Kalle & Kralle, Band 2: Ein Kater kickt mit - Christoph Mauz - E-Book

Kalle & Kralle, Band 2: Ein Kater kickt mit E-Book

Christoph Mauz

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Beschreibung

Gemeinsam können Kalle und Kralle jeden Fall lösen!
Kalle ist ganz aufgeregt: zwei Wochen Fußballcamp auf Schloss Ballaburg! Kater Kralle kommt selbstverständlich mit. Vor Ort wird schnell klar, dass auf Schloss Ballaburg irgendetwas ganz und gar nicht stimmt. Immer mehr Fußballer scheinen in eine Art Trainingstrance zu fallen. Ob das an dem Raubritter Gerwald von Hackendampf liegt, der als kopfloser Geist im Schloss spuken soll?
Entdecke alle Abenteuer von Kalle & Kralle:
Band 1: Ein Kater gibt Gas
Band 2: Ein Kater kickt mit

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Seitenzahl: 128

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Als Ravensburger E-Book erschienen 2021Die Print-Ausgabe erscheint im Ravensburger Verlag© 2021, Ravensburger VerlagText © 2021 Christoph MauzOriginalausgabeCover- und Innenillustrationen: Vera SchmidtAlle Rechte dieses E-Books vorbehalten durch Ravensburger Verlag GmbH, Postfach 2460, D-88194 Ravensburg.ISBN 978-3-473-47144-7www.ravensburger.de

„Na wartet!“, denkt der Ritter grimmig. „Ihr gräulichen Buben und hässlichen Maiden! Euch wird Hören und Sehen vergehen! Diese Nacht werdet ihr nie vergessen!“

Draußen steht der volle Mond vor dem Fenster und wirft sein kaltes Licht in den Schlossgang. Der Wind heult und rüttelt an den altersschwachen Fenstern.

Der Ritter hat endgültig genug. Von dem Kindsvolk und auch von den Professoren, die seit einigen Jahren immer wieder hier im Schloss auftauchen, für ein paar Tage Radau schlagen, mit ihren Bällen Fenster kaputt schießen und dann wieder verschwinden. Wenn danach wenigstens alles wieder normal wäre! Aber nein: Zurück bleiben Chaos, Dreck und ein wabernder Geruch nach Käsefüßen und Kohldämpfen.

Und ein Brummschädel für den Ritter.

Die neue Gruppe ist besonders unangenehm. Andauernd sind sie da, wo sie nicht sein sollen, nie können sie zusammenbleiben, einer von ihnen plaudert allabendlich alle Geheimnisse von Schloss Ballaburg aus, und zwei von denen kommen dem Ritter irgendwie unangenehm bekannt vor. Wenn er bloß wüsste, wo er die beiden schon mal gesehen hat!

Sogar eine fette Katze haben sie diesmal mitgebracht! Die hätte Graf Otto, der alte Geisterjäger, anno 1496 gut gebrauchen können. Gegen sein Rheuma. Das wäre was gewesen! Aber damals gab es keine Katzen im Schloss, die waren ja alle abgehauen, um im Wald bei den Hexen zu wohnen.

„Zum Glück“, denkt sich der Ritter. Denn er verspürt immer heftigen Niesreiz, wenn er eins dieser Fellmonster sieht. Aber Niesen ist wegen des vorsichtig unter dem Arm getragenen Ritterkopfes ein absolutes No-Go! Da könnte er ja gleich kegeln mit seinem Ritterkopf!

Und dieses Katzenvieh ist besonders schlimm: Es verliert seine Haare nicht nur überall im Schloss, sondern ist auch noch ständig am Quasseln.

Aber genug ist genug. Heute Nacht ist es so weit! Heute wird er sich rächen! In dem Schrank da vorne wird er sich verstecken – und den Nächsten, der auf den Abort torkelt, wird er sich krallen!

Fast schon wieder gut gelaunt steuert der Ritter den riesigen alten Schrank an, da übersieht er – nicht zum ersten Mal – die zwei Stufen mitten auf dem Gang. Er stolpert, er fällt und schlittert auf dem Bauch den Steinboden entlang, wobei er ein grausig hallendes, blechernes Quietschgeräusch verursacht. Er rutscht, er kugelt, er schreit – und er verliert den Kopf. Den trägt er seit Jahrhunderten gewohnheitsmäßig unter dem Arm, von dem will er sich keinesfalls trennen. Aber es passiert! Der Kopf rollt davon, er kullert und poltert, nimmt noch einmal gehörig Fahrt auf und verschwindet dann schreiend in einer sich plötzlich öffnenden Falltür.

Pech für den Ritter.

Mal wieder.

„Gib ab! Lotte steht frei!“

„Steilvorlage! Steilvorlage!“

„Nun mach schon, du lahme Ente!“

Auf den wackeligen Holztribünen des Fußballplatzes von Pitzelberg an der Pitzel ist die Stimmung am Kochen. Das Derby gegen den Lokalrivalen Bad Brausheim geht in die entscheidende Phase. 329 Augenpaare fixieren das Spielfeld, die 22 Spielerinnen und Spieler kämpfen mit vollem Einsatz um die Entscheidung in diesem spannenden Match. Es steht 1:1, und das Spiel geht noch elf Minuten. Beide Teams schenken sich nichts. Mal knallt der Ball an die Stange des Pitzelberger Kastens, mal an die Querlatte des Bad Brausheimer Tors. Das daraus entstehende Geräusch entlockt den Zuschauern jedes Mal ein vielstimmiges „Uuuuhhhh!!!“ oder „Aaaahhhh!“, je nachdem.

Der Platzsprecher kämpft mit einem hartnäckigen Schluckauf, sein blechernes „Hick-hick-hick!“ aus den Lautsprechern trägt nicht zur Entspannung bei. Gelegentlich holpert La Ola, die Welle, durch die Sitzreihen, damit die aufgeregten Zuschauer Dampf ablassen können.

Ebenso durch die Sitzreihen schlängelt sich ein sehr schlanker junger Mann mit glatt geschleckter Gelfrisur. Er steckt in einem schmal geschnittenen Anzug und wirft mit stechenden Blicken um sich. Im Schlepptau hat er einen weiteren jungen Mann, ebenfalls im knapp sitzenden Anzug mit beinahe zu kurzen Hosen. Irgendetwas an diesem Begleiter signalisiert: Das ist der Assistent des Geschniegelten. Als er unvermutet von einer La Ola erfasst wird, kommt er ins Straucheln, aber der Geschniegelte zieht ihn gnadenlos weiter.

Am anderen Ende der Tribüne angekommen, tänzeln die beiden auffällig unauffällig die Treppe hinunter und positionieren sich am Rande des Rasens. Der Mann mit dem stechenden Blick holt mit einer flüssigen Bewegung sein Handy aus der Brusttasche seines Sakkos und spricht irgendetwas hinein. Seinem Assistenten gibt er zwischendurch Anweisungen; jedenfalls macht sich der, unter Kopfnicken, heftig Notizen.

Soeben ertönt wieder ein lautes „Aaaahhhh!!!“ von den Rängen der Pitzelberger Fans. Hotte, der Tormann von Fortuna Pitzelberg, hat soeben den Bombenschuss eines Bad Brausheimer Stürmers heldenhaft mit dem Hintern pariert und ist an der Torlinie taumelnd zu Boden gegangen.

Der Szenenapplaus ist gewaltig.

„Hopp auf, Hotte!“, brüllt das Publikum.

Der mysteriöse Fremde kneift die Augen zusammen, hebt die Augenbrauen und macht mit dem ausgestreckten Zeigefinger eine winzige Geste. Daraufhin kritzelt sein Assistent eifrig den Namen „Hotte“ in sein Notizbuch.

Der Ball, der von Hottes Pobacke abgeprallt ist, wird von einem der Pitzelberger Verteidiger mit einem Gewaltschuss aus der Gefahrenzone geknallt.

„Gut gemacht, Schnecki!“, ruft eine vornehm gekleidete Dame aus dem Publikum. „Zeig’s ihnen!“

Der Verteidiger zieht eine genervte Grimasse, als er seinen Kosenamen quer über den Platz hören muss. Der Assistent notiert „Schnecki“, sein geschniegelter Boss schürzt überlegen die Lippen.

„Gut gemacht, Zorro!“, ruft jemand aus dem Mittelfeld. Der Spieler – Schnecki oder Zorro, oder beides? – scheint sich auch über dieses Lob nicht zu freuen. Er macht ein sehr unfeines Handzeichen in Richtung Mittelkreis.

Der Geschniegelte nickt und spricht aus dem Mundwinkel; sein Assistent streicht daraufhin das Wort „Schnecki“ durch und notiert stattdessen „Zorro“. Hinter den Namen malt er drei Rufzeichen.

Das Spiel geht weiter, beide Mannschaften erhöhen den Druck. Durch einen Abspielfehler im Mittelfeld können die Bad Brausheimer den Ball zurückerobern und kombinieren sich geschickt in Richtung Pitzelberger Strafraum. Die Bad Brausheimer Stürmerin tankt sich durch die Pitzelberger Abwehr, aber kurz vor dem Fünfmeterraum wird sie von zwei Pitzelberger Verteidigern brutal in die Zange genommen und schlägt der Länge nach hin. Einer der beiden Verteidiger ist Zorro.

Dieses Manöver veranlasst den Geschniegelten, Zorros Namen unterstreichen zu lassen.

Der zweite Verteidiger heißt offenbar Jerome, denn eine raue Stimme brüllt von der Ersatzbank: „Jerome, mach sie alle!“

Da pfeift der Schiedsrichter, weist auf den Elfmeterpunkt und zeigt Zorro und Jerome die Rote Karte. Das gibt einen Tumult, weil zwei Pitzelberger Spieler von der Ersatzbank aufspringen und zur Outlinie laufen, wo sie ihrem Ärger lautstark Luft machen.

Der Platzsprecher mahnt das Publikum hicksend, ruhig zu bleiben, aber die Zuschauerinnen und Zuschauer sind über das unsportliche Verhalten der vier Spieler ziemlich aufgebracht. Nur die vornehm gekleidete Dame und ihr protzig aussehender Gatte protestieren gegen die unfaire Behandlung ihres Schnecki und rufen beleidigende Worte in Richtung Schiedsrichter, wobei sie unter anderem sein Hinterteil mit einer Violine vergleichen. Zum Glück gehen die Schmähungen im Lärm unter, weil man sonst rot werden müsste. Zorro und Jerome verlassen verächtlich ausspuckend das Feld, und die zwei aufgebrachten Ersatzspieler werden von den Pitzelberger Teamkollegen zur Bank zurückgezerrt, um weitere Strafen zu verhindern.

Inzwischen hilft Tormann Hotte der Stürmerin der Bad Brausheimer wieder auf die Beine. Die schnappt sich fuchsteufelswild den Ball und joggt damit zum Elfmeterpunkt.

Der Geschniegelte kaut aufgeregt am Daumennagel seines Assistenten, der ihm diesen routiniert zur Verfügung stellt.

Der Anlauf, den die Stürmerin der Bad Brausheimer nimmt, ist sehr lang. Tormann Hotte blickt besorgt auf den Ball. Er wechselt nervös von einem Bein auf das andere. Der Schiedsrichter pfeift, aus den Lautsprechern ertönt ein erschrecktes „Hicks“. Die Stürmerin läuft an. Sie tritt den Ball. Der saust mit enormer Wucht in Richtung Pitzelberger Tor, genau auf Tormann Hotte zu. Der kann sich mit einem gewagten Sprung gerade noch in Sicherheit bringen, um nicht schon wieder vom rasenden Leder getroffen zu werden. Der Ball streift schmerzhaft seine linke Schulter und knallt ins Netz.

Es steht 2:1 für Viktoria Bad Brausheim!

Die Bad Brausheimer Stürmerin reißt die Arme hoch, und die Schlachtenbummler auf der Tribüne jubeln. Der schlaksige Linksaußen der Pitzelberger holt den Ball aus dem Tor. Er blickt kurz in die Runde, fährt sich durch das zerzauste dunkelblonde Haar und nickt der Stürmerin zu, einem drahtigen Mädchen mit kurzen pinkfarbenen Strähnen und blau gefleckten Knien. Der Zerzauste klopft dem Tormann tröstend auf die Schulter und läuft mit dem Ball zum Mittelkreis. Die Pinkfarbene folgt ihm.

„Los, Kalle!“, brüllt der Trainer der Pitzelberger. „Die Hoffnung stirbt zuletzt! Aufgegeben werden höchstens Briefe!“

Der Geschniegelte fixiert den Linksaußen, und der Assistent notiert sich „Kalle“.

Laut Stadionuhr geht das Spiel noch drei Minuten. Kalle legt den Ball auf den Punkt im Mittelkreis und führt mit einem zweiten Spieler den Anstoß durch. Kalle bekommt den Ball und spielt ihn zurück in die eigene Hälfte. Er selber läuft entlang der Outlinie nach vorne. Die pinkfarbene Stürmerin nimmt den Ball an, führt ihn wieder in Richtung Mittelkreis und knallt ihn zu Kalle.

„Lotte, gib Gas!“, ruft ihr der Pitzelberger Trainer zu.

Lotte sprintet in Richtung Bad Brausheimer Strafraum. Kalle fängt den Ball mit der Brust ab und dribbelt sich durch die gegnerische Außenverteidigung. Lotte entwindet sich geschickt dem unsportlichen Griff eines Bad Brausheimer Verteidigers und deutet Kalle an, dass er flanken soll. Kalle macht einen Haken nach rechts, lässt dadurch eine Spielerin der Bad Brausheimer ins Leere rutschen und tritt eine leicht angeschnittene Flanke zu Lotte. Die übernimmt den Ball mit dem linken Fuß direkt aus der Luft und knallt ihn ins Bad Brausheimer Kreuzeck.

Es steht 2:2! Jubel brandet auf!

Der gelfrisierte Fremde nickt beeindruckt. „Lotte“ kritzelt der Assistent und klappt sein Buch zu. Gemeinsam drängeln sich die zwei Anzugträger zwischen brüllenden Fans hindurch zur VIP-Tribüne. Der Geschniegelte weiß jetzt alles, was er wissen muss. Sein Assistent weiß wie immer gar nichts, aber das macht nichts, dafür gibt es ja seinen Chef.

Der Schiedsrichterassistent zeigt an, dass noch drei Minuten nachgespielt werden müssen.

Auf der VIP-Tribüne (das ist die Bank in der ersten Reihe) berichtet der geschniegelte Fremde dem protzigen Mann und seiner elegant gekleideten Gattin von seinen Beobachtungen. Zacharias und Zahara Senft, Großunternehmer und Hauptsponsoren des Vereins Fortuna Pitzelberg, zudem Eltern des Spielers Zarathustra Senft, genannt Zorro, lauschen gespannt den Ausführungen des Mannes mit der akkurat gegelten Frisur.

Frau Senft ist beeindruckt. Herr Cordober und Herr Wurst, so haben sich die beiden vorgestellt, sind zwei so gut aussehende junge Männer, gewandt, schneidig und ihrer Sache todsicher. Da kann man ja nur Vertrauen fassen! Freundlich lächelt sie Herrn Wurst, dem Assistenten, zu. Der aber blickt erschrocken zu Boden, vergräbt die Hände in den Anzugtaschen und trollt sich in Richtung Würstchenwagen, während der geschniegelte Herr Cordober weiter den Senfts die Fußballwelt erklärt.

Auf dem Spielfeld geht es währenddessen hoch her, alle stehen diese letzten drei Minuten vollkommen unter Strom. Tormann Hotte hat soeben versehentlich einen Ball gehalten. Seine Mitspieler gratulieren ihm dazu voller Begeisterung, was Hotte huldvoll entgegennimmt. Lässig schlendert er zur Strafraumgrenze und schießt unvermutet wuchtig aus. Der Ball fliegt in hohem Bogen über den Platz und landet direkt vor Kalle, der die Zähne zusammenbeißt und den vermutlich letzten Angriff dieses Wahnsinnsspiels startet.

Die Uhr läuft unerbittlich. Ein Doppelpass mit Lotte. Kalle drängt mitten in den Strafraum – er stolpert, er fällt –, der Bad Brausheimer Tormann hechtet ins rechte Eck, während Kalle mit letzter Kraft den Ball in das linke Eck des Bad Brausheimer Tores schlägt.

„Tor! Toooor!!! Es steht 3:2 für die wackeren Pitzelberger!“, tönt es durchs ganze Stadion.

Nicht nur auf der VIP-Tribüne steppt nun der Bär. Zacharias Senft und Frau Zahara hält es nicht mehr auf ihren Plätzen. Sie schieben den noch immer unablässig plaudernden Herrn Cordober zur Seite und drängen sich geschäftig zum Spielfeld.

Als die Pfeife des Schiedsrichters trillert, schwillt der Jubel zu Fanfaren an, das Publikum tanzt auf der Tribüne und läuft aufs Spielfeld. Dabei wird Herr Wurst, der sich in der Warteschlange am Würstchenwagen gerade die Poleposition erkämpft hatte, von der Menge erfasst und mitsamt seinem Kohldampf in Richtung Spielfeld mitgerissen.

Auch Herr Irrsiegler, Trainer der Pitzelberger Elf, will zu seinen Spielerinnen und Spielern laufen, um ihnen zu gratulieren, aber er wird von Herrn und Frau Senft recht ungestüm zur Seite gedrängt. Lässig läuft auch der geschniegelte Herr Cordober an ihm vorbei, wirft ihm ein blendend weißes Zahnpastalächeln zu und wieselt hinter dem Ehepaar Senft her zum Mittelkreis. Herr Irrsiegler verbeißt sich eine Bemerkung und folgt der seltsamen Prozession in einigem Abstand.

Die Pitzelberger Spielerinnen und Spieler sind überglücklich. Sie wissen, dass sie ein tolles Spiel abgeliefert haben. Sie umarmen sich gegenseitig und gratulieren einander zu ihrer Leistung. Von allen Seiten schallt Applaus, aus dem Lautsprecher jubelt und hickst es aufgeregt.

Alle finden, es war ein tolles Spiel von beiden Mannschaften. Nur Zorro, Jerome und ihre Freunde von der Ersatzbank, Dakota und Anton, machen abfällige Gesten in Richtung der Bad Brausheimer. Herr Irrsiegler ist noch immer nicht zu seinem Team durchgedrungen. Herr Wurst, auf der Suche nach seinem Chef, versperrt ihm hüpfend, wackelnd und winkend immer wieder den Weg. Irgendwann bleibt Herr Irrsiegler ein wenig schmollend abseits stehen.

Bald darauf beruhigt sich alles, die Fans ziehen ab in Richtung Sportplatzkantine, wo zum Feiern ein üppiges Büfett aufgebaut ist. Nur die Pitzelberger Spielerinnen und Spieler und die Familie Senft sind noch auf dem Feld verblieben.

Zacharias Senft, der vom Händeschütteln klebrige Finger und vom dröhnenden Lachen Wangenmuskelkater hat, klatscht in die Hände. „So, nun alle mal Lauscher spitzen und zuhören!“, ruft er. „Ich habe etwas Feierliches zu verkünden! Setzt euch alle auf eure vier Buchstaben, gleich da im Mittelkreis!“

Gerne lassen sich die Spielerinnen und Spieler von Fortuna Pitzelberg nieder.

Herr Senft winkt gebieterisch. Drei Assistentinnen in senfgelben Overalls schweben herbei und verteilen grellbunte Energydrinks: BluZack, ZackMotion und das beliebte ZackbummZero.

Zacharias Senft blickt gütig auf seine Mannschaft hinunter. „Liebe junge Sportsfreundinnen und Sportsfreunde!“, posaunt er. „Das war ja heute schon ganz ordentlich. Ja, ganz ordentlich war das heute!“

Die Spielerinnen und Spieler nicken einander bestätigend zu.

„Wo er recht hat, da hat er recht“, behauptet Kalle und nimmt einen Schluck BluZack.

„Aber …“, setzt Herr Senft fort. „Aber ich habe Visionen!“

„Dagegen gibt’s Medizin“, erklärt Hotte strahlend.

Lotte grinst.

„Visionen und Pläne!“, röhrt Zacharias Senft lauthals weiter. „Ich sage nur: Meisterschaft! Champions League! Und überhaupt: Pokal! Der ganz große! Der muss und der wird nach Pitzelberg kommen!“

Die Mannschaft schweigt ergriffen. Einige nicken andächtig.

Herr Senft blickt Beifall heischend zu seiner Frau hinüber, die ihn stolz anhimmelt. Sohn Zorro hat einen wild entschlossenen Blick aufgesetzt. Nur mühsam kann er ein begeistertes Klatschen unterdrücken.

Herr Senft räuspert sich und streckt seinen massigen Körper durch. Dann beginnt er, dynamisch auf den Zehen zu wippen. In seine Stimme hat sich ein ergriffenes Beben eingeschlichen. „Deswegen wird sich auch einiges ändern müssen, wegen meinen Visionen!“, ruft er energisch. „Herr Irrsiegler …!“ Zacharias Senft blickt suchend um sich und winkt den Trainer heran. „Herr Irrsiegler, ich danke Ihnen für die jahrelange Aufbauarbeit!“

Das Team jubelt zustimmend, Herr Irrsiegler lächelt freundlich in die Runde. Lotte jubelt besonders laut, schließlich ist Herr Irrsiegler ihr Papa.

„Florian Irrsiegler! Ein Trainer und ein Held! Mit ihm hat es unsere Mannschaft heute zum Sieg geschafft!“ Zacharias Senft schüttelt Herrn Irrsiegler die Hände, dann schwadroniert er weiter: „Und doch müssen wir neues Feuer hineinbringen! Neues Feuer, Pep und Pfeffer!“