Jesus & Christus - Schachar Shahar - E-Book

Jesus & Christus E-Book

schachar shahar

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Beschreibung

Ein merkwürdiger Gedanke über den Unterschied zwischen Antisemitismus und Antijudaismus.

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Jesus Christus,Paulus,Josephus Flavius,Philister,König David

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Seitenzahl: 788

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Vorgeschichte

Esra

»Nordreich Israel« und Judäa

Prophet Samuel

„Gottes Sohn“

Barmherziger Samariter

Geburtsumstände

3 Geburten und2 Ahnenverzeichnisse

Astronomie

Politruk Jesus Christus

Familie von Jesua

Spross

Die letzte Woche

Festnahme

Gericht

Urteil

Am Kreuz

Dreifacher Tod

Bestattung

Der »Höchste«

»sie»

Petrus Werdegang

Exekution

Personen

Leeres Grab

Auferstehung

Großer Fischfang

Fortsetzung in Apg.

»Christenverfolgung«

Zwei Parteien

Doppelgänger

Die »Zwölfe«

Petruschristen

Soldaten

Familiengrabstätte

Die »kurze Zeit«

Neue Zeit

Die Apostel

Die »lange Zeit«

Neue Strategie

Reformen

Wieder in Jerusalem

Zweite Reise nach Rom

Onkelsohn

Brand

Von Josephus zu Flavius

„Sekten“

Evangelien

Quellenangaben

»Deine Kinder eilen herbei, deine Zerstörer und deine Verwüster ziehen aus dir weg.«

(Jesaja 49-10)

Vorgeschichte

Eine der ältesten bekannten Konfrontationen, die zu einem unlösbaren Konflikt führten, ereignete sich nach dem Aufstand der Israeliten gegen die von Wissenschaftlern in „Hyksos“ umgetauften Amoriter, dem der Auszug aus Ägypten folgte, was rein lokale Bedeutung hatte und im Vorfeld bereits bildhaft geschildert wurde. Jedoch wurde das Fundament für den europäischen Antisemitismus in der Antike von griechischen und römischen Autoren reichlich angelegt. Schon damals zeigten sich die Griechen gegenüber den „Juden“ nicht ganz empathisch, so dass sich Josephus Flavius in seinen Schriften gegen Ausfälle griechischer Historiker wehren musste, vor allem gegen Apion - in seinem Buch „Antiquitates Judaica“ fügte er in Klammern „gegen Apion“ hinzu.

Die Geschichtsschreibung von Apion und seinen Berufskollegen war möglicherweise einseitig, zum Beispiel über den Spartakusaufstand. Die sparsamen Auskünfte über Spartakus ergänzt Apion mit dem Bericht des Plutarch, wonach Spartakus, aus Thrakien gebürtig, im römischen Heer als Söldner diente, desertierte, dann wieder eingefangen und unter die Gladiatoren gesteckt wurde. (N.A. Maschkin „Römische Geschichte“) Für aufgeklärte Wissenschaftler waren die Thraker ein „indogermanisches“ Volk bzw. eine Völkergruppe in der Antike.

(1) Eine unüberwindbare Logik besagt dann, wenn Spartakus aus der Provinz Thrakien kam und die thrakische Gladiatorenschule besuchte, muss er ein „Indogermane“ gewesen sein. Und ist auch die Erklärung, dass Spartakus so hieß, nur weil er aus Sparta stammte, überhaupt nötig?

Die Indizien sprechen für etwas anderes. Zum Dienst im römischen Heer wurde er scheinbar gezwungen, was seine Fahnenflucht erklärbar macht. Bemerkenswert ist noch, dass, obwohl der Weg Richtung Alpen frei war, Spartakus durch das ganze Land bis Sizilien marschierte, immerhin 700 km, anstatt sich in Gallien niederzulassen, um sich in den wohlverdienten Ruhestand zu begeben. Um sein Profil zu erstellen, können ein paar charakteristische Merkmale helfen, „er nahm keine Überläufer auf und verbot, an sein Heer Gold– und Silbersachen zu verkaufen, nur Kupfer und Eisen.“ Und sein bescheidenes Ziel war, „alle Sklaven, die ihren Herren entlaufen waren und sich ihm angeschlossen hatten, in ihre Heimat zurückzuführen und ihnen die Freiheit wiederzugeben.“ Und wenn Plutarch sagt, Spartakus „habe mehr einem gebildeten Hellenen als einem Barbaren geglichen“, dann war Spartakus weder Grieche noch „Indogermane“. Vor allem auch, weil nur jemand aus einem wesentlich anderen Geschichtskreis solchen Satz äußern konnte: „Es ist Unrecht, dass die Menschen für das Vergnügen von anderen sterben.“, übrigens der einzige bekannte Spruch von Spartakus.

Am Ende: „Nach dem Tode des Spartakus löste sich seine Armee auf. Um diese Zeit kam aus Spanien Pompeius gerade noch zurecht, der gemeinsam mit Crassua eine regelrechte Jagd auf die flüchtigen Sklaven veranstaltete. Zwischen Rom und Capua wurden etwa 6000 Menschen gekreuzigt.“ Chronologisch gesehen folgte der Spartakusaufstand (71 v.) dem Aufstand der Makkabäer (Hasmonäer) gegen die Griechen (165 - 63 v.), und vielleicht war unter den in diesem Krieg erbeuteten Sklaven auch „Spartakus“. Kurz darauf, im Jahr 63 v., schlug der gleiche Pompeius einen Aufstand gegen Rom nieder und eroberte Jerusalem. (504)

Dem Buch „Antiquitates Judaica“ ist zu entnehmen, dass die mangelhafte Begeisterung der Griechen für die Hebräer mit Neid erklärbar sein könnte, denn die Hebräer waren Verbündete von Alexander dem Großen und nahmen an seinen Kriegszügen in Asien teil. Aus Dankbarkeit erlaubte er ihnen, seine ägyptische Stadt Alexandria zu bewohnen und ließ als Anerkennung eine Stele errichten. Im Gegenzug geben die Hebräer ihren Kindern bis zum heutigen Tag seinen Namen. Außerdem galten die Griechen für die Hebräer als Heiden. Verständlicherweise konnten die Griechen solch eine Einstellung nicht gut finden, auch wenn sie selber die anderen Völker herablassend behandelten und ihre berühmte Demokratie nur für Griechischstämmige reserviert war. Aber allein die Kränkung und schreckliche Diskriminierung durch die Hebräer können keinen Grund für so nachhaltige Vorurteile der Griechen sein.

Bei den Römern war die Anfeindung gegenüber den „Juden“ ein Zacken schärfer, so schrieb jemand:

„Die Urteile der griechischen und römischen Literatur über die Juden sind, wie gesagt, sehr absprechend und zeugen von großer Verachtung gegen dieses Volk. Die Gebildeten erblickten in der jüdischen Religion einen barbarischen Aberglauben. Man verbreitete über die Juden sowie über ihre Geschichte die lächerlichsten und boshaftesten Fabeln, zum Teil aus Unwissenheit.“ Und weiter schrieb jemand: „Also gab es in der griechischen und römischen Welt überhaupt gar keinen Antisemitismus, sondern nur einen Antijudaismus, der selbst wieder mit der angeblichen jüdischen Rasse gar nichts, mit der jüdischen Religion dagegen alles zu tun hatte, was sonnenklar daraus folgt, dass sich die römische und griechische Antipathie gegen die Juden auch auf die nach Tausenden zählenden jüdischen Proselyten nichtjüdischer Abstammung erstreckte.“ (55)

Ein merkwürdiger Gedanke über den Unterschied zwischen Antisemitismus und Antijudaismus. Was darunter zu verstehen ist, wird tragischer Weise nicht erklärt, so steht es jedem frei, nach eigenem geistigen Vermögen zu urteilen. Ein Beispiel von Abu Abbas, PA Führer im Rang eines Abu Mazen: „Anti-Zionism can not be Antisemitism because Zionism itself is Antisemitism.“

Scheinbar hatte die römische und griechische Antipathie reale Gründe. Mit den Hebräern und ihrer Verwandtschaft haben es die Griechen und dann die Römer schwer gehabt, angefangen vom Punischen Krieg, als Hannibals Elefanten Rom beinahe platt gemacht hatten, bis hin zu den Aufständen im Römischen Reich, ausgelöst durch den ersten großen Sklavenaufstand in Sizilien (137 v.). Der Anführer, kaum zu glauben, war weder ein nobler Hellene, noch ein heroischer Thraker, sondern ein „syrischer Sklave Namens Eunus“, nach Enos, Adams Enkel, genannt. Auch seine Truppen bestanden hauptsächlich „aus Sklaven syrischer Herkunft“. Aufs Entschiedenste jedoch belastete die Beziehung zu „Juden“ die im NT geschilderten Ereignisse.

Definition von „Jude“

Das Verständnis für diese Fragen wird dadurch erschwert, dass die Frage aller Fragen, „Wer ist ein Jude?“, bis heute nicht geklärt wurde. Im Vorfeld wurde bereits geschildert, wie die Wissenschaft vor, während und nach dem Nationalsozialismus die „Juden“ einmal als „Mischvolk“, also ethnisch undefinierbar bezeichnete und einmal für eine Religionsgemeinschaft hielt. Aus der Sicht von guten Christen, der noch besseren Juden und Nationalsozialisten sind die „Juden“ ein „Mischvolk“ und gleichzeitig eine geschlossene, hochwertig gezüchtete Gruppe, um nicht „Rasse“ zu sagen. Das ist ein Widerspruch in sich, weil sich Inzest und „Mischvolk“ gegenseitig ausschließen. Nach halachistischer (nicht zu verwechseln mit „Holocaust“) Auslegung ist „Jude“, dessen Mutter „Jüdin“ ist, ein Mutterjude, sozusagen. Anders leiten Hebräer ihre Nationalität vom Vater, sowie von der Mutter ab. Und manche andere wiederum meinen, einer, der sich für einen „Juden“ hält, ist einer.

Die Umstellung auf die Mutter beruht auf der rabbinischen Legende über Vergewaltigungen und Pogrome im Mittelalter, als massenhaft uneheliche „Bastarde“ geboren wurden. Um sie zu schützen und in die Gesellschaft integrieren zu können, war eine Legitimierung notwendig, und deshalb wurde die Abstammung von der Mutter eingeführt. So eine Sorge um den Nächsten! Dass die Nationalität gleichermaßen von Vater und Mutter abgeleitet werden kann, wie es bei den Hebräern seit Adam gängig war, erahnten die Rabbiner nicht. Dazwischen vergingen 15 Jahrhunderte, und obwohl die Pogrome vorbei (das Mittelalter auch) und die armen „Bastarde“ längst verstorben, wurde diese Einstellung nicht geändert und überhaupt nicht mehr hinterfragt. Scheinbar sahen die Gründe für einen Koordinatenwechsel ein wenig anders aus.

Vielleicht erforderte die Ausbreitung des Islam diese Umstellung, um Araber aus Abrahams Erbschaft auszuschließen und dadurch Isaak zum einzigen und unangefochtenen Erben zu erklären. Danach müssten sich die Ismaeliten mit dem Nachlass, einem Schlauch mit Wasser, begnügen. Unbestritten ist aber, dass nach arabischem Vaterrecht Abrahams Nachlass dem erstgeborenen Ismael zu-

steht, und gegen diesen Anspruch hilft auch die Umstellung auf das Mutterrecht nicht. Schon längst wurde dieser Fall einwandfrei abgeschlossen, denn gemäß damaliger Gesetzeslage bekam die Sklavin H‘agar die Scheidung und für die Überbrückungszeit einen Schlauch mit Wasser. Diese Erbschaftssache erneut zu überprüfen, stellt die Rechtmäßigkeit von Abrahams Entscheidung in Frage und ist an sich fragwürdig, da dann jeder im Nachhinein und rückwirkend rehabilitiert oder, im Gegenteil, verurteilt werden könnte, z.B. Kain oder die im Mittelalter verbrannten Hexen. Diese Akrobatik kann längst vergangene Tatsachen kaum ändern, wie folgende Anekdote veranschaulicht:

Ein Jude tritt in das Christentum über. Der Priester besprenkelt ihn drei Mal mit Heiligem Wasser und sagt: „Du bist kein Jude, du bist kein Jude, du bist kein Jude! Nun, drei Tage darfst du keinen Fisch essen“.

Nachts guckt der Priester durch das Schlüsselloch und sieht auf dem Tisch einen großen Fisch, der Jude besprenkelt ihn mit Heiligem Wasser und sagt: „Du bist kein Fisch, du bist kein Fisch, du bist kein Fisch!“

Eigentlich war Ismael, der erstgeborene Sohn des hebräischen Abraham, auch ein Hebräer. Einmal angenommen, Isaak wäre nicht geboren, dann ist Ismael als Abrahams Sohn ein Hebräer, genauso sein Sohn Nabat, dessen Nachkommen dann das große hebräische Reich der Nabatäer gründen. Die Geschichte hätte ganz anders aussehen können. Ob Nabat ein Sohn oder eine Tochter war, konnte die Bibelforschung nicht eindeutig klären, und wieder, was für ein Pech, nach dem Mutterprinzip wären auch die Nachkommen der Hebräerin Nabat ebenfalls Hebräer und würden damit Abrahams Erbe beanspruchen. Die Rabbiner im Mittelalter haben das, wenn überhaupt, gar nicht bedacht, es sei denn, sie haben eine andere Idee verfolgt.

Das war eine Gedankenspielerei, nun aber wird es ernst. Mohammed hatte acht Kinder, „von seinen Kindern sind acht namentlich bekannt. Fatima, seine jüngste Tochter, war das einzige Kind, dessen Nachkommen bis ins Erwachsenenalter überlebten.“ (2) Nach islamischer Überlieferung wird Mohammeds Frau Khadija/Chadidscha, die Mutter von Fatima, für eine Jüdin gehalten, wonach dann Mohammeds Nachkommen Juden sind. Welche Juden sind dann echt, die rabbinischen oder mohammedanischen, das ist noch die Frage. (3) Auch wenn Chadidscha keine Jüdin war, müsste sie erfunden werden, damit die „Juden“ und Araber noch näher zusammenrücken und die Wissenschaft von „semitischen Völkern“, das Judentum von „Onkelsöhnen“ sprechen kann, mit

der logischen Konsequenz: eine Familie, ein gemeinsamer Gott.

Die Umstellung auf das Muttergesetz hat auch ihre Vorgeschichte. Die Vorstellung von der „Rassereinheit“ der Juden schöpft aus der Erzählung über die Ausweisung fremder Frauen nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil.

Esra

Babylonisches Exil

In Wikipedia steht geschrieben, mickrige „4.600“ Volksangehörige wurden nach Babylon gebracht:

„Laut dem Buch Jeremia mussten bis 582 bei drei Ausweisungsaktionen insgesamt 4.600 Menschen ihre Heimat verlassen (Jer. 52, 28–30).“ (4)

Nach Esras Angaben erreichte „die ganze Versammlung“ der Ausreisewilligen, Knechte und Folkloregruppen mitgezählt, sogar insgesamt 49.897 Personen.

„Die ganze Versammlung insgesamt war 42.360, außer ihren Knechten und ihren Mägden; diese waren 7.337. Und sie hatten noch 200 Sänger und Sängerinnen.“

Dazu schreibt ein Schreiber in Wikipedia rein:

„Die Richtigkeit dieser detaillierten, in sich schlüssigen Berichte wird in Zweifel gezogen. Vier Generationen zuvor gelangten nur höchstens 10.000 Judäer in das babylonische Exil, von denen aber eine große Anzahl nicht zurückkehrte. Die Zahlen scheinen insgesamt zu hoch zu sein.“

Eine bewährte Methode: erst eine Zahl von 10.000 Juden unterstellen, dann erfolgreich widerlegen. Vier Generationen in 70 Jahren bedeutet, eine Generation dauert 18 (17,5) Jahre. Warum eigentlich nicht 5 Generationen? Liegt das an der Altersbeschränkung aus Rücksicht auf den gesetzlichen Jugendschutz bis 14 Jahre (70:5)? Und das scheint sogar für den Reinschreiber viel zu gering zu sein.

Das Babylonische Exil dauerte nicht ewig, nur klägliche 70 (50) Jahre. Ein Opa kam nach Babylon, und sein Sohn mitsamt Enkeln ist wieder da, in Judäa. 70 Jahre vorher, noch im Land Israel-Judäa, wären das abgerundet 50.000 Rückkehrer, berechnet mit minus 1,74 % Zuwachstempo, 14.633 Personen gewesen, also einige mehr als „4.600 Menschen“. Handelte nun der jeweilige König so unwirtschaftlich, indem er alle vertrieb und auf Tributzahlungen verzichtete? Hauptsächlich wurden Intellektuelle und damalige Wikipedia-Schreiber nach Babylon verfrachtet, aber bestimmt nicht das ganze Volk Israel, die Arbeiter und Bauern blieben im Land.

Nach ungeprüften Quellen Tiglat Palasar‘s III. wurden aus Samaria „27.290“, nach assyrischen Quellen aus Galiläa noch weitere „13.250“, zusammen also 40.540 abgeführt, so landeten im Babylonischen Exil viel mehr als die 14.633 Weggeführten. (5) Und umgekehrt, nach 70 Jahren in Babylon vermehrten sich die 40.540 Umsiedler auf 135.614, davon wurden mit Esra 50.000 nach Judäa heimgeholt, das heißt, die Mehrheit der 85.614 (135.614 -50.000) blieb in Babylon und arbeitete tüchtig am Talmud.

10 Stämme

Einer eingefahrenen Vorstellung nach kehrten nur eineinhalb Stämme zurück, die anderen lösten sich in Luft auf, aber seit ein paar tausend Jahren wird reinen Gewissens nach diesen 10 Stämmen gesucht und in den nächsten tausend Jahren weiter gefahndet. Generationen von Forschern und Wissenschaftlern bekommen dadurch eine Beschäftigung garantiert, bis sie sich dann nach mühevoller Arbeit in den wohlverdienten Ruhestand begeben können. Wie jemand sagte, ein gutes Gewissen ist manchmal ein Zeichen von Alzheimer.

Die eifrig gesuchten Stämme müssen irgendwo isoliert gelebt haben und nach 2000 Jahren doch noch erhältlich sein. War das ein langwieriger Inzest, oder kommt umgekehrt eine „hochrassige“ Zucht dabei heraus? Ein Vergleich, laut Wissenschaft wird die Zahl der Assyrer auf 2.970.750 geschätzt, das ist alles, was von einem der größten Reiche der Antike übrigblieb. (6) Und vom Aramä-ischen Reich blieben weltweit 4 bis 6 Millionen Aramäer übrig. (7) Die Kinderfrage stellt sich: Wenn große Nationen in zweitausend Jahren auf 4 - 6 Millionen einschrumpften, wie viel der verlorenen Israeliten sollen übriggeblieben sein?

Längst ist bekannt, dass die von irgendjemand irgendwann erfundene Zahl 10 (Stämme) gar nicht stimmt. (8) Selbst bei dieser simplen Frage kommen die wissenschaftlichen Forscher zu keinem Ergebnis. Die verlorenen Stämme werden in Afghanistan, Pakistan, Äthiopien, Südafrika, Uganda, Japan, China, Russland vermutet, der Stamm Manasse sogar in Indien (Himalaja?). Kurzum, überall da, wo sie nicht sind. (9)

Zur allgemeinen Enttäuschung gibt es keine verschollenen 10 Stämme. Eine Stammesbezeichnung war schon längst passé, da sich die Stämme untereinander mächtig gekreuzt haben, im umgekehrten Fall wäre das wiederum ein Blutschande-Skandal. Vielleicht sind die aufgelösten Stämme doch da, wo sie waren, im Irak, und wurden inzwischen Iraker? Kam jemand auf die Idee, die DNA von Saddam Hussein auf Anteile eines Priestergenoms zu untersuchen?

Rückkehrer

Bis in die Zeit der Könige wurden die Stämme als „Hebräer“ oder „Volk Israel“ bezeichnet, dagegen begnügt sich Esra in seinem Buch mit den Bezeichnungen „Judäer“ und „Benjamin“, und das ist, wie heute üblich, nichts anderes als eine rein territoriale Zuschreibung. Das war Theorie und jetzt zur Praxis. Zurückgekehrt sind, so die Bibel, die „Häupter der Sippen aus Juda und Benjamin und die Priester und Leviten“. Bitte sehr, nicht vom „Stamm Juda“ und nicht vom „Stamm Benjamin“, sondern von Sippen wird geschrieben, „AUS Judäa und Benjamin“. Und noch etwas, der Stamm Benjamin wurde bereits zu Urzeiten ausgerottet und konnte beim besten Willen nicht am Exil teilnehmen, die Rede ist also von der Bevölkerung aus dem Land Benjamin. Davon abgesehen, das „Land Judäa“ und das „Land Benjamin“ wurden dank König David ein und dasselbe Land. Tatsächlich wurden die eingewanderten Auswanderer nicht nach Stammeszugehörigkeit klassifiziert, sondern territorial nach ihren Herkunftsorten:

„…die Söhne Pachath - Moabs“, „die Söhne Bethlehems“, „die Männer von Netopha“, „die Söhne Kirjath - Arims, Kephiras und Beeroths“, „die Männer von Bethel und Ai“, „die Söhne Nebos“, „die Söhne Lods, Hadids und Onos“ und „die Söhne Jerechos“.

„Mischvolk“

Esras großes Trauma, dass das „heilige Volk sich vermischt (hat) mit den Völkern des Landes“, wurde zu seinem Hauptanliegen.

„Als das alles ausgerichtet war, traten die Oberen zu mir und sprachen: Das Volk Israel und die Priester und Leviten haben sich nicht abgesondert von den Völkern des Landes mit ihren Gräueln, nämlich von den Kanaanitern, Hetitern, Perisitern, Jebusitern, Ammonitern, Moabitern, Ägyptern und Amoritern; denn sie haben deren Töchter genommen für sich und für ihre Söhne und das heilige Volk hat sich vermischt mit den Völkern des Landes. Und die Oberen und Ratsherren waren die Ersten bei diesem Treubruch.“

Was meinte er mit „Volk Israel“ und „Völkern des Landes“? Die „Häupter der Sippen aus Juda und Benjamin und die Priester und Leviten“ sind bei weitem noch kein „Volk Israel“, und längst schon waren die „Kanaaniter, Hetiter, Perisiter, Jebusiter, Ammoniter, Moabiter, Ägypter und Amoriter“ vergangen. Esra bezieht sich auf eine Vorgeschichte, als sich das „Volk Israel“, die Priester und selbst die Leviten während ihres Aufenthalts in Ägypten mit Ägyptern, in Kanaan mit Kanaanitern und so fort tüchtig vermischten. Und jetzt, der ganze Witz, wollen Priester und Leviten, „die Oberen und Ratsherren“, selbst Produkte von „Mischehen“, plötzlich „Mischehen“ den Kampf ansagen.

Eine löbliche Absicht.

Kommission

Nicht alle taten, wie versprochen, heftiger Widerstand kam gegen die Forderung auf, freiwillig auf fremde Frauen und Kinder zu verzichten, und eine Kommission nahm sich dieser Sache an.

„Doch die aus der Gefangenschaft gekommen waren, taten, wie sie versprochen hatten. Und der Priester Esra sonderte sich Männer aus, die Häupter ihrer Sippen, alle namentlich genannt, und sie traten zusammen am ersten Tage des zehnten Monats, um diese Sache zu untersuchen.“

Die von der Kommission erwischten 107 Männer sollten sich freiwillig von ihren Frauen und Kindern scheiden lassen. Da „die Oberen und Ratsherren die Ersten bei diesem Treubruch (waren)“, konnte es sich vom Alter her nur um Opas handeln, die noch im Land Israeljudäa geheiratet hatten. Der Ausschluss wegen einer „Mischehe“ betraf zum Teil vier Generationen, 107 Frauen mit Kindern (Enkeln) wurden weggeschickt, aber, sieh mal an, kein einziger babylonischer Mann, warum?

Ob alle „Mischehen“-Verbrecher bestraft wurden, bleibt zweifelhaft. Wie war es wirklich? Nach Judäa kehrten „Sippen“ und Großfamilien zurück, und falls sie mehrheitlich untereinander heirateten, riskierten sie Inzucht. Der Rest blieb scheinbar aus beruflichen und/oder familiären Gründen in Babel, z.B. wegen ihrer Ehen mit babylonischen Frauen.

Esras Entscheidung in Bezug auf „fremde Frauen“ hatte schwerwiegende Folgen. Neuerdings schreiben Esras Vollstrecker die Bibel um, indem sie behaupten, dass, als der ägyptische König befahl, „Wenn es ein Sohn ist, so tötet ihn, und wenn eine Tochter, so mag sie leben.“, daraufhin „das ganze Israel ist aufgestanden und vertrieb die fremden Frauen.“ Selbstverständlich wird diese absurde Szene rückwirkend und im Nachhinein mit dem Talmud belegt. (9) Der ahnungslose Mose hat davon nichts mitgekriegt, er heiratete die Midianiterin Zipora und hatte von ihr 2 Söhne, Gerschom und Elieser.

Edikt-Juden

Die Bezeichnung „Juden“ taucht laut Wissenschaft und allgemeinem Konsens erstmals nach dem Babylonischen Exil auf - das erinnert an eine neuzeitliche Begebenheit, als im Jahr 1964 per Beschluss die Palästinenser ins Leben gerufen wurden. (10) Diese Edikt-Juden, oder verkürzt, deren klerikal-politische Führung, wurden von Persien für die Kolonialverwaltung erschaffen - eine bis heute weit verbreitete Praxis und keine neue Erfindung. Im Auftrag von Großmächten wurden immer schon einheimische Spezialkräfte in den Kolonien ausgewählt und eingesetzt, diese erledigen die Arbeit einfach besser. In die Weltgeschichte sind sie als Mamelucken im Osmanischen Reich, Quislinge und anderswo als Judenrat eingegangen und galten gemeinhin als Kollaborateure. Aber zu den Edikt-Juden gab es einen spezifischen Unterschied, in Judäa entstand, wie in Indien, eine Kaste, die über „Reinheit und Unreinheit“ bestimmte, insofern könnte es spannend sein, die Bildung einer Kaste von Anfang an zu beobachten.

Zur gleichen Zeit (500 v.), als sich das Gebiet des Persischen Reiches bis zum Fluss Hindus ausdehnte, verkündete Dareios I. seine „arische Abstammung“.

„Dareios I, König von Persien (521 bis 486 v..) proklamierte in einer Inschrift in Naqsch-e Rosta, in der Nähe des heutigen iranischen Schira: Ich bin Darius, der große König, ein Perser, Sohn eines Persers, ein Arier, welcher eine arische Abstammung hat.“ (11)

Die Rückkehrer wurden nicht wegen ihrer Abstammung vom Stamm Juda als „Juden“ bezeichnet, oder weil sie einmal in Judäa lebten, sondern weil das Kyros-Edikt sie mit dem Aufbau des Tempels in Judäa beauftragte und ihr Bestimmungsort „Judäa“ hieß.

„Nach Darstellung der Bibel ist das Kyros-Edikt von den Heimkehrern als Aufruf zum Wiederaufbau des Jerusalemer Tempels verstanden worden. Und dieser sollte auch nur für sie bestimmt sein. So verwehrte man unter Berufung auf Kyros' angeblichen Befehl – bis in die Zeiten Esra galten nur die „Erben“ des Kyros-Edikts als Juden – der im Lande gebliebenen Bevölkerung, sich an dem Bau zu beteiligen. Zum anderen soll sich diese vehement gegen die Wiedererrichtung des Tempels gewandt haben.“

(12) Manche bezweifeln die Existenz des Kyros-Edikts, da sich bisher keine außerbiblische Bestätigung fand.

Die Trennung von fremden Frauen und Kindern ließ das „heilige Volk“ zu einem kleinen, „heiligen Volk“ schrumpfen, klein, aber fein. Die neu erschaffenen Edikt-Juden sind schwer als Volk zu bezeichnen, nicht, weil auch 50.000 dafür nicht ausreichen, sondern weil das Wesentliche fehlt, die so genannte Arbeiterklasse und die Bauern. Aber was für ein Unglück, die Priester, Leviten, Folkloristen und Türvorsteher waren nicht für Bau und Landwirtschaft prädestiniert. Für den Tempelbau war die „im Lande gebliebene Bevölkerung“ vorgesehen, die „sich vehement gegen die Wiedererrichtung des Tempels gewandt haben“. Verständlich, denn nach der Zerstörung des I. Tempels und damit ausfallenden Konkurrenz in Jerusalem konnten die verbliebenen Israeliten endlich frei aufatmen. Und jetzt kommt eine babylonische Garde und usurpiert die Macht. Der Verlauf der Geschichte zeigt, wie oft Judäer gegen Israeliten ein Komplott schmiedeten, diesmal unter der Schirmherrschaft der Perser.

Gemisch von Völkern

Die einheimische Bevölkerung wurde wenig variabel, meist aber negativ beschrieben, auch in der christlichen Literatur, z.B. als „Gemisch von Völkern“.

„Die Samariter, jenes Gemisch von Völkern, deren Vorfahren Sargon II. nach der Eroberung Samarias vor beinahe zweihundert Jahren dorthin gebracht hatte, wollten am Bau und an der Benutzung dieses Tempels teilhaben.“ („Vom Paradies bis Golgatha“ von Nelson Beecher Keyes)

Die Samariter werden als „Gemisch von Völkern“ erklärt und keiner bemerkt den rassistischen Beigeschmack.

Einmal heißt es, die Einheimischen „wollten an Bau und an der Benutzung dieses Tempels teilhaben“, ein anderes Mal, sie haben sich „vehement gegen die Wiedererrichtung des Tempels gewandt“. Die Zahlen sprechen für sich, die Errichtung des Tempels ging zügig voran, in 2 Jahren oder in 17 Jahren (macht das einen Unterschied?) war der Bau schon fertig.

„Nachdem der Perserkönig Kyros II. im Jahr 539 v. Chr. das babylonische Reich erobert hatte, erlaubte er die Rückkehr einzelner Personengruppen in ihre Heimat jenseits des Tigris. Namen nennt das Kyros-Edikt, mit dem dies verkündet wurde, nicht, und es enthält auch keine Anordnung zum Wiederaufbau des Jerusalemer Tempels, mit dessen Errichtung 517 v. Chr. begonnen wurde und der im März des Jahres 515

v. Chr. so weit fertiggestellt war, dass die Juden ihrem Gottesdienst dort wieder nachgehen konnten. (Flavius Josephus berichtet dagegen in seinem Werk „Über die Ursprünglichkeit des Judentums“, dass im zweiten Jahr des Kyros das Fundament des Tempels gelegt und er im zweiten Jahr des Dareios I. fertiggestellt wurde. Danach währte der Bau von 538 bis 521 v. Chr.).“

Anscheinend widersetzte sich die arbeitsunwillige Bevölkerung doch, anders ist die per Erlass angedrohte Strafe des persischen Königs nicht zu erklären:

„Und von mir wird Befehl gegeben: Der Mensch, der diesen Erlaß abändern wird, von dessen Hause soll ein Balken ausgerissen und er, aufgehängt, daran geschlagen werden; und sein Haus soll dafür zu einer Kotstätte gemacht werden.“

Nicht mehr und nicht weniger als persische Staatsräson war der Tempelbau nämlich, und an einem Balken hängen wollte keiner - eine gute Stimulation für den Bau des Tempels in 2 statt 17 Jahren.

Scheinbar ging es auch bei Esra nicht ohne Gewaltandrohung, die Einladung zur Debatte über das „Mischehe“-Verbot sieht so aus:

„Und wer irgend binnen drei Tagen nicht käme, nach dem Rate der Obersten und Ältesten, dessen ganze Habe sollte verbannt, und er selbst aus der Versammlung der Weggeführten ausgeschlossen werden.“

Die Einheimischen wehrten sich „mit Gewalt und Macht“, so dass Esra die königliche Befehlsgewalt in Anspruch nehmen musste: „Und ein jeder, der das Gesetz deines Gottes und das Gesetz des Königs nicht tun wird, an dem soll mit Eifer Gericht geübt werden, sei es zum Tode, oder zur Verbannung, oder zur Buße an Gütern, oder zum Gefängnis.“ Und es wurde sogar eine militärische Unterstützung in Erwägung gezogen: „Denn ich schämte mich, von dem König eine Heeresmacht und Reiter zu fordern, um uns gegen den Feind auf dem Wege beizustehen (…).“ Schon bei der Ankunft in Judäa musste Esra mit seinen Leuten „von der Hand des Feindes und des am Wege Lauernden“ errettet werden. Dennoch, ein Teil der Volksfeinde war bereitwillig, den Tempel mitzugestalten, wurde aber abgelehnt.

„Und die Feinde Judas und Benjamins hörten, daß die Kinder der Wegführung dem Herrn, dem Gott Israels, einen Tempel bauten; und sie traten zu Serubbabel und zu den Häuptern der Väter und sprachen zu ihnen: Wir wollen mit euch bauen; denn wir suchen euren Gott wie ihr; und ihm opfern wir seit den Tagen Esar-Haddons, des Königs von Assyrien, der uns hierher heraufgeführt hat. Aber Serubbabel und Jeschua und die übrigen Häupter der Väter Israels sprachen zu ihnen: Es geziemt euch nicht, mit uns unserem Gott ein Haus zu bauen; sondern wir allein wollen dem HERRN, dem Gott Israels, bauen, wie der König Kores, der König von Persien, uns geboten hat. Da suchte das Volk des Landes die Hände des Volkes Juda schlaff zu machen und sie vom Bauen abzuschrecken.“

Die Ablehnung betraf die assyrischen Verwandten der Hebräer. Ob sie weniger semitisch als Esra und seine Garde waren? Oder weniger “glaubensrein“? Wollte Esra den Kuchen mit niemandem teilen, oder glaubte er tatsächlich an einen anderen Gott als sie? Die assyrischen Verwandten zählten unglücklicherweise zur Kategorie eines besonders „unreinen Volks“, nur weil sie unlängst Kriegsgegner Persiens waren, da half kein „reiner“ Glaube. Aber sie waren diejenigen, die unbedingt am „Bau und an der Benutzung dieses Tempels teilhaben“ wollten.

Tempelbau

Übrigens, was Esra da wirklich baute, wird in ein großes Geheimnis gehüllt. Oft wurden Tempelbauten von Herodes der Große als Esras Tempel ausgegeben. Hat Esra tatsächlich die ganze Tempelanlage des Herodes erschaffen? Auch darüber berichtet die Bibel, die Urkunde des königlichen Befehls ordnet eine sechzig Ellen (-bogen) hohe und sechzig Ellen breite Scheune an.

„Im ersten Jahre des Königs Kores gab der König Kores Befehl: Das Haus Gottes in Jerusalem anlangend: Dieses Haus soll wieder aufgebaut werden als eine Stätte, wo man Schlachtopfer opfert. Und seine Grundlagen sollen aufgerichtet werden: seine Höhe sechzig Ellen, seine Breite sechzig Ellen.“

Eine Grundfläche von 100 qm entspricht etwa der eines Privathauses, kein Wunder, dass sein „Volk“ nicht reinpasste und draußen im Regen stand. (13) Und für etwas, das kaum größer als das Foyer König Salomos war, soll Esra, laut wissenschaftlichen Angaben, zwischen 15 und 22 Jahre gebraucht haben:

„Und die Halle vor dem Haus: 20 Ellen war ihre Länge vor der Breite des Hauses her; 10 Ellen war ihre Breite vor dem Haus her.“

Kyros II. soll es, aus wissenschaftlicher Sicht, gewesen sein, der im Jahr 539 v. das Edikt erließ und im Jahr 517 v. wurde der Tempelbau beendet. Pünktlich im Jahr 397 v. kam Esra nach Jerusalem, das sind 120 Jahre (517-397 v.) nach der Fertigstellung des Tempels.

„(…) Wiederaufbau des Jerusalemer Tempels, mit dessen Errichtung 517 v. Chr. begonnen wurde und der im März des Jahres 515 v. Chr. so weit fertiggestellt war, dass die Juden ihrem Gottesdienst dort wieder nachgehen konnten.“ (12)

Alle wissen gut Bescheid, bei bibelkommentare.de beginnt der Tempelbau im Jahr 445 v., und nach 50 Jahren, im Jahr 396 v. erfolgt das Bauende. (14) Was hat Esra denn überhaupt gebaut, wenn der vollendete Tempel schon seit 120 Jahren dastand? Wer irrt sich nun - die Bibelweisen mit ihrem Tempelbau im Jahr 445 v. (oder sogar 350 v.) oder die Wissenschaftler mit dem Jahr 517 v.? Eine schwierige Frage.

Die Stellungnahme der Profis dazu: die von Esra und Nehemia initiierte und gesteuerte Einwanderungswelle, genannt „die Einwanderung von Esra und Nehemia“, hat den Tempel im Jahr 515 v. fertig gestellt, und das, obwohl der langlebige Esra erst im Jahr 459 v. höchstpersönlich in Jerusalem auftauchte, also 56 Jahre später. Unbeantwortet bleibt die Frage nach den 120 Jahren. Mit welchem Organ denken die zuständigen Wissenschaftler? Unter den vielen Vorschlägen bei bibleserver.com ist anderes zu finden:

„Zu den Zeiten Artasastas schrieben Bislam, Mitredat, Tabeel und ihre übrigen Genossen an Artasasta, den König von Persien. (…) Als nun der Brief des Königs Artasasta vor Rehum und Simsai, dem Schreiber, und ihren Genossen verlesen worden war, eilten sie nach Jerusalem zu den Juden und wehrten ihnen mit Gewalt und Macht. (…) hörte das Werk am Haus Gottes in Jerusalem auf, und es kam zum Stillstand bis in das zweite Jahr der Regierung des Königs Darius von Persien.“ (15)

Nochmal - der Protest von Rehum und Simsai bewirkte den Baustopp unter Artasastas (465-424 v.), der im zweiten Jahr der Regierung des Königs Darius II. (423 - 404 v.) wieder aufgehoben wurde.

Tragischer Weise besteht auch über die Datierungen der Regierungszeiten der persischen Könige keine Einigkeit, sogar die Reihenfolge ist unklar. Nur in deutscher Wikipedia wurde das letzte Wort gesprochen, die Daten wurden glatt aufeinander abgestimmt, wie eine glatte Lüge, denn die Regierungszeit von Darius I. bleibt ungewiss und über die von Artasasta gibt es gar keine Angaben. Zur Orientierung folgende Regierungszeiten:

Kyros I. „ca. 640 – ca. 600 v. Chr. datiert, doch wird eine spätere Datierung (ca. 610–585) erwogen“. (16)

Kyros II. (559 v. Chr. bis 530 v.) (17)

Dareios I. (geb. * 549 v. Chr.; † 486 v. Chr.). (18)

Xerxes I. (486 bis 465 v.) (19)

Artasasta (465–424 v.), oder woanders „von 404 v. Chr. bis zu seinem Tod per-

sischer Großkönig“.

Dareios II. (423 bis 404 v.) (20)

Esras Angaben taugen noch weniger als die der Wissenschaftler, trotzdem lohnt sich vielleicht ein Blick in „Esras Buch“, um ein eigenes Urteil zu bilden:

„Und im ersten Jahr (…) kündigte König Kores an: „Alle Königreiche der Erde hat der HERR, der Gott des Himmels, mir gegeben; und er hat mich beauftragt, ihm ein Haus zu bauen in Jerusalem, das in Juda ist.“

Falls Kores II. den Tempelbau veranlasste, begann der Bau im Jahr 558 v., im zweiten Jahr seiner Regierung (559-1).

„Und im 2. Jahr ihres Kommens zum Haus Gottes in Jerusalem, im 2. Monat, (…) sie bestellten die Leviten von 20 Jahren an und darüber, um Aufsicht zu führen über das Werk des Hauses des HERRN.“

Der Tempelbau endete im „6. Jahr der Regierung des Königs Darius“, das war unter Perserkönig Darius II. und im Jahr 417 v. (423-6).

„...sie bauten und vollendeten nach dem Befehl des Gottes Israels, und nach dem Befehl Kores' und Darius' und Artasastas, des Königs von Persien. Und dieses Haus wurde beendet bis zum 3. Tag des Monats Adar, das ist das 6. Jahr der Regierung des Königs Darius.“

Und erst im siebten Jahr des Königs Artasasta, als der Tempel schon längst fertig war, wurde nach einem Beschwerdebrief lediglich veranlasst, dass „man diesen Männern wehre, damit diese Stadt nicht gebaut“ wird, und zwar im Jahr 458

v. (465-7). Den Beschwerdebrief verfassten Rehum, der Statthalter, und Simsai, der Schreiber, die eben auch, wie all ihre Genossen, aus jenen „Völkern“ stammen, „die der große und berühmte Asnappar wegführte und in den Städten Samarias wohnen ließ, und in dem übrigen Gebiet jenseits des [Euphrat-]Stromes.“ Es waren dieselben, die mitmachen wollten, aber nicht durften, weil sie in den Städten Samarias gewohnt hatten und „unkoscherer“ Abstammung waren. Ein schwerwiegendes Vergehen! Das gut gemeinte Angebot bereitwilliger Bauarbeiter, die zwar „reinen Glaubens“, aber „unkoscherer“ Herkunft waren, wurde selbstverständlich abgelehnt.

Gestoppt wurde der Bau der Stadtmauern nur, weil die Rückkehrer die „böse Stadt wieder aufbauen wollen und dass sie die Mauern vollenden und die Grundfesten ausbessern wollen.“ Schon damals wurde den neugewonnenen Juden vorgeworfen, dass „sie keine Steuern, weder Zoll noch Weggeld mehr geben.“

Nach Jerusalem kam Esra, laut eigenen Angaben, im 7. Regierungsjahr des persischen Königs Artasastas, 459 v. (465-7).

„Und nach diesen Begebenheiten, unter der Regierung Artasastas, des Königs von Persien, zog Esra (…) herauf von Babel...“

„Und mit ihm zogen herauf einige von den Kindern Israel und von den Priestern und den Leviten und von den Sängern, Torhütern und den Tempelsklaven nach Jerusalem, im siebenten Jahre des Königs Arthahsastha.“ (Esra 7,7)

Also, er kam im 5. Monat und im 7. Jahr des Königs nach Jerusalem, als der

Tempel schon längst stand, und nun wurde unerlaubterweise die Stadtmauer gesetzt. Die Frage ist dann, warum und mit welchem Auftrag wurde Esra wirklich nach Jerusalem geschickt?

Eigentlich ist die Dauer des Tempelbaus zweitrangig, trotzdem soll ein Absatz im NT über den Tempelbau, der mit Unterbrechungen 46 Jahre dauerte, nicht unerwähnt bleiben:

„Da fingen die Juden an und sprachen zu ihm: Was zeigst du uns für ein Zeichen, daß du dies tun darfst? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen will ich ihn aufrichten. Da sprachen die Juden: Dieser Tempel ist in sechsundvierzig Jahren erbaut worden, und du willst ihn in drei Tagen aufrichten?“ (Joh.)

Und erst dann, im 7. Jahr des Königs Artasasta, im Jahr 458 v. (465-7), kommt Esra endlich nach Jerusalem. Schon im 20. Jahr des Königs Artasasta, im Jahr 445 v. (465-20), 13 Jahre später, erfährt Esra in der weit entfernten, persischen Metropole Susa(n) von einem Unglück:

„Und es geschah im Monat Kislew des 20. Jahres, als ich in der Burg Susan war, da kam Hanani, einer von meinen Brüdern, er und einige Männer aus Juda. Und ich fragte sie nach den Juden, den Entronnenen, die von der Gefangenschaft übriggeblieben waren, und nach Jerusalem. Und sie sprachen zu mir: Die Übriggebliebenen, die von der Gefangenschaft dort in der Landschaft übriggeblieben sind, sind in großem Unglück und in Schmach; und die Mauer von Jerusalem ist niedergerissen, und seine Tore sind mit Feuer verbrannt.“

Bekannt sind in der Zeit von Darius I. „die Gründung von Persepolis und die Bautätigkeit in anderen Residenzstädten, vor allem in Susa“. Ausgerechnet „Zion-Rückkehrer“ Esra verlässt Jerusalem und begibt sich nach Susa.

Der Satz, „nach dem Befehl Kores' und Darius und Artasastas, des Königs von Persien“, bestätigen Dauer und Umstände des Tempelbaus, denn alle Beteiligten sind aufgezählt, und weil Darius II. nach Artasastas kam, bleibt er in dieser Namensreihe unerwähnt. Eben auch deshalb ging der Tempelbau nicht „weiter los im zweiten Jahr der Regierung des Königs Darius II. (423-404 v.).“

„Mischehe“

Die Tora-Schlaumeier enttarnen sich oft durch ihren Verweis auf die von den Herrschenden geschriebenen und umgeschriebenen Überlieferungen, woraus sie folgern, die Tora sei nicht objektiv. Von heute aus gesehen erscheint die damalige Gesellschaft schon als korrupt und heuchlerisch - eine gute Projektionsfläche. Aber falls Esra tatsächlich korrigierend in den Tanach eingriff, träfe genau das zu. Im Vergleich zu den fünf Büchern Moses ist in Esras Werk ein deutlicher Qualitätsverlust spürbar und ein merkwürdiger Satz zu finden:

„Und nun, unser Gott, was sollen wir nach alledem sagen? Wir haben deine Gebote verlassen, die du durch deine Knechte, die Propheten, gegeben hast, als sie sagten: Das Land, in das ihr kommt, um es in Besitz zu nehmen, ist ein unreines Land durch die Unreinheit der Völker des Landes mit ihren Gräueln, mit denen sie es von einem Ende bis zum andern Ende in ihrer Unreinheit angefüllt haben. So sollt ihr nun eure Töchter nicht ihren Söhnen geben, und ihre Töchter sollt ihr nicht für eure Söhne nehmen. Und lasst sie nicht zu Frieden und Wohlstand kommen ewiglich, damit ihr mächtig werdet und das Gut des Landes esst und es euren Kindern vererbt auf ewige Zeiten“.

Dieser Absatz bildet die Basis zum „Mischehe“-Verbot, aber um welche anonymen Propheten handelt es sich, und wo sollen sie das gesagt haben? Wieder nur Gerüchte und andere zuverlässige Quellen? Nicht wieder Wikipedia-Propheten! Aber „Propheten“ trifft es schon mal gut, es war Mose selbst:

„Wenn der HERR, dein Gott, dich in das Land bringt, wohin du kommst, um es in Besitz zu nehmen, und viele Nationen vor dir hinaustreibt: die Hethiter und die Girgasiter und die Amoriter und die Kanaaniter und die Perisiter und die Hewiter und die Jebusiter, sieben Nationen, größer und stärker als du, und der HERR, dein Gott, sie vor dir dahingibt, und du sie schlägst, so sollst du sie ganz und gar verbannen; du sollst keinen Bund mit ihnen machen, noch Gnade gegen sie üben. Und du sollst dich nicht mit ihnen verschwägern: deine Tochter sollst du nicht seinem Sohne geben, und seine Tochter sollst du nicht für deinen Sohn nehmen; denn sie würden deine Söhne von mir abwendig machen, daß sie anderen Göttern dienten; und der Zorn des HERRN würde gegen euch entbrennen, und er würde dich schnell vertilgen. Sondern so sollt ihr ihnen tun: ihre Altäre sollt ihr niederreißen und ihre Bildsäulen zerbrechen und ihre Ascherim umhauen und ihre geschnitzten Bilder mit Feuer verbrennen. Denn ein heiliges Volk bist du dem HERRN, deinem Gott; dich hat der HERR, dein Gott, erwählt, ihm zum Eigentumsvolke zu sein aus allen Völkern, die auf dem Erdboden sind. Nicht weil euer mehr wären als aller Völker, hat der HERR sich euch zugeneigt und euch erwählt; denn ihr seid das geringste unter allen Völkern; sondern wegen des HERRN Liebe zu euch, und weil er den Eid hielt, den er euren Vätern geschworen, hat der HERR euch mit starker Hand herausgeführt und dich erlöst aus dem Hause der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten.“ (5.Mose 7)

Aus den 7 Völkern bei Mose, „Hethiter und die Girgasiter und die Amoriter und die Kanaaniter und die Perisiter und die Hewiter und die Jebusiter“, wurden bei Esra 8, „Kanaaniter, Hethiter, Perisiter, Jebusiter, Ammoniter, Moabiter, Ägypter und Amoriter.“ Bei Esra fallen die „Girgasiter“ und „Hewiter“ weg, die „Ammoniter, Moabiter, Ägypter“ kommen hinzu, ausgerechnet die, die von Mose verschont blieben. Ein seltsamer Umgang mit der Heiligen Schrift, denn sogar ein „Tüpfelchen“ darf darin nicht angetastet werden. Und die Idee, dass wenn „eure Töchter ihre Söhne heiraten und eure Söhne heiraten ihre Töchter, werden eure Kinder nicht erben“, muss einer noch verstehen.

Was für ein freizügiger Umgang mit Zitaten aus der Tora! Anscheinend kannte Esra die Quelle nicht, oder verheimlichte dies, aber er kam auf eine höchst eigenwillige Interpretation. Hoffentlich endete damit sein Beitrag, und der Tanach wurde von anderen verfasst und punktiert.

Der Text von Mose entstand zeitgebunden vor 3.600 Jahren und berichtet von einer bestimmten Gegend mit längst vergangenen Völkern. Mit diesen Völkern konnte Esra beim besten Willen nicht in Kontakt treten und sie heiraten.

Kollektivschuld

Nicht unwesentlich ist ein Detail. Esra suchte die Ursache für das Unglück in „unserer Missetat“ und begründete damit die Notwendigkeit des „Mischehe“-Verbots:

„Von der Zeit unserer Väter an sind wir in großer Schuld gewesen bis auf diesen Tag, und um unserer Missetat willen sind wir und unsere Könige und Priester in die Hand der Könige der Länder gegeben worden, ins Schwert, ins Gefängnis, zum Raub und zur Schmach, so wie es heute ist.“

Ein neuer Anfang und eine Wiedergutmachung sind immer lobenswert, die Frage ist nur, ob das Einspannen von Kollektivschuld für diesen Zweck berechtigt ist? Die schweren Anschuldigungen, wie „unsere Missetaten“, „unsere Schuld ist groß geworden bis an den Himmel“, erinnern etwa an die heutige Sprache der Regierenden. Eine eigenartige Konstruktion, er „schämt sich“ der „Missetaten“ längst Verstorbener, andere wiederum sollen dafür büßen. Unlogisch, aber wirkungsvoll.

„Mein Gott, ich schäme mich und scheue mich, mein Angesicht zu dir, mein Gott, zu erheben! denn unsere Missetaten sind uns über das Haupt gewachsen, und unsere Schuld ist groß geworden bis an den Himmel.“

Ein Vorgehen, wie bei der Serie verbrannter Hexen, erst unterstellen, dann anklagen und urteilen bzw. rehabilitieren. Wie es gelingt, diese Anschuldigungen mit Moses Gesetzen in Einklang zu bringen, ist ein Geheimnis, besonders, wo „der HERR geboten und gesagt hat: Nicht sollen Väter sterben um der Kinder willen, und Kinder sollen nicht sterben um der Väter willen, sondern sie sollen ein jeder für seine Sünde sterben.“ Das heißt in Kürze, jeder ist für sein eigenes Tun verantwortlich.

Motiv

Der kluge Gedanke könnte aufkommen, Moses Befehl, die midianitischen Frauen zu töten, verbirgt indirekt ein „Mischehe“-Verbot. Der Vergleich hinkt leider. Mose befand sich in einer schwierigen Situation, in einer Sackgasse. Die Moabiter versperrten den Weg nach Kanaan (Jericho), im Rücken standen verräterische Midianiter, auf rechter Flanke warteten die Amoriter-Könige Og und Sichon. Der Fleischvorrat war erschöpft, dazu kamen noch große Verluste durch Kämpfe und Säuberungen. Nur unter diesen Umständen, nicht vorher, nicht nachher, befiehlt Mose kurz vor dem Kampf gegen die Midianiter, jeden, der sich an den Baal-Peor hängt, zu töten. Nicht Geschlecht oder Hautfarbe, Beweggrund war das Bündnis der Midianiter mit den Moabitern gegen die Israeliten. Da in dieser kritischen Phase manche Israeliten eine Fünfte Kolonne bildeten, wurde, wohlgemerkt um der Gleichbehandlungwillen, zuerst ein israelitischer Mann getötet.

„Und Mose sagte zu den Richtern Israels: Erschlagt [sie], jeder seine Leute, die sich an den Baal-Peor gehängt haben! Und siehe, ein Mann von den Söhnen Israel kam und brachte eine Midianiterin zu seinen Brüdern vor den Augen Moses und vor den Augen der ganzen Gemeinde der Söhne Israel, als diese am Eingang des Zeltes der Begegnung weinten. Und als der Priester Pinhas, der Sohn Eleasars, des Sohnes Aarons, des Priesters, das sah, stand er aus der Mitte der Gemeinde auf und nahm einen Speer in seine Hand; und er ging dem israelitischen Mann nach in das Innere [des Zeltes] und durchbohrte die beiden, den israelitischen Mann und die Frau, durch ihren Unterleib.“

Und sieh an, „die Hethiter und die Girgasiter und die Amoriter und die Kanaaniter und die Perisiter und die Hewiter und die Jebusiter, sieben Nationen (…) sollst du sie ganz und gar verbannen.“, aber Midianiter, auch Edomiter, Amoniter und Moabiter blieben von diesem brutalen Übergriff verschont und in Moses „Eheschließungsverbot“ unerwähnt - hat er sie vergessen?

Also war die Tötung midianitischer Frauen eine kurzfristige, durch eine extreme Situation bedingte Entscheidung. Aus dem gleichen Grund wurden in der Sowjetunion während des Kriegs mit Polen alle Polen aus dem Staatsapparat und der Armee entfernt, ausgenommen Felix Edmundowitsch Dschersinski, und im II. Weltkrieg alle Deutsche. Geschah das wirklich aus rassistischen Gründen?

Die alte Frage, was ist schlimm daran, wenn „eure Töchter ihre Söhne heiraten und eure Söhne heiraten ihre Töchter“, und wieso werden „eure Kinder nicht erben“, wenn es doch so einfach läuft, ich – dir, du – mir? Die Erfahrung zeigt an den Beispielen von Ismael und Esau bis in die Gegenwart hinein, dass Söhne, die „ihre Töchter“ heirateten, für die Familie verloren waren. Zu den wenigen, die durch Scheidung diesem Schicksal entgingen, gehörten Abraham und Mose, sonst wäre die Genesis mit Abrahams Vater Terach beendet gewesen.

Farce

Die allererste Tat Esras bei seiner Ankunft in Jerusalem war das „Mischehe“-Verbot. Bereits in Babylon war er fragwürdige Priesterfamilien losgeworden, sie „konnten ihr Vaterhaus und ihre Abstammung nicht angeben, ob sie aus Israel wären.“ Die betroffenen 652 Söhne Barsillais‘, des Gileaditers, „suchten ihr Geschlechtsregisterverzeichnis, aber es wurde nicht gefunden; und sie wurden von dem Priestertum als unrein ausgeschlossen.“ Bürokratische Lappalie? Oder Beseitigung der Konkurrenz aus Gilead, jenseits des Jordans, d.h. „aus Israel“ stammend und nicht aus Judäa und Benjamin? Schon König David ließ wegen Schwierigkeiten mit Barsillais dessen Nachkommen töten, „fünf Söhne Michals, der Tochter Sauls, die sie dem Adriel geboren hatte, dem Sohn Barsillais.“

„Und der König nahm die beiden Söhne Rizpas, der Tochter Ajas, die sie dem Saul geboren hatte, Armoni und Mephiboseth, und die fünf Söhne Michals, der Tochter Sauls, die sie dem Adriel geboren hatte, dem Sohn Barsillais, des Meholathiters, und er gab sie in die Hand der Gibeoniter; und sie hängten sie auf dem Berg vor dem HERRN auf. Und es fielen die sieben zugleich, und sie wurden getötet in den ersten Tagen der Ernte, im Anfang der Gerstenernte.“

Die wahrscheinlichste Ursache für das „Mischehe“-Verbot war folgende: die große Anzahl von Zuwanderern löste durch ihre Ankunft eine Versorgungsnot aus, die Einheimischen reagierten nicht begeistert auf die neuen Juden und noch weniger erfreut darüber, sie verpflegen zu müssen. Zudem war Winter, und das mitgebrachte Volk befand sich in einer Notlage.

„Da versammelten sich alle Männer von Juda und Benjamin in Jerusalem auf den dritten Tag, den zwanzigsten im neunten Monat. Und alles Volk saß auf dem Platz vor dem Hause Gottes, zitternd wegen der Sache und des strömenden Regens.“

Ähnliches geschah am Berg Sinai, als die Israeliten in eine schlechte Lage gerieten und ein Goldenes Kalb (eine Maske) bauten, um ihre baldige Rückkehr nach Ägypten zu feiern. Auch da wich Mose nicht vom Prinzip der Gleichbehandlung ab, er ließ einige Israeliten töten. Als auch Esras Leute in vergleichbarer Lage an Rückkehr dachten, konnte sich Esra diesen Luxus nicht erlauben und traf stattdessen die liberale Entscheidung, dem unerwünschten Einfluss fremder Frauen ein Ende zu setzen und sie samt ihren Kindern loszuwerden. Esra hätte wegen mancher Parallelen als zweiter Mose in die Geschichte eingehen können, nun trat aber der Fall ein, dass die Wiederholung einer tragischen Geschichte in eine Farce ausartete.

Etwas Persönliches

Leider ist all das nicht das wahre Motiv für die Einführung des „Mischehe“-Verbots, auch ist es nicht die persische Kolonialpolitik, der wahre Grund verbirgt sich in der Biographie Esras. Denn war Esras mitgebrachtes Volk der Richter und Leviten „das heilige Volk“, musste irgendwo als Gegensatz ein „unreines“ Volk sein Unwesen treiben und das war nämlich das „Mischvolk“.

Wie aus dem Text hervorgeht, hatte Esra auf das unfreundliche Volk des Landes so gut wie keinen Zugriff und musste gezwungenermaßen das Reinheitsgebot auf seine Juden beschränken, um sich von dem „Mischvolk“ des Landes abzusondern. Esras Volk durfte nicht mit Einheimischen in Kontakt treten, so dass im Ergebnis die Einheimischen als „unreines Volk“ disqualifiziert und isoliert wurden.

Esras Buch endet mit seinem Bekenntnis: „Wir haben sehr böse gegen dich gehandelt und haben nicht beobachtet die Gebote und die Satzungen und die Rechte, die du deinem Knechte Mose geboten hast.“

„Ach, HERR, Gott des Himmels, du, der große und furchtbare Gott, der den Bund und die Güte denen bewahrt, die ihn lieben und seine Gebote halten: laß doch dein Ohr aufmerksam und deine Augen offen sein, daß du hörest auf das Gebet deines Knechtes, das ich heute, Tag und Nacht, für die Kinder Israel, deine Knechte, vor dir bete, und wie ich die Sünden der Kinder Israel bekenne, die wir gegen dich begangen haben! Auch wir, ich und meines Vaters Haus, haben gesündigt. Wir haben sehr böse gegen dich gehandelt und haben nicht beobachtet die Gebote und die Satzungen und die Rechte, die du deinem Knechte Mose geboten hast.“

Esras in üblicher Form gehaltener Satz „bekennt“ „die Sünden der Kinder Israel“. Auch Mose beschimpfte die Israeliten wegen des Goldenen Kalbs, vergriff sich aber nicht an ihren Vorfahren. Desgleichen klagte Jesus die Pharisäer wegen ihrer Untaten an und nicht ihre verstorbenen Ahnen. Esra dagegen beschuldigt die Vorfahren der „Missetaten“, was mit Moses Gesetzen gar nichts zu tun. Und weil Esra erneut im Plural „Wir“ (wer noch?) sprach, fragt sich, ob er selbst einmal Einsicht gewann und Selbstkritik übte, da ein Bekenntnis (und Reue) zur eigenen Schuld in Ich-Form fehlt. Insofern kann Esra als Ausrutscher der Geschichte betrachtet werden – das wäre halb so schlimm, würde sich nicht bis heute fortsetzen, dass Nachfahren mit Anschuldigungen gegen ihre Vorväter belastet werden.

Allerletzter Satz in Esras Buch ist: „Ich war nämlich Mundschenk des Königs.“

„Ein Mundschenk ist ein hoher Beamter, der zum Beispiel das Amt des eponymen Beamten wahrnehmen konnte. Ein Vorkoster. Das Mundschenkenamt war ein Amt mit einer sehr hohen Verantwortung, aber auch Vertrauensstellung.“ (21)

Zweifellos besaß Esra die Qualifikation zum guten Mundschenk, aber von Größe in Glaubensfragen zeugt er nicht.

Persisches Märchen

Ein wichtiger Beitrag Esras, neben dem Tempelbau und der Initiierung des „Mischehe“-Verbots, war die Punktierung und teilweise Herausgabe des Tanach, aber auch hier sind Zweifel angebracht, ob diese mühevolle Arbeit ihm zu verdanken ist.

Die Tora, eine Mischung von Texten hebräischer Propheten und persischer Märchen, gekrönt durch Esras eigenen Beitrag, wurde punktiert und Tanach genannt. Die Erzählungen, z.B., wie jemand aus einem Ofen lebendig heraus

kommt, unterschreiten bei weitem das Niveau der Fünf Bücher Mose.

„Da trat Nebukadnezar an die Öffnung des brennenden Feuerofens, hob an und sprach: Sadrach, Mesach und Abednego, ihr Knechte des höchsten Gottes, geht heraus und kommt her! Da gingen Sadrach, Mesach und Abednego aus dem Feuer heraus.“

Oder das persische Märchen für Erwachsene über einen, der nicht von Löwen aufgefressen wurde, ergänzt durch weitere Märchen aus „1000 und eine Nacht“, vervollständigte Esras Werk.

„Der König hob an und sprach zu Daniel: Daniel, Knecht des lebendigen Gottes, hat dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, vermocht, dich von den Löwen zu retten? Da sprach Daniel zu dem König: O König, lebe ewiglich! Mein Gott hat seinen Engel gesandt und hat den Rachen der Löwen verschlossen, dass sie mich nicht verletzt haben, weil vor ihm Unschuld an mir gefunden wurde; und auch vor dir, o König, habe ich kein Verbrechen begangen.“

Natürlich endet Esras Beitrag nicht mit dem Lob für Gott, sondern für den persischen König, was das Verhältnis zum atomaren Iran auf fatale Weise prägt.

Nach hebräischer Tradition sollen alle Ereignisse, Wundertaten, Prophezeiungen, Salbungen usw. unbedingt öffentlich vor vielen Zeugen (dem Volk) stattgefunden haben, so aber nicht bei Esra. Seine Werke und ihn kann nur „sein Volk“ aus seinem Buch bezeugen, gleich dem Prophet Mohammed, der nach eigenem Zeugnis von Allah den Heiligen Koran bekam, der bezeugt, dass er ein Prophet ist. Wie in einer Anekdote:

„Abram, woher hast du das Geld?“ „Aus dem Schrank.“

„Woher kommt das Geld im Schrank?“ „Meine Frau Sara hat es dahin gelegt.“

„Und woher hat sie das Geld?“ „Ich habe es ihr gegeben.“

„Und woher hast du das Geld?“ „Aus dem Schrank.“

„Unser Gott“

In seiner Volksrede sprach Esra über „unseren Gott“:

„So lasst uns nun mit unserm Gott einen Bund schließen, dass wir alle fremden Frauen und die Kinder, die von ihnen geboren sind, hinaustun nach dem Rat meines Herrn und derer, die die Gebote unseres Gottes fürchten, dass man tue nach dem Gesetz.“

Wessen Gott war das, der den Ausschluss von „allen fremden Frauen und die Kinder, die von ihnen geboren sind“ verlangte? Ist das derselbe Gott wie bei Mose und Jesua? Die verräterische Sprache im folgenden Satz macht deutlich, dass mit „unserem“ auch die babylonischen Städte gemeint sind:

„Unsere Oberen sollen die ganze Gemeinde vertreten, dass alle, die sich in unsern Städten fremde Frauen genommen haben, zu bestimmten Zeiten kommen und mit ihnen die Ältesten einer jeden Stadt und ihre Richter, bis der Zorn unseres Gottes um dieser Sache willen von uns gewendet werde.“

Und das als Gegensatz zu einem „unreinen Land (das) durch die Unreinheit der Völker des Landes mit ihren Gräueln, mit denen sie es von einem Ende bis zum andern Ende in ihrer Unreinheit angefüllt haben“, das geographisch dem Land Israel entspricht.

Monate

Esras willkürlich geänderte Zitate und seine Umdeutung der Tora wecken den Verdacht, dass noch mehr Ausrutscher zu befürchten sind. Vom Heiligen Text abzuweichen ist unzulässig, ganz zu schweigen davon, Gebote und Gesetze zu verändern - wie Jesua sagte:

„Wer im Geringsten treu ist, ist auch in vielem treu, und wer im Geringsten ungerecht ist, ist auch in vielem ungerecht.“ (Lk. 16,10)

Kein Geringerer als der HERR ordnete unwiderruflich an, das Jahr am Ersten Monat AVIV zu beginnen und die Monate als „Erster“, „Zweiter“ etc. zu bezeichnen.

„Dieser Monat soll euch der Anfang der Monate sein, er soll euch der erste sein von den Monaten des Jahres.“

In Esras Schrift ist diese Zählung zwar vorhanden, aber nicht nur, denn so fängt Esras Buch an: „Und im ersten Jahre Kores (...)“. Er datierte in babylonischer Zeitrechnung nach dem jeweiligen König und verwendete babylonische Monate:

„Und dieses Haus wurde beendet bis zum dritten Tage des Monats Adar, das ist das sechste Jahr der Regierung des Königs Darius.“

Mit den nach Götzen benannten Monaten wurde in Jerusalem ein heidnischer Kalender eingeführt. Die 12 babylonischen Götzen sind:

TIShRI, HeShVaN, KISLeV, TeVeT, SheVaT, ADaR, NISaN, IAR, SIVaN, TaMuS, AV, ELUL.

Diese Kalenderumstellung brachte die ganze biblische Ordnung durcheinander, die Monate verschoben sich. Dadurch entsteht eine völlige Verwirrung, der „Erste Monat“ wird zum 7. babylonischen Monat und der „Siebte Monat“ zum 1. Monat des Jahres.

Gemäß der Tora sollte mit dem „Ersten Monat“ AVIV/„Frühling“ die Jahreszählung beginnen, weil „Im Monat Abib bist du aus Ägypten ausgezogen.“ Nicht nur wurde dieser „Erste Monat“ in Monat NISaN umgetauft, er wurde, wie im babylonischen Kalender, in den Herbst (Oktober) verschoben und an seiner Stelle der Monat TIShRI gesetzt, was „Anfang“ bedeutet.

„Tischri bzw. Tishri (hebräisch י רשת) ist der erste Monat nach dem „bürgerlichen“ jüdischen Kalender und der siebte Monat nach dem „religiösen“ Kalender. Der Monat Tischri ist immer ein voller Monat, das heißt, er dauert 30 Tage, und beginnt im gregorianischen Kalender zwischen ersten Septemberdrittel und Anfang Oktober (siehe Jüdischer Kalender). Die Bezeichnung „Tischri“ stammt von dem akkadischen Wort tašrīt „Anfang“ ab, was auf seine Funktion als erster Monat hinweist. Ähnlich ist „Tis-chri" auch im Ugaritischen bezeugt.“ (22)

Bei Mose hat der Jahresanfang im „Ersten Monat“ AVIV/März/April eine fundamentale Bedeutung. Dem zuwider, und obwohl der HERR wie ein Papagei unzählige Male wiederholt hat: „Ich bin der HERR, euer Gott, der ich euch aus dem Land Ägypten herausgeführt habe.“, beginnt das „jüdische Jahr“ mit dem Empfang der Tora und nicht mit dem epochalen Ereignis, dem Auszug aus Ägypten. Damit verliert die Befreiung aus der Sklaverei mit allen Wundertaten ihre zentrale Bedeutung. Auch der Aufstand der Makkabäer wurde auf einen Kerzengang reduziert, genannt „Fest Hanuka“, dies, nach dem erfolgreichen Makkabäeraufstand, als Erinnerung „an die Wiedereinweihung des zweiten jüdischen Tempels im jüdischen Jahr 3.597 (164 v. Chr.).“ (23)

Der Siebte Monat

Gewiss, die Jahreszeiten blieben dieselben, allein die Bezeichnungen wurden geändert, dennoch ein anderes Beispiel: Nach dem Auszug aus Ägypten wohnten die Israeliten in Laubhütten, „Sukot“, und seitdem wird das Fest „Sukot“ gefeiert. Geboten ist, das Fest im „7. Monat“ am 15. Tag abzuhalten.

„Und der HERR redete zu Mose und sprach: Rede zu den Kindern Israel und sprich:

Am 15. Tag dieses 7. Monats ist das Fest der Laubhütten sieben Tage dem HERRN.“ Die Zahl „Sieben“ hat in der hebräischen Tradition einen besonderen Sinn, deshalb wurde die Tora im „Siebten Monat“ empfangen und keineswegs im 1. babylonischen Monat TISHRI. Nun aber wird „Sukot“ im 1. Monat TISHRI gefeiert und nicht nach Moses Vorstellung im „7. Monat“.

Das und noch mehr geschieht wegen der Umstellung auf den babylonischen Kalender, und dann kratzen sich die Rabbiner unter dem Rücken und sagen: „Was verbirgt die Tora vor uns?“ Vor allem aber wurde die Weiterführung des hebräischen Kalenders, der „Genesis“, nach Esras Mutter-Tochter-Prinzip versucht, was schlicht nicht machbar ist, und aus diesem Grund wurde die Kette von Erstgeborenen seit der Zeit Adams unterbrochen.

Wochenfest-Pfingsten

Wozu Rabbiner fähig sind, zeigt die Datierung des Wochenfestes „Pfingsten“. Darüber in Wikipedia zu lesen und anschließend auch noch zu verstehen, ist eine aussichtslose Anstrengung. (23)

Das einzige undatierte Fest im AT ist der „Tag der Erstfrüchte“. Das genaue Datum kennt das AT nicht, aber dank Esras Eingriff weiß das Rabbinat aufs Genaueste: „Das Wochenfest wird jeweils am 6. Siwan gefeiert.“, das heißt im

9. Monat, also Mai/Juni.

„Das Wochenfest wird jeweils am 6. Siwan gefeiert und bildet den Abschluss der Frühlingsfeste und der Erstlingsfrüchte, zu denen Pessach und das Omer-Zählen gehören.“ (23)

Für die Glaubensgenossenschaft, egal ob „Wochenfest“ oder Tag der „Erstfrüchte“, ist es dasselbe Fest, nur unterschiedlich benannt, zusammengewürfelt und kräftig durchgemischt. Warum aber sollte das „Wochenfest“ im Mai/Juni am 6. Siwan gefeiert werden? Weil die frommen Weisen meinen, dass im „Dritten Monat“, gleich bei Ankunft am Berg Sinai, das Volk Israel die Tora empfing, in den „Laubhütten“/Sukot saß und den „Tag der Erstfrüchte“ feierte. Unglücklicherweise aber gab es im dritten Monat Mai/Juni in der Wüste Sinai keine „Erstfrüchte“ und überhaupt keine Ernte, höchstens Viehfutter. Und noch unglücklicher wird das Fest in der Wüste Sinai ausfallen, wenn einer bedenkt, dass die Ernte im Frühling unvorstellbar war. Selbstverständlich steht es jedem frei, den Sommer im Winter voraus zu feiern, das ist nichts Ungewöhnliches, auch der Friedensnobelpreis an Barak Obama wurde im Voraus vergeben.

Dass im Herbst und nicht im Frühling geerntet wird, wurde im AT nicht speziell gesagt, weil Mose das, im Unterschied zu seinen Anbetern, für eine Selbstverständlichkeit hielt. Im AT gilt eine Ernte ohne „Erstfrüchte“ als keine Ernte, wenn sie nicht aus Sieben landwirtschaftlichen Kulturen besteht, dazu gehören Weizen, Roggen, Feigen, Trauben, Granatapfel, Oliven und Honig (Datteln). Der Erntebeginn orientiert sich am Weizen, dem wichtigsten Nahrungsmittel. Mit der ersten Reife beginnt die Ernte, „erste Sichel“ genannt, am „Tag der Erstfrüchte“. Dieser Tag kann wegen der Witterungsbedingungen nicht genau festgelegt werden. Auch im mitteleuropäischen Raum verfrüht sich die Ernte wegen der „Klimaänderung“ um bis zu zwei Wochen.

„Während die Ernte der Wintergerste ursprünglich um den 14. Juli herum startete, geht es jetzt schon ab dem 9. Juli los. Die Sommergerste ist auch deutlich früher dran: am 21. Juli. Es war mal der 6. August.“ (24)

Dem „Tag der Erstfrüchte“ folgen Sieben Wochen, das ist die eigentliche Erntesaison, in denen gearbeitet und nicht Talmud gelesen wird. Erst dann, am 50. Tag, wird das „Fest der Ernte“/ShaVUOT gefeiert, und auf diese Weise bilden die zwei Feste zwei Teile einer Einheit.

„Schawuot (…wörtl. „Wochen“; jiddisch Schwu'ess, Schwuos oder Schwijess) ist das jüdische Wochenfest, das 50 Tage, also sieben Wochen plus einen Tag nach dem Pessachfest gefeiert wird.“

„In der Tora hat das Fest mehrere Namen, zum einen „Wochenfest“ (2 Mos 34,22 EU und 5 Mos 16,10 EU), … „Fest der Ernte“ (2 Mos 23,16 EU), „Tag der Erstfrüchte“ (4. Mos 28,26 EU). Mischna und Talmud kennen das Fest auch als ת רצעAtzeret „feierliche Versammlung.“ (23)

Es ist hilfreich zu wissen, dass Sieben Wochen 7x7 Tage sind und das Wort Woche/ShaVUA „Sieben“ bedeutet und auch als „schwören“ oder als „satt“ gelesen werden kann. Und das wunderschöne „Fest der Ernte“ wird einen Tag lang im mosaischen 7. Monat (TIShRI/September) gefeiert und nicht im 3. Monat SIVaN, dem 9. babylonischen Monat nach halachistischer Auslegung.

Wie gesagt, der „Tag der Erstfrüchte“ und ihm folgend das „Fest der Ernte“ ist variabel, abhängig vom Saisonanfang und dem Ende der landwirtschaftlichen Arbeiten. Dagegen kann die siebentägige Abschlussfeier, „das Laubhüttenfest“, konkret auf den Monat September festgelegt werden. So dauert das Fest nicht nur einen Tag, sondern ganze sieben Tage, vom 15. bis 21.TISchRI und ist eine richtige Abschlussfeier.

„Sukkot (hebräisch ֹת ּוֻכסoder ת וֹכוּסPlural von ָּּה ֻכסSukka „Laubhütten“ jiddish Sukkes oder Sikkes) oder Laubhüttenfest gehört zu den jüdischen Festen. Das Fest wird im Herbst, fünf Tage nach dem Versöhnungstag, im September oder Oktober gefeiert und dauert sieben Tage, vom 15. bis 21. Tischri „dem ersten Monat des jüdischen Kalenders.” (25)

Angeordnet wurde das „Fest der Laubhütten“ von Mose, und wieder ist seine Satzung vollgespickt mit der „Sieben“: „7. Monat“ und „Sieben Tage“. Offensichtlich plante er, Kanaan im 7. Monat nach dem Auszug aus Ägypten zu erreichen und dort sein erstes Erntefest in Laubhütten zu feiern.

„Rede zu den Kindern Israel und sprich: Am 15. Tag dieses 7. Monats ist das Fest der Laubhütten, sieben Tage dem HERRN. Am ersten Tag soll eine heilige Versammlung sein, keinerlei Dienstarbeit sollt ihr tun. Sieben Tage sollt ihr dem HERRN ein Feueropfer darbringen.“

Und wo ist die Panne? Die Frömmsten aller Frommen berechnen das „Fest der Ernte“ nicht nach dem „Tag der Erstfrüchte“ (Ende Juli), sondern „nach dem Pessachfest“ im Frühling. Zum Glück ist feiern nicht ernten, und sie bestimmen nicht, wann gesät wird und wann geerntet, sonst wären alle schon längst an Hunger gestorben. Bei so einer geistigen Nachbarschaft ist von Christen nichts Besseres zu erwarten:

„Pfingsten (gr πεντηκοστὴ ἡμέρα pentēkostē hēméra ‚fünfzigster Tag‘) ist ein christliches Fest. Am 50. Tag der Osterzeit, also 49 Tage nach dem Ostersonntag, wird von den Gläubigen die Entsendung des Heiligen Geistes gefeiert – als Mysterium oder ikonografische Aussendung des heiligen Geistes oder auch Ausgießung des heiligen Geistes genannt.“

„Der Pfingstsonntag fällt damit stets auf die Zeit zwischen dem 10. und dem 13. Juni (spätester Termin). Wenn Ostern beispielsweise auf den 23. März fällt (wie im Jahr 2008), dann wird Pfingsten am 11. gefeiert.“ (26)

Das alles geschieht, wenn der ganze hebräische Kalender um 7 Monate verschoben wird, Winter wird zu Sommer, geerntet wird im Frühling und im Herbst gesät. (27)

7 Tage

Auch die schematische Darstellung der Erschaffung der Welt in sieben Tagen hat eine Logik. Wenn sich jemand darauf versteift, dass die Welt in sieben Tagen erschaffen wurde, behauptet er damit, dass, wenn die Welt in X Jahren erschaffen wurde, dies Tag für Tag in der Tora notiert worden wäre. Aber weil die X Jahre nicht akribisch beschrieben wurden, gab es sie auch nicht. Eine gute Übung, alles aufzuschreiben, dann würde das Gesamtwerk etwas dicker ausfallen.