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Dr. Laurin ist ein beliebter Allgemeinmediziner und Gynäkologe. Bereits in jungen Jahren besitzt er eine umfassende chirurgische Erfahrung. Darüber hinaus ist er auf ganz natürliche Weise ein Seelenarzt für seine Patienten. Die großartige Schriftstellerin Patricia Vandenberg, die schon den berühmten Dr. Norden verfasste, hat mit den 200 Romanen Dr. Laurin ihr Meisterstück geschaffen. Patricia Vandenberg ist die Begründerin von "Dr. Norden", der erfolgreichsten Arztromanserie deutscher Sprache, von "Dr. Laurin", "Sophienlust" und "Im Sonnenwinkel". Sie hat allein im Martin Kelter Verlag fast 1.300 Romane veröffentlicht, Hunderte Millionen Exemplare wurden bereits verkauft. In allen Romangenres ist sie zu Hause, ob es um Arzt, Adel, Familie oder auch Romantic Thriller geht. Ihre breitgefächerten, virtuosen Einfälle begeistern ihre Leser. Geniales Einfühlungsvermögen, der Blick in die Herzen der Menschen zeichnet Patricia Vandenberg aus. Sie kennt die Sorgen und Sehnsüchte ihrer Leser und beeindruckt immer wieder mit ihrer unnachahmlichen Erzählweise. Ohne ihre Pionierarbeit wäre der Roman nicht das geworden, was er heute ist. Patrick Heym drückte dem Taxifahrer einen Fünfzigeuroschein in die Hand. »Der Rest ist für Sie«, sagte er mit etwas schwerer Stimme, die verriet, dass er wieder einmal zu viel getrunken hatte. Aus diesem Grund hatte er für die Heimfahrt ein Taxi genommen. »Vielen Dank, der Herr, kann ich gut gebrauchen. Morgen geht es nämlich in Urlaub.« Dass die Leute immer so viel reden müssen, dachte Patrick. Sein Kopf schmerzte. Es war mal wieder eine lange Nacht gewesen, dazu nicht mal eine besonders amüsante. Der Morgen dämmerte. Langsam ging Patrick den Weg zu seinem Bungalow, um dann wie erstarrt stehen zu bleiben. Fast wäre er über ein Paar Beine gestolpert. Er glaubte an Halluzinationen zu leiden. So betrunken kann ich doch gar nicht sein, dachte er. Als er sich niederbeugte, wurde ihm schwarz vor Augen, denn zu den Beinen gehörte eine schlanke, weibliche Gestalt, deren Gesicht von Blut verkrustet und kaum erkennbar war. Panik ergriff Patrick, und sein Herz klopfte so heftig, dass er den Puls des Mädchens nicht fühlen konnte. Erst ein leises, gequältes Stöhnen verriet ihm, dass noch Leben in dem Findling war. Er lief zum Haus und schloss die Tür auf. Er rief nach seiner Hausgefährtin Lena, die ihn mütterlich betreute, aber dann fiel ihm ein, dass sie für zwei Tage zu ihrer Schwester gefahren war. Er hastete zurück und hob das Mädchen auf. Es musste ein junges Mädchen sein, denn die Gestalt war leicht und zierlich. Vielleicht hätte ich zuerst die Polizei rufen sollen, ging es ihm durch den Sinn, als er die
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Seitenzahl: 128
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Patrick Heym drückte dem Taxifahrer einen Fünfzigeuroschein in die Hand. »Der Rest ist für Sie«, sagte er mit etwas schwerer Stimme, die verriet, dass er wieder einmal zu viel getrunken hatte. Aus diesem Grund hatte er für die Heimfahrt ein Taxi genommen.
»Vielen Dank, der Herr, kann ich gut gebrauchen. Morgen geht es nämlich in Urlaub.«
Dass die Leute immer so viel reden müssen, dachte Patrick. Sein Kopf schmerzte. Es war mal wieder eine lange Nacht gewesen, dazu nicht mal eine besonders amüsante.
Der Morgen dämmerte. Langsam ging Patrick den Weg zu seinem Bungalow, um dann wie erstarrt stehen zu bleiben. Fast wäre er über ein Paar Beine gestolpert. Er glaubte an Halluzinationen zu leiden.
So betrunken kann ich doch gar nicht sein, dachte er. Als er sich niederbeugte, wurde ihm schwarz vor Augen, denn zu den Beinen gehörte eine schlanke, weibliche Gestalt, deren Gesicht von Blut verkrustet und kaum erkennbar war. Panik ergriff Patrick, und sein Herz klopfte so heftig, dass er den Puls des Mädchens nicht fühlen konnte. Erst ein leises, gequältes Stöhnen verriet ihm, dass noch Leben in dem Findling war.
Er lief zum Haus und schloss die Tür auf. Er rief nach seiner Hausgefährtin Lena, die ihn mütterlich betreute, aber dann fiel ihm ein, dass sie für zwei Tage zu ihrer Schwester gefahren war.
Er hastete zurück und hob das Mädchen auf. Es musste ein junges Mädchen sein, denn die Gestalt war leicht und zierlich. Vielleicht hätte ich zuerst die Polizei rufen sollen, ging es ihm durch den Sinn, als er die Verletzte auf das Sofa bettete. Nein, zuerst einen Arzt, dachte er dann.
Sein nächster Nachbar war Arzt, nämlich Dr. Eckart Sternberg, der Chefarzt der Chirurgischen Abteilung der Prof.-Kayser-Klinik. Patrick Heym hatte schon einmal seine Hilfe in Anspruch genommen, als er bei einem Autounfall einige Verletzungen davongetragen hatte.
Es war jetzt zehn Minuten nach fünf Uhr, wie er mit einem Blick auf die Uhr feststellen konnte. Er sah klar, obwohl seine Hand, die nun zum Telefon griff, zitterte. Dr. Sternbergs Telefonnummer hatte er deshalb im Kopf, weil sie sich nur durch die Endziffer von seiner unterschied.
Ein paar Sekunden später klingelte bei Dr. Sternberg das Telefon. Er schlief schon nicht mehr fest, weil er mit einem Anruf aus der Klinik rechnete, da dort ein Frischoperierter lag, bei dem man mit schwersten Komplikationen rechnen musste.
»Was? Herr Heym? – Ja, ich komme sofort.«
Eckart Sternberg lief im Eilschritt die fünfzig Meter zum Haus von Patrick Heym, das inmitten eines parkähnlichen Grundstücks lag. Ein solches Grundstück konnten sich nur sehr reiche Leute leisten, aber Patrick Heym hatte es geerbt, wie vieles andere auch. Noch keine dreißig Jahre alt, war er ein schwerreicher Mann, der sich alles leisten und seine Tage im süßen Nichtstun verbringen konnte.
Und das tat er auch. Patrick Heym war als Playboy stadtbekannt. Dr. Eckart Sternberg hatte für solche Typen nicht viel übrig, und gerade deshalb hatte er sich gewundert, dass er schon bei der ersten Begegnung Sympathie für Patrick empfunden hatte.
Als Dr. Sternberg ihn nun an diesem Morgen wiedersah, erkannte er ihn fast nicht wieder. Wie ein Geist stand Patrick da und brachte kein Wort über die Lippen. Er deutete nur auf das Sofa.
Dem Arzt bot sich ein erbarmungswürdiger Anblick. Er sagte auch nicht viel, sondern griff gleich zum Telefon und bestellte einen Krankenwagen.
»Es ist besser, wenn das in der Klinik erledigt wird«, sagte er zu Patrick.
»Sie wird doch am Leben bleiben? Mein Gott, es wäre furchtbar …« Er unterbrach sich und fuhr dann stockend fort: »Ich bin eben erst nach Hause gekommen. Wer weiß, wie lange sie schon vor meiner Haustür gelegen hat.«
Dr. Sternberg konnte über den Zustand des Mädchens noch gar nichts sagen – außer, dass sie übel dran war.
»Kennen Sie die junge Dame?«, fragte er.
Patrick schüttelte benommen den Kopf. »Man kann ja gar nichts erkennen«, stammelte er. »Es ist entsetzlich. Bitte, tun Sie, was möglich ist, Herr Doktor. Ich übernehme alle Kosten.«
Später musste Dr. Sternberg daran denken, dass er nicht einen Augenblick lang misstrauisch gegenüber Patrick Heym gewesen war.
Eine Stunde später stand auch Dr. Leon Laurin am Krankenlager der Fremden. Das Gesicht war inzwischen vom Blut gereinigt worden. Die beiden Platzwunden, die von Schlägen oder einem Sturz herrühren konnten, waren geklammert.
Eine Gehirnerschütterung hatte Dr. Sternberg auch diagnostiziert, aber das Schlimmere war die Tatsache, dass das Mädchen vergewaltigt worden war, und das hatte Dr. Laurin festgestellt.
Das Kleid war zerfetzt, ein gewiss nicht billiges Modell.
»Eine merkwürdige Geschichte«, sagte Dr. Laurin nachdenklich. »Heym genießt keinen besonders guten Ruf.«
»Aber so etwas traue ich ihm nicht zu«, widersprach Dr. Sternberg. »Und was heißt guter Ruf? Er hat mehr Geld, als er ausgeben kann, und das macht schnell leichtsinnig. Jedenfalls werden wir mal wieder die Polizei am Hals haben.«
»Wäre auch zu schön, wenn es mal so ginge, aber eine solche brutale Tat kann man nicht ungesühnt lassen.«
»Hoffentlich wird der Täter bald gefasst, sonst habe ich auch keine Ruhe mehr«, meinte Dr. Sternberg.
»Hoffen wir auch, dass Heym nicht doch in die Sache verwickelt ist«, fügte Dr. Laurin hinzu. »Ein sehr apartes Mädchen, wenn man sich die Wunden wegdenkt.«
Ein solches Unglück konnte die Ärzte der Prof.-Kayser-Klinik nicht kalt lassen. Sie wussten ja auch um die psychischen Folgen, die ein junges Menschenkind durchmachen musste – selbst wenn es organisch geheilt werden konnte.
Inzwischen würde das Mädchen wohl auch von besorgten Eltern vermisst werden, von einem Freund oder Verlobten, denn am linken Ringfinger steckte ein schmaler Weißgoldring, der eine Bindung bedeuten konnte. Ein Ehering konnte es kaum sein, denn aus den Verletzungen, die das Mädchen erlitten hatte, konnte man schließen, dass sie vorher keine intimen Beziehungen zu einem Mann gehabt hatte.
*
Im Haus des Industriellen Arnold Heltcamp herrschte gewaltige Aufregung. Agnes Heltcamp konnte nicht schlafen, wenn ihre Tochter nicht zu Hause war, zumindest nicht ruhig schlafen. Immer wieder hatte sie in dieser Nacht zur Tür gelauscht, mehrmals war sie aufgestanden und hatte zu Anja ins Zimmer geschaut, aber als dieses gegen fünf Uhr noch immer leer war, hatte sie ihren Mann geweckt.
»Anja ist noch nicht daheim«, berichtete sie nervös. »André sollte doch wissen, dass es sich nicht gehört, mit ihr so lange auf einer Party zu bleiben.« Erregung und Empörung machten ihre sonst so angenehme Stimme ein wenig schrill.
Arnold Heltcamp, aus tiefem Schlummer gerissen, starrte seine Frau erst mal betroffen an.
»Das ist gar nicht Anjas Art«, bemerkte er heiser. »Es wird doch nichts passiert sein? Wo wollten sie doch gleich hingehen?«
»Zu Bekannten von André. Ich komme nicht gleich auf den Namen.«
»Frag Uwe, oder ist er auch nicht zu Hause?«
Uwe Heltcamp, der Sohn, war daheim. Er brauchte viel Schlaf, denn er stand kurz vor seinem Examen. Da er sehr tüchtig war, brauchte er sich keine Sorgen zu machen und konnte tief und fest schlafen.
»Was, Anja ist noch nicht zu Hause?«, entfuhr es ihm, als er von der Mutter geweckt wurde. »Da stimmt was nicht.«
Dieser Ausruf trug gewiss nicht dazu bei, Agnes Heltcamp zu beruhigen. Jetzt brach sie in Tränen aus.
»Weine doch nicht gleich, Mama«, sagte Uwe, »ich ziehe mich an und fahre zu André. Und wehe, wenn er Anja vernascht hat.«
Agnes war entsetzt, aber die Angst um ihre Tochter war noch größer als das Entsetzen. In ihrer Familie wurde recht frei gesprochen, und man war auch nicht prüde. Man hatte nur gewisse Grundsätze, wie sie eben zum Stil eines Hanseaten gehörten, auch wenn er nach München verschlagen worden war. In München hatte er seine Agnes kennengelernt, die Tochter eines kleinen Unternehmers, der Arnold eine Stellung bot. Sie hatten bald geheiratet, und Arnold hatte aus dem kleinen Unternehmen eine Weltfirma gemacht. Die Kinder waren ersehnt worden. Uwe war jetzt vierundzwanzig, Anja hatte gerade ihren zwanzigsten Geburtstag gefeiert. Gleichzeitig war ihre Verlobung mit André Malten bekannt gegeben worden. André studierte zwar noch, obwohl er älter war als Uwe, aber er stammte aus bester Familie, und man hatte nichts gegen ihn einzuwenden. Nur Uwe meckerte an ihm herum, weil er so lange mit dem Studium trödelte.
Dafür wiederum hatte Agnes eine Entschuldigung gehabt, denn Andrés Vater war früh gestorben, und seine Mutter hatte ihnen erklärt, wie sehr der Junge darunter gelitten und wie lieb er sich dann um sie gekümmert hätte. André entsprach so ganz dem Bild, das man sich von einem lieben, wohlerzogenen, sensiblen Jungen machte.
Uwe hatte sich schnell angekleidet und war losgefahren. Eine gute Viertelstunde war er unterwegs, bis er das Haus der Maltens erreichte. Da war es noch nicht sieben Uhr. Er musste mehrmals läuten, bis sich ein Fenster öffnete.
»Verzeihung, Frau Malten«, sagte Uwe, »ist André zu Hause?«
»Natürlich«, kam die Antwort. »Was ist denn los, Uwe?«
»Anja ist noch nicht daheim«, erklärte er, »ich muss André sprechen.«
Frau Malten öffnete ihm endlich die Tür. Und sie klopfte dann auch lautstark an Andrés Tür, den selbst das Läuten und Rufen anscheinend nicht hatte wecken können.
»Was ist denn nur los, Uwe?«, fragte er besorgt.
»Wo ist Anja?«, erkundigte sich Uwe knapp.
»Woher soll ich das wissen? Hier ist sie nicht.«
»Hast du sie denn nicht heimgebracht?«, fragte Uwe verwirrt.
»Pass mal auf, es war so: Anja hat auf der Party mit einem anderen geflirtet, da hatten wir Differenzen. Du weißt ja, wie bockig sie sein kann. Sie wollte allein nach Hause fahren. Wir waren mit ihrem Wagen gekommen, weil meiner doch in Reparatur ist. Ich habe mir dann ein Taxi genommen. Aber es ist doch nicht möglich, dass sie noch nicht zu Hause ist. Zum Teufel, hätte ich sie doch nur festgehalten.«
»Mit wem hat sie geflirtet?«, fragte Uwe.
»Mit Patrick Heym, das hat mich ja gerade so in Rage gebracht. Ich fahre gleich zu ihm und stelle ihn zur Rede.«
»Ja, komm mit«, sagte Uwe.
Dann wurde er ungeduldig, weil André seiner Meinung nach zu lange brauchte, um sich anzukleiden. Draußen jammerte Thea Malten, was denn das alles nur zu bedeuten hätte. Anja sei doch ein so solides Mädchen.
»Das ist sie auch«, sagte Uwe, »und wehe dem, der daran zweifelt.« Uwe hatte einiges von dem Temperament seiner Mutter geerbt, während Anja ganz dem Bild entsprach, das man sich von einer stolzen, reservierten Hanseatentochter machte.
Als André endlich neben Uwe im Wagen saß, sagte er: »Weißt du, Uwe, es ist besser, wir benachrichtigen die Polizei. Wir können nicht einfach bei Heym eindringen. Er könnte uns etwas anhängen, und vielleicht ist Anja tatsächlich mit dem Wagen verunglückt, was Gott verhüten möge. Aber es kann ja sein. So schrecklich mir der Gedanke ist, man muss ihn in Betracht ziehen.«
»Man kann Heym ja höflich fragen«, meinte Uwe.
»Aber er ist ein Typ, der sich nichts gefallen lässt. Ich glaube nicht, dass deine Eltern einen Skandal heraufbeschwören wollen, wenn sich im Nachhinein alles als harmlos herausstellt.«
»Nennst du es harmlos, wenn meine Schwester die ganze Nacht nicht heimkommt? Du hast wohl einen Schatten. Aber gut, fahren wir zur Polizei.«
Und so geschah es, dass zehn Minuten nach acht Uhr der Funkstreifenwagen vor Patrick Heyms Haus hielt.
*
Patrick Heym war kein weicher Bursche, aber durch sein schreckliches Erlebnis war er so durcheinandergebracht, dass er noch fahler wurde, als plötzlich zwei Polizisten vor ihm standen und ein ihm unbekannter junger Mann erregt auf ihn einsprach.
»Wo ist meine Schwester, Herr Heym?«
»Wer sind Sie überhaupt?«, fragte Patrick bestürzt zurück. »Und was wollen Sie? Handelt es sich etwa um das Mädchen, das ich heute Morgen verletzt in meinem Garten gefunden habe?«
»Gefunden? Verletzt?« Uwe zitterte vor Angst und Entsetzen.
»Ich kenne das Mädchen nicht«, sagte Patrick Heym. »Ich habe Dr. Sternberg angerufen, und er hat sie in die Prof.-Kayser-Klinik bringen lassen. Ich wollte mich gerade nach ihr erkundigen.«
»Es handelt sich wahrscheinlich um meine Verlobte«, sagte André aus dem Hintergrund. Ihn hatte Patrick bisher noch gar nicht gesehen.
»Woher wollen Sie das wissen?«, stieß er hervor.
»Sie waren doch mit Anja zusammen«, sagte André laut.
»Mit wem?«, fragte Patrick.
»Mit Anja Heltcamp, meiner Schwester!«, schrie Uwe.
»Ich weiß nicht, was man von mir will«, sagte Patrick leise. »Aber es wird sich ja alles aufklären.«
»Sie kennen Anja Heltcamp?«, fragte einer der Beamten.
»Ich kann mich erinnern, ihr einmal vorgestellt worden zu sein«, erwiderte Patrick, »aber heute Morgen, als sie in meinem Garten lag – als dieses Mädchen in meinem Garten lag, wollte ich sagen –, konnte ich niemanden erkennen. Es war ein Schock für mich, denn das Mädchen war blutverschmiert.«
Plötzlich sah ihn Patrick wachsam an. »Sie kommen mir tatsächlich bekannt vor«, murmelte er, nicht ahnend, dass er sich mit dieser Bemerkung in arge Bedrängnis brachte.
»Das ist ja selbstverständlich«, erwiderte André, »wir sind uns ja erst in dieser Nacht begegnet. Bei den Perlaus.«
»Waren Sie dort?«, fragte der Beamte.
»Ja, ich war kurz dort«, erwiderte Patrick verwirrt. »Nach Mitternacht. Aber ich weiß nicht, was das alles bedeuten soll.«
»Das werden wir schon feststellen. Würden Sie bitte mitkommen, Herr Heym?«, sagte der Beamte.
»In die Prof.-Kayser-Klinik? Selbstverständlich«, erwiderte Patrick.
»Zum Polizeipräsidium«, wurde er korrigiert.
»Wir fahren zur Klinik«, sagte André.
»Gnade Ihnen Gott, wenn Sie meiner Schwester etwas angetan haben«, stieß Uwe hervor.
»Ich verstehe nichts mehr«, murmelte Patrick heiser. »Überhaupt nichts. Ich habe doch gleich den Arzt gerufen, als ich das Mädchen fand. Ich weiß nicht mal, ob es Anja Heltcamp war.«
Obwohl er völlig übermüdet war, wurde ihm klar, dass er jetzt in einem schlimmen Verdacht stand.
»Ich hoffe nur, dass das Mädchen sagen kann, wie es in meinen Garten gekommen ist und was in dieser Nacht geschehen ist«, fügte er hinzu.
*
Das Mädchen lag still und regungslos in dem weißen Bett. »Ja, das ist meine Schwester«, sagte Uwe mit unsicherer Stimme.
»Anja«, murmelte André klanglos, »oh, Anja!«
»Er wird es büßen«, stieß Uwe hervor, als Dr. Sternberg ihm vorsichtig klargemacht hatte, was Anja widerfahren war. »Ich weiß nur noch nicht, wie ich es meinen Eltern beibringen soll.«
»Ich werde es tun«, bot sich André an.
»Du? Du hast Anja doch allein gelassen. Du hast den Beleidigten gespielt, weil sie mal mit einem anderen Mann gesprochen hat«, fuhr Uwe ihn an.
Dr. Sternberg horchte auf. Er war Zeuge dieses Zwiegespräches, und wenn er auch noch nicht wusste, worum es genau ging, so prägten sich ihm diese Worte doch ein.
»Ich konnte doch nicht ahnen, was passieren würde«, verteidigte sich André. »Sei nicht ungerecht, Uwe. Ich halte zu Anja, was immer auch geschehen ist.«
»Das ist jetzt erst einmal eine Familienangelegenheit«, erklärte Uwe. »Und wir müssen warten, was Anja zu sagen hat.«
»Und wenn sie nichts mehr sagen kann, was geschieht dann mit Heym? Gar nichts. Er hat ja Geld genug, sich die besten Anwälte zu nehmen.«
Auch das hörte Dr. Sternberg noch. War es tatsächlich so? Konnte Heym sich reinwaschen, falls er es doch gewesen war? Auch dieser Gedanke ging dem Arzt flüchtig durch den Sinn, aber dann kam gleich der andere. Nein, er ist es nicht gewesen. Er hätte mich dann nicht gerufen, nicht mich. Vielleicht einen anderen Arzt, aber nicht mich!
Er ertappte sich dabei, dass er sich mechanisch ein paar Notizen über den Dialog machte, den Uwe Heltcamp und André Malten geführt hatten. Vor allem, dass Uwe dem anderen vorgeworfen hatte, den Beleidigten gespielt zu haben, weil Anja mit einem anderen Mann gesprochen hatte.
Konnte dieser andere Mann tatsächlich Patrick Heym gewesen sein?
*
