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Noch nie haben sich Angelo und JoJo im "real life" getroffen - aber beim Gamen, wo jeder von ihnen in seiner Rolle aufgehen kann, sind sie beste Kumpel. Ihre Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt, als es wirklich um etwas geht: JoJos Mutter wird vielleicht ihren Job verlieren, und um das zu verhindern, entwickelt JoJo einen verrückten Plan, bei dem Angelo helfen soll - und bei dem der Computervirus Kaisai eine Hauptrolle spielt. Wird es Angelo gelingen, JoJo rechtzeitig zu stoppen, bevor beide so richtig in Schwierigkeiten geraten? Und welche Rolle(n) spielt JoJo tatsächlich? Für Gamer, Nerds und alle, die spannende, witzige Geschichten mögen!
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Seitenzahl: 108
Veröffentlichungsjahr: 2024
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Herr Rossi sucht das Glück
Keep out or die!
Wie alles angefangen hat
Ego erzählt Witze
Ego rettet in der Not
Ego kauft ein
JoJo wird sichtbar
Angelo hängt ab
Du Flexer!
Das Jagdfieber erwacht
Auf der Jagd nach Mr. X
Hubert fährt spazieren
Angriff auf den Dönermann
Das Wolken-Orakel hat gesprochen
Ein Codewort für den Exit
EAT SLEEP GAME REPEAT
Ego streikt
Cleany dreht durch und Paps grübelt
Zu zweit ist man weniger allein
Dann drück’ ich aufs Knöpfchen
Mr. X!
Ich weiß, wo JoJo wohnt
Die Uhr tickt
Leider ein wenig zu spät
Wasabi-Chips und Heu
I’m watching you!
Noch nie haben sich Angelo und JoJo im „real life“ getroffen – aber beim Gamen, wo jeder von ihnen in seiner Rolle aufgehen kann, sind sie beste Kumpel. Ihre Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt, als es wirklich um etwas geht: JoJos Mutter wird vielleicht ihren Job verlieren, und um das zu verhindern, entwickelt JoJo einen verrückten Plan, bei dem Angelo helfen soll – und bei dem der Computervirus Kaisai eine Hauptrolle spielt. Wird es Angelo gelingen, JoJo rechtzeitig zu stoppen, bevor beide so richtig in Schwierigkeiten geraten? Und welche Rolle(n) spielt JoJo tatsächlich?
»Herr Rossi nervt!« Angelo hat seine Zimmertür geöffnet und brüllt quer durch das Treppenhaus. Sein Vater, von den Kindern liebevoll Paps genannt, steckt den Kopf aus seinem Arbeitszimmer und brüllt zurück: »Was ist mit Herrn Rossi?«
»Jedes Mal, wenn ich Hausaufgaben mache, steht er direkt vor meinem Fenster und beobachtet mich!«
»Das kann dann ja nicht allzu oft passieren.«
»Hä?«
»Na, wenn du sagst, es passiert jedes Mal, wenn du Hausaufgaben machst…«
»Haha, sehr witzig! Er stört mich jedenfalls. Kannst du nichts dagegen unternehmen?«
»Schon in Ordnung, ich kümmere mich. Und jetzt lass mich in Ruhe meinen Artikel schreiben, ich hab noch ganz schön viel zu tun!«
Oben fällt die Tür zum Arbeitszimmer wieder ins Schloss, Papas Zeichen dafür, dass für ihn eine Sache beendet ist.
Angelo kniet sich auf die Rückenlehne seines Schlafsofas und schaut durch sein Oberfenster hinaus in den Garten. Herr Rossi zieht jetzt wieder unschuldig seine Kreise über den Rasen, er scheint ihn gar nicht zu beachten. Der Rasenmähroboter ist der neuste Familienzuwachs und ganzer Stolz seines Vaters. Stundenlang kann der damit verbringen, den Roboter zu programmieren. Dann setzt sich Paps in den Garten und schaut zu, wie Herr Rossi über den Rasen gleitet, irgendwo aneckt und wieder umkehrt. Wenn er damit nicht zufrieden ist, zieht er sich wieder in sein Arbeitszimmer zurück und programmiert alles noch mal um.
So langsam wird Angelo klar, woher es kommt, dass er selbst so ein Technik-Nerd ist. Angelos Vater ist Wissenschaftsjournalist. Ständig beschäftigt er sich mit neuen Themen, recherchiert, spricht mit wichtigen Forschern und schreibt Artikel für alle möglichen Zeitungen und Zeitschriften, die nur von wenigen Menschen überhaupt gelesen werden. Am liebsten aber probiert er Geräte aus, die gerade erst neu entwickelt worden sind und womöglich noch gar nicht frei verkauft werden.
Als Herr Rossi ganz neu war bei Familie Wehrmeyer, hat Paps den Roboter aufs Gras gesetzt und angeschaltet. Völlig planlos war das Gerät über die Rasenfläche gefahren, mal nach links ausgeschert, mal nach rechts. Mia, Angelos kleine Schwester, hatte irritiert gefragt: »Was macht er denn da?« Und Angelos Mutter – Spitzname Mamutschka – hatte in sich hineingeschmunzelt und schließlich gesagt: »Ich glaube, er sucht das Glück!« Seither hat Herr Rossi seinen Namen weg – von der uralten Zeichentrickserie, die Paps und Mamutschka als Kinder so gerne geschaut haben: »Herr Rossi sucht das Glück«.
Gerade schwebt Herr Rossi wieder über den Rasen und bleibt direkt vor Angelos Fenster stehen. Der kleine Sensor ganz vorne an dem Roboter blinkt rot. Er sieht aus wie ein einzelnes Auge, mit dem er Angelo jetzt anstarrt. Dann macht er kehrt und fährt zu seiner Ladestation, in die er sich verkriecht. Angelo schüttelt sich. Irgendwie creepy, das Teil! Dann geht er zurück an seinen Laptop, wo äußerst wichtige Dinge auf ihn warten.
Bestimmt schon seit fünf Minuten steht Mia vor Angelos Zimmertür. Immer wieder hebt sie die Hand und fährt den rechten Zeigefinger aus, um an die Tür zu klopfen. Aber sie traut sich nicht. Der Zettel, den Angelo vor ungefähr zwei Jahren angepinnt hat, hängt immer noch da.
»Keep out or die!!!« – »Bleib draußen oder du bist tot!!!« – steht darauf in Angelos typischer Krakelschrift, das Ganze verziert mit Totenköpfen und explodierenden Bomben. Die Schrift ist inzwischen schon ganz blass geworden, der Zettel hängt an einem Klebestreifen auf halb acht. Die Drohung aber gilt immer noch.
Doch es hilft ja nichts. Mia muss Mathe-Hausaufgaben machen, und ohne Angelos Hilfe kommt sie nicht weiter. Mathe war noch nie Mias Ding, aber seit sie auf die weiterführende Schule kam, ist es für sie zum Hassfach geworden. Ausgerechnet, als ihre Klasse Winkel durchgenommen hat, war Mia krank und hat die Hälfte verpasst – jetzt versteht sie bei dem Thema nur Bahnhof. Und Brüche kommen ihr genauso krankhaft und überflüssig vor wie ihre Namensvetter, die Knochenbrüche.
Der Einzige, der ihr jetzt noch helfen kann, ist ihr großer Bruder. Angelo ist nämlich ein echtes Mathegenie. Doof nur, dass das kaum jemand weiß, am wenigsten sein Lehrer Herr Panke. Der macht leider wahnsinnig langweiligen Unterricht, findet zumindest Angelo. Und deshalb hat er ständig Ärger mit Herrn Panke, passt nicht auf und schreibt mittelmäßige bis schlechte Noten.
Wieder nimmt Mia einen Anlauf anzuklopfen. Lautes Gelächter dringt aus dem Zimmer. Angelos Stimme, die sich momentan anhört wie eine Mischung aus Eselchen und rostiger Gießkanne, erkennt Mia sofort. Bei den anderen Lachenden kann sie nur raten: Einer ist wahrscheinlich JoJo, der andere vermutlich Xottel, zwei Online-Kumpel, mit denen Angelo fast täglich zockt. Der Vierte hört sich an wie Erik, Gamer-Name: RicO, mit dem Angelo immer so eng befreundet war, dass keine Briefmarke zwischen die beiden passte.
»Ey, Xottel, dein Taxi sieht aus wie ein Leichenwagen!«, kreischt Angelo, aka Cody07. Wie Xottel in Wirklichkeit heißt, weiß Mia nicht. Nur dass sein Gamer-Name von Axolotl kommt, was angeblich sein Lieblingstier ist. Mia findet, der Name klingt eher wie Zottel. Wenn er genau so lange Schnittlauch-Haare hat wie Angelo, würde das ja ganz gut passen. Eigentlich will Mia nicht vor Angelos Türe lauschen, aber ihr bleibt nichts anderes übrig. Angelos Kommentare dröhnen so laut aus dem Zimmer, dass man sie nicht überhören kann. Die Reaktionen der anderen kann Mia nicht verstehen, obwohl Angelo mal ausnahmsweise keine Kopfhörer aufhat. Kaum zu glauben, wie hart die Jungs sich beschimpfen, wenn sie miteinander spielen.
Mia fragt sich, ob das ein Jungs-/Mädchen-Ding ist. Wenn sie so mit ihrer Freundin Anna sprechen würde, die wäre für immer beleidigt und würde ihre Hälfte der Yin-und-Yang-Freundschaftskette, die sie Mia geschenkt hat, zurückverlangen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass Angelo und die Jungs aus seiner Gruppe sich im echten Leben gar nicht kennen – naja, bis auf Erik, und der ist hart im Nehmen. Keiner weiß, wie der andere in Wirklichkeit heißt, wo er wohnt oder was er sonst so macht, wenn er nicht gerade am Computer spielt.
»Ich bin dann mal off, meine Screenzeit ist alle für heute!«, hört Mia die verzerrte Stimme von Erik, worauf Angelo antwortet:
»Alles klar, ich auch!«
Dann ist es still hinter der Tür.
›Das ist meine Chance!‹, beschließt Mia und klopft an.
»Hmmm?!«
›Unglaublich, wie man so viel in eine einzige Silbe legen kann!‹, denkt Mia.
»Hmmm?!« bedeutet bei Angelo so viel wie »Wer wagt es, mich zu stören?«, »Was ist los?« und »Komm rein!«, alles gleichzeitig.
»Ich bin’s, Mia!«, sagt sie und tritt tatsächlich ein.
»Was gibt’s?«, fragt Angelo, charmant wie immer.
»Du musst mir bei Mathe helfen! Ich checke das alles nicht, und du bist der Einzige, der mir noch helfen kann!« Mia lässt ihr Mathebuch aufgeschlagen auf Angelos Schreibtisch fallen und glotzt ihn mit bettelnden Augen an. Dann setzt sie sich neben ihn auf das Schlafsofa und schaut auf den Monitor, wo mittlerweile ein buntes Hintergrundbild zu sehen ist.
Mia interessiert sich nicht besonders für Computerspiele, zumindest nicht für Minecraft, was Angelo immer noch spielt. Aber Mia weiß auch, dass sie Angelo für sich gewinnt, wenn sie Interesse zeigt. Also fragt sie: »Was baut ihr denn gerade?«
Das hätte sie nicht tun sollen. Denn jetzt kommt Angelo so richtig in Fahrt.
»Wir bauen gerade London nach. Aber nicht das London, wie es heutzutage aussieht. Sondern das London so in zwanzig, dreißig Jahren. Warte, ich zeig es dir mal.«
Angelo startet das Spiel und greift sich die Maus, mit der er seinen eigenen Charakter steuert. Der Charakter ist so ziemlich das Gegenteil von Angelo: ein komischer alter Mann mit eckigem, kahlem Kopf, weißem Hemd, brauner Hose und Hosenträgern – ganz anders als Angelo mit den langen, braunen Fransen, der seine löchrigen Jeans und dunklen Hoodies höchstens zum Schlafen auszieht.
Die Tour durch das London der Zukunft startet an einem Fluss. Angelos Avatar setzt sich in Bewegung, fliegt in hoher Geschwindigkeit haarscharf über die Wasseroberfläche, die im Licht einer quadratischen Sonne glitzert.
»Das ist die Themse!«, ruft Angelo zur Erklärung, bevor er seinen Avatar auf eine Brücke zusteuert. Die spannt sich zwischen zwei grauen Steintürmen über das Wasser: Unten sind Fahrzeuge und Fußgänger unterwegs, oben verlaufen dicke Stahlträger. Und genau dort lässt Angelo seinen Avatar hindurchfliegen, knapp an den Eisenträgern vorbei.
Mia schließt kurz die Augen, Angelo jubelt: »Das war die Tower Bridge – cool, oder?«
Schnell bewegt sich der Avatar weiter, umkreist einen Turm mit einer Uhr auf jeder Seite, den Mia als Big Ben erkennt. Dann fliegt der Avatar im Sturzflug an einem Riesenrad entlang – das London Eye, eine der bekanntesten Touristenattraktionen in London. Nun entfernt sich der Avatar von der Themse, fliegt offensichtlich in das Zentrum der Stadt, wo viele hohe Gebäude stehen. Manche davon sehen sehr alt und ehrwürdig aus, andere modern, mit vielen grauen Flächen und dunklem Glas. Merkwürdig ist, dass kaum Autos auf den Straßen zu sehen sind, nur ab und zu ein roter Doppeldecker-Bus oder eines der berühmten schwarzen Taxis.
»Gibt es denn gar keine Autos bei euch?«, fragt Mia ein wenig spöttisch.
»Die haben wir abgeschafft«, belehrt Angelo seine kleine Schwester. »In unserem London fahren die Leute mit der U-Bahn – der Tube, wie sie da auch heißt. Wir haben sie aber total modernisiert. Die ist nicht mehr so schrottreif wie heute, sondern richtig schick und schnell, hält auch nur noch an ganz wenigen Stationen.«
Zum Beweis taucht Angelos Avatar in eine U-Bahn-Station ein, in der es von strahlendem Weiß, Silber und Königsblau nur so funkelt. Gerade fährt eine Bahn ein, pfeilförmig und blitzschnell, die nach wenigen Sekunden auch schon wieder aus der Station verschwunden ist.
»Cool!«, murmelt Mia, die aber auch findet, dass das alles ein wenig kalt und abweisend aussieht.
»Und für kürzere Strecken nehmen die Leute den Bus oder ein Taxi. Die kommen in unserem London aber eben auch sehr schnell voran, weil die Straßen nicht mehr so verstopft sind. Oder sie nehmen ein E-Bike, die bei uns noch besser sind, weil sie windschnittiger sind.«
Nach einem letzten Rundflug über die Stadt beendet Angelo das Spiel und lehnt sich in seinem Schreibtischstuhl zurück.
»Und, wie findest du’s?«
»Mir ist schwindelig!«, stöhnt Mia.
»Typisch Mädchen! Euch wird ja immer schlecht bei so was!«, grinst Angelo. »Und sonst?«
»Toll, ehrlich. Ihr habt euch ganz schön viele Gedanken gemacht. Das sieht alles so echt aus!«
»Da könnten sich manche Städteplaner eine Scheibe von abschneiden!«, sagt Angelo, auf seine manchmal sehr von sich selbst überzeugte Art.
»Können wir jetzt bitte trotzdem Mathe machen?«, bettelt Mia.
»Na klar, für dich nehm ich mir doch immer Zeit!« Angelo gibt sich gönnerhaft. Der Trick, so zu tun, als sei sie an seinem Computerspiel interessiert, hat also funktioniert – wie immer!
Schon nach dem dritten Anlauf hat Mia die Sache mit den Winkeln verstanden.
»Danke!«, sagt sie. »Du hast echt ganz schön viel Geduld mit mir!«
»Ach, dafür nicht. Ich bin es gewohnt, Leuten Mathe zu erklären, die keinen Durchblick haben: Erik ist auch so ein hoffnungsloser Fall!«
Angelo ignoriert Mia, die ihn auf den Oberarm boxt.
»Was ist eigentlich mit Erik?«, fragt Mia.
»Was soll sein?«
»Na, er kommt kaum mehr zu uns nach Hause. Früher war er ständig hier, und jetzt fast gar nicht mehr.«
»Aber ich sehe ihn doch!«
»Ja, in der Schule. Oder als Avatar mit eckigem Kopf…« Gegen seinen Willen muss Angelo lachen.
»Und Laura? Hast du Schluss mit ihr gemacht, oder was ist da los?«
Angelo seufzt.
»Es ist kompliziert. Außerdem geht dich das nichts an.«
»Ich mein ja nur. Du wirkst in letzter Zeit so – traurig. Vielleicht würde es dir ja guttun, mal wieder was mit deinen Freunden zu unternehmen.«
»Ich unternehme jeden Tag etwas mit meinen Freunden!«
