Jesus ruft seine Braut - Cornelia Weinmann - E-Book

Jesus ruft seine Braut E-Book

Cornelia Weinmann

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Beschreibung

Wofür schlägt Gottes Herz, und was ist die Berufung der Braut Christi in Deutschland? Gibt es etwas, das uns hindert, diese Berufung anzunehmen? Was hat Jesus bereits unternommen, um seine Braut auch in unserem Land für sein Kommen vorzubereiten? Dieses Buch entfaltet die atemberaubende Liebesgeschichte zwischen Gott und uns Menschen, wie sie im Hohelied angedeutet wird. Wir sind eingeladen, Jesu Braut zu sein! Er ruft uns auch heute aus jedem Volk und Land, eine Zukunft mit ihm zu teilen, die sich zu leben lohnt. Insbesondere werden wir dabei auch den Herzschlag Gottes für Deutschland entdecken – gerade vor dem Hintergrund unserer nationalen Geschichte und deren Folgen, die uns noch immer in den Knochen stecken. Gelöst von den Traumata der Vergangenheit und im Takt seiner Liebe können wir unsere Glaubensschritte dann in neuer Leichtigkeit mit ihm gehen und die Zukunft kann anders werden, als es die Vergangenheit war. Denn es ist ein Ruf, der Deutschland und jeden Einzelnen dazu befreien will, das Leben zu lieben und als Liebende zu leben. Der Ruf geht nämlich schon durch die Welt: „Seht, der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen!“ (Mt. 25,6).

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Seitenzahl: 586

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Cornelia Weinmann

Jesus ruft seine Braut

Gottes Herzschlag für Deutschland im Hohelied entdecken

GloryWorld-Medien

 

 

 

 

 

 

 

1. Auflage 2021

© 2021 Cornelia Weinmann

© 2021 GloryWorld-Medien, Xanten, Germany, www.gloryworld.de

Alle Rechte vorbehalten

Bibelzitate sind, falls nicht anders vermerkt, der folgenden Bibelübersetzung entnommen:

NEUELUTHER BIBEL 2009, F. C. Thompson Studienausgabe, nach der Übersetzung Martin Luthers 2009, La Buona Novella Inc. CH-8832 Wollerau, 2. Aufl. 2013.

Weitere Bibelübersetzungen:

ELB: Elberfelder Bibel, NASB (New American Standard Bible), zweisprachige Ausgabe, SCM R. Brockhaus, Witten, 2. Aufl. 2012.

HFA: Hoffnung für Hoffnung für alle, Die Bibel, Brunnen-Verlag Basel und Gießen, 3. Aufl. 1998. Die Heilige Schrift, ins Deutsche übertragen von Naftali Herz Tur-Sinai, SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten, 3. Aufl. 2017,

ELSA: Elberfelder Studienbibel mit Sprachschlüssel, Das Alte Testament, revidierte Fassung, R. Brockhaus Verlag, Wuppertal 2001.

ELSN: Elberfelder Studienbibel mit Sprachschlüssel, Das Neue Testament, revidierte Fassung, R. Brockhaus Verlag Wuppertal und Zürich, 2. Aufl. 1995.

Das Buch folgt den Regeln der Deutschen Rechtschreibreform. Die Bibelzitate wurden diesen Rechtschreibregeln angepasst.

Lektorat: Klaudia WagnerSatz: Manfred MayerIllustrationen und Umschlagbild: Horacio Marcelo Valera-Cucinelli; www.quelledergnade.deUmschlaggestaltung: Jens Neuhaus, www.7dinge.de

ISBN (epub): 978-3-95578-497-3

ISBN (Druck): 978-3-95578-397-6

 

 

Inhalt

Ein Wort auf den Weg

Prolog: Wie alles begann

Einführung: Worum es geht

Auftakt: Der Weg der Braut bis zur Wiederkunft des Bräutigams Jesus Christus

Teil 1: Jesus ruft seine Braut an sein Herz

Strophe 1: Wenn sie auf ihn hört, spürt sie ihre tiefste Sehnsucht

1. Tanzschritt des Glaubens: Die Sehnsucht nach den „heiligen Küssen“ des Himmels

Ein Blick zurück – ins deutsche Vaterland

Ein Blick zurück – ins deutsche Vaterhaus

Ein Blick zurück – ins wahre Vaterhaus

2. Tanzschritt des Glaubens: Die Sehnsucht nach Wahrheit,die frei macht

3. Tanzschritt des Glaubens: Die Sehnsucht, angesehen und bedeutend zu sein

4. Tanzschritt des Glaubens: Die Sehnsucht, an seinem Tisch daheim zu sein

Strophe 2: Wenn sie zu ihm kommt, wird sie an himmlische Orte versetzt

1. Tanzschritt des Glaubens: Ein befreiender Rückblick auf den Beginn ihres neuen Lebens

2. Tanzschritt des Glaubens: Ein belebender Einblick in die Höhe ihrer Berufung

3. Tanzschritt des Glaubens: Ein bindender Rückblick auf den Boden vergangener Bedrückung

4. Tanzschritt des Glaubens: Der bewegende Aufblick einer Bedürftigen

Strophe 3: Wenn sie ihn von ganzem Herzen sucht, findet sie ihn im Geist

1. Tanzschritt des Glaubens: Jesus suchen in der Nacht

2. Tanzschritt des Glaubens: Bibel lesen im Licht des Heiligen Geistes

3. Tanzschritt des Glaubens: Als Braut eine Botschafterin Christi sein

Die Botschaft der Braut Christi in Deutschland nach innen

Die Botschaft der Braut Christi in Deutschland nach außen

4. Tanzschritt des Glaubens: als Botschafterin Christi mit Hoffnung leben

Strophe 4: Wenn sie ihm glaubt, will sie mit ihm eins werden

1. Tanzschritt des Glaubens: Mit seinen Augen auf das eigene Leben sehen

2. Tanzschritt des Glaubens: Seine Worte mit den Ohren des Herzens hören

3. Tanzschritt des Glaubens: Aus dem Hinhören wird Hingabe

4. Tanzschritt des Glaubens: Als Braut Christi im Geist mit Jesus eins werden

Teil 2: Im Bund mit Jesus, dem Bräutigam

Strophe 5: Darum erkennt sie seine Schönheit auch im Schmerz

1. Tanzschritt des Glaubens: Hörendes Vertrauen im Licht seiner Liebe

2. Tanzschritt des Glaubens: Hörendes Vertrauen auch in der Nacht der Seele

3. Tanzschritt des Glaubens: Im Gegenwind von Leitern stehen bleiben

4. Tanzschritt des Glaubens: Mitten in der Ablehnung die Schönheit von Jesus sehen

Strophe 6: Darum werden andere durch sie in die Entscheidung gerufen

1. Tanzschritt des Glaubens: Mit Jesus aufs Wasser gehen – Sicherheiten loslassen

2. Tanzschritt des Glaubens: Geistlich verbunden mit der Verstoßenen leben

3. Tanzschritt des Glaubens: Im Geist in der Herrlichkeit des Himmels tanzen

4. Tanzschritt des Glaubens: Getrennte Kreise bilden – getrennte Wege gehen

Strophe 7: Darum wird sie zu ihm hin wachsen und Frucht bringen

1. Tanzschritt des Glaubens: In der Tiefe seiner Liebe verwurzelt in die Höhe wachsen

2. Tanzschritt des Glaubens: Zu ihm hin wachsen führt zur Fruchtbarkeit

3. Tanzschritt des Glaubens: Wachstum in der Geduld – Zurückhaltung aus Liebe

4. Tanzschritt des Glaubens: Wachstum durch Abhängigkeit

Strophe 8: Darum wird die Liebe siegen

1. Tanzschritt des Glaubens: Liebe, die geistliche Kinder annimmt und fördert

2. Tanzschritt des Glaubens: Liebe, die eine Vision für geistliche Kinder hat

3. Tanzschritt des Glaubens: Liebe, die Identität verleiht

4. Tanzschritt des Glaubens: Im liebenden Gespräch mit dem Bräutigam bleiben

Epilog: Was bleibt?

Anhang 1: Wie können wir für unsere Familien in Bezug auf den Nationalsozialismus beten?

Anhang 2: Ein Einladungsbrief an die „inneren Kinder“ (Persönlichkeitsanteile) der eigenen Seele, zu Jesus zu kommen

Literaturverzeichnis

Über die Autorin

 

Widmung

Ich widme dieses Buch dem himmlischen Bräutigam Jesus Christus und seiner weltweiten Brautgemeinde, besonders in Deutschland, meiner Heimat. Darin denke ich zunächst an meine Familie, in der Jesus mich zu einem Leben mit ihm gerufen hat. Ich denke an den CVJM meiner Heimatgemeinde in der evangelischen Landeskirche und an die pietistische Gemeinschaft, die mich geprägt und mir Jesus lieb gemacht haben. Darüber hinaus widme ich dieses Buch aber auch den freikirchlichen Gemeinden und Gemeinschaften, in denen ich im Glauben weiter wachsen und das himmlische Vaterhaus besser kennenlernen konnte. Dazu gehören auch die jüdischen Geschwister, und mein Dank gilt besonders denen, die mir als einer Deutschen im Namen Jeshuas Vergebung zugesprochen haben.

Nicht zuletzt ist es all denen gewidmet, die sich von Jesus in eine neue Zeit rufen lassen, um mit ihm zusammen gerade Deutschland in ein Land zu verwandeln, das die Menschenfreundlichkeit des himmlischen Vaters widerspiegelt, „wie im Himmel so auf Erden“.

 

Ein Wort auf den Weg

„Jesus ruft seine Braut.“ In diesem unscheinbar klingenden Titel verbergen sich sowohl die größte Sehnsucht des Himmels als auch die tiefste Sehnsucht der Menschheit nach Liebe und Bedeutung, Sinn und Kraft. Gerade in den Wirren und Erschütterungen, die uns in dieser Zeit persönlich, national und weltweit betreffen, fragen wir nach dem Unerschütterlichen, nach dem, was Halt, Liebe und Freiheit zugleich geben kann. Im Ruf des Sohnes Gottes nach seiner Braut finden wir Antworten und Perspektiven, die in diesem Buch zur Sprache kommen und uns in Bewegung bringen wollen – vielleicht sogar in der Leichtigkeit von Tanzschritten. Die Bedeutung des Buches „Hohelied“ in der Mitte der Bibel und was das mit unserem Leben heute zu tun hat – zunächst im deutschen Kontext, und dann auch im Blick auf die internationalen Verbindungen –, ist dabei ein zentrales Thema dieser Botschaft.

Ich bin diesen „geistlichen Weg“ durch das Hohelied gegangen, weil mir darin die himmlische Geschichte der Liebe Gottes zu seiner Menschheit aufgeleuchtet ist. Aus meiner Sicht als Deutsche habe ich ich diese himmlische Liebesgeschichte aber auch vor dem Hintergrund unserer nationalen Geschichte betrachtet; denn der Sohn Gottes ruft seine Braut aus jedem Volk und Land, also auch aus Deutschland. Im Zusammenhang mit unserer nationalen Geschichte fiel mein Blick dabei besonders auf die Geschichte der Gemeinde Jesu, und ich begann mich zu fragen: Haben sich die Konfessionen und Denominationen der Christenheit dem Geist dieser Liebe schon geöffnet, oder noch nicht? Nicht zuletzt berührt das Lied der Lieder vor allem die persönliche Geschichte jedes einzelnen Menschen, der es liest und singt. Denn die „Braut“, die von Jesus geliebt wird, ist keine Organisation, sondern eine Person. Darum lädt das Hohelied ein, im Glauben an Gott zu ergreifen, dass diese Liebesgeschichte kein Märchen ist, sondern zur befreienden Wahrheit in jedem Herzen werden will – egal, aus welchem persönlichen, gemeindlichen und nationalen Hintergrund wir selbst kommen mögen.

Auch wenn dieser „Durchgang“ durch das Hohelied in erster Linie einen Teil der deutschen Geschichte aufnimmt, lädt er jeden Menschen, egal welcher Nationalität, ein, dieses Lied mit dem Herzen zu lesen, es dort zu empfangen und zu bewegen. Denn nur dort kann auch die Antwort erwachsen, die den Glauben an Jesus in leichte Tanzschritte verwandelt.

So ist es ein persönlicher Entschluss, zu ihm umzukehren und den Weg in die Zukunft mit ihm zusammen zu gehen. Denn Jesus will jeden persönlich zu diesem Weg in Gemeinschaft mit ihm und vielen anderen, die sich rufen lassen, einladen.

Meine eigenen Schritte mit Jesus ins Hohelied hinein – und was er mir darin aufs Herz gelegt hat (wie alles begann und worum es geht) – sollen am Beginn dieses Buches stehen; sie mögen für jeden zur „Folie“ werden, den eigenen Weg im Licht seiner Liebe zu betrachten und Glaubensschritte mit ihm in neuer Leichtigkeit zu gehen. Zusammen mit der ganzen Brautgemeinde Christi können diese Schritte dann in einen „himmlischen Tanz“ münden, der gerade in der kommenden Zeit für viele eine große Anziehungskraft gewinnt, den kennenzulernen, der diese Leichtigkeit ins Leben bringt.

Nach den Tanzschritten des Glaubens durch die acht Strophen des Hohelieds hindurch bleibt am Ende dann nur die Frage, was wir mit dem großen Angebot seiner Einladung machen. Werden wir im Bund mit ihm das Leben lieben, allen Hass überwinden und zu Liebenden werden, bis er kommt und die Hochzeit im Himmel beginnt? Dazu sind wir eingeladen.

Cornelia Weinmann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Prolog: Wie alles begann

Das Hohelied, geistlich gelesen, beschreibt die Geschichte der größten Liebe überhaupt. Sie begann in der Dimension des Himmels, im Herzen des dreieinigen Gottes.1 Der Teil der Menschheit, der ihm glaubt, hat dadurch Anteil an einer unvergleichlichen Berufung, einer Berufung, durch die er zugleich eine Perspektive gewinnen kann, die befreiend ist. Die Menschen, die Gott glauben, sind es dann, die zur Braut des himmlischen Bräutigams werden und so auch persönlich ihr eigenes wahres Wesen kennenlernen. Auf diese Weise können sie die Liebe erfahren, für die sie geboren und geschaffen wurden. Wie im Himmel, sollte es auf der Erde sein. Doch durch den Unglauben ihrer Erwählung gegenüber verlor die Menschheit den Himmel und die Erde und damit auch sich selbst. Und anstatt im Garten des Lebens in Gemeinschaft mit Gott seine Schöpfung zu regieren, begann eine Geschichte von Neid, Hass und Kriegen, die im Geist der Rebellion gegen die Königsherrschaft Gottes geführt wurden und Menschen bis heute zu Sklaven machen.

Doch mit dem schönsten aller Lieder, das übrigens am Höhepunkt des jüdischen Passahfestes gelesen wird, dürfen wir zusammen mit den Jüngern Jesu von damals auch heute Gottes Ruf nach Herzensgemeinschaft mit jedem einzelnen Menschen hören wie ein Liebeslied. Denn er selbst singt es und will dadurch unsere Herzen heilen und eine Bewegung auslösen – vergleichbar den leichten Schritten einer Braut, wenn sie am Tag der Hochzeit auf dem Weg bis zum Altar ihrem Bräutigam entgegengeht.

A: Glaubensschritte der Braut Christi – Gründe im Wort Gottes

„Seht, der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen!“2 Jesus selbst ruft seine Braut in diesem Gleichnis von den zehn Jungfrauen im Rahmen seiner Endzeitreden. Denn er selbst ist der Bräutigam.3 Doch wer ist es, der nach Himmelfahrt und Pfingsten sein zweites Kommen ankündigt und die Einladung ausspricht, aus dem Bisherigen hinauszugehen, ihm entgegen? Und was hat das mit dem Hohelied zu tun, dessen Entstehung dem Friedenskönig Salomo vor fast 3000 Jahren zugeschrieben wird, der ein Mädchen zur Braut erwählt hat und um sie wirbt? Das gemeinsame Band wird allein darin sichtbar, dass bis zum 19. Jahrhundert dieses kleine Liebeslied geistlich mit Gottes unvergleichlicher Liebe zu seinem Volk als seiner Braut im Alten wie im Neuen Testament verbunden wurde.4 Auch seit der Zeitrechnung nach Christi Geburt hat es auf dieser geistlichen Ebene zusammen mit dem Römerbrief die meisten Kommentare hervorgebracht. Erst im 19. Jahrhundert, nach der Aufklärung, wurde das Hohelied fast ausschließlich auf der horizontalen Ebene einer menschlichen Liebesgeschichte behandelt.5 Dadurch ging in Deutschland und vielleicht der ganzen westlichen Welt die geistliche Dimension, der innerste Kern dieser tiefen und zugleich weltumspannenden Liebe Gottes, weitgehend verloren.

Doch seit den 1990er-Jahren fingen Männer und Frauen Gottes wieder an, im Hohelied den himmlischen Bräutigam zu entdecken, der wiederkommt, und in den Nachfolgern Jesu aus allen Völkern die Braut, die er in eine reife Partnerschaft mit sich ruft, denn die Hochzeit im Himmel steht bevor. Schon der Apostel Johannes hatte dieses Ereignis in Offenbarung 19,7 im Geist – das heißt in einer Dimension außerhalb von Raum und Zeit – gesehen und prophetisch in Vorfreude ausgerufen: „Wir wollen uns freuen und fröhlich sein und ihm die Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Braut hat sich bereit gemacht!“

Doch bis zu dieser Hochzeit sind es gerade der Heilige Geist und die Braut, die einer Welt ohne Jesus zurufen: „Seht, der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen!“ Diese Überbringer der Botschaft werden bis ins letzte Kapitel der Bibel bezeugt: „Und der Geist und die Braut sagen: ‚Komm!‘ … Und wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens geschenkt.“6 Und ganz am Ende ist es der Ruf der Braut, die ihn bittet: „Komm, Herr Jesus!“, auf den er hört und handelt: „Ja, ich komme bald.“7 Dieser Ruf der Sehnsucht ist wie die ganze Bibel in der Sprache des Herzens verfasst, die von Bildern und Vergleichen lebt. Zugleich hat die Sehnsucht nach Jesus am Beginn des dritten Jahrtausends viele neue Lieder hervorgebracht, die zu Glaubensschritten wie im Tanz mit dem König aller Könige einladen und in die Bitte: „Dance with me, O Lover of my soul to the song of all songs.“8

BWie ich selbst die Aufforderung zum Tanz mit dem König erlebte – persönliche Gründe

Wie ich dazu kam, im Hohelied Jesus als König und Bräutigam zu entdecken und mich in diesen Ruf des Geistes und der Braut einzureihen, ist auch eine Geschichte, die am Anfang stehen soll. Denn es ist nicht zuletzt eine Geschichte mit dem Heiligen Geist, ohne den die Braut Christi nicht im Namen Jesu einladen kann, das Lied dieser Liebe zu singen und die Tanzschritte des Glaubens zu lernen.

1. Geistlicher Hintergrund

In Kindheit und Jugend von der württembergischen Landeskirche geprägt, erlebte ich, dass der Heilige Geist dort kein großes Thema war; es ging schon gar nicht um eine bewusste Beziehung zu ihm. Einmal hatte ich als Jugendliche in unserer Dorfkirche dennoch eine Begegnung mit ihm, ohne dass ich sie lehrmäßig hätte nachvollziehen können. Doch nach einer Passionsandacht, nachdem ich die Kirche bereits verlassen hatte, rief er mich zurück in den Altarraum, zu Jesus am Kreuz. So kehrte ich um und ließ meine Freundin, mit der ich dort gewesen war, allein nach Hause gehen. Und immer wieder hörte ich die Stimme des Heiligen Geistes, seit ich mit achtzehn Jahren mein Leben im Gebet auf sein Reden hin Jesus anvertraut hatte.

2. Glaubens-, Lebens- und Dienstgemeinschaft ab 1984

Drei Jahre später schloss ich mich auf ein weiteres, für mich unzweifelhaftes Reden des Heiligen Geistes hin mit 21 Jahren einer Lebensgemeinschaft an, die der Landeskirche nahesteht und mit ihr zusammenarbeitet, jedoch ohne von ihr abhängig zu sein. Ich selbst hatte dann als Religionspädagogin mein Dienstfeld direkt innerhalb der evangelischen Kirche. Sowohl dort als auch in dieser Lebensgemeinschaft spielte der Heilige Geist während meiner Zeit eher eine untergeordnete Rolle. Zwar war er der Gründerin sehr wichtig gewesen, doch hatte das nicht zu einer geförderten und durch Lehre verankerten Gemeinschaft mit ihm und auch nicht zu einer Evangeliumsverkündigung mit Zeichen und Wundern in der Kraft des Heiligen Geistes geführt, wie Jesus sie denen verspricht, die glauben: „In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben, mit neuen Sprachen reden, Schlangen aufheben; und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nicht schaden; auf die Kranken werden sie die Hände legen, und sie werden gesund werden.“9 Selbst wenn es bei Einzelnen in dieser Gemeinschaft vielleicht so war und ist, schien die Leitung, je länger desto mehr, ihn kontrollieren zu wollen. Obwohl es seine Aufgabe ist, wie eine Mutter die Kinder Gottes zum wahren Vater und damit in die Freiheit eines bestätigten Lebens zu führen, wie in 2. Korinther 3,17 beschrieben, wurde er eher „an der Leine gehalten.“ Man redete über ihn, beschäftigte sich mit ihm, aber die Kontrolle bekam er nicht.

Ob es an der Berliner Erklärung lag, die 56 leitende Christen der pietistischen Gemeinschaftsbewegung im Jahr 1909 unterschrieben hatten? Denn sie besagte, dass die ganze Bewegung des Heiligen Geistes, die in diesen Jahren in Amerika begonnen hatte, nicht von Gott komme, sondern „von unten.“ Doch damit waren alle Kreise dieser leitenden Brüder unter einen Geist der Ablehnung dem Heiligen Geist gegenüber gekommen, wie auch unsere pietistische Gemeinschaft, die mit dieser Erklärung indirekt persönlich verwoben war. Erst viel später stellte ich mir darum die Frage: War das Übernommenwerden vom nationalsozialistischen Geist in Deutschland auch deshalb unter vielen Gläubigen in Gemeinden und Gemeinschaften möglich, weil der Heilige Geist als Geist der Wahrheit und der Unterscheidung „vertraglich“ ausgeschlossen worden war?10

Ohne diese Zusammenhänge zu sehen, musste ich auch bei mir selbst im Rückblick feststellen: Obwohl ich das Reden des Heiligen Geistes wegweisend erlebt hatte, konnte ich mir nicht vorstellen, ihn direkt im Gebet anzusprechen,11 wie es in alten und neuen Liedern geschieht, so auch in dem Pfingstlied: „O komm, du Geist der Wahrheit!“12 Ich ersetzte ihn durch den Namen Jesus oder sang nicht mit. Er war mir als Gegenüber einfach fremd; und ich hatte Angst, etwas falsch zu machen.

3. Gebot des Heiligen Geistes 2014

Nach 30 Jahren in dieser Gemeinschaft hörte ich erneut auf eindrückliche Weise und wiederholt die Stimme des Heiligen Geistes. Ganz unerwartet vernahm ich in meinem Innern im Herbst 2014 bei einem Spaziergang den Auftrag, die Gemeinschaft vom nationalsozialistischen Geist zu lösen. Es war keine Option; es war ein Gebot, so wie auch Josua die Stimme Gottes angesichts der großen Aufgabe, sein Volk in das verheißene Land Israel zu führen, deutlich gehört hatte: „Sieh, ich habe dir geboten, getrost und unverzagt zu sein. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir überall, wohin du gehst!“13

Natürlich prüfte ich diesen Auftrag, denn ich konnte zunächst gar nichts damit anfangen; doch ignorieren konnte ich ihn auch nicht. Darum erzählte ich meiner damaligen Leitung schließlich davon, die sich jedoch in keiner Weise dazu äußerte, sodass ich im Blick auf die Bedeutung dieser Aufforderung im Dunkeln blieb. Da ich auch im Internet keinen Eintrag zu diesem Stichwort fand, geriet es angesichts meiner täglichen Pflichten wieder in den Hintergrund.

4. Gemeindediakonin im Seniorenbereich ab 2016

Durch einen Teilzeitauftrag als Gemeindediakonin unter Senioren kam dieses Thema jedoch gut ein Jahr später wieder an die Oberfläche. Mit dem Kontakt zu den Bewohnern eines Altenheims und durch ein Fortbildungsangebot beschäftigte ich mich mit den „kriegstraumatischen Folgen für ältere Menschen heute und den Konsequenzen für die Seelsorge“ – so der Titel der Fortbildung mit Udo Baer.14 Und auf einmal war die nationalsozialistische Geschichte meines Volkes, auch 70 Jahre nach Kriegsende, wieder ganz präsent. Denn die Tatsache, dass im Alter unbewältigte und traumatische Erfahrungen auf vielfältige Weise an die Oberfläche kommen, wurde mir bewusst, als zum Beispiel einmal ein über 90-jähriger Mann mitten in einer Feier des Altenheims ganz unvermittelt zu mir sagte: „Was wir den Juden angetan haben, war nicht recht.“

Mir wurde zunehmend bewusst, dass diese und viele andere Themen im Zusammenhang damit unser ganzes Volk betreffen. Was immer auf politischer Ebene schon geschehen ist, berührt bis heute nicht unbedingt die Ebene von Kirchengemeinden und Familien in der Kriegs- und Nachkriegsgeneration und ihren Kindern, den Kriegsenkeln. Vielmehr fand und findet das große Schweigen auf der familiären und persönlichen Ebene seinen Ausdruck in vielen Erscheinungsformen – wie einer harten, gefühlsarmen oder -kalten, leistungsorientierten oder aggressiven Erziehung und vielen anderen traumatischen Reaktionen aus dem Körpergedächtnis.15 Auch die inneren Fragezeichen und Verunsicherungen – im Blick auf die Bedeutung der eigenen Person als Deutscher nach einem verlorenen Weltkrieg und im Blick auf den Sinn des Lebens nach den unzähligen Verlusten und Entbehrungen, der Schuld und der Scham – wurden mit und ohne Worte an die nächste Generation weitergegeben.16

Unter diesen Eindrücken begann ich, für einen nationalen Buß- und Bettag zu beten, an dem der Heilige Geist uns als Volk zum Kreuz Jesu ziehen könnte, wie ich es als Jugendliche schon ganz persönlich erlebt hatte. Dann wären Trauer, Trost und neue „Tanzschritte“ der Hoffnung und des Glaubens für alle möglich, die sich dazu einladen lassen, so dachte ich. Denn der Heilige Geist ist ja der Tröster, der wahre Beistand, der allein das aufschließen kann, was im Menschen ist.17

Zugleich will er auch das erschließen, was in Wahrheit am Kreuz Jesu an Vergebung und Befreiung zugänglich wurde, ob man sich in seiner nationalen Identität eher als Opfer oder als Täter empfindet. Aber aufgrund der damaligen Propaganda und Umdeutung des Evangeliums war dessen Bedeutung durch andere Mächte verdreht und umgekehrt worden. So lautete zum Beispiel das Schulgebet damals: „Führer, mein Führer, von Gott mir gegeben, beschütz’ und erhalte noch lange mein Leben. Hast Deutschland gerettet aus tiefster Not – dir danke ich heute mein täglich Brot! Bleib lange noch bei mir – verlaß’ mich nicht! Führer, mein Führer, mein Glaube, mein Licht! Heil, mein Führer!“18

5. Gebetskreis 2017

Mir selbst unbewusst, konnte auch ich mich im Blick auf meine nationale Identität nicht in der Tiefe annehmen, bis Jesus in einem Gebetskreis dieses Thema überraschend berührte. Während jemand spontan Gott dafür dankte, wie sehr er Deutschland und die Deutschen liebe, wehrte sich innerlich alles in mir. Ich konnte es nicht annehmen. Verstandesmäßig zwar überzeugt, aber gefühlsmäßig völlig blockiert, kämpfte ich mit den Tränen.

Mitten in meinem Schmerz erschien mir Jesus plötzlich vor meinen inneren Augen. Er kam vom Kreuz her auf mich zu und ich hörte in meinem Herzen die Worte aus seinem Mund: „Der ganze Todesstrom, der von Deutschland ausging, fließt bis in meine Wunde am Herzen und nicht weiter. Glaubst du das?“ Im Aufruhr meiner Gefühle antwortete ich leise: „Ja, ich glaube.“

Als ich meine Augen durch einen Tränenschleier hindurch öffnete, hatte jemand inzwischen die Deutschland-Fahne auf den Boden gelegt, und da sah ich es: Das Schwarz – der Todesstrom – hatte eine Grenze. Er ging nur bis zum Rot, in dem ich jetzt das reinigende Blut Jesu sah, und nicht weiter; das hieß: bis zu seiner Wunde am Herzen, an der dieser Strom stoppen musste, denn er hatte mit seinem Blut vollständig dafür bezahlt. Von dort ging es ins Gold, in dem ich das ewige Leben sah, das trotz allem in diesem Land für jeden zu finden ist, der sein Vertrauen auf die rettende Liebe des gekreuzigten und auferstandenen Jesus setzt. Ja, durch ihn ist ewiges, kostbares Leben in Deutschland möglich – für das Volk, das sich so unsagbar verschuldet hat, und auch für alle Menschen aus anderen Völkern, die jetzt darin leben. „Seine Vergebung und Heilung reicht aus für alle!“

Schließlich fing ich an, in ein kleines Büchlein zu schreiben, was ich gesehen und gehört hatte, und auch das, was Jesus weiter sagte: „Dein Stolz, Deutschland, bin ICH, Jesus! Ich habe dich freigekauft von Satans Banden! Du bist frei! Gebrauche deine Freiheit zum Segen für die Völker!! Mein Blut hat dich gereinigt, Deutschland, von allen deinen Sünden. ICH habe bezahlt. Den vollen Preis! Nichts, absolut nichts fehlt. Darum kann dich auch nichts von meiner Liebe trennen! Glaube mir!“ Und ich rief Deutschland in meinem Herzen zu und musste es einfach in meinem Büchlein festhalten: „Glaube ihm! Glaube deinem Erlöser!“ Als ich wahrnahm, dass die Flagge auf dem Boden lag, hörte ich erneut die Stimme Jesu, die sagte: „Deutschland, auch wenn du am Boden liegst – wenn mein Name auf dir liegt, kannst du dich erheben in meinem Namen und zu meiner Ehre. Verkündige meine Größe! Stimme in das Lob der Völker ein, die meinen Namen preisen! Das ist deine Bestimmung!“ Und ich schrieb: „Ich nehme die Berufung stellvertretend, als Deutsche, an. Dein vergossenes Blut bricht die Ketten! Halleluja! Amen. Du bist mein Ruhm, mein Retter.“ Im Stillen nahm ich die befreiende Botschaft dieser Vision in meinen Dienstauftrag19 und ins nächste Jahr mit, das dann auch voller Erinnerungen an die Geschichte unseres Volkes und die schuld- und schicksalhafte Verknüpfung mit dem jüdischen Volk war.

6. Gedenktage im Blick auf Deutschland und Israel 2018

Mit dem folgenden Jahr wurde das 70-jährige Bestehen des Volkes Israel im eigenen Land gefeiert und gleichzeitig an die Reichspogromnacht am 9. November 1938 erinnert, in der unzählige Synagogen in Deutschland verbrannt und viele jüdische Geschäfte in einen Scherbenhaufen verwandelt wurden.20 Das geschah vor über 80 Jahren. Wie sehr die Leitung meiner Gemeinschaft die Anregung ablehnte, den Buß- und Bettag in diesem Jahr als internen Gebetstag zu nutzen, um Gelegenheit zu geben, die persönlichen und gemeinschaftlichen Altlasten aus unserer deutschen Geschichte vor Gott zu bringen, war mir zunächst nicht bewusst. Doch am Beginn des nächsten Jahres zeichnete sich ab, dass mit dem wachsenden Widerstand gegen diese Fragen und Themen ein gemeinsames Weitergehen nicht mehr denkbar war, sodass sich im Sommer unsere Wege trennten.

7. Geführt durch Gottes Reden im August 2019

Am Abend vor der letzten Schlüsselabgabe nahm mich eine Glaubensschwester zu einer Veranstaltung mit, bei der ein Pastor aus Amerika predigte. Im Anschluss an die Predigt sprach er, wie auch schon in anderen Gottesdiensten üblich, prophetisch in das Leben von Besuchern hinein. Auch ich sollte diese Gelegenheit bekommen.

Als ich vor ihm stand, sagte er, ohne mich oder meine Situation zu kennen: „Ich sehe einen Ruf zur Heiligkeit über dir. Und eine Schriftstelle sagt: ‚Ohne Heiligkeit können wir das Angesicht Gottes nicht sehen.‘ Und der Herr sagt: ‚Du wirst eine Begegnung von Angesicht zu Angesicht mit mir haben. Du wirst Dinge sehen, die du vorher noch nie gesehen hast.‘ Und der Herr will dir eine tiefe Begegnung mit ihm selbst geben, sodass du anderen erzählen kannst, was du gesehen hast. Denn das ist die Leidenschaft deines Herzens. Ich habe dich gesehen wie Maria zu den Füßen Jesu. Es ist fast so, als ob du eine Nonne wärst. Du hast dein ganzes Herz dem Herrn geschenkt. Denn das ist deine Leidenschaft. Und ich möchte, dass du weißt: Er ist mit dir verheiratet. Denn ich habe das Hohelied über deinem Kopf geschrieben gesehen. Der Herr sagt: ‚Du wirst dieses Buch erneut lesen, und du wirst ein neues Bild darüber bekommen. Und dann wirst du auch andere lehren können, was du in deinem eigenen Studium daraus gelernt hast.‘ Denn Gott hat dich berufen, die Braut Christi aufzurichten.21 Das ist deine tiefe Leidenschaft. Und wir brauchen diese Intimität, diesen vertrauten Umgang mit dem Herrn in der Gemeinde. Und du wirst das demonstrieren und lehren. So, Vater, führ sie tiefer, dass sie dein Angesicht sieht, und lass sie diese Begegnung mit dir haben. Amen.“

Überwältigt von dieser Bestätigung, dass mich mein himmlischer Bräutigam nach 33 Jahren in dieser Gemeinschaft auch in dem neuen, unbekannten Lebensabschnitt persönlich unter seinen Schutz nehmen würde, verbrachte ich eine Zeit in der Verborgenheit. Dort begann ich, täglich ein Kapitel des Hoheliedes zu lesen. Beim dritten oder vierten Durchgang sah ich auf einmal tiefer, wie in eine neue Dimension hinter den Worten. Das erfüllte mich mit großer Dankbarkeit und neuer Zuversicht, da ich empfand: Gott hat seine Braut auch in Deutschland noch nicht aufgegeben! Nachdem ich über sechs Wochen hinweg meine Offenbarungen darüber festgehalten hatte, verbrachte ich einige Wochen in Israel, um Holocaust-Überlebenden praktisch zu dienen. Auch das hatte Gott mir in diesem Jahr aufs Herz gelegt und die Türen dafür geöffnet.

8. Gedanken und Gebete am Beginn des Jahres 2020

Am Beginn dieses Jahres kamen Gedanken in mein Herz, die zu Gebeten wurden, sodass sich der Eindruck verstärkte: „Du sollst deine Erkenntnisse aus dem Hohelied in acht Kapiteln als Botschaft für die Braut Christi in Deutschland schreiben.“ Und später: „Lies dazu die Auslegung des Hoheliedes von Mike Bickle.“22 In einem Gebetshaus auf dem Ölberg in Jerusalem hatte ich ein Jahr zuvor erstmalig von ihm gehört. Und nachdem ich wegen der Pandemie nicht wie geplant ab März zunächst für eine längere Zeit in einem Dienst an Holocaust-Überlebenden in Israel mitarbeiten konnte, ging meine Reise ins Hohelied mit einem nächsten Schritt weiter.

9. Gewinn durch gemeinsame Schritte

Nach dem Studium der beiden Bücher von Mike Bickle zum Hohelied, die wiederum die Sichtweise von mehr als 130 anderen Auslegungen aufnehmen, erlebte ich meine eigene Begegnung mit Jesus, dem Bräutigam. Diese Begegnung führte mich in die Wirklichkeit von Bildern, in denen ich mich bewegen konnte, oft wie in einem Tanz. Denn es sind Bilder seines Geistes; und gerade dort wollte und will der dreieinige Gott uns alle treffen, uns persönlich mit seinen Augen der Liebe ansehen, um uns in eine Bewegung des Himmels zu bringen. Das habe ich ganz neu erlebt und in meinem Geist verstanden, dass nur auf dieser Ebene schrittweise die Verwandlung in sein Bild von einer Herrlichkeit zur anderen möglich ist.23

Da es eine Begegnung von Angesicht zu Angesicht ist, die jedem gilt, und die uns alle auf diesem Weg in sein Bild verwandeln will, stelle ich vor allem die persönliche Dimension der Braut als einer einzelnen Person dar. Es bedeutet zum einen, dass meine eigene Geschichte immer wieder durchschimmert, wo sie auch im Hohelied selbst verankert ist. Zum andern steht das Mädchen aus dem Hohelied aber auch für Deutschland, das zur Braut Christi erwählt ist. Denn mit den Augen einer Deutschen hatte ich gerade für die Situation und Geschichte dieses Teils der Brautgemeinde eine ermutigende Botschaft vom Himmel her empfangen, die ich weitergeben sollte. Wer sich aus anderen Hintergründen oder Völkern durch diese Botschaft von ihm geliebt und aus seiner Kultur und Religion zu ihm selbst gerufen sieht, hat denselben Gewinn, der wiederum der ganzen Braut des himmlischen Bräutigams zugutekommt. Denn ihre letzte Gestalt in all den Farben des Lichts dieser Liebe wird erst im Himmel offenbar. Und so leuchtet auch die Dimension des großen Ganzen – derEwigkeit – immer wieder auf. Nicht zuletzt wird durch die Ergänzung mit anderen Schriftstellen aus dem Wort Gottes deutlich, dass die Brautgemeinde Christi nur mit dem jüdischen Volk zusammen besteht und darum auch nur mit ihm zusammen vollendet werden kann. Gerade darauf fällt an vielen Stellen Licht.

10. Das Hohelied geistlich lesen

Jesus und seine Braut im Hohelied geistlich zu entdecken, bedeutete für mich dann, aus der Sphäre des Geistes heraus zu lesen, aus der alles Leben in Existenz kam. Es hieß im Blick auf meine nationale Identität, im Bild gesagt, die Deutschland-Fahne umzudrehen und im Gold „von oben her“ den Ursprung zu erkennen, aus dem heraus auch wir mit einer himmlischen Berufung geschaffen wurden.24 Denn als Ebenbild Gottes, der Geist ist,25 haben auch wir eine geistliche Identität; es ist unser wahres Ich. Dieses ist dazu bestimmt und befähigt, mit geistlichen Sinnen die Welt und das eigene Leben „von oben her“ – so wie er – zu sehen und zu gestalten. Dadurch wird es möglich, die eigene Seele mit allem Denken, Fühlen und Wollen in diese Höhe zu rufen und mitzunehmen, um sie in Übereinstimmung mit unserem wahren Ich, das sein Ebenbild ist, zu bringen.26 In Gemeinschaft mit ihm können wir dann wie er durch das gesprochene Wort in seiner Autorität und Kraft Leben hervorrufen und so seine Welt bebauen und bewahren.

Dabei gewann ich auf meiner Reise durch das Hohelied ganz neu ein Verständnis dafür, dass die Sprache des Geistes oder, anders gesagt, des Herzens Gottes, die Sprache der Bilder ist,27 die die Macht haben, auch unser Herz „von oben her“ zu bewegen, sodass wir mit seinen Mitteln bauen können, was er uns zeigt.28

Darum ist auch die Ursprache der Bibel, das Hebräisch, eine Bildsprache, in der wiederum jeder Buchstabe nicht nur eine Wortebene, sondern ebenso eine Bildebene enthält.29 Beispielhaft besteht allein das Wort für Gott, im Hebräischen EL, das von rechts nach links geschrieben wird, aus mehreren Worten, die Bilder hervorrufen. So bedeutet das E auf der rechten Seite, im Hebräischen Alef,30 „ewiger Gott, Anfang, Stärke, Anführer und Opferstier.“ Das L auf der linken Seite, im Hebräischen Lamed, bedeutet „Ochse, Treiberstock, Kontrolle.“ Wenn Gott sich im ersten Satz der Bibel dann mit dem Namen Elohim vorstellt, was „Gott über alle Götter“ bedeutet, dann kommt bereits hier ein Zweifaches zum Ausdruck. Zum einen bedeutet es, dass er über allen steht und niemand ihn entthronen kann. Zum andern bedeutet es aber auch, dass diese Position des Königs über alle Könige infrage gestellt wird und ein anderer die Kontrolle über alle anstrebt, die mit Druck umgesetzt werden soll.31 Auf der Wortebene bedeutet es, dass die Buchstaben Lamed und Alef vertauscht werden, wodurch das Wort LO entsteht, was im Deutschen Nein bedeutet. Wenn jedoch der Geist, der Gottes Herrschaft und Plan verneint, den Platz des Anführers einnimmt, dann wird Leben in Unfruchtbarkeit und Tod führen, wofür auf der Bildebene der Ochse steht, der kein Leben hervorbringen kann. Er ist vielmehr für schwere, körperliche Arbeit abgerichtet und wird schließlich zum Schlachtvieh. Das zu entdecken, nahm mir im Blick auf unsere deutsche Geschichte fast den Atem. Denn ich konnte es nicht mehr als Zufall ansehen, dass das jüdische Volk und alle, die nicht dem Bild des Gewaltherrschers Adolf Hitler im nationalsozialistischen Deutschland entsprachen, in Viehwaggons für schwere Arbeit bis zum Tod abtransportiert wurden.

Und ich sah: Auch in der Bannerform der Deutschland-Fahne kommt diese Richtung auf den Tod hin zum Ausdruck. Denn der Bundesadler blickt in dieser Form in das Schwarz auf der linken, und nicht in das Gold auf der rechten Seite, das für ewiges, wertvolles Leben steht.32 So bleibt er am Boden und wird wie die Hühner Körner picken und ohne Vision auf der Erde scharren bis zu seinem Ende, obwohl er ein Adler ist, der König der Lüfte.33 Als mir das bei meinem geistlichen Lesen des Hoheliedes im Blick auf Deutschland auffiel, verspürte ich den Impuls, den Adler zu rufen, seinen Kopf zu wenden und in die Sonne zu blicken. Das würde ihn auffliegen lassen in die Höhe, für die er geschaffen ist. Und dann könnte er sich erheben über alle anderen Vögel, selbst die, die ihn angreifen und ihm das Genick brechen wollen wie die Krähen.34 Denn sie können die Luft nicht atmen, in der er zu Hause ist, wenn er emporsteigt; sie müssen von ihm abfallen. Ich folgte in diesem Bild der Einladung, das Hohelied in der Höhe des Geistes zu lesen und mich selbst darin zu bewegen wie ein Adler, der in die Sonne blickt. Das hieß und heißt für mich dann: ihm zu glauben und von dieser Höhe aus auch andere ins Leben und zum Glauben zu rufen. Denn „die, die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie vorwärtsgehen und nicht müde werden.“35

11. Mit den Flügeln des Geistes fliegen

Ich begann, Jesus als Bräutigam im Hohelied geistlich zu entdecken und seine Einladung anzunehmen, mit ihm selbst höchste Berge zu überwinden, die sich wie mächtige Hindernisse auftürmen. Ich verstand, dass es dazu, im Bild gesagt, die Flügel seines Geistes braucht. Diese Flügel tragen den, der Gott vertraut, über alle Ängste und alle Unruhe hinweg in den Raum des Friedens Gottes hinein.36 Ich konnte ganz neu ergreifen, dass es der Heilige Geist ist, durch den Gottes Liebe in unser Herz und ganzes Wesen fließt und uns die Kraft zu fliegen schenkt.37 Nur in dieser Höhe der bedingungslosen Liebe des Heiligen Geistes werden wir zu dem freundlichen Angesicht von Jesus geführt und erkennen uns selbst als seine geliebte Braut, die er zum Vater im Himmel nach Hause holt.

Zugleich können wir nur durch den Glauben an ihn und seine Worte Licht über unsere eigentliche Lebensbestimmung empfangen. Denn wir sind nicht dazu auf der Erde, um – mit einem anderen Bild gesprochen, das mich auch schon länger beschäftigte – wie eine Raupe am Boden zu bleiben und uns „durchzubeißen“, sondern in der engen Gemeinschaft im Geist mit ihm allein einen Prozess der Verwandlung zu durchlaufen, der aus einer Raupe einen Schmetterling werden lässt. Allein durch das Wunder dieser Verwandlung wird er alle Kurzsichtigkeit und Fixierung auf die Erde überwinden und auch andere „Raupen“ durch sein Dasein einladen, diese Veränderung an sich geschehen zu lassen. Denn sie sollen ebenfalls fliegen, um die Welt von oben zu betrachten und von oben her zu beleben.

Gerade das Bild des Schmetterlings, der aus einer Raupe hervorkam, wurde für mich zu einem Schlüssel für das geistliche Lesen und Verstehen des Hoheliedes. Es will uns einladen im Glauben zu ergreifen, dass auch wir in einer höheren Ebene des Geistes zu Hause sind, für die wir geschaffen und zu der wir gerufen sind. Denn der uns in Liebe „designed“ hat, sieht uns schon mit Flügeln in den schönsten Farben wie Königsfalter weite Strecken und hohe Berge überwinden, während wir uns noch auf der Erde „durchbeißen“. Der das Wunder der Verwandlung in uns hineingelegt hat, kann es auch hervorrufen. Doch das Wann und Wie ist ein Geheimnis, das wir mit dem Verstand zwar nicht erfassen, aber doch im Herzen annehmen können.38

Zugleich verband sich das Bild des Schmetterlings in mir mit dem eines Gartens, der ja sein Lebensraum ist. Wenn ein Schmetterling von Blume zu Blume fliegt, um sie zu bestäuben, verhilft er letztlich auch ihnen in diesem Garten des Lebens zur Fruchtbarkeit. Sowohl im Bild der Blume als auch dieses leichten Flügelwesens konnte ich jetzt erkennen, dass jeder aufblühen und genau das werden kann, wozu er aus Liebe von Gott geschaffen wurde.39 So begann ich auch mit neu geöffneten Herzensaugen zu sehen: In diesem Garten der Gemeinschaft mit Gott kann sich jeder frei entfalten – vom Wind des Geistes bewegt und im Gleichklang der Einheit von Gott und Mensch, von Sichtbarem und Unsichtbarem, von Natürlichem und Übernatürlichem.

12. In den Garten der Gemeinschaft mit Gott gerufen

Ich entdeckte, dass im Hohelied das Bild des Gartens den Ort der Gemeinschaft mit dem Friedenskönig Jesus darstellt (für den Salomo steht).40 Durch seine Gegenwart kann unser eigenes Leben aufblühen und die Schönheit Gottes widerspiegeln, wie schon im ersten Garten in Eden, in dem er alles und jeden mit Liebe betrachtet und ins Leben gerufen hatte. Und wie der erste Mensch die Berufung hatte, diesen Garten zu pflegen und zu gestalten,41 so ist auch die junge Frau im Hohelied dazu erwählt. Sie darf in der Liebe dieses Königs erst selbst aufblühen und dann in Gemeinschaft mit ihm auch andere in diese verwandelnde Vertrautheit mit Gott rufen, bis sie sich unter seinem Blick als schön erkennen und ihr Leben lieben kann, wie auch er es tut. Und wie sich das Mädchen als die „Rose von Scharon“ erkennt, die er im Tal dieser Welt erblickt und pflückt, will sie später auch andere einladen, sich so zu sehen. Denn für diese Rose, in der Herzenssprache des Hoheliedes gesagt, verließ er den Himmel, um ihre Dornen auf sich zu nehmen und sie selbst an sein Herz zu legen.42 In dieser Bildsprache leuchtet die Berufung Gottes an jeden Menschen auf: In der Gemeinschaft mit ihm dürfen wir die Welt aus Disteln und Dornen, die nach der Ablehnung des Schöpfers entstanden ist,43 zurückverwandeln in einen einzigen großen Garten seiner gnädigen Herrschaft. In diesem Garten soll durch seine Gegenwart buntes und vielfältiges Leben aufblühen können, das Gottes Design der Liebe und Wahrheit trägt und darum auch neues Leben hervorbringt.44

Doch der Geist Satans, der diesen Liebesplan verneint und bereits die ersten Menschen zur Ablehnung der Autorität ihres gemeinsamen Schöpfers verführte,45 will bis heute durch Lügen und Verdrehen der Wahrheit aus dem Garten des Lebens und der Liebe einen Friedhof machen, in dem Hass und Tod das Sagen haben. Jede Ablehnung von Leben hat hierin ihren Ursprung; das wurde mir beim Lesen des Hoheliedes aufs Neue bewusst. Zugleich ist der Geist Satans dadurch gekennzeichnet, dass er gerade die Schöpfungen und Bilder Gottes, die für Leben, Liebe und Schönheit stehen, dazu benutzt, sie zu verdrehen und ins Gegenteil zu verkehren. Im Blick auf die Regierungsriege des 3. Reiches in Deutschland ab 1933 fand ich es darum bezeichnend, dass sie in diesem Geist der Ablehnung Gottes mit dem Bild des Gartens fast ein ganzes Volk dafür gewinnen konnte, zu Handlangern der Vernichtung zu werden. Denn wie im ersten Garten, den die Bibel beschreibt, näherte sich das Böse in der Gestalt des Schönen und ging in so kleinen Teilschritten vor, dass die Rechtfertigung der kleinen Einzeltat die Sicht für das Schreckliche der ganz großen Tat verblendete.46 Ausgerechnet mit dem verdrehten Bild des Gartens, der von Gott her ursprünglich für Entfaltung und das Aufblühen alles Lebendigen gestanden hatte, wertete man nun Menschen als „Unkraut“ der Gesellschaft ab, das „ausgerottet“ werden müsse, um der – vermeintlichen – Schönheit des „germanischen Gartens“ willen.

In Johannes Czwalinas Buch Das Schweigen redet, das ich im Sommer 2019 parallel zum Hohelied las, fand ich die Begründung dafür, warum dieser Gedanke in vielen Ohren edel klang. Demnach wertete dieses Bild vom „germanischen Garten“ das im Keller befindliche Selbstwertgefühl einer Nation nach dem verlorenen ersten Weltkrieg auf und erhob eine resignierte Volksseele. Dabei dachte man nicht an das Verwerfliche eines Genozids. Der Massenmord diente scheinbar einem guten Zweck. Johannes Czwalina kam zu dem Schluss: „Viele kleine Schritte der Rechtfertigungen führten somit zur Blindheit für die perverse Fratze des schrecklichsten Massenmords der Geschichte.“47

Das Bild des Gartens wurde für mich somit zu einem Schlüssel, um sowohl Gottes Gedanken der Gemeinschaft mit ihm, dem König aller Könige, zu verstehen, als auch die teuflische Perversion in unserer deutschen Geschichte. Denn dieser im Geist des Todes pervertierte „Friedhofsgarten“ trug die Handschrift dessen, der Gott und die Seinen hasst und zerstören will.

Gerade vor dem Hintergrund des Hasses und angesichts der unsagbaren Schuld gegenüber Gott und seinem Volk leuchtete für mich im Hohelied die Liebe des himmlischen Vaters auf, der wie ein Gärtner in diesem deutschen Boden der Gewalt noch Generationen von Menschen sieht, die er nach seinem Bild geschaffen hatte und die er jetzt ins Leben rufen will. Trotz einer vernichtenden Ideologie, die alles Mitgefühl und alle Barmherzigkeit aus den Herzen gerissen hatte, als wäre es Unkraut, sieht er auch in Deutschland nicht nur Kinder und Enkel des Krieges.48 Vielmehr sieht er in den Generationen der vater- und mutterlosen Gesellschaft schon Kinder des wahren Vaters im Himmel, die durch den Heiligen Geist sein Herz der Liebe kennenlernen und auch sich selbst als geliebt und schön erkennen dürfen.49 Es überwältigte mich, im Hohelied Jesus zu entdecken, den König der Juden und Heiland der Welt, der auch uns als Deutsche nicht abgeschrieben hat, sondern uns von Herzen liebt wie ein Bräutigam seine Braut. In dieser Erwählung konnte ich darum auch seine Berufung an unsere jetzige Generation erkennen: in Herzenseinheit mit Gott, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist zu regieren und den von Hass verbrannten und hart getretenen Friedhofsboden erneut in einen Garten des Lebens und der Liebe zu verwandeln – „wie im Himmel, so auf Erden.“50

Ausblick

Nach diesen zwölf Schritten auf den König und Bräutigam des Hoheliedes zu habe ich mich auch selbst als Teil der Braut Christi angenommen, die zur Regentschaft mit ihm in seinem Geist berufen ist.51 Als Teil dieser Braut möchte ich mich darum in den Ruf des Geistes und der Braut weltweit einreihen, die die Wiederkunft des Bräutigams herbeisehnt und zugleich einlädt, in die Tanzbewegungen des Glaubens einzutreten. Denn es ist die Stimme des Heiligen Geistes, die uns auch in Deutschland zuruft: „Seht, der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen!“52 Die Gemeinde Jesu, die zur Braut erwählt ist, ist gerufen aufzuwachen und aufzustehen wie die fünf Jungfrauen im Gleichnis, die klug genug waren, das Öl der anbetenden Liebe zu Jesus, dem Bräutigam, zu pflegen und sich von der Liebe seines Geistes nähren zu lassen. Auf meinem Weg durch das Hohelied verstand ich ganz neu: Nur die Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist wird die Lampe des Dienstes seiner Brautgemeinde am Brennen halten, um ein Licht zu sein, das nicht verlöscht, wenn die Finsternis zunimmt. Nur so wird sie leuchten und in der Schönheit und Einheit mit seinem Wesen über die Finsternismächte herrschen können, bis er wiederkommt. Dann wird er den Erdkreis richten und sein ewiges Reich in einem neuen Himmel und auf einer neuen Erde aufrichten.

Im Blick auf den deutschen Teil der Braut Christi und die Deutschlandfahne sah ich auf einmal: dann wird es kein Schwarz mehr geben, denn die Braut weiß: „Sein Banner über mir ist Liebe“, und das ist wie der Bräutigam „weiß und rot.“53 Bis dahin sind viele einzelne Schritte des Glaubens zu gehen. Da es Schritte im Heiligen Geist sind, können sie immer wieder singend und anbetend in tänzerischer Leichtigkeit gegangen werden. So erlebte ich es; und dazu will dieser Durchgang durch das Hohelied in acht Strophen jede und jeden einladen, der es liest und singt. Dabei enthält jede Strophe mehrere Bilder, die im Herzen aufgenommen und in Bewegung umgesetzt werden wollen. Denn auf einmal konnte ich das Bild von getanzten Kreisbewegungen mit dem König sehen, die sich im Takt seiner Liebe bewegen, aus der sie geboren wurden. Angesichts der Tiefe seiner Liebe, aber auch der Schwere der Thematik empfand ich, dass es nach jeder Strophe ein Sela geben muss, an dem man innehalten kann.54 Wie in einem Zwischenspiel, bei dem die Sänger des Hoheliedes gleichsam Atem holen können, sollen dabei die einzelnen Tanzschritte mit vier Fragen meditierend und betend noch einmal im Herzen bewegt werden können. Dabei ist das Ziel nicht, möglichst alles noch einmal gedanklich nachzuvollziehen, sondern vielmehr dort zu verweilen, wo ein Tanzschritt des Glaubens in eine tiefere Beziehung zum Bräutigam des Himmels geführt hat oder führen will. Die Fragen, die nach jeder Strophe am Ende stehen und zu einem Ruhen am Herzen Gottes einladen wollen, lauten zum Ersten: Was ist meine wahre Berufung als Braut Christi? Zum Zweiten: Wodurch wird diese Berufung infrage gestellt? Zum Dritten: Wie wird die Schönheit der Braut wiederhergestellt? Und zum Vierten: Welche Tanzschritte des Glaubens will ich einüben?

Die Aufforderung zum Tanz ist da. Die acht Strophen des Hoheliedes wollen gerade den deutschsprachigen Teil der Braut einladen, sich aus den Märschen des Todes heraus in den Rhythmus der Liebe Gottes hineinzubewegen, mit Tanzschritten des Glaubens, die auch zum Singen befreien. Im Aufwind des Heiligen Geistes können diese Glaubensschritte eine himmlische Leichtigkeit gewinnen, die sie alles Alte überwinden lässt, und sei es noch so schwer. Denn „in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat.“55 Dabei ist keine Erfahrung und kein nationaler oder persönlicher Hintergrund ausgeschlossen. Nur so kann ich Zugang zu einer Aussage finden, die der Jude Ben Lesser, ein Holocaustüberlebender des Todesmarsches nach Auschwitz, als 92jähriger Mann in Bad Liebenzell 2018 ohne Bitterkeit gemacht hat. Er sagte: „Es gibt zwei Kräfte in der Welt, die ansteckend sind: den Hass und die Liebe. Ich bitte Sie, wählen Sie die Liebe!“56

 

 

1 Vgl. Eph. 1,4.5.

2 Mt. 25,6.

3 So sah ihn schon sein Wegbereiter, Johannes der Täufer, als er im Blick auf Jesus und seine Jünger sagte: „Der die Braut hat, ist der Bräutigam“ (Joh. 3,29).

4 Vgl. Hes. 16,1-14; Hos. 2,18-25; Jes. 54,2-5; 62,4.5 u. a.; Eph. 5,32. Vgl. die Einleitung zum Hohelied in der ELSA, S. 781.

5 Vgl. Mike Bickle in Den meine Seele liebt,Ein Bibelstudium zum Hohelied Kapitel 1 bis 5,1, 2. Aufl., Asaph Verlag, Lüdenscheid 2016, S. 16; im Folgenden zitiert als Bickle, Hohelied, Band 1.

6 Offb. 22,17.

7 Offb. 22,20.

8 Text und Musik von Robert Stearns. Der ganze Text und das Lied, interpretiert von Paul Wilbur in Internetquelle: Wilbour, Paul (2013): Dance with me. Online abrufbar unter: https://www.youtube.com/watch?v=7_4gJvDy2gU. [Zuletzt: 05.07.2021]. Der ganze Text lautet: „Romance me o Lover of my soul to the song of all songs. Behold You have come, Over the hills, Upon the mountains. To me You have run, My beloved. You’ve captured my heart. With you I will go. You are my love, you are my fair one. Winter has passed and the springtime has come. Dance with me O Lover of my soul to the song of all songs. Romance me o Lover of my soul to the song of all songs. Take my hand O Lover of my soul. Sing a song of all songs. Come and take us to Yourself, O Lord, Sing a song of all songs.“ In diesem Liedtext sind Bilder aus dem Hohelied aufgenommen, die in diesen Tanz geführt haben. Ins Deutsche übertragen lautet es: „Tanz mit mir, Liebhaber meiner Seele, zum Lied der Lieder. Wirb um mich, Liebhaber meiner Seele, zum Lied der Lieder. Sieh, du bist gekommen über die Hügel, über alle Berge hinweg. Zu mir bist du gelaufen, mein Liebster. – Du hast mir das Herz geraubt. Mit dir will ich gehen. – Du bist meine Liebe, meine Einzige. Der Winter ist vorbei und der Frühling ist gekommen. – Tanz mit mir, o Liebhaber meiner Seele zum schönsten aller Lieder. Wirb um mich, o Liebhaber meiner Seele zum Lied der Lieder. Nimm meine Hand, o Liebhaber meiner Seele. Sing ein Liebeslied. Komm und nimm uns zu dir selbst, o HERR! Sing ein Lied aller Lieder.“

9 Mk. 16,17.18; vgl. Apg. 1,8.

10 Vgl. Die Berliner Erklärung in Internetquelle: Berliner Erklärung (Religion). Online abrufbar unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Erklärung_(Religion). [Zuletzt: 05.07.2021]. Im Folgenden zitiert als Berliner Erklärung. Vgl. auch Jürgen Bühler (2021): Die Berliner Erklärung und der Holocaust, ICEJ Deutschland (Präsident der International Christian Embassy Jerusalem). Online abrufbar unter: https://www.youtube.com/watch?v=D5OBdiRzIEA [Zuletzt: 05.07.2021]. Im Folgenden zitiert als Bühler, Die Berliner Erklärung und der Holocaust. Auch er vertritt die Überzeugung, dass die Berliner Erklärung maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass der Holocaust in Deutschland möglich war.

11 Mir war nicht bewusst, dass Gott schon im Alten Testament seinen Propheten Hesekiel dazu aufforderte, den Heiligen Geist zu rufen, in das Tal der Toten zu kommen und dort hineinzublasen, sodass die Menschen seines Volkes lebendig werden, um ihr Leben aus Gott zu leben. Vgl. Hes. 37,9.10.

12 Philipp Spitta, O komm, du Geist der Wahrheit, in: Evangelisches Gesangbuch, Gesangbuchverlag Stuttgart GmbH, 1. Aufl., Stuttgart 1996, Nr. 136. Im Folgenden zitiert als EG.

13 Jos. 1,9.

14 Dort kam ich auch in Berührung mit seinen Büchern wie Udo Baer, Wo geht’s denn hier nach Königsberg, Wie Kriegstraumata im Alter nachwirken und was dagegen hilft, Semnos Verlag, Neukirchen-Vluyn 2014; im Folgenden zitiert als Baer, Königsberg. Udo Baer, Gabriele Frick-Baer, Wie Kriegstraumata in die nächste Generation wirken, Untersuchungen, Erfahrungen, therapeutische Hilfen, Semnos Verlag, Neukirchen-Vluyn 2012, im Folgenden zitiert als Baer/Frick-Baer, Traumata in der nächsten Generation. Und Gabriele Frick-Baer, Kreative Traumatherapie: Aufrichten in Würde, Methoden und Modelle leiborientierter kreativer Traumatherapie, Semnos Verlag, 2. Aufl., Neukirchen-Vluyn 2015. Im Folgenden zitiert als Frick-Baer, Aufrichten in Würde. Diese Bücher haben mir nicht nur für die ältere Generation der Kriegs- und Nachkriegskinder ein neues Verständnis geschenkt, sondern auch für meine eigene Generation der Kriegsenkel, wie Sabine Bode sie in ihrem Buch Kriegsenkel beschreibt. Vgl. auch Sabine Bode, Die vergessene Generation, Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen, Klett-Cotta Verlag, 27. Aufl., Stuttgart 2015. Im Folgenden zitiert als Bode, Kriegskinder. Und Sabine Bode, Kriegsenkel. Die Erben der vergessenen Generation, Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2009.

15 Über die kriegstraumatisierten Väter wird häufig erzählt, dass sie nicht nur unruhig waren, sondern auch oft Jähzornanfälle und cholerische Attacken an Kindern, Partnerinnen und Nachbarn auslebten, immer „beleidigt“ und „überempfindlich“ waren. Sie sind in einem Zustand der chronisch erhöhten Erregung und Reizbarkeit. Diese Erfahrungen sind berichtet in Baer/Frick-Baer, Traumata in der nächsten Generation, S. 32.

16 Das Thema der Scham habe ich dann von demselben Verfasser in hilfreicher und erhellender Weise aufgenommen gesehen in Udo Baer, Gabriele Frick-Baer, Vom Schämen und Beschämtwerden, Semnos Verlag, Neukirchen-Vluyn 2008. Im Folgenden zitiert als Baer/Frick-Baer, Vom Schämen. So geben sie dort zu bedenken: „Lange Zeit wurden Faschismus, Krieg, Pogrome und die Ermordung von sechs Millionen Juden als Teil deutscher Geschichte des 20. Jahrhunderts ausgeblendet. Schamlos versteckte und versteckt eine ganze Generation ihre Scham über das, wozu sie geschwiegen hat. Dieses Schweigen bot und bietet der Scham ein Zuhause und füllt die Atmosphäre zahlloser Familien.“ A.a.O., S. 116. Doch die Werte unserer Gesellschaft lassen es nicht wirklich zu, sich zu entschuldigen. Sie drücken es so aus: „Wer sich entschuldigen möchte, findet … allerdings auch wenig Rückendeckung. Es gibt in unserem Land keine Kultur der Reue und des Entschuldigens, es gibt eher eine Kultur des Vertuschens und des Verschweigens, des Aussitzens und des Verhüllens.“ A.a.O., S. 117.

17 Jesus selbst spricht vom Heiligen Geist als seinem Stellvertreter, der als Tröster und Geist der Wahrheit zu den Seinen kommt, wenn er selbst zum Vater in die himmlische Dimension zurückkehren würde: Joh.16,15.

18 Penkazki, Israel und wir, S. 31. Das Glaubensbekenntnis „Deutscher Christen“ und des deutschen Volkes lautete: „Wir glauben auf dieser Erde allein an Adolf Hitler. Wir glauben, dass der Nationalsozialismus der allein selig machende Glaube für unser Volk ist. Wir glauben, dass es einen Herrgott im Himmel gibt – dieser Herrgott hat uns Hitler gesandt, damit Deutschland für alle Ewigkeit ein Fundament werde.“ Hitler selbst formulierte sein Credo so: „Ostern ist nicht die Auferstehung, sondern die ewige Erneuerung unseres Volkes. Karfreitag ist nicht die Erlösung von Sünden, sondern die Erlösung von der Blutvermischung und den Blutvergiftern: den Juden. Weihnachten ist die Geburt der Freiheit unseres Volkes.“ A.a.o., 30.31. Vgl. auch Maria Anne Hirschmann, Vom Hakenkreuz zum Kreuz, Autobiografie, Gerth Medien, 1. Aufl., Asslar 2006. Im Folgenden zitiert als Hirschmann, Vom Hakenkreuz zum Kreuz. Sie beschreibt autobiografisch diese Umdeutung des Evangeliums mit den Folgen für die Umwertung der Werte, wie auch Leni Immer, Meine Jugend im Kirchenkampf, Quell Verlag, Frankfurt am Main 1994. Im Folgenden zitiert als Immer, Kirchenkampf.

19 In meinem Verkündigungsauftrag in einem Ferienbibelkurs bekam ich im Sommer 2017 durch einen Gast im Blick auf die Lösung vom nationalsozialistischen Geist ein Gebetsblatt mit genau dieser Überschrift: „Wie wir im Blick auf den nationalsozialistischen Geist für unsere Familien beten können“. Er arbeitet in einem Gebetsdienst mit, wo dieses Blatt eingesetzt wird, wenn Menschen mit Nöten aus diesem Themenkreis kommen und um Gebet bitten. So wurde mir ganz klar, dass die Berufung, meine Gemeinschaft von diesem Geist zu lösen, ins Gebet führt, durch das ich persönlich und stellvertretend im Glauben nach dem Wort von Jesus handeln kann: „Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, wird auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, wird auch im Himmel gelöst sein“ (Mt. 18,18). Das Gebetsblatt befindet sich in Anhang 1.

20 So auch auf dem Gemeinde-Israel-Kongress vom 8.-10.11.2018 in der „Gemeinde auf dem Weg“, Berlin unter dem Motto: „Dein Reich komme!“, an dem ich teilnahm.

21 Wörtlich sagte er: „You will raise the Bride of Christ.“

22 Bickle, Hohelied, Band 1 sowie Mike Bickle, Alles an ihm ist liebenswert, Ein Bibelstudium zum Hohelied, Kapitel 5,2–8, Asaph Verlag, Lüdenscheid 2005. Im Folgenden zitiert als Bickle, Hohelied, Band 2.

23 Gerade im Blick auf die schmerzvolle deutsche Geschichte, in die ich selbst bis zu jenem Gebetskreis 2017 seelisch wie verfangen war, und die für viele in ihrer nationalen Identität noch immer wie eine offene Wunde, d. h. ein kollektives Trauma ist, bedeuten die heilsamen Bilder im Hohelied einen entscheidenden Weg zur Verarbeitung und Bewältigung vom Himmel her. So sagt Monika Klotz treffend: „Da Traumata der kognitiven Erinnerung unzugänglich abgelegt, aber somatosensorisch erinnert werden, sollte allen sprachlich-kognitiven Formen der Bearbeitung eines Traumas eigentlich sinnvollerweise eine Bearbeitungsform vorgeschaltet werden, bei der die rechte Gehirnhälfte besonders aktiviert wird. Dies passiert bei allen künstlerischen und musikalischen Aktivitäten oder auch beim Erzählen von Geschichten. Weil das so ist, können alle Medien, die die rechte Gehirnhälfte aktivieren, als therapeutisch und hilfreich bezeichnet und eingesetzt werden und sind für die Traumabearbeitung wertvoll.“ Zitiert in: Monika Klotz, Transgenerational weitergegebene Traumata, Eine praktisch-theologische Untersuchung, LIT Verlag, Berlin 2020. In Praktische Theologie interdisziplinär, hrsg. Prof. Dr. Christoph Schneider-Harpprecht (Karlsruhe) und Prof. Dr. Dirk Oesselmann (Freiburg), Band 6, S. 216. Im Folgenden zitiert als Klotz, Traumata. Die Bedeutung dieser heilsamen Bilder und Bildfolgen wie im Film im Blick auf die rechte Gehirnhälfte wird in der zweiten Strophe auf der geistlichen Ebene ausführlicher entfaltet. Es kommt dort in den Blick, wo es in Hld. 2,6 heißt: „Seine Linke liegt unter meinem Kopf, und seine Rechte umarmt mich.“ Vgl. dazu auch Ps. 16,8.11.

24 Dieses Bild empfing ich während des Studiums des Hoheliedes auf einmal am 22.11.2020.

25 Vgl. Joh. 4,24, wo Jesus sagt: „Gott ist Geist.“

26 Das heißt dann auch mit dem Glaubensbekenntnis Israels, Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit allen Kräften zu lieben (5. Mose 6,5), oder mit Paulus gesagt: „Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch, und euer Geist soll ganz, mit Seele und Leib, untadelig bewahrt werden bis zur Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus.“ 1. Thess. 5,23.

27 Dass die Sprache des Herzens Bilder gebraucht, kommt im Deutschen gerade dann zum Ausdruck, wenn es um vertraute Beziehungen geht und einer zum andern sagt: „Mein Häschen“, oder „mein Täubchen“, „mein Brummbär“ etc. Diese Vergleiche aus dem Tierreich drücken dabei Beziehung aus. Sie bedeuten nicht Abwertung, sondern Liebe. Vgl. der Vergleich in Hld. 1,9 und an vielen anderen Stellen.

28 Die Bilder auf der höchsten Ebene des Heiligen Geistes haben dann auch die Macht, Bilder in der Seele zu überschreiben und damit zu entmachten. Das wird an späterer Stelle weiter ausgeführt. Dann ist es möglich, wie Jesus das zu tun, was er den Vater tun sieht. Vgl. dazu seine Aussage: „Der Sohn kann nichts aus sich selber tun, sondern was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut in gleicher Weise auch der Sohn“ (Joh. 5,19). In der Folge gilt für die, die an ihn glauben: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ (Joh. 20,21).

29 Jehuda, Arie: Das hebräische Alphabet. Online abrufbar unter: http://ariejehuda.de/hebraeische-wurzeln/. [Zuletzt: 05.07.2021].

30 Vgl. das Bild vor dem Kapitel. Persönliche Hervorhebungen und Worte in anderer Sprache werden kursiv gedruckt.

31 Das Bild des Treiberstocks vermittelt diese gewaltsame Umsetzung.

32 Vgl. Internetquelle: Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: FlaggAnO 1996 – Anordnung über die deutschen Flaggen. Online abrufbar unter: https://www.gesetze-im-internet.de/flaggano_1996/BJNR172900996.html [Zuletzt: 05.07.2021]. Dort heißt es: „Wird die Bundesdienstflagge in Bannerform verwendet, ist der Bundesschild, den Adler zum schwarzen Streifen hin gewendet, parallel zu den Längsstreifen … Bei repräsentativen Veranstaltungen, bei denen die Gruppierung auftritt, wird die Dienstflagge des Bundes im Zug mitgeführt.“

33 Vgl. James Aggrey (1875 in Ghana -1927 in Harlem, New Your City), Der Adler, der nicht fliegen wollte, Peter Hammer Verlag, Wuppertal 1998. Seit dem Gebetskreis 2017 war mir die Richtung des Adlers auf das Schwarze in der Bannerform der Deutschlandfahne zum ersten Mal aufgefallen und hat mich im Blick auf unsere nationale Geschichte ins Nachdenken gebracht.

34 Vgl. Mk. 4,4 und V. 15, wo die Vögel ein Bild für Satan sind, die das Wort wegpicken, wenn es auf einen hart getretenen Weg fällt, der ein Bild für das menschliche Herz ist.

35 Jes. 40,31.

36 Phil. 4,7.

37 In diesem Bild soll zum Ausdruck kommen, dass wir weder in den irdischen Umständen noch in den körperlichen und seelischen Befindlichkeiten und Begrenztheiten gefangen und ihnen ausgeliefert bleiben müssen, sondern in unserem Geist als Anschlussstelle für Gottes Geist eine Kraftquelle finden, dass wir uns darüber erheben können. Vgl. Joh. 3,5-8; Röm. 8,1.2. Diese Kraft kommt in Eph. 4,23f zum Ausdruck, wo es heißt: „So legt nun von euch ab… den alten Menschen, der durch die trügerischen Begierden zugrunde geht… und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit geschaffen ist.“ Dabei ist der neue Mensch der Geist in uns, der ganz heil auf die Welt kommt, wenn ein Mensch durch den Heiligen Geist wiedergeboren ist. Dieser geistliche Mensch, unser wahres Ich, muss dann geistliche Nahrung bekommen, um zu wachsen und die Seele die Wahrheit Gottes lehren und sie mitnehmen zu können in die Anbetung ihres Schöpfers wie in Ps. 103,1.2. Denn es ist mein Geist, der meine Seele auffordert: „Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen.“ Vgl. Kol. 3,9-17. Jeder Mensch soll dabei wissen: Mein Geist ist mein wahres Ich, die beste Ausgabe von mir selbst, die Gott glauben und vertrauen kann. Der Heilige Geist bestätigt dieses geistliche Ich, dass es Gottes Kind ist, das in der Liebe des himmlischen Vaters aufwachsen darf, um ein mächtiger Sohn oder eine mächtige Tochter Gottes zu werden, die gemeinsam die Werke des Vaters tun. Darum sagte Jesus in Joh. 20,21: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Doch im Blick auf die Zuordnung zu ihm selbst im Reich des Vaters sind die Söhne und Töchter Gottes in geistlicher Einheit die Braut des himmlischen Bräutigams. Wenn hier von der Braut die Rede ist, ist also zum einen immer diese Zuordnung gemeint, wobei zum andern auch jeder einzelne in seinem Geist