Janina will leben! - Nina Kayser-Darius - E-Book

Janina will leben! E-Book

Nina Kayser-Darius

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Beschreibung

Mit den spannenden Arztromanen um die "Kurfürstenklinik" präsentiert sich eine neue Serie der Extraklasse! Diese Romane sind erfrischend modern geschrieben, abwechslungsreich gehalten und dabei warmherzig und ergreifend erzählt. Die "Kurfürstenklinik" ist eine Arztromanserie, die das gewisse Etwas hat und medizinisch in jeder Hinsicht seriös recherchiert ist. Nina Kayser-Darius ist eine besonders erfolgreiche Schriftstellerin für das Genre Arztroman, das in der Klinik angesiedelt ist. 100 populäre Titel über die Kurfürstenklinik sprechen für sich. Frau Gansen, die Sportlehrerin der Klasse Drei B, eilte mit langen Schritten durch die Turnhalle auf das zarte Mädchen mit den langen braunen Haaren zu, das mit blassem Gesicht auf dem Boden saß, während ihm Blut aus der Nase lief.»Du hast schon wieder Nasenbluten, Janina!« stellte sie mit einer Mischung aus Bestürzung und Ratlosigkeit fest. »Aber du bist doch mit deiner Mutter beim Arzt gewesen? Meiner Ansicht nach ist das nicht normal!Sie drückte dem Mädchen ein feuchtes Tuch in den Nacken und wies die anderen, die leise tuschelnd um ihre Klassenkameradin herumstanden, mit energischer Stimme an, mit den Übungen fortzufahren, die sie ihnen soeben erklärt hatte. Zögernd und sichtlich unwillig entfernten sich die Kinder. Es war interessanter, bei Janina zu bleiben, fanden sie, doch Frau Gansen war als strenge Lehrerin bekannt, die in ihrem Unterricht keine Faxen duldete, und so gehorchten sie.Janina sagte gar nichts. Sie hielt ihren Kopf nach hinten und hoffte, daß es bald aufhören würde zu bluten. Sie haßte es, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen – jedenfalls, wenn es ihr nicht gutging. Dann hätte sie sich am liebsten unsichtbar gemacht. Ihr T-Shirt war blutverschmiert, das wußte sie. Und sie wußte auch, was ihre Mutter sagen würde, wenn sie es sah: »Meine Güte, Janina, kannst du dir kein Taschentuch unter die Nase halten, wenn du merkst, daß es wieder anfängt? Du weißt genau, wie schwer diese Blutflecken auszuwaschen sind.Ja, das wußte Janina mittlerweile, sie litt nun schon seit einiger Zeit an Nasenbluten. Aber der Kinderarzt, zu dem ihre Mutter sie geschleppt hatte, war der Ansicht gewesen, daß das genauso schnell wieder aufhören würde, wie es begonnen hatte. »Kein Grund zur Sorge, viele Kinder leiden unter gelegentlichem Nasenbluten.Wobei ›gelegentlich‹ in Janinas Fall eindeutig eine Untertreibung darstellte. In der letzten Zeit hatte ihre Nase mindestens zweimal pro Woche geblutet.

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Seitenzahl: 104

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Kurfürstenklinik – 82 –Janina will leben!

Das zarte Mädchen kämpft gegen die Leukämie wie eine Löwin

Nina Kayser-Darius

Frau Gansen, die Sportlehrerin der Klasse Drei B, eilte mit langen Schritten durch die Turnhalle auf das zarte Mädchen mit den langen braunen Haaren zu, das mit blassem Gesicht auf dem Boden saß, während ihm Blut aus der Nase lief.

»Du hast schon wieder Nasenbluten, Janina!« stellte sie mit einer Mischung aus Bestürzung und Ratlosigkeit fest. »Aber du bist doch mit deiner Mutter beim Arzt gewesen? Meiner Ansicht nach ist das nicht normal!«

Sie drückte dem Mädchen ein feuchtes Tuch in den Nacken und wies die anderen, die leise tuschelnd um ihre Klassenkameradin herumstanden, mit energischer Stimme an, mit den Übungen fortzufahren, die sie ihnen soeben erklärt hatte. Zögernd und sichtlich unwillig entfernten sich die Kinder. Es war interessanter, bei Janina zu bleiben, fanden sie, doch Frau Gansen war als strenge Lehrerin bekannt, die in ihrem Unterricht keine Faxen duldete, und so gehorchten sie.

Janina sagte gar nichts. Sie hielt ihren Kopf nach hinten und hoffte, daß es bald aufhören würde zu bluten. Sie haßte es, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen – jedenfalls, wenn es ihr nicht gutging. Dann hätte sie sich am liebsten unsichtbar gemacht. Ihr T-Shirt war blutverschmiert, das wußte sie. Und sie wußte auch, was ihre Mutter sagen würde, wenn sie es sah: »Meine Güte, Janina, kannst du dir kein Taschentuch unter die Nase halten, wenn du merkst, daß es wieder anfängt? Du weißt genau, wie schwer diese Blutflecken auszuwaschen sind.«

Ja, das wußte Janina mittlerweile, sie litt nun schon seit einiger Zeit an Nasenbluten. Aber der Kinderarzt, zu dem ihre Mutter sie geschleppt hatte, war der Ansicht gewesen, daß das genauso schnell wieder aufhören würde, wie es begonnen hatte. »Kein Grund zur Sorge, viele Kinder leiden unter gelegentlichem Nasenbluten.«

Wobei ›gelegentlich‹ in Janinas Fall eindeutig eine Untertreibung darstellte. In der letzten Zeit hatte ihre Nase mindestens zweimal pro Woche geblutet. Sie spürte, daß es aufhörte und atmete erleichtert auf. Endlich! Aber mit dem Sport war es natürlich trotzdem vorbei. Frau Gansen würde sie jetzt nicht mehr mitturnen lassen, dabei waren heute die Ringe an der Reihe, die Janina ganz besonders liebte. Sie beschloß, trotz allem einen vorsichtigen Vorstoß zu machen. Mehr als ›nein‹ konnte Frau Gansen schließlich nicht sagen.

»Es ist schon wieder okay«, sagte sie. »Und mir geht’s gut, Frau Gansen, es ist bestimmt nicht nötig, daß ich mich jetzt noch auf die Bank setze und…«

Doch ihre Lehrerin ließ sie gar nicht ausreden. »Rede keinen Unsinn, Janina«, sagte sie streng. »Glaubst du im Ernst, ich würde dich in diesem Zustand an die Ringe lassen?«

Sie half Janina auf die Beine und führte sie eigenhändig zur Bank – gerade so, als fürchte sie, das Mädchen werde auf dem kurzen Weg womöglich noch ohnmächtig. Das war nämlich auch schon einmal passiert, wenngleich Janina steif und fest behauptete, sie habe, ›höchstens für eine einzige Sekunde‹ das Bewußtsein verloren – die anderen wußten es besser: Geschlagene zwei Minuten hatte sie ohnmächtig auf dem Boden der Turnhalle gelegen, bevor sie wieder zu sich gekommen war.

Doch Janina war eigensinnig. Blaß zwar und nicht sehr kräftig, aber was ihr an körperlicher Kraft fehlte, das machte sie durch ihren ausgeprägten Willen wieder wett. Sie hielt an ihrer Version von der Sekunden-Ohnmacht fest, und niemandem war es bisher gelungen, sie davon abzubringen.

Sie probierte es noch einmal. »Es geht mir aber wieder gut, Frau Gansen – wirklich!«

»Das mag wohl sein, aber ich werde es nicht verantworten, daß du in ein paar Minuten zum zweiten Mal blutüberströmt abbrechen mußt!«

Heftig riß Janina ihren Arm los. Sie ärgerte sich und wollte ihrer Lehrerin das zeigen. Wütend blitzten ihre Augen, als sie sich zu ihr umdrehte, um ihr ihren Zorn entgegenzuschleudern – doch dann tat sie nichts dergleichen. Eine merkwürdige Kraft zog sie nach unten. Sie merkte, wie ihr Kopf schwer und leicht zugleich wurde, dann hörte sie noch: »Kind, um Himmels Willen!« – und dann lag sie auf einer Wolke und wurde sanft durch die Luft getragen.

*

»Adrian? Adrian!« Die Internistin Dr. Julia Martensen rannte durch die Notaufnahme der Kurfürsten-Klinik in Berlin-Charlottenburg und stoppte abrupt vor einem der Behandlungsräume. Hier gab der Leiter der Station, Dr. Adrian Winter, gerade einem Mann eine Beruhigungsspritze, der Zeuge eines schweren Verkehrsunfalls geworden war. »Ach, da bist du ja! Ein achtjähriges Mädchen hat zum wiederholten Mal in der Schule heftiges Nasenbluten bekommen – und dieses Mal ist die Kleine auch noch ohnmächtig geworden. Die Lehrerin hat einen Rettungswagen gerufen, sie bringen sie hierher.«

»In Ordnung, bereite doch hier nebenan schon einmal alles vor, ich bin dann auch gleich soweit, Julia!«

Sie nickte und verschwand.

Adrian zog die Nadel aus dem Arm des Mannes, sprach noch einige Sätze mit ihm und verließ dann, als er sah, daß die Spritze zu wirken begann, die Kabine.

Julia war mit den Vorbereitungen bereits fertig. Sie sah auf, als er hereinkam. »Die Lehrerin hat offenbar den Verdacht geäußert, daß dem Kind etwas Ernsthaftes fehlt.«

»Aber wenn die Kleine öfter Nasenbluten hat, werden die Eltern doch mit ihr beim Arzt gewesen sein«, erwiderte Adrian stirnrunzelnd. »Und so selten ist Nasenbluten bei Kindern ja nun nicht, daß man gleich eine ernsthafte Krankheit dahinter vermuten muß. Oder gibt es noch andere Anzeichen, die dafür sprechen könnten?«

»Ich kann es dir nicht sagen. Vielleicht wissen die Sanitäter mehr, die sie gleich bringen werden.«

Sie hatte den Satz kaum ausgesprochen, als die Männer mit dem Mädchen bereits hereinkamen. »Janina Bergen, acht Jahre alt, Ohnmacht nach Nasenbluten – die zweite Ohnmacht innerhalb der letzten vier Wochen. Nasenbluten hat sie offenbar seit einiger Zeit mehrmals die Woche. Mehr Informationen haben wir leider nicht, die Tante ist aber verständigt und bereits auf dem Weg hierher. Sie wird Ihnen mehr sagen können.«

»Die Tante?« fragte Julia. »Was ist mit der Mutter?«

»Sie arbeitet und konnte bisher nicht erreicht werden.«

»Danke«, sagte Adrian, und die Männer verabschiedeten sich eilig wieder.

Janina Bergen betrachtete die beiden über sie gebeugten Erwachsenen und mit erstaunlich wenig Scheu.

»Das ist Frau Dr. Martensen, Janina«, sagte Adrian. »Und ich bin Dr. Winter. Du bist hier in der Kurfürsten-Klinik – in der Notaufnahme.«

»Weiß ich«, erwiderte das Mädchen. »Mir fehlt nichts, ich will wieder gehen.«

»Moment mal, das wissen wir doch noch gar nicht, ob dir nichts fehlt! Wenn man ziemlich häufig Nasenbluten hat und dann auch noch ohnmächtig wird, dann…«

Die Kleine unterbrach ihn. »Das war doch bloß einmal, das zählt überhaupt nicht. Es war keine richtige Ohnmacht, mir war bloß schwummerig, das ist alles.«

»Aha«, bemerkte Adrian, dem die lebhafte Art des Kindes gut gefiel. »Und das Nasenbluten?«

»Ach das!« Es klang wegwerfend, als sei es nicht der Rede wert. Wehleidig war Janina offenbar nicht, im Gegenteil. Ihre braunen Augen sahen ihn durchaus angriffslustig an. So blaß und zart sie auch war, Angst hatte sie jedenfalls nicht. »Wegen so einem bißchen Nasenbluten muß man doch nicht gleich ins Krankenhaus. Das hab’ ich Frau Gansen gleich gesagt, aber sie wollte einfach nicht auf mich hören.«

Julia und Adrian wechselten einen amüsierten Blick, während sie das Mädchen untersuchten. Dann stellte Julia fest: »Frau Gansen ist wohl deine Sportlehrerin.«

»Genau. Wenn ich Nasenbluten hab’, läßt sie mich nicht mehr mitturnen, danach. Das ist voll gemein…«

Beide Ärzte lächelten über ihre Ausdrucksweise, aber sie waren insgeheim sehr mit Janinas Sportlehrerin einverstanden. Diese hatte überaus vernünftig und umsichtig gehandelt.

»Weißt du was, Janina?« fragte Adrian. »Wir werden dein Blut untersuchen, um herauszufinden, was da los ist. Es wäre doch für dich auch schön, wenn du in Zukunft kein Nasenbluten mehr bekämst, oder?«

»Klar«, antwortete das Mädchen. »Aber Dr. Horst hat gesagt, das hört sowieso von selbst wieder auf.«

»Ist das dein Kinderarzt?«

Janina nickte. »Er ist nett«, teilte sie Adrian und Julia vertraulich mit.

»Na, das wollen wir aber auch hoffen. Hast du das übrigens mitbekommen, daß deine Tante gleich kommt?«

»Ich habe Frau Gansen gesagt, sie soll sie anrufen. Meine Mama ist nämlich nicht da, deshalb paßt Tante Debbie auf uns auf – auf mich und meine Schwestern, während unser Papa arbeitet.«

»Ach, so ist das. Wie viele Schwestern hast du denn noch?«

»Zwei, Marie und Isabelle. Marie ist zehn, Isabelle ist schon zwölf.«

»Du bist also die Jüngste.«

Wieder nickte Janina, sie sah jetzt erschöpft aus. »Ich bin müde«, sagte sie. »Das ist ziemlich blöd, wenn man mitten am Tag müde wird.«

»Passiert dir das denn öfter?« fragte Adrian ganz nebenbei. »Daß du tagsüber müde wirst, meine ich?«

Nun sah sie echt bekümmert aus. »Ja«, gab sie nach kurzem Zögern zu. »Früher war das nie so, aber jetzt…« Sie sah Adrian ängstlich an. »Erzählen Sie das Frau Gansen? Oder den anderen Lehrern?«

»Nein, wenn du es nicht willst, tue ich das nicht.«

»Dann läßt sie mich vielleicht gar nicht mehr turnen«, sagte Janina besorgt.

»Das ist wohl dein Lieblingsfach – Turnen?« fragte Julia.

»Sport insgesamt, ja«, bestätigte das Mädchen. »Aber wenn ich dann immer dieses blöde Nasenbluten kriege…«

»Und sonst? Hat sich noch mehr geändert, Janina?« fragte Adrian, der gerade einen großen blauen Flecken am Bein des Kindes entdeckt hatte. »Hast du zum Beispiel öfter blaue Flecken als früher?«

Janina richtete sich ein wenig auf und betrachtete stirnrunzelnd ihr Bein. »Ja, ich glaube schon«, sagte sie nach einer Weile. »Wenn ich mich jetzt stoße – zack, ist schon ein blauer Fleck da!«

Wieder wechselten Julia und Adrian einen Blick – dieses Mal war er nicht mehr amüsiert, sondern höchst besorgt.

»Wir nehmen dir jetzt noch ein bißchen Blut ab, Janina, und dann bekommst du etwas zu essen und zu trinken und wartest in Ruhe, bis deine Tante kommt – was hältst du davon?«

»Ist gut«, erwiderte das Mädchen. »Ehrlich gesagt: So schlimm finde ich es jetzt gar nicht, daß ich hier bin. Sie sind echt nett.«

»Danke schön für dieses Kompliment.« Adrian nahm Janina Blut ab, während Julia Orangensaft und ein Brötchen für die Kleine organisierte. Mit den Proben schickte Adrian einen Pfleger ins Labor. »Eilig!« sagte er nachdrücklich. »Sie sollen diese Untersuchung vorziehen.«

Als Julia zurückkehrte, ließen sie Janina mit der Verpflegung allein und traten auf den Gang hinaus, wo sie sich leise und ungestört unterhalten konnten. »Hoffentlich ist es nicht das, was wir denken«, sagte Julia.

»Ja, hoffentlich«, erwiderte Adrian ernst. »Und ich hoffe außerdem, daß dieser Kinderarzt mehr unternommen hat, als die Kleine bisher erwähnt hat. Ich hoffe, er hat seine hoffnungsvolle Ansicht, daß das mit dem Nasenbluten eines Tages von selbst wieder aufhört, durch Untersuchungen untermauert.«

Bevor Julia etwas erwidern konnte, wurden zwei Unfallopfer hereingebracht. Sie unterbrachen ihr Gespräch und widmeten sich ihren neuen Patienten, denn so lange die Laborergebnisse nicht vorlagen, konnten sie für Janina Bergen ohnehin nichts weiter tun.

*

Deborah Falkenberg fuhr wie der Teufel, während ihr das Herz gegen die Rippen hämmerte. Janina, ihr Patenkind, war in die Notaufnahme der Kurfürsten-Klinik eingeliefert worden. Nachdem sie wieder einmal Nasenbluten gehabt hatte, war sie dieses Mal auch noch richtig ohnmächtig geworden. Deborah war froh, daß die Sportlehrerin nicht lange gezögert, sondern gleich einen Rettungswagen angerufen hatte.

Jetzt würde Janina endlich einmal von anderen Ärzten untersucht werden. Deborah war froh darüber, das Vertrauen zu Dr. Horst hatte sie nämlich allmählich verloren. Der sagte immer nur, man solle sich keine Sorgen machen, und er tat nichts. Aber ständiges Nasenbluten konnte doch nicht normal sein!

Deborah überfuhr eine Ampel bei ›Dunkelgelb‹, wie Janina das nannte und hoffte, daß niemand sie geblitzt oder aufgeschrieben hatte. Es ist ein Notfall, rechtfertigte sie ihre Fahrweise vor sich selbst. Normalerweise fuhr sie immer äußerst korrekt, aber wenn Janina allein in der Notaufnahme eines großes Krankenhauses lag, dann war es ja wohl verständlich, daß sie sich beeilen mußte – oder etwa nicht? Das Mädchen war immerhin erst acht Jahre alt…

Endlich am Ziel! Sie bog auf den großen Parkplatz ein und stellte zu ihrer Erleichterung fest, daß es noch etliche Lücken gab. Sie nahm die nächstbeste, zog den Zündschlüssel ab und sprang auch schon aus dem Wagen. Den Weg zum Haupteingang legte sie laufend zurück. Der Pförtner erklärte ihr, wie sie am schnellsten zur Notaufnahme kam – und eine Minute später stürmte sie auch schon hinein und rannte fast einen sympathisch aussehenden Mann von etwa fünfunddreißig Jahren um, dessen braune Augen freundlich blitzten, während er sich die widerspenstigen dunkelblonden Haare aus der Stirn strich.

»Hoppla«, sagte er. »Sie haben es ja mächtig eilig.«

»Meine Nichte Janina«, keuchte Deborah. »Sie soll hier sein. Mein Name ist Deborah Falkenberg, Janinas Lehrerin hat mich angerufen.«

»Dr. Winter«, stellte sich der Arzt vor. »Ich leite diese Notaufnahme. Kommen Sie bitte, Frau Falkenberg, ich hätte gern mit Ihnen gesprochen.«