Kalter Hass - oder: Regungslos - Katherine John - E-Book

Kalter Hass - oder: Regungslos E-Book

Katherine John

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Beschreibung

Der Killer in der Vorstadthölle: Der Britcrime-Thriller »Kalter Hass« von Katherine John jetzt als eBook bei dotbooks. Auf den ersten Blick schien sie eine ganz normale Frau aus der Vorstadt zu sein – doch hinter dem Lächeln von Kacy Howell lauerte ein Monster, das sich stets rücksichtslos nahm, was es wollte, und seine Nachbarn die Hölle auf Erden erleben ließ. Nun wurde sie brutal mit einer Axt erschlagen. Was zunächst wie ein Fall von Selbstjustiz mit unzähligen Verdächtigen wirkt, entpuppt sich für den Waliser Sergeant Trevor Joseph bald als etwas ganz anderes: Es gibt weitere Tote – und nichts deutet darauf hin, dass die Mordlust des Killers damit befriedigt ist … »John vereint in ihren Büchern die besten Elemente eines Thrillers und einer Polizeiserie.« Library Journal Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der fesselnde Thriller »Kalter Hass« von Katherine John ist der vierte Band ihrer Wales Killings Reihe, der Fans von Val McDermid begeistern wird. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks – der eBook-Verlag.

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Seitenzahl: 355

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Über dieses Buch:

Auf den ersten Blick schien sie eine ganz normale Frau aus der Vorstadt zu sein – doch hinter dem Lächeln von Kacy Howell lauerte ein Monster, das sich stets rücksichtslos nahm, was es wollte, und seine Nachbarn die Hölle auf Erden erleben ließ. Nun wurde sie brutal mit einer Axt erschlagen. Was zunächst wie ein Fall von Selbstjustiz mit unzähligen Verdächtigen wirkt, entpuppt sich für den Waliser Sergeant Trevor Joseph bald als etwas ganz anderes: Es gibt weitere Tote – und nichts deutet darauf hin, dass die Mordlust des Killers damit befriedigt ist …

»John vereint in ihren Büchern die besten Elemente eines Thrillers und einer Polizeiserie.« Library Journal

Über die Autorin:

Katherine John wurde als Tochter einer deutschen Mutter und eines walisischen Vaters in Pontypridd unweit von Cardiff geboren. Sie studierte Englisch und Soziologie in Swansea; danach lebte und arbeitete in den USA und Europa, bevor sie nach Wales zurückkehrte und sich seitdem ganz dem Schreiben widmet. Katherine John lebt mit ihrer Familie auf der Gower-Halbinsel an der Südküste von Wales.

Katherine John veröffentlichte bei dotbooks bereits die »Wales Killings«-Reihe mit den Bänden »Finsteres Grab«, »Tödliches Los«, »Schwarze Narzissen« und »Kalter Hass«.

***

eBook-Neuausgabe Dezember 2022

Die englische Originalausgabe erschien erstmals 2008 unter dem Originaltitel »A Well-Deserved Murder« bei Accent Press, London. Die deutsche Erstausgabe erschien 2011 unter dem Titel »Regungslos« bei Rowohlt

Copyright © der englischen Originalausgabe 2008 by Katherine John

Copyright © der deutschen Erstausgabe 2011 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg

Alle Rechte an der deutschen Übersetzung von Bettina Zeller bei Rowohlt Verlag GmbH, Hamburg

Copyright © der Neuausgabe 2022 dotbooks GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung: Wildes Blut – Atelier für Gestaltung Stephanie Weischer unter Verwendung mehrerer Bildmotive von © shutterstock

eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH (ae)

ISBN 978-3-98690-570-5

***

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***

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Katherine John

Kaltes Hass

Thriller – Wales Killings 4

Aus dem Englischen von Bettina Zeller

dotbooks.

Für Diane und Neil Langford, die besten Nachbarn, die es gibt. Bedauerlicherweise nicht meine, sondern die meines Vaters.

Wüsste ich nicht, dass man es auch wesentlich schlechter erwischen kann, wäre dieses Buch wahrscheinlich nie geschrieben worden.

KAPITEL 1

Nachdem Kacy Howells alle Bäume beschnitten und mehrere Vogelhäuschen aufgehängt hatte, entfernte sie noch schnell die unteren Zweige der Weide, schaltete die Elektrosäge aus und begutachtete ihr Werk. Nun sah das Gehölz wieder tadellos aus, fügte sich harmonisch ins Gesamtbild und bescherte ihr von der Küche den Ausblick in den Garten, der ihr schon lange vorschwebte. Ihre Begeisterung verflüchtigte sich, als ihr Blick auf die schiefgewachsene Weißbirke fiel. Bob Guttridge, der Farmer, hatte sie schon zweimal ermahnt, seine Bäume in Ruhe zu lassen, doch was interessierte sie das? Die Bäume standen auf seinem Grund und Boden, aber er kümmerte sich überhaupt nicht um den Bestand an der Grundstücksgrenze, während sie diesen Anblick Tag für Tag ertragen musste …

Kurz entschlossen schaltete sie abermals ihre Elektrosäge ein und machte sich daran, den Baum zu fällen. Sie spürte, wie das Sägeblatt butterweich in das Holz drang, was ihr große Zufriedenheit verschaffte. Sie packte den Stamm, schleifte ihn zum Maschendrahtzaun, der das Waldgebiet der Farm von ihrem Garten trennte, und warf ihn auf die andere Seite. Anschließend kletterte sie selbst hinterher und zog den Baumstamm zu ihrem Holzdeck hinüber.

Früher hatten ihre Nachbarn im Frühling und Sommer Abend für Abend auf ihrer Terrasse gesessen. Das hatte sich in dem Moment geändert, als Kacy ihr Deck absichtlich so baute, dass sie alles beobachten konnte, was sich im Garten nebenan tat. George, ihr Mann, war anfangs von ihrer Idee überhaupt nicht begeistert gewesen. Er kannte Joy und Alan Piper – sie wohnten seit fünfunddreißig Jahren nebenan und hatten ihr Haus im selben Jahr wie Georges Eltern bezogen – schon seit seinem sechsten Lebensjahr. Glücklicherweise wusste sie, wie man den guten George anpacken musste. Ja, sie kannte all seine kleinen Geheimnisse und ließ ihn keine Sekunde vergessen, wer in dieser Ehe das Sagen hatte.

Der gute Georgie hatte das Haus von seinen Eltern geerbt. Zu dumm für ihn, dass sie inzwischen verheiratet waren und zwei Kinder hatten. Im Fall einer Scheidung könnte sie seine Vorliebe für kleine, sehr kleine Jungs anführen. Vor diesem Hintergrund würde der Richter das Haus unter Garantie ihr zusprechen und auf ihre Bitte eine einstweilige Verfügung erwirken, die George untersagte, sich ihr, den Kindern und dem Haus zu nähern.

Sie stieg die Stufen zu dem Deck hoch, säuberte die Säge mit einem Lappen, öffnete die Gartenhaustür und legte die Säge in die Kiste, in der sie all ihre elektrischen Geräte verstaute. Nachdem sie die Kiste zugesperrt hatte, hängte sie den Schlüssel an das Brett darüber und öffnete einen der beiden »Geheimschränke« in der Wand, in dem sie ihr Werkzeug aufbewahrte. George wusste von diesem Alkoven, doch es gab einen weiteren, von dessen Existenz er keine Ahnung hatte. Bei dem Gedanken an die Dinge, die sie dort aufbewahrte, musste sie schmunzeln.

Sie holte eine Axt heraus, ging die Stufen hinunter und begann, die Birke in handliche Scheite zu zerlegen. Wenn sie die Holzscheite wie sonst auch unter dem Deck bunkerte, konnte der Farmer ihr nie und nimmer nachweisen, dass sie seinen Baumbestand dezimierte. Was für ein dreister Kerl! Obwohl er seit Jahren keinen Finger krumm machte, besaß er die Frechheit, sich über sie zu beschweren, sobald sie sein Land betrat.

Sie legte die Axt auf den Hackklotz, räumte die Scheite weg und warf einen Blick auf ihre Armbanduhr. Beim Holzhacken verging die Zeit immer wie im Flug.

Er musste jeden Moment auftauchen.

Sie kehrte aufs Deck zurück, trat in das Gartenhäuschen und öffnete die Tür zu dem zweiten Alkoven. Wie hatte sie nur so über die Stränge schlagen können? Sie berührte die an der Wand befestigten Gummi- und Lederriemen und fuhr mit den Fingerspitzen über die Gegenstände auf dem Regal: Gummiringe, Nippelspray, Handschellen, Peitschen, ein Glas Schokosoße und zwei unterschiedlich große Massageroller aus Holz. Beim letzten Treffen war sie etwas zu weit gegangen und hatte sich danach sein Gejammer anhören müssen. Aber er konnte doch nicht ernsthaft erwarten, dass sie auf ihre Peitsche aus weichem, geflochtenem Lammleder verzichtete.

Als sie hörte, wie das Holz unter seinen Füßen knarzte, zog sie sich schnell aus, hängte die Kleider an einen Türhaken, drehte sich um und spähte splitterfasernackt durch die offenstehende Tür. Keine Spur von ihm. Sie wappnete sich innerlich. Letztes Mal hatte er sich hinter der Tür versteckt, sich auf sie geworfen und seinem Lieblingsspiel gefrönt, bei dem der gebieterische Herr die widerspenstige Sklavin gewaltsam nimmt. Sie ging nach draußen und hielt vergeblich nach ihm Ausschau. Hatte sie sich das Knarzen nur eingebildet?

Plötzlich schob sich ein dunkler Schatten vor die Sonne. Sie öffnete sehnsüchtig den Mund und malte sich schon aus, wie sich seine feuchte Zunge anfühlte. Da packte er sie von hinten, legte die Hand auf ihren Nacken, drückte fest zu und zwang sie in die Knie, bevor ein unerträglicher Schmerz all ihre anderen Empfindungen ausblendete.

Benommen und desorientiert versuchte sie, sich zusammenzureißen. Sie spürte, wie etwas Warmes, Feuchtes und Klebriges an ihrem Hals herunterlief. Sie hob die rechte Hand und…

Der zweite Hieb trennte zuerst ihre Hand vom Arm und spaltete dann ihren Schädel. Auf einmal taten ihre Zähne unglaublich weh, und sie hörte deutlich, wie ihr Schädelknochen zersplitterte. Ihre Pein war unbeschreiblich. Um sie herum war nur noch dichter, grauer Nebel, und ihre Kehle war wie zugeschnürt.

Das Letzte, was sie hörte, war der schwere Atem ihres Widersachers und der Knall, den es tat, als ihr Körper auf dem Deck zusammenbrach. Sie spürte noch die Wärme der Planken unter ihr und nahm ganz deutlich den beißenden Geruch des Holzes und einen metallischen Geschmack im Mund wahr, ehe sie ihren letzten Atemzug tat.

KAPITEL 2

»Noddys Vorschlag macht Sinn, Alan. Du solltest seinen Rat beherzigen.« Peter Collins lehnte sich zurück, als die Bedienung ihnen die Roastbeef-Sandwiches brachte.

»Wenn ich das tue, drehen meine Nachbarn erst richtig durch«, prophezeite sein Cousin missmutig. »Kannst du dir vorstellen, wie sie auf eine Videokamera reagieren werden? Nach allem, was sie sich bisher alles geleistet haben?«

»Sie werden in Zukunft die Finger von deinem Eigentum lassen.« Peter griff nach dem Senf, klappte sein Sandwich auf und gab eine ordentliche Portion Mostrich auf das Roastbeef.

»Ich möchte dir noch für deine Hilfe danken, denn ich bezweifle doch stark, dass die Gemeindepolizei meine Beschwerde ohne deine schriftliche Stellungnahme ernst genommen hätte.«

»Einen hochgeschätzten Journalisten wie dich hätten sie bestimmt nicht im Regen stehen lassen«, scherzte Peter. »Ich habe ihnen gegenüber keinen Hehl daraus gemacht, wie schockiert ich bin. Ist es denn zu fassen, dass eine Frau – und ich verwende diese Bezeichnung nur aus Höflichkeit – wie ein Mitglied einer Spezialeinheit auf allen vieren an ihrem Zaun entlangrobbt, um die Unterhaltung ihrer Nachbarn zu belauschen?« Peter schnitt sein Sandwich in zwei Teile. »Niemals werde ich ihren Blick vergessen, als sie aufschaute und merkte, dass wir sie ertappt hatten. Ich hätte allerdings erwartet, dass sie sich entschuldigt, ehe sie sich vom Acker macht. Dass sie das nicht getan hat, finde ich sehr bezeichnend.«

»Nur damit du’s weißt, das war nicht das erste Mal. Eine meiner …« Alan brach ab.

»Quellen?«, hakte Peter wider besseren Wissens nach, denn er wusste, wie Alan reagieren würde.

»Vergiss es«, wehrte Alan ab.

»Ganz wie du willst, obwohl ich nur zu gern wüsste, von wem deine anonymen Hinweise über den White Baron stammen. Nicht dass sich einer von meinen Kollegen über dich beklagen würde. Schließlich hat es Jahre gedauert, bis wir ihn dingfest machen konnten, und seit seiner Ergreifung ist nur noch halb so viel Crack und Heroin im Umlauf – was natürlich immer noch viel zu viel ist.«

Alan biss nicht an, und Peter, der schon seit Ewigkeiten bei der Polizei war, dachte sich seinen Teil. Wahrscheinlich hatte ein anderer Dealer Alan die nötigen Infos zugespielt, um die Konkurrenz auszuschalten. Die erste Regel, die Alan gelernt hatte, lautete, dass in seinem Job die Identität und Anonymität eines Spitzels sakrosankt waren. Wer auspackte, musste nicht nur fürchten, in Zukunft keine Tipps mehr zu erhalten, sondern setzte auch sein Leben aufs Spiel.

»Neben solchen Kleptomanen zu wohnen ist wirklich grauenvoll«, wechselte Alan das Thema. »Jetzt fange ich schon an, die Pflanzen im Vorgarten zu zählen. Und vermisse ich eine, weiß ich nicht, ob sie eingegangen ist oder neuerdings in Nachbars Garten steht.«

»Wie viele Pflastersteine haben sie geklaut?«

»Zwei Quadratmeter.«

»Zwei Quadratmeter bei 19 Pence pro Stein …«

»Hör auf, Peter. Ich finde das nicht lustig«, protestierte Alan. »Vielleicht musst du dich irgendwann auch mit solchen Typen herumschlagen.«

»Da könntest du recht haben.« Peter verschlang eine Sandwichhälfte mit zwei Bissen. »Kaum war ich bei der Liebe meines Lebens eingezogen, fing sie schon an zu überlegen, ob wir nicht die Wohnung aufgeben und in ein Haus ziehen sollen. Dass Trevor Joseph mit Kind und Kegel in seinen eigenen vier Wänden wohnt, macht die Sache nicht einfacher.« Inspector Trevor Joseph war Peters Kollege und bester Kumpel.

»Hör auf mich. Zieh ja nicht an den Stadtrand. Wenn es schon ein Haus sein muss, dann lieber gleich irgendwo auf dem Land.«

»Super Idee. Und dann ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis die Einbrecher vor der Tür stehen«, erwiderte Peter wie aus der Pistole geschossen.

»Ich weiß wirklich nicht, wie lange ich das noch ertrage«, murmelte Alan, der offenbar nicht mehr in der Lage war, den Nachbarschaftszwist auch nur für eine Minute zu vergessen.

»Bislang hast du dich mustergültig verhalten. Du hast nach den Regeln gespielt, ein Tagebuch geführt, ihre lächerlichen Beschwerden über dich notiert und alle Gegenstände aufgelistet, die sie dir gestohlen haben. Installier eine Videokamera und zeichne alles auf. Mit den Bändern kannst du es nachweisen, wenn sie dein Grundstück betreten haben. Glaub mir, wenn du so vorgehst, geben sie bald klein bei.«

»Ich wünschte nur, ich hätte ihm nicht die Hälfte seines Gartens abgekauft. Als er bei mir auftauchte und meinte, er könne sich die Ratenzahlungen für die Hypothek nicht mehr leisten, hätte ich ihn kalt im Regen stehen lassen sollen. Dann würde er jetzt in irgendeiner Sozialbausiedlung wohnen.«

»Ja, das war vielleicht ein Fehler«, stimmte Peter seinem Cousin gut gelaunt zu.

»Der Bursche tat mir einfach leid. Seine Mutter war erst vor kurzem gestorben, und er musste seinen Bruder auszahlen … woher hätte ich denn wissen sollen, dass er irgendwann so eine Hexe heiraten würde?«

»›Keine gute Tat bleibt ungestrafte, zitierte Peter Clare Boothe Luce. »Es zahlt sich eben nicht aus, den Wohltäter zu spielen.«

»Es war ja nicht ganz uneigennützig. Auf einmal hatten Joy und ich einen unverbauten Blick auf den Wald. Und es machte ihr große Freude, abends auf der Terrasse zu sitzen.«

Alans Frau Joy war vor einem Jahr an Krebs gestorben, und wann immer Alan sie erwähnte, wusste Peter nicht, wie er reagieren sollte. Manchmal fragte er sich, ob Alan und Joy sich so nahegestanden hatten, weil sie kinderlos geblieben waren. Kinder waren auch ein Thema, das die »Liebe seines Lebens« beschäftigte. Er war sich durchaus bewusst, dass seine Abneigung, eine Familie zu gründen, nur seiner Selbstsucht geschuldet war. Zwischen ihm und Daisy lief es prima, und er fürchtete, dass sich mit einem Kind alles ändern würde, da so ein kleiner Wurm rund um die Uhr betreut werden musste.

Alan rang sich ein Lächeln ab. »Auf der anderen Seite muss ich zugeben, dass ich ja auch nicht immer artig war. Und wenn ich den Rat der Gemeindepolizei beherzige und eine Videokamera installiere, werden sie die garantiert kaputt machen.«

»Und du kannst sie wegen Sachbeschädigung anzeigen.«

»Klasse Tipp. Dann ermahnt der Richter sie, so etwas nicht nochmal zu machen, verdonnert sie dazu, sich einer ›Selbsthilfegruppe für missverstandene Kriminelle‹ anzuschließen, und schickt sie wieder nach Hause, wo sie so weitermachen wie bisher.«

»Garantien gibt es nicht – und schon gar nicht, wenn man es mit Irren zu tun hat«, erklärte Peter. »Was hast du vorhin mit ›nicht artig‹ gemeint?«

»Willst du wissen, was ich heute Morgen vor meiner Garage entdeckt habe?«

»Du hast meine Frage nicht beantwortet«, ermahnte Peter ihn müde. Alan hatte einen ziemlich speziellen Humor, der seinen Freunden manchmal abging, von seinen Feinden ganz zu schweigen.

»Die Wege von Journalisten sind unergründlich.«

»Und manchmal bewegen sie sich ganz dicht am Abgrund.« Peter trank einen Schluck Orangensaft.

»Sie haben dort eine Axt, eine verdammte Axt deponiert«, erklärte Alan.

Peter runzelte die Stirn. »Wie bitte?«

»Du hast schon richtig gehört«, murrte Alan. »Das Ding hat heute Morgen vor meinem Wagen gelegen, und ich musste es wegräumen, sonst hätte ich nicht losfahren können.«

»Hast du gesehen, wie sie das Ding dorthin gelegt haben?«

»Nein.«

»Und woher weißt du dann, dass sie es waren?«

»Wer kommt denn sonst in Frage?«

»Eine Axt ist nicht billig. Warum bist du nicht einfach darübergefahren?«

Alan schüttelte den Kopf. »Wäre nicht gut für die Reifen gewesen.«

»Deine Obsession mit diesen durchgeknallten Typen ist wirklich nicht gesund. Ignorier diese dummen Idioten doch einfach!«

»Obsession!«, rief Alan empört aus. »Sie bauen sich eine Veranda extra so, dass sie von da aus jeden Winkel meines Gartens ausspähen können. Und hinterher beschweren sie sich bei der Polizei und behaupten, ich würde sie auf ihrem anderthalb Meter hohen Deck beobachten. Dabei lässt sich das ja gar nicht verhindern, es sei denn, ich betrete meine Terrasse nicht mehr. Und damit nicht genug. Sie mussten auf dem Deck auch noch einen Riesenschuppen errichten und ihn blau und gelb streichen …«

»Das kannst du ihnen nicht verbieten«, wandte Peter ein.

»Mich stören aber diese knalligen Farben.«

»Vielleicht haben sie ein Faible für Comics.«

»Ach, rutsch mir doch den Buckel runter.« Alan war jetzt voll in Fahrt und kriegte sich gar nicht mehr ein. »Sie klauen meine Pflastersteine, schaffen sie in ihren Vorgarten und stellen ihre Blumentöpfe darauf, damit ich das auch ja mitkriege. Sie reißen meinen Zaun nieder, graben meine Pflanzen aus und nehmen sie mit. Als Joy im Krankenhaus war, haben sie eine Blumensendung angenommen und sie einfach behalten. Und das ist noch längst nicht alles. Sie haben mein Gartentor samt Pfosten entwendet. Da blieb mir gar nichts anderes übrig, als einen neuen Zaun zu errichten, um mein Grundstück wieder einzufrieden. Und jetzt ratet ihr mir, noch mehr Geld in die Hand zu nehmen und eine Kamera zu installieren.«

»Wirf mich nicht in einen Topf mit der Community Police. Diese Jungs sind keine echten Polizisten.« Peter zupfte die Salatblätter aus der anderen Sandwichhälfte und legte sie auf seinen Teller.

»Nicht?«

»Nein, diese Burschen sind viel höflicher.«

»Sehr witzig.« Alan beäugte Peter. »Leider ist mir nicht zum Lachen zumute.«

»Tut mir leid.« Peter wischte seine Finger an der Papierserviette ab. »Aber die Vorstellung, dass deine Nachbarn mitten in der Nacht und im Schlafanzug dein Gartentor samt Pfosten stibitzen, ist schon abgedreht. Zumal dein Tor ja riesig ist und bestimmt eine Tonne wiegt. Die hiesigen Kollegen kamen gar nicht mehr aus dem Staunen heraus, als sie es beschlagnahmt haben. Und Georges Erklärung, er würde es nur für dich aufbewahren, war doch auch zu drollig.«

»Du kontrollierst die Arbeit der Community Police?«

»Einer muss das ja machen, und da habe ich mich freiwillig gemeldet.« Obwohl Peter ganz locker tat, ahnte Alan, dass er sein Anliegen ernst nahm. »An den Kollegen gibt es nichts auszusetzen, nur … ich würde bei kleptomanischen Irren härter durchgreifen.«

»Dann braucht ihr aber größere und kräftigere Polizisten.« Alan trank einen Schluck Bier. »Der Bursche, der mein Tor gefunden hat, machte sich vor Angst fast in die Hose.«

»War er es, der dir geraten hat, eine Videokamera zu kaufen?«, hakte Peter nach.

»Ich habe ihm gesagt, ich wäre ein Anhänger von Robert Frosts Philosophie.«

»Frost? Kenne ich den?«

»Der Schriftsteller, du Ignorant. Er sagte – ich zitiere: ›Nichts bringt zwei Nachbarn einander so nahe wie ein guter Zaun.‹«

»Na, den hast du jetzt ja.«

»Aber dafür musste ich eine schöne Stange Geld hinblättern.«

»Jetzt hör auf zu jammern. Und komm mir ja nicht damit, du kämst finanziell gerade mal so über die Runden. Ihr Journalisten verkauft eure Artikel doch immer gleich an mehrere Zeitungen. Allein in den letzten paar Monaten wurden deine Texte gleich in sechs oder sieben überregionalen Blättern veröffentlicht. Die Geschichte über den White Baron hat dir doch eine ordentliche Stange Geld eingebracht, oder?«

»Vergiss nicht, dass ich beträchtliche Kosten habe und Unmengen von Steuern zahlen muss.«

»Exquisiter Wein, gutes Essen, Zigarren …« Peter hielt die Zigarre, die Alan ihm gegeben hatte, hoch, damit der Restaurantbesitzer, der hinter der Theke stand, sie sehen konnte. »Was für ein Jammer, dass man hier nicht rauchen darf.«

»Sich bei mir über gesetzliche Vorschriften zu beklagen bringt nichts, Sergeant Collins«, wehrte sich der Wirt.

»Wie recht Sie haben«, räumte Peter ein.

»Für den Fall, dass Sie eine von denen entbehren können, würde ich mich freuen. Ich könnte sie nachher oben rauchen, wenn ich den Laden dichtgemacht habe«, frotzelte er.

»Tut mir leid. Die hier kann ich Ihnen nicht spendieren. Das war ein Geschenk.« Peter hob das Glas mit dem Orangensaft und prostete ihm zu.

»Ist ja was ganz Neues, dass du beim Mittagessen keinen Alkohol mehr trinkst«, bemerkte Alan spitzfindig. »Geht das auf das Konto von Madame?«

»Ich habe heute Nachmittag ein Meeting. Und die neue Chefin mag es nicht, wenn ihre Mitarbeiter nach Alk riechen.«

»Muss dir und Trevor ja ganz schön zusetzen.«

»Und… wirst du die Kamera anbringen?«, wechselte Peter ganz bewusst das Thema.

»Nein.« Alan trank das halbe Glas in einem Zug aus.

»Du bist also nicht gewillt, wohlmeinende Ratschläge anzunehmen?«

»Wie schon gesagt, ich habe schon ein bisschen über die Stränge geschlagen und hab mir etwas Besseres einfallen lassen.«

»Was denn?«

Alan tippte mit dem Zeigefinger an seine Nase. »Das Ergebnis lässt noch etwas auf sich warten. Sobald ich meine Terrasse wieder benutzen kann, musst du mit deiner Liebsten … Rose?«

»Daisy«, knurrte Peter.

»… mal zum Grillen kommen.«

»Was hast du angestellt?«

Alan warf einen Blick auf seine Uhr. »Erzähl ich dir ein andermal.«

»Und welchen armen Tropf nimmt der König der Regenbogenpresse heute Nachmittag in die Zange?«

»Das habe ich noch nicht entschieden.« Alan zögerte. »Mal ganz im Vertrauen …«

»Bei dir ist doch immer alles ganz vertraulich.«

»Was weißt du über dieses Mädchen, das vermisst wird?«

Peter kniff die Augen zusammen und beäugte seinen Cousin misstrauisch. »Keine Ahnung, wovon du redest.«

»Von der Schönheitskönigin, die von der Bildfläche verschwunden ist, nachdem sie zur ›Miss Ökofreundlich‹ oder ›Miss Alternativer Lifestyle‹ gekürt wurde.«

»Falls du von ›Miss Grüne Erde‹ sprichst, kann ich dir nicht weiterhelfen«, meinte Peter. »Wieso? Was weißt du denn?«

»War nur so ’ne Frage.«

»Ich kenne dich doch … du fragst nie einfach nur so. Hast du einen Tipp gekriegt?«

»So würde ich es nicht formulieren.«

»Nicht?« Peter zog eine Augenbraue hoch. »Denn falls dem so ist und du dein Wissen für dich behältst, kann man strafrechtlich gegen dich Vorgehen.«

»Das, was ich weiß, ist nicht der Rede wert.«

»Wieso hast du es dann erwähnt? Du darfst keine Informationen zurückhalten. Das könnte man dir als Behinderung der Rechtsfindung auslegen.«

»Ich weiß doch gar nichts.«

»Streck mal deine Zunge raus. Ich wette hundert zu eins, dass sie schwarz ist.«

»Wirst du irgendwann mal erwachsen? Wir sind doch nicht mehr sechs.«

»Immerhin tust du ja so, als wärst du ein vollwertiges Mitglied von Enid Blytons Geheimpolizei Schwarze Sieben.«

»Na schön.« Alan rückte mit seinem Stuhl näher an den Tisch. »Heute Morgen hat mich jemand angerufen und behauptet, er wüsste, wo die Kleine ist und warum sie sich versteckt. Der Anrufer will sich mit mir treffen, damit ich ihre Version der Geschichte bringe.«

Peter kramte sein Notizbuch heraus. »Und wie lautet die?«

»Wenn ich das wüsste, brauchte ich mich ja nicht mit dem Anrufer zu treffen.«

»Wo und wann soll das Treffen stattfinden?«

»Erwartest du allen Ernstes, dass ich dir das erzähle und zulasse, dass deine Kollegen mir die Tour vermasseln? Kommt nicht in die Tüte. Und außerdem … es könnte eine Finte sein.«

»Oder auch nicht.«

»Sollte die Sache Hand und Fuß haben, bist du der Erste, der es erfährt«, versicherte Alan.

»Mann oder Frau?«

»Hä?«

»War der Anrufer männlich oder weiblich?«, drängte Peter.

»Keine Ahnung. Der oder die Betreffende hat so ein Gerät verwendet, das die Stimme verändert.«

»Telefonnummer?«

»Der Anruf wurde von der Zentrale zu mir durchgestellt. Und verlange jetzt ja nicht von mir, die Telefonlisten zu checken. Bei uns gehen bis zu fünfhundert Anrufe pro Stunde ein.«

»Mit anderen Worten … du hast gar nicht erst versucht, die Nummer herauszukriegen.«

»Genau.«

»Hast du das Telefonat mitgeschnitten?«

»Meinst du, ich hätte Zeit, jeden unsinnigen Anruf mitzuschneiden, den ich bekomme?« Alan stand auf. »Wie ich schon sagte: Sollte ich etwas Wichtiges erfahren, lasse ich es dich wissen.«

»Kommt ja nicht jeden Tag vor, dass eine Schönheitskönigin verschwindet. Und wer weiß? Ich habe schon Geschichten gelesen, in denen Frauen als weiße Sklavinnen nach Nordafrika verkauft wurden.«

Alan gab sich entrüstet und hob die Hände. »Aus meiner Feder stammen solche Berichte nicht.«

»Was nicht ist, kann ja noch werden«, frotzelte Peter.

Alan schaute wieder auf seine Uhr. »Ich muss noch einen Artikel einreichen, bevor ich meinen Informanten treffe.«

»Um was geht es darin?«

»Um inkompetente Polizisten«, scherzte Alan.

»Schreib meinen Namen bitte richtig.«

»Tue ich das nicht immer?«

»Leider Gottes, ja.« Peter nahm seine Jacke von der Stuhllehne und verließ zusammen mit Alan das Lokal.

***

Um Viertel vor vier lieferte Alan seinen Bericht über die Einstellung eines laufenden Verfahrens wegen Vergewaltigung ab. Anschließend verließ er das Büro, kaufte eine Schachtel Pralinen und fuhr nach Hause, um seinen Schlafsack zu holen. Als Journalist musste man immer damit rechnen, dass der Informant mehr in petto hatte und das Treffen sich in die Länge zog. Die Pralinen brachte er in das Haus einer Nachbarin, er schuldete ihr ein Versöhnungsgeschenk.

Er fuhr in Richtung Landstraße, die sich durch die Berge und Hügel schlängelte, denn der Informant hatte ihn angewiesen, nicht die Autobahn zu nehmen, obwohl er auf diesem Wege sein Ziel schneller erreicht hätte. Alan musste zugeben, dass dies ein kluger Schachzug war, denn auf einer wenig befahrenen Landstraße konnte sein Informant problemlos überprüfen, ob er auch tatsächlich allein kam. Zweimal hörte er Hubschrauber, die über ihm kreisten, und überlegte, ob sich der Anrufer wohl solch einen Aufwand leisten konnte.

Ich bin doch paranoid, dachte er und fuhr von der Landstraße auf einen Weg, der zu einem berühmten Ausflugsziel führte. Fünfzehn Kilometer später landete er auf einem Rastplatz und fuhr einmal um das Areal herum, um sich zu vergewissern, dass er hier tatsächlich ganz allein war. Er beschloss, gegenüber dem Eingang unter einem Baum zu parken. Von hier aus hatte er sowohl den Rastplatz als auch den Weg im Blick. Er schaltete den Motor aus, betrachtete die vom Regen durchweichte Landschaft und dachte an das Telefongespräch, das ihn hierher geführt hatte. Ein paar Minuten später öffnete er seinen Aktenkoffer und holte einen Notizblock heraus.

»Sind Sie an einem echten Knüller interessiert?«

»Darauf ist jeder Journalist scharf.«

»Ich weiß’ wo die Schönheitskönigin steckt.«

»Ach ja?«

»Jedenfalls nicht in einem arabischen Harem.«

»Davon bin ich auch nie ausgegangen. Also, wo ist sie?«

»Das soll ich Ihnen jetzt verraten? Am Telefon? Träumen Sie schön weiter.«

»Und warum soll ich glauben, dass Sie mich nicht auf die Schippe nehmen?«

»Weil sie ganz oben am rechten Oberschenkel ein Muttermal hat.«

»Das ist auf jedem Foto zu sehen, auf dem sie einen Badeanzug trägt.«

»Kennen Sie auch das Muttermal, das ihr bis in die Schamhaare reicht?«

Selbstverständlich wusste der Anrufer, dass Alan keine Möglichkeit hatte, diese Information zu überprüfen. In so einem Dilemma steckten Journalisten immer wieder. Es gehörte zum Tagesgeschäft, dass ein Reporter bei einer Story davon ausgehen musste, dass neunundneunzig Prozent seiner Informationen erstunken und erlogen waren, aber da war noch dieses eine Prozent, verlockend wie die Aussicht auf einen Jackpot – und mit etwa den gleichen Gewinnchancen.

»Wenn Sie mehr erfahren möchten, müssen Sie die Brieftasche zücken.«

»Ich zahle erst, wenn ich mich von der Echtheit der Info überzeugt habe.«

»Wir treffen uns auf dem Rastplatz an der Nordseite von Connor’s Lake. Kennen Sie ihn?«

»Ist ziemlich abgelegen.«

»Nicht für mich. Vergessen Sie die Autobahn. Sie nehmen die Panoramastraße.«

»Warum soll ich einen Umweg fahren?«

»Ich muss sichergehen, dass Ihnen niemand folgt. Sie können zwischen 19 und 21 Uhr mit mir rechnen. Suchen Sie mich nicht. Ich finde Sie schon. Sollte ich dort einen Bullen entdecken oder sonst wen, können Sie mich abschreiben.«

Alan legte den Notizblock weg, nahm seinen Schlafsack von der Rückbank und deckte sich damit zu. Dann kuschelte er sich in seinen Sitz und wartete … und wartete …

***

Als Alan aus dem Schlaf aufschreckte, war es draußen stockfinster, und gefrorener Regen trommelte auf das Autodach. Bibbernd spähte er in die Dunkelheit. Bis auf die weißen Hagelkörner konnte er nichts erkennen. Er ließ den Motor an und schaltete das Licht ein. Der leere Rastplatz war von einer dünnen Eisschicht überzogen. Er stellte die Heizung an, warf einen Blick auf seine Uhr und hörte wieder die Roboterstimme in seinem Kopf.

»Sie können zwischen 19 und 21 Uhr mit mir rechnen. Suchen Sie mich nicht. Ich finde Sie schon. Sollte ich dort einen Bullen entdecken oder sonst wen, können Sie mich abschreiben.«

»Verfluchter Idiot!« Er war sich nicht ganz sicher, ob er sich über den Anrufer ärgerte oder über sich selbst. Erst als es im Wagen einigermaßen warm war, fuhr er los, drehte noch einmal langsam eine Runde um den Rastplatz. Dann warf er den Schlafsack auf die Rückbank, legte den Sicherheitsgurt an und fuhr nach Hause.

***

Als Alan gegen elf Uhr in seine Straße fuhr, regnete es nicht mehr. Hinter den Wolken kam ein fahler Vollmond zum Vorschein. Als er und Joy vor fünfunddreißig Jahren hierher gezogen waren, hatten sie großen Wert darauf gelegt, mit allen Nachbarn Bekanntschaft zu schließen. Inzwischen waren die meisten Freunde längst weggezogen, und irgendwann hatte er es sich abgewöhnt, die Neuankömmlinge kennenzulernen.

Alan gestand es sich nur ungern ein, aber er fühlte sich in seiner Straße zunehmend isoliert. Er fuhr vom Haus zur Arbeit und abends wieder zurück, verbrachte die knapp bemessene Freizeit mit Kollegen und Menschen, mit denen er aus beruflichen Gründen Kontakt pflegte, mit Polizisten und Informanten. Nach Joys Tod war sein Zuhause nur noch ein Ort, wo er aß, schlief, nach der Arbeit gelegentlich einen über den Durst trank und sich über seine direkten Nachbarn ärgerte.

Die Lampe, die George und seine Frau vorsätzlich so an ihrem Schuppen befestigt hatten, dass der Lichtschein bis in sein Wohnzimmer reichte, brannte wieder einmal. Er parkte vor seiner Zufahrt. Seit sein knapp zwei Meter hoher Zaun die beiden Grundstücke voneinander trennte, machte er sich nur noch selten die Mühe, das Holztor zu öffnen und den Wagen in die Garage zu fahren.

Er stieg aus, ging ins Haus und steuerte schnurstracks den Kühlschrank an. Müde öffnete er eine Dose Bier, gab etwas davon in ein Glas und trat auf die Holzveranda. Ehe seine Nachbarn auf die Idee gekommen waren, nebenan dieses schreckliche Monstrum zu bauen, hatten Joy und er unzählige schöne Stunden hier verbracht.

Er schlenderte gemächlich zum Zaun und versuchte vergeblich, keinen Gedanken an seine Anrainer zu verschwenden. Er kniff die Augen zusammen, weil das grelle Licht der Halogenlampe am Schuppen der Nachbarn ihn blendete. Er erinnerte sich an die Abende, an denen er mit Joy hier draußen ein Glas Wein getrunken und die Tiere im Wald beobachtet hatte. Jetzt hielten sich die Füchse und Dachse fern. Ihm kam es so vor, als würden die Idioten von nebenan alles daransetzen, sein Umfeld kaputt zu machen. Was für kümmerliche, nichtssagende Wesen, die ein kümmerliches und nichtssagendes Dasein fristen, fuhr es ihm durch den Sinn.

Sein Blick wanderte zu der erleuchteten Terrasse vor dem Schuppen, den seine Nachbarn immer als »Gartenhaus« bezeichneten. Auf den Holzbohlen entdeckte er eine rote Lache, die stark mit dem blau und gelb gestrichenen Holz kontrastierte. Irgendein Gebilde lag daneben … blass … fast weiß … dunkle Haarsträhnen, verklebt mit schwarzen und roten Klümpchen … und eine Axt…

Noch während Alan versuchte, aus den einzelnen Puzzleteilchen ein Bild zusammenzusetzen, holte er sein Handy heraus und wählte die Nummer der Polizei.

KAPITEL 3

»Er ist wirklich ganz entzückend. Ich kann es gar nicht mehr erwarten, bis ich auch Mutter bin.« Zärtlich streichelte Daisy Sherringham die Wange von Trevor und Lyn Josephs zwei Monate altem Sohn, der in ihrer Armbeuge lag.

»Das lässt sich machen. Es erfordert allerdings etwas Zeit und Einsatz«, bemerkte Peter Collins trocken.

»Und um vier Uhr in der Früh ist er auch nicht mehr ganz so entzückend«, beklagte sich Trevor. »Seit er auf der Welt ist, haben wir keine einzige Nacht durchgeschlafen.«

»Wer will denn schon schlafen?« Lyn spähte über Daisys Schulter und betrachtete ihren Sohn. »Du bist wunderbar, nicht war, Rumpelstilzchen? Gaaaanz wunderbar bist du …«

»Glaubst du, Frauen könnten sich auch so für uns begeistern?«, wandte Peter sich an Trevor, während sie beide beobachteten, wie Lyn und Daisy den Jungen anhimmelten.

»Für Trevor vielleicht, aber nicht für dich«, entgegnete Daisy. Das Telefon läutete. »Gute Nacht, Trevor. Und du, Peter, weck mich bitte nicht, wenn du in aller Herrgottsfrühe nach Hause kommst.«

»Wer sagt denn, dass das jemand vom Revier ist?« Peter nahm die Flasche und schenkte sich nach.

»Wer ruft denn sonst um diese Uhrzeit an?«, gab Daisy zurück. »Wir könnten es auch positiv sehen. Immerhin konnten wir diesmal wenigstens ungestört essen. Keine Sorge, Peter, ich fahre mit dem Taxi heim. Schließlich bin ich ein großes Mädchen.«

Trevor nahm den Hörer ab. »Trevor Joseph.« Er hörte, was der Anrufer zu sagen hatte, und runzelte die Stirn. »Ich habe ein paar Drinks intus. Schicken Sie Wagen und Fahrer. Ich beeile mich.«

»Gibt’s Probleme?«, fragte Peter.

»Sieht ganz so aus. Kommst du mit?«

»Tue ich das nicht immer?«

»Könnte ganz spannend werden.«

»Wieso das denn?« Peter zog sich seine Jacke über.

»In der Straße, in der dein Journalistenfreund wohnt, wurde eine Leiche gefunden.«

»Er ist mein Cousin und nicht mein Freund. Ich habe gerade heute mit ihm zu Mittag gesessen, und er hat sich in einem fort über seine Nachbarn beklagt. Vielleicht haben sie ihm ja wieder etwas geklaut, und er ist ausgerastet.«

»Das ist hoffentlich nicht dein Ernst.«

»Du hast seine Litaneien über diese Leute ja nicht gehört.«

»Lass uns erst mal den Tatort besichtigen, ehe wir Spekulationen anstellen, ja?« Trevor küsste Lyn und drückte auch dem Baby einen Schmatz auf den Kopf. »Ich sehe euch morgen früh, ihr Süßen.«

»Marty wird später nicht begeistert sein, wenn du ihn so nennst.« Peter küsste die Wange, die Daisy ihm hinhielt. »Ich beeile mich.«

»Wieso übernachtest du nicht hier, Daisy?«, schlug Lyn vor.

»Danke für das Angebot, aber ich brauche meinen Wagen.« Vorsichtig legte sie den Jungen in Lyns Arme. »Ich muss schon vor neun operieren. Hauttransplantation bei einem Verbrennungsopfer. Der arme Bursche ist gerade mal vier Jahre alt.«

»O nein. Was ist denn passiert? Ach, ich will es lieber doch nicht hören. Seit ich Mutter bin, ist mir der Gedanke, dass ein Kind Schmerzen erleiden muss, unerträglich. Ob mein eigenes betroffen ist oder nicht, macht da überhaupt keinen Unterschied.«

»Das kann ich mir gut vorstellen. Und nach der Arbeit fliege ich mit drei Kollegen nach New York zu einer Konferenz. Brauchst du irgendetwas aus Amerika?«

»Konferenz«, höhnte Peter. »Das ist doch ein Vergnügungs- und Shoppingtrip.«

»Mir ist alles recht, solange ich dir und deinen Launen entfliehen kann, Darling«, zog Daisy ihn auf.

Trevor spähte durch die Jalousie. »Der Fahrer ist da. Wir können dich unterwegs absetzen, Daisy.«

»Danke, das ist sehr nett von dir. Peter fällt so etwas nie ein.«

»Pass auf, was du sagst«, warnte Peter.

»Sei nicht so empfindlich.« Daisy holte ihren Schal und ihre Handtasche. »Danke für das leckere Abendessen. Nächstes Mal sind wir an der Reihe.«

»Damit müssen wir wohl warten, bis dieser Fall abgeschlossen ist«, meinte Lyn.

***

Das Team von der Spurensicherung war schon eingetroffen und stellte im Garten am Ende der Sackgasse ein Zelt und Lampen auf. Trevor fragte sich, wozu sie die Lampen überhaupt brauchten. Die Halogenlampen, die das Holzdeck hinter dem Haus erleuchteten, waren so hell, dass man sie schon von der Straße aus sehen konnte.

Er zog einen weißen Schutzanzug und Überschuhe an, die Sarah Merchant, eine junge Polizistin, ihm reichte.

»Sie waren ja schnell hier«, fand Trevor.

»Chris und ich hatten Dienst und haben den Anruf entgegengenommen.«

»Trevor, schön, dass Sie wieder mit von der Partie sind. Man fühlt sich nachts auf den Straßen doch gleich sicherer, wenn man weiß, dass Sie Dienst haben.« Patrick Cf Kelly, der diensthabende Gerichtsmediziner, saß im Kofferraum seines Wagens und zog gerade seine Schuhe an.

Trevor zog den Reißverschluss hoch und gesellte sich zu Patrick. »Ihr Sinn für Humor ist anscheinend unerschütterlich.«

»Danke.«

»Das war nicht als Kompliment gemeint«, stellte Trevor fest. »Haben Sie schon einen Blick auf die Leiche geworfen?«

»Ich kenne nur die Digitalfotos von dem Beamten, der als Erster am Tatort war. Axt im Kopf. Sieht erst mal ganz simpel aus, aber wie Sie wissen …«

»… sind die Fälle, die ganz simpel wirken, alles andere als das.« Peter spähte in den Garten seines Cousins. Auf der Veranda, die von dem monströsen Holzdeck der Nachbarn überragt wurde, meinte er Alan und einen Polizisten in Uniform zu erkennen.

Patrick folgte seinem Blick. »Das ist der Nachbar, der die Leiche entdeckt und den Mord gemeldet hat.« Er stieg aus dem Kofferraum und rief seine Assistentin Jenny herbei.

Patrick und Jenny gingen um das Haus herum und näherten sich dem Holzdeck. Dabei achteten sie darauf, nicht neben die Plastikläufer zu treten, die die Mitarbeiter der Spurensicherung auf der Zufahrt und im Garten ausgelegt hatten. Mit Notizblock und Bleistift in der Hand trat Sarah zu Trevor.

»Ich habe auf dem Revier angerufen und darum gebeten, dass sie uns für diesen Fall einen Ermittlungsraum zur Verfügung stellen, Sir.«

»Danke. Sobald die Sonne aufgeht, brauchen wir hier jeden verfügbaren Kollegen. Der Garten muss gründlich inspiziert werden«, erklärte er, während sie Patrick zu dem erhöhten Holzdeck folgten.

»Ja, Sir«, sagte Sarah und notierte sich das.

»Sorgen Sie dafür, dass alle Nachbarn vernommen werden. Obwohl es schon ziemlich spät ist, müssen wir versuchen, innerhalb der nächsten vierundzwanzig Stunden mit ihnen zu sprechen, sonst haben sie wieder alles vergessen. Und Sie werten bitte die eingehenden Hinweise aus.«

»Ja, Sir. Danke für das Vertrauen, das Sie mir entgegenbringen.«

»Danke, dass Sie so effizient sind.« Trevor warf einen Blick nach hinten auf die Straße. »Wie viele Häuser gibt es? Zwanzig?«

»Zweiundzwanzig, Sir.«

»Alle Bewohner werden befragt, auch die am anderen Ende der Straße. Finden Sie heraus, wem hier …«

»… nichts entgeht, Sir?«

»Sie lernen schnell. War das Opfer alleinstehend?«

»Nein, sie wohnte hier mit ihrem Mann und ihren Kindern.«

»Sind sie im Haus?«

»Keine Spur von ihm oder den Sprösslingen, Sir.«

»Stand die Haustür offen?«

»Die Hintertür war nicht abgeschlossen. Und es deutet auch nichts auf einen Einbruch hin. Falls jemand das Haus unbefugt betreten hat, ist er einfach hereinspaziert … so wie wir. Im Haus herrscht ein totales Chaos. Ist bei Familien wahrscheinlich so üblich. Überquellende Spielzeugkisten. Mehrere Körbe mit dreckiger Wäsche in der Küche. Überall liegen DVDs herum. Kleiderberge auf den Stühlen in den Schlafräumen.«

»Nach dem Schuppen, dem Deck und dem Garten sollen die Leute von der Spurensicherung sich das Haus vorknöpfen.«

»Ich kümmere mich darum, Sir.«

Trevor warf einen Blick auf seine Uhr. »Sie sagten, DC Brooke wäre hier?« Christopher Brooke, ein junger Constable, hatte erst vor kurzem zusammen mit Sarah in die Mordkommission gewechselt.

»Ja, Sir.«

»Auch wenn um diese Uhrzeit niemand gern an Türen klopft, sollten Sie jetzt mit den Anwohnern sprechen. Wo Licht brennt, läuten Sie. Die anderen nehmen Sie sich vor, sobald es hell ist. Finden Sie heraus, ob jemand etwas gehört oder gesehen hat.«

»Gut.« Sarah entfernte sich.

Trevor marschierte durch den Garten zum Deck. Sowohl die Holzveranda als auch der Schuppen waren riesengroß und passten von den Proportionen her überhaupt nicht zum Garten. Sarah hatte Kinder erwähnt, aber für ein Kinderspielhaus war der Schuppen völlig überdimensioniert. Wahrscheinlich verstaute hier ein passionierter Gärtner sein Werkzeug oder topfte Blumen um. Kaum hatte Trevor einen Blick auf den ungepflegten Rasen, das wuchernde Unkraut und die halb vergammelten Blütenstauden geworfen, verabschiedete er sich von dieser These. Die grellen Farben, in denen der Schuppen gestrichen war, erinnerten an einen Jahrmarkt.

»Total geschmacklos«, fand Patrick, der vor dem Schuppen auf dem Deck kniete und mit einer riesigen Lupe eine nackte Frauenleiche inspizierte.

Trevor, der etwas Abstand hielt, fragte: »Sprechen Sie von dem Opfer oder vom Garten?«

»Von diesem Provinztheater.«

Trevor musste zugeben, dass Patrick den Nagel auf den Kopf getroffen hatte. Das hohe Holzdeck erinnerte an eine Bühne, und wenn man die Schuppentür öffnete, wirkte das ganze Ensemble wie ein provisorisches Theater.

»Zwischen fünfzig und sechzig Jahre alt, gefärbte braune Haare, braune Augen, einsdreiundsechzig groß, Muttermal auf der linken Brust und am rechten Bein, Schwangerschaftsstreifen am Bauch«, verkündete Patrick, ohne aufzuschauen.

»Todesursache?«

»Ein oder mehrere Axthiebe. Die Tatwaffe steckt noch im Schädel. Nach den Blutspritzern zu urteilen, lebte sie noch, als sie den ersten Schlag abkriegte. Sie hat die rechte Hand gehoben … wahrscheinlich um den Kopf zu schützen. Dabei wurden die Gliedmaße am Handgelenk abgetrennt. Das hat zu schweren Blutungen geführt, die allerdings nicht tödlich waren.«

»Hat der Täter nun ein oder mehrere Male zugeschlagen?«

Patrick betrachtete den Schädel der Leiche durch die Lupe und konzentrierte sich auf die blutverkrusteten Wunden. »Es gibt drei tiefe Kerben. Aber es könnte sein, dass der Täter mit der Axt immer wieder auf dieselbe Stelle eingeschlagen hat. Oder zumindest zweimal, falls ich die Breite der Kerbe und die Knochensplitter richtig interpretiere. Ich gehe davon aus, dass sie innerhalb weniger Sekunden bewusstlos war und aufgrund des Schocks und der Blutungen nur noch kurze Zeit lebte. Was den Täter nicht daran gehindert hat, erneut zuzuschlagen. Ein Hieb wurde ihr post mortem zugefügt.«

»Deutet das auf Raserei hin?«

»Na, wer immer für das hier verantwortlich ist, war dem Opfer jedenfalls nicht sehr zugetan.«

»Danke, Patrick.« Trevor fror, und er war müde und nicht in Stimmung für den eigenwilligen Humor des Gerichtsmediziners. »Irgendwelche Anzeichen eines sexuellen Übergriffs?«

»Soweit ich erkennen kann, nein.« Patrick ging in die Hocke. »Wie man sieht, ist sie nackt. Ihre Kleider hängen im Schuppen an einem Haken. Sie hat sich entweder selbst ausgezogen, oder wir haben es mit einem ordentlichen Mörder zu tun. Die DNA-Analyse und die Ergebnisse der Spurensicherung werden Ihnen helfen, zu entscheiden, was zutrifft.«

»Gibt es einen Whirlpool?«

»Nein, und auch keinen Swimmingpool.«

»Irgendeine Idee, warum sie nackt war?«

»Vielleicht war sie Nudistin und wollte ihre Nachbarn aufgeilen. Dieser Schuppen steht doch nicht umsonst auf einem so hohen Holzdeck.«

»Was denken Sie?«

»Sie sind der Polizist.« Patrick senkte den Blick und musterte die Tote. »Keine Piercings, nicht einmal Ohrringe, und keine Tätowierungen. Und eigentlich hätte ich mehr Blut erwartet. Kopfverletzungen gehen immer mit großem Blutverlust einher. Und es gibt hier massig Fußabdrücke und Schlieren.«

»Was bedeutet das?«

»Woher soll ich das wissen? Möglicherweise hat hier jemand aufgewischt, nachdem sie gestorben war. Sicher bin ich mir allerdings nicht.«

»Wieso sollte jemand das tun?«

»Ich habe nicht die geringste Ahnung.«

»Müssen wir davon ausgehen, dass der Täter blutbesudelt war?«

»Ja, sofern er keine Schutzkleidung getragen hat.« Patrick erhob sich langsam und schaute sich um. »Jenny, kontrollieren Sie bitte, ob jeder Zentimeter des Tatorts fotografiert wurde, ja?« Er sprang von dem Deck und landete neben Trevor. »Ich bin hier fertig. Morgen früh werde ich als Erstes die Obduktion vornehmen.«