Verlag: dtv Verlagsgesellschaft Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2014

Ich und die Menschen E-Book

Matt Haig  

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E-Book-Beschreibung Ich und die Menschen - Matt Haig

Ein Roman »mit einem ganz großen Herzen« Daily ExpressIn einer regnerischen Freitagnacht wird Andrew Martin, Professor für Mathematik in Cambridge, aufgegriffen, als er nackt eine Autobahn entlangwandert. Professor Martin ist nicht mehr er selbst. Ein Wesen mit überlegener Intelligenz und von einem weit entfernten Stern hat von ihm Besitz ergriffen. Dieser neue Andrew ist nicht begeistert von seiner neuen Existenz. Er hat eine denkbar negative Meinung von den Menschen. Jeder weiß schließlich, dass sie zu Egoismus, übermäßigem Ehrgeiz und Gewalttätigkeit neigen. Doch andererseits: Kann eine Lebensform, die Dinge wie Weißwein und Erdnussbutter erfunden hat, wirklich grundschlecht und böse sein? Und was sind das für seltsame Gefühle, die ihn überkommen, wenn er Debussy hört oder Isobel, der Frau des Professors, in die Augen blickt?

Meinungen über das E-Book Ich und die Menschen - Matt Haig

E-Book-Leseprobe Ich und die Menschen - Matt Haig

Matt Haig

Ich und die Menschen

Roman

Deutsch vonSophie Zeitz

Für Andrea, Lucas und Pearl

Ich habe eine neue Theorie über die Ewigkeit.

Albert Einstein

Vorwort zur terrestrischen Ausgabe

Hallo, Mensch. Wie geht es dir?

Du siehst gut aus. Ja, wirklich, trotz der Nase.

Anscheinend möchtest du wissen, was für ein Buch du vor dir hast, bevor du zu lesen anfängst. Das ist sehr vernünftig. Wenn ich früher unser Pendant zu euren Buchhandlungen besuchte, war es kein Problem für mich, mir vierzig Bücher – vielmehr Wortkapseln – pro Minute zu Gemüte zu führen.

Versuch dir das vorzustellen. Stell dir vor, du könntest in einen Bonbonladen spazieren und statt Lakritz und sauren Drops Sturmhöhe und Krieg der Welten kaufen, sie in den Mund stecken und wärst noch im selben Moment bereichert.

Bücher aber musst du lesen. Und das dauert. Ich konnte es kaum glauben, als ich neu hier war und begriff, dass ihr euch hinsetzen und jedes einzelne Wort, eins nach dem anderen, lesen müsst. Sogar ich brauchte für ein langes Buch – so etwas wie Krieg und Frieden oder Philosophie des Abendlandes oder Don Quijote – volle zwanzig Minuten. Zusammen eine Stunde, die ich nie zurückbekommen werde. Eine Stunde!

Verständlicherweise also willst du wissen, was für ein Buch du vor dir hast, denn Zeit ist Geld, und Geld kostet Zeit, und was du heute kannst kaufen und die ganzen Sprüche. Du willst wissen, ob es eine Liebesgeschichte ist. Oder ein Krimi. Oder eine Geschichte über Aliens. Oder vielleicht eine Kriegsgeschichte, verwunderlich wäre das ja nicht.

Es gibt noch andere Fragen. Zum Beispiel, ist dies eins der Bücher, die du liest, um dich intelligent zu fühlen, oder eins von denen, die du heimlich liest, damit keiner an deiner Intelligenz zweifelt? Wird es dich zum Lachen oder zum Weinen bringen? Oder nur dazu, aus dem Fenster zu starren und den Lauf der Regentropfen zu verfolgen? Ist es eine wahre Geschichte? Oder eine falsche? Ist es eine Geschichte, die aufs Gehirn zielt oder eher auf die unteren Regionen? Ist es eins der Bücher, die religiöse Anhänger mobilisieren, oder eins von denen, die von ihnen verbrannt werden? Ist es ein Buch über Mathematik oder liegt diese ihm nur – wie allem anderen im Universum – zugrunde? Und natürlich die letzte, wichtigste Frage: Kommt ein Hund darin vor?

Ja, es gibt viele Fragen. Und noch mehr Bücher. Du hast mein aufrichtiges Mitgefühl.

Ihr Menschen habt auf eure typisch menschliche Art viel zu viele Bücher geschrieben, als dass einer von euch sie je alle lesen könnte. Und so landet das Lesen auf dem großen Haufen der Dinge – zusammen mit Arbeit, Liebe, sexueller Leistungsfähigkeit, Fernsehgewohnheiten, Online-Profil, Sport, Kindererziehung, gesunder Ernährung, den Worten, die man nicht gesagt hat, als man sie hätte sagen sollen –, die den Menschen ein schlechtes Gewissen machen.

Aus diesem Grund willst du dich vorher informieren. So wie du bei einem Vorstellungsgespräch gern erfahren möchtest, ob der Job, für den du dich bewirbst, dich mit neunundfünfzig Jahren in den Wahnsinn treiben und dazu bringen wird, aus dem Bürofenster zu springen. Oder ob der Mensch, der bei eurer ersten Verabredung so witzig von seinem Jahr in Kambodscha erzählt, dich eines Tages wegen einer Jüngeren namens Francesca sitzen lassen wird, die ihre eigene PR-Firma hat und Sachen wie »kafkaesk« sagt, ohne je Kafka gelesen zu haben.

Du willst wissen, ob du lieber Alles zerfällt von Chinua Achebe oder Jenseits des Horizonts von Danielle Steel lesen solltest.

»Hätte ich nur nicht«, willst du später nicht sagen müssen, »dreihundert Sekunden meines Lebens an dieses verdammte Buch verschwendet.«

Es kann schon sein, dass du das sagen wirst. Ja. Durchaus. Vor allem, falls ich dir nicht verrate, was dies für ein Buch ist, hier an der Stelle, wo es gesagt werden müsste, gleich am Anfang.

Na gut.

Hol tief Luft.

Also, zweibeinige Lebensform von mittelmäßiger Intelligenz, ich werde es dir sagen.

Dieses Buch, das Buch, das du in Händen hältst, spielt genau hier, auf der Erde. Es handelt vom Sinn des Lebens und von überhaupt nichts. Es handelt davon, was passieren muss, damit man auf die Ewigkeit verzichtet und sich der Sterblichkeit überlässt. Es handelt von Liebe und toten Dichtern und Erdnussbutter mit ganzen Nüssen. Es handelt von Materie und Antimaterie, von allem und nichts, von Hoffnung und Hass. Es handelt von einer 41-jährigen Historikerin namens Isobel und ihrem 15-jährigen Sohn Gulliver und dem klügsten Mathematiker der Welt.

Es handelt davon, wie man ein Mensch wird.

Kurz gesagt, in diesem Buch geht es um dich. Um all das Katastrophale, Sterbliche, Wunderbare, das dich ausmacht.

Es besteht aus Wörtern, vielen, vielen Wörtern. Zweiundsiebzigtausendneunhundertfünfzig davon.

Und keine Sorge, ein Hund kommt auch darin vor.

Vorwort

(Eine unlogische Hoffnung trotz erdrückender Widrigkeiten)

Liebe Vonnadorianer,

ich weiß, mancher von euch ist überzeugt, die Menschen seien ein Mythos, doch ich kann bezeugen, dass es sie wirklich gibt. Für die, die es nicht wissen sollten: Menschen sind eine reale, zweibeinige Lebensform von mittelmäßiger Intelligenz, die von Illusionen geprägt auf einem kleinen, wasserreichen Planeten in einer sehr einsamen Ecke des Universums existiert.

Für die anderen unter euch und die, die mich geschickt haben: In vielerlei Hinsicht sind die Menschen genauso seltsam, wie wir erwartet haben. Auf jeden Fall trifft es zu, dass der erste Anblick ihrer körperlichen Gestalt verstörend wirkt.

Ihre Gesichter bestehen aus einer Reihe von hässlichen Auswüchsen. Ein weit ausladendes zentrales Riechorgan, dünnhäutige Lippen, primitive externe Hörorgane, die sich »Ohren« nennen, winzige Augen und unfassbar überflüssige Augenbrauen. Die mentale Verarbeitung und Akzeptanz dieser Eigentümlichkeiten nimmt nicht wenig Zeit in Anspruch.

Auch das Verhalten und die soziale Interaktion der Menschen sind zunächst mehr als rätselhaft. Selten sprechen sie über die Themen, die sie tatsächlich interessieren. Und ich könnte siebenundneunzig Bücher über körperliche Scham und Kleidungsetikette schreiben, bevor ihr auch nur ansatzweise begreifen würdet, worum es geht.

Ach, nicht zu vergessen: Die Dinge, die sie tun, um glücklich zu werden, sind in Wirklichkeit oft Dinge, die sie unglücklich machen. Die Liste ist unendlich. Dazu gehören: Shopping, Fernsehen, beruflicher Aufstieg, der Umzug in größere Behausungen, das Verfassen semiautobiographischer Romane, Kindererziehung, Hautpflege mit angeblich verjüngenden Produkten und der vage Wille zu glauben, hinter allem stecke letztendlich doch irgendein Sinn.

Ja, diese Dinge sind amüsant, wenn auch auf etwas schmerzhafte Art. Doch ich habe auf der Erde auch die menschliche Dichtung entdeckt. Mit Abstand die Beste unter ihren Dichtern (eine Frau namens Emily Dickinson) hat einmal gesagt: »Ich lebe in der Möglichkeit.« Gönnen wir uns also den Spaß und tun es ihr nach. Öffnen wir unseren Geist weit, denn um zu verstehen, was ihr hier lesen werdet, müsst ihr alle Vorurteile beiseiteschieben, die ihr vielleicht hegt.

Versuchen wir uns einmal vorzustellen: Was, wenn es wirklich einen Sinn im Leben der Menschen gäbe? Und – nur mal theoretisch – was, wenn das Leben auf der Erde nicht nur lächerlich und aggressiv wäre, sondern auch etwas Kostbares? Was dann?

Manche von euch wissen inzwischen vielleicht, was ich getan habe, aber keiner von euch kennt den Grund dafür. Dieses Dokument, diese Einführung, dieser Reisebericht – nennt es, wie ihr wollt – soll Aufklärung bringen. Ich bitte euch, dieses Buch mit völliger Unvoreingenommenheit zu lesen und für euch selbst zu entscheiden, was der wahre Wert des menschlichen Lebens ist.

Friede im All.

TEIL I

Ich nahm die Kraft in meine Hand

Der Mann, der ich nicht war

Also.

Um mit dem Offensichtlichen zu beginnen: Ich war kein Mensch. In jener ersten Nacht – in der Kälte, der Dunkelheit und dem Wind – war ich weit davon entfernt, ein Mensch zu sein. Und bevor ich an der Tankstelle die Cosmopolitan las, hatte ich auch diese geschriebene Sprache noch nie gesehen. Wobei mir klar ist, dass dies möglicherweise auch für euch das erste Mal ist. Um euch zu zeigen, wie die Leute hier Geschichten konsumieren, habe ich dieses Buch so aufgebaut, wie es ein Mensch tun würde. Die Wörter, die ich benutze, sind menschliche Wörter, getippt in menschlicher Schrift, aneinandergereiht im Stil der Menschen. Aufgrund eurer Fähigkeit, selbst die fremdartigsten und primitivsten linguistischen Formen so gut wie unmittelbar zu übersetzen, kann ich darauf vertrauen, dass mangelndes Sprachverständnis hier nicht das Problem sein wird.

Also, noch einmal. Ich war nicht Professor Andrew Martin. Eigentlich war ich wie ihr.

Professor Andrew Martin war nur eine Rolle. Eine Verkleidung. Jemand, der ich sein musste, um eine Aufgabe zu erfüllen. Eine Aufgabe, die mit seiner Entführung begonnen hatte, gefolgt von seinem Tod. (Ich weiß, das bringt jetzt einen düsteren Ton hier herein – ich verspreche, den Tod nicht mehr zu erwähnen, jedenfalls nicht auf dieser Seite.)

Ich war also kein 43-jähriger Mathematiker, der an der Cambridge University lehrte und die letzten acht Jahre seines Lebens der Lösung eines mathematischen Problems gewidmet hatte, das als unlösbar galt. Ich hatte keine elegante, um mich besorgte Ehefrau namens Isobel, die eine anerkannte Historikerin war, oder einen 15-jährigen Sohn mit Namen Gulliver, der mit Aggressionszuständen zu kämpfen hatte.

Bevor ich auf die Erde kam, hatte ich kein mittelbraunes Haar und auch keinen natürlichen Seitenscheitel. Ich hatte keine Meinung zu den Planeten von Holst oder zum zweiten Album der Talking Heads. Und wie hätte ich zu der Ansicht gelangen sollen, australischer Wein sei automatisch schlechter als der Wein irgendeiner anderen Region des Planeten, wenn ich nie etwas anderes als flüssigen Stickstoff getrunken hatte?

Genauso wenig war ich ein gleichgültiger Ehemann, der ein Auge auf eine seiner Studentinnen geworfen hatte, und ich benutzte auch nicht meinen Springer-Spaniel – das ist ein Vertreter der Kategorie behaarter Hausgötter, die sie »Hund« nennen – als Vorwand, um so oft wie möglich aus dem Haus zu kommen. Ich hatte keine Bücher über Mathematik geschrieben oder darauf bestanden, dass mein Verlag ein Autorenfoto verwendete, das fast fünfzehn Jahre alt war.

Nein, ich war nicht dieser Mann.

Und ich hatte auch keinerlei Gefühle für diesen Mann, der fünf Minuten vor Mitternacht an seinem Schreibtisch gesessen, seinen Computerbildschirm angestarrt und schwarzen Kaffee getrunken hatte (keine Sorge, Kaffee und meine damit zusammenhängenden Missgeschicke werde ich in Kürze erklären). Ein Erdbewohner, der von seinem Stuhl aufgesprungen sein mag oder auch nicht, als ihm der Durchbruch gelang – als sein Denken einen Ort erreichte, den kein menschlicher Geist je bereist hatte, den äußersten Rand des Wissens.

Und irgendwann kurz nach seinem Durchbruch hatten ihn die Moderatoren entführt. Meine Arbeitgeber. Ich hatte ihn noch kennengelernt, für den Bruchteil einer Sekunde. Lange genug, um den Scan durchzuführen – der leider unvollständig war. Physisch war er vollständig, aber nicht mental. Man kann das menschliche Gehirn klonen, aber nicht das, was darin gespeichert ist, zumindest nicht sehr viel davon, also musste ich vieles selbst erlernen. Ich war ein 43-jähriger Neugeborener auf dem Planeten Erde. Später fand ich es sehr schade, dass ich ihn nicht richtig kennengelernt hatte, denn das wäre mir eine enorme Hilfe gewesen. Er hätte mir zum Beispiel von Maggie erzählen können. (Hätte er mir doch nur von Maggie erzählt!)

Aber ganz gleich, wie viel Wissen ich mitbekommen hatte, es änderte nichts an der simplen Tatsache, dass ich den Fortschritt aufhalten musste. Deswegen war ich hier. Um alle Spuren des Durchbruchs zu beseitigen, der Professor Andrew Martin gelungen war. Spuren, die nicht nur in Computern, sondern auch in lebendigen Menschen zu finden waren.

Ja.

Um zu schützen, muss man manchmal zerstören. (Wenn ihr mir nicht glaubt, fragt das Universum.) Es war eine ganz einfache Mission – oder wäre es gewesen, wenn ich mich nicht hätte hineinziehen lassen.

Aber auch das ist eine alte Wahrheit: Alles ist irgendwie mit allem verbunden. Man kann diese Verbindungen manchmal ignorieren. Doch hin und wieder ziehen sie dich in ganz unerwarteter Weise hin zum Unmöglichen.

Zur Empathie.

Zur Liebe.

Und zu all den anderen schrecklichen Dingen, mit denen ich nichts zu tun haben wollte.

Also, wo fangen wir an?

Ich denke, es gibt nur eine Stelle. Nämlich da, wo ich von dem Auto angefahren wurde.

Substantive ohne Kontextund andere Startschwierigkeitenfür den Sprachneuling

Wie ich schon sagte, wir beginnen da, wo ich von dem Auto angefahren wurde.

Müssen wir sogar. Denn davor war ziemlich lange nichts. Nichts und nichts und nichts und dann –

Etwas.

Ich, dort, auf der »Straße«.

Kaum angekommen, hatte ich mehrere Reaktionen. Erstens, was war da bloß mit dem Wetter los? Zweitens, wo war der Computer? Es musste ein Computer da sein. Drittens, was war das für ein Geräusch, dieses gedämpfte Röhren? Und viertens: Es war Nacht. Ich war an Nacht nicht gewöhnt. Und selbst wenn, diese Nacht war keine normale Nacht. Es war eine Nacht, wie ich sie noch nie erlebt hatte. Es war Nacht hoch Nacht hoch Nacht. Die dritte Potenz der Nacht. Ein Himmel von kompromissloser Finsternis, ohne Mond und ohne Sterne. Wo waren die Sonnen? Gab es hier überhaupt Sonnen? Nach der Kälte zu schließen vielleicht nicht. Die Kälte war ein Schock. Sie schmerzte in den Lungen, und ich schlotterte im eisigen Wind, der gegen meine Haut peitschte. Ich fragte mich, ob Menschen je aus dem Haus gingen. Sie mussten verrückt sein, wenn sie es taten.

Das Einatmen fiel mir zunächst schwer. Und das war ein Problem. Denn Atmen war eine der wesentlichen Anforderungen, die an einen Menschen gestellt wurden. Dann, nach einer Weile, hatte ich es raus.

Doch schon tauchte das nächste Problem auf. Ich war nicht an dem Ort, an dem ich sein sollte, wie mir immer klarer wurde. Ich sollte da sein, wo er gewesen war. Ich sollte in einem Büro sein. Aber das hier war kein Büro, das wusste sogar ich. Es sei denn, es gab Büros, in denen ein ganzer Himmel existierte, mit dunklen, sich hoch auftürmenden Wolken und diesem unsichtbaren Mond.

Es dauerte eine Weile – zu lange –, bis ich die Situation verstand. Ich wusste ja nicht, was eine Straße ist. Heute kann ich sagen, dass eine Straße die Verbindungsstrecke zwischen einem Abfahrtspunkt und einem Ankunftspunkt ist. Das ist wichtig. Auf der Erde mit ihrer bekanntermaßen rudimentären Technologie verbringt man viel Zeit auf der Strecke zwischen zwei Punkten – auf Straßen, auf Gleisen, in Karrieren oder in Beziehungen.

Die spezielle Art von Straße, auf der ich mich befand, war eine Autobahn. Autobahnen waren die fortschrittlichsten Straßen auf der Erde, was, wie bei den meisten fortschrittlichen Errungenschaften der Menschen, mehr oder weniger bedeutete, dass die Lebensgefahr hier größer war als anderswo. Meine nackten Füße standen auf einer Oberfläche aus Asphalt, dessen fremde, brutale Textur ich an den Fußsohlen spüren konnte. Ich betrachtete meine linke Hand. Sie wirkte krude und fremd, doch das Lachen verging mir, als ich mich erinnerte, dass dieses groteske Fingerding ein Teil von mir war. Ich war mir selbst fremd. Und das gedämpfte Röhren hörte ich immer noch, nur inzwischen nicht mehr gedämpft.

Etwas bewegte sich mit erheblicher Geschwindigkeit auf mich zu.

Lichter.

Weiß, breit und niedrig, wie die leuchtenden Augen eines auf mich zuschnellenden Raubtiers mit silbernem Rücken. Das jetzt ein schreckliches Kreischen ausstieß. Es versuchte langsamer zu werden und auszuweichen.

Ich hatte keine Zeit mehr, ihm aus dem Weg zu gehen. Ich hatte zu lange gewartet.

Es traf mich mit massiver, unnachgiebiger Kraft. Einer Kraft, die mich von den Füßen riss und durch die Luft fliegen ließ. Außer dass ich nicht wirklich flog, denn Menschen können nicht fliegen, egal wie sehr sie mit den Gliedern flattern. Die einzige Option war Schmerz. Ich spürte ihn, bis ich landete, und dann war da wieder nichts.

Nichts und nichts und –

Etwas.

Über mir stand ein Mensch in Kleidern. Die Nähe seines Gesichts war irritierend.

Nein, mehr als irritierend.

Widerlich, schockierend. Ich hatte so etwas noch nie gesehen. Das Gesicht wirkte so fremd, voller unerklärlicher Öffnungen und Vorsprünge. Vor allem die Nase fiel mir unangenehm auf. In meinen unschuldigen Augen sah es aus, als steckte etwas in ihm, das sich nach außen kämpfen wollte. Ich richtete den Blick nach unten. Bemerkte seine Kleidung. Er trug etwas, das ich später als Hemd und Krawatte, Hose und Schuhe identifizieren konnte. Die passende Kleidung für den Anlass, und doch wirkte sie dermaßen ausgefallen auf mich, dass ich nicht wusste, ob ich lachen oder schreien sollte. Der Mensch sah sich meine Verletzungen an. Oder besser: Er suchte danach.

Ich musterte meine linke Hand. Sie war unversehrt. Das Auto hatte meine Beine getroffen, dann meinen Torso, doch meiner Hand ging es gut.

»Das ist ein Wunder«, sagte er leise, als würde er mir ein Geheimnis anvertrauen.

Doch die Wörter hatten keine Bedeutung für mich.

Er starrte mir ins Gesicht und hob die Stimme, um den Lärm der anderen Autos zu übertönen. »Was machen Sie hier draußen?«

Wieder nichts. Ich sah nur einen Mund, der sich bewegte und Geräusche von sich gab.

Es war klar, dass es sich um eine einfache Sprache handeln musste, aber ich war nicht besonders sprachbegabt. Ich brauchte mindestens hundert Worte einer neuen Sprache, bevor ich das ganze grammatikalische Puzzle zusammensetzen konnte. Ich weiß, manche von euch brauchen nur zehn Worte oder einen einzigen Konditionalsatz. Aber ich war nie gut in Sprachen gewesen. So wie ich auch eine Aversion gegen das Reisen hatte. Ich möchte es noch einmal sagen: Ich wollte nicht hierher. Es war ein Job, den irgendwer erledigen musste, und nach meiner blasphemischen Rede im Museum der quadratischen Gleichungen – meinem sogenannten Verbrechen gegen die mathematische Reinheit – hielten die Moderatoren die Mission für eine angemessene Strafe. Und sie wussten natürlich, dass niemand, der klar bei Verstand war, die Aufgabe freiwillig übernehmen würde.

»Ich kenne Sie doch von irgendwoher. Ich kenne Ihr Gesicht. Wer sind Sie?« Noch mehr unverständliche Wörter.

Ich war müde. Das war der Nachteil von Teleportation, Substanzverschiebung und Bio-Setting. Es schlauchte einen völlig. Auch wenn man am Ende wieder bei sich war, kostete es einen Haufen Energie.

Ich glitt in die Dunkelheit zurück und versank in Träume in Violett und Indigo, den Farben der Heimat. Ich träumte von Primzahlen und sich ständig verändernden Skylines.

Und dann wachte ich auf.

Ich befand mich in einem merkwürdigen Fahrzeug, an ein primitives Herzlesegerät geschnallt. Zwei Menschen, ein männlicher und ein weiblicher (das Äußere des weiblichen bestätigte meine schlimmsten Befürchtungen: Die Hässlichkeit war in dieser Spezies nicht auf ein Geschlecht beschränkt), in grüner Kleidung. Sie redeten mit großer Aufregung auf mich ein. Vielleicht lag es daran, dass ich mir mit meinen neuerworbenen oberen Gliedmaßen die schlecht designte elektrokardiographische Ausrüstung vom Leib riss. Sie versuchten mich niederzuhalten, doch offensichtlich fehlte ihnen jedes mathematisch-physikalische Verständnis, und so gelang es mir mit relativer Leichtigkeit, die beiden grün gekleideten Menschen auf den Boden des Fahrzeugs zu befördern, wo sie, sich windend, liegen blieben.

Während ich aufstand und versuchte, die Schwerkraft auf diesem Planeten einzuschätzen, drehte sich der Fahrer zu mir um und redete ebenfalls mit großer Aufregung auf mich ein. Das Fahrzeug bewegte sich sehr schnell, und das heulende Geräusch der Sirene war ein unbestreitbarer Störfaktor, aber ich schaffte es, die Tür zu öffnen und in die weiche Vegetation am Straßenrand zu springen. Mein Körper überschlug sich. Ich versteckte mich. Sobald es sicher war, kam ich wieder auf die Füße. Im Vergleich zur menschlichen Hand ist der Fuß relativ harmlos, wenn man von den Zehen absieht.

Ich stand eine Weile da und starrte die seltsamen Autos an, die an der Horizontalen klebten, offensichtlich auf fossile Brennstoffe angewiesen, und jedes für sich mehr Lärm machten als ein Polygongenerator. Noch mehr wunderte ich mich über den Anblick der Menschen, die sogar in ihren Fahrzeugen Kleidung trugen, eine kreisförmige Steuereinheit umklammert hielten und manchmal mit externen, nichtbiologischen Telekommunikationsgeräten hantierten.

Ich bin auf einem Planeten gelandet, wo die intelligenteste Lebensform immer noch selbst mit einem Auto fahren muss …

Nie zuvor hatte ich die einfachen Freuden, mit denen wir aufgewachsen sind, so zu schätzen gewusst. Das ewige Licht. Der elegant fließende Verkehr. Das hochentwickelte Pflanzenleben. Die süße Luft. Das Nicht-Wetter. Oh, geneigte Leser, ihr wisst nicht, wie gut ihr es habt.

Hochfrequenzhupen plärrten, wenn Autos an mir vorbeischossen. Gesichter mit aufgerissenen Augen und offenen Mündern starrten mich durch die Scheiben an. Ich verstand nicht warum. Ich war genauso hässlich wie sie. Was war so auffällig an mir? Was machte ich falsch? Vielleicht lag es daran, dass ich nicht in einem Auto saß. Vielleicht lebten die Menschen dauerhaft in ihren Fahrzeugen? Oder daran, dass ich keine Kleidung trug. Es war eine kalte Nacht, aber konnte es wirklich an etwas so Trivialem wie dem Fehlen einer künstlichen Hautbedeckung liegen? Nein, so simpel konnte es nicht sein.

Ich blickte hinauf in den Himmel.

Inzwischen war hinter einer dünnen Wolkenschicht ein verschwommener Mond zu sehen. Auch er schien voller Entrüstung zu mir herabzustarren. Nur die Sterne ließen sich nicht blicken, dabei sehnte ich mich sehr nach ihrem Beistand.

Zu allem Überfluss bestand eindeutig eine hohe Regenwahrscheinlichkeit. Ich hasste Regen. Regen war für mich, wie für die meisten Kuppelbewohner, ein Grauen von fast mythischem Ausmaß. Ich musste finden, was ich suchte, bevor sich die Wolken öffneten.

Ein Stück weiter vorn befand sich ein rechteckiges Aluminiumschild. Substantive ohne Kontext sind für den Sprachneuling immer knifflig, doch der Pfeil zeigte nur in eine Richtung, und ich folgte ihm.

Immer noch ließen Menschen ihre Wagenfenster herunter und übertönten den Motorenlärm mit lauten Zurufen. Manche schienen mir wohlgesinnt, denn sie spuckten Oralflüssigkeit in meine Richtung, wie es die Orminurks zur Begrüßung tun. Also spuckte ich freundlich zurück und versuchte ihre vorbeirasenden Gesichter zu treffen. Damit löste ich weitere Rufe aus, die ich positiv zu nehmen versuchte.

Bald schon würde ich verstehen, tröstete ich mich, was schwerfällig artikulierte Grußformeln wie »Runter von der Straße du Wichser« zu bedeuten hatten. In der Zwischenzeit folgte ich dem Pfeil und entdeckte ein beleuchtetes, irritierend unbewegliches Gebäude am Straßenrand.

Dorthin gehe ich, sagte ich mir. Dorthin gehe ich und suche nach Antworten.

Texaco

Das Gebäude hieß »Texaco«. Mit unheimlicher Reglosigkeit stand es leuchtend in der Nacht, als warte es nur darauf, zum Leben zu erwachen.

Als ich darauf zuging, bemerkte ich, dass es sich um eine Art Nachfüllstation handeln musste. Unter einem flachen Dach standen Autos neben sehr simplen Treibstoffabgabesäulen. Jetzt war klar: Diese Autos waren vollkommen unselbstständig. Sie waren praktisch hirntot, falls sie überhaupt Gehirne besaßen.

Die Menschen, die ihre Autos mit Treibstoff versorgten, starrten mich an. Um trotz meiner sprachlichen Einschränkungen mit größtmöglicher Höflichkeit aufzutreten, spuckte ich ihnen reichlich Speichel entgegen.

Dann betrat ich das Gebäude. Hinter einer Theke stand ein bekleideter Mensch. Statt aus dem Hinterkopf wuchsen ihm Haare aus der unteren Gesichtshälfte. Er war kugelförmiger gebaut als die anderen Menschen, wodurch er ein wenig angenehmer aussah. Der Geruch nach Hexansäure und Androsteron teilte mir mit, dass körperliche Hygiene keine Priorität für ihn war. Er starrte mein (zugegebenermaßen erschreckendes) Genital an und drückte auf etwas hinter der Theke. Ich spuckte freundlich, aber er erwiderte den Gruß nicht.

Von der vielen Speichelabgabe durstig, ging ich auf eine der summenden Kühleinheiten zu, in der sich zylindrische Gegenstände in bunten Farben stapelten. Ich nahm einen Behälter heraus und öffnete ihn. Er trug den Aufdruck »Coca-Cola light« und enthielt eine Flüssigkeit, die extrem süß schmeckte, mit einer Spur von Phosphorsäure. Es war ganz widerlich. Kaum hatte ich die Dose angesetzt, schoss mir das Zeug auch schon wieder aus dem Mund. Ich probierte etwas anderes. Ein Nahrungsmittel verpackt in Synthetikfolie. Die Erde war, wie mir später klar wurde, ein Planet der verpackten Dinge. Nahrung in Folie. Körper in Kleidung. Verachtung in Lächeln. Alles war verpackt. Das Nahrungsmittel hieß »Mars«. Es rutschte etwas tiefer in meine Kehle, allerdings nur bis zu der Stelle, an der ich feststellte, dass ich einen Würgereflex besaß.

Ich schloss die Tür der Kühleinheit und entdeckte einen Behälter, auf dem »Pringles« und »Barbecue« stand. Diesen öffnete ich und begann zu essen. Das Zeug schmeckte nicht schlecht – entfernt wie Sorpkuchen –, und ich stopfte mir so viel davon in den Mund, wie hineinpasste. Ich versuchte mich zu erinnern, wann ich das letzte Mal eigenhändig Nahrung zu mir genommen hatte, doch es gelang mir nicht. Jedenfalls nicht seit meiner frühen Kindheit.

»Hey, das geht nicht. Sie können hier nicht einfach was essen. Sie müssen erst bezahlen.«

Der Mann hinter der Theke sprach zu mir. Ich verstand immer noch nicht viel von dem, was er sagte, aber seine Lautstärke und Frequenz klangen nicht positiv. Außerdem bemerkte ich, dass seine Haut – an den Stellen im Gesicht, wo sie sichtbar war – die Farbe verändert hatte.

Ich entdeckte eine Lichtquelle über mir und blinzelte.

Dann legte ich die Hand über meinen Mund und machte ein Geräusch, nahm die Hand weg, machte das gleiche Geräusch und registrierte den Unterschied.

Es war tröstlich, dass die Gesetze von Schall und Licht sogar im entlegensten Winkel des Universums galten, auch wenn ich sagen muss, dass sie hier etwas von ihrem Glanz eingebüßt zu haben schienen.

Vor mir stand ein Gestell voller Gegenstände, die ich bald als »Zeitschriften« kennen würde, fast alle mit einem fast identischen grinsenden Gesicht auf der Vorderseite. Sechsundzwanzig Nasen. Zweiundfünfzig Augen. Es war ein schauerlicher Anblick.

Ich griff nach einer davon, und der Mann griff zum Telefon.

Auf der Erde befinden sich die Medien noch im Vor-Kapsel-Stadium, und der Großteil der Informationen muss mit Hilfe von elektronischen Geräten oder eines sogenannten Printmediums gelesen werden, hergestellt aus einer aus Bäumen gewonnenen, dünn ausgewalzten, chemisch bearbeiteten Masse, die man Papier nennt. Zeitschriften sind sehr beliebt, obwohl sich kein Mensch nach dem Lesen besser fühlt. Im Gegenteil, ihr Hauptzweck ist, den Lesern Gefühle von Minderwertigkeit einzuflößen, die sie dazu bewegen, etwas zu kaufen. Haben sie das getan, fühlen sie sich trotzdem nicht weniger minderwertig und kaufen sich noch eine Zeitschrift, um zu erfahren, was sie als Nächstes kaufen sollen. Es ist eine ewige Spirale des Unglücklichseins, die man Kapitalismus nennt. Sehr populär. Die Publikation, die ich in der Hand hielt, hieß Cosmopolitan, und ich erkannte, dass sie mir zum Spracherwerb dienen konnte.

Es dauerte nicht lang. Die menschlichen Schriftsprachen sind lächerlich simpel, denn sie bestehen fast ausschließlich aus Wörtern. Es gelang mir, aus dem ersten Artikel die gesamte Schriftsprache zu extrapolieren sowie einige grundlegende Informationen über den »Touch, der Ihre Stimmung und Beziehung aufpeppt« zu gewinnen. Außerdem stellte ich fest, dass der Orgasmus hier eine unglaublich große Rolle spielte. Anscheinend war der Orgasmus das zentrale Thema des Erdendaseins, vielleicht sogar der einzige Lebenssinn, den sie auf diesem Planeten kannten. Ihr ganzes Streben galt der Erleuchtung durch den Orgasmus, ein paar Sekunden Erlösung von der Dunkelheit, die sie umgab.

Doch Lesen war nicht Sprechen, und meine neue Vokalanlage steckte mir in der Kehle wie ein weiteres Nahrungsmittel, das ich nicht schlucken konnte.

Ich legte die Zeitschrift zurück ins Regal. Daneben befand sich ein schmaler hoher Metallstreifen, in dem ich mein Spiegelbild sehen konnte. Auch ich hatte eine hervorstehende Nase. Und Lippen. Haare. Ohren. So viel Externalität. Es war ein ziemlich nach außen gestülpter Look. Außerdem ein großer Knubbel vorn an meinem Hals. Buschige Augenbrauen.

Ein Informationsschnipsel tauchte auf, etwas, das mir die Moderatoren mitgegeben hatten. Professor Andrew Martin.

Mein Herz raste. Ein Anflug von Panik. Das war ich jetzt. Dazu war ich geworden. Ich versuchte mich damit zu trösten, dass es ja nur für kurze Zeit war.

Im Regal unter den Zeitschriften lagen Zeitungen. Darauf waren noch mehr Fotos von lächelnden Gesichtern zu sehen, aber auch einige von toten Menschen, die neben zerstörten Gebäuden lagen. Daneben war eine kleine Sammlung von Landkarten. An einer standen die Worte »Straßenkarte der Britischen Inseln«. Vielleicht befand ich mich auf den Britischen Inseln. Ich nahm die Karte und wollte das Gebäude verlassen.

Der Mann legte das Telefon wieder hin.

Die Tür war verschlossen.

Wieder tauchte ein Informationsfetzen in meinem Hirn auf: Fitzwilliam College, Cambridge University.

»Du haust hier nicht ab, du Arsch«, sagte der Mann, Worte, die ich zu verstehen begann. »Die Polizei ist schon unterwegs. Ich hab die Tür abgeschlossen.«

Zu seiner Verblüffung öffnete ich daraufhin die Tür und verließ das Gebäude. Irgendwo in der Ferne hörte ich das Heulen einer Einsatzsirene. Lauschend stellte ich fest, dass sie nur dreihundert Meter entfernt war und schnell näher kam. Ich setzte mich in Bewegung und lief, so schnell ich konnte, von der Straße weg, eine mit Gras bewachsene Böschung hinauf auf eine asphaltierte Fläche.

Hier stand eine große Anzahl von Transportfahrzeugen, die in einem geometrischen Muster abgestellt worden waren.

Was für eine seltsame Welt. Natürlich ist jede Welt seltsam, wenn man sie zum ersten Mal sieht, aber diese hier musste eine der allerseltsamsten sein. Ich suchte nach Ähnlichkeiten mit meiner Welt. Ich hielt mir vor Augen, dass auch hier die Dinge aus Atomen bestanden und dass diese Atome hier genauso funktionierten wie Atome überall. Wenn Distanz zwischen ihnen war, bewegten sie sich aufeinander zu. Wenn keine Distanz zwischen ihnen war, stießen sie einander ab. Das war das grundlegende Gesetz des Universums, und es traf auf alle Dinge zu, sogar hier. Die Vorstellung war tröstlich: dass sich die kleinen Dinge, egal wo im Universum man war, immer gleich verhielten. Anziehung und Abstoßung. Nur wenn man nicht genau hinschaute, sah man Unterschiede.

Trotzdem, in diesem Moment sah ich nichts als Unterschiede.

Das Auto mit der Sirene und den blitzenden blauen Lichtern hielt jetzt an der Tankstelle, also versteckte ich mich eine Weile zwischen den geparkten Lastwagen. Ich fror und kauerte mich zusammen, am ganzen Körper zitternd und mit schrumpfenden Testikeln. (Die Testikel des Mannes waren noch das Schönste an ihm, stellte ich fest, auch wenn sie von den Menschen anscheinend wenig geschätzt wurden, die alle anderen Körperteile lieber anzusehen schienen, sogar lächelnde Gesichter.) Bevor das Auto mit dem Blaulicht weiterfuhr, hörte ich eine Stimme hinter mir. Es war der Fahrer des Fahrzeugs, hinter dem ich mich versteckte.

»Hey, was machst du da? Hau bloß ab von meinem Lastwagen.«

Wieder lief ich weg, und meine nackten Fußsohlen schlugen hart auf dem Boden auf, der mit Splitt bedeckt war. Dann hatte ich Gras unter den Füßen, rannte über eine Wiese und behielt die Richtung bei, bis ich eine andere Straße erreichte. Diese war viel schmaler, und es gab überhaupt keinen Verkehr.

Ich faltete die Landkarte auseinander, fand die Linie, die zur Kurve dieser Straße passte, und sah das Wort »Cambridge«.

Diese Richtung schlug ich ein.

Während ich beim Gehen die mit Stickstoff angereicherte Luft atmete, formte sich in mir eine Vorstellung von dem Menschen, den ich verkörperte. Professor Andrew Martin. Mit dem Namen kamen die Fakten, vom anderen Ende des Universums gesandt von denen, die mich geschickt hatten.

Ich war ein verheirateter Mann. Ich war dreiundvierzig Jahre alt, die exakte Halbzeit eines Menschenlebens. Ich hatte einen Sohn. Ich war der Professor, der gerade das wesentlichste mathematische Problem gelöst hatte, vor dem die Menschen je gestanden hatten. Nur drei kurze Stunden zuvor hatte ich den Fortschritt der Menschheit bis über alle Vorstellungskraft hinaus vorangetrieben.

Von den Tatsachen wurde mir leicht schwindelig. Ich ging weiter in Richtung Cambridge, um herauszufinden, was diese Menschen sonst noch für mich bereithielten.

Corpus Christi

Ich hatte nicht den Auftrag, diesen Bericht über das menschliche Leben zu verfassen. Davon stand nichts in meinen Anweisungen. Trotzdem fühle ich mich verpflichtet, einige bemerkenswerte Eigenschaften der menschlichen Existenz zu erklären. Vielleicht wird dadurch verständlich, warum ich getan habe, was ich getan habe – und was inzwischen wahrscheinlich einigen von euch bekannt ist.

Ich wusste schon immer, dass die Erde ein realer Ort ist. In Kapselform hatte ich mir den berühmten Reisebericht Die kämpfenden Idioten: Meine Zeit bei den Menschen auf dem Wasserplaneten 7081 zugeführt. Ich wusste, dass die Erde eine reale Gegebenheit war, in einem monotonen, weit entfernten Sonnensystem, wo nicht viel passierte und die Reisemöglichkeiten der Einwohner extrem beschränkt waren. Ich hatte außerdem gehört, dass die Menschen eine Lebensform von bestenfalls mittelmäßiger Intelligenz waren, die zu Gewalttätigkeit, sexueller Schamhaftigkeit und schlechter Lyrik neigten und die Angewohnheit hatten, sich ständig im Kreis zu bewegen.

Doch langsam wurde mir klar, dass nichts mich hierauf hätte vorbereiten können.

In den Morgenstunden erreichte ich dieses Cambridge.

Es war auf grauenvolle Weise faszinierend. Zuerst fielen mir die Gebäude auf, und mit einem Schauder erkannte ich, dass die Tankstelle kein Einzelfall war. Alle Bauwerke hier – egal, ob sie dem Konsum, dem Wohnen oder anderen Zwecken dienten – waren statisch und klebten am Boden.

Dieser Ort sollte also meine Stadt sein. Hier hatte »ich« gelebt, mehr oder weniger die letzten zwanzig Jahre. Und ich würde so tun müssen, als stimmte es, selbst wenn dies der unwirtlichste Ort war, den ich je gesehen hatte.

Der Mangel an geometrischer Vorstellungskraft war deprimierend. Nicht einmal ein Zehneck war zu sehen. Auch wenn mir auffiel, dass manche Gebäude größer und – in Maßen – aufwändiger gestaltet waren als andere.

Tempel des Orgasmus vielleicht?

Nach und nach machten die Geschäfte auf. In den Städten der Menschen, sollte ich herausfinden, gab es überall Geschäfte. In jedem suchten die Menschen nach Erlösung.

In einem solchen Geschäft sah ich im Schaufenster eine Menge Bücher. Wie ich jetzt weiß, müssen die Menschen Bücher lesen. Sie müssen sich buchstäblich hinsetzen und ein Wort nach dem anderen lesen. Das kostet Zeit. Viel Zeit. Ein Mensch kann sich nicht mehrere Bände auf einmal zuführen oder in wenigen Sekunden fast unendliches Wissen einverleiben. Er kann sich nicht einfach eine Wortkapsel mit einem neu erschienenen Buch in den Mund schieben wie wir. Man stelle sich das vor! Nicht nur sterblich zu sein, sondern auch noch gezwungen, einen Teil der wertvollen begrenzten Zeit auf Erden mit Lesen zu verbringen. Kein Wunder, dass die Menschen eine primitive Spezies waren. Kaum hatten sie annähernd genug Bücher gelesen, um mit dem erworbenen Wissen irgendetwas anfangen zu können, waren sie schon tot.

Ich betrat die Buchhandlung und sah mir ein paar der Bücher an, die auf den Tischen auslagen. Ich bemerkte, dass zwei Frauen, die dort arbeiteten, lachten und auf meine Mittelpartie zeigten. Wieder war ich verwirrt. Gingen Männer nicht in Buchhandlungen? Lagen die Geschlechter im Krieg und machten sich übereinander lustig? Lachten Buchhändler einfach gern ihre Kunden aus? Oder lag es daran, dass ich keine Kleidung trug? Wer weiß. Jedenfalls war es etwas störend, vor allem, da das einzige Gelächter, das ich vorher je gehört hatte, das dezente, pelzgedämpfte Kichern eines Ipsoiden war. Ich versuchte mich auf die Bücher zu konzentrieren und beschloss, mir die anzusehen, die in den Regalen standen.

Ich merkte schnell, dass die Ordnung, die hier angewendet wurde, alphabetisch war und sich auf den Anfangsbuchstaben des Nachnamens der Urheber bezog. Da das menschliche Alphabet aus nur 26 Buchstaben bestand, war es ein unglaublich einfaches System, und bald hatte ich die Autoren mit dem Anfangsbuchstaben M gefunden. Dort stand ein Buch mit dem Titel Das finstere Mittelalter von Isobel Martin. Ich nahm es aus dem Regal. Ein kleines Etikett wies es als Buch einer »örtlichen Autorin« aus. Sie hatten nur ein Exemplar da, sehr viel weniger als von den Büchern von Andrew Martin. Zum Beispiel gab es dreizehn Exemplare eines Buchs von Andrew Martin mit dem Titel Die Quadratur des Kreises und elf eines anderen mit dem Titel American Pi. In beiden ging es um Mathematik, und sie lagen auf einem Bord vor dem Regal.

Ich nahm die Bände in die Hand und sah, dass bei beiden auf der Rückseite »£ 8.99« stand. Dank der Extrapolierung der Sprache, die ich mit Hilfe von Cosmopolitan durchgeführt hatte, wusste ich, dass es sich hierbei um den Preis der Bücher handelte, aber ich hatte kein Geld. Also wartete ich, bis niemand zu mir hersah (es dauerte ziemlich lange), und dann rannte ich sehr schnell aus dem Geschäft.

Irgendwann wurde ich langsamer, da Rennen ohne Kleidung mit externen Testikeln nicht gänzlich kompatibel ist, und dann begann ich zu lesen.

Ich durchsuchte beide Bücher nach der Riemannschen Vermutung, doch ich fand nichts außer einzelnen Erwähnungen des längst verstorbenen deutschen Mathematikers Bernhard Riemann selbst.

Ich warf die Bücher weg und ging weiter.

Überall gab es Dinge, die ich nicht richtig verstand: Müll, Werbung, Fahrräder. Typisch menschliche Dinge. Immer wieder blieben Leute stehen und starrten mich an.

Ich kam an einem massigen Mann mit langem Mantel und haarigem Gesicht vorbei, der nach seinem asymmetrischen Gang zu urteilen verletzt zu sein schien.

Natürlich kennen auch wir Schmerz als flüchtige Empfindung, doch dieser Mensch schien unter einer anderen Art von Schmerz zu leiden. Er erinnerte mich daran, dass die Erde ein Ort des Todes war. Hier zerfielen Dinge, lösten sich auf, starben. Das Leben eines Menschen war auf allen Seiten von Dunkelheit umgeben. Wie um alles in der Welt ertrugen sie das?

Idiotie, verursacht vom langsamen Lesen. Das war die einzige Erklärung.

Dieser Mann schien es allerdings nicht zu ertragen. Sein Blick war voller Kummer und Leid.

»Jesus«, murmelte der Mann bei meinem Anblick. Ich glaube, er verwechselte mich. »Jetzt habe ich alles gesehen.« Er roch nach bakterieller Infektion und verschiedenen anderen abstoßenden Dingen, die ich nicht identifizieren konnte.

Ich überlegte, ob ich ihn nach dem Weg fragen sollte, da die Landkarte, die ich hatte, nur zweidimensional und relativ ungenau war, aber ich war noch nicht so weit. Zwar hätte ich die Worte aussprechen können, aber ich hatte noch nicht das Selbstvertrauen, sie an ein Gesicht in solcher Nähe zu richten, mit der unförmigen Nase und den traurigen rosa Augen. (Woher wusste ich, dass seine Augen traurig waren? Das ist eine interessante Frage, vor allem da wir Vonnadorianer echte Traurigkeit nicht kennen. Die Antwort ist, ich weiß es nicht. Es war ein Gefühl, das ich hatte. Ein Echo in mir, vielleicht das Echo des Menschen, in den ich mich verwandelt hatte. Ich hatte zwar nicht alle seine Erinnerungen, aber dafür hatte ich andere Dinge. War Empathie ein zum Teil biologisches Phänomen? Ich wusste nur, dass diese Traurigkeit mich beunruhigte, mehr noch als der Anblick von Schmerz. Traurigkeit kam mir wie eine Krankheit vor, und ich hatte Angst, dass sie ansteckend war.) Also ging ich an ihm vorbei und versuchte zum ersten Mal, seit ich mich erinnern kann, eigenständig den Weg zu einem Ort zu finden.

Ich wusste zwar, dass Professor Martin an der Universität arbeitete, aber ich hatte keine Ahnung, wie eine Universität aussah. Ich konnte mir denken, dass es keine mit Zirkonium verkleidete Raumstation war, die über der Atmosphäre schwebte, aber mehr wusste ich auch nicht. Die Fähigkeit, Unterschiede zwischen den Gebäuden wahrzunehmen und zu erkennen, um welche Art von Gebäude es sich handelte, besaß ich einfach nicht. Also ging ich weiter, ignorierte die Blicke der Menschen und berührte jede Backstein- oder Glasfassade, an der ich vorbeikam, in der Hoffnung, der Tastsinn hielte mehr Antworten bereit als das Sehen.

Dann geschah das Schlimmste, was passieren konnte. (Haltet euch fest, Vonnadorianer.)

Es begann zu regnen.

Die Empfindung auf meiner Haut und meinem Haar war grauenhaft. Ich musste sie unbedingt sofort beenden. Ich begann zu laufen und suchte nach einem Eingang. Egal wohin. Ich kam an ein großes Gebäude mit einem hohen Tor und einem Schild daneben. Auf dem Schild stand »College des Corpus Christi und der Jungfrau Maria«. Nach der Lektüre von Cosmopolitan wusste ich, was eine Jungfrau war, doch die anderen Wörter stellten mich vor ein Rätsel. Corpus und Christi schienen zu einem Raum zu gehören, der irgendwie außerhalb der Sprache lag. Corpus hatte etwas mit Körper zu tun, also war Corpus Christi vielleicht ein tantrischer Ganzkörperorgasmus. Ehrlich gesagt, ich hatte keine Ahnung. Dann war da noch ein kleineres Schild. Darauf stand: »Cambridge University«. Mit der linken Hand öffnete ich das Tor, dann trat ich ein und ging über eine Grasfläche auf das Gebäude zu, in dem Licht brannte.

Zeichen von Leben und Wärme.

Das Gras war nass. Die pelzige Feuchtigkeit war widerwärtig, und ich zog ernsthaft in Erwägung, zu schreien.

Es war sehr kurz gemäht, dieses Gras. Später würde ich wissen, dass kurz gemähtes Gras Rasen genannt wurde und einen starken Signifikanten darstellt, der mir Ehrfurcht und Respekt einflößen sollte, vor allem im Zusammenhang mit (wie in diesem Fall) »grandioser« Architektur. Doch im Moment konnte ich weder das gepflegte Gras noch die architektonische Erhabenheit deuten, und so lief ich unbeeindruckt quer über das Gras auf das Hauptgebäude zu.

Irgendwo hinter mir hielt ein Auto. Wieder sah ich blitzendes blaues Licht, das über die steinerne Fassade von Corpus Christi glitt.

Ein Mann rannte auf mich zu. Hinter ihm hatte sich eine Menschenmenge versammelt. Wo waren die alle hergekommen? Sie wirkten so finster, eine Meute merkwürdiger verhüllter Gestalten. Sie wirkten wie Wesen von einem anderen Stern. Was ja zu erwarten war. Weniger erwartbar war, dass auch ich auf sie wie von einem anderen Stern zu wirken schien. Dabei sah ich doch genauso aus wie sie. Vielleicht war das noch eine typisch menschliche Eigenschaft. Die Fähigkeit, sich gegen die eigene Spezies zu wenden – die eigene Art auszugrenzen. Wenn das so war, machte es meine Mission umso wichtiger.

Ich stand also auf dem nassen Gras und ein Mensch lief auf mich zu und die Menge im Hintergrund starrte. Ich hätte wegrennen können oder mich wehren, aber es waren zu viele. Zum Teil waren sie mit prähistorisch anmutenden Aufzeichnungsgeräten ausgerüstet. Der Mensch packte mich. »Kommen Sie mit, Sir.« Ich dachte an meine Mission. Doch erst musste ich wohl seinen Anweisungen folgen. Außerdem wollte ich unbedingt raus aus dem Regen.

»Ich bin Professor Andrew Martin«, sagte ich mit vollkommener Zuversicht, dass ich den Satz richtig aussprach. Das war der Moment, in dem ich die fürchterliche Macht des Gelächters anderer Menschen entdeckte.

»Ich habe eine Frau und einen Sohn«, sagte ich und nannte ihre Namen. »Ich muss sie sehen. Können Sie mich zu ihnen bringen?«

»Nein. Im Moment nicht. Nein.«

Er hielt meinen Arm fest. Ich wollte, dass mich diese hässliche Hand losließ. Von einem von ihnen angefasst zu werden, und dann noch festgehalten, war einfach zu viel. Trotzdem wehrte ich mich nicht, als er mich zu einem Fahrzeug führte.

Ich sollte beim Erfüllen meiner Mission möglichst wenig Aufmerksamkeit erregen.

Darin hatte ich jetzt schon versagt.

Du musst versuchen, normal zu sein.

Ja.

Du musst versuchen, wie sie zu sein.

Ich weiß.

Du darfst nicht vorzeitig fliehen.

Das werde ich nicht. Aber ich will nicht hier sein. Ich will nach Hause.

Du weißt, dass das nicht geht. Noch nicht.

Mir wird die Zeit knapp. Ich muss ins Büro des Professors, und dann zu ihm nach Hause.

Du hast recht. Das musst du tun. Aber zunächst musst du Ruhe bewahren und tun, was sie von dir verlangen. Bleib da, wo sie dich haben wollen. Tu, was sie dir sagen. Sie dürfen nie erfahren, wer dich gesandt hat. Keine Panik. Professor Andrew Martin ist nicht mehr unter ihnen. Aber du. Es ist genug Zeit. Sie sind sterblich, deswegen sind sie ungeduldig. Ihr Leben ist kurz. Deins nicht. Werde nicht wie sie. Nutze deine Gaben weise.

Das werde ich. Aber ich habe Angst.

Zu Recht. Du bist unter Menschen.

Menschliche Kleidung

Sie zwangen mich, Kleidung anzuziehen.

Was den Menschen an Wissen über Architektur und nichtradioaktive isotopische heliumbasierte Treibstoffe fehlte, machten sie durch Wissen über Kleidung mehr als wett. Auf diesem Gebiet waren sie Genies, und sie kannten alle feinen Unterschiede. Wovon es, kann ich euch sagen, Tausende gab.

Kleidung funktionierte so: Es gab eine untere Schicht und eine äußere Schicht. Die untere Schicht bestand aus »Unterhosen« und »Socken«, die die geruchsintensiven Regionen im Genitalbereich, am Gesäß und an den Füßen bedeckten. Außerdem bestand die Option des »Unterhemds«, das den etwas weniger mit Scham besetzten Brustbereich bedeckte. Zu diesem gehörten zwei empfindliche Hautausstülpungen, die »Brustwarzen« genannt wurden. Ich hatte keine Ahnung, welchem Zweck Brustwarzen dienten, nahm aber eine gewisse angenehme Sinnesempfindung wahr, wenn ich ganz zart mit dem Finger darüberstrich.

Die äußere Kleidungsschicht schien noch wichtiger zu sein. Sie bedeckte fünfundneunzig Prozent des Körpers und ließ nur das Gesicht, das Kopfhaar und die Hände frei. Anscheinend war die äußere Kleidung der Schlüssel zu den Machtstrukturen auf diesem Planeten. Die beiden Männer, die mich in dem Wagen mit dem Blaulicht fortbrachten, trugen zum Beispiel identische Außenkleidung, nämlich schwarze Schuhe über den Socken, schwarze Hosen über den Unterhosen und am Oberkörper ein weißes »Hemd« und einen dunklen, weltraumblauen »Pullover«. Auf dem Pullover direkt über der linken Brustwarze befand sich ein rechteckiges Schild aus einem etwas dünneren Material, auf dem die Worte »POLIZEI Cambridgeshire« standen. Ihre Jacken hatten die gleiche Farbe und die gleichen Schilder. Das waren ganz klar die Kleider, die man haben wollte.

Doch dann begriff ich, was das Wort »POLIZEI« bedeutete. Es bedeutete Polizei.

Ich konnte es nicht fassen. Anscheinend hatte ich allein dadurch, dass ich keine Kleidung