John Sinclair 1957 - Rafael Marques - E-Book

John Sinclair 1957 E-Book

Rafael Marques

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Beschreibung

Tatjana Müller blieb wie angewurzelt stehen. "Jenny!", rief sie aufgeregt. "Komm, das musst du dir ansehen!"

Jennifer Malwitz beschleunigte ihre Schritte. Es dauerte nicht lange, bis sie erkannte, warum Tatjana stehen geblieben war. Nur wenige Meter vor ihnen lag das Ufer eines kleinen Waldsees.

Jennifer stockte. Das konnte nicht sein! Sie kannte die Karte dieses Waldes genau, und sie waren auch schon auf dem Hinweg hier vorbeigekommen. Sie war ganz sicher - an dieser Stelle durfte es keinen See geben!

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Inhalt

Cover

Impressum

Aibons Höllensee

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: shutterstock/isak55; Andrey_Kuzmin

E-Book-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-2473-0

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Aibons Höllensee

von Rafael Marques

Der Wald wirkte friedlich, doch der Schein trog. Etwas lauerte dort. Etwas, das lange geruht hatte. Eine uralte Kraft, die sich Zugang in diese Welt verschaffen wollte. Mit ihr waren Kreaturen erschienen, die die Menschen nur aus ihren schlimmsten Albträumen kannten.

Diese Kreaturen warteten auf Opfer, auf Menschen, die durch den Wald streiften und nichts von dem ahnten, was sich zwischen den dicken Stämmen versteckt hielt.

Sie würden nicht mehr lange warten müssen …

Das Wetter zeigte sich wieder einmal von seiner schönsten Seite. Warme Sonnenstrahlen sickerten zwischen den hohen Wipfeln der Bäume hindurch. Von der grauen Wolkenwand, die in den letzten Tagen den Himmel beherrscht hatte, war nichts mehr zu sehen. Stattdessen waren die Temperaturen auf über zwanzig Grad gestiegen.

Ihren Pullover hatte Jennifer Malwitz in den Rucksack gesteckt. Nach den Anstrengungen der letzten Tage genoss sie es, endlich nicht mehr dick eingepackt herumlaufen zu müssen. Ihre blonden, schulterlangen Haare hatte sie zu einem Zopf zusammengebunden.

Der Blick vom Gipfel des Hohen Ziegspitz auf den Eibsee war einfach einmalig gewesen. Überhaupt war ihre Wanderung in den Ammergauer Alpen ein unvergessliches Erlebnis. Schon allein deshalb, weil es ihr erster gemeinsamer Ausflug mit Peter Kluge, ihrem neuen Freund, war.

Die vierundzwanzigjährige Studentin hatte Peter in München kennengelernt, wo er in einem Café als Kellner arbeitete. Man konnte schon von Liebe auf den ersten Blick sprechen. Peter sah gut aus, war sportlich und witzig und lag mit Jennifer auf einer Wellenlänge. Vielleicht war er ja wirklich der Mann fürs Leben, den sie in ihrem Heimatort, einem kleinen Dorf in Niederbayern, nicht gefunden hatte.

Aber das war alles Zukunftsmusik. Für Jennifer zählte jetzt nur der Moment, und den genoss sie in vollen Zügen. Neben einer mächtigen Tanne blieb sie stehen, schloss sie Augen und lehnte sich zurück. Tief atmete sie die klare Waldluft ein.

»Hey, schläfst du etwa?«

Jennifer öffnete die Augen wieder. Neben ihr erschien das runde Gesicht von Tatjana Müller, ihrer besten Freundin. Die dunkelhaarige Münchnerin runzelte die Stirn. »Machst du etwa schlapp? Jetzt, auf dem Rückweg?«

»Unsinn. Ich will nur ein bisschen die Natur genießen.«

»Als ob wir davon nicht schon genug hatten …« Kopfschüttelnd ging Tatjana weiter.

Jennifer ließ sich von ihrer Freundin nicht die Stimmung vermiesen. Tatjana war eben ein echter Stadtmensch, ebenso wie ihr Freund Tim Heuberg.

Warum die beiden ihrem Vorschlag zugestimmt hatten, gemeinsam mit Peter und ihr einen Wanderausflug zu machen, wusste sie immer noch nicht. Man konnte Tatjana förmlich ansehen, wie unwohl sie sich fühlte. Vielleicht hatte sie Jennifer einfach nur einen Gefallen tun wollen.

Peter hingegen war von der unberührten Natur fasziniert. Lächelnd kam der dunkelhaarige Mann mit dem weichen Dreitagebart auf Jennifer zu. Auch er hatte seinen Pullover und die Jacke abgelegt.

»Lass dir von ihr nicht die Stimmung verderben«, munterte er Jennifer auf.

»Bestimmt nicht«, erwiderte sie.

»Hauptsache, wir haben unseren Spaß.«

»Allerdings.« Jennifer musste nur an ihre gemeinsamen Nächte in ihrem Zelt denken, um sich zu erinnern, wie viel Spaß sie gehabt hatten. Doch im Moment hatte sie nur Augen für die atemberaubende Umgebung.

»Eigentlich könnten wir ja noch ein paar Tage bleiben«, schlug Peter vor. »Oder wir holen in Burgrain noch etwas Proviant und gehen auf die nächste Tour. Tatjana und Tim finden sicher auch ohne uns nach Hause. Oder musst du noch für dein Studium büffeln?«

Lachend schüttelte Jennifer den Kopf. »Nein, die Semesterferien sind noch lang genug. Aber was wird aus deinem Job?«

Peter Kluge winkte ab. »Ich habe noch eine Woche Urlaub, also noch genug Zeit für eine zweite Wandertour.«

»Abgemacht«, antwortete Jennifer spontan.

»Super. Aber lass uns erstmal unsere Freunde auf den richtigen Weg bringen.«

»Hey, Tatjana kann richtig nett sein.«

»Ja, kann. Das ist mir allerdings noch nicht aufgefallen.«

»Du kennst sie ja auch nicht so gut wie ich.«

Gemeinsam setzten sie ihren Weg fort. Tatjana und Tim hatten bereits etwa hundert Meter Vorsprung herausgelaufen. Als sie den Hohen Ziegspitz hinaufgestiegen waren, hatten die beiden noch kaum Jennifers und Peters Tempo folgen können. Doch jetzt, wo es zurück ging, schienen sie es plötzlich sehr eilig zu haben. Offenbar setzte die Aussicht, endlich wieder in die Stadt zurückzukommen, bei ihnen neue Energien frei.

Peter musste schmunzeln. »Irgendwie süß, wie die beiden versuchen, so schnell wie möglich nach Hause zu kommen.«

»Tja, die haben eben keinen solchen Sinn für die freie Natur wie wir.«

»Aber jetzt machen sie auch schon wieder eine Pause.« Peter wies nach vorne.

Tatjana und Tim standen nebeneinander und schienen auf etwas Bestimmtes zu warten. Oder sie beobachteten etwas, das Jennifer von ihrer Position aus nicht erkennen konnte.

»Jenny!«, rief Tatjana laut. »Komm, das musst du dir ansehen!«

Jennifer Malwitz löste sich von ihrem Freund und beschleunigte ihre Schritte. Es dauerte nicht lange, bis sie erkannte, warum Tatjana und Tim stehen geblieben waren. Nur wenige Meter vor ihnen lag das Ufer eines kleinen Waldsees.

Das allein war nichts Besonderes. Allerdings war Jennifer davon überzeugt, dass es in dieser Gegend eigentlich kein Gewässer geben sollte. Zumindest war ein solches auf keiner Karte verzeichnet gewesen.

Der See hatte ungefähr die Ausmaße eines kleinen Fußballfeldes. Die Oberfläche, auf der die kräftigen Sonnenstrahlen glitzerten, lag vollkommen ruhig vor ihr. Als sie näher an ihn herantrat, erkannte sie, dass das Wasser kristallklar war.

»Hier dürfte es doch gar keinen See geben, oder?«, fragte Tatjana. Ihre Miene wirkte noch starrer als sonst. »Wir sind doch auf dem Hinweg auch hier entlanggekommen. Oder bin ich jetzt total neben der Spur?«

»Eigentlich nicht«, antwortete Jennifer. »Aber über Nacht wird er sich auch nicht gebildet haben.«

Als Peter neben sie trat, hob er nur die Schultern. »Vielleicht war er einfach zu klein, als dass man ihn auf einer Karte verzeichnet hätte. Und auf dem Hinweg haben wir ihn eben übersehen.« Neben einer Tanne ließ er seinen Rucksack zu Boden gleiten. »Aber wir sollten das Beste daraus machen.«

»Was meinst du damit?«

»Was wohl? Lass uns schwimmen gehen!«

Das war eigentlich keine so schlechte Idee, fand Jennifer Malwitz.

Tim Heuberg sah das offensichtlich ganz anders. Der blonde Brillenträger schüttelte nur den Kopf, während Tatjana mit offenem Mund beobachtete, wie Peter sich komplett auszog und in den See stieg.

»Der spinnt doch«, sagte sie, und als auch Jennifer ihren Rucksack abstellte und begann, sich auszuziehen, wurden ihre Augen noch größer. »Das ist doch nicht dein Ernst. Du auch?«

»Warum nicht? Bist du etwa wasserscheu? Oder zu prüde?«

»Nein, aber …«

Eine passende Antwort schien Tatjana nicht einzufallen. Jennifer war es auch egal. Nachdem sie auch ihren BH und den Slip ausgezogen hatte, löste sie das Band von ihrem Zopf und sprang ins Wasser.

Peter war bereits einige Meter vom Ufer weggeschwommen. Das Wasser war längst nicht so kalt, wie Jennifer vermutet hatte. Vielleicht war es von der kräftigen Herbstsonne aufgewärmt worden.

Noch einmal warf sie einen Blick zurück. Tatjana und Tim machten noch immer keine Anstalten, es ihnen gleichzutun. Stattdessen standen sie wie die Ölgötzen am Ufer und starrten auf den See hinaus.

Als Jennifer ihren Freund erreichte, war er bereits bis zur Mitte des Sees hinausgeschwommen. Bevor er etwas sagen konnte, umarmte und küsste sie ihn, wobei sie ihren Körper eng an ihn presste.

»Hey, nicht so stürmisch«, sagte er, als sie den Druck von seinen Lippen löste. »Sonst gehe ich noch unter. Ich glaube, der See ist ziemlich tief.«

»Ach, Unsinn. Das kann doch gar nicht sein.«

»Sieh doch selbst nach.« Er wies nach unten. »Das Wasser ist absolut klar. Trotzdem kann man den Grund nicht erkennen.«

»Vielleicht ist da unten ja eine Höhle oder etwas Ähnliches.«

»Wer weiß«, erwiderte er, bevor er nun seinerseits seine Freundin küsste.

Plötzlich jedoch zuckte er zurück.

»Was ist?«, fragte Jennifer überrascht.

»Da war etwas. An meinem Fuß.«

»Vielleicht ein Fisch.«

»Nein, das …«

Sie blickten beide ins Wasser hinab und sahen den dunklen, kompakten Schatten, der sich unter ihnen bewegte. Nein, ein Fisch war das ganz sicher nicht.

»Scheiße!«, fluchte Peter, bevor etwas heftig von unten an ihm zerrte.

Er hatte keine Chance. Das Wasser um ihn herum schäumte auf, als er von einer Urgewalt in die Tiefe gerissen wurde und einfach verschwand. Das Letzte, was Jennifer von ihm sah, war sein vor Schrecken verzerrtes Gesicht. Trotz des klaren Wassers war er schon Sekundenbruchteile später nicht mehr zu sehen, ebenso wenig wie der große Schatten.

»Peter!«, rief Jennifer verzweifelt. »Peter!« Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Mehrmals atmete sie heftig ein und aus. Tränen traten in ihre Augen.

Ein lauter Schrei ließ sie herumfahren. Tatjana hatte ihn ausgestoßen. Um sie herum waren mehrere merkwürdige Gestalten erschienen. Zunächst dachte Jennifer angesichts der zerlumpten Kleidung an Obdachlose, doch als sie genauer hinsah, zweifelte sie, ob es sich bei ihnen überhaupt um Menschen handelte.

Ihre Haut war dunkelbraun und wirkte ledrig. Die Mundpartie war nach vorne gedrückt, fast wie bei einem Affen. Die drei Gestalten reichten Tatjana und Tim nicht ganz bis an die Schultern. Doch sie waren bewaffnet. Alle hielten altertümlich wirkende Lanzen in den Händen.

Eine der Gestalten trat vor und packte Tatjana an den Schultern.

»Lass sie in Ruhe!«, rief Tim und schlug die Hand vom Körper seiner Freundin.

Der Fremde brüllte auf, hob seine Lanze an und stach zu. Tief wühlte sich das Metall in Tims Bauch. Ein Ächzen drang aus seinem Mund, bevor die Gestalt ihre Lanze zurückzog. Wortlos brach der Dreiundzwanzigjährige zusammen.

Jennifer war fassungslos. Was waren das für Gestalten, die Tatjana umzingelt hatten? Solche Wesen kannte sie sonst nur aus Horrorfilmen. Das waren keine Menschen, sondern Monster, Mutanten …

Auch die anderen beiden Wesen brüllten nun auf. Allerdings wirkte ihr Brüllen zorniger, so, als ärgerten sie sich darüber, dass ihr Artgenosse Tim niedergestochen hatte. Dennoch ließen sie nicht von der schreienden Tatjana ab.

Alle drei Gestalten griffen nun nach ihrem Körper und rissen ihr die Kleider vom Leib. Als auch sie nackt war, stießen sie sie in den See.

Wie in Trance wollte Jennifer zu ihrer Freundin schwimmen, um ihr zu helfen. Doch etwas hinderte sie daran. Ein harter Druck legte sich um ihren rechten Fußknöchel. Als sie nach unten blickte, sah sie wieder den Schatten, der unter ihr schwamm.

»Nein!«, stieß sie noch hervor, bevor auch sie in die Tiefe gerissen wurde.

***

Als Jennifer Malwitz die Augen aufschlug, wusste sie zunächst nicht, was mit ihr geschehen war. Nur langsam kehrten ihre Erinnerungen zurück. Der Ausflug mit ihren Freunden, der See – und dann der plötzliche Angriff. Auch sie war unter Wasser gezogen worden. Zunächst hatte sie gedacht, man wollte sie ertränken, bis ihr plötzlich etwas das Bewusstsein geraubt hatte.

Verletzt war sie nicht. Dafür hatte sie Kopfschmerzen. Leicht benommen stand sie auf.

»Jenny!«, rief jemand so laut, dass die zusammenzuckte. Es war Peter, der auf sie zugelaufen kam. »Jenny, ist alles in Ordnung?«

»Peter?«, fragte sie verwirrt, während ihr Freund sie an sich drückte. »Ich … ich dachte, du wärst tot.«

»Das dachte ich auch erst«, antwortete er, während er die Umarmung wieder löste. »Aber dann bin ich hier aufgewacht.«

»Wo sind wir hier überhaupt?« Langsam aber sicher kam sie wieder richtig zu sich.

»In einer Höhle.«

Immer mehr gewöhnten sich ihre Augen an die Dunkelheit. Sie stand in etwa kniehohem Wasser. Viel tiefer in die Höhle sehen konnte sie jedoch nicht, dazu war der Lichteinfall zu schwach.

»Wie sind wir hierhergekommen?«, fragte sie fassungslos.

»Glaub mir, ich habe keine Ahnung.«

Ein Platschen erklang aus der Dunkelheit. Wenige Sekunden später schälte sich ein Körper aus der Finsternis hervor. Es war Tatjana, die ebenso nackt war wie Jennifer und Peter. Ihr Oberkörper war übersät von Kratzwunden. Ihr Blick flackerte, als stünde sie kurz vor einem Nervenzusammenbruch.

»Tim«, flüsterte sie vor sich hin. »Tim, Tim …«

»Was ist mit ihm?«, fragte Peter, während Jennifer auf ihre Freundin zulief und sie auffing, bevor sie zu Boden stürzen konnte.

Tatjana konnte sich kaum auf den Beinen halten. Wahrscheinlich war der Schock angesichts des Erlebten einfach zu viel für sie gewesen.

»Er ist tot«, antwortete Jennifer. »Sie haben ihn getötet. Einfach niedergestochen.«

»Mein Gott …«

Wieder erklang hinter ihnen ein Platschen. Zunächst glaubte Jennifer, dass Tim doch noch lebte und vielleicht auch hierher entführt worden war. Doch schnell erkannte sie, dass es zwei der monsterhaften Gestalten waren, die mit erhobenen Lanzen auf sie zukamen. Auch sie trieften vor Nässe.

Jetzt erkannte Jennifer, dass sie sich nicht getäuscht hatte. Bei den Fremden handelte es sich um alles, nur nicht um Menschen. Eher waren es Tiermutationen oder etwas Ähnliches. Ihre Haut war wirklich braun und ledrig. In ihren Mäulern schimmerten gelbe, spitze Zähne, während in ihren Augen ein grünes Leuchten glomm. Ihre Gesten waren eindeutig. Mit ihren Lanzen deuteten sie auf den Ausgang der Höhle.

»Was sind das nur für Monster?«, fragte Tatjana leise. »Was passiert hier? So etwas gibt es doch nicht. Oder?«

»Ich weiß es nicht. Aber du musst jetzt stark sein, okay?«

»Ja.« Ihre Antwort war nicht mehr als ein Hauch, doch irgendwie gelang es ihr, wieder selbstständig zu gehen.

Jennifer wusste selbst nicht, wie sie es schaffte, noch bei klarem Verstand zu bleiben.

Immer weiter trieben sie die Mutanten in Richtung Höhlenausgang. Dabei stießen sie wiederholt grunzende Laute aus. Möglicherweise handelte es sich auch um eine urtümliche Sprache, die niemand von ihnen verstand.

Wo auch immer sie sich befanden, auch hier schien die Sonne.

Als sie den Ausgang der Höhle erreichten, erkannte Jennifer, dass sie wieder vor einem See standen. Nur war dieser mindestens fünf Mal so groß wie jener, in den sie vor wenigen Minuten getaucht waren.

Um den See herum wuchs ein dichter Urwald. Nur an wenigen Stellen waren so etwas wie Lichtungen oder Strände zu erkennen. Als sie als Erste den Bereich der Höhle verließ, hörte Jennifer um sich herum laute Schreie. Mit einem Rundblick erkannte sie, dass am Ufer mindestens ein halbes Dutzend weiterer dieser Kreaturen gewartet hatte. Und die hoben jetzt jubelnd ihre Lanzen.

Mitten unter ihnen befand sich jedoch noch ein Mann in einer dunklen Robe. Ein normaler Mensch mit einem dichten, schwarzen Bart, der sie mit harter Miene anstarrte. In den Augen las sie so etwas wie die Gewissheit darüber, was mit ihr geschehen sollte.

»Werden … werden wir jetzt sterben?«, fragte Tatjana mit weinerlicher Stimme.

»Ich weiß es nicht«, sagte Jennifer leise.

Sie sah, wie der Bärtige seine Hände hob. Dann rief er etwas in einer Sprache, die sie nicht verstand. Allerdings glaubte sie, einige gälische Wortlaute herauszuhören.

Nachdem er seine Ansprache beendet hatte, brüllten die Kreaturen um ihn herum wieder auf. Jubelnd reckten sie erneut ihre Lanzen empor. Jennifer ahnte, dass das nichts Gutes bedeuten konnte.

Es begann mit leichten Wellen, die über die Oberfläche des Sees glitten. Etwas nicht Sichtbares schien die Wassermassen in Bewegung zu bringen. Als die Wellen immer größer wurden, schäumte in der Mitte des Sees das Wasser auf. Gleichzeitig schob sich etwas aus der Tiefe empor.

Als Jennifer sah, was sich dort aus dem Wasser herauswühlte, schrie sie panisch auf!

***

Das Untier, das aus der Tiefe des Sees stieg, schien einem schrecklichen Albtraum entsprungen zu sein. Am ehesten erinnerte es an einen Fisch, allerdings hatte es die Größe eines Busses, zumindest der Teil, der sich bereits aus dem Wasser geschoben hatte. Als es sein gewaltiges Maul aufriss, präsentierte es seine armlangen Reißzähne.

Die Haut war vollkommen glatt und schimmerte in einer Farbe, die ein Mittelding zwischen Silber und Hellgrün war. Überall hingen abgerissene Wasserpflanzen an dem Körper, der einen langen Schwanz hinter sich herzog. Mit kraftvollen Bewegungen schwamm das Monster dem Ufer entgegen.