Joseph Rushbrook, der Wilddieb - Frederick Marryat - E-Book
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Joseph Rushbrook, der Wilddieb E-Book

Frederick Marryat

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Beschreibung

Joseph Rushbrook, der Wilddieb ist ein Abenteuerroman, der in der Grafschaft Devonshire im Süden Englands spielt. Frederick Marryat ist als früher Pionier der nautischen Literatur bekannt, insbesondere für seine halbautobiografischen Romane. Aus dem Buch: "In einer ungestümen, stürmischen Novembernacht des Jahres 1812 befanden sich drei Männer auf der Landstraße unweit des Dörfchens Graßford im Süden von Devonshire. Es war nahezu Vollmond; aber wilde Streifwolken und hin und wieder auch dichtere Massen zogen in rascher Aufeinanderfolge vor der Leuchte der Nacht dahin, so daß man nur selten, und auch dann nur für Augenblicke, die Landschaft deutlicher unterscheiden konnte."

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Veröffentlichungsjahr: 2022

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Frederick Marryat

Joseph Rushbrook, der Wilddieb

Übersetzer: Carl Kolb
e-artnow, 2022

Inhaltsverzeichnis

Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel
Siebentes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel
Zehntes Kapitel
Elftes Kapitel
Zwölftes Kapitel
Dreizehntes Kapitel
Vierzehntes Kapitel
Fünfzehntes Kapitel
Sechzehntes Kapitel
Siebzehntes Kapitel
Achtzehntes Kapitel
Neunzehntes Kapitel
Zwanzigstes Kapitel
Einundzwanzigstes Kapitel
Zweiundzwanzigstes Kapitel
Dreiundzwanzigstes Kapitel
Vierundzwanzigstes Kapitel
Fünfundzwanzigstes Kapitel
Sechsundzwanzigstes Kapitel
Siebenundzwanzigstes Kapitel
Achtundzwanzigstes Kapitel
Neunundzwanzigstes Kapitel
Dreißigstes Kapitel
Einunddreißigstes Kapitel
Zweiunddreißigstes Kapitel
Dreiunddreißigstes Kapitel
Vierunddreißigstes Kapitel
Fünfunddreißigstes Kapitel
Sechsunddreißigstes Kapitel
Siebenunddreißigstes Kapitel
Achtunddreißigstes Kapitel
Neununddreißigstes Kapitel
Vierzigstes Kapitel
Einundvierzigstes Kapitel
Zweiundvierzigstes Kapitel
Dreiundvierzigstes Kapitel
Vierundvierzigstes Kapitel
Fünfundvierzigstes Kapitel
Sechsundvierzigstes Kapitel
Siebenundvierzigstes Kapitel
Achtundvierzigstes Kapitel
Neunundvierzigstes Kapitel
Fünfzigstes Kapitel

Erstes Kapitel

Inhaltsverzeichnis
In welchem mehr das Bier, als etwas anderes, das Motto abgiebt.

In einer ungestümen, stürmischen Novembernacht des Jahres 1812 befanden sich drei Männer auf der Landstraße unweit des Dörfchens Graßford im Süden von Devonshire. Es war nahezu Vollmond; aber wilde Streifwolken und hin und wieder auch dichtere Massen zogen in rascher Aufeinanderfolge vor der Leuchte der Nacht dahin, so daß man nur selten, und auch dann nur für Augenblicke, die Landschaft deutlicher unterscheiden konnte. Der scharfe, schneidende Wind sauste in den sich beugenden, laublosen Bäumen, welche sich längs des Geheges zu beiden Seiten der Straße hinzogen.

Die gedachten drei Personen schienen in dem eine halbe Meile 1 vom Dorfe abgelegenen Wirtshause, von wo aus sie eben aufgebrochen waren, etwas zu tief ins Glas gesehen zu haben: der eine von ihnen vermochte sich kaum auf den Beinen zu halten, während die beiden andern, die man vergleichungsweise nüchtern nennen konnte, ihre Kräfte vereinigten, um ihren Begleiter zu unterstützen und ihn nach Hause zu bringen. So ging der Zug weiter, stets in Schlangenlinien von einer Straßenseite zur andern, die durch die Last des unbehilflichen Ceresdieners, d. h. Biertrinkers, veranlaßt wurden. Endlich gelangten sie an eine Brücke, welche über einen jener ungestümen Ströme führte, die in dieser Grafschaft so gewöhnlich sind. Wie infolge wechselseitiger Übereinkunft (denn es wurde kein Wort gesprochen) lehnten jetzt die beiden, welche weniger von der Trunkenheit erfüllt waren, den Körper des dritten gegen die Brückenböschung, um sich, neben dem fast leblosen Gefährten an das Gemäuer gelehnt, ein wenig zu verschnaufen. Der eine davon war ein hoher, schlanker Mann von ungefähr vierzig Jahren, in einem fadenscheinigen schwarzen Rock und in ein paar für seine Beine viel zu kurze Hosen gekleidet, über deren ursprüngliche Farbe sich schwer eine Vermutung hätte aufstellen lassen, während auf seinem Kopfe ein Hut saß, wie ihn die Geistlichen tragen, der aber vom langen Gebrauche gleichfalls nicht besser geworden war. Trotz der schlechten und unscheinbaren Kleidung lag aber doch in dem Äußern des Mannes etwas, was auf bessere Tage deutete, denn es war augenfällig, daß er sich früher in einer ganz andern Sphäre der Gesellschaft bewegt hatte. Vor einigen Jahren noch war er Lehrer an einer lateinischen Schule gewesen – eine Stelle, von der er ein hübsches Einkommen gezogen; aber die Liebe zum Trunk hatte ihn zu Grunde gerichtet. Jetzt war er Schulmeister in dem Dörfchen Graßford, wo er den Kindern der Einwohner für die mäßige Belohnung von wöchentlich zwei Pence per Kopf Unterricht erteilte. Sein unglücklicher Hang war ihm aber leider geblieben, und er hatte kaum sein Wochengehalt in der Tasche, als er sich auch schon beeilte, seine Sorgen und die Erinnerung an eine frühere, glücklichere Lage in der Bierschenke, von welcher die nächtlichen Gesellen eben her kamen, zu ertränken. Die zweite Person, welche wir dem Leser vorführen, war von ganz anderem Bau – klein und breitschulterig. Er trug Kniehosen, Gamaschen, Schnürstiefel, einen Rock von dickem Zwillich nach Jägerschnitt, und war von Gewerbe ein Hausierer.

»'s kommt mir doch sonderbar vor«, unterbrach der letztere endlich das Schweigen, indem er auf den Betrunkenen zu seinen Füßen niederblickte, »warum vom Aletrinken die Beine unbrauchbar werden; es heißt doch, der Spiritus steige zu Kopf und nicht in die Füße!«

»Ei«, versetzte der Schulmeister, an dem die Spuren der kürzlich gespendeten Libationen weit stärker bemerkbar waren als an dem Krämer, »auch das hat seine Gründe; denn seht, die Abweichung von der perpendikulären Richtung muß von dem Umstande ausgehen, daß der Kopf zu schwer ist – 's liegt auf flacher Hand; wenn dann der Schwerpunkt verrückt ist, so begreift Ihr wohl, daß die Füße zu leicht werden müssen. Hält man nun dies und das zusammen, je nun, so kann der Mensch eben nicht stehen – habt Ihr meine Demonstration kapiert?«

»Das Ale war gewaltig stark, und so, glaube ich, hat wohl alles seine Richtigkeit«, entgegnete der Hausierer. »Übrigens gießt man doch das Bier nicht in den Kopf oder in die Füße, sondern in die Eingeweide, die doch recht im Mittelpunkt des Menschen sind. Wie wollt Ihr damit zurecht kommen, Mr. Furneß?«

»Ach, Byres, Ihr sprecht von dem Residuum.«

»Hab' kein Wort davon gesprochen, und so wahr ich hier stehe, auch meiner Lebtage nichts davon gehört.«

»Das ist möglich; aber merkt jetzt auf: das Residuum, Byres, ist, was übrig bleibt.«

»So, das wäre das Residguim. Nun, wenn's das ist, so will ich nichts davon – 's ist nichts übrig geblieben, denn Ihr habt den Krug geleert.«

»Guter Byres, es ist klar, daß Ihr nie auf Schulen gewesen seid. Nun gebt acht: wenn ein Mensch eine gewisse Quantität Flüssigkeit in seinen Magen gießt, so steigen die spirituosen oder leichteren Teile nach seinem Kopf, wodurch dieser schwer wird. Begreift Ihr?«

»Ich nicht; wie könnte denn etwas Leichtes eine Sache schwer machen?«

»Ach, Ihr versteht eben nichts von der Sache; habt Ihr nicht einen Beweis vor Euch?« entgegnete der Schulmeister taumelnd und sich an der Brückenbrüstung haltend. »Betrachtet nur diesen unglücklichen Mann, der sich übersehen hat!«

»Nun, der ist freilich betrunken, aber ich möchte den Grund wissen, warum er's wurde?«

»Der Grund liegt im Trinken.«

»Das brauch' ich mir von keinem Narren sagen zu lassen.«

»Dann wozu solche Fragen? Schätz' wohl, es wäre besser, wir gingen weiter und brächten ihn zu seinem armen Weibe nach Hause, das auf ihn wartet, 's ist doch ein betrübtes und trauriges Ding, wie der Feind, den man in den Mund gießt, einem das Gehirn wegstiehlt.«

»Bei Rushbrook ist es schon mit einer halben Pinte geschehen«, versetzte der Hausierer; »er soll einmal eine Wunde in den Kopf gekriegt haben, und da nahmen sie ihm das halbe Gehirn heraus; daher kommt's auch, daß er eine Pension hat.«

»Ja, siebzehn Pfund jährlich, die alle Quartale ohne Abzug ausbezahlt werden, und er braucht nicht weiter als vier Meilen darnach zu gehen«, entgegnete Furneß. »Wie übel doch die Regierung ihre Mildthätigkeit an den Mann bringt! Arbeitet er etwas?«

»Nein: sein ganzes Geschäft ist trinken und den ganzen Tag im Bette liegen, während ich früh und spät auf sein muß, um dem jungen Volk für zwei Pence in der Woche Ideen beizubringen. Freund Byres, 's ist nicht alles Barmherzigkeit, was so aussieht. Ich hab' da eine Ansicht, es wäre ein gutes Werk, wenn wir diesen armen Tropf, so wie er ist, über die Brücke in den rauschenden Strom hinabwürfen – alle seine Sorgen hätten dann ein Ende.«

»Wir ersparen uns noch obendrein die Mühe, ihn nach Hause zu schaffen«, erwiderte Byres, der in der Stimmung war, auf den Humor seines noch betrunkenern Begleiters einzugehen. »Nun, Mr. Furneß, ich habe nichts dagegen einzuwenden.«

»Warum sollte er auch leben? Ist er nicht ein Sinecurist – einer von den Blutigeln, welche sich von dem Schweiß und Blute der Leute mästen, wie die Sonntagszeitung sagt? Erinnert Ihr Euch nicht, was ich diesen Morgen vorgelesen habe?«

»Freilich, Mr. Furneß. Nun, was meint Ihr, sollen wir hinüber mit ihm?«

»Wir müssen's doch noch ein bischen bedenken«, versetzte der Schulmeister, indem er die Hand an sein Kinn legte und für eine Weile stumm blieb.

»Nein«, nahm er endlich die Rede wieder auf, »wenn ich's recht erwäge, so kann ich's doch nicht thun; er halbiert sein Bier mit mir. Keine Pension – kein Bier, das ist ein Satz und Folgesatz, der sich von selbst versteht. Es wäre undankbar von mir, wenn ich auf Euren Vorschlag eingehen wollte«, fuhr der Schulmeister fort, »und noch mehr – ich will ihn gegen Eure mörderischen Absichten bis aufs letzte verteidigen.«

»Ei, Meister Furneß, es scheint, Ihr spürt das Ale selber auch. Ihr habt ja den Vorschlag gemacht, ihn über die Brücke zu werfen, nicht ich.«

»Nehmt Euch in acht, was Ihr sagt«, entgegnete der Schulmeister. »Wollt Ihr mich des Mordes oder einer mörderischen Absicht beschuldigen?«

»Nein, durchaus nicht – nur daß Ihr den Antrag gestellt habt, ihn über die Brücke zu heben; und dabei bleib' ich.«

»Freund Byres, 's ist meine Ansicht, Ihr bleibt bei gar vielem, nur nicht beim beten; aber in Eurem gegenwärtigen Zustande will ich Nachsicht mit Euch haben. Kommt, packt auf, oder ich habe am Ende zwei statt einen nach Hause zu schleppen. So; nehmt ihn an dem einen Arme, ich will ihn an dem andern fassen und aufrichten, 's ist nur noch eine Viertelmeile nach seiner Wohnung.«

Byres, der, wie wir bemerkten, bei weitem der Nüchternste in der Gesellschaft war, hielt es nicht für der Mühe wert, dem Pädagogen zu antworten. Nachdem der letztere etliche Male gestrauchelt, hatten sie ihren Kameraden aufgerichtet, und nun ging's weiter.

Der Betrunkene schien das, was vorging, so weit zu merken, daß er mechanisch seine Beine bewegte, und in kurzer Zeit langten sie an einer Hütte an, deren Thüre der Schulmeister so tüchtig mit der Faust bearbeitete, daß sie in ihren Angeln rasselte. Eine schöne große Frau, die eine Kerze in der Hand hielt, schob den Riegel zurück.

»Dacht' ich's doch«, sagte sie, den Kopf schüttelnd, »die alte Geschichte! Jetzt wird er die ganze Nacht unwohl sein und vor Mittag nicht aufstehen können. Welch ein armseliges Leben, wenn man einen Trunkenbold zum Manne hat. Bringt ihn herein – ich danke Euch für Eure Bemühungen.«

»Das ist schwere und heiße Arbeit gewesen«, bemerkte der Schulmeister, sich auf einen Stuhl niedersetzend, nachdem die beiden Männer ihren Kameraden zu Bette gebracht hatten.

»Will's wohl glauben«, versetzte die Frau. »Darf ich Euch einen Tropfen Dünnbier vorsetzen, Mr. Furneß?«

»Ja, wenn Ihr so gut sein wollt, und dem Byres auch. Wie schade, daß sich Euer guter Mann nicht an Dünnbier halten mag!«

»Ja, wahrhaftig«, entgegnete die Frau, welche sich sofort nach dem hinteren Teile des Häuschens begab, und bald mit einem Krug Bier zurückkehrte.

Der Schulmeister leerte das Gefäß zur Hälfte und händigte es sodann dem Hausierer ein.

»Und mein kleiner Freund Joey – vermutlich eingeschlafen?«

»Ja, das arme Kind – und ich sollte auch schon in den Federn sein. 's hat schon zwölf geschlagen.«

»Nun, Mrs. Rushbrook, ich wünsche Euch gute Nacht. Kommt, Mr. Byres – Mrs. Rushbrook möchte zu Bette gehen.«

»Gute Nacht, Mr. Furneß. Gute Nacht, Sir, und vielen Dank!«

Schulmeister und Hausierer verließen die Hütte. Mrs. Rushbrook sah ihnen eine Weile nach und schloß dann sorgfältig die Thüre.

»Die wären jetzt fort«, sagte sie, als sie zu ihrem Gatten zurückkehrte.

Welches Erstaunen hätte aber nicht jeden andern Zeugen erfassen müssen, als Rushbrook, sobald sein Weib ausgesprochen hatte, auf seine Füße sprang und als ein schöner, sechs Fuß hoher, aufrechter Mann dastand, der keine Spur von Betrunkenheit verriet.

»Liebe Jane«, sagte er, »nicht leicht findet sich wieder eine solche Nacht, aber ich muß hurtig sein und darf keine Zeit verlieren. Ist mein Gewehr bereit?«

»Alles in Ordnung; Joey liegt auf seinem Bette, ist aber angekleidet und in einer Minute zur Hand.«

»So rufe ihn, denn die Zeit ist kostbar. Dieser betrunkene Narr Furneß wollte mich über die Brücke werfen. Ein Glück für sie, daß sie den Versuch bleiben ließen, sonst hätte ich ein ganz anderes Abfinden mit ihnen treffen müssen, um ihnen das Ausschwatzen zu verleiden. Wo ist Mum?«

»In der Waschküche. Ich will ihn und Joey sogleich herholen.«

Die Frau verließ die Stube, während Rushbrook Gewehr und Munition herunternahm und sich für seinen Ausflug vorbereitete. Nach kurzer Frist kam ein Schäferhund, der seiner Haft in der Waschküche erledigt worden war, herein und legte sich vor seines Gebieters Füßen nieder. Bald nachher erschien auch Mrs. Rushbrook mit Joey, einem schmächtigen, mager aussehenden Knaben von etwa zwölf Jahren, der für sein Alter sehr klein, aber augenscheinlich so rührig und behend wie eine Katze war. Niemand würde es ihm angesehen haben, daß er eben erst aus dem Schlafe geweckt wurde. Kein Gähnen, keine Spur von Trägheit – sein Auge war im Gegenteil so funkelnd wie das eines Adlers, als er sich rasch, aber ruhig einen Sack über die Schulter warf und nach einer Rolle Bindfaden griff, die er in der Hand hielt, bis sein Vater zum Aufbruche bereit wäre. Die Frau löschte die Lichter, öffnete sachte die Hausthür, sah sich draußen sorgfältig um und kehrte dann zu ihrem Gatten zurück, welcher mit einem leisen Pfeifen, das dem Knaben und dem Hunde zum Signale diente, das Haus verließ. Kein Wort wurde gesprochen: die Thür schloß sich leise hinter ihnen, und das Trio schlich verstohlen von hinnen.

Zweites Kapitel

Inhaltsverzeichnis
In welchem der Held der Geschichte förmlich eingeführt wird.

Ehe wir in unserer Erzählung fortfahren, ist es vielleicht am Orte, dem Leser eine Erklärung über das zu geben, was ihm besonders auffallend erscheinen mag. Joseph Rushbrook, welchen er im letzten Kapitel mit seinem Sohne und seinem Hunde die Hütte hat verlassen sehen, war in dem Dorfe, in welchem er damals wohnte, geboren. In seiner Jugend, etwa vierzig Jahre vor der Periode, in welcher unsere Geschichte beginnt, waren die Gesetze gegen die Wilddiebe wenig streng und die Maßregeln, die gegen derartige Frevler gehandhabt wurden, nicht so nachdrücklich. Er hatte damals ein Gewehr geführt, wie sein Vater vor ihm, ohne daß derselbe je entdeckt worden wäre, und nachdem er viele Jahre die Forste gebrandschatzt und sich auf viele Meilen in der Runde eine vollkommene Ortskenntnis verschafft hatte, ließ er sich bei Gelegenheit eines Jahrmarktes in der Nachbarschaft durch einen Zustand halber Trunkenheit veranlassen, für ein zum Marsch beordertes Regiment sich anwerben zu lassen. Er hatte kaum drei Monate im Depot gelegen, als sein Corps Befehl erhielt, nach Indien zu ziehen, wo er elf Jahre bleiben mußte, bis Ablösung eintraf. Doch wurde ihm auch in England nicht lange Ruhe gegönnt; denn nach kaum sechs Monaten erhielt sein Regiment die Weisung, auf dem mittelländischen Meere Dienste zu thun, die ihn abermals zwölf Jahre in Anspruch nahmen. Am Schlusse dieser Zeit erhielt er eine schwere Kopfwunde, weshalb man ihn mit einer Pension entließ.

Er faßte den Entschluß, nach seinem Geburtsorte heimzukehren und sich dort anzusiedeln, indem er hoffte, neben seinem Gehalt durch mäßige Thätigkeit sich ein anständiges Auskommen zu verschaffen. Kaum kannte man ihn mehr in der Heimat, denn viele seiner Altersgenossen waren ausgewandert, andere wegen Gesetzesübertretungen, namentlich aber wegen Wilddieberei, deportiert worden, und da das letztere Los hauptsächlich die meisten seiner vormaligen Genossen getroffen hatte, so kam er sich fast wie ein Fremdling vor, wo er viele Freunde wiederzusehen erwartete. Auch die Grundherrschaft des Dorfes war in andere Hände übergegangen. Man erinnerte sich zwar noch eines Squire So und So und des Baronets, aber das Land gehörte jetzt reichen Fabrikanten und Kaufleuten, die sich vom Geschäfte zurückgezogen hatten. Alles war für Joey Rushbrook neu, und er konnte sich durchaus nicht heimisch finden. Jane Ashley, ein sehr hübsches junges Mädchen, welche in einem benachbarten Herrenhause diente und die Tochter eines seiner ältesten Freunde war, den man gleichfalls wegen Wilddieberei deportiert hatte, gehörte zu den wenigen Personen, die mit ihm über das, was während seiner vierundzwanzigjährigen Abwesenheit vorgefallen, sprechen konnte – nicht als ob sie etwa die Leute aus jener frühern Zeit gekannt hätte, denn sie war damals noch ein Kind; indes war sie nach Joe's Entfernung mit denselben aufgewachsen, konnte Geschichtchen von ihnen erzählen und über ihr späteres Schicksal Auskunft geben. Daß sie die Tochter eines deportierten Wilddiebes war, gereichte ihr bei Joe zu einer Art von Empfehlung, und die Bekanntschaft endigte damit, daß er sie zum Weibe nahm. Sie saßen jedoch nicht lange in ihrem Hause, als Joe's früherer Hang wieder zurückkehrte. Er konnte einmal nicht müßig sein, hatte auch außerdem zu lange die Muskete getragen und war durch den Dienst im Auslande so sehr an ein aufgeregtes Leben gewöhnt, daß es ihm rein unmöglich wurde, zu leben, ohne seine Schußwaffe gegen irgend etwas in Anwendung zu bringen. Seine Jagdliebhaberei kehrte in hohem Grade wieder zurück, und sein Weib dachte nicht daran, derselben Einhalt zu thun, da sie ihn im Gegenteil darin aufmunterte. Eine Folge davon war, daß Joe Rushbrook ein paar Jahre nach seiner Verheiratung der verwegenste Wilddieb in der ganzen Gegend war. Allerdings hatte man ihn oft im Verdachte, ohne daß er übrigens je entdeckt worden wäre, der Grund lag in dem Umstande, daß man ihn für einen Säufer hielt – seine Frau hatte ihm nämlich geraten, diese Maske vorzunehmen, weil sie bemerkt hatte, daß man hinter einem Trunkenbold am allerwenigsten einen Wilddieb vermute. Diese List hatte er bisher mit sehr gutem Erfolge durchgeführt, denn ein Beweis vor der Obrigkeit, daß man halbtot und sprachlos um Mitternacht nach Hause geschleppt worden sei, galt für ebenso durchschlagend, wie wenn ein Alibi nachgewiesen worden wäre. Joe Rushbrook stand daher im Rufe, ein betrunkener Taugenichts zu sein, der von seiner Pension und dem Verdienste seiner Frau lebte, ohne daß man je auf den Gedanken kam, er sei nicht nur der Mann, seinen Unterhalt zu erwerben, sondern sogar in der Lage, von den Früchten seiner nächtlichen Bemühungen Geld zurückzulegen. Joe Rushbrook liebte allerdings hin und wieder sein Tröpflein, und zwar nicht in allzukärglich abgemessenen Quantitäten, aber im allgemeinen ging die Sage, seine Kopfwunde mache ihm viel zu schaffen, und wenn Wind und Wetter seinen Zwecken zusagten, so wußte er es so einzuleiten, daß er in derselbigen Nacht, in welcher er am rührigsten war, nach Hause geschleppt werden mußte. So verhielt sich's auch mit dem Auftritte des vorigen Kapitels.

Der kleine Joey, welcher (wie der Leser schon geahnt haben wird) unser künftiger Held ist, wurde ein Jahr nach der Verheiratung seiner Eltern geboren und war ihr einziges Kind. Der Knabe war für seine Jahre sehr ruhig und nachdenklich; auch hatte sich die Vorliebe seines Vaters für nächtliche Gänge in einem außerordentlichen Grade auf ihn verpflanzt, und es war eigentlich wunderbar mit anzusehen, welche Klugheit er mit seiner Abenteurerlust verband. Allerdings war er früh in die Schule seines Vaters gegangen, denn er mußte anfangs die Schlingen untersuchen und das Wild verbergen, was ein kleiner Knirps, wie Joey, wohl thun konnte, ohne daß man etwas anderes von ihm gedacht hätte, als daß er Brombeeren suche. Aber noch ehe er sieben Jahre alt war, konnte er eine Schlinge legen, so gut als sein Vater, wie er denn auch vortrefflich in die Geheimnisse und Kunstgriffe eingeweiht war, sich auf ungesetzliche Weise Wild zuzueignen. Er leistete hierbei dem Alten vortreffliche Dienste und konnte zu vielem verwendet werden, was dieser nicht wagen durfte, ohne Argwohn zu erregen. Vielleicht rührte es eben von den unausgesetzten Nachtwachen des Knaben her, daß er so klein blieb; indes war dies ein Umstand, der allen Argwohn von ihm ablenkte. Joey besuchte sehr regelmäßig die Schule des Herrn Furneß, und obgleich er oft den größten Teil der Nacht durch auf war, so gehörte er doch unter die besten und fleißigsten Schüler. Niemand hätte auch vermuten können, daß der kleine blondhaarige, ruhig aussehende Knabe, welcher so emsig hinter seinen Büchern und Schriften saß, vorher eine halbe Nacht auf einem gefährlichen Ausfluge zubrachte, denn so verhielt sich's oft in der Zeit, von welcher wir sprechen. Es braucht kaum bemerkt zu werden, daß Joey einem solchen Treiben wenigstens eine wichtige Lehre verdankte – er hatte schweigen gelernt. Nicht einmal Mum, der Hund, dem doch die Sprache versagt war, hätte verschlossener und treuer sein können.

Es ist erstaunlich, wie sehr sich das Wesen und der Charakter eines Kindes durch frühe Leitung verändern läßt. Man lasse es, gleichviel ob auch die Mutter die Überwachung übernimmt, nach dem gewöhnlichen Gebrauche stets unter der Leitung seiner Wärterin, so wird ihm ein gewisses kindisches Thun anhaften, selbst wenn die Jahre der Kindheit längst vorüber sind. Bringe man es aber allmählich in gefährliche Lagen, welche reiferes Nachdenken und Beobachten erfordern, gewöhne man es an Nachtwachen, Vorsicht und Schweigsamkeit, so wird man sich nicht genug wundern können, wie frühzeitig sich sein Geist für die Bedürfnisse des Augenblicks aufschließen wird, obschon sein Körper darunter leiden mag. So geht es mit Knaben, welche man sehr jung zur See schickt, und ein Gleiches war auch mit dem kleinen Joey der Fall. In mancher Hinsicht konnte er für einen Mann gelten, obschon er wieder in anderen Stücken ein Kind war. Er spielte mit seinen Kameraden und lachte so laut, als die andern, ließ aber nie auch nur den leisesten Wink von seines Vaters Lieblingsbeschäftigung fallen. Er ging, wie sein Vater und seine Mutter, jeden Sonntag zur Kirche, denn trotz der schweren durch das Gesetz verhängten Strafen hielten die letzteren das Wildern für kein Verbrechen; Joey war natürlich derselben Ansicht und that nur, was sein Vater und seine Mutter wünschten. Wir dürfen daher durchaus nicht glauben, daß das Gewerbe des Alten einen nachteiligen Einfluß auf die Moralität unseres kleinen Helden übte, denn dieses war in der That nicht der Fall.

Nachdem wir diese nötige Einleitung gegeben haben, fahren wir weiter fort. Keine Horde nordamerikanischer Indianer hätte je eine Wildspur besser beobachten können, als unsere kleine Partie. Rushbrook führte den Zug an, während Joey und Mum folgten. Kein Wort wurde gesprochen; sie gingen über Wiesen und bepflügte Felder, dabei sich stets in dem Schatten [der Hecken] haltend, und wenn Rushbrook für eine Weile still stand, um zu rekognoscieren, so folgten Joey und Mum in den ihnen angewiesenen Zwischenräumen seinem Beispiele, bis der Zug wieder aufgenommen wurde. So hielten sie es beinahe vier Meilen weit, bis sie an einem dichten Gehölz anlangten. Der Wind pfiff durch die Zweige der kahlen Eichen und Eschen; der kalte, feuchte Nebel lag unbeweglich auf der Landschaft und verbarg sie, während sie vorsichtig auf einer Weglichtung weiter schritten, bis sie die andere Seite des Gebüsches erreichten, wo die Hütte eines Wildhüters lag. Ein mattes Licht blickte durch die rautenförmigen Fensterscheibchen. Rushbrook trat ins Freie hinaus und erhob seine Hand, um den Wind zu erforschen. Sobald dies geschehen war, zog er sich wieder unter die Bäume zurück, und zwar in einer Richtung, welche das Haus des Wildhüters zwischen ihn und den Wind brachte, damit der Knall seiner Büchse nicht gehört werden möchte. Er setzte über [die Hecke], senkte das Gewehr, so daß der Lauf etwa zwei oder drei Zoll von dem Boden abstand, und ging langsam und bedächtig durch das Unterholz, während Joey und Mum in der bereits gedachten Weise folgten. Nachdem sie eine Viertelmeile weit gekommen, hörten sie das Klirren von Metall und machten Halt. Der Gewehrlauf hatte einen von den Drähten gestreift, welche mit einem zum Besten der Wilddiebe gelegten Selbstschuß in Verbindung standen. Rushbrook hob seine linke Hand auf, um damit Joey zu bedeuten, daß er sich nicht von der Stelle rühren solle, verfolgte den Draht vermittelst seines Gewehrlaufes, bis er endlich an dem Selbstschuß anlangte, öffnete die Pfanne, schüttete das Zündkraut ab und setzte das Schloß in Ruhe, so daß das Gewehr nicht losgehen konnte, im Falle sie auf einen andern der damit in Verbindung stehenden Drähte trafen. Dann ging Rushbrook ans Geschäft, denn er wußte wohl, daß derartige Maschinerien nur an Orten angebracht werden, wo die Fasanen ihre Lager haben. Er schüttete nur wenig Pulver in seine Vogelflinte, um bei so großer Nähe der jagdbaren Gegenstände die Vögel nicht zu sehr zu zerstreuen und um zu verhindern, daß der Knall seines Gewehres zu weit gehört würde – begab sich unter eine Eiche, wo er bald die runden, schwarzen Massen, welche die Körper ruhender Fasanen bilden, erkannte, erhob sein Gewehr und feuerte. Dem Schusse folgte der Sturz eines schweren Körpers ganz in der Nähe, und Joey eilte herbei, um den Fasan in den Sack zu stecken. Nun folgte Schuß auf Schuß, die jedesmal Joeys Last vergrößerten. Sie hatten bereits siebzehn Stücke erbeutet, als Mum ein dumpfes Knurren vernehmen ließ. Dies war das Signal, daß sich Leute in der Nähe befanden. Rushbrook schnappte mit den Fingern, Mum kam an seine Seite und blieb regungslos stehen, die Ohren und den Schwanz aufrichtend.

Nach einer Weile hörte man das Rascheln von Zweigen, wie wenn sich Menschen durch das Unterholz Bahn brächen. Rushbrook blieb noch immer stehen und harrte auf Mums Signal, denn das Tier war darauf dressiert worden, wenn sich bei irgend einer näher kommenden Partie ein anderer Hund befand, den Vorderfuß zu Rushbrooks Knieen zu erheben. Da dieses Zeichen unterblieb, so legte sich Rushbrook in dem Gebüsche nieder, worauf Joey und Mum seinem Beispiele folgten.

Jetzt ließen sich flüsternde Stimmen vernehmen, und kaum vier Ellen von dem Lager unserer nächtlichen Abenteurer zeigten sich die Gestalten zweier mit Gewehren bewaffneten Männer.

»Ich wollte darauf schwören, daß es hier herum gewesen ist«, sagte der eine.

»Ich dachte es auch; vielleicht ist's aber doch weiter oben – der Wind hat den Schall herunter gebracht.«

»Wohl möglich; wir wollen sie weiter verfolgen – vielleicht treffen sie auf den Selbstschuß.«

Die Männer drangen tiefer in das Gehölz und waren bald nicht mehr zu sehen. Nach einer Weile hielt Rushbrook sein Ohr gegen den Wind und trat, nachdem er sich überzeugt hatte, daß alles geheuer war, den Heimweg an. Sie erreichten ohne ein weiteres Abenteuer das freie Feld, und jetzt nahm der Vater seinem Sohne den schweren Sack ab.

Um drei Uhr morgens klopfte er an die Hinterthüre seiner Wohnung. Jane öffnete, und nun verbargen sie die Beute der Nacht an einem geheimen Orte, worauf sie sich zu Bette begaben und bald in tiefem Schlafe lagen.

Drittes Kapitel

Inhaltsverzeichnis
Führe ein Kind auf den Weg, den es gehen soll, und es wird nicht davon abweichen.

Es ist ein altes Sprichwort: »Hätte man keine Hehler, so gäbe es keine Stehler«, und Rushbrook würde aus seiner widerrechtlichen Art, sich Wildbret zu verschaffen, wohl wenig Nutzen gezogen haben, wenn er nicht die Mittel besessen hätte, dasselbe an den Mann zu bringen. In dieser Hinsicht war Byres, der Hausierer, ein sehr wertvoller Helfershelfer. Er war ein Hauptspitzbube und durchaus kein Freund von schwerer Arbeit. Anfangs machte er den Handlanger eines Maurers – eine Beschäftigung, welche natürlich nur von periodischer Dauer war und einen sehr mäßigen Lohn abwarf; indes hatte er sie nur gewählt, um in der Lage zu sein, das Kirchspiel um Beistand anzugehen und den größeren Teil des Jahres nicht arbeiten zu müssen.

Dies wollte ihm jedoch schon nach ein paar Monaten nicht mehr zusagen, weshalb er zur Erwerbung seines Unterhalts sich einen Korb anschaffte und in den Dörfern Töpferwaren zum Verkaufe umhertrug. Endlich löste er ein Hausiererpatent – vielleicht eine der gefährlichsten Lizenzen, welche von der Regierung erteilt wird, da sie oft Anlaß giebt, unter den niedern Klassen böses Blut zu machen und Unzufriedenheit und Gährung zu verbreiten. Allerdings hat dieses Gewerbe in letzterer Zeit, bei der Wohlfeilheit des Druckes und der Leichtigkeit der Zirkulation, viel von seiner Bedeutsamkeit verloren; vor fünfzig Jahren waren jedoch die Dorfwirtshäuser noch nicht mit Zeitungen versehen: dies war ein Luxus, an den kein Mensch dachte. Die Leute gingen hin, tranken ihr Bier, plauderten über die Neuigkeiten in der Nachbarschaft, und wenn es in irgend einem Teile des vereinigten Königreichs Unruhen gab, so verbreitete das Gerücht nur eine sehr unbestimmte Kunde davon, nachdem sie längst wieder gedämpft waren. So oft daher der Hausierer Byres eintrat, was in letzter Zeit jede Woche einmal, je nach Umständen auch öfter geschah, so kam in den Gang der Alltäglichkeit ein ganz anderes Leben; er war der Mann, der Gelegenheit hatte, viel zu sehen und zu erfahren, folglich auch stets willkommen, und wurde von allen als ein Orakel angesehen. Ihm war der beste Sitz neben dem Feuer vorbehalten, und wenn er seinen Pack auf dem Ecktisch niedergelegt hatte, so pflegte er den »Wochenboten« oder ein anderes Blatt voll Verrat und Lästerung hervorzuziehen, aus dem er den versammelten Arbeitern eine Vorlesung zum besten gab.

Ein paar Monate waren mehr als hinreichend, die ernstlichsten Folgen nach sich zu ziehen. Leute, die den ganzen Tag über freudig gearbeitet hatten und mit ihrem Lose zufrieden sich zu Bette legten, Gott dankend, daß sie nur zu arbeiten hatten, blieben nun im Wirtshaus, bekrittelten die Schritte der Regierung und kehrten in der festen Überzeugung nach ihren Hütten zurück, man mißbrauche sie, behandle sie hart und halte sie in bitterer Knechtschaft. Sie behandelten ihre Vorgesetzten, denen sie doch ihre Beschäftigung verdankten, nicht mehr mit der frühern Achtung, oder wenn es auch geschah, so konnte man ihnen dabei den finstern Zwang wohl ansehen. Die Kirche wurde immer leerer und leerer, und das Auftreten des Geistlichen war nicht länger für jeden das Signal zum Hutabnehmen, da im Gegenteil junge Menschen von sechzehn oder siebzehn Jahren sich mit in die Taschen gesteckten Händen und einem höhnischen Lächeln im Gesicht an die Kirche oder die Kirchhofsmauern lehnten und, gleichsam ihrem Seelsorger zum Trotze, während des ganzen Gottesdienstes daselbst verblieben, ihm keck und ohne Erröten ins Auge sehend, wenn er beim Herauskommen seine Augen auf sie heftete. So hatten sich etwa ein Jahr nach dem ersten Auftreten des Hausierers in Graßford die Dinge gestaltet. Byres war der allgemeine Liebling, denn er besorgte die Aufträge der Weiber, versah die Mädchen mit Bändern oder sonstigen Putzartikeln und nahm es auch nicht sehr genau mit gleich barer Bezahlung. Seine Ankunft wurde stets sehnsüchtig erwartet, und im Wirtshause lebte er zechfrei, denn er lockte große Kundschaft an, und wenn er da war, wurde so viel Ale getrunken, daß der Wirt sein Einkehren für eine wahre Gottesgabe betrachtete. In Sommermonaten war sein Kasten immer gut gefüllt, denn dies war die Zeit, um hübsche Bänder zu tragen, während er im Winter mehr deshalb seine Rundreisen machte, um Aufträge einzuholen oder das Wild fortzuschaffen, mit dem ihn die mit ihm im Bunde stehenden Wilddiebe versahen. Hätte man zur Jagdzeit in seinem Gepäcke Nachforschungen angestellt, so würde man statt der Putzsachen und Bänder stets Fasanen und anderes Wild aufgefunden haben.

Nach diesem Vorbericht braucht wohl kaum bemerkt zu werden, daß Byres der Mann war, der die von Rushbrook gemachte Jagdbeute weiter beförderte. Er holte dieselbe in der Regel am zweiten Morgen, nachdem sie gemacht war, vor Tagesanbruch ab, denn Rushbrook war zu vorsichtig, um Byres sein Geheimnis anzuvertrauen, und machte daher nie seinen Weidgang, ohne sich zuvor betrunken gestellt zu haben; bei diesen Anlässen ließ er sich jedesmal nach Hause führen oder schleppen.

Unsere Leser werden zugeben, daß sich der kleine Joey in einer sehr gefährlichen Lage befand. Denn obgleich er nichts unrechtes zu thun glaubte, wenn er seinem Vater Beistand leistete, so war er doch ein denkender Knabe, und es fiel ihm bisweilen ein, daß es doch seltsam sei, eine Sache geheim zu betreiben, wenn man das Recht dazu habe; auch wollte es ihm nicht recht einleuchten, daß man Vögel, die doch überall herumflogen und das Eigentum eines jeden zu sein schienen, nicht am hellen Tage schieße. Die gesetzlichen Verbote waren ihm bekannt, aber er fragte sich nach dem Grunde derselben und fand sie unbegreiflich genug, da er bloß eine Seite der Frage hatte besprechen hören. Zum Glücke für ihn besuchte der Pastor des Kirchspiels, obgleich er nicht in Graßford wohnte, wenigstens einmal in der Woche Mr. Furneß' Schule, um die Knaben zu katechisieren. Mr. Furneß, der während der Schulstunden stets nüchtern war, that sich auf diese Besuche sehr viel zu gute und bezeichnete bei solchen Gelegenheiten den kleinen Joey als seinen hoffnungsvollsten Schüler. Dies veranlaßte den Pastor, auf unseren Helden ein besonderes Augenmerk zu werfen, und wahrscheinlich war das erhaltene Lob und die darauf folgende Ermunterung die Hauptursache, warum Joey so vielen Fleiß auf seine Aufgaben verwendete und sich sein wohlverdientes gutes Prädikat zu erhalten bemüht war, was bei einer sonst landstreicherischen Lebensweise leicht anders hätte sein können. Allerdings führten auch seine Eltern, mit Ausnahme der Wilddieberei und des damit verbundenen Heimlichthuns, keineswegs eine untergeordnete, sondern eine musterhafte Ehe; sie thaten ihren Nachbarn, wovon sie wünschten, daß es ihnen selbst geschehe, erwiesen sich ehrlich in ihrem Verkehr und hielten ihren Sohn unablässig zur Rechtschaffenheit und Wahrheitsliebe an. Dies mag vielen unserer Leser sonderbar vorkommen, aber es giebt gar viele seltsame Widersprüche in der Welt. Wir begnügen uns daher, in kurzen Worten anzudeuten, daß unser kleiner Held den Pfad zum Verderben bisher noch nicht betreten hatte, obgleich alle Wahrscheinlichkeit vorhanden war, daß er demselben doch am Ende verfallen mußte.

So trieb es der kleine Joey noch drei Jahre von der Zeit an, in welcher wir ihn dem Leser zum erstenmale vorgeführt haben. Er machte sich seinem Vater mit jedem Tage nützlicher, um so mehr, als er später die Schule nur noch am Vormittage besuchte und, wie schon oben bemerkt, seine verkümmerte Größe und sein unverdächtiges Aussehen ihn in die Lage setzte, viel auszuführen, was sein Vater nicht wagen durfte. In der Kunst, Schlingen zu legen, war er so gewandt wie sein Vater; wenn er daher nach Kinderweise durch die Felder und Hecken streifte, so konnte er seine Schleifen untersuchen, das Wild herausnehmen und es irgendwo verbergen, bis er es möglich fand, dasselbe nach Hause zu schaffen. Hin und wieder ging er auch, nur von Mum begleitet, des Nachts aus; der Hund gab ihm dann durch Aufrichten der Ohren und des Schwanzes ein stummes Zeichen, wenn die Wildhüter die Schlingen entdeckt hatten und auf den Frevler lauerten, um ihn zu fassen, sobald er käme, um nach dem Erfolge seiner Bemühungen zu sehen. Aber auch in einem solchen Falle trat er nicht immer den Rückzug an, sondern kroch auf dem Bauche nach der Schlinge hin und nahm das Tier heraus, ohne daß die Wildhüter ihn bemerkten, deren Augen unabänderlich auf den Horizont gerichtet waren, ob sie nicht irgend einen stämmigen Kerl kommen sähen, und inzwischen hatte sich Joey mit der Beute bereits von hinnen gemacht. Zu andern Zeiten pflegte auch Joey vermittels seines Lieblingswildhahns am hellen Tage eine reiche Ernte zu machen. Er legte dem Tiere seine stählernen Sporen an, trug ihn in das dickste Gebüsch, wählte sich irgend eine kleine Lichtung zum Kampfplatze aus und verbarg sich in dem Gebüsche; der Hahn fing dann alsbald zu krähen an, und seine Herausforderung wurde von dem nächsten besten männlichen Fasan beantwortet, welcher niederflog, um mit seinem Gegner anzubinden. Der Kampf war natürlich nur von kurzer Dauer, denn der Fasan erlag bald den scharfen Sporen, worauf der Sieger aufs neue krähte und seine Ausforderung von einem andern angenommen wurde. Nach ein paar Stunden war der kleine Wahlplatz ein blutiges Schlachtfeld. Joey kroch dann hervor, steckte seinen heldenhaften Hahn nebst dessen gefallenen Gegnern in einen Sack und ersah sich die Gelegenheit zu einem sichern Rückzuge.

Dies war die Beschäftigung des Knaben, und obgleich der Vater oft beargwöhnt wurde, so kam es doch niemand zu Sinne, bei dem Sohne eine ähnliche Gesetzübertretung zu vermuten. Da trat mit einem Male ein Vorfall ein, der unserem Helden eine andere Bestimmung gab.

Viertes Kapitel

Inhaltsverzeichnis
In welchem der Autor nach Kräften bemüht ist, dem gegenwärtigen Geschmacke des Publikums entgegenzukommen.

Wir haben bereits gesagt, daß Byres der Hehler des von Rushbrook gestohlenen Wildes war. Man konnte dem Ehrenmanne nicht nachrühmen, daß er es mit den Pflichten gegen den Nächsten sonderlich genau nahm, da er vielmehr jeden, wie er nur konnte, zu übervorteilen suchte. Auch bei Rushbrook probierte er seine Praktiken, aber mit schlechtem Erfolg, weshalb er von Stunde an dessen entschiedener, obgleich geheimer Feind wurde. Seit ihrer Entzweiung waren einige Monate verstrichen, und da beide von gleich rachsüchtiger Gemütsart waren, so herrschte unter ihnen gegenseitiges Mißtrauen. Eines Sonnabend trafen sie noch spät in dem Bierhause zusammen, welches ihr gewöhnlicher Belustigungsort war. Der Schulmeister Furneß war auch zugegen und hatte, nebst vielen anderen Anwesenden, bereits ziemlich getrunken, so daß es etwas geräuschvoll und lärmend zuging. Einige Weiber standen geduldig und bekümmert vor der Thür, hatten die Schürze über ihre Arme geschlagen, um sich gegen die Kälte zu schützen, und warteten, bis ihre zechenden Männer heraus kamen, um sie zum Nachhausegehen zu bewegen, ehe der größere Teil ihres Wochenverdienstes in geistigen Getränken verjubelt war. Byres hatte die Zeitung in der Hand – denn der Schulmeister war schon zu benebelt, um vorlesen zu können – und deklamierte eben laut gegen alle Regierungen, Monarchieen und Gesetze, als ein Fremder in die Wirtsstube trat. Rushbrook hatte kurz zuvor Platz genommen, um ruhig seine Pinte zu trinken und nach Hause zu gehen, da er zu viel Achtung vor dem Sabbath hatte, um am Morgen eines dem Herrn geweihten Tages sein Wilddiebsgewerbe zu verfolgen. Demgemäß fiel es ihm auch nicht entfernt ein, zu seiner gewöhnlichen Methode Zuflucht zu nehmen, nämlich sich betrunken zu stellen. Als jedoch der Fremde eingetreten war, bemerkte er zu seiner großen Überraschung, daß derselbe einen Blick des Erkennens mit Byres wechselte, worauf sie thaten, als ob sie sich in ihrem Leben nie gesehen hätten. Rushbrook faßte die beiden sorgfältig ins Auge, ohne daß sie's übrigens merken konnten, und bald winkte der Fremde Byres abermals zu. Dieser fuhr fort, die Zeitung zu lesen und die Gäste aufzuhetzen, ersah aber zugleich eine Gelegenheit, den Wink zu erwidern. In dem Äußeren des Fremden lag etwas, woraus Rushbrook entnahm, daß derselbe als Wildhüter oder in einer ähnlichen Eigenschaft angestellt sein müsse, denn der Instinkt lehrt uns oft unsere Feinde erkennen. Jedenfalls fühlte sich Rushbrook überzeugt, daß Unheil im Anzuge war, und er wurde noch bedenklicher, als er bemerkte, wie die Augen der beiden sich bisweilen nach ihm hinwandten. Nach einiger Erwägung beschloß er, seine frühere Praxis zu verfolgen und sich betrunken zu stellen. Er rief nach einer zweiten Pinte, fing mit einemmale zu krakeelen an und legte endlich seinen Kopf auf den Tisch. Nach einer Weile richtete er sich wieder auf, trank noch mehr und sank dann auf die Bank zurück. Die Zahl der Gäste lichtete sich allmählich, bis am Ende nur noch der Schulmeister, der Hausierer und der Fremde zugegen waren. Der erstere machte dem Handelsmann wie gewöhnlich den Vorschlag, dem betrunkenen Gefährten nach Hause zu helfen, Byres versetzte jedoch, daß er zu thun habe und noch eine Weile bleiben müsse; der gute Freund aber, den er bei sich habe, werde ihm behilflich sein, Rushbrook später weiter zu schaffen. Der Schulmeister wankte nach Hause und ließ die beiden allein. Sie saßen bei einander auf der Bank und Rushbrook lag ganz in der Nähe, scheinbar in der höchsten Stufe der Trunkenheit. Sie führten ihr Gespräch in einer Weise, daß es leicht gehört werden konnte. Der Hausierer gab an, er habe mehrere Nächte acht gegeben, aber nie ausfindig machen können, wann Rushbrook seine Hütte verlasse, obgleich er der Fährte des Knaben mehr als einmal gefolgt sei; indes habe ihm Rushbrook versprochen, auf den Dienstag Wild für ihn bereit zu halten und Montag nachts danach auszugehen. Mit einem Worte, Rushbrook entdeckte, daß Byres ihn an den Mann zu verraten gedachte, der, wie er im Laufe ihrer Unterhaltung vernahm, ein von dem Grundherrn neu angestellter Wildhüter war. Nach einer Weile schickten sie sich zum Aufbruche an, nachdem Byres zuvor dem Förster versprochen hatte, ihn auf seiner Spähe zu begleiten und ihm bei der Festnehmung seines früheren Spießgesellen Beihilfe zu leisten. Sobald diese Verabredung getroffen war, ergriffen sie Rushbrook bei den Armen, schüttelten ihn so viel als möglich wach, führten ihn nach Hause und überließen ihn der Obhut seines Weibes. Die Thüre hatte sich kaum geschlossen, als Rushbrook seinen lange verhaltenen Grimm nicht länger zu zügeln vermochte; er sprang auf, schlug, zum großen Schrecken seines Weibes, mit der Faust auf den Tisch und schwur, daß der Hausierer seinen Verrat bezahlen solle. Seine Frau bat ihn um Aufklärung, worauf er ihr in Kürze mitteilte, was er gehört hatte. Wie sehr übrigens auch Jane seine Entrüstung teilen mochte, so schauderte sie doch vor dem Gedanken an Blutvergießen zurück; sie beredete ihren Gatten, zu Bette zu gehen, was er auch ihr zu Gefallen that – aber nicht um zu schlafen, denn nur ein einziges Gefühl beherrschte seine ganze Seele, nämlich der Durst nach Rache an dem Verräter. Wenn dieser Dämon sich in die Brust eines Menschen Eingang verschafft, der bisher friedlich in seiner Heimat gelebt hat, so bebt er doch, wie glühend auch die Leidenschaft sein mag, bei dem Gedanken an Blut zurück. Hat aber einer so lange in der Armee gedient, wie Rushbrook, so viele Gemetzelscenen mit angesehen und so oft seinem Gegner das Bajonett in den Leib gerannt, so steigert sich der Ingrimm zu einer furchtbaren Höhe, und der Tod eines Nebenmenschen wird zu einer sehr gleichgültigen Sache, sobald der Beleidigte damit nur sein Mütchen kühlen kann. Ein Gleiches war auch mit Rushbrook der Fall; noch ehe er am Morgen jenes Sabbathes aufstand, an welchem er, wenn er zur Kirche gegangen wäre, um so oftmalige Vergebung seiner Schulden hätte bitten können, als er seinen Schuldigern vergab – war er darin mit sich einig geworden, daß nichts als der Tod des Hausierers seine Rache befriedigen könne. Beim Frühstück that er zwar, als höre er auf das Flehen seines Weibes, und gab ihr das Versprechen, daß er dem Krämer nichts zuleide thun wolle, fügte jedoch bei, statt versprochenermaßen Montag nachts auszugehen, wolle er dies gleich heute thun, um die ihm gelegten Schlingen zu vermeiden. Jane suchte ihn zu bereden, ganz und gar zurück zu bleiben, aber hierauf wollte sich Rushbrook nicht einlassen. Er entgegnete, er wolle zeigen, daß er sich nicht so leicht von seinem Weidwerke abhalten lasse, und am Dienstag nachts Byres den Glauben beibringen, daß er seine Beute am Montag geholt habe. Indes wollte Rushbrook bloß womöglich mit Byres allein zusammentreffen, um ihm sein schändliches Benehmen vorzuhalten und dann summarische Rache zu nehmen. Er wußte, daß Byres in dem Wirtshause übernachtete, weshalb er sich ein wenig vor Dunkelwerden gleichfalls dahin begab, wo er dem Hausierer mitteilte, er gedenke, noch in derselbigen Nacht seinen Streifzug zu machen; es sei daher besser, wenn er, statt am Dienstag zu kommen, zu einer bestimmten Stunde an einer gewissen Waldecke mit ihm zusammen treffe, wo er ihm das geschossene Wild aushändigen wolle. Byres, der hierin einen vortrefflichen und leichten Weg sah, Rushbrook auf der That zu ertappen, ließ sich dies gefallen und nahm sich insgeheim vor, den Wildhüter davon in Kenntnis zu setzen, damit er Rushbrook auflauern möge. Die Zeit der Zusammenkunft war auf morgens zwei Uhr bestellt. Rushbrook war überzeugt, Byres werde ein paar Stunden vor der anberaumten Frist das Wirtshaus verlassen; er hatte dann noch hinreichend Zeit, dem Förster seine Meldung zu hinterbringen. Demgemäß blieb der alte Wilddieb ruhig bis Mitternacht zu Hause, lud dann sein Gewehr und machte sich ohne Joey oder den Hund auf den Weg. Seinem Weibe fiel dieses auf; sie fühlte sich überzeugt, daß er nicht in der Absicht ausgegangen war, um Wild zu holen, sondern über einem Racheplane brütete, weshalb sie ihm, sobald er die Hütte verlassen hatte, nachsah. Aus der Richtung seines Weges, den er nach dem Wirtshause hin einschlug, zog sie die beunruhigende Folgerung, daß es zwischen ihm und Byres Unheil abgeben könne; sie weckte daher Joey und trug ihm auf, er solle seinem Vater nachgehen und alles aufbieten, um ihn von einem gefährlichen Schritte abzuhalten. Ihre Mitteilung an den Knaben geschah so hastig, daß Joey daraus nicht entnehmen konnte, was er zu thun hatte; indes wurde ihm doch so viel klar, daß er auf die Bewegungen seines Vaters acht haben und sehen sollte, was vorgehe. Er nahm seinen Sack auf den Rücken, machte sich alsbald auf den Weg und ging, wie gewöhnlich von Mum begleitet, seinem Vater nach, indem er leise in dem Fußpfade weiter schlich. Die Nacht war dunkel, denn der Mond ging erst zwei oder drei Stunden vor Anbruch des Morgens auf, und außerdem wehte ein schneidend kalter Wind. Joey war jedoch an derartiges Wetter schon gewöhnt, und obgleich er selbst nicht gesehen wurde, so konnte sich doch nicht leicht ein Gegenstand bewegen, ohne von seinem scharfen Auge erspäht zu werden. Er verbarg sich in einer Ecke neben dem Wirtshause. Mum wollte weiter, woraus er schloß, daß sein Vater irgendwo in der Nähe lauern mußte; er drückte jedoch den Hund mit der Hand nieder, duckte sich und gab acht. Einige Minuten nachher bemerkte er, daß eine dunkle Gestalt aus dem Wirtshause herauskam und hastigen Schrittes über ein Rübenfeld hinter dem Gebäude ging. Der Mann hatte dasselbe noch nicht zur Hälfte zurückgelegt, als eine zweite Person auftauchte, welche dem ersteren verstohlen nachfolgte. Joey erkannte in derselben seinen Vater und wartete eine Weile, worauf er mit Mum den Schritten der beiden folgte. Etwa anderthalb Meilen weit behielten sie dieselbe Entfernung bei, bis sie in die Nähe eines mit Pfriemkraut überwachsenen Grundes gelangten, von wo aus man noch etwa sechshundert Ellen bis zu dem Gehölze hatte. Jetzt beschleunigte Rushbrook seine Schritte, und Joey that das Gleiche; eine Folge davon war, daß die drei Personen rasch einander näher kamen. Byres (denn er war der Mann aus dem Wirtshause) ging gemächlich weiter, ohne auch nur im geringsten zu ahnen, daß ihm jemand folgte. Rushbrook war noch fünfzehn Ellen von dem Hausierer und Joey ungefähr ebenso weit von seinem Vater entfernt, als letzterer einen Gewehrhahn knacken hörte, wie wenn derselbe gespannt würde.

»Vater«, sagte Joey mit gedämpfter Stimme, »ich bitte, laßt – –«

»Wer da?« rief der Hausierer, sich umwendend.

Die einzige Antwort war ein Pulverblitz und das Knallen eines Gewehres: der Hausierer stürzte in das Pfriemengesträuch.

»O Vater! Vater! was habt Ihr gethan?« rief Joey, herankommend.

»Du hier, Joey?« sprach Rushbrook. »Was willst Du da?«

»Die Mutter hat mich geschickt«, versetzte Joey.

»Etwa Zeugnis gegen mich ablegen?« entgegnete sein Vater zornig.

»O nein, nur Euch zu hindern. Was habt Ihr gethan?«

»Etwas, wovon ich jetzt fast wünsche, daß es unterblieben wäre«, erwiderte er in düsterem Tone. »Aber es ist geschehen, und –«

»Und was?«

»Nun, vermutlich lastet ein Mord auf mir«, versetzte Rushbrook. »Er wollte mich verraten, Joey – mich deportieren lassen; ich sollte für lumpige paar Fasanen den Rest meiner Tage in Ketten arbeiten! Doch laß uns nach Hause gehen.«

Aber trotz seiner ausgesprochenen Absicht rührte sich Rushbrook nicht von der Stelle. Er lehnte sich auf sein Gewehr, und seine Augen hafteten in der Richtung, wo Byres gefallen war.

Joey stand an seiner Seite, und wohl zehn Minuten wurde kein Wort zwischen Vater und Sohn gesprochen. Endlich begann Rushbrook:

»Joey, mein Kind, ich habe seinerzeit manchen getötet und mir keine Gedanken darüber gemacht. Ich konnte die Nacht darauf so beruhigt schlafen, als nur je. Aber siehst Du, ich war damals ein Soldat, und es gehörte zu meinem Berufe: ich konnte die von mir Getöteten ohne Scheu oder Kummer sehen – aber bei diesem Manne ist es anders. Er war zwar mein Feind, Joey, aber ich fühle jetzt, daß Blutschuld auf mir haftet. Geh zu ihm hin (Du brauchst Dich nicht zu scheuen, von ihm gesehen zu werden) und überzeuge Dich, ob er tot ist.«

Obgleich Joey im allgemeinen ein furchtloser Knabe war, so fühlte er doch jetzt eine gewisse Beklommenheit. Er hatte allerdings seine Hand oft in das Blut von Hasen oder Vögeln getaucht, aber noch nie einen toten Nebenmenschen gesehen. Langsam und zitternd näherte er sich in der Dunkelheit dem Ginsterbusche, wo der Körper lag. Mum folgte, jedesmal vor dem Erheben einer Pfote innehaltend, und als sie die Stelle erreichten, streckte der Hund seinen Kopf in die Höhe und ließ ein so klägliches Geheul erschallen, daß unser Held wieder zurückfuhr. Nach einer Weile faßte sich Joey aufs neue und näherte sich abermals dem Gefallenen, über den er sich hinbeugte, ohne jedoch mehr als die Gestalt unterscheiden zu können. Er horchte, aber nicht der leiseste Atemzug ließ sich vernehmen; auch folgte keine Antwort, als er leise den Namen des Hausierers flüsterte. Endlich legte er die Hand auf dessen Brust, und als er sie wieder zurückzog, dampfte sie von warmem Blute.

»Vater, er muß tot sein – ganz tot«, flüsterte Joey, als er zitternd wieder zurückgekehrt war. »Was können wir thun?«

»Wir müssen nach Hause gehen«, versetzte Rushbrook; »eine schlimme Nachtarbeit!«

Und ohne ein weiteres Wort zu wechseln, bis sie zu Hause anlangten, gingen Rushbrook und Joey nach der Hütte zurück, während Mum ihren Schritten folgte.

Fünftes Kapitel

Inhaltsverzeichnis
Die Sünden des Vaters werden an dem Kinde heimgesucht.

In Todesängsten horchte Jane während der Abwesenheit ihres Gatten auf jeden Laut, der sich von außen vernehmen ließ; sie drückte alle fünf Minuten auf die Thürklinke und sah hinaus, in der Hoffnung, sie möchte ihn zurückkehren sehen. Aber je länger er ausblieb, desto mehr steigerte sich ihre Unruhe. Sie legte ihren Kopf auf den Tisch und weinte, ohne für ihre Angst Trost oder Linderung finden zu können; dann ließ sie sich auf die Kniee nieder und betete.

Noch immer lag sie in inbrünstigem Flehen vor dem Höchsten, als ein Schlag an die Thüre die Heimkehr ihres Gatten verkündigte. Ein störrisches Düster lag auf seinem Gesichte, als er eintrat. Er warf sein Gewehr nachlässig beiseite, daß es auf dem gepflasterten Fußboden klirrte und rasselte – eine Bewegung, aus welcher sie augenblicklich erkannte, daß ein Unheil geschehen war. Ohne ein Wort zu sprechen, warf er sich in seinen Stuhl, erhob die Augen gegen das Gebälk der Decke und schien, ohne, seines Weibes zu achten, in tiefe Gedanken zu versinken.

»Was ist vorgefallen?« fragte die zitternde Frau, indem sie ihre Hand auf seine Schulter legte.

»Frage mich nichts«, lautete die Antwort.

»Joey«, flüsterte das erschrockene Weib ihrem Knaben zu, »was hat er gethan?«

Joey blieb stumm, erhob aber seine Hand, auf welcher das rote Blut getrocknet war.

Jane stieß einen schwachen Schrei aus, sank auf die Kniee nieder und bedeckte ihr Gesicht, während Joey nach der Hinterküche ging, um die Spuren der schwarzen That zu entfernen.

Eine Viertelstunde verstrich, bis Joey zurückkehrte; er nahm auf seinem niedrigen Schemel Platz, und alle drei wagten kein Wort zu sprechen.

Zuverlässig giebt es einen Vorgeschmack der Strafe, welche dem Verbrechen bevorsteht. Wie fürchterlich waren nicht die Gefühle derjenigen, welche jetzt in der Hütte beisammen saßen! Rushbrook war augenscheinlich ganz betäubt, denn der Aufregung, welche ihn zu seiner Unthat gedrängt hatte, folgte jetzt die entsprechende Gegenwirkung – eine völlige geistige Abspannung. Jane fürchtete sich vor der Gegenwart und vor der Zukunft; wohin sie sich auch wenden mochte – vor ihren Augen stand der Galgen, vor ihren Ohren klirrten Ketten – und der Blick in die Zukunft ließ sie nichts als Verachtung, Elend und Gewissensbisse schauen. Sie fühlte nur für ihren Gatten; aber Joey, der arme Knabe, fühlte für beide. Selbst der Hund blickte zu dem Gesichte seines kleinen Gebieters auf, als wisse er, daß eine schnöde That begangen worden sei. Niemand wagte das Schweigen zu unterbrechen, bis endlich die Uhr der Dorfkirche zwei schlug. Sie fuhren auf – es war ein Warneruf, der sie an das Geläute der Totenglocke erinnerte – sie deutete auf Zeit und Ewigkeit! Die erstere machte aber bald ihre Rechte geltend, indem sie auf andere Gedanken führte. Ja, es war Zeit zu handeln! Noch vier Stunden, und es war Tag – das Blut des ermordeten Mannes flehte seine Mitmenschen um Rache an! Die Sonne beleuchtete dann die That der Finsternis – die Leiche wurde nach Hause gebracht – der Magistrat versammelte sich, und auf wen mußte der Argwohn fallen?

»Barmherziger Himmel! was ist anzufangen?«

»Man hat keinen Beweis gegen mich«, murmelte Rushbrook.

»Doch, Vater«, bemerkte Joey. »Ich ließ meinen Sack dort, als ich mich niederbückte, um den –«

»Schweige!« rief Rushbrook.

»Ja«, fuhr er bitter gegen sein Weib fort. »Das ist Dein Werk. Du mußtest mir den Knaben nachsenden, und nun wird ein Zeugnis gegen mich vorhanden sein. Dir habe ich meinen Tod zu danken.«

»O sprich nicht so – sprich nicht so!« versetzte Jane, auf ihre Kniee niederfallend, indem sie unter bittern Thränen das Gesicht in ihrem Schoße verbarg.

»Aber es ist noch Zeit«, rief sie aufspringend. »Joey kann hingehen und den Sack holen. Nicht wahr, liebes Kind, Du willst es thun? Du bist unschuldig und brauchst Dich nicht zu fürchten.«

»Lassen wir ihn lieber, wo er ist«, entgegnete Joey ruhig.

Rushbrook sah überrascht seinen Sohn an, und Jane ergriff ihn beim Arme. Sie fühlte sich überzeugt, daß der Knabe einen Grund für seine Worte hatte – vielleicht irgend einen Plan, durch den sich der Verdacht ablenken ließ – und doch, wie war es möglich? Der Sack war ein zu sprechender Beweis gegen den Thäter.

Nachdem sie dem Knaben ernstlich ins Gesicht gesehen, ließ sie seinen Arm fallen.

»Wieso, Joey?« fragte sie mit scheinbarer Ruhe.

»Weil ich die ganze Zeit über die Sache nachgedacht habe. Ich bin unschuldig und mache mir daher nichts daraus, ob sie mich für schuldig halten. Man weiß, daß der Sack mir gehört – das Gewehr muß ich aber ein paar Ackerlängen von der Stelle in einen Graben werfen. Habt Ihr Geld, so könnt Ihr mir einiges geben, wo nicht, so muß es auch ohne dies gehen. Aber Zeit haben wir nicht zu verlieren, und ich muß schon in zehn Minuten auf und davon sein. Morgen fragt ihr dann die Leute, ob sie nichts von mir gesehen oder gehört hätten, weil ich in der Nacht ausgegangen und nicht wieder zurückgekommen sei. Bis dahin habe ich einen hübschen Vorsprung, und vielleicht findet man den Hausierer nicht vor einigen Tagen. Unter allen Umständen bin ich aber doch schon eine geraume Zeit fort, und wenn man den Sack bei der Leiche und das Gewehr im Graben findet, seht Ihr, Mutter, so wird man glauben, ich hätte ihn getötet. Man weiß dann nicht, ob es aus Zufall geschehen ist und ich aus Furcht davongelaufen bin, oder ob ich es absichtlich gethan habe. Ich habe Euch nun meinen Plan mitgeteilt, Mutter, denn ich will den Vater retten.«

»Ach, und ich soll Dich nie wiedersehen!« rief die bekümmerte Frau.

»Das wäre möglich; indessen könnt Ihr ja nach einer Weile, wenn Gras darüber gewachsen ist, von hier wegziehen. Behüt' Euch Gott, Mutter: es ist keine Zeit zu verlieren.«

»Rushbrook, was sagst Du; was denkst Du davon?« sagte Jane zu ihrem Gatten.

»Der Bub' muß uns jedenfalls verlassen, Jane, denn siehst Du, ich habe Byres gesagt und er hat's ohne Zweifel auch dem Förster gesteckt, ich wolle, wenn ich mit ihm zusammentreffe, Joey mitbringen. Ich that dies, um ihn zu täuschen, und so wahr ich hier sitze, man wird den Knaben nötigen, als Zeuge gegen seinen Vater aufzutreten.«

»Freilich würde man das«, rief Joey, »und was könnte ich thun? ich würde es nicht wagen – und wäre, glaube ich, auch nicht im stande, eine Lüge zu sagen; und doch möchte ich auch meinen Vater nicht verraten. Was bleibt mir anderes übrig, als daß ich mich aus dem Wege mache?«

»Das ist wahr, also fort mit Dir, mein Sohn, und nimm den Segen Deines Vaters mit Dir – freilich eines schuldbelasteten Vaters; Gott möge mir verzeihen! Jane, gieb ihm alles Geld, das Du hast; verliere keinen Augenblick! Hurtig, Weib, hurtig!«

Rushbrook drängte in Todesängsten.

Jane eilte nach dem Schranke, öffnete eine kleine Sparbüchse und goß den Inhalt in Joeys Hand.

»Lebe wohl, mein Kind!« sagte Rushbrook, »Dein Vater dankt Dir.«

»Der Himmel behüte Dich, mein Kind!« rief Jane, den Knaben umarmend, und ihre Thränen rannen auf seine Wangen nieder. »Du wirst uns schreiben – nein! das darfst Du nicht! Barmherziger, barmherziger Gott, ich werde ihn nie wieder sehen.«

Mit diesem Ausruf sank die arme Frau ohnmächtig zu Boden.

Thränen traten Joey ins Auge, als er den Zustand seiner armen Mutter mit ansah. Er drückte noch einmal die Hand seines Vaters, nahm dann das Gewehr auf, ging zur Hinterthüre hinaus, jagte den Hund, der ihm folgen wollte, zurück, und eilte so schnell über die Felder, als ihn die Beine tragen wollten.

Sechstes Kapitel

Inhaltsverzeichnis
»Die Welt liegt vor dir, darfst nur wählen!«.

Ohne Zweifel sind viele unserer Leser auf Reisen hin und wieder an eine Stelle gekommen, wo sich der Weg gabelförmig teilte und sie, der nötigen Ortskenntnis entbehrend, nicht wußten, welche Richtung sie einschlagen sollten. Dies ist ein Fall, der sich auch oft in Romanen zuträgt, und auch wir stehen jetzt an einem solchen Scheidewege. Die Frage lautet: sollen wir dem kleinen Joey folgen oder dessen Eltern? Wir glauben, daß man bei einer derartigen Wegspaltung in der Regel den breitesten wählt, weil man ihn für eine Fortsetzung der Landstraße hält. Wir richten uns nach demselben Grundsatze, und da der Held unserer Geschichte von weit größerer Wichtigkeit ist als die Nebencharaktere, so folgen wir dem Schicksale des kleinen Joey.

Sobald er das Gewehr an einer Stelle abgeworfen hatte, wo es von einem Vorübergehenden leicht aufgefunden werden konnte, eilte er der Landstraße zu, auf welcher er so hurtig als möglich weiter ging; auch war es noch nicht einmal Tag, als er sich bereits zehn Meilen von seinem Geburtsorte befand. Mit dem Grauen des Morgens verließ er die Landstraße und schlug die Feldwege ein, dabei stets eine parallele Richtung verfolgend, um immer weiter von der Heimat abzukommen. Erst nachdem er fünfzehn Meilen zurückgelegt hatte, fühlte er sich so ermattet, daß er sich niedersetzen mußte, um sich ein wenig zu erholen.

Von dem Augenblicke an, da er das Elternhaus verließ, hatte sich Joey mit einer einzigen, ausschließlichen Idee beschäftigt; er wollte nämlich durch seine Entweichung den Verdacht von seinem Vater ablenken und zugleich sich der Verfolgung entziehen; nun er aber diesen Zweck erreicht und sich gewissermaßen sicher gestellt hatte, bedrängten andere Gedanken seinen Geist. Zuvörderst glitten die Auftritte der letzten paar Stunden in rascher Reihenfolge an ihm vorüber – er dachte an den toten Mann und betrachtete seine Hand, um sich zu überzeugen, ob auch alle Blutspuren entfernt wären; dann trat ihm der Zustand seiner Mutter, als er seine Hütte verließ, vor die Seele, und die Erinnerung daran erpreßte ihm bittere Thränen. Endlich stellte er Betrachtungen über seine eigene Lage an: Was sollte er thun – wie konnte sich ein zwölfjähriger Knabe, der in die Welt hinausgestoßen worden war, fortbringen? Dies führte ihm den Umstand ins Gedächtnis, daß ihm seine Mutter Geld gegeben hatte; er steckte die Hand in die Tasche und überzählte seinen Reichtum. Dieser bestand aus einem Pfund und sechzehn Schillingen in Silber – für ihn eine große Summe. Sobald er ruhiger wurde, begann er seine weiteren Schritte zu erwägen; wohin sollte er sich wenden? Nach London. Er wußte freilich, daß dies ein weiter Weg war; aber je weiter von der Heimat, desto besser für ihn. Außerdem hatte er viel von London erzählen hören, namentlich, daß dort jedermann Beschäftigung finden könne. Er nahm sich daher vor, nach London zu gehen; bisher war er auf dem rechten Wege gewesen, und sobald er mit sich einig war, stand er auf und pilgerte weiter. Freilich durfte er sich die nächsten paar Tage nicht auf der Landstraße blicken lassen, und er fühlte sich nicht wenig verlegen, wie er es wohl angreifen sollte, um sich Lebensmittel zu verschaffen, die ihm bereits jetzt schon sehr gelegen gekommen wären; und außerdem, was für Auskunft sollte er von sich geben, wenn er befragt wurde? Solcher Beschaffenheit waren die Gedanken unseres kleinen Helden, während er seinen Weg verfolgte, bis er zu einem Flusse kam, und da das reißende, tiefe Wasser ein Hinüberwaten nicht rätlich erscheinen ließ, so sah er sich genötigt, nach der Landstraße umzubiegen und zu seinem Übergange sich der Brücke zu bedienen. Ehe er über die niedrige, steinerne Böschung kletterte, blickte er umher, und da er niemand bemerkte, so sprang er in den Fußweg und wanderte der Brücke zu, wo er plötzlich eines alten Weibes mit einem Korbe voll brauner Kuchen ansichtig wurde, die wie Pfefferkuchen aussahen. Überrascht und kaum wissend, was er sagen sollte, fragte er, ob nicht ein Kärrnerfuhrwerk des Weges gekommen sei.

»Ja, Kind, aber es ist schon um eine gute Meile voraus«, sagte die Alte; »Du mußt daher hurtig gehen, wenn Du es noch einholen willst.«

»Ich habe noch nicht gefrühstückt und bin hungrig; verkauft Ihr von Euren Kuchen?«

»Ja, mein Kind; für was sollte ich sie sonst machen? Drei für einen Penny – 's ist wohlfeil genug.«