Kaisers Gastarbeiter - Marianne Brentzel - E-Book

Kaisers Gastarbeiter E-Book

Marianne Brentzel

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Beschreibung

Christine und Kai sind zehn Jahre alt. Sie haben mit ihrem Freund Tom schon aufregende Abenteuer erlebt. Tom nimmt sie mit auf Zeitreisen in die Vergangenheit. In dieser Folge erleben sie in Dortmund, ihrer Heimatstadt, wie vor 100 Jahren unter Tage ein Verbrechen geschah, das damals unaufgeklärt blieb.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 37

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Marianne Brentzel, 1943 geboren, wuchs in Bielefeld auf und studierte in Berlin Politische Wissenschaft und Pädagogik.

Sie gründete mit Freunden den Tapir Verlag und veröffentlichte dort ihr erstes Buch: Rudi und der Friedenspudding. Später schrieb sie Biografien vergessener Frauen, u.a. über das Leben der Nesthäkchenautorin Else Ury und eine romanhafte Darstellung ihres eigenen Lebens: Rote Fahnen Rote Lippen. Sie machte mit ihren Büchern zahllose Lesereisen in Ost-und Westdeutschland. In Dortmund gründete und leitete sie fünfzig Mal die Literaturveranstaltung Dortmunder Bücherstreit.

2014 erhielt sie den Literaturpreis Ruhr.

Sie hat zwei Kinder und fünf Enkelkinder.

Zur Geschichte dieses Buches

Es war einmal – ein kleiner Verlag in Dortmund. Er hieß Tapir Verlag und veröffentlichte einige schöne und nützliche Bücher. Aber Geld hatte er fast keins. Irgendwann mussten die VerlegerInnen und Verleger sagen: Schluss! Aus und vorbei! Wir machen nur noch Schulden. Das kann nicht gut gehen.

Einige Bücher hatten sogar etwas Erfolg gehabt. Ein Graffiti Buch, ein Kinderbuch über das erste Nachkriegsjahr in Dortmund und auch ein Buch von Reinhard Bottländer über eine Zeitreise ins Mittelalter. Die Kinder, Christine und Kai, von denen dort erzählt wird, waren gute Freunde, circa zehn Jahren alt und ihr Zeitreiseführer Tom begleitete sie durch spannende Erlebnisse. Das Buch kam gut an und verkaufte sich nicht schlecht.

Ich habe damals auch eine kleine Zeitreise in das Dortmund um 1900 geschrieben. Doch es gab kein Geld um weiter zu arbeiten und ein Buch zu veröffentlichen. So musste der Verlag aufgeben. Übrig blieb ein Text, der tief in den Schubladen meines Schreibtisches vergessen wurde. Einmal habe ich ihn noch zu einer Abendveranstaltung im Gast-Haus für die interessierten unter den Wohnungslosen vorgelesen. Die Zuhörer hatten Spaß, klatschten und sangen begeistert. Ein netter Abend. Dann wurde der Text wieder in meinen Schubladen vergessen. Erst vor wenigen Monaten fand ich die Blätter zufällig und habe sie meinen Enkeln in Dortmund vorgelesen. Sie meinten sehr klar, ich solle die Geschichte unbedingt veröffentlichen, sie wäre spannend und viele Kinder würden sie gerne hören oder selber lesen. Das war der Ansporn für mich, die Geschichte noch einmal genauer anzusehen und sie für die Veröffentlichung vorzubereiten.

Hier ist sie nun.

Ich wünsche allen Kindern, die am liebsten selber lesen oder gern zuhören, wenn ihnen vorgelesen wird, viel Freude an dem Abenteuer mit Christine und Kai und hoffe, dass es ihnen gefällt.

„Polacken raus! Polacken raus!“

Der Sprechchor von der Fußballecke des Schulhofs übertönte den brodelnden Lärm der normalen Pausen an der Anne-Frank-Gesamtschule. Kai, Thomas und Stefan keuchten verschwitzt über zwei Schülern, deren Namen keiner so recht kennen wollte.

Los! Los! Gib`s ihnen! Kai! Kai! Thomas!“

Die Jungen hatten sich heiser geschrien. Ihr Ring war fest um das Knäuel auf der Erde geschlossen. Das Gebrüll lockte weitere Kinder an.

„Polacken raus! Polacken raus!“

Der aufsichtführende Lehrer, Herr Munter, spurtete los und durchbrach mit wilden Gesten den Ring der anfeuernden, schreienden Menge.

„Ruhe!“ Schluss“! brüllte er, dass sich seine Stimme fast überschlug.

Kai spürte als erster seinen festen Griff am Nacken, sprang auf, die anderen Kämpfenden folgten. Nur die beiden, deren Namen niemand gerufen hatte, sprangen nicht. Mühsam erhoben sie sich, der eine die Hand am aufgeschürften Knie, der andere mit blutender Lippe und schmutzigen Striemen im Gesicht. Ein heulendes Elend. Der Ring der Schüler löste sich allmählich auf, als Herr Munter stumm in die Runde blickte. Die meisten wussten, was jetzt folgte, wollten sich das gar nicht anhören. Wörter wie: unsolidarisch, die Schwachen, Gemeinschaft, würden kommen. Herr Munter war nicht kleinlich mit diesen Stichworten. Das wussten alle noch von den Vorfällen vor Monaten, als es um „die Türken“ gegangen war,

„Seid ihr wahnsinnig, hier so eine Klopperei zu veranstalten! Kai, rede!“ Kai fixierte mit scheinbar größtem Interesse die Schuhspitzen des Lehrers. Ihm war nicht wohl in seiner Haut. Er war wütend und total sauer.

„Die haben den Ball weggenommen, die da.“

Verächtlich zeigte er mit einer Handbewegung zu den verprügelten Jungen.

„Die Asis,“ kam es jetzt aus einer anderen Ecke, „die Polacken.“

Worte, geschleudert wie Wurfspieße.

„Das sind keine Polacken, wie ihr das nennt. Das sind Spätaussiedler aus Polen, deren Eltern Deutsche sind, merkt euch das! Deutsche wie ihr! Und jetzt ab in den Unterricht.“

Leise schimpfend machten sich die Jungen auf in Richtung Schulhaus. Kai tippte sich an den Kopf. Sein Freund Thomas verstand.

„Das sind doch keine Deutschen! Das ich nicht lache. Wer heißt hier schon Frantischek oder Jusuf. “

2. „Du hast den Schuss nicht gehört, Kai!“