Ist das Gott oder kann das weg? - Weihnachtsausgabe - Jakob Friedrichs - E-Book

Ist das Gott oder kann das weg? - Weihnachtsausgabe E-Book

Jakob Friedrichs

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Beschreibung

Seit 2.000 Jahren feiern Menschen Weihnachten. Sie tun es, um sich zu erinnern - an einen Gott, der sich ganz anders verhält, als man das erwarten würde. Herrlich und stattlich, das können alle Götter. Der christliche Gott wird als Bettler in einem Stall geboren ... Das Christentum ist die merkwürdigste Religion, die es gibt. Und die hoffnungsvollste! Dieses Weihnachtsbuch ist wie gemacht für Zweifler oder vom Glauben Enttäuschte - die aber die mit Weihnachten verbundene Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben haben.

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Seitenzahl: 65

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Über den Autor

Jakob (Jay) Friedrichs ist Teil des Kabarettduos „superzwei“ und erreicht mit seinem Podcast „Hossa Talk“ Tausende von Hörern. Er ist Gemeindepädagoge, pastoraler Mitarbeiter in der Andreasgemeinde Niederhöchstadt für die Bereiche Spiritualität und Musik und in der Schulsozialarbeit in Kronberg tätig. Außerdem ist er fanatischer Cineast und hat mehr Filme in seinem Leben gesehen, als er selber zählen kann!

Inhalt

Prolog. Der Anders-Gott

Als Gott bei Herrn und Frau Niemand einzog

Der Gott auf dem Mofa

Ist das Gott oder kann das weg?

Gott ist tot

Epilog. Nähe

Anhang. Eine Übung

Dank

Prolog. Der Anders-Gott

>>Weihnachten ist, wenn Gott Striptease macht.<<

Seit 2000 Jahren feiern Menschen überall auf der Welt Weihnachten und Ostern. Sie tun es Jahr für Jahr, um sich daran zu erinnern, dass sie an den Anders-Gott glauben. An einen widerspenstigen Gott, der sich einfach nicht so verhält, wie man es von ihm erwartet.

Meines Erachtens ist das Christentum die merkwürdigste Religion, die es gibt. Das fällt uns kaum noch auf, weil der christliche Glaube in unseren Breiten so lange die vorherrschende kulturelle Kraft gewesen ist. Seine Symbole umgeben uns auf Schritt und Tritt. Wenn ich mir zum Beispiel ein schmuckes Kreuz um den Hals hänge, kommt mir nicht einmal in den Sinn, dass es sich dabei um ein römisches Foltergerät handelt, das zu den grausamsten „Erfindungen“ der Menschheit gehört.

Oder Weihnachten.

Wir sind daran gewöhnt, dass Gott nicht wie Superman vom Himmel herniederfährt, sondern als normales Baby geboren wird, um ein stinknormaler Teil der Welt zu werden. Das hören wir jedes Jahr in der Weihnachtsgeschichte. Aber es ist alles andere als normal. Es ist merkwürdig. Sehr merkwürdig sogar. Die Energie, die das ganze Universum geboren haben will, kommt als Baby zur Welt – in einer ärmlichen Handwerkerfamilie in Hintertupfingen?

Kannste dir echt nicht ausdenken.

Die Religionen sind voller Götter, die die Erde besuchen – aber niemals so. So trivial, so unspektakulär, so menschlich – so offenkundig eines Gottes unwürdig. Wenn das kein merkwürdiger Glaube ist, dann weiß ich auch nicht. Wer kommt denn auf die Idee, seine Religion so zu beginnen?

Und normalerweise sterben Götter auch nicht an Kreuzen.

Aber treten wir zunächst einen Schritt zurück. Warum sollte man sich überhaupt mit einer Religion wie dem Christentum beschäftigen? Dass sie merkwürdig ist, klingt ja nun nicht nach einem Qualitätsmerkmal. Viele halten den Glauben an Gott heute auch generell für überholt oder zumindest die Religionen für aus der Zeit gefallen.

Und da ist natürlich etwas dran. Wir leben in einer Welt, in der man davon ausgeht, dass das, was passiert, auch irgendwie erklärbar ist. Wir drücken einen Schalter und ein Zimmer wird hell. Wir sprechen in eine kleine, glasbedeckte Platte und jemand auf der anderen Seite der Welt hört unsere Stimme. Und wenn wir dann in eine Röhre aus Metall steigen, kann es sein, dass wir schon in ein paar Stunden tatsächlich neben unserem Gesprächspartner stehen. Das alles ist ja schon irre, wenn man darüber nachdenkt, geradezu wundersam für jemanden aus einem anderen Jahrhundert – trotzdem ist es erklärbar und ganz bestimmt keine Zauberei. Als die Religionen entstanden sind, war das noch anders. Die Welt wurde magisch gedeutet, Geister und Götter waren für das, was passierte, verantwortlich.

Wundergeschichten, wie sie in allen Religionen vorkommen, erzählen davon, wie die Götter in den Lauf der Welt eingegriffen haben. Das halten wir heute nicht mehr für besonders glaubwürdig. Oder wir erklären es mit dem Placeboeffekt mancher Medikamente: Wenn du nur fest davon überzeugt bist, dass es hilft, dann hilft es auch. Da wird die Luft für Gott natürlich immer dünner. Und ich verstehe das. Wenn Gott die Erklärung für all das ist, was man nicht erklären kann, steht so ein Gott auf brüchigem Eis. „The God of the Gaps“ nennt man das auch. Den Lückenbüßer-Gott.

Ein Gott, der nach und nach die „Erklärbär-Funktion“ von immer mehr wissenschaftlichen Disziplinen für immer mehr Fragen aus der Hand genommen bekommt, scheint überflüssig geworden zu sein. Interessanterweise war das nie die Ebene, auf der die jüdisch-christliche Gottesvorstellung nach Gott gesucht hat. Jedenfalls nicht primär. Die alten Israeliten waren herzlich wenig an großartigen Welterklärungen interessiert: Der Schöpfungsbericht wurde erst ziemlich spät in die Schriften des Volkes aufgenommen. Und auch die Christen überließen solche Spekulationen zunächst ohne Bedenken vor allem den griechischen Philosophen (leider hat es die Kirche später jedoch nicht lassen können, eine verbindliche Welterklärung einzuführen).

In meiner Brust schlagen zwei Seelen. Da ist der Rationalist, der sich keine Märchen erzählen lassen will. Jemand, der auf Nachvollziehbarkeit und Überprüfbarkeit pocht. Und dann ist da derjenige, der die Vorstellung eines unbeseelten Kosmos kalt und traurig und, ja, auch ziemlich langweilig findet. Ihn haben die unterschiedlichen Gottesvorstellungen der Religionen schon immer fasziniert. Das ist derjenige, der auf die Frage, warum er an Gott glaubt, antwortet:„Weil es schöner ist.“

Diese Seite ist auch immer wieder verblüfft darüber, wie merkwürdig die christliche Gottesvorstellung tatsächlich ist. Dieser Gott ist anders, als wir Menschen es uns vorstellen oder gar befürchten. Dahinter möchte ich mit diesem Buch ein Ausrufezeichen setzen. Diese Merkwürdigkeit ist auch der Grund, warum ich den Glauben an Gott immer noch nicht für überholt halte.

Das Wundersame am christlichen Glauben sind für mich nicht die Wunder, von denen die Bibel berichtet, sondern sein seltsames Beharren auf einer Vorstellung von einem Gott, der selbst nach 2000 Jahren Christentum nicht recht in unser Denken passen will.

Als Gott bei Herrn und Frau Niemand einzog

>>WHAT IF GOD WAS ONE OF US?<<

JOAN OSBORNE

Fangen wir vorne an. Weihnachten erwähnte ich ja bereits. Es ist hilfreich, sich klarzumachen, dass niemand mit einem Stenoblock danebenstand, als Jesus von Nazareth geboren wurde. Er kam aus keiner hohen oder besonderen Familie, im Gegenteil – da hat natürlich niemand erwartet oder gar damit gerechnet, dass hier eine der einflussreichsten Figuren der Geschichte das Licht der Welt erblickt. Und schon gar kein Gott.

Die Ansicht, dass Jesus mehr gewesen ist als ein hochbegabter, faszinierender Mensch, entwickelte sich erst, nachdem seine Nachfolger zu glauben begannen, er sei tatsächlich von den Toten auferstanden. Bis dahin gab es wenig Grund, in ihm mehr als einen Rabbi und spirituellen Lehrer zu sehen.

Die vier Lebensberichte, die uns von Jesus im Neuen Testament überliefert sind, versuchen diesen Glauben nachzuzeichnen und in seinem Leben zu entdecken. Und das Merkwürdige ist, dass sie dabei keinen typischen Gott-Menschen aus ihm machten, so wie man das aus den griechischen Sagen kannte, sondern das genaue Gegenteil. Sie bestanden darauf, dass er ein echter, richtiger Mensch gewesen sei mit allem, was dazugehörte. Jemand aus Fleisch und Blut, der müde wurde und genervt sein konnte, den der Körper nach harter Arbeit schmerzte, der nach Schweiß roch und dem Haare in der Nase wuchsen, als er älter wurde, der sexuelle Bedürfnisse hatte, dem keine Höhe und Tiefe der Seele fremd gewesen ist, der Feiern liebte und Wein und gutes Essen und gute Gespräche. Einer von uns. Ein richtiger echter Mensch eben. Und nicht nur das, sie dichteten ihm nicht mal eine besondere Herkunft an, sondern blieben dabei, dass Gott als ein Niemand geboren wurde.

Der Franziskaner Richard Rohr notiert dazu:

„In seinem Sohn hat Gott Ja gesagt zum Menschsein; er hat das Menschliche und das Göttliche– auf den ersten Blick jedenfalls– un-unterscheidbar gemacht – und er hat das Menschsein zu dem Ort gemacht, wo seine Begegnung mit uns stattfindet.“

Und damit sind wir wieder bei dem Moment, als Jesus in die Weltgeschichte eintrat: Weihnachten.