Jamaica Lane - Heimliche Liebe (Deutsche Ausgabe) - Samantha Young - E-Book
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Beschreibung

Er ist ein notorischer Bad Boy. Bis er mit ihr die Liebe entdeckt.
Olivia Holloway hat es satt, Single zu sein. Warum muss sie auch immer gleich Reißaus nehmen, wenn ein attraktiver Mann nur in ihre Nähe kommt? Die hübsche Amerikanerin ist notorisch schüchtern. Ihr bester Freund Nate Sawyer flirtet dagegen für sein Leben gern. Deshalb sagt er auch sofort zu, als Olivia ihn bittet, ihr Nachhilfe im Flirten zu geben. Zuerst ist es nur ein Spiel, leidenschaftlich und sexy. Dann merkt Olivia, dass da mehr ist. Viel mehr. Doch Nate ist kein Mann für feste Beziehungen. Und plötzlich steht alles in Frage: ihre Freundschaft, ihr Vertrauen, ihre Liebe.
Der langersehnte neue Roman der Bestseller-Autorin - jetzt endlich auf Deutsch!

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EPUB

Seitenzahl:515


Das Buch

Wann finde ich endlich den Mann meiner Träume? Diese Frage stellt sich Olivia Holloway immer wieder. Obwohl die junge Bibliothekarin bildhübsch ist, hat sie kaum Erfahrung in Liebesdingen. Sie ist einfach zu schüchtern. Sobald sie von einem attraktiven Mann angesprochen wird, ergreift sie die Flucht. Der einzige Mann, in dessen Gegenwart sich Olivia uneingeschränkt wohl fühlt, ist ihr bester Freund Nate Sawyer. Nate ist das glatte Gegenteil von ihr: charmant, selbstbewusst und immer auf der Suche nach neuen Abenteuern. Vor allem aber ist Nate ein loyaler Freund und noch dazu unverschämt sexy. Genau der Richtige, findet Olivia, um ihr zu zeigen, wie man flirtet. Zuerst ist es nur ein Spiel – beide wollen ihre Freundschaft nicht gefährden. Doch aus dem Flirtunterricht wird schnell mehr, und Olivia erfährt zum ersten Mal, was es heißt, nach allen Regeln der Kunst verführt zu werden. Sie fühlt sich wie im siebten Himmel. Bis Nate von seinen Bindungsängsten eingeholt wird und plötzlich alles in Frage stellt …

Die Autorin

Samantha Young wurde 1986 in Stirlingshire, Schottland, geboren. Seit ihrem Abschluss an der University of Edinburgh arbeitet sie als freie Autorin und hat bereits mehrere Jugendbuchserien veröffentlicht. Mit Dublin Street und London Road, ihren ersten beiden Romanen für Erwachsene, stürmt sie die internationalen Bestsellerlisten.

Homepage der Autorin: www.samanthayoungbooks.com

Von Samantha Young sind in unserem Hause bereits erschienen:

Dublin Street – Gefährliche Sehnsucht

London Road – Geheime Leidenschaft

Jamaica Lane – Heimliche Liebe

Fountain Bridge – Verbotene Küsse (E-Book)

Into the Deep – Herzgeflüster

Samantha Young

Jamaica Lane

Heimliche Liebe

Roman

Aus dem Englischen von Sybille Uplegger

Ullstein

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Titel der Originalausgabe: Before Jamaica LanePublished by arrangement with NAL Signet,a member of Penguin Group (USA) Inc.

ISBN978-3-8437-0765-7

Deutsche Erstausgabe im Ullstein Taschenbuch1. Auflage März 2014© für die deutsche Ausgabe Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2014© 2014 Samantha YoungUmschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur, MünchenTitelabbildung: © Claudio Marinesco

Alle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen, wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung, Speicherung oder Übertragung können zivil- oder strafrechtlich verfolgt werden.

E-Book: Pinkuin Satz und Datentechnik, Berlin

Für Tammy BlackwellWeil Olivia ohne dich vermutlich nie Bibliothekarin geworden wäre …

Liebe Leserinnen und Leser,

oft bekomme ich von Euch Tweets und Nachrichten mit Bildern von Streifzügen durch die Straßen von Edinburgh. Ob Ihr in der Dublin Street gefilmt habt oder mir ein Foto schickt, wie Ihr unter dem Straßenschild der London Road herumalbert – all das zeigt mir, wie sehr Ihr diese Reihe, ihre Figuren und Schauplätze ins Herz geschlossen habt, und das macht mich schier sprachlos. Denjenigen Lesern, die nach der Lektüre von Jamaica Lane nun vielleicht auf die Idee kommen, sich in der Stadt nach der gleichnamigen Straße umzusehen, möchte ich die Suche erleichtern: Ihr solltet wissen, dass ich mir, um einer einheitlichen Titelgestaltung willen, eine gewisse kreative Freiheit erlaubt und den tatsächlichen Straßennamen abgeändert habe. Die Jamaica Lane gibt es strenggenommen nicht. In Wirklichkeit heißt sie Jamaica Street North Lane, und dort können meine Leserinnen und Leser auch die winzige Zweizimmerwohnung finden, in der unser aktuelles Liebespaar herausfindet, dass es im Leben oft ganz anders kommt, als man erwartet hat …

Kapitel 1

Stirling, SchottlandFebruar

Jedes Mal, wenn wir um eine Ecke bogen, peitschte uns der bitterkalte Wind ins Gesicht. Er hatte fast schon etwas Bösartiges, als wäre es für ihn ein Ärgernis, wenn ein Gebäude uns kurzzeitig Deckung bot. Mit eisigen Fingern umfing er meine geröteten Wangen. Ich schlang die Arme fester um mich und zog die Schultern hoch, um mich gegen die nächste Böe zu wappnen.

»Zum fünften und letzten Mal … wo schleppst du uns eigentlich hin?«, fragte Joss und drückte sich enger an ihren Verlobten Braden. Er hatte seinen Wollmantel aufgeknöpft, damit sie sich hineinschmiegen konnte, und einen Arm um ihre Hüfte gelegt. Sie trug eine elegante, aber kurze Jacke und ein rotes enganliegendes Kleid, dazu Highheels. Das einzige Kleidungsstück, das ihr ein wenig Schutz vor dem schottischen Winter bot, war ein Schal.

Ellie und Jo ging es nicht viel anders: kurze Kleider, Stilettos, dünne Jacken. Ich war ein kleines bisschen besser dran, weil ich immerhin eine schwarze Hose trug, allerdings hatten mein Seidentop und der dünne, frackartige Blazer der Kälte so gut wie nichts entgegenzusetzen.

Da ich es im Gegensatz zu meinen Freundinnen nicht gewohnt war, auf hohen Absätzen zu laufen, kam ich nur langsam voran und bildete die Nachhut unserer kleinen Gruppe, die sich von Jo an ein unbekanntes Ziel führen ließ.

»Es ist nicht mehr weit«, beteuerte sie mit einem raschen Blick über die Schulter, als sie uns durch die Hauptstraße des Stadtzentrums lotste. Ihr Verlobter Cam hatte den Arm um sie gelegt, um sie zu wärmen, und hinter ihnen kuschelten sich Bradens Schwester Ellie und sein bester Freund Adam ebenfalls eng aneinander. Auch sie waren seit kurzem verlobt.

Ich hatte dummerweise keinen Verlobten, der mich vor dem bitteren Wind hätte schützen können. »Es ist nicht mehr weit?«, wiederholte ich spitz. In den etwas mehr als neun Monaten, die ich nun schon in Edinburgh lebte, waren Jo und ich enge Freundinnen, fast Schwestern geworden. Insofern fand ich, dass mir eine kleine Stichelei durchaus zustand, zumal sie uns ohne ein Wort der Erklärung aus Edinburgh entführt und hierhergeschleppt hatte. Daher im Übrigen auch die völlig unangemessene Kleidung. »Das Recht, so was zu sagen, hast du verwirkt, als du den Taxifahrer gebeten hast, zur Waverley Station zu fahren.«

An der nächsten Kreuzung wich Jos entschuldigendes Lächeln einem Stirnrunzeln. Sie bedeutete uns anzuhalten. »Okay, ich glaube, jetzt müssen wir hier lang.«

»Bist du sicher?«, fragte ich. Mittlerweile hatten meine Zähne angefangen zu klappern.

»Hmmm.« Jo spähte über die Kreuzung auf ein Straßenschild und zückte dann ihr Handy. »Eine Sekunde, Leute.«

Meine Freunde drängten sich dicht aneinander, während ich ein kleines Stück abseitsstand und sie betrachtete. Ich kam zu dem Schluss, dass mir eigentlich egal war, wie sehr ich fror. Ich freute mich ganz einfach, mit ihnen zusammen zu sein. Ein bisschen wunderte ich mich immer noch darüber, wie sehr sie mir in der kurzen Zeit ans Herz gewachsen waren. Sie alle hatten mich vorbehaltlos in ihren Freundeskreis und in ihr Leben aufgenommen, teils um Jos willen, aber auch wegen Nate, Cams Jugendfreund und meinem neuen besten Kumpel.

Während ich so meinen Gedanken nachhing, drehte sich Nate, der zuvor in eine Unterhaltung mit Adam und Ellie vertieft gewesen war, zu mir um, und ich kam in den Genuss seines umwerfenden Lächelns.

Ich blinzelte verwirrt, weil ich plötzlich wieder diese Anziehungskraft zwischen uns spürte, die mich ganz durcheinanderbrachte. Mittlerweile hatte ich Übung darin, das Gefühl zu ignorieren, aber in diesem Moment war ich nicht darauf gefasst gewesen, und es hatte mich kalt erwischt. Das war eben der Haken daran, mit einem Mann befreundet zu sein, der einen vollkommen verstand und zufällig auch noch der heißeste Leckerbissen auf zwei Beinen war, den man je im Leben getroffen hatte.

Dieses Flattern im Bauch, diese Woge unerwarteter Gefühle versetzten mich zurück an den Tag, an dem Nate und ich uns zum ersten Mal begegnet waren. Ganz ehrlich? Ich hätte einen Orden verdient, weil ich meine Gefühle für ihn so gut verbarg …

Sieben Monate zuvor …

Ellies Mutter Elodie Nichols und ihr Mann Clark hatten mich und meinen Vater mit einer Herzlichkeit willkommen geheißen, als wären wir immer schon Teil der Familie gewesen. Das tat nicht nur gut, es machte es mir auch leichter, mich in Jos Freundeskreis zu integrieren. Da mein Dad und ich beschlossen hatten, dauerhaft in Schottland zu bleiben, wollten wir so viel wie möglich an Jos Leben teilhaben. Sie war ein toller Mensch und hatte es in den letzten Jahren nicht leicht gehabt. Sie verdiente jemanden, der sich um sie kümmerte, und es war gut zu wissen, dass Cam diese Aufgabe nun übernommen hatte.

Zusammen mit Cole schloss ich die Tür zu Cams Wohnung auf. Cam und Jo wollten im Laden noch etwas zu knabbern besorgen, und ich hatte beschlossen, schon mal mit Cole vorzugehen, damit die beiden Zeit für sich hatten. Cams Freunde Nate und Peetie, die ich beide noch nicht kannte, würden später vorbeikommen, und bis dahin wollte ich Jo und Cam ein bisschen Zweisamkeit ermöglichen.

Kaum hatten wir die Wohnung betreten, nahm Cole Kurs auf die Spielekonsole im Wohnzimmer, während ich in die Küche ging, um schon mal Schüsseln und Teller für die Snacks bereitzustellen. Ich wusch gerade das Geschirr ab, als ich eine tiefe, sehr männliche Stimme mit schottischem Akzent sagen hörte: »Äh … du bist nicht Cameron.«

Ich fuhr herum, und sämtliche Worte, die eventuell den langen, steilen Weg von meinem Hirn bis nach unten zu meiner Zunge geschafft hatten, gerieten auf den letzten Metern ins Stolpern und knallten der Länge nach hin. Diagnose: Gehirnerschütterung.

Oh.

Zweimal Oh.

Im Türrahmen, die Arme vor der Brust verschränkt, lehnte das verführerischste Exemplar Mann, das meine Augen je erblickt hatten.

Mein Herz begann, wie wild zu klopfen.

Der Unbekannte quittierte meine Sprachlosigkeit mit einer hochgezogenen Augenbraue. »Hat bei dir jemand den Stummschalter gedrückt?«

Das war so komisch, dass mir immerhin ein debiles Grinsen gelang, während ich den Fremden weiter begierig anstarrte. Meine Augen wanderten von seinem Kopf bis hinunter zu den Zehenspitzen, und während ich den Anblick in all seiner Herrlichkeit auf mich wirken ließ, spürte ich ein flaues Gefühl im Magen, unmittelbar gefolgt von einem erregten Kribbeln zwischen meinen Beinen.

Oh.

Okay.

Das war neu.

Ich versuchte – ebenso krampfhaft wie vergeblich –, das Kribbeln zu ignorieren. Wenn ich mit diesem Mann halbwegs vernünftig umgehen wollte, musste ich meine Erregung und meine Schüchternheit in den Griff bekommen. Ich nahm an, dass es sich um Nate handelte. Jo hatte mir bereits alles über Cams ungemein attraktiven Freund erzählt. Und sie hatte nicht übertrieben.

Er sah aus wie ein Filmstar, natürlich gebräunt, wie man es bei einem Schotten gar nicht vermutet hätte, und seine Augen waren so dunkel, dass sie fast schwarz wirkten. Gerade in diesem Moment funkelten sie diebisch. Er lächelte. Er hatte zwei sexy Grübchen und perfekte weiße Zähne. Dazu noch eine gerade, scharfe Nase und Lippen, die ich schamlos anstarren musste, weil sie mich an die eines gewissen dunkelhaarigen, leicht exzentrischen Schauspielers erinnerten, dessen Name mir gerade nicht einfiel. Den schlanken, muskulösen Oberarmen nach zu urteilen, die unter seinen T-Shirt-Ärmeln hervorschauten, war er ausgezeichnet in Form.

Es geschahen noch Zeichen und Wunder: Sein T-Shirt lenkte mich doch tatsächlich von besagten Muskeln ab, denn darauf standen die Worte: »Resistance is futile«.

Widerstand ist zwecklos? Die lähmende Schüchternheit, die mich überfiel, wann immer ich einem attraktiven Vertreter des männlichen Geschlechts gegenüberstand, war wie weggeblasen, und ich brach in schallendes Gelächter aus. »Bist du einer von den Borg, oder was?« Ich zeigte auf seine Brust. Der T-Shirt-Aufdruck war der bekannte Leitspruch einer außerirdischen Spezies aus Star Trek.

Verwundert schaute er an sich herab. Als er danach wieder den Kopf hob, waren seine dunklen Augen kugelrund vor Staunen. Er grinste. »Du hast es kapiert? Die meisten Frauen halten mich für einen eingebildeten Sack.«

Daraufhin musste ich noch mehr lachen. Ich lehnte mich gegen den Küchentresen. »Damit liegen sie vermutlich nicht ganz falsch. Außerdem kann man ihnen den Irrtum kaum verübeln. Du siehst nicht gerade aus wie ein typischer Trekkie.«

Mit einem Mal trat etwas Scharfes, Forschendes in seine Augen. Ich erschauerte, als er langsam den Blick über meinen Körper gleiten ließ, von oben nach unten und wieder zurück. Als er sprach, war seine Stimme noch tiefer als zuvor und ein bisschen rau. »Du auch nicht.«

Sein Blick war wie ein Streicheln auf meiner Haut. Wäre ich nicht ich gewesen, hätte ich glatt vermuten können, dass der Effekt wohlkalkuliert war.

So oder so … Das Atmen fiel mir ein wenig schwer. Die Luft kam mir plötzlich dünn vor, als hätte diese merkwürdige elektrische Spannung zwischen uns den Sauerstoff im Raum aufgebraucht.

»Bist du eine Freundin von Jo?«

Tapfer kämpfte ich die Schüchternheit nieder, die mich erneut zu überwältigen drohte. »Hat Cole dir nichts gesagt?«

»Peetie ist schon im Wohnzimmer, um dem Kurzen hallo zu sagen. Ich wollte mir was zu trinken holen, deswegen bin ich gleich in die Küche.« Er verschlang mich förmlich mit seinen Blicken, und anscheinend hatte mein Körper geschlafen, bis dieser Blick ihn aufgeweckt hatte, denn plötzlich kitzelte und kribbelte und prickelte es überall. »Definitiv die beste Entscheidung, die ich seit einer ganzen Weile getroffen habe.«

Äh … okay?

»Na ja, also – ich bin jedenfalls Olivia.«

Nate zog eine Braue hoch, dann räusperte er sich unvermittelt und stieß sich vom Türrahmen ab. Auf einmal war die Atmosphäre in der Küche wieder normal. »Du bist Olivia? Na klar – der Akzent. Klar doch.«

Ich nickte, leicht verdattert über seine Reaktion. »Und du bist dann wohl Nate?«

Sein Lächeln war höflich. Platonisch. Das passte schon eher. »Ja, der bin ich wohl.«

»Cam und Jo kommen gleich. Ich habe schon mal ein bisschen aufgeräumt.«

»Verstehe.« Er kam in die Küche geschlendert, und ich sah in unverhohlener Faszination zu, wie er sich ein Glas Cola eingoss. »Für dich auch eins?« Er gestikulierte mit dem Glas.

»Nein, danke.«

Sobald er getrunken hatte, schenkte er mir erneut ein Lächeln, und mir wurde klar, dass der Grund, weshalb ich bei ihm immerhin den einen oder anderen Satz herausbrachte, nicht nur sein T-Shirt war. Sondern auch seine Augen. Sie waren so unglaublich warm und freundlich, und ich fühlte mich … vielleicht nicht gerade wohl, aber … na ja, zumindest auch nicht unwohl. Das war in Gegenwart von Männern, die ich gerade erst kennengelernt hatte, ein absolutes Novum. Erst recht wenn es Männer waren, die ich attraktiv fand.

»Magst du Videospiele, Liv?«, fragte er freundlich.

»Äh, ja.«

»Na, dann lass den Abwasch stehen, und komm mit rüber zum Zocken«, sagte er.

Ich lachte leise. »Du fragst mich, ob ich mit dir spielen will?« Kaum waren mir die Worte entschlüpft, bereute ich sie. Ich wollte nicht flirten. Ich wusste gar nicht, wie man flirtete! Das war einfach nur meine Art von Humor, und jetzt dachte er garantiert, dass ich ihn angraben wollte …

Nates Lachen riss mich aus meinen Gedanken. »Nur weil du das Star-Trek-Zitat erkannt hast. Normalerweise dürfen Mädchen bei uns nicht mitspielen. Mädchen bringen’s nämlich nicht.«

Mit todernster Miene verschränkte ich die Arme vor der Brust. »Aber Jungs, oder was?«

Er grinste breit. »Wir werden sehen.« Dann seufzte er und deutete mit dem Kinn zur Tür. »Na, komm, Yankeebraut. Wenn ich dich schon in den Boden stampfen muss, soll es wenigstens kurz und schmerzlos sein. Ich bin kein Sadist.«

»Mich in den Boden stampfen?« Ich lachte laut. »Du verwechselst mich wohl mit jemand anderem – jemandem, der dir nicht gleich so was von den Arsch versohlen wird.«

»Hast du überhaupt eine Ahnung, von welchem Spiel wir reden?«

Ich schüttelte den Kopf. »Ist das wichtig? Ich schlag dich in jedem Spiel. Also, erst werfen wir uns ein paar Beleidigungen an den Kopf, und dann geht’s ans große Arschversohlen.«

Nate warf lachend den Kopf in den Nacken. »O Mann. Na komm, wir gehen ins Wohnzimmer.« Er fasste mich am Ellbogen, und ich versuchte, bei der Berührung nicht rot zu werden. »Ich muss dich Peetie vorstellen.«

Gerührt, weil Nate mich sofort mit einbezogen hatte, folgte ich ihm aus der Küche. Wahrscheinlich war ich in seinen Augen schon jetzt einer von den Jungs. Das passierte mir andauernd, aber es machte mir nichts aus. Es bedeutete lediglich, dass ich die Schmetterlinge in den Griff kriegen musste, die in meinem Bauch wild herumflatterten. Und mit »in den Griff kriegen« meinte ich, dass ich jedes einzelne dieser kleinen Biester zerquetschen musste, bis nicht einmal mehr das kleinste Fühlerchen zuckte …

»Liv? Liv, alles okay?«

Ich blinzelte, und plötzlich war ich wieder auf dem kalten, zugigen Gehsteig in Stirling.

Mit Nate, der direkt vor mir stand und zwischen dessen Augen eine kleine, steile Sorgenfalte zu sehen war. »Träumst du?«

Ich lächelte. »Sorry, ich glaube, die Kälte hat mir das Gehirn verödet.«

»Na, dann komm mal her.« Er bot mir seinen Arm an. »Bevor dir noch ein Finger abfällt.«

Dankbar kuschelte ich mich an ihn. »Hätte dir das nicht ein bisschen früher einfallen können? Vor drei Straßen oder so?«

»Aber dann hätte ich doch das nackte Grauen nicht gesehen, das sich beim Umrunden jeder neuen Straßenecke in deinem Gesicht gespiegelt hat«, zog er mich auf, während er gleichzeitig meinen Arm rieb.

Ich rümpfte die Nase, entgegnete aber nichts. Ich war an seine Neckereien gewöhnt.

»Tut mir leid, Leute«, rief Jo und sah sich schuldbewusst nach uns um. »Ich hätte euch bitten sollen, dickere Jacken anzuziehen.«

»W-w-wir sind Schotten«, stieß Ellie bibbernd hervor, während sie die Finger in Adams Mantel krallte. »Uns m-macht d-d-das n-nichts aus.«

Ich schlang fest den Arm um Nates Taille, als wir uns wieder in Bewegung setzten. »Also, ich bin Amerikanerin«, protestierte ich. »Und ich komme aus Arizona.«

»Ich bin auch Amerikanerin, und ich habe kein Problem mit der Kälte«, tat Joss uns kund, wobei sie allerdings gelassener klang, als sie aussah. Sie schwankte kurz, als der Absatz ihres Schuhs in einer Fuge des Kopfsteinpflasters versank. Braden hielt sie fest, während sie lauthals den Boden verfluchte.

»Das liegt an dem eins neunzig großen Schutzschild, hinter dem du dich versteckst«, gab ich trocken zurück.

Sie lachte und schmiegte sich noch enger an Braden. »Kann schon sein.«

»Uns ist auch kalt«, ließ Nate nun verlauten. »Wir sind bloß dran gewöhnt, deswegen jammern wir nicht andauernd rum.«

»Niemand jammert rum«, widersprach Joss. »Das ist bloß unsere Warnung an Jo. Wenn wir nicht bald da sind, müssen wir sie als Brennholz verwenden.«

Jo lachte. »Wir haben’s fast geschafft … glaub ich …«

Wir bogen in eine Nebenstraße ein. Jo schaute stirnrunzelnd zu den Häusern hoch, während wir ihr folgten. Es war eine ganz gewöhnliche Straße, gesäumt von parkenden Autos und Lieferwagen.

Heute war Cams achtundzwanzigster Geburtstag, und eigentlich waren wir davon ausgegangen, dass wir in Edinburgh feiern würden, deswegen hatten wir uns entsprechend in Schale geworfen. Aber dann hatte Jo uns mit ihrem geheimen Plan überrascht, und irgendwie waren wir in Stirling gelandet. Stirling war eine hübsche Stadt mit einem prächtigen Schloss und malerischen, gewundenen Gassen, aber vermutlich auch die winzigste Stadt auf dem Planeten Erde.

Ich hatte keinen blassen Schimmer, was Jo sich bei diesem Ausflug gedacht hatte.

Plötzlich erschien ein breites Grinsen auf ihrem Gesicht. Sie blieb an einer Straßenecke gegenüber einer Bar stehen. »Hier ist es.«

Wir schauten die Bar an und tauschten verständnislose Blicke. Die Bar hatte absolut nichts Besonderes an sich. Sie war … nun ja, eben eine Bar.

»Wo ist ›hier‹?«, fragte Cam leise. Seine Mundwinkel zuckten belustigt.

»Hier.« Jo deutete nach oben, und wir folgten ihrem ausgestreckten Arm bis zu dem Straßenschild, das am Mauerwerk über dem Eingang der Bar angebracht war.

CAMERONIAN PLACE.

Ich prustete los. Jetzt wurde mir einiges klar.

»Du hast uns wegen eines Straßenschilds nach Stirling geschleppt?«, fragte Nate ungläubig.

Jo nickte verunsichert. »Es ist ja nicht irgendein Straßenschild. Heute ist Cams Geburtstag, und ich finde, da hat er sich einen Geburtstagsdrink in seiner eigenen Straße verdient.«

Den Jungs schien diese Erklärung nicht so recht einzuleuchten, aber Cam zog seine Verlobte an sich und sah ihr auf eine Art und Weise in die Augen, bei der mir ganz warm ums Herz wurde. »Ich finde es toll, Baby.« Er küsste sie zärtlich. »Danke.«

Einen Moment lang wurde ich von einer Mischung aus Glücksgefühlen und Neid überwältigt. Ich fand es wundervoll, dass Jo jemanden hatte, der sie vergötterte, aber ich fragte mich oft, ob jemals der Tag kommen würde, an dem ein Mann mich so ansah – als gäbe es auf der ganzen Welt nichts Wichtigeres und Schöneres als mich.

Durch das Gejohle der anderen aus meinen Grübeleien gerissen, stimmte ich in ihr Gelächter mit ein, und wir betraten gemeinsam die warme Bar. Wir waren vielleicht ein bisschen zu schick angezogen für die ungezwungene Atmosphäre, aber da wir eine entspannte Gruppe waren, nahmen wir Jo den kleinen Überraschungsausflug nicht übel. Ich glaube sogar, die Männer fanden ihre Idee insgeheim süß.

Das war sie auch. Jo war ein zauberhafter Mensch, und deswegen überraschte es mich auch nicht, wenn sie zauberhafte Ideen hatte – wie zum Beispiel uns in ein anderes County zu entführen, nur damit Cam einen Drink in einer Straße nehmen konnte, die seinen Namen trug.

Mein Vater hatte schon bei unserer allerersten Begegnung von ihr gesprochen, und anfangs hatte ich dieses andere Mädchen gehasst, weil es Dad dreizehn Jahre lang für sich gehabt hatte, während ich mit seinem Schatten aufgewachsen war. Meine Mom hatte nie ein schlechtes Wort über ihn verloren, und da ich ein etwas frühreifes Kind war, das viele Freunde mit geschiedenen Eltern hatte, die kein gutes Haar aneinander ließen, kam es mir komisch vor, dass Mom auf den Kerl, der sie vor meiner Geburt hatte sitzenlassen, kein bisschen sauer war. Ich stellte Nachforschungen an und bearbeitete meine Mutter monatelang, bis sie endlich mit der Wahrheit herausrückte.

Ich erinnere mich noch, wie groß meine Wut auf sie gewesen war, weil sie meinem Vater nie von meiner Existenz erzählt hatte.

Sie hatte ihn während eines Auslandsjahrs an der University of Glasgow kennengelernt. Sie hatten sich in eine leidenschaftliche Affäre gestürzt, die Mom abrupt beendete, als sie nach Ablauf des Studienjahres in ihre Heimatstadt Phoenix zurückkehrte. Dass sie schwanger war, stellte sie erst fest, als sie schon wieder in den Staaten war. Viele Jahre später gestand sie mir, dass sie damals aus Liebe keinen Kontakt zu meinem Dad aufgenommen hatte; sie hatte nicht gewollt, dass er nur aus Pflichtgefühl zu ihr zurückkam. Ich liebte meine Mutter, aber sie war nicht unfehlbar. Sie war jung gewesen und hatte eine egoistische Entscheidung getroffen. Mit dreizehn hatte ich eine ganze Weile daran zu knabbern. Es dauerte lange, bis unsere Beziehung sich wieder normalisierte.

Später bereute ich bitter, diese Zeit vergeudet zu haben.

Die Tatsache, dass Dad in Schottland alles, einschließlich Jo, zurückgelassen hatte, um in die Staaten zu fliegen und einem Mädchen ein Vater zu sein, das er kurz zuvor nicht einmal gekannt hatte, bewies, was für ein Mensch er war. Er hatte sein ganzes Leben auf den Kopf gestellt, um bei mir sein zu können. Aber im Zuge dessen hatte er Jo im Stich gelassen.

Als Cam sich dann irgendwann bei meinem Vater meldete, damit dieser wieder zu Jo Kontakt aufnahm, musste ich daran denken, wie sehr mein Handeln ihr Leben verändert hatte. Der Vater im Gefängnis, die Mutter alkoholkrank – mein Dad war die einzige erwachsene Bezugsperson, die einzige Sicherheit in ihrem Leben gewesen. Natürlich hatte Dad nicht ahnen können, dass Jos Mutter Fiona immer tiefer in die Sucht abrutschen würde, bis Jo praktisch alleine für ihren kleinen Bruder sorgen musste. Das erfuhr er erst, als er nach Edinburgh zurückkam, und wir beide, er und ich, trugen nach wie vor an dieser Schuld.

Allerdings wurde mir diese Last immer dann ein wenig leichter, wenn ich Zeit mit Jo und Cam verbrachte. Nach all dem Schlechten, das ihr im Leben bislang widerfahren war, hatte sie endlich jemanden gefunden, der erkannte, was für ein großartiger Mensch sie war, und der sie mit dem Respekt und der Liebe behandelte, die sie verdiente.

Während ich so nachdachte und das Lagerbier trank, das Nate mir gebracht hatte, schaute ich mich unter meinen Freunden um. Ich war umgeben von Menschen, die in ihrem Leben Schlimmes durchgemacht hatten, aber gestärkt aus ihren Erfahrungen hervorgegangen waren und schließlich den Menschen gefunden hatten, mit dem sie den Rest ihres Lebens verbringen wollten.

Neben Jo und Cam war da noch Joss, wie ich halb Amerikanerin, halb Schottin, die nach Edinburgh gekommen war, um ihrem perspektivlosen Leben in Virginia zu entfliehen. Wenn ich daran dachte, welchen Verlust Joss erlitten hatte, fragte ich mich, woher sie überhaupt die Kraft zum Weiterleben nahm. Meine Mutter war gestorben, als ich einundzwanzig Jahre alt gewesen war. Ich konnte mir nicht einmal ansatzweise vorstellen, wie es für Joss gewesen sein musste, mit vierzehn ihre ganze Familie zu verlieren. Aus Erzählungen wusste ich, dass sie seelisch noch stark angeschlagen gewesen war, als sie bei Ellie einzog und deren Bruder Braden kennenlernte. Die beiden hatten allerlei Höhen und Tiefen miteinander erlebt, sich aber schließlich zusammengerauft. In drei Wochen würden sie heiraten.

Und dann waren da natürlich noch Ellie und Adam. Ich fühlte mich Ellie sehr verbunden, weil wir in puncto Romantik ähnlich idealistisch veranlagt waren und sie mir die ganze Geschichte von sich und Adam erzählt hatte. Jahrelang war sie in den besten Freund ihres Bruders verliebt gewesen, doch der hatte bis zu ihrem achtzehnten Geburtstag keinerlei Notiz von ihr genommen. Auch danach dauerte es noch mehrere Jahre, bis etwas zwischen ihnen passierte, und hinterher behauptete er sofort, es sei ein Fehler gewesen. Anscheinend hatte er seine Freundschaft zu ihr und Braden nicht gefährden wollen. Es gab sehr viel Hin und Her – so viel, dass Ellie schließlich drauf und dran war, einen endgültigen Schlussstrich zu ziehen. Erst als bei ihr ein Gehirntumor diagnostiziert wurde, brachte Adam den Mut auf, sich zu ihr zu bekennen. Ellie hatte großes Glück, weil sich der Tumor als gutartig herausstellte – und Adam hatte großes Glück, weil er gerade rechtzeitig zur Besinnung gekommen war, um Ellies Herz doch noch zu gewinnen. Sie hatten sich schon vor geraumer Zeit verlobt, uns allerdings erst kürzlich davon erzählt. Nun blinkte ein Verlobungsring an Ellies Finger.

Ich war umgeben von Liebe, und es war keine kitschige, erdrückende oder aufgesetzte Liebe, sondern echte, wahrhaftige »Ich kenne all deine Macken und will dich trotzdem«-Liebe.

»Am Montag hast du deine letzte Anprobe, Joss«, sagte Ellie plötzlich und nippte an ihrem Mojito.

Sie saß mit Adam, der sich neben Jo und Cam gequetscht hatte, in der einzigen vorhandenen Sitznische im hinteren Teil der Bar. Joss, Braden, Nate und ich standen aneinandergedrängt um den Tisch herum, und ich verfluchte mich im Stillen dafür, dass ich mich von Jo dazu hatte überreden lassen, Schuhe mit zehn Zentimeter hohen Absätzen anzuziehen.

Joss schmiegte sich an Braden und nickte. »Danke für die Erinnerung. Dann kann ich mich mental auf Paulines ätzende Kommentare vorbereiten.«

Cam runzelte die Stirn. »Warum hast du bei der Frau ein Kleid gekauft, wenn sie so eine Hexe ist?«

»Wegen des Kleids«, antworteten Jo, Ellie und ich wie aus einem Mund.

Ich lebte damals erst seit drei Monaten in Edinburgh, deswegen hatte es mir sehr geschmeichelt, als Joss mich gebeten hatte, eine ihrer Brautjungfern zu sein. Ihre ehemalige Kommilitonin Rhian war übers Wochenende aus London angereist, und wir waren alle zusammen losgezogen, um Joss’ Hochzeitskleid und die Brautjungfernkleider auszusuchen. Nach einigen Auseinandersetzungen mit Ellie bezüglich der Farbe der Brautjungfernkleider hatte Joss sich auf Champagnergold festgelegt. Irgendwann landeten wir in einem Brautmodengeschäft in New Town, dessen Inhaberin Pauline uns mit bissigen Bemerkungen über die mangelhafte oder allzu üppige Ausstattung unserer diversen Körperzonen beglückte.

Entweder der Busen war zu groß oder zu klein, die eine war zu schmächtig, die andere zu dick …

Wir wollten schon die Flucht ergreifen, als Joss in einem Kleid, das die alte Ziege ihr empfohlen hatte, aus der Umkleidekabine trat und Ellie in Tränen ausbrach.

So umwerfend schön sah sie darin aus.

Ganz offensichtlich wusste Pauline, wie man Bräute einkleidete, sie wusste nur nicht, wie man mit ihnen umging. Oder generell mit Menschen. Ich strotzte nicht gerade vor Selbstbewusstsein und hatte mit der einen oder andern Unsicherheit in Bezug auf meinen Körper zu kämpfen, deshalb kam ich mir, als wir den Laden schließlich verließen, wie eine riesige Hirschkuh vor. Herzlichen Dank, Pauline.

Joss lachte Braden ins Gesicht. »Scheint’s, das Kleid sieht gut aus.«

»Das habe ich schon verstanden«, raunte er. »Trotzdem freue ich mich am meisten darauf, es dir auszuziehen.«

»Braden«, stöhnte Ellie. »Nicht, wenn ich dabei bin.«

»Hör du auf, Adam in meiner Gegenwart zu küssen, dann höre ich auf, mit meiner Frau sexuelle Anspielungen auszutauschen, wenn du dabei bist.«

»Noch ist sie nicht deine Frau«, merkte Nate an. »Nur nichts überstürzen.«

Ich schnaubte. »Nate, deine Beziehungsangst schlägt wieder durch.«

In gespieltem Entsetzen wandte er sich zu mir um. »Wo?« Er befühlte mit der Hand seine Wange. »Mach sie weg.«

Ich wischte mit dem Daumen über einen imaginären Fleck an seinem Wangenknochen und nickte dann aufmunternd. »So. Alles wieder gut. Nichts mehr zu sehen.«

»Puh.« Er trank einen Schluck von seinem Bier und ließ seinen Blick dann in Richtung Bartresen wandern. »Wenn man mir das ansieht, komme ich heute Abend nämlich nicht zum Zug.«

»Wie reizend«, murmelte ich.

Er grinste frech und deutete dann mit dem Kinn zu einer Gruppe Frauen an der Theke. »Die Pflicht ruft.«

Er schlenderte lässig durch den Raum und blieb neben einem der Mädchen stehen, das mit seinen Freundinnen an der Bar stand. Die Freundinnen rückten ein Stück von ihr ab, als Nate einen heftigen Flirt anfing. Selbstverständlich sah sie umwerfend aus – ein bezauberndes Gesicht, lange dunkle Haare, zarte Haut, tolle Rundungen. Wahrscheinlich hatte sie ein paar Kilos zu viel auf den Rippen, so wie ich, aber im Gegensatz zu mir ging sie absolut selbstbewusst damit um. Das musste man Nate lassen, er hatte kein festes Beuteschema. Ob dünn oder dick, kurvig oder athletisch – er fand alles attraktiv, was hübsch und weiblich war.

Sobald Nate die Brünette anlächelte, war es um sie geschehen.

Ich war nicht im mindesten überrascht. Mit seinen eins achtzig war Nate nicht außergewöhnlich groß, aber angesichts seines vom Kampfkunsttraining gestählten Körpers, des unverschämt attraktiven Äußeren und einer Ausstrahlung, die man für kein Geld der Welt kaufen konnte, war es den meisten Frauen völlig schnuppe, ob sie ihn in hochhackigen Schuhen um ein paar Zentimeter überragten, wenn sie nur einen Abend lang an seinem Arm hängen durften.

Ich war die Ausnahme. Mich würde Nate nie als potentielle Sexualpartnerin betrachten, insofern war es das Beste, meinen Gedanken erst gar nicht zu erlauben, in diese Richtung abzudriften. Wahrscheinlich wusste ich mehr über den wahren Nate als die meisten seiner Bekannten, daher fiel es mir nicht weiter schwer, ihn als Freund zu sehen. Ich konnte die Anziehungskraft, die er auf mich ausübte, ausblenden, weil ich wusste, dass sowieso nie etwas daraus werden würde. Mir war es lieber, Nate als guten Freund in meinem Leben zu haben als gar nicht. Denn ungeachtet all seiner Bindungsängste und der schamlosen Aufreißermentalität war er im Grunde genommen ein durch und durch anständiger Kerl und ein wirklich treuer Freund.

»Die ist fällig«, stellte Joss halblaut fest.

Ich drehte mich zu ihr um und zog eine Augenbraue hoch, als ich sah, wie Joss schmunzelnd Nate und das Mädchen beobachtete.

»Er macht ihnen nie irgendwelche Versprechungen.«

Sie lachte. »Du musst ihn nicht verteidigen. Ich weiß, dass Nate immer sofort die Karten auf den Tisch legt, aber wir reden hier von Frauen. Und die hören manchmal eben nur das, was sie hören wollen.«

Ich nickte. »Ja, aber Nate spürt das sofort, als hätte er einen sechsten Sinn dafür. Sobald er merkt, dass sich ihr Verhalten ihm gegenüber auch nur das kleinste bisschen ändert, ist er raus aus der Nummer.«

»Ich warte so sehnlich darauf, dass er bei einer mal richtig auf die Nase fällt«, meldete sich Ellie zu Wort und grinste diebisch in Nates Richtung.

»Geht mir genauso.« Jo warf mir einen bedeutsamen Blick zu.

Ich stellte mich dumm und tat so, als verstünde ich nicht, was sie damit meinte. Dann wechselte ich schleunigst das Thema. »Habt ihr schon Cams neues Tattoo gesehen? Cole hat es entworfen«, teilte ich den anderen voller Stolz mit.

Cole Walker war der beste Junge der Welt. Jo hatte bei der Erziehung ihres kleinen Bruders großartige Arbeit geleistet, und jetzt waren die beiden nicht länger allein, sondern hatten Cameron MacCabe, der so ungefähr das Beste war, was den beiden jemals hätte passieren können. Er und Cole waren sich ungeheuer ähnlich – beide künstlerisch veranlagt, beide Typ cooler Nerd. Insofern lag es nahe, dass Cam Cole damit beauftragt hatte, ein neues Tattoo für ihn zu entwerfen.

Es war phänomenal geworden.

Im Zentrum eines Tribalmotivs aus Schnörkeln und gezackten Ranken verbargen sich die stilisierten Buchstaben »C« und »J«.

»Ooh, lass mal sehen«, rief Ellie.

Cam schüttelte den Kopf. »Es ist auf meinen Rippen.«

»Komm schon, wir werden beim Anblick deines Waschbrettbauchs schon nicht gleich in Ohnmacht fallen«, neckte Joss.

»Es ist ein schöner Waschbrettbauch.« Jo tätschelte Cam stolz besagten Körperteil.

Braden nippte an seinem Whisky. »Ich persönlich habe keinerlei Interesse daran, seinen Waschbrettbauch zu sehen. Er könnte … einen gewissen Neid in mir wecken.«

Adam nickte todernst. »In mir auch.«

»Leckt mich doch«, brummte Cam, aber seine Lippen verzogen sich zu einem Grinsen.

»Na schön, wenn er unbedingt ein Spielverderber sein will …«, grummelte ich und begann, in meiner Handtasche zu kramen. Als ich das Blatt Papier hatte, zog ich es hervor, faltete es auseinander und zeigte den anderen die Zeichnung darauf. »Hier, so sieht es aus.«

Während alle den Entwurf studierten, lächelte Jo zu mir hoch. »Du hast es aufgehoben?«

»Klar, ich habe Cole sogar gebeten, es zu signieren.«

Sie lachte. »Jetzt schwärmt er garantiert noch mehr für dich.«

Ich zuckte unbekümmert mit den Schultern. »Ich finde, er darf ruhig wissen, wie großartig er ist.«

»Da widerspreche ich dir nicht.«

Wir lächelten uns an, während die anderen Coles Zeichnung bewunderten.

Kurz darauf kam Nate zu uns zurück. Die Brünette gesellte sich wieder zu ihren Freundinnen, behielt Nate jedoch weiterhin im Auge.

»Willst du nicht …?«, fragte ich neugierig und deutete auf die Frau.

»Doch, natürlich.« Er grinste jungenhaft. »Aber ich habe ihr gesagt, dass mein Freund heute Geburtstag hat und ich noch ein Weilchen mit ihm feiern will.«

Nate hielt Wort und blieb bei uns, bis die Bar zumachte. Wir wollten gerade aufbrechen, als ich seinen Atem an meinem Ohr spürte. »Ich bin dann mal weg.«

Ich wandte mich um und sah ihn an. Die kurvige Brünette wartete ein Stück entfernt. »Okay. Amüsier dich gut.«

Er zwinkerte mir zu und gab mir einen Kuss auf die Wange. »Tu ich doch immer.«

Nachdem er sich von der Gruppe verabschiedet hatte, nahm Nate die Brünette bei der Hand und verließ mit ihr die Bar. Eifersucht nagte an mir, als ich die Tür anstarrte, durch die sie eben verschwunden waren. Mein Freund war ein Meister der Verführung. Wenn er Sex haben wollte, bekam er Sex. Punkt.

Leider war das für gewisse andere Personen längst nicht so einfach.

Kapitel 2

Edinburgh

Der Grund, weshalb Dad und ich den Entschluss gefasst hatten, in Edinburgh zu bleiben, war nicht nur das gähnende schwarze Loch, das Moms Tod in unser Leben in Arizona gerissen hatte– obwohl das eine große Rolle spielte–, sondern auch der Umstand, dass ich meinen Job und meine Freude am Leben verloren hatte. Als ich sechzehn war, wurde bei meiner Mutter Krebs diagnostiziert. Sie besiegte die Krankheit, doch drei Jahre später brach sie wieder aus. Damals war ich zwanzig und im fünften Semester an der University of Arizona, wo ich Bibliothekswissenschaften studierte. Ich nahm mir ein paar Monate Auszeit, um nach Hause zu kommen und bei ihr zu sein.

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