Identitätsraub - Ron Cantor - E-Book

Identitätsraub E-Book

Ron Cantor

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Beschreibung

Warum fällt es Juden so schwer, an Jesus zu glauben, und warum tun sich Christen schwer damit, dass Juden, die zum Glauben an Jesus kommen, ihr Jüdischsein nicht ablegen wollen? „Identitätsraub“ erläutert auf kreative Weise die alte Trennung zwischen den Juden und der Christenheit – jedoch nicht in Form von trockener Theologie, sondern vielmehr als fesselnder Roman. Dass Jeschua (Jesus) seiner kulturelleren Identität beraubt wurde, hatte eine schreckliche und endlose Tragödie für das jüdische Volk zur Folge. Das Buch möchte deshalb Jeschua seinen ursprünglichen ethnischen Kontext wiedergeben. David, ein jüdisch-stämmiger Amerikaner hat sich fest entschlossen, Gott zu finden. Auf seiner Suche fühlt er sich zu Jesus hingezogen. Als Jude hatte er jedoch gelernt, es bedeute, das jüdische Volk zu verraten, wenn man an Jeschua glaubt. Da erscheint ihm Ariel, ein Engel, gesandt, um ihm auf seiner Suche zu helfen. Er nimmt ihn auf eine (Zeit-)Reise mit und zeigt ihm Vergangenheit, Gegenwart und sogar die Zukunft. Nach einer kurzen Begegnung mit Jesus und einer Frau, die von ihm geheilt wurde, führt Ariel ihn an die wichtigsten Stationen der jüdischen Geschichte mit ihrer schmerzhaften und andauernden Tragödie. David fragt sich, wie das Handeln der Kirche mit der Botschaft Jesu zusammenpassen soll. Die nächsten Stationen seiner Reise decken auf, wie die Trennung zwischen Judentum und Christenheit zustande kam. David geht auf, dass weder Jesus/Jeschua noch die Verfasser des Neuen Testaments jemals beabsichtigten, eine neue Religion zu gründen. Bis er aber wirklich ganz zur Wahrheit durchdringen kann, steht ihm noch eine harte Prüfung bevor …

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Seitenzahl: 335

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Ron Cantor

Identitätsraub

Ein Jude … die Wahrheit

Roman

GloryWorld-Medien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1. Auflage 2017

© Copyright 2013 Ron Cantor

Originally published in English under the title „Identity Theft“ by Destiny Image, 167 Walnut Bottom Rd., Shippensburg PA 17257-0310, USA.

All rights reserved.

© der deutschen Ausgabe 2017 GloryWorld-Medien, Xanten, Germany, www.gloryworld.de

Alle Rechte vorbehalten

Bibelzitate sind, falls nicht anders gekennzeichnet, für das Neue Testament der „Neue Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen; Copyright © 2011 Genfer Bibelgesellschaft“, für das Alte Testament der „Elberfelder Bibel, Revidierte Fassung von 1985“ entnommen.

Weitere Bibelübersetzungen:JNT: David H. Stern, Das jüdische Neue Testament, Hänssler, 1994.

Das Buch folgt den Regeln der Deutschen Rechtschreibreform. Die Bibelzitate wurden diesen Rechtschreibregeln angepasst.

Übersetzung: Elisabeth MühlbergerLektorat/Satz: Manfred MayerUmschlaggestaltung: Jens Neumann, www.icancreative.deFoto: pixabay.com

ISBN (epub): 978-3-95578-426-3

ISBN (Druck): 978-3-95578-326-6

 

 

Stimmen zum Buch

Einige von uns Nichtjuden lieben Jesus, lieben die Juden, lieben Jesus als Juden und sind uns dessen bewusst, dass wir in einen hebräischen Glauben hineingezogen worden sind, als wir Christen wurden. Wir haben uns schon lange danach gesehnt, dass es bessere Literatur gibt, die unserer Sache dient. Vieles, was über Jesus als Juden geschrieben wurde, hört sich eher an wie eine Strafpredigt als ein erbaulicher Ruf zur Wahrheit. Ron Cantor hat das verändert. Er benutzt Fiktion, Humor, etwas Fantasie und die Vorstellungskraft eines Zeitreisenden, um uns eine Geschichte zu erzählen, die unbedingt erzählt werden muss. Er lässt uns Jesus ganz neu kennenlernen. Dafür bin ich ihm dankbar und hoffe, dass er zum Vorreiter einer neuen Generation wird.

Stephen MansfieldNew York Times Bestsellerautor

Ron Cantor ist nicht nur mit einer meiner liebsten Personen auf der Welt verheiratet, sondern auch seit mehr als zwei Jahrzehnten mein Freund und Kollege im Messias. In seinem Buch Identitätsraub betrachtet er mit Witz, Klugheit und Tiefgang seine jüdischen Wurzeln aus einer völlig unerwarteten Perspektive. Ich war angenehm überrascht, dass Identitätsraub auch ein fesselndes Leseerlebnis ist! Ich glaube, dass dieses Buch sowohl zielgerichtet als auch hilfreich ist und es einen dermaßen packen kann, dass man selbst zu einem Verfechter der wahren Identität unseres Messias wird!

Paul WilburKomponist und Musikproduzent

Ron hatte von der ersten Seite an meine volle Aufmerksamkeit! Und was für ein passender Titel, da Ron den Identitätsraub der Jahrhunderte eindrucksvoll schildert – dass nämlich Jesus seines Jüdischseins beraubt wurde! Tragischerweise hätten wohl viele derer, die bekannten, an ihn zu glauben, ihn in die Gaskammern Europas gesteckt, hätte er zu ihren Lebzeiten gelebt.

Don FintoAutor von Your People Shall Be My PeopleEhemaliger Hauptpastor der Belmont GemeindeNashville, Tennessee

Ron Cantors neues Buch, Identitätsraub, ist fesselnd und zugleich voller Offenbarung, so unterhaltsam wie aufschlussreich. Aus dem einzigartigen Blickwinkel eines messianischen Juden, der in Israel lebt, nimmt uns Ron auf eine geführte Tour durch die Geschichte mit: von der Zeit des Neuen Testaments bis zum Holocaust und dann wieder zurück zum Kreuz, um uns auf außerordentliche und gewaltige Weise den Opfertod des Messias zu veranschaulichen. Kaufen Sie ein Exemplar für sich selbst und noch eines für einen Freund!

Dr. Michael BrownPräsident der Fire School of Ministry, Concord, North CarolinaModerator der Radio-Talk-Show, Line of FireAutor der Serie, Answering Jewish Objections to Jesus

Ron Cantor hat einen rasanten Roman geschrieben, der den Glauben mächtig verteidigt. Er spiegelt die Auffassung vieler messianischer jüdischer Leiter in Israel wider und stellt das Evangelium denen aus dem jüdischen Volk, die Jeschua noch nicht nachfolgen, auf einfache und klare Weise vor. Dieses Buch wird Herzen und Sinne öffnen – nicht nur bei den Juden, sondern auch bei vielen in der Kirche, denen ein Licht aufgehen wird, wenn sie die ersten Nachfolger von Jeschua in ihrem historischen jüdischen Kontext kennenlernen.

Dr. Daniel C. JusterGeschäftsführer von Tikkun InternationalPräsident des Messianic Jewish Bible Institute, Jerusalem

Dieses äußerst notwendige Werk ist wichtig für alle, die nach der Wahrheit suchen. Obwohl ich selten Romane lese, ertappte ich mich dabei, mich schnell in Rons Manuskript vertieft zu haben, und konnte es nicht mehr weglegen. Identitätsraub ist ein großartiges Buch, sowohl für diejenigen, welche das Jüdischsein unseres Messias anerkennen, als auch für jene, die sich bisher nie wirklich mit seiner Identität beschäftigt haben. Da wir einer Zeit von unvergleichlichem Antisemitismus entgegengehen, müssen wir uns daran erinnern, dass unser Messias in eine jüdische Familie hineingeboren wurde, als Jude der Thora gemäß lebte, als König der Juden starb und als „Löwe vom Stamme Juda“ wiederkommen wird.

Scott VolkPastor der Fire ChurchCharlotte, North CarolinaPräsident von Hineni International Ministries

Wie raffiniert, eine gewaltige Botschaft in eine fesselnde Novelle über die Suche eines jüdischen Mannes nach der Wahrheit zu packen! Viele Christen erleben heute eine Sehnsucht, mehr über ihre jüdischen Wurzeln zu erfahren, welche für die Nachfolger des Messias so grundlegend sind. Um aber das christlich-jüdische Erbe und die heutige jüdische Kultur und ihr Gedankengut wirklich zu verstehen, ist es unerlässlich, dass Christen sowohl die biblische Geschichte als auch die Geschichte des jüdischen Volkes der vergangenen 2.000 Jahre kennen. Ebenso müssen sie erkennen, wie sehr diese Geschichte von der Kirche beeinflusst und dominiert wurde. Mit Identitätsraub hat Ron Cantor als Experte für die Vermittlung messianischer Inhalte ein Buch geschrieben, das einem diese Informationen in unvergesslichen Bildern liefert, angefangen von den Gläubigen des ersten Jahrhunderts bis hin zum tragischen Umherirren des jüdischen Volkes bis heute.

Ari und Shira Sorko-RamGründer von Maoz Israel (www.MaozIsrael.org)Hauptleiter der Tiferet Yeshua CongregationTel Aviv, Israel

Ich kenne Ron schon seit einigen Jahren und sein Dienst hat mich immer begeistert. Als ich Identitätsraub las, war ich davon ganz fasziniert. Ich konnte das Buch bis zum Schluss nicht mehr aus der Hand legen. Das ist wirklich eine absolute Pflichtlektüre für jeden, der Teil dieser unfassbaren Reise zum Glauben an den Messias sein will!

Dr. Evon G. HortonHauptpastor der Brownsville AssemblyPensacola, Florida

Nicht einfach nur dramatisch, sondern auch erheiternd! Eine leicht zu lesende Geschichte, die nicht-jüdischen Lesern das jüdische Bewusstsein und jüdischen Lesern das Jesusbewusstsein vermittelt. Obwohl viele Romane Menschen vom Leben ablenken, beinhaltet dieser eine lebensverändernde Botschaft, die das Leben des Lesers verwandeln kann. Sehr zu empfehlen!

Dr. Jeffrey L. SeifVorsitzender des Jewish Studies DepartmentChrist for the Nations Institute, Dallas, Texas

Ron Cantor fügt seine Stimme dem kleinen, leisen Chor derer hinzu, welche die Wahrheit der Geschichte über Jesus, sein jüdisches Leben und seine jüdische Zeit verkünden, ebenso wie über den tragischen Gegeneffekt, welche die umgeschriebene Geschichte auf das jüdische Volk und auf die Christen hatte. Als orthodoxer Jude wurde ich durch dieses Buch nicht überzeugt, mein eigenes Leben zu ändern; ich hoffe jedoch, dass Ron nicht nur seinesgleichen erreicht und dass Christen, die mit ihrer Sicht von Jesus unzufrieden sind, dieses Buch lesen und Wahrheiten entdecken, die ihnen bisher unbekannt waren. Identitätsraub ist ein wichtiger Meilenstein, den Christen in der heutigen Zeit auf ihrem Weg passieren müssen, und als Folge davon wird es auch die Beziehungen zwischen Christen und Juden beeinflussen.

Gidon ArielKultivator der christlich-jüdischen FreundschaftGründer der Facebook-Gruppe: “Jews Who Love ChristiansWho Love Jews (and the Christians Who Love Them)”Siehe auch: www.root-source.com

Ich habe Ron Cantor erstmals vor mehr als zehn Jahren in unserer Gemeinde in Washington, D.C. getroffen. Es war leicht ersichtlich, dass er einmal eine leitende Funktion übernehmen würde, und dies ist auch geschehen. Nun dienen wir gemeinsam bei MaozMinistries in Israel, wo er der gewinnende Fernsehbotschafter von Gottes guter Nachricht vom Messias ist.

Sein kürzlich verfasstes Buch Identitätsraub erläutert auf kreative Weise die alte Trennung zwischen den Juden und der Christenheit – jedoch nicht in Form von trockener Theologie, sondern vielmehr als fesselnder Roman.

Das Buch schildert die herzzerreißende Wahrheit, wie Gottes altehrwürdiges Volk von der Kirche behandelt wurde, und wird jüdische wie nichtjüdische Leser faszinieren. Dass Jeschua (Jesus) seiner kulturelleren Identität beraubt wurde, hatte eine schreckliche und endlose Tragödie für das jüdische Volk zur Folge. Rons Buch versucht, Jeschua seinen ursprünglichen ethnischen Kontext wiederzugeben. Diese Geschichte lässt uns vieles besser verstehen und bringt sehr viele Dinge ans Licht.

Paul LibermanPräsident der Messianic Jewish Alliance of AmericaHerausgeber der The Messianic Times

Nachdem ich das Buch in die Hand genommen hatte, wollte ich es nicht mehr weglegen. Ron Cantor hat sich ins „Niemandsland“ hineingewagt. Kann es möglich sein, dass die Wahrheit dort zu finden ist, wo sie eine Brücke zwischen dem Judentum und dem Christentum schlägt? Dieses Buch wird Christen herausfordern, ihre theologischen Vorstellungen neu unter die Lupe zu nehmen und eine ziemlich andere Sichtweise der Wurzeln ihres Glaubens anzunehmen. Zudem wird die jüdische Gemeinschaft herausgefordert, ihre 2000 Jahre alte, durch die Heuchelei der Nichtjuden zugefügte Wunde neu zu untersuchen und diesen „Jeschua von Nazareth“ so zu sehen, wie er wirklich war!

Richard FreemanMessianischer Rabbi der Beth Messiah CongregationHouston, Texas

Die emotionale Tiefe und Direktheit, die in diesem Roman hervorgerufen werden, könnte man in einer theologischen Abhandlung unmöglich zum Ausdruck bringen, auch wenn sie das gleiche Ziel verfolgen würde. Es ist ein Buch, das man gerne in einem Zug durchlesen möchte, und wenn es Ihnen so geht wie mir, dann werden Sie lediglich bedauern, dass Sie noch auf die zwei kommenden Bände der Trilogie warten müssen.

Dr. David H. SternÜbersetzer der englischen Originalversion vonDas jüdische Neue Testament

Ron ist ein leidenschaftlicher Kommunikator, Lehrer und Geschichtenerzähler. Es war mir eine Freude, in der Ukraine und in Ungarn mit Ron zu dienen, wo seine Lehre über die jüdischen Wurzeln, die jüdische Geschichte und die messianische Theologie viele gesegnet hat. In diesem kreativen Buch nimmt uns Ron auf eine Reise zu den Erfahrungen des jüdischen Volkes in den vergangenen Jahrhunderten mit. Die „Familiengeschichte“ auf eine neue Art und Weise erzählt zu bekommen, ist erhellend und ermutigend. Ich kann dieses Buch von ganzem Herzen empfehlen.

Wayne Wilks Jr., Ph.D.Internationaler Direktor des Messianic Jewish Bible Institute

Wenn Jesus zugleich 100 Prozent Gott und 100 Prozent Mensch ist, dann ist es zwingend notwendig zu verstehen, was für eine Art Mensch er ist. Er ist sicherlich kein blauäugiger Skandinavier, wie ihn manche dargestellt haben. Schon seit mehr als zehn Jahren offenbart Ron Cantor Israel und den Nationen leidenschaftlich das wahre Gesicht Jesu. Indem er aufzeigt, dass Jesus als Jude auf die Erde kam, werden viele Wahrheiten in der Bibel besser verständlich und neu lebendig. Rons Einsichten werden Sie bereichern.

Wayne HilsdenHauptpastor der King of Kings CommunityJerusalem, Israel

 

Inhalt

1 Der Besuch

2 Ein schamerfülltes Leben

3 „Haschem, wo bist du?“

4 Taufe oder Exil

5 Horror!

6 Von Chaya zu Tuvia … Wie konnte es soweit kommen?

7 Wer hat Jesus umgebracht?

8 „Ich? Ein Mörder?“

9 Die Unterrichtsstunde hat begonnen

10 Petrus, der Papst?

11 Nette jüdische Jungs: Saulus, Jakob und Judas

12 Das letzte Abendmahl oder Seder?

13 Feiere den Sabbat und verliere dein Heil!

14 „Theorie“ übertrumpft „Gebot“?

15 Samstagabend ist in Ordnung

16 Messianisch-jüdische Atheisten?

17 Bei lebendigem Leib gekocht!

18 Jeschua, der Befreier!

19 Zehntausende messianische Juden

20 Orthodoxe Juden des 1. Jahrhunderts beweisen, dass Jeschua der Messias ist

21 Das Abendmahl ist jüdisch!

22 Das Blut des Lammes am Türpfosten deines Herzens

23 Lamm oder Widder?

24 Sein Kreuz tragen

25 Wahrlich, dieser Mensch war Gottes Sohn!“

26 Krieg!

27 Ariel!

28 Zeit der Entscheidung!

Anmerkung: Abgeschnitten von meinem Volk

Schlusswort

Danksagungen

Über Ron Cantor

 

Widmung

Dieses Buch ist allen indirekten Opfern dieses Identitätsraubs gewidmet – den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Ich bitte euch eindringlich, einen neuen und ehrlichen Blick auf Jeschua (Jesus), den Juden, zu werfen.

Ich denke, ihr werdet überrascht sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln: Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn.1

 

Die Geburt des Mannes, die an Weihnachten gefeiert wird, ist für Nationalsozialisten von größter Bedeutung. Christus war der größte Pionier im Kampf gegen die jüdische Weltwirtschaft. Christus war die größte Kämpfernatur, die je auf Erden gelebt hat … Der Kampf gegen die Macht des Kapitals war sein Lebenswerk und seine Lehre. Dafür wurde er von seinem Erzfeind, dem Juden, ans Kreuz genagelt. Die Aufgabe, die Christus begann, aber nicht zu Ende führte, werde ich vollenden.2

 

Adolf Hitler

 

 

1 Aus http://de.wikipedia.org/wiki/Antichrist (07.06.2017); Zitat aus Adolf Hitler, Mein Kampf, München, 1926, S. 70.

2 Laut Robert Wistrich ein Zitat von Hitler bei einer Rede in München im Dezember 1926: „The birth of The Man, which is celebrated at Christmas, has the greatest significance for National Socialists. Christ has been the greatest pioneer in the struggle against the Jewish world economy. Christ was the greatest fighting nature which ever lived on the Earth … The struggle against the power of capital was his life’s work and his teaching, for which he was nailed to the Cross by his arch-enemy the Jew. The task which Christ began but did not finish I will complete.“ Robert Wistrich, „Hitler and the Holocaust“, Modern Library 2001.

Kapitel 1: Der Besuch

Es geschah vor einem Jahr. Er kam in einer Vision. Außer meiner Frau habe ich es noch niemandem ausführlich erzählt, und anfangs hat sie mir nicht geglaubt, doch fand ich, es sei nun an der Zeit, zu Papier zu bringen, was mir widerfahren ist.

Schließlich bin ich Schriftsteller, und Gott hat sich entschieden, mir seinen Boten zu senden. Die Menschen müssen die Wahrheit erfahren. Die Christen müssen die Wahrheit erfahren. Und auf jeden Fall müssen die Juden die ganze Geschichte erfahren.

Ist das alles?

Drei Worte, die mein Leben auf den Kopf gestellt haben: „Ist das alles?“ Nicht, dass ich unerfüllt gewesen wäre, im Gegenteil, ich war überaus zufrieden. Ich war seit fünf Jahren verheiratet, hatte zwei unglaublich süße kleine Mädchen, und mit achtundzwanzig Jahren war ich, obwohl ich nur einen Bachelor-Abschluss habe, die Karriereleiter hinaufgeklettert. Ich hatte bereits eine tägliche Kolumne im Philadelphia Inquirer und einen gut besuchten Blog. Mein Leben war vollkommen.

Aber genau das war das Problem: Was, wenn es da noch etwas gäbe, das mir bisher entgangen war? Vielleicht gab es ja einen Gott da draußen, der etwas von mir erwartete. Vielleicht auch nicht, aber Tatsache war, dassich keine Ahnung hatte. Was lässt mein Herz Tag für Tag weiterschlagen? Wer sorgt dafür, dass es weiterhin Blut durch meine Venen pumpt?

All das hatte ich immer für selbstverständlich gehalten. Doch schlagartig wurde mir nun bewusst, dass wir unser ganzes Leben damit verbringen zu arbeiten und zu planen, nur um sicherzustellen, dass wir es bequem haben, wenn wir in den Ruhestand gehen, der oft nur kurze Zeit dauert. Wir denken selten darüber nach, was nach dem Ruhestand passiert, also wenn wir sterben. Ist das alles? Zwei Meter unter der Erde und nie wieder ein bewusster Gedanke? Oder gibt es ein Leben über das Grab hinaus? Und wenn ja, wo würde ich die Ewigkeit verbringen? Ich hatte keine Ahnung.

Ich war fest entschlossen, Gott zu finden. Sehr viele Fragen gingen mir durch den Kopf, und ich wusste nicht, wo ich beginnen sollte. Wie kann man Gott finden? Man kann ihn nicht einfach „googeln“, wie ich es in jedem anderen Fall getan hätte.

Wo sollte ich also anfangen?

Da ich jüdischer Abstammung bin, begann ich in die Synagoge zu gehen und besuchte sogar, wenn es mir möglich war, die Nachmittagsgebete, den Mincha-Gottesdienst. Ich fühlte mich großartig, wenn ich neun wartende Männer sah und mein Auftauchen den Minjan (die Mindestzahl von zehn jüdischen Männern, die ihre Bar Mitzwa schon hinter sich hatten, die für einen Gottesdienst nötig waren) vervollständigte. Als letzten Ausweg holten sie manchmal einen knapp über Dreizehnjährigen von seinen Hausaufgaben weg, um die geforderte Zahl zu erreichen, aber dann tauchte ich auf und rettete damit den Tag.

Das gab mir zwar ein gutes Gefühl über mich selbst, doch spürte ich keinerlei persönliche Beziehung zum Allmächtigen. Es war mehr die Befriedigung, eine religiöse Pflicht erfüllt zu haben, als dass ich tatsächlich Gottes Gegenwart gespürt hätte. Ich begann, andere Religionen zu studieren und fing sogar an zu beten – nicht formell wie in der Synagoge, sondern ich bat Gott einfach, mir zu zeigen, ob es ihn wirklich gab und was er von mir erwartete.

Ehrlich gesagt, fühlte ich mich zu Jesus hingezogen. Seine Heilsbotschaft war so anders als die anderen Religionen, mit denen ich mich befasst hatte. Diese betonten alle mein Tun. Am Freitag mach dies, am Morgen mach das. Sei ein guter Mensch. Und, unter keinen Umständen, tue dies.

Die Botschaft von Jesus bewies jedoch, dass mein Fall hoffnungslos war. Im Lichte all dessen, was ich Gott angetan hatte, gab es nichts, was ich tun konnte, um ihm zu gefallen. Deshalb war Jesus ja gekommen – um sein Leben als Opfer hinzugeben, um meine Strafe auf sich zu nehmen –, so heißt es jedenfalls. Es war die einzige Philosophie, die keine religiöse Pflichten betonte, sondern, im Gegenteil, mir die Gelegenheit gab, die Tatsache zu akzeptieren, dass ich, erstens, ein Sünder war, zweitens, mich nicht selbst retten konnte, drittens, Jesus meine Strafe auf sich genommen hatte, und viertens, ich durch den Glauben an ihn ewiges Leben haben konnte.

Du denkst vielleicht nun: Undwo liegt das Problem? Glaube es doch einfach! Das ist aber nicht so einfach. Weißt du, als Jude war ich davon überzeugt, ich würde meinen eigenen Glauben, mein Erbe und meine Gemeinde verleugnen, wenn ich an Jeschua glaubte. Jeder wusste doch, dass an Jeschua zu glauben bedeutete, das jüdische Volk zu verraten – ein Volk, das mehr gelitten hat als jedes andere, und so oft gerade im Namen des Einen, zu dem ich mich hingezogen fühlte.

Dazu kam noch die Tatsache, dass die ganze jüdische Gemeinde wusste, dass mein Vater ein Sohn von Holocaust-Überlebenden war. Ganz sicher würden sich alle gegen mich wenden. Und es schien mir, dass sie damit auch recht täten. Welcher Jude ergreift schon Partei für die Nachkommen der Kreuzritter? Als ich zu meinem Rabbi ging und mich ihm anvertraute, riss er mir fast den Kopf ab. Er sagte, ich solle die Sache aufgeben und nie wieder zur Sprache bringen – „um deiner Familie willen“. Ich war völlig verwirrt und wie gelähmt.

Und dann kam er. Sein Name ist Ariel. Ich war bei Starbucks und nippte gerade an einem doppelten Espresso. Ich hatte nie etwas für die extravaganten, fettfreien, schaumlosen Kaffee-Versionen übrig – einfach ein starker Espresso, das war alles, was ich brauchte, um meiner kreativen Ader freien Lauf zu lassen und schreiben zu können.

Ich saß da und las die Zeitung, bevor ich mit dem Schreiben meiner Kolumne beginnen wollte, als plötzlich der ganze Raum in Weiß getaucht wurde. Ja, es war so hell, dass weiß eher untertrieben klingt. Alle waren weg – das Mädchen hinter dem Tresen, der tätowierte Hipster mit seinem iPod, der Student an seinem Laptop, das Pärchen, das anscheinend einen Businessplan besprach … alle waren weg!

Panische Angst befiel mich. Plötzlich erschien ein Mann … ein Engel. Er stellte sich mir vor. „Ich bin Ariel, ein Engel des Allerhöchsten.“ Er war ungefähr eins achtzig groß, ziemlich fit, hatte dunkle Haare, dunkle Haut und einen kurzen Bart. Er trug ein weißes Gewand und war interessanterweise genauso angezogen, wie ich es mir bei einem Engel vorgestellt hätte.

Ich sagte nichts. „David, du Hochgeschätzter, denke gründlich über die Worte nach, die ich zu dir sprechen werde, und über die Lektionen, die du lernen wirst, und steh auf, denn ich bin nun zu dir gesandt worden.“

Als er dies zu mir sagte, stand ich zitternd auf.

„Ich bin zu dir gesandt worden, um dir Erkenntnis zu geben. Du bist ein verwirrter junger jüdischer Mann, aber du hast Gunst gefunden in den Augen von Adonai.“

Ich wusste, dass Adonai das hebräische Wort für Herr war. Obwohl ich früher nicht sehr religiös gewesen war, war der hebräische Religionsunterricht, den ich in meinen Teenagerjahren dreimal in der Woche besucht hatte, nicht ganz umsonst gewesen.

Er fuhr fort: „Ich bin gekommen, um dich auf eine Reise mitzunehmen, um dir die Vergangenheit, die Gegenwart und sogar die Zukunft zu zeigen. Zuweilen wirst du mich anflehen, die Reise abzubrechen, aber damit du die Wahrheit verstehen und anderen helfen kannst, sie zu verstehen, musst du sie erleben – du musst sie ganz erleben.“

Ich fand meine Sprache wieder, aber es fiel mir nichts ein, was ich sagen konnte. Ehe ich mich versah, ergriff der Engel meine Hand, und plötzlich flogen wir durch die Zeit. Es fällt mir schwer, mit Worten zu beschreiben, was ich dabei erlebte – einer der Gründe, weshalb ich ein ganzes Jahr gebraucht habe, um mit diesem Bericht anzufangen.

Ich wusste irgendwie, dass wir uns in der Zeit rückwärts bewegten. Es war aufregend und dennoch beunruhigend. Historische Szenen flogen an mir vorbei, aber ich sah sie nur aus der Ferne. Und dann wurde plötzlich alles größer, wie in einem Flugzeug bei der Landung. Als ob ich eine Zeitachse betrachten würde, konnte ich sehen, dass wir im zweiten Jahrhundert waren und dann im ersten. Die Dinge kamen nun immer näher wie beim Zoomen auf Google Maps. Der Nahe Osten, Israel, Jerusalem! Und dann flogen wir direkt durch ein Dach und landeten sanft in etwas, das wie eine alte Synagoge aus der Zeit des zweiten Tempels aussah. Nur gab es da wie in einem modernen Kino mehrere Stuhlreihen und einen riesigen Bildschirm. Fackeln erleuchteten den Raum, da es Nacht war.

Es waren noch andere Engel da. Zwei befanden sich über mir und zwei waren an jedem Ausgang postiert. Sie sagten nichts und Ariel nahm überhaupt keine Notiz von ihnen. Anscheinend hielten sie Wache. Dann dachte ich: Bin ich in irgendeiner Gefahr? Ich erinnerte mich an meinen ersten Besuch in Israel. Die bewaffneten Soldaten am Flughafen gaben mir zwar das Gefühl der Sicherheit, doch zugleich beunruhigten sie mich zutiefst. Vor was oder wem versuchten sie mich zu schützen? Und jetzt war die Frage, die meinen Verstand quälte: Welche gefährliche geistliche Macht versuchte meinen Abgang herbeizuführen?

„Was geht hier eigentlich vor? Ist dies alles ein Traum?“ Endlich gelang es mir, ein paar Worte herauszubringen. Ich wusste, dass dies nicht wirklich geschehen konnte, und war dennoch ziemlich sicher, dass ich wach war. Das Einzige, was noch fehlte, war Morpheus, der mir eine rote oder eine blaue Pille anbot.

„David, deine Reise wird hier beginnen. Du wirst Ereignisse aus dem Leben von vier Juden sehen, die zu verschiedenen Zeiten in den vergangenen 2.000 Jahren gelebt haben. Weißt du, David, du tust dich schwer mit dem Gedanken, ein Jude zu sein und an Jeschua zu glauben. Es macht dir doch nichts aus, wenn wir ihn bei seinem hebräischen Namen nennen, oder?“

Es war mehr eine Feststellung als eine Frage. Er fuhr fort: „Du meinst, an ihn zu glauben, sei Verrat. Aber dies liegt nur daran, dass du nicht weißt, dass dieser Jeschua, den du dir in deinen Gedanken vorstellst, nicht der Jeschua ist, der durch die Straßen ging, die sich nicht weit von hier befinden.“

„Also sind wir in Jerusalem?“, fragte ich.

„In der Altstadt, um genau zu sein. Es ist das Jahr 35 n. Chr., eine Zeit, in der die Vorstellung vom Messias dem entsprach, wie die jüdischen Propheten ihn beschrieben hatten. Die Menschenmengen, die ihm in dieser Zeit folgten, waren alle Juden.

Im Lauf der Jahre hat sich dies verändert. Seine Botschaft hat fast alle Nationen beeinflusst … und das ist gut so. Allerdings wurde im Verlauf der Zeit das Wesen und die Identität des Messias durch Menschen, die kein Recht dazu hatten, verfälscht und verändert. Kurzum, es gab einen hinterlistigen Fall von Identitätsraub.

Lange bevor es Computer-Hacker und Kreditkarten gab, fand der destruktivste und schlimmste Fall von Identitätsraub statt, und das Opfer war der Messias selbst! Heute werden wir das alles aufdecken, und dann wirst du, junger Mann, es der Welt enthüllen.“

Nun wurde das Ganze langsam interessant!

„Setz dich nieder. Wir wollen anfangen“, ordnete Ariel an.

Völlig verwirrt und äußerst neugierig setzte ich mich in den bequemsten Sessel, in dem ich je gesessen hatte, und vergaß augenblicklich die Bürde, die Ariel gerade auf mich gelegt hatte. – „Du wirst es der Welt enthüllen.“

Ich wartete gespannt, was als Nächstes kommen würde. Ariel nahm eine Fernbedienung in die Hand, zielte damit auf den Bildschirm und drückte einen Knopf. Die Fackeln im Raum wurden immer schwächer, bis es komplett dunkel war. Der Film begann.

 

Kapitel 2: Ein schamerfülltes Leben

Worte tauchten auf dem Bildschirm auf:

Kapernaum, Galiläa, 27 n. Chr.

Dann erschien eine Frau und begann zu sprechen, als würde sie interviewt werden:

„Ich bin Jüdin und habe dadurch Berühmtheit erlangt, dass meine Geschichte, die an sich schon wunderbar ist, für die Nachwelt nicht nur von einem, sondern von drei Geschichtsschreibern aufgezeichnet wurde – wenigstens der wichtigste Teil davon!“

Während sie fortfuhr, konnte ich ihre Geschichte wie im Film mitverfolgen.

„Ich heiße Chaya. In meiner Kindheit habe ich oft an den Ufern des Sees Genezareth gespielt. Und nachdem mein Vater den ganzen Tag gefischt hatte, brachte er jeden Abend frischen Tilapia zum Abendessen mit. Ich weiß, dass der Geruch von Fisch nicht jeden begeistert, doch für mich sind damit angenehme Erinnerungen an meinen hart arbeitenden Vater verbunden, der seine Familie geliebt und für sie gesorgt hat. Auch meine Mutter hat hart gearbeitet und sich um das Haus und ihre Kinder gekümmert. Sie brauchte all ihren Einfallsreichtum, um uns ernähren und kleiden zu können. Aber egal, wie hart meine Eltern arbeiteten – nach den erdrückenden Steuerabgaben, die uns von den römischen Herrschern auferlegt worden waren, blieb nie genug übrig.

Wie die meisten Galiläer haben wir uns nach jenem Tag gesehnt, an dem der Messias kommen und uns von der Tyrannei der Römer befreien würde. Jeden Sabbat gingen wir in die Synagoge, die sich mitten im Dorf befand, um die Lesung der Thora zu hören und um zu beten. Dadurch wurden wir stets daran erinnert, dass Gott unser Volk, als wir Sklaven in Ägypten waren, schon einmal befreit hatte – sicherlich konnte er es wieder tun, und je früher, desto besser.

In meinen späten Teenagerjahren, als viele meiner Freundinnen verheiratet wurden, fing ich an heftig zu bluten. Ich ging zu praktisch jedem Arzt in der Umgebung, aber keiner konnte mir helfen. Zwölf Jahre dauerte mein großes Leid. Der tiefste Schmerz bei allem war das soziale Stigma, die Einsamkeit und das Wissen, dass ich in diesem Zustand keinen Mann finden würde. Ich hatte keine Freunde, da jede Person, mit der ich in Kontakt kam, dadurch kultisch unrein wurde. Auch wenn ich lange leben würde, wurde mir langsam bewusst, würde ich nie die Freude erleben, Kinder zu bekommen, ein Baby im Arm halten zu dürfen oder das Lachen meiner Kinder beim Spielen zu hören. Dies brach mir das Herz.

Zur emotionalen Erschöpfung kam die körperliche Schwäche und, was es noch schlimmer machte, ich war nun mittellos. Da ich unrein war, durfte ich nie eine Synagoge betreten, um die Schriftlesung zu hören. Jahrelang hatte ich all mein Vermögen für die Ärzte ausgegeben – alles ohne Erfolg. Hätte ich keine so große Ehrfurcht vor dem Allmächtigen gehabt, hätte ich mir wahrscheinlich das Leben genommen. Baruch haSchem (Gott sei Dank), habe ich es nicht getan!

Mit Ende zwanzig hörte ich das erste Mal von dem Rabbi aus Nazareth. Man sagte von ihm, er sei ein Zimmermann, spreche aber wie ein Engel – wie jemand, der Gott wirklich kannte, und nicht nur etwas über ihn wusste. Er war vor Kurzem nach Kapernaum gezogen und in unsere Synagoge eingeladen worden, um aus der Thora vorzulesen.

Ich erinnere mich noch deutlich daran. Die Leute waren über seine Worte wirklich erstaunt. Er sprach nicht wie die anderen Rabbis oder wie die Priester. Er sprach mit großer Autorität!

Er erregte ein ziemliches Aufsehen und mehrere junge Männer aus unserem Dorf schlossen sich ihm an. Einige von ihnen hatten sogar mit meinem Vater auf den Fischerbooten gearbeitet. Jakobus und Johannes, zwei Brüder, die ein paar Jahre jünger sind als ich, wurden sogar Teil seines engsten Kreises.

Nicht lange danach kamen Geschichten in Umlauf, er könne die Kranken heilen. Plötzlich, zum ersten Mal nach vielen Jahren, spürte ich Hoffnung in mir aufkeimen. Konnte er auch mich heilen? Aber wie sollte ich, eine Frau, die kaum den kurzen Weg zum Markt schaffte, jemals in die Nähe von Jeschua kommen?

Tagelang dachte ich über nichts anderes mehr nach. Ich war verzweifelt. Wenn er mich heilen würde, könnte ich wieder leben, vielleicht heiraten, sogar Kinder haben – ich könnte ein richtiges Leben haben! Doch je mehr ich darüber nachdachte, desto unmöglicher schien es. Wie konnte ich, als Frau in meinem unreinen Zustand, jemals dem Rabbi nahekommen?

Dann hörte ich eines Nachmittags einen Aufruhr draußen. Da ich nahe beim Marktplatz wohnte, ging ich hinaus, um zu sehen, was los war. Eine ziemlich große Menschenmenge hatte sich versammelt und jemand sagte mir, Jeschua würde jeden Moment vorbeikommen, weil er auf dem Weg zum Haus des Jairus, einem unserer Synagogenvorsteher, war. Jairus‘ Tochter war schwer krank und in den letzten Tagen war es noch schlimmer mit ihr geworden. Etwas früher an diesem Morgen hatte ich gehört, man befürchte, sie würde sterben. In seiner Verzweiflung hatte Jairus Jeschua angefleht, in sein Haus zu kommen und für seine Tochter zu beten.

Als ich den Platz endlich erreichte, sah ich, dass der Rabbi von der Menschenmenge umringt war. Ich verlor allen Mut, fühlte mich ganz erschöpft und hatte keinerlei Kraft mehr. Zwölf Jahre Blutverlust hatten ihren Zoll gefordert. Aber dann verspürte ich, wie mich plötzlich eine Welle von Kraft und Entschlossenheit durchströmte. Ich musste es versuchen. Ich wusste, wenn ich nur den Zizit, den Saum seines Gewandes, anrühren könnte, würde ich geheilt werden. Davon war ich überzeugt. Ich musste ihn berühren.

Von der Menge eingeschlossen, fing ich an, mich vorwärts zu drängen und mir den Weg freizukämpfen. Sicher waren viele überrascht davon, dass sich die arme, stille, kleine Chaya plötzlich aggressiv an ihnen vorbeidrängte. Falls jemand ungehalten darüber war, nahm ich es nicht wahr. Nach mehr als einem Jahrzehnt der Schwäche und des Leidens kümmerte es mich nicht mehr. Ich musste unter allen Umständen an ihn herankommen.

In der jüdischen Kultur ist es einer Frau verboten, einen Mann in der Öffentlichkeit zu berühren, noch viel weniger einen Mann, mit dem sie weder verheiratet noch bekannt ist! Darüber hinaus galt ich aufgrund der Art meines Problems nach biblischem Gesetz als lebenslänglich unrein, sodass alles und jeder, der von mir berührt wurde, selbst unrein wurde. Und dennoch war ich gezwungen, innerlich getrieben, es zu durchzuziehen.

Endlich konnte ich ihn vor mir sehen. Ein letzter Vorstoß! Und genau in diesem Moment wurde ich zu Boden gestoßen. Die Menge war so erdrückend, dass ich dachte, ich würde zu Tode getrampelt. Ein Fuß auf meiner Hand, ein Schlag in den Rücken … nein! Ich kam wieder auf meine Füße und drängte mich vorwärts, bis ich in Reichweite des Rabbis kam.

Das war‘s. Mit allerletzter Kraft gab ich mir einen Ruck und konnte mit meinen Fingern gerade noch den Saum seines Tallits berühren. Und als ich es tat, spürte ich diese gewaltige Kraft in mich hineinkommen. Aber es war mehr als Kraft … es war rein, es war sauber, es war das Leben!

Ich wusste gleich, dass ich geheilt worden war; doch viel mehr als das, ich war verändert, grundlegend verwandelt worden. Mein Leben würde nie mehr dasselbe sein. Nein, es ging nicht darum, dass ich nun für einen Mann begehrenswert sein würde. In diesem Moment war alles andere unwichtig, verglichen mit der reinen Freude, die in mir aufleuchtete. Ich hatte mehr als einen Ehemann gefunden – ich hatte den Gott gefunden, den ich nur aus Geschichten und von der Tradition her kannte. Nun war ich durch diesen galiläischen Rabbi in der Gegenwart des Allmächtigen.

Natürlich hatte ich in meinem ganzen Leben an den Gott Israels geglaubt. Immer hatte ich die heiligen Tage des Passah und Jom Kippur, den Tag der Versöhnung, Sukkot1 und Schawuot2 gefeiert. Und ich hatte gehofft, dass der Messias eines Tages kommen würde. Nie hatte ich jedoch erkannt, dass Elohim mir so nahekommen konnte – er konnte gefühlt und erfahren werden. Und ohne dass mir jemals klar gewesen wäre, dass ich es vorher nie gewusst hatte, erkannte ich nun: Er liebt mich!

Während sich dies alles in meinem Inneren abspielte, merkte ich plötzlich, dass der Meister stehengeblieben war. Er drehte sich um und fragte: ‚Wer hat mich berührt?‘ Eine scheinbar lächerliche Frage, wo doch dutzende Menschen ihn berührten, während sie sich um ihn drängten. Seine verwunderten Jünger sagten das auch. Er ignorierte sie jedoch und sah sich weiter um.

Ich wusste, dass er mich meinte und bekam große Angst. Ich wollte weglaufen und gleichzeitig wollte ich für immer bei ihm bleiben. Die Art wie er es aussprach: ‚Wer hat mich berührt?‘, gab mir das Gefühl, als hätte ich mir etwas ohne Erlaubnis genommen. Ich war verängstigt, ging aber dennoch zu ihm hin, fiel zu seinen Füßen nieder und bekannte, dass ich es war.

Was hatte ich getan? Alle Augen richteten sich auf mich. Mit kaum hörbarem Flüstern erzählte ich ihm von meiner Krankheit und von meiner Überzeugung, dass ich geheilt werden würde, wenn ich ihn nur anrühren könnte. Und einfach so breitete sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus, als er meine Hand nahm und sagte: ‚Tochter, dein Glaube hat dich geheilt. Geh in Frieden und sei befreit von deinem Leiden.‘

Diese Worte veränderten mein Leben. Er nannte mich Tochter, und obwohl ich fast genauso alt war wie er, kann ich mich nicht erinnern, dass ich jemals mehr väterliche Liebe empfunden hatte als in diesem Moment. In einem Augenblick war ich verwandelt worden: von einer unreinen und unerwünschten Person zu einer geheilten und vom Messias sehr begünstigten Frau.“

Nun weinte ich, und zwar vor Freude für diese Frau. Meine Töchter haben immer darüber gelacht, wie schnell mir während eines Films die Tränen kamen. Aber dies war das Berührendste, das ich je gesehen hatte! Hollywood könnte niemals mit dem Himmel konkurrieren!

Sie fuhr fort.

„Du fragst dich vielleicht, was mit der Tochter des Jairus geschehen ist. Leider starb sie schon, bevor Jeschua für sie beten konnte. Trotzdem ging der Meister zum Haus des Jairus. Dort weinten und trauerten alle. ‚Warum all diese Aufregung und das Klagen?‘, fragte er. ‚Das Kind ist nicht tot, sondern es schläft.‘

Obwohl sie ihn auslachten, ließ er sich nicht davon abbringen. Er trieb alle aus dem Haus hinaus, nahm das Kind an der Hand und gebot ihm aufzustehen. Und sie tat es! Sie kam vom Tod zurück! Wir konnten es kaum glauben!

Von da an zog Jeschua in Galiläa, Samaria und Judäa von Dorf zu Dorf und predigte die ‚Gute Nachricht des Königreichs‘, indem er alle heilte, die krank waren, und die Dämonen austrieb von denen, die besessen waren. Oh, was war das für eine wunderbare Zeit!

Doch alles nahm ein ganz abruptes Ende – dachten wir zumindest. Am Abend des Passahs, nur ein paar Jahre später, wurde er verraten und von unseren religiösen Führern den Römern übergeben. Viele dachten, er würde nach seiner Verhaftung durch die Römer eine Revolte gegen sie starten. Aber bevor wir uns versahen und entgegen all unserer Erwartungen, kreuzigten ihn die Römer – sie nagelten ihn grausam an ein Kreuz! Gekreuzigt zu werden, war einer der qualvollsten Tode, die es gab.

Gemeinsam mit anderen war ich ihm nach Jerusalem gefolgt. Wir waren alle am Boden zerstört. Wir hatten solch große Hoffnungen. Wir dachten, er würde uns wie Mose von unseren Feinden befreien. Doch stattdessen brachten sie ihn um. Mir fehlen die Worte, um dies zu beschreiben. Mit Johannes an ihrer Seite durchlitt seine verstörte Mutter Höllenqualen, als sie mitansehen musste, wie ihr kostbarer Sohn einen qualvollen Tod erlitt. Das hätte nicht geschehen sollen! Er war unsere Hoffnung.

Aber unglaublich, nach einigen Tagen verbreitete sich inmitten unserer Verzweiflung das Gerücht, der, den wir hatten sterben sehen, sei am Leben. Und erstaunlicherweise war es wahr! Er war vom Tode auferstanden. Über einen Zeitraum von vierzig Tagen sahen ihn seine Jünger und Hunderte andere Menschen, einschließlich mir! Und danach wurde er, unser Messias, vor den Augen seiner Nachfolger in den Himmel aufgenommen.

Seinen letzten Anweisungen gemäß blieben 120 von uns in Jerusalem und warteten auf den verheißenen Heiligen Geist. Zehn Tage lang beteten wir und viele fasteten. Dann, zu Schawuot, als wir ihn in einem der Innenhöfe des Tempels anbeteten, hörten wir plötzlich ohne Vorwarnung das Geräusch eines heftigen Windes und die Kraft von Elohim fiel auf uns.

Shimon aus Kapernaum verließ den Vorhof, den Teil der Salomonischen Tempelhalle, wo wir gebetet hatten, und wagte sich in den Tempelhof. Unter der Kraft des Heiligen Geistes begann er mutig zur großen Menge der Juden zu sprechen, die sich zu Schawuot beim Tempel aufhielten. Als sie das Geräusch des starken Windes gehört hatten, hatten sie sich schon gewundert, was geschehen war. Er verkündete ihnen nun, dass der Messias Israels lebte. Ich hatte ihn nie zuvor so gesehen. Es war kaum zu glauben, dass dies derselbe Fischer war, der mit meinem Vater gearbeitet hatte. Er hatte plötzlich Format und Leidenschaft. Seine Worte waren durchschlagend – wie Pfeile drangen sie in die Herzen der Zuhörer. Die Tausenden von Menschen, die sich im Tempelhof versammelt hatten, ließen sich keines seiner Worte entgehen, als er mit unglaublicher Zuversicht und erstaunlicher Autorität über das ewige Leben und die Notwendigkeit der Umkehr sprach. An diesem Tag wuchs unsere Zahl von 120 auf mehrere Tausend.

Dies alles ist schon zehn Jahre her. Seit diesem Tag haben zehntausende Juden durch Jeschua, ihren Messias, Frieden gefunden. Und ja, ich habe einen Mann gefunden und wir haben jetzt vier Kinder, die zu unserer Freude alle ihr Vertrauen in den Messias gesetzt haben – außer dem Baby natürlich.

Die Zukunft ist herrlich. Wir wissen, dass Jeschua bald wiederkommen wird. Dieses Mal wird er sein Königreich auf der Erde aufrichten; doch zuerst müssen wir seine Botschaft dem Rest von Israel bringen und auch den Juden, die noch weiter weg verstreut sind.

Oh, und ich muss dir noch von den letzten Entwicklungen erzählen, die in aller Munde sind. Kürzlich hörten wir etwas Seltsames von Shimon selbst. Er behauptete, Elohim habe ihm gesagt hatte, er solle in das Haus eines Nichtjuden, eines römischen Hauptmannes namens Kornelius, gehen und dort predigen. Das erzeugte manch eine Aufregung, da wir Juden normalerweise nie das Haus eines Nichtjuden betreten würden3. Anscheinend war bei Shimons Ankunft eine große Menge versammelt. Als er zu predigen anfing, fiel der Ruach HaKodesch, der Geist Gottes, auf die Leute, wie er zu Schawuot auf uns gefallen war, und sie fingen an, in Sprachen zu reden und Elohim zu preisen!

Shimon dachte: Wenn der Geist auf sie fällt wie auf uns, wie können wir ihnen verweigern, dass sie im Wasser untergetaucht werden? Kannst du dir das vorstellen? Wir sind alle völlig erstaunt, dass Nichtjuden nun dem jüdischen Messias nachfolgen und sogar im Wasser untergetaucht werden! Das wird uns keiner glauben!“

Der Film war zu Ende und die Lichter gingen an. Ich wandte mich zu Ariel und sagte: „Ich verstehe das nicht. Warum war sie überrascht, dass Nichtjuden an Jesus glaubten? So gut wie alle Menschen, die ich heute kenne und die an ihn glauben, sind Nichtjuden!“

„Lass uns nicht zu weit vorgreifen! Alles wird bald klar genug werden. Nun setz dich wieder“, sagte er sanft, „die Pause ist vorbei!“ Die Lichter verdunkelten sich und abermals erschienen wie zuvor auf dem Bildschirm ein Datum und ein Ort.

 

1 Das Laubhüttenfest.

2 Schawuot … ist das jüdische Wochenfest, das 50 Tage, also sieben Wochen plus einen Tag nach dem Pessachfest gefeiert wird.

3 Um klarzustellen: Die Thora verbietet die Gemeinschaft mit Nichtjuden nicht, doch die Pharisäer legten großen Wert auf kultische Reinheit. Weil man nie sicher sein konnte, ob ein Heide mit etwas oder jemandem Unreinen in Kontakt gekommen war, war es viel einfacher zu verordnen, dass man das Haus eines Nichtjuden nicht betreten dürfe. Auf diese Weise wusste man, dass man sich nicht kultisch unrein gemacht hatte.

Kapitel 3: „Haschem, wo bist du?“

Jerusalem, 1099 n. Chr.