sie sich vermutlich lieber an traditionelle Werkstoffe wie Plastik oder Fiberglas halten. Fiberglas hat eine Zugfestigkeit von rund 150 MPa, was bedeutet, dass eine ganz dünne – nur einen Millimeter starke – Wand genügen würde, um das Wasser zu halten, und sogar noch eine Reserve an Zugfestigkeit übrig bliebe.

Wie man an Wasser kommt

Jetzt, wo Sie Ihren Pool haben, egal ob einen eingesenkten oder einen oberirdischen, brauchen Sie sicher etwas Wasser. Aber wie viel genau?

Eingelassene Garten-Schwimmbecken der gängigen Art variieren in der Größe, aber ein mittleres, das groß genug für ein Sprungbrett ist, fasst gut und gern 75000 Liter Wasser.

Wenn Sie einen Gartenschlauch zur Hand haben und ein Haus, das von den örtlichen Wasserwerken versorgt wird, können Sie Ihren Pool theoretisch per Schlauch füllen. Aber ob Sie so ein Becken schnell vollbekommen oder eher nicht, hängt ganz von der Durchflussmenge Ihres Schlauches ab. Wenn Sie guten Wasserdruck und einen Schlauch mit großem Durchmesser haben, könnte die Durchflussmenge bei 40 bis 70 Litern pro Minute liegen. Das reicht aus, um Ihren Pool so etwa binnen eines Tages zu füllen. Wenn die Durchflussmenge aber zu gering ist (oder wenn Sie Wasser aus einem Brunnen nehmen, der leer sein kann, ehe das Becken gefüllt ist), müssen Sie sich möglicherweise nach einer anderen Lösung umsehen.

Wasser aus dem Internet

In vielen Gegenden der Welt bieten Onlinehändler wie Amazon eine Lieferung noch am selben Tag an. Ein 24er-Pack Mineralwasserflaschen der Marke Fiji kostet derzeit um die 40 Euro. Wenn Sie gerade 250000 Euro übrig haben, können Sie einen Pool in Form von Flaschen bestellen. Und das Sahnehäubchen ist, dass Ihr Pool ganz und gar mit Wasser gefüllt sein wird, das von den Fidschi-Inseln herangeschippert wurde.

Nun aber stellt sich eine neue Herausforderung. Nach der Anlieferung müssen Sie all das Wasser irgendwie in den Pool bekommen.

Das ist kniffliger, als Sie vielleicht gedacht hätten. Sicher, Sie können bei jeder Flasche einzeln die Verschlusskappe aufdrehen und den Inhalt in den Pool gießen, aber das würde pro Flasche einige Sekunden dauern. Da es 150000 Flaschen sind und ein Tag nur 86400 Sekunden hat, ist jede Methode, die mehr als eine Sekunde pro Flasche in Anspruch nimmt, definitiv unbrauchbar.

Die Flaschen attackieren

Man könnte versuchen, die Verschlüsse eines ganzen 24er-Packs Flaschen mit einem Schwerthieb abzutrennen. Im Internet zeigen eine Menge Zeitlupenvideos, wie Leute eine Reihe Wasserflaschen mit einem Schwert durchtrennen. Soweit man es nach den Videos beurteilen kann, ist das eine überraschend schwierige Angelegenheit – meist wird das Schwert auf seinem Weg durch die Flaschen nach oben oder unten abgelenkt. Selbst wenn Sie präzise genug Schwung holen und die erforderliche Armkraft und Ausdauer mitbringen, würde es mit einem Schwert vermutlich zu langsam gehen.

Auch mit Gewehren würde es wahrscheinlich nicht besonders gut funktionieren. Bei sorgfältiger Planung und effizienter Anordnung könnten Sie mit einer Art Schrotflinte gewiss in einen ganzen Haufen Flaschen gleichzeitig Löcher machen, aber trotzdem würde es Ihnen schwerfallen, wirklich alle Flaschen zu durchlöchern und sie schnell genug bis zum Boden leerzubekommen. Außerdem hätten Sie am Ende einen Pool voller Blei, das – besonders wenn Sie Ihren Pool chloren – korrodieren würde und irgendwann das Grundwasser verunreinigen könnte.

Es gibt ein breites Spektrum von Waffen, eine mächtiger als die andere, mit denen man versuchen könnte, die Flaschen zu öffnen. Bevor wir das Thema Waffen hinter uns lassen und zu einer praktikableren Lösung übergehen, sollten wir noch für einen Moment die größte und unpraktischste Option in Erwägung ziehen – das Flaschenöffnen mithilfe von Nuklearwaffen.

Das ist ein ganz und gar lächerlicher Vorschlag, und so verwundert es nicht, dass er im Kalten Krieg von der US-Regierung untersucht worden ist. Anfang 1955 kaufte eine Regierungsbehörde, die Federal Civil Defense Administration, Bier, Limonade und Selterswasser in lokalen Geschäften ein und testete dann Nuklearwaffen an ihnen.12

Nein, sie versuchten nicht, die Getränkeflaschen zu öffnen. Mit dem Test wollte man herausfinden, wie gut die Behältnisse überlebten und ob der Inhalt kontaminiert war. Die Planer der Zivilverteidigung stellten sich vor, dass nach einer Atomwaffenexplosion in einer amerikanischen Stadt die Notfallhelfer zunächst einmal Trinkwasser benötigen würden. Daher wollte man wissen, ob handelsübliche Getränke eine sichere Quelle für die Flüssigkeitszufuhr waren.13

Die ganze Geschichte des Nuklearkriegs der Regierung gegen Bier wird in einem siebzehnseitigen Bericht mit dem Titel The Effects of Nuclear Explosions on Commercially Packaged Beverages (Die Wirkungen von Nuklearexplosionen auf handelsüblich abgepackte Getränke) dargelegt. Der Nuklearhistoriker Alex Wellerstein hat dankenswerterweise ein Exemplar davon ans Licht gebracht.

Der Bericht beschreibt, wie man die Flaschen und Dosen auf dem Testgelände in Nevada vor jeder Explosion an verschiedenen Stellen platzierte. Manche standen in Kühlschränken, andere in Regalen und wieder andere einfach auf dem Erdboden.14 Man führte das Experiment zweimal durch – bei zwei Nukleartests im Rahmen der Operation Teapot.

Die Getränke überstanden den Test überraschend gut. Die meisten Flaschen und Dosen blieben bei der Detonation intakt. Die anderen wurden meist durch umherfliegende Trümmerteile durchschlagen oder gingen zu Bruch, als sie aus den Regalen gefegt wurden. Der Inhalt war auch nur in geringem Maße radioaktiv kontaminiert und schmeckte sogar noch ganz gut. Nach der Detonation versandte man Bierproben an »fünf qualifizierte Labore«15, die »eine sorgfältig überwachte Geschmacksprüfung« vornehmen sollten. Man war sich darin einig, dass das Bier größtenteils gut schmeckte, und kam zu folgendem Schluss: Wenn man in einem Detonationsgebiet auf Bier stieß, konnte dieses bei dringendem Flüssigkeitsbedarf als sichere Quelle betrachtet werden. Allerdings sollte man es lieber noch sorgfältigeren Tests unterziehen, ehe man es zurück auf den Markt brachte.

Plastikflaschen waren in den 1950er-Jahren noch nicht üblich, und so verwendete man bei allen Tests Behältnisse aus Glas oder Metall. Aber immerhin legen diese Versuche nahe, dass Nuklearwaffen vermutlich keine so tollen Flaschenöffner sind.

Industrieschredder

Zu unserem Glück gibt es einen Apparat, der unser Ziel viel schneller erreichen kann als ein Schwert, eine Schrotflinte oder eine nukleare Waffe – den industriellen Plastikschredder. Solche Kunststoffschredder werden in Recyclingzentren eingesetzt, um große Mengen von Plastikflaschen zu zerschnitzeln, aber als Zugabe können sie Ihnen auch die Flüssigkeit aus den Flaschen holen.

Laut den Werbematerialien der Firma bewältigt ein Schredder wie der Brentwood AZ15WL 15 kW eine Durchlaufmenge von 30 Tonnen pro Stunde – und zwar Plastik und Flüssigkeit zusammengenommen. Auf diese Weise könnten Sie Ihren Pool in gut zwei Stunden füllen.

Auf dem Preisschildchen solcher industrieller Schredder steht eine fünf- bis sechsstellige Zahl, was für eine Party ziemlich teuer ist (wenn auch ein Klacks verglichen mit dem, was Sie bereits für die Wasserflaschen ausgegeben haben). Aber wenn Sie beiläufig erwähnen, wie viele Nuklearwaffen Sie haben, gibt man Ihnen vielleicht einen Rabatt.

Lassen Sie andere die Arbeit machen

Wenn jemand in der Nähe einen Pool besitzt und sein Grundstück ein wenig höher gelegen ist als das Ihre, können Sie das Wasser mit einem Saugheber stehlen. Sofern es Ihnen gelingt, die beiden Pools durch ein Wasserrohr zu verbinden, können Sie das Wasser kontinuierlich aus dem fremden Pool in Ihren eigenen abfließen lassen.

Anmerkung: Saugheber können Wasser aus einem Becken heraushieven und über kleine Hindernisse wie etwa Zäune leiten, aber wenn die Mitte des Hebers mehr als zehn Meter über der Oberfläche des fremden Pools liegt, wird das Wasser nicht fließen. Solche Heber werden von atmosphärischem Luftdruck angetrieben, und der Luftdruck auf unserer Erde reicht nur, um Wasser etwa zehn Meter gegen die Schwerkraft hochzudrücken.

Wasser gewinnen, indem man welches herstellt

Wasser besteht aus Wasserstoff und Sauerstoff. In der Atmosphäre ist jede Menge Sauerstoff enthalten16; Wasserstoff ist zwar seltener, aber auch nicht gerade schwer zu finden.

Und hier die gute Nachricht: Wenn Sie erst mal einen Packen Wasserstoff und einen Packen Sauerstoff beisammenhaben, ist es leicht, Wasser daraus zu machen. Sie müssen einfach ein bisschen Wärme hinzufügen, und schon läuft und läuft die chemische Reaktion. Eigentlich ist es sogar schwer, sie wieder zu stoppen.

Die schlechte Nachricht ist, dass diese chemische Reaktion bisweilen ungewollt in Gang kommt. Einst flogen große, mit Wasserstoff gefüllte Luftschiffe durch die Gegend, aber nach einigen dramatischen Zwischenfällen in den 1930er-Jahren beschlossen wir, sie künftig lieber mit Helium zu füllen. Heutzutage können Sie Wasserstoff am besten gewinnen, indem Sie die Nebenprodukte bei der Förderung fossiler Brennstoffe sammeln und aufbereiten.

Wasser aus der Luft gewinnen

Um Wasser zu gewinnen, muss man aber nicht unbedingt Wasserstoff und Sauerstoff zusammenfügen, wenn bereits fertiges H₂O in der Luft herumschwebt, und zwar in Form von Wasserdampf. Das ist das Zeug, das beim Kondensieren Wolken bildet und manchmal sogar als Regen runterfällt. In der Luftsäule über jedem Quadratmeter Erde sind durchschnittlich 23 Liter Wasser enthalten – etwa so viel wie in zwei 24er-Packs Fiji-Flaschen.17

Käme all dieses Wasser als Regen herab, würde es eine Schicht von etwa 2,5 cm Stärke bilden. Wenn Sie ein Grundstück von 4000 Quadratmetern haben und die Luft darüber den durchschnittlichen Feuchtigkeitsgehalt besitzt, schweben ungefähr 92000 Liter Wasser über Ihrem Anwesen. Das ist genug, um einen Pool zu füllen! Leider befindet sich ein Großteil dieses Wassers in beträchtlicher Höhe, so dass man schlecht herankommt. Es wäre schön, wenn wir das Wasser auf Bestellung herabfallen lassen könnten, aber trotz regelmäßig wiederkehrender Versuche mit Wolkenimpfung hat noch niemand einen Weg gefunden, um Regenfälle zuverlässig herbeizuführen.

Normalerweise gewinnt man Wasser aus der Luft, indem man Letztere über eine kalte Oberfläche streichen lässt; das Wasser kondensiert dann als Tau. Damit Sie alles Wasser aus Ihrer Luft herausbekommen, müssten Sie einen mehrere Kilometer hohen Kühlturm errichten. Zum Glück für Sie bewegt sich Luft aber von selbst durch die Gegend, und so brauchen Sie doch keinen riesigen Turm zu bauen – wenn eine frische Brise weht, können Sie einfach die Feuchtigkeit der an Ihrem Haus vorbeiströmenden Luft einfangen.

Das ist freilich eine ganz schön ineffiziente Methode, um Wasser zu sammeln. Man braucht eine Menge Energie, um das Wasser herunterzukühlen und aus der Luft kondensieren zu lassen. In den meisten Fällen würden Sie viel weniger Energie verbrauchen, wenn Sie einfach mit einem Lastwagen in eine wasserreichere Gegend führen, ihn dort füllten und wieder zurückführen. Und ganz nebenbei: Selbst unter idealen Bedingungen ist es unwahrscheinlich, dass dieser gigantische Raumbefeuchter genügend Wasser produziert, um Ihren Pool in absehbarer Zeit zu füllen. Außerdem könnte er die Nachbarn verärgern, die in Windrichtung von Ihnen wohnen.

Wasser aus dem Meer gewinnen

Im Meer gibt es eine Menge Wasser18, und vermutlich wird es niemanden stören, wenn Sie sich ein bisschen davon ausborgen. Wenn Ihr Pool unterhalb des Meeresspiegels liegt und es Ihnen nichts ausmacht, in Salzwasser zu planschen, könnte das eine Option sein. Sie brauchen nur einen Kanal zu graben und das Wasser einfließen zu lassen.

Das ist im wirklichen Leben tatsächlich schon passiert, und zwar ungewollt und auf sehr dramatische Weise.

Malaysia war im Weltmaßstab einer der führenden Zinnproduzenten. Ein Bergwerk, aus dem man dieses Zinn förderte, lag an der Westküste, nur wenige hundert Meter vom Ozean entfernt. Nachdem der Zinnmarkt in den 1980er-Jahren eingebrochen war, gab man die Mine auf. Am 21. Oktober 1993 durchbrach das Wasser die schmale Barriere, die das Bergwerk vom Meer trennte. Der Ozean strömte hinein und füllte die Mine binnen Minuten. Die von der Flut geschaffene Lagune hat sich bis heute erhalten und ist auch auf Karten verzeichnet (4,42 Grad nördliche Breite, 100,61 Grad östliche Länge). Die Katastrophe wurde von einem Augenzeugen mit einem Camcorder gefilmt und das Videomaterial später ins Internet gestellt. Trotz der schlechten Bildqualität ist es eine der umwerfendsten Videoaufnahmen, die je gemacht wurden.19

Aber was, wenn Sie nicht in Meeresnähe wohnen? Und wenn der Grund Ihres Pools über dem Meeresspiegel liegt, würde eine Verbindung zum Meer ohnehin nichts bringen; das Wasser würde dann einfach ins Meer hinabfließen. Aber wenn Sie das Meer nun zu sich hochbringen könnten?

Nun ja, Sie haben wirklich Glück; es passiert nämlich sowieso, ob Sie wollen oder nicht. Dank der von Treibhausgasen erzeugten Stauwärme steigen die Meere nun schon seit vielen Jahrzehnten. Der Anstieg des Meeresspiegels kommt durch eine Kombination aus schmelzendem Eis und thermischer Ausdehnung des Wassers zustande. Wenn Sie Ihr Schwimmbecken füllen wollen, könnten Sie versuchen, das Ansteigen des Meeresspiegels zu beschleunigen. Gewiss würde das den unermesslichen Preis, den Umwelt und Mensch für den Klimawandel zahlen müssen, noch erhöhen, aber immerhin könnten Sie eine reizende Poolparty feiern.

Wenn Sie ein rasches Ansteigen des Meeresspiegels verursachen möchten und zufällig einen großen Eispanzer auf Ihrem Anwesen haben, könnten Sie annehmen, dass das Abschmelzen dieses Eises eine tolle Methode wäre, um den Meeresspiegel anzuheben.

Aber aufgrund physikalischer Sachverhalte, die unserer Intuition zuwiderlaufen, könnte das Abschmelzen eines Eisbergs in der Nähe Ihres Hauses sogar dazu führen, dass der Meeresspiegel sinkt. Was Sie brauchen, ist Eis zum Abschmelzen auf der anderen Seite der Welt.

Ursache für diesen bizarren Effekt ist die Schwerkraft. Eis ist schwer, und wenn es auf einer Landfläche liegt, zieht es den Ozean ein wenig zu sich heran. Wenn es schmilzt, wird der Meeresspiegel im Durchschnitt angehoben, aber da das Wasser nun nicht mehr so stark landwärts gezogen wird, kann es im Bereich des geschmolzenen Eises tatsächlich ein wenig fallen.

Wenn Eis von der antarktischen Eiskappe schmilzt, steigt der Meeresspiegel auf der Nordhalbkugel am meisten. Taut hingegen grönländisches Eis auf, hebt es den Meeresspiegel um Australien und Neuseeland am stärksten an. Wenn Sie den Meeresspiegel in der Nähe Ihres Wohnorts anheben wollen, sollten Sie prüfen, ob es auf der anderen Seite des Planeten einen schönen Eispanzer gibt. Wenn ja, sollten Sie genau den zum Schmelzen bringen.

Wasser vom Festland gewinnen

Falls es keine passenden Eispanzer zum Abschmelzen gibt oder Sie nicht zum globalen Anstieg des Meeresspiegels beitragen wollen, könnten Sie das ausprobieren, was Bauern seit Jahrtausenden tun, um an Wasser zu kommen: Borgen Sie sich einen Fluss aus.

Sie könnten sich einen nahegelegenen Fluss suchen und ihn durch einen temporären Damm dazu ermuntern, Ihrem Pool entgegenzuströmen – gerade lange genug, um ihn zu füllen. Aber passen Sie auf: Solche Projekte sind bereits schiefgegangen.

Im Jahre 1905 ließen Ingenieure an der Grenze zwischen Kalifornien und Arizona Bewässerungskanäle ausheben, um Wasser vom Colorado River zu den Farmen zu bringen.

Leider war die Mission, das Wasser des Colorado River umzuleiten, allzu erfolgreich. Das Wasser, das in den neuen Kanal floss, begann sich ein tieferes und breiteres Bett zu schaffen, wodurch noch mehr Wasser hineinströmte. Bevor man den Stecker ziehen konnte20, war der Fluss schon vollständig gekapert. Er überschwemmte flussabwärts vom Bewässerungsprojekt ein vormals trockenes Tal, füllte es mit Wasser an und schuf einen neuen und völlig unbeabsichtigten Binnensee.

Der im Laufe des letzten Jahrhunderts gewachsene und wieder geschrumpfte Saltonsee ist gegenwärtig am Austrocknen, denn zu Bewässerungszwecken wird noch mehr Wasser abgeleitet. Der Staub aus dem trockenen Seebett ist mit Rückständen aus der Landwirtschaft und anderen Schadstoffen versetzt. Er treibt durch die nahegelegenen Städte und macht den Bewohnern bisweilen das Atmen schwer. Das kontaminierte, zunehmend salzige Wasser hat bereits zu einem massiven Absterben der dort beheimateten Lebewesen geführt, und vermodernde Algen und tote Fische erzeugen einen allgegenwärtigen Geruch nach faulen Eiern, der gelegentlich westwärts bis nach Los Angeles wabert.

Das hört sich nicht gerade gut an, aber machen Sie sich keine Sorgen – es dauerte eine Weile, bis sich diese verheerenden Folgen für die Umwelt einstellten.

Tatsächlich war der Saltonsee für kurze Zeit ein beliebtes Ferienziel – mit Yachtklubs, schicken Hotels und Badestränden. Als sich die Bedingungen im See später verschlechterten, wurden all diese Urlaubsorte zu Geisterstädten. Aber über die Folgen können Sie sich ja morgen den Kopf zerbrechen – denn jetzt ist erst mal Poolparty-Time!

11 In der Praxis wird sie vermutlich schon früher nachgeben, denn es gibt immer Unregelmäßigkeiten im Material und seiner speziellen »Leistungskurve«, aber wir können die einfache Zugfestigkeit als Näherungswert benutzen.

12An den Getränken, nicht den Geschäften.

13Sie konzentrierten sich dabei vor allem auf Bier, obwohl dieses Getränk bei den Aufräumarbeiten nach einem Nuklearangriff nicht unbedingt ideal sein dürfte. Man fragt sich wirklich, ob das gesamte Testprogramm nicht eilig arrangiert wurde, weil man jemanden dabei erwischt hatte, wie er seine Drinks auf Kosten der Behörde abrechnete.

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