Kant: Kritik der praktischen Vernunft, Kritik der reinen Vernunft & Kritik der Urteilskraft - Immanuel Kant - E-Book

Kant: Kritik der praktischen Vernunft, Kritik der reinen Vernunft & Kritik der Urteilskraft E-Book

Immanuel Kant

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Beschreibung

In diesem entscheidenden Werk der Aufklärung präsentiert Immanuel Kant seine bahnbrechenden Analysen der menschlichen Vernunft in drei zentralen Schriften: der "Kritik der praktischen Vernunft", der "Kritik der reinen Vernunft" und der "Kritik der Urteilskraft". Kant verknüpft in seinem klaren, präzisen Stil die theoretische und praktische Philosophie und untersucht, wie der Mensch Wissen erlangt, moralische Entscheidungen trifft und ästhetische Urteile fällt. Durch die methodische Herangehensweise zeichnet Kant das Verhältnis zwischen Erfahrung und Vernunft nach und liefert grundlegende Einsichten in die Struktur des menschlichen Denkens, die bis heute in der philosophischen Diskussion maßgeblich ist. Immanuel Kant, geboren 1724 in Königsberg, gilt als einer der einflussreichsten Philosophen der westlichen Tradition. Sein intellektuelles Umfeld war geprägt von den Herausforderungen der Aufklärung, die ihn dazu motivierten, die Grenzen der menschlichen Erkenntnis und Moral zu erkunden. Kants Werk ist nicht nur das Ergebnis seiner eigenen philosophischen Überlegungen, sondern auch ein Dialog mit seinen Vorgängern und Zeitgenossen, der ihm half, seine revolutionären Ideen zu entwickeln. Für Leser, die sich für die grundlegenden Fragen der Philosophie interessieren, bietet dieses Sammelwerk einen unverzichtbaren Zugang zu Kants Denken. Die "Kritiken" sind nicht nur historisch bedeutend, sondern stellen auch zeitlose Überlegungen zu Ethik, Wissenschaft und Ästhetik an, die zur Reflektion über die eigenen Überzeugungen anregen. Dieses Buch ist ein Schlüsseltext für jeden, der die Entwicklung der modernen Philosophie nachvollziehen möchte. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine umfassende Einführung skizziert die verbindenden Merkmale, Themen oder stilistischen Entwicklungen dieser ausgewählten Werke. - Die Autorenbiografie hebt persönliche Meilensteine und literarische Einflüsse hervor, die das gesamte Schaffen prägen. - Ein Abschnitt zum historischen Kontext verortet die Werke in ihrer Epoche – soziale Strömungen, kulturelle Trends und Schlüsselerlebnisse, die ihrer Entstehung zugrunde liegen. - Eine knappe Synopsis (Auswahl) gibt einen zugänglichen Überblick über die enthaltenen Texte und hilft dabei, Handlungsverläufe und Hauptideen zu erfassen, ohne wichtige Wendepunkte zu verraten. - Eine vereinheitlichende Analyse untersucht wiederkehrende Motive und charakteristische Stilmittel in der Sammlung, verbindet die Erzählungen miteinander und beleuchtet zugleich die individuellen Stärken der einzelnen Werke. - Reflexionsfragen regen zu einer tieferen Auseinandersetzung mit der übergreifenden Botschaft des Autors an und laden dazu ein, Bezüge zwischen den verschiedenen Texten herzustellen sowie sie in einen modernen Kontext zu setzen. - Abschließend fassen unsere handverlesenen unvergesslichen Zitate zentrale Aussagen und Wendepunkte zusammen und verdeutlichen so die Kernthemen der gesamten Sammlung.

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Immanuel Kant

Kant: Kritik der praktischen Vernunft, Kritik der reinen Vernunft & Kritik der Urteilskraft

Bereicherte Ausgabe. Kritische Philosophie und ethische Erkenntnis in der Moderne
In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen
Bearbeitet und veröffentlicht von Good Press, 2023
EAN 8596547675167

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Autorenbiografie
Historischer Kontext
Synopsis (Auswahl)
Kant: Kritik der praktischen Vernunft, Kritik der reinen Vernunft & Kritik der Urteilskraft
Analyse
Reflexion
Unvergessliche Zitate

Einführung

Inhaltsverzeichnis

Diese Werksammlung bündelt Immanuel Kants Kritik der reinen Vernunft, Kritik der praktischen Vernunft und Kritik der Urteilskraft und stellt sie in ihrem inneren Zusammenhang vor. Sie richtet sich an Leserinnen und Leser, die das Projekt der kritischen Philosophie im Ganzen erfassen möchten, ohne die Eigenständigkeit der einzelnen Bücher zu übergehen. Als dreiteiliges Fundament einer systematischen Reflexion über Erkenntnis, Moral und Urteil eröffnet die Zusammenstellung einen Weg, Kants Gedanken in ihrer Abfolge, ihrer gegenseitigen Stützung und ihren Grenzen nachzuvollziehen. Damit bietet sie Orientierung und Kontext für das Studium eines der einflussreichsten Werke der neuzeitlichen Philosophie.

Die vertretene Textsorte ist die philosophische Abhandlung. Kants Schriften sind weder Romane noch Erzählungen, sondern sorgfältig gegliederte, argumentativ aufgebaute Untersuchungen. Sie verbinden theoretische Analyse mit methodischer Selbstprüfung und stellen Begriffe, Geltungsansprüche und Voraussetzungen der Vernunft zur Diskussion. In ihnen finden sich keine Fiktionen, sondern systematische Erörterungen, die Begriffsarbeit, begründete Unterscheidungen und Folgerungen entfalten. Die drei Bände bilden gemeinsam ein strukturiertes Ensemble von Untersuchungen, das Erkenntnistheorie, Moralphilosophie sowie Ästhetik und Teleologie umfasst und aufeinander verweist, ohne die Kohärenz der jeweiligen Fragestellung preiszugeben.

Die zeitliche und systematische Abfolge unterstreicht den Anspruch dieses Unternehmens: Die Kritik der reinen Vernunft erschien 1781 und in überarbeiteter zweiter Auflage 1787, die Kritik der praktischen Vernunft folgte 1788, die Kritik der Urteilskraft 1790. Zusammen markieren sie Kants kritische Wende. Die Sammlung macht diesen Gang nachvollziehbar: vom Prüfen der Bedingungen möglicher Erkenntnis über die Begründung praktischer Orientierung bis hin zur Erörterung der Vermögen, die zwischen Natur und Freiheit vermitteln. So wird der historische Publikationszusammenhang zugleich als systematische Architektur erfahrbar.

Die Kritik der reinen Vernunft prüft Ursprung, Reichweite und Grenzen dessen, was wir wissen können. Sie fragt, wie Erkenntnis möglich ist, welche Rolle Anschauung und Verstand spielen und wo Spekulation ihre berechtigte Grenze findet. Indem sie Bedingungen der Möglichkeit von Erfahrung und Wissenschaft beleuchtet, verschiebt sie den Fokus von Behauptungen über Dinge an sich zu den Leistungen der Vernunft selbst. Diese Selbstprüfung dient nicht bloßer Skepsis, sondern der Bestimmung gültiger Ansprüche. Die Sammlung präsentiert dieses Werk als Ausgangspunkt, der die nachfolgenden Untersuchungen informiert und begrenzt.

Die Kritik der praktischen Vernunft richtet den Blick auf das Handeln. Sie erörtert die Grundlagen der Moral, die Autorität praktischer Gründe und die Frage, wie Freiheit als praktische Idee Orientierung stiften kann. Im Zentrum steht die Untersuchung, wie Vernunft normativ werden darf und worin die Verbindlichkeit moralischer Gesetzgebung besteht. Dabei wird die Eigenständigkeit praktischer Überlegung gegenüber theoretischer Erkenntnis herausgearbeitet. In der vorliegenden Zusammenstellung erscheint dieses Werk als zweiter Pfeiler: Es ergänzt die Grenzen des Wissens durch Maßstäbe des Handelns und entwickelt eine Perspektive auf Verantwortung und Selbstgesetzgebung.

Die Kritik der Urteilskraft nimmt die vermittelnde Stellung des Urteilens in den Blick. Sie behandelt zum einen das Ästhetische, zum anderen teleologische Betrachtungsweisen der Natur. Die Untersuchung des Geschmacks und der Zweckmäßigkeit zielt darauf, die Kluft zwischen Naturerkenntnis und Freiheitspraxis zu überbrücken. Urteilskraft wird als Vermögen profiliert, das Einheit stiftet, wo weder bloße Theorie noch reine Praxis ausreichen. In der Sammlung erscheint dieses Werk als Scharnier, das die Architektur der kritischen Philosophie vervollständigt und den Dialog zwischen Erkenntnis, Moral und Erfahrung des Schönen und Zweckmäßigen eröffnet.

Stilistisch begegnet eine streng gegliederte, argumentative Prosa, die Begriffsklärung, systematische Architektonik und methodische Zurückhaltung verbindet. Kant arbeitet mit Unterscheidungen wie a priori und a posteriori, Bedingungen der Möglichkeit und Grenzen der Rechtfertigung. Die Bewegung seiner Darstellung ist häufig doppelt: Sie prüft Voraussetzungen und zeigt deren Reichweite auf, sie weist Übergriffe zurück und begründet berechtigte Ansprüche. Charakteristisch ist die transzendentale Methode, die Bedingungen von Erfahrung, Normativität und Urteil erschließt, ohne sie aus inhaltlichen Setzungen abzuleiten. So entsteht ein analytisches, selbstkritisches Philosophieren.

Thematisch verbindet die drei Kritiken der Leitgedanke der Selbstprüfung der Vernunft. Erkenntnis, Moral und Urteil werden jeweils auf ihre Bedingungen, Geltungsgründe und legitimen Ansprüche hin befragt. Wiederkehrt ein Motiv der Begrenzung: Wo Spekulation endet, beginnt Verantwortung; wo Rechtfertigung gefordert ist, wird Selbstverpflichtung sichtbar. Zugleich tritt ein konstruktives Moment hervor: Die Vernunft stiftet Ordnung, Maß und Zusammenhang. Die Sammlung macht diese Spannungen fruchtbar, indem sie die Übergänge zwischen theoretischem Begreifen, praktischer Orientierung und ästhetischer bzw. teleologischer Reflexion nebeneinander erfahrbar macht.

Die anhaltende Bedeutung dieser drei Schriften liegt in der Verbindung von kritischer Bescheidenheit und normativer Strenge. Sie zeigen, wie man die Reichweite von Erkenntnis sichert, ohne Moral zu relativieren, und wie man Sinn und Zusammenhang in der Erfahrung deutet, ohne dogmatische Setzungen zu übernehmen. Die Nachwirkung berührt Philosophie, Wissenschaftstheorie, Ethik, Rechts- und Politikkonzepte sowie ästhetisches Denken. Die Sammlung stellt diesen Einfluss nicht durch sekundäre Darstellungen aus, sondern durch die geordnete Begegnung mit den Texten selbst, die zum eigenen Urteil und zur methodischen Selbstdisziplin anleiten.

Als Lektüreanordnung betont die Werksammlung sowohl die Eigenständigkeit der Teile als auch ihren Dialog. Wer bei der Erkenntnistheorie beginnt, kann die Grenzen des Wissens vor Augen behalten, wenn es um praktische Gründe geht. Wer mit der Moral startet, liest das erste Werk unter dem Vorzeichen praktischer Ansprüche neu. Wer die Urteilskraft ins Zentrum stellt, gewinnt einen Blick für Vermittlungen und Übergänge. Die Texte sind so angelegt, dass jede Schrift für sich steht und doch vorausweist. Die Kombination erleichtert Querbezüge, ohne eine verbindliche Reihenfolge vorzuschreiben.

Der Umfang der Sammlung ist auf die drei kritischen Hauptwerke begrenzt. Dadurch wird der Kern von Kants Projekt sichtbar, ohne ihn durch ergänzende Schriften zu erweitern. Das Ziel dieser Zusammenstellung besteht darin, einen verlässlichen, konzentrierten Zugang zu eröffnen: genug Kontext, um die Systematik zu verstehen, genug Fokussierung, um die argumentative Eigenart jedes Bandes zu erkennen. Leserinnen und Leser erhalten ein geschlossenes Corpus, das zur vergleichenden Lektüre einlädt und die wechselseitige Beleuchtung der Themen Wissen, Handeln und Urteilen ermöglicht.

Diese Einführung versteht sich als Einladung zu einer geduldigen, selbstkritischen Lektüre. Die drei Kritiken stellen Anforderungen, eröffnen aber zugleich einen klaren Weg: Schrittweise Klärung von Begriffen, Prüfung von Ansprüchen, Anerkennung von Grenzen und Begründung von Maßstäben. Wer diesem Weg folgt, begegnet einer Philosophie, die weder in Skepsis noch in Dogmatismus endet. Die Werksammlung will diesen Weg ebnen, indem sie die drei Schriften gemeinsam bereitstellt, ihren Stellenwert im Ganzen markiert und Raum lässt für eigenes Nachdenken. So wird Kants kritisches Projekt als lebendige Aufgabe erfahrbar.

Autorenbiografie

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Immanuel Kant (1724–1804) war ein deutscher Philosoph der Aufklärung, der sein gesamtes Leben in Königsberg verbrachte. Sein Denken prägte die moderne Philosophie nachhaltig, vor allem durch drei miteinander verschränkte Hauptwerke: Kritik der reinen Vernunft, Kritik der praktischen Vernunft und Kritik der Urteilskraft. In ihnen klärte er die Bedingungen von Erkenntnis, die Grundlagen der Moral und den Status ästhetischer und teleologischer Urteile. Die Sammlung zeigt Kants reife, systematische Phase, in der er Reichweite und Grenzen der Vernunft bestimmt. Seine Theorie beeinflusste Debatten in Metaphysik, Ethik, Ästhetik und Erkenntnistheorie bis in die Gegenwart.

Die drei Kritiken bilden eine architektonisch angelegte Trilogie: Die erste untersucht, was wir a priori über Natur und Erfahrung wissen können; die zweite erklärt, wie aus Vernunft ein verbindliches Sittengesetz hervorgeht; die dritte vermittelt zwischen Natur und Freiheit, indem sie die Urteilskraft in ästhetischer und teleologischer Hinsicht analysiert. Damit entwirft Kant eine Landkarte der menschlichen Vermögen, die theoretische, praktische und reflektierende Dimensionen in ein kohärentes Ganzes fügen soll. Die Trilogie beeinflusste nachfolgende Philosophen und intellektuelle Bewegungen umfassend und dient bis heute als Referenz für systematische Selbstaufklärung der Vernunft.

Bildung und literarische Einflüsse

Aufgewachsen in einem pietistisch geprägten Milieu, erhielt Kant seine Schulbildung am Collegium Fridericianum in Königsberg. Früh zeigte sich Interesse an Sprachen, Mathematik und Naturkunde, verbunden mit einer Disziplin, die sein Arbeitsleben prägte. Ab 1740 studierte er an der Universität Königsberg Philosophie und Naturwissenschaften. Dort wirkte besonders Martin Knutzen, der ihn in die newtonsche Physik einführte und für die strenge Begründung von Erkenntnisfragen sensibilisierte. Die pietistische Lebensführung verband sich bei Kant mit einem wachsenden Anspruch an autonome Vernunft. Der spätere Versuch, Grenzen und Geltung von Erkenntnis zu bestimmen, wurzelt in dieser Doppelprägung aus religiöser Ernsthaftigkeit und wissenschaftlicher Methodik.

Kants intellektuelle Entwicklung vollzog sich im Spannungsfeld von Rationalismus und Empirismus. Von Leibniz und der Wolffschule übernahm er systematische Ambitionen und begriffliche Strenge; von britischen Denkern wie Locke und besonders Hume die Aufmerksamkeit für Erfahrung und die Skepsis gegenüber dogmatischen Metaphysiken. Newtons Physik bot ihm das Muster gesicherter Wissenschaft, das seine Frage leitete, wie notwendige Erkenntnis möglich sei. Rousseau verstärkte Kants Sensibilität für Freiheit, Würde und moralische Autonomie. Aus diesen heterogenen Einflüssen formte Kant die kritische Methode, die den Geltungsanspruch der Vernunft nicht voraussetzt, sondern prüft, indem sie Bedingungen, Reichweite und legitime Grenzen aufzeigt.

Nach Jahren als Hauslehrer und Privatdozent wurde Kant 1770 Professor für Logik und Metaphysik an der Universität Königsberg. Sein Lehrstil verband klare Gliederung mit wachsender Skepsis gegenüber unkritischer Systembildung. In Vorlesungen zu Logik, Metaphysik, Ethik und Naturphilosophie erprobte er Gedanken, die zur kritischen Wende führten. Anstatt traditionelle Beweise für metaphysische Thesen zu wiederholen, untersuchte er die Möglichkeitsbedingungen von Erkenntnis und Sittlichkeit. Aus dieser methodischen Verschiebung erwuchs das Projekt der drei Kritiken. Ihre Ausarbeitung reifte über Jahre, getragen von intensivem Lehrbetrieb, sorgfältiger Selbstprüfung und dem Bestreben, Philosophie als Wissenschaft mit sicherem Gang zu etablieren.

Literarische Laufbahn

Die Kritik der reinen Vernunft erschien 1781 und wurde 1787 grundlegend überarbeitet. Sie fragt, wie synthetische Urteile a priori möglich sind, und erklärt Erkenntnis als Ergebnis von Sinnlichkeit und Verstand. Raum und Zeit sind Formen der Anschauung, die Kategorien des Verstandes ordnen die Erfahrung. Der transzendentale Idealismus unterscheidet zwischen Erscheinungen, die uns gemäß unseren Erkenntnisbedingungen zugänglich sind, und Dingen an sich, über die spekulative Aussagen Grenzen haben. Mit der Transzendentalen Deduktion begründet Kant die objektive Geltung der Kategorien. So wird Metaphysik nur als Kritik möglich, die Anmaßungen der reinen Vernunft zügelt und zugleich Wissenschaft ermöglicht.

Die Erstauflage wurde zunächst zurückhaltend aufgenommen: das Werk war neuartig, dicht und schwer. Kant klärte in der zweiten Auflage zentrale Argumente, erweiterte Erläuterungen und strukturierte den Text, um Missverständnisse auszuräumen. Programmatisch setzte er auf eine kopernikanische Wende: Nicht die Erkenntnis soll sich nach den Dingen richten, sondern die Dinge werden im Erkennen nach unseren Formen beurteilt. Diese Perspektive veränderte die Debatte über Kausalität, Substanz und Notwendigkeit grundlegend. Allmählich gewann die Kritik der reinen Vernunft Autorität in der akademischen Welt, wurde intensiv kommentiert und zum Ausgangspunkt neuer Systementwürfe, ohne dass ihre prüfende Haltung je preisgegeben wurde.

Die Kritik der praktischen Vernunft von 1788 entfaltet die Autonomie der Vernunft im moralischen Handeln. Kant zeigt, dass praktische Vernunft aus sich selbst ein allgemeines Gesetz gibt, dem der Wille aus Achtung folgt. Moralische Verbindlichkeit beruht nicht auf Neigung oder Nutzen, sondern auf der Gesetzgebung der Vernunft. Freiheitsannahme, Unsterblichkeit und Gottesidee erscheinen als Postulate, die die Möglichkeit des höchsten Guts denkbar machen, ohne spekulative Beweise zu liefern. Mit knapper Architektur vertieft das Werk den Primat des Praktischen, indem es die Realität des Sittengesetzes geltend macht und die Selbstbestimmung als Kern menschlicher Würde hervorhebt.

Die Kritik der Urteilskraft von 1790 schließt die Trilogie, indem sie die vermittelnde Funktion der reflektierenden Urteilskraft ausarbeitet. Im ästhetischen Teil analysiert Kant das Geschmacksurteil als subjektiv allgemein, interesselos und auf einen Gefühlston bezogen, der dennoch Geltungsanspruch erhebt. Im teleologischen Teil deutet er die Zweckmäßigkeit der Natur als regulatives Prinzip, das Forschung leitet, ohne dogmatische Teleologie zu behaupten. Insgesamt überbrückt das Werk die Kluft zwischen Natur und Freiheit, indem es zeigt, wie wir Einheit und Sinn in Erscheinungen denken. Es prägte Kunsttheorie, Naturdeutung und die Frage, wie Normativität ohne Reduktion auf Fakten verstehbar wird.

Überzeugungen und Engagement

Kants Überzeugungen spiegeln eine strikte Selbstbindung der Vernunft an selbstgegebene Gesetze. Er verband intellektuelle Redlichkeit mit der Forderung, Urteile auf öffentliche Nachprüfbarkeit zu stellen. Daraus ergeben sich eine Ethik der Achtung vor Personen und eine politische Sensibilität für die Bedingungen rechtlicher Freiheit. Die drei Kritiken tragen diese Haltung: Die erste weist Grenzen spekulativer Anmaßung, die zweite begründet Pflicht und Autonomie, die dritte rechtfertigt Anspruch und Maß von Sinnorientierungen, ohne sie dogmatisch zu hypostasieren. Kant verstand Philosophie als Dienst an der Mündigkeit, der weder Autoritätshörigkeit noch bloßer Skepsis das letzte Wort überlässt.

Als Gelehrter in Königsberg pflegte Kant eine disziplinierte Lebensführung, regelmäßige Lehrtätigkeit und eine Öffentlichkeitspraxis, die auf Klarheit und Verantwortlichkeit zielte. Seine Überzeugung, dass Forschung frei sein müsse, geriet zeitweise mit obrigkeitlichen Erwartungen in Konflikt, besonders bei religiösen Themen. Er hielt sich, solange eine entsprechende Anweisung galt, an das Verbot, dazu weiter zu publizieren, und verstand diese Zurückhaltung als bürgerlichen Gehorsam, nicht als Widerruf seiner Positionen. Insgesamt trat er für einen Modus der Aufklärung ein, der Gewissensfreiheit und Gesetzesachtung verbindet, und zeigte, wie kritisches Denken innerhalb legitimer Grenzen gesellschaftlich wirksam werden kann.

Letzte Jahre und Vermächtnis

In seinen späten Jahren arbeitete Kant trotz nachlassender Kräfte weiter an systematischen Fragen und an der Abrundung seines Denkens. Er starb 1804 in Königsberg und wurde am Dom der Stadt beigesetzt. Die bleibende Wirkung der drei Kritiken ist kaum zu überschätzen: Sie bilden Referenzpunkte für Erkenntnistheorie und Metaphysik, für deontologische Ethik, für Ästhetik und die Theorie der Zwecke in der Natur. Von idealistischen Systemen bis zu neukantianischen und analytischen Debatten dienten sie als Maßstab, Herausforderung und Inspirationsquelle. Die Trilogie steht als Monument intellektueller Selbstprüfung und als dauerhafte Einladung, Vernunft zu gebrauchen.

Historischer Kontext

Inhaltsverzeichnis

Immanuel Kant (1724–1804) wirkte in Königsberg, einer preußischen Universitäts- und Hafenstadt, und verfasste seine drei Kritiken in der Spätphase der europäischen Aufklärung. Die Kritik der reinen Vernunft erschien 1781, in zweiter Auflage 1787; die Kritik der praktischen Vernunft 1788; die Kritik der Urteilskraft 1790. Diese Jahre fielen in eine Epoche rasanter intellektueller Umlagerungen, in der traditionelle Metaphysik, neue Naturwissenschaften und aufkommende Debatten über Recht und Freiheit miteinander rangen. Kants Sammlung steht damit im Schnittpunkt dieser Bewegungen und reagiert auf die Frage, wie Erkenntnis, Moralität und Urteilskraft in einer sich modernisierenden Gesellschaft zu begründen seien.

Der intellektuelle Hintergrund war vom Gegensatz zwischen kontinentalem Rationalismus und britischem Empirismus geprägt. Leibniz und Wolff boten systematische Metaphysiken; Locke und besonders Hume stellten die Reichweite der Vernunft und den Status von Kausalität in Frage. Zugleich hatte Newtons Physik ein neues Ideal exakter Wissenschaft etabliert. Kant beschreibt seine Antwort als „kopernikanische Wende“, die die Bedingungen von Erfahrung in den Blick nimmt. Diese Programmatik bildet den philosophischen Rahmen der Sammlung und erklärt, warum Fragen nach der Möglichkeit von Erkenntnis, nach Autonomie der Moral und nach dem Status ästhetischer und teleologischer Urteile als zentrale Probleme der Zeit erscheinen.

Politisch stand Kants Lebenszeit im Zeichen des aufgeklärten Absolutismus Preußens. Unter Friedrich II. wurde die Förderung der Wissenschaften betrieben und eine vergleichsweise liberale Gelehrtenkultur begünstigt, auch wenn Zensur nicht abwesend war. Königsberg war Teil dieses Staatsgebildes und verfügte mit der Albertus-Universität über ein etabliertes Lehr- und Forschungszentrum. Diese Institutionen boten die Infrastruktur für philosophische Debatten, die über regionale Grenzen hinaus wirkten. In diesem Milieu entwickelte Kant seine kritische Philosophie, die nicht zuletzt auf die Vereinbarkeit von wissenschaftlicher Strenge und vernünftiger Selbstbestimmung zielte und damit eine Kernforderung der Aufklärung aufnahm.

Die Entstehung der Sammlung fällt in eine Phase expandierender Leseöffentlichkeiten. Periodika, Rezensenten und gelehrte Korrespondenzen bildeten ein europaweites Netzwerk, in dem philosophische Neuerungen rasch diskutiert wurden. Die Kritik der reinen Vernunft stieß 1781 auf ein geteiltes Echo, was Kant 1783 zu den erläuternden Prolegomena und 1787 zu einer überarbeiteten zweiten Auflage veranlasste. Der deutsche Buchmarkt mit Leihbibliotheken und Rezensionszeitschriften verbreitete die Debatten weit über Universitätszirkel hinaus. Diese Öffentlichkeit prägte nicht nur die Rezeption, sondern auch die Art, wie Kant seine Gedanken präzisierte und gegenüber Einwänden schärfte.

Zeitgleich veränderten politische Umbrüche den geistigen Horizont Europas. Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776 und die Französische Revolution ab 1789 entfachten Diskussionen über Freiheit, Bürgerschaft und rechtliche Ordnung. Selbst ohne direkten Bezug auf konkrete Ereignisse spiegeln die kritischen Untersuchungen eine Epoche, in der normative Begründungen auf neuer Grundlage verlangt wurden. Die Betonung von Gesetzmäßigkeit aus Vernunft und der Anspruch allgemeiner Geltung korrespondierten mit Debatten um die Legitimität politischer Institutionen. So entstand ein Resonanzraum, in dem Fragen der Moral und des Rechts theoretisch neu justiert wurden und philosophische Systeme besondere Aufmerksamkeit fanden.

Das Klima der späten 1780er Jahre war zugleich von religiöser Politik geprägt. Mit dem sogenannten Wöllnerschen Religionsedikt von 1788 verschärfte Friedrich Wilhelm II. die Aufsicht über Theologie und Philosophie. Kant wurde 1794 wegen seiner Schrift zur Religion offiziell ermahnt und sagte zu, sich während der Regierungszeit des Königs öffentlicher Äußerungen zu Religionsfragen zu enthalten. Diese Eingriffe zeigen, dass die Forderung nach freier öffentlicher Vernunft unter Druck stand. Vor diesem Hintergrund behielt die kritische Methode ihren Anspruch, Grenzen und Zuständigkeiten von Vernunft präzise zu bestimmen, ohne sich konfessionellen oder politischen Direktiven zu beugen.

Ein wichtiger Bezugspunkt war die Berliner Aufklärung um Publizisten wie Moses Mendelssohn. In der Berlinischen Monatsschrift erschien 1784 Kants vielzitiertes Bekenntnis zur Mündigkeit: die Beantwortung der Frage „Was ist Aufklärung?“. Der Gedanke des öffentlichen Gebrauchs der Vernunft beschrieb eine Praxis des argumentativen Streits in einer entstehenden Gelehrtenöffentlichkeit. Die Sammlung der Kritiken ist in diesen Kommunikationszusammenhang eingebettet: Sie liefert Prüfsteine, nach denen Erkenntnisansprüche, moralische Begründungen und Geschmacksurteile in einer pluralen Öffentlichkeit gerechtfertigt oder zurückgewiesen werden können. Damit reagiert sie auf eine konkrete, historisch gewachsene Infrastruktur der Diskussion.

Die moralphilosophische Debatte des 18. Jahrhunderts umfasste Naturrecht, aufklärerische Tugendlehre und die schottische Moralphilosophie. Pufendorf prägte den preußischen Kontext, während Autoren wie Hutcheson und Smith neue Analysen moralischer Gefühle boten. Zugleich wirkte Rousseaus Betonung von Freiheit und Selbstgesetzgebung auf Kant als intellektueller Anstoß. In dieser Konstellation gewinnt das Nachdenken über Pflicht und Autonomie Kontur. Die kritische Behandlung praktischer Vernunft reagiert auf die Frage, wie Normativität in einer säkularen, sich auf Vernunft berufenden Kultur zu rechtfertigen ist, und positioniert sich gegenüber sentimentalistischen und autoritativen Moralkonzepten der Epoche.

Naturforschung und Naturgeschichte trieben Debatten über Zweckmäßigkeit voran. Klassifikationen bei Linnaeus, spekulative Kosmologien und die Arbeiten Buffons schärften das Bewusstsein für Vielfalt und Gesetzmäßigkeit der Natur. In der Biologie diskutierte man Kräfte wie den von Johann Friedrich Blumenbach beschriebenen Bildungstrieb. Die kritische Auseinandersetzung mit Teleologie antwortet auf diese Lage, indem sie die Bedingungen reflektiert, unter denen von Zwecken in der Natur sinnvoll die Rede sein kann, ohne in dogmatische Metaphysik zurückzufallen. Damit wird ein Rahmen geschaffen, in dem wissenschaftliche Erklärung und regulative Orientierung zusammengebracht werden, wie es die naturkundliche Forschung verlangte.

Auch die Ästhetik erfuhr im 18. Jahrhundert eine institutionelle Konsolidierung. Alexander Gottlieb Baumgarten hatte den Begriff ‚Ästhetik‘ als eigenständige Disziplin eingeführt, und Lessings Laokoon von 1766 befeuerte die Diskussion über die Grenzen der Künste. In der Weimarer Klassik nahmen Goethe und Schiller ästhetische Fragen prominent auf; Schillers Briefe über die ästhetische Erziehung (1795) reflektieren erkennbar den kritischen Diskurs. Vor diesem Hintergrund verortet die Auseinandersetzung mit dem Geschmacksurteil künstlerische Erfahrung in einer gebildeten Öffentlichkeit, deren Urteile nicht bloß privat, sondern in Anspruch auf kommunikative Geltung vorgetragen werden.

Kants akademische Laufbahn an der Albertus-Universität zu Königsberg prägte die Ausrichtung auf Lehre und Systematik. Nach Jahren als Privatdozent wurde er 1770 zum Professor ernannt, zeitgleich mit seiner Inauguraldissertation. Die lokale Umgebung war von nüchterner Gelehrsamkeit und dem Austausch mit Zeitgenossen wie Johann Georg Hamann geprägt, dessen sprachkritische Einwände die Debatten färbten. Der Siebenjährige Krieg hatte das ostpreußische Leben in den 1750er Jahren beeinträchtigt; Universitäten blieben jedoch zentrale Orte der Kontinuität. In diesem gemischten Umfeld aus Stabilität und Störung reifte ein Werk, das nach dauerhaften Kriterien des Urteilens suchte.

Die frühe Rezeption wurde maßgeblich durch Karl Leonhard Reinhold vermittelt, dessen Briefe über die Kantische Philosophie ab 1786 in Wielands Teutschem Merkur erschienen. Jena entwickelte sich zu einem Knotenpunkt der Diskussion, an dem systematische Vereinfachungen und Weiterführungen der kritischen Grundsätze erprobt wurden. Aus diesem Diskussionsraum ging bald Fichte hervor, der die Idee der Autonomie radikalisierte. Die Sammlung gewann dadurch eine Rolle als Ausgangspunkt konkurrierender Programme, die dennoch an der Frage festhielten, wie Vernunft ihre eigenen Bedingungen aufklärt und begründet.

Zeitgleich entfalteten sich scharfe Einwände. Friedrich Heinrich Jacobi problematisierte im Zuge des Pantheismusstreits den Status vernünftiger Begründung und warf rationalen Systemen Konsequenzen wie Fatalismus vor. Salomon Maimon kritisierte die Bestimmbarkeit der Kategorien und verlangte strengere Ableitungen. Gottlob Ernst Schulze attackierte die transzendentale Deduktion und Kausalitätslehre in Aenesidemus (1792). Diese kritischen Interventionen zwangen die Anhänger zu Präzisierungen und leiteten Übergänge ein, aus denen sich der deutsche Idealismus entwickelte. Die Sammlung bildet in dieser Auseinandersetzung den Referenzrahmen, an dem Zustimmung und Widerspruch ihre Maßstäbe schärften.

Die naturwissenschaftlichen und mathematischen Entwicklungen des 19. Jahrhunderts veränderten die Deutung des kritischen Programms. Nicht-euklidische Geometrien und Riemanns Raumkonzeption stellten die Frage nach dem Status räumlicher Anschauung neu. Hermann von Helmholtz verband physiologische Forschung mit erkenntnistheoretischer Analyse und diskutierte die Erfahrungsabhängigkeit von Raum und Zeit. Solche Fortschritte führten nicht zur Aufgabe der Kritik, sondern motivierten Neuinterpretationen ihrer a priori-Ansprüche. Die Sammlung blieb dadurch ein Prüfstein für die Bestimmung des Verhältnisses zwischen formalen Strukturen, Erfahrung und wissenschaftlicher Methode in einer sich rasant spezialisierenden Wissenskultur.

Seit den 1860er Jahren konstituierte sich der Neukantianismus als einflussreiche philosophische Bewegung. Die Marburger Schule um Hermann Cohen und Paul Natorp betonte die erkenntnistheoretischen Bedingungen exakter Wissenschaft; die südwestdeutsche Schule um Wilhelm Windelband und Heinrich Rickert profilierte einen Wert- und Kulturbegriff, der auch die dritte Kritik neu las. Ernst Cassirer entwickelte darauf aufbauend eine Philosophie der symbolischen Formen. In diesem Umfeld wurde die Sammlung als methodisches Reservoir verstanden, das die Begründung von Naturwissenschaft, Kulturwissenschaft und normativer Geltung in einem einheitlichen kritischen Rahmen ermöglichen sollte.

Im 20. Jahrhundert wirkte die Sammlung in unterschiedliche Traditionen hinein. Edmund Husserl knüpfte an transzendentale Fragestellungen an; Martin Heidegger interpretierte Kant 1929 im Licht einer Fundamentalontologie. Logische Empiristen wie Hans Reichenbach setzten sich kritisch mit dem Apriori-Begriff auseinander. In der anglophonen Philosophie gewann eine kantianische Ethik durch Debatten um Deontologie und Autonomie neue Bedeutung; John Rawls’ Theorie der Gerechtigkeit (1971) erklärte eine solche Linie explizit. P. F. Strawson versuchte 1966, zentrale Einsichten über Strukturbedingungen der Erfahrung herauszulösen. So blieb die Sammlung ein Bezugspunkt systematischer Selbstverständigung.

Als Gesamtheit kommentiert die Sammlung die Moderne, indem sie Wissenschaft, Moralität und ästhetische Kultur jeweils aus der Perspektive ihrer Geltungsbedingungen betrachtet. Sie reagiert auf die Aufklärungspraxis öffentlicher Vernunft, die politischen Umbrüche um 1800 und die Institutionalisierung von Wissenschaften und Künsten. Spätere Deutungen zeigen, wie flexibel das kritische Instrumentarium auf neue Problemlagen anwendbar ist, ohne seinen Kernanspruch aufzugeben. Damit bietet die Sammlung einen historischen Spiegel ihrer Entstehungszeit und zugleich ein dauerhaftes Verfahren, in gesellschaftlichen Transformationen zwischen Beschreibung, Begründung und Kritik zu unterscheiden.

Synopsis (Auswahl)

Inhaltsverzeichnis

Kritik der reinen Vernunft

Die Abhandlung untersucht die Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis und grenzt die Reichweite der spekulativen Vernunft ab. Durch die Lehre von Anschauungsformen und Kategorien erklärt sie, wie Erfahrung möglich ist, und unterscheidet strikt zwischen Erscheinung und Ding an sich. Der Ton ist streng argumentativ und systematisch; im Zentrum steht die methodische Selbstkritik der Vernunft.

Kritik der praktischen Vernunft

Das Werk begründet moralische Autonomie im Vermögen der praktischen Vernunft und versteht das Sittengesetz als unbedingte Verpflichtung des Willens. Es verteidigt den Vorrang des Praktischen vor dem Theoretischen und führt Freiheit, Unsterblichkeit und Gott als notwendige Postulate des moralischen Bewusstseins ein. Der Ton ist normativ und konzentriert, mit Fokus auf innere Verpflichtung und die Möglichkeit moralischer Motivation.

Kritik der Urteilskraft

Diese Schrift vermittelt zwischen Natur und Freiheit, indem sie die reflektierende Urteilskraft als eigenes Vermögen analysiert. Sie entfaltet eine Theorie des ästhetischen Beurteilens (Schönes und Erhabenes) sowie eine teleologische Betrachtung der Natur, die Zweckmäßigkeit als heuristisches Ordnungsprinzip begreift. Der Ton ist vermittelnd und beispielorientiert; im Mittelpunkt steht die Möglichkeit eines einheitlichen Vernunfthorizonts.

Übergreifende Themen und Stil

Die drei Kritiken bilden eine architektonisch abgestimmte Einheit, die die Kräfte der Vernunft rechtfertigt und begrenzt. In der Abfolge von Erkenntnis, Moral und Urteil entsteht ein Programm, das Erfahrung, Handlungsnormen und die Vermittlung zwischen Naturgesetz und Freiheit koordiniert.

Wiederkehrende Themen sind Autonomie, Freiheit, Gesetz und Zweckmäßigkeit, verbunden mit der strengen Unterscheidung von Erscheinung und Sache an sich. Stilistisch dominieren präzise Begriffsarbeit, systematische Gliederung und eine kritische Methode, die die Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis, Moral und Beurteilung freilegt.

Kant: Kritik der praktischen Vernunft, Kritik der reinen Vernunft & Kritik der Urteilskraft

Hauptinhaltsverzeichnis
Kritik der reinen Vernunft
Kritik der praktischen Vernunft
Kritik der Urteilskraft

Kritik der reinen Vernunft

Inhaltsverzeichnis
Vorrede
Einleitung
I. Idee der Transzendental-Philosophie
II. Einteilung der Transzendental-Philosophie
I. Transzendentale Elementarlehre
Erster Teil Die transzendentale Ästhetik
Erster Abschnitt Von dem Raume
Zweiter Abschnitt Von der Zeit
Zweiter Teil Die transzendentale Logik
Einleitung Idee einer transzendentalen Logik
I. Von der Logik überhaupt
II. Von der transzendentalen Logik
III. Von der Einteilung der allgemeinen Logik in Analytik und Dialektik
IV. Von der Einteilung der transz. Logik in die transzendentale Analytik und Dialektik
Erste Abteilung Die transzendentale Analytik
Erstes Buch Die Analytik der Begriffe
Erstes Hauptstück Von dem Leitfaden der Entdeckung aller reinen Verstandesbegriffe
Erster Abschnitt Von dem logischen Verstandesgebrauche überhaupt
Zweiter Abschnitt Von der logischen Funktion des Verstandes in Urteilen
Dritter Abschnitt Von den reinen Verstandesbegriffen oder Kategorien
Zweites Hauptstück Von der Deduktion der reinen Verstandesbegriffe
Erster Abschnitt Von den Prinzipien einer transz. Deduktion überhaupt
Zweiter Abschnitt Von den Gründen a priori zur Möglichkeit der Erfahrung
Dritter Abschnitt Von dem Verhältnisse des Verstandes zu Gegenständen überhaupt und der Möglichkeit diese a priori zu erkennen
Zweites Buch Die Analytik der Grundsätze
Einleitung Von der transzendentalen Urteilskraft überhaupt
Erstes Hauptstück Von dem Schematismus der reinen Verstandesbegriffe
Zweites Hauptstück System aller Grundsätze des reinen Verstandes
Erster Abschnitt Von dem obersten Grundsatze aller analytischen Urteile
Zweiter Abschnitt Von dem obersten Grundsatze aller synthetischen Urteile
Dritter Abschnitt Systematische Vorstellung aller synthetischen Grundsätze desselben
Drittes Hauptstück Von dem Grunde der Unterscheidung aller Gegenstände überhaupt in Phaenomena und Noumena
Anhang Von der Amphibolie der Reflexionsbegriffe durch die Verwechslung des empirischen Verstandesgebrauchs mit dem transzendentalen
Zweite Abteilung Die transzendentale Dialektik
Einleitung
I Vom transzendentalen Schein
II Von der reinen Vernunft als dem Sitze des transzendentalen Scheins
A Von der Vernunft überhaupt
B Vom logischen Gebrauche der Vernunft
C Von dem reinen Gebrauche der Vernunft
Erstes Buch Von den Begriffen der reinen Vernunft
Erster Abschnitt Von den Ideen überhaupt
Zweiter Abschnitt Von den transzendentalen Ideen
Dritter Abschnitt System der transzendentalen Ideen
Zweites Buch Von den dialektischen Schlüssen der reinen Vernunft
Erstes Hauptstück Von den Paralogismen der reinen Vernunft
Erster Paralogism der Substantialität
Zweiter Paralogism der Simplizität
Dritter Paralogism der Personalität
Zweites Hauptstück Die Antinomie der reinen Vernunft
Erster Abschnitt System der kosmologischen Ideen
Zweiter Abschnitt Antithetik der reinen Vernunft
Dritter Abschnitt Von dem Interesse der Vernunft bei diesem ihrem Widerstreite
Vierter Abschnitt Von den Transzendentalen Aufgaben der reinen Vernunft, insofern sie schlechterdings müssen aufgelöst werden können
Fünfter Abschnitt Skeptische Vorstellung der kosmologischen Fragen durch alle vier transzendentalen Ideen
Sechster Abschnitt Der transzendentale Idealism als der Schlüssel zu Auflösung der kosmologischen Dialektik
Siebenter Abschnitt Kritische Entscheidung des kosmologischen Streits der Vernunft mit sich selbst
Achter Abschnitt Regulatives Prinzip der reinen Vernunft in Ansehung der kosmologischen Ideen
Neunter Abschnitt Von dem empirischen Gebrauche des regulativen Prinzips der Vernunft, in Ansehung aller kosmologischen Ideen
Drittes Hauptstück Das Ideal der reinen Vernunft
Erster Abschnitt Von dem Ideal überhaupt
Zweiter Abschnitt Von dem transzendentalen Ideal (Prototypon transzendentale)
Dritter Abschnitt Von den Beweisgründen der spekulativen Vernunft, auf das Dasein eines höchsten Wesens zu schließen
Vierter Abschnitt Von der Unmöglichkeit eines ontologischen Beweises vom Dasein Gottes
Fünfter Abschnitt Von der Unmöglichkeit eines kosmologischen Beweises vom Dasein Gottes
Sechster Abschnitt Von der Unmöglichkeit des physikotheologischen Beweises
Siebenter Abschnitt Kritik aller Theologie aus spekulativen Prinzipien der Vernunft
Anhang zur transzendentalen Dialektik
II. Transzendentale Methodenlehre
Erstes Hauptstück Die Disziplin der reinen Vernunft
Erster Abschnitt Die Disziplin der reinen Vernunft im dogmatischen Gebrauche
Zweiter Abschnitt Die Disziplin der reinen Vernunft in Ansehung ihres polemischen Gebrauchs
Dritter Abschnitt Die Disziplin der reinen Vernunft in Ansehung der Hypothesen
Vierter Abschnitt Die Disziplin der reinen Vernunft in Ansehung ihrer Beweise
Zweites Hauptstück Der Kanon der reinen Vernunft
Erster Abschnitt Von dem letzten Zwecke des reinen Gebrauchs unserer Vernunft
Zweiter Abschnitt Von dem Ideal des höchsten Guts, als einem Bestimmungsgrunde des letzten Zwecks der reinen Vernunft
Dritter Abschnitt Vom Meinen, Wissen und Glauben
Drittes Hauptstück Die Architektonik der reinen Vernunft
Viertes Hauptstück Die Geschichte der reinen Vernunft
Viertes Hauptstück Die Geschichte der reinen Vernunft
Sr. Exzellenz, dem Königl. Staatsminister
Freiherrn von Zedlitz

Gnädiger Herr!

Den Wachstum der Wissenschaften an seinem Teile befördern, heißt an Ew. Exzellenz eigenem Interesse arbeiten; denn dieses ist mit jenen, nicht bloß durch den erhabenen Posten eines Beschützers, sondern durch das viel vertrautere eines Liebhabers und erleuchteten Kenners, innigst verbunden. Deswegen bediene ich mich auch des einigen Mittels, das gewissermaßen in meinem Vermögen ist, meine Dankbarkeit für das gnädige Zutrauen zu bezeigen, womit Ew. Exzellenz mich beehren, als könnte ich zu dieser Absicht etwas beitragen.

Wen das spekulative Leben vergnügt, dem ist, unter mäßigen Wünschen, der Beifall eines aufgeklärten, gültigen Richters eine kräftige Aufmunterung zu Bemühungen, deren Nutzen groß, obzwar entfernt ist, und daher von gemeinen Augen gänzlich verkannt wird.

Einem Solchen und Dessen gnädigem Augenmerke widme ich nun diese Schrift und, Seinem Schutze, alle übrige Angelegenheit meiner literarischen Bestimmung, und bin mit der tiefsten Verehrung

Ew. Exzellenz untertänig gehorsamster Diener

Königsberg den 29sten März 1781

Immanuel Kant.

Vorrede

Inhaltsverzeichnis

Die menschliche Vernunft hat das besondere Schicksal in einer Gattung ihrer Erkenntnisse: daß sie durch Fragen belästigt wird, die sie nicht abweisen kann; denn sie sind ihr durch die Natur der Vernunft selbst aufgegeben, die sie aber auch nicht beantworten kann; denn sie übersteigen alles Vermögen der menschlichen Vernunft.

In diese Verlegenheit gerät sie ohne ihre Schuld. Sie fängt von Grundsätzen an, deren Gebrauch im Laufe der Erfahrung unvermeidlich und zugleich durch diese hinreichend bewährt ist. Mit diesem steigt sie (wie es auch ihre Natur mit sich bringt) immer höher, zu entfernteren Bedingungen. Da sie aber gewahr wird, daß auf diese Art ihr Geschäft jederzeit unvollendet bleiben müsse, weil die Fragen niemals aufhören, so sieht sie sich genötigt, zu Grundsätzen ihre Zuflucht zu nehmen, die allen möglichen Erfahrungsgebrauch überschreiten und gleichwohl so unverdächtig scheinen, daß auch die gemeine Menschenvernunft damit im Einverständnisse steht. Dadurch aber stürzt sie sich in Dunkelheit und Widersprüche, aus welchen sie zwar abnehmen kann, daß irgendwo verborgene Irrtümer zum Grunde liegen müssen, die sie aber nicht entdecken kann, weil die Grundsätze, deren die sich bedient, da sie über die Grenze aller Erfahrung hinausgehen, keinen Probierstein der Erfahrung mehr anerkennen. Der Kampfplatz dieser endlosen Streitigkeiten heißt nun Metaphysik.

Es war eine Zeit, in welcher sie die Königin aller Wissenschaften genannt wurde, und wenn man den Willen für die Tat nimmt, so verdiente sie, wegen der vorzüglichen Wichtigkeit ihres Gegenstandes, allerdings diesen Ehrennamen. Jetzt bringt es der Modeton des Zeitalters so mit sich, ihre alle Verachtung zu beweisen und die Matrone klagt, verstoßen und verlassen, wie Hecuba: modo maxima rerum, tot generis natisque potens – nunc trahor exul, inops – Ovid. Metam.

Anfänglich war ihre Herrschaft unter der Verwaltung der Dogmatiker, despotisch. Allein, weil die Gesetzgebung noch die Spur der alten Barbarei an sich hatte, so artete sie durch innere Kriege nach und nach in völlige Anarchie aus und die Skeptiker, eine Art Nomaden, die allen beständigen Anbau des Bodens verabscheuen, zertrennten von Zeit zu Zeit die bürgerliche Vereinigung. Da ihrer aber zum Glück nur wenige waren, so konnten sie nicht hindern, daß jene sie nicht immer aufs neue, obgleich nach keinem unter sich einstimmigen Plane, wieder anzubauen versuchten. In neueren Zeiten schien es zwar einmal, als sollte allen diesen Streitigkeiten durch eine gewisse Physiologie des menschlichen Verstandes (von dem berühmten Locke) ein Ende gemacht und die Rechtmäßigkeit jener Ansprüche völlig entschieden werden; es fand sich aber, daß, obgleich die Geburt jener vorgegebenen Königin aus dem Pöbel der gemeinen Erfahrung abgeleitet wurde und dadurch ihre Anmaßung mit Recht hätte verdächtig werden müssen, dennoch, weil diese Genealogie ihr in der Tat fälschlich angedichtet war, sie ihre Ansprüche noch immer behauptete, wodurch alles wiederum in den veralteten wurmstichigen Dogmatismus und daraus in die Geringschätzung verfiel, daraus man die Wissenschaft hatte ziehen wollen. Jetzt, nachdem alle Wege (wie man sich überredet) vergeblich versucht sind, herrscht Überdruß und gänzlicher Indifferentismus, die Mutter des Chaos und der Nacht, in Wissenschaften, aber doch zugleich der Ursprung, wenigstens das Vorspiel einer nahen Umschaffung und Aufklärung derselben, wenn sie durch übel angebrachten Fleiß dunkel, verwirrt und unbrauchbar geworden.

Es ist nämlich umsonst, Gleichgültigkeit in Ansehung solcher Nachforschungen erkünsteln zu wollen, deren Gegenstand der menschlichen Natur nicht gleichgültig sein kann. Auch fallen jene vorgeblichen Indifferentisten, so sehr sie sich auch durch die Veränderung der Schulsprache in einem populären Tone unkenntlich zu machen gedenken, wofern sie nur überall etwas denken, in metaphysische Behauptungen unvermeidlich zurück, gegen die sie doch so viel Verachtung vorgaben. Indessen ist diese Gleichgültigkeit, die sich mitten in dem Flor aller Wissenschaften ereignet und gerade diejenigen trifft, auf deren Kenntnisse, wenn dergleichen zu haben wären, man unter allen am wenigsten Verzicht tun würde, doch ein Phänomen, das Aufmerksamkeit und Nachsinnen verdient. Sie ist offenbar die Wirkung nicht des Leichtsinns, sondern der gereiften Urteilskraft1 des Zeitalters, welches sich nicht länger durch Scheinwissen hinhalten läßt und eine Aufforderung an die Vernunft, das beschwerlichste aller ihrer Geschäfte, nämlich das der Selbsterkenntnis aufs neue zu übernehmen und einen Gerichtshof einzusetzen, der sie bei ihren gerechten Ansprüchen sichere, dagegen aber alle grundlosen Anmaßungen, nicht durch Machtsprüche, sondern nach ihren ewigen und unwandelbaren Gesetzen, abfertigen könne, und dieser ist kein anderer als die Kritik der reinen Vernunft selbst.

Ich verstehe aber hierunter nicht eine Kritik der Bücher und Systeme, sondern die des Vernunftvermögens überhaupt, in Ansehung aller Erkenntnisse, zu denen sie, unabhängig von aller Erfahrung, streben mag, mithin die Entscheidung der Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer Metaphysik überhaupt und die Bestimmung sowohl der Quellen, als des Umfanges und der Grenzen derselben, alles aber aus Prinzipien.

Diesen Weg, den einzigen, der übrig gelassen war, bin ich nun eingeschlagen und schmeichle mir, auf demselben die Abstellung aller Irrungen angetroffen zu haben, die bisher die Vernunft im erfahrungsfreien Gebrauche mit sich selbst entzweit hatten. Ich bin ihren Fragen nicht dadurch etwa ausgewichen, daß ich mich mit dem Unvermögen der menschlichen Vernunft entschuldigte; sondern ich habe sie nach Prinzipien vollständig spezifiziert und, nachdem ich den Punkt des Mißverstandes der Vernunft mit ihr selbst entdeckt hatte, sie zu ihrer völligen Befriedigung aufgelöst. Zwar ist die Beantwortung jener Fragen gar nicht so ausgefallen, als dogmatisch schwärmende Wißbegierde erwarten mochte; denn die könnte nicht anders als durch Zauberkräfte, darauf ich mich nicht verstehe, befriedigt werden. Allein, das war auch wohl nicht die Absicht der Naturbestimmung unserer Vernunft; und die Pflicht der Philosophie war: das Blendwerk, das aus Mißdeutung entsprang, aufzuheben, sollte auch noch soviel gepriesener und beliebter Wahn dabei zu nichte gehen. In dieser Beschäftigung habe ich Ausführlichkeit mein großes Augenmerk sein lassen und ich erkühne mich zu sagen, daß nicht eine einzige metaphysische Aufgabe sein müsse, die hier nicht aufgelöst, oder zu deren Auflösung nicht wenigstens der Schlüssel dargereicht worden. In der Tat ist auch reine Vernunft eine so vollkommene Einheit: daß, wenn das Prinzip derselben auch nur zu einer einzigen aller der Fragen, die ihr durch ihre eigene Natur aufgegeben sind, unzureichend wäre, man dieses immerhin nur wegwerfen könnte, weil es alsdann auch keiner der übrigen mit völliger Zuverlässigkeit gewachsen sein würde.

Ich glaube, indem ich dieses sage, in dem Gesichte des Lesers einen mit Verachtung gemischten Unwillen über, dem Anscheine nach, so ruhmredige und unbescheidene Ansprüche wahrzunehmen, und gleichwohl sind sie ohne Vergleichung gemäßigter, als die, eines jeden Verfassers des gemeinsten Programms, der darin etwa die einfache Natur der Seele, oder die Notwendigkeit eines ersten Weltanfanges zu beweisen vorgibt. Denn dieser macht sich anheischig, die menschliche Erkenntnis über alle Grenzen möglicher Erfahrung hinaus zu erweitern, wovon ich demütig gestehe: daß dieses mein Vermögen gänzlich übersteige, an dessen Statt ich es lediglich mit der Vernunft selbst und ihrem reinen Denken zu tun habe, nach deren ausführlicher Kenntnis ich nicht weit um mich suchen darf, weil ich sie in mir selbst antreffe und wovon mir auch schon die gemeine Logik ein Beispiel gibt, daß sich alle ihre einfachen Handlungen völlig und systematisch aufzählen lassen; nur daß hier die Frage aufgeworfen wird, wieviel ich mit derselben, wenn mir aller Stoff und Beistand der Erfahrung genommen wird, etwa auszurichten hoffen dürfe.

So viel von der Vollständigkeit in Erreichung eines jeden, und der Ausführlichkeit in Erreichung aller Zwecke zusammen, die nicht ein beliebiger Vorsatz, sondern die Natur der Erkenntnis selbst uns aufgibt, als der Materie unserer kritischen Untersuchung.

Noch sind Gewißheit und Deutlichkeit zwei Stücke, die die Form derselben betreffen, als wesentliche Forderungen anzusehen, die man an den Verfasser, der sich an eine so schlüpfrige Unternehmung wagt, mit Recht tun kann.

Was nun die Gewißheit betrifft, so habe ich mir selbst das Urteil gesprochen: daß es in dieser Art von Betrachtungen auf keine Weise erlaubt sei, zu meinen und daß alles, was darin einer Hypothese nur ähnlich sieht, verbotene Ware sei, die auch nicht für den geringsten Preis feil stehen darf, sondern sobald sie entdeckt wird, beschlagen werden muß. Denn das kündigt eine jede Erkenntnis, die a priori feststehen soll, selbst an, daß sie für schlechthin notwendig gehalten werden will, und eine Bestimmung aller reinen Erkenntnisse a priori noch vielmehr, die das Richtmaß, mithin selbst das Beispiel aller apodiktischen (philosophischen) Gewißheit sein soll. Ob ich nun das, wozu ich mich anheischig mache in diesem Stücke geleistet habe, das bleibt gänzlich dem Urteile des Lesers anheimgestellt, weil es dem Verfasser nur geziemt, Gründe vorzulegen, nicht aber über die Wirkung derselben bei seinen Richtern zu urteilen. Damit aber nicht etwas unschuldigerweise an der Schwächung derselben Ursache sei, so mag es ihm wohl erlaubt sein, diejenigen Stellen, die zu einigem Mißtrauen Anlaß geben könnten, ob sie gleich nur den Nebenzweck angehen, selbst anzumerken, um den Einfluß, den auch nur die mindeste Bedenklichkeit des Lesers in diesem Punkte auf sein Urteil, in Ansehung des Hauptzwecks, haben möchte, beizeiten abzuhalten.

Ich kenne keine Untersuchungen, die zur Ergründung des Vermögens, welches wir Verstand nennen, und zugleich zur Bestimmung der Regeln und Grenzen seines Gebrauchs, wichtiger wären, als die, welche ich in dem zweiten Hauptstücke der transszendentalen Analytik, unter dem Titel der Deduktion der reinen Verstandesbegriffe, angestellt habe; auch haben sie mir die meiste, aber, wie ich hoffe, nicht unvergoltene Mühe, gekostet. Diese Betrachtung, die etwas tief angelegt ist, hat aber zwei Seiten. Die eine bezieht sich auf die Gegenstände des reinen Verstandes, und soll die objektive Gültigkeit seiner Begriffe a priori dartun und begreiflich machen; eben darum ist sie auch wesentlich zu meinen Zwecken gehörig. Die andere geht darauf aus, den reinen Verstand selbst, nach seiner Möglichkeit und den Erkenntniskräften, auf denen er selbst beruht, mithin ihn in subjektiver Beziehung zu betrachten und, obgleich diese Erörterung in Ansehung meiner Hauptzwecks von großer Wichtigkeit ist, so gehört sie doch nicht wesentlich zu demselben; weil die Hauptfrage immer bleibt, was und wie viel kann Verstand und Vernunft, frei von aller Erfahrung, erkennen und nicht, wie ist das Vermögen zu denken selbst möglich? Da das letztere gleichsam eine Aufsuchung der Ursache zu einer gegebenen Wirkung ist, und insofern etwas einer Hypothese Ähnliches an sich hat, (ob es gleich, wie ich bei anderer Gelegenheit zeigen werde, sich in der Tat nicht so verhält), so scheint es, als sei hier der Fall, da ich mir die Erlaubnis nehme, zu meinen, und dem Leser also auch freistehen müsse, anders zu meinen. In Betracht dessen muß ich dem Leser mit der Erinnerung zuvorkommen; daß, im Fall meine subjektive Deduktion nicht die ganze Überzeugung, die ich erwarte, bei ihm gewirkt hätte, doch die objektive, um die es mir hier vornehmlich zu tun ist, ihre ganze Stärke bekomme, wozu allenfalls dasjenige, was Seite 92 bis 93 gesagt wird, allein hinreichend, sein kann.

Was endlich die Deutlichkeit betrifft, so hat der Leser ein Recht, zuerst die diskursive (logische) Deutlichkeit, durch Begriffe, dann aber auch eine intuitive (ästhetische) Deutlichkeit, durch Anschauungen, d. i. Beispiele oder andere Erläuterungen in concreto zu fordern. Für die erste habe ich hinreichend gesorgt. Das betraf das Wesen meines Vorhabens, war aber auch die zufällige Ursache, daß ich der zweiten, obzwar nicht so strengen, aber doch billigen Forderung nicht habe Genüge leisten können. Ich bin fast beständig im Fortgange meiner Arbeit unschlüssig gewesen, wie ich es hiermit halten sollte. Beispiele und Erläuterungen schienen mir immer nötig und flossen daher auch wirklich im ersten Entwurfe an ihren Stellen gehörig ein. Ich sah aber die Größe meiner Aufgabe und die Menge der Gegenstände, womit ich es zu tun haben würde, gar bald ein und, da ich gewahr ward, daß diese ganz allein, im trockenen, bloß scholastischen Vortrage, das Werk schon genug ausdehnen würden, so fand ich es unratsam, es durch Beispiele und Erläuterungen, die nur in populärer Absicht notwendig sind, noch mehr anzuschwellen, zumal diese Arbeit keineswegs dem populären Gebrauche angemessen werden könnte und die eigentlichen Kenner der Wissenschaft diese Erleichterung nicht so nötig haben, ob sie zwar jederzeit angenehm ist, hier aber sogar etwas Zweckwidriges nach sich ziehen konnte. Abt Terrasson sagt zwar: wenn man die Größe eines Buchs nicht nach der Zahl der Blätter, sondern nach der Zeit mißt, die man nötig hat, es zu verstehen, so könne man von manchem Buche sagen: daß es viel kürzer sein würde, wenn es nicht so kurz wäre. Andererseits aber, wenn man auf die Faßlichkeit eines weitläufigen, dennoch aber in einem Prinzip zusammenhängenden Ganzen spekulativer Erkenntnis seine Absicht richtet, könnte man mit eben so gutem Rechte sagen: manches Buch wäre viel deutlicher geworden, wenn es nicht so gar deutlich hätte werden sollen. Denn die Hülfsmittel der Deutlichkeit fehlen zwar in Teilen, zerstreuen aber öfters im Ganzen, indem sie den Leser nicht schnell genug zur Überschauung des Ganzen gelangen lassen und durch alle ihre hellen Farben gleichwohl die Artikulation, oder den Gliederbau des Systems verkleben und unkenntlich machen, auf den es doch, um über die Einheit und Tüchtigkeit desselben urteilen zu können, am meisten ankommt.

Es kann, wie mich dünkt, dem Leser zu nicht geringer Anlockung dienen, seine Bemühung mit der des Verfassers, zu vereinigen, wenn er die Aussicht hat, ein großes und wichtiges Werk, nach dem vorgelegten Entwurfe, ganz und doch dauerhaft zu vollführen. Nun ist Metaphysik, nach den Begriffen, die wir hier davon geben werden, die einzige aller Wissenschaften, die sich eine solche Vollendung und zwar in kurzer Zeit, und mit nur weniger, aber vereinigter Bemühung, versprechen darf, so daß nichts für die Nachkommenschaft übrig bleibt, als in der didaktischen Manier alles nach ihren Absichten einzurichten, ohne darum den Inhalt im mindesten vermehren zu können. Denn es ist nichts als das Inventarium aller unserer Besitze durch reine Vernunft, systematisch geordnet. Es kann uns hier nichts entgehen, weil, was Vernunft gänzlich aus sich selbst hervorbringt, sich nicht verstecken kann, sondern selbst durch Vernunft ans Licht gebracht wird, sobald man nur das gemeinschaftliche Prinzip desselben entdeckt hat. Die vollkommene Einheit dieser Art Erkenntnisse, und zwar aus lauter reinen Begriffen, ohne daß irgend etwas von Erfahrung, oder auch nur besondere Anschauung, die zur bestimmten Erfahrung leiten sollte, auf sie einigen Einfluß haben kann, sie zu erweitern und zu vermehren, machen diese unbedingte Vollständigkeit nicht allein tunlich, sondern auch notwendig. Tecum habita et noris, quam sit tibi curta supellex. Persius.

Ein solches System der reinen (spekulativen) Vernunft hoffe ich unter dem Titel: Metaphysik der Natur, selbst zu liefern, welches, bei noch nicht der Hälfte der Weitläufigkeit, dennoch ungleich reicheren Inhalt haben soll, als hier die Kritik, die zuvörderst die Qellen und Bedingungen ihrer Möglichkeit darlegen mußte, und einen ganz verwachsenen Boden zu reinigen und zu ebnen nötig hatte. Hier erwarte ich an meinem Leser die Geduld und Unparteilichkeit eines Richters, dort aber die Willfähigkeit und den Beistand eines Mithelfers; denn, so vollständig auch alle Prinzipien zu dem System in der Kritik vorgetragen sind, so gehört zur Ausführlichkeit des Systems selbst doch noch, daß es auch an keinen abgeleiteten Begriffen mangle, die man a priori nicht in Überschlag bringen kann, sondern die nach und nach aufgesucht werden müssen, imgleichen, da dort die ganze Synthesis der Begriffe erschöpft wurde, so wird überdem hier gefordert, daß eben dasselbe auch in Ansehung der Analysis geschehe, welches alles leicht und mehr Unterhaltung als Arbeit ist.

Ich habe nur noch einiges in Ansehung des Drucks anzumerken. Da der Anfang desselben etwas verspätet war, so konnte ich nur etwa die Hälfte der Aushängebogen zu sehen bekommen, in denen ich zwar einige, den Sinn aber nicht verwirrende Druckfehler antreffe, außer demjenigen, der S. 379, Zeile 4 von unten vorkommt, da spezifisch anstatt skeptisch gelesen werden muß. Die Antinomie der reinen Vernunft, von Seite 425 bis 461, ist so, nach Art einer Tafel, angestellt, daß alles, was zur Thesis gehört, auf der linken, was aber zur Antithesis gehört, auf der rechten Seite immer fortläuft, welches ich darum so anordnete, damit Satz und Gegensatz desto leichter miteinander verglichen werden könnte.

1 Man hört hin und wieder Klagen über Seichtigkeit der Denkungsart unserer Zeit und den Verfall gründlicher Wissenschaft. Allein ich sehe nicht, daß die, deren Grund gut gelegt ist, als Mathematik, Naturlehre usw. diesen Vorwurf im mindesten verdienen, sondern vielmehr den alten Ruhm der Gründlichkeit behaupten, in der letzteren aber sogar übertreffen. Eben derselbe Geist würde sich nun auch in anderen Arten von Erkenntnis wirksam beweisen, wäre nur allererst für die Berichtigung ihrer Prinzipien gesorgt worden. In Ermanglung derselben sind Gleichgültigkeit und Zweifel und endlich, strenge Kritik, vielmehr Beweise einer gründlichen Denkungsart. Unser Zeitalter ist das eigentliche Zeitalter der Kritik, der sich alles unterwerfen muß. Religion, durch ihre Heiligkeit, und Gesetzgebung durch ihre Majestät, wollen sich gemeiniglich derselben entziehen. Aber alsdann erregen sie gerechten Verdacht wider sich und können auf unverstellte Achtung nicht Anspruch machen, die die Vernunft nur demjenigen bewilligt, was ihre freie und öffentliche Prüfung hat aushalten können.

Einleitung

Inhaltsverzeichnis

I. Idee der Transzendental-Philosophie

Inhaltsverzeichnis

Erfahrung ist ohne Zweifel das erste Produkt, welches unser Verstand hervorbringt, indem er den rohen Stoff sinnlicher Empfindungen bearbeitet. Sie ist eben dadurch die erste Belehrung und im Fortgange so unerschöpflich an neuem Unterricht, daß das zusammengekettete Leben aller künftigen Zeugungen an neuen Kenntnissen, die auf diesem Boden gesammelt werden können, niemals Mangel haben wird. Gleichwohl ist sie bei weitem nicht das einzige Feld, darin sich unser Verstand einschränken läßt. Sie sagt uns zwar, was da sei, aber nicht, daß es notwendigerweise, so und nicht anders, sein müsse. Eben darum gibt sie uns auch keine wahre Allgemeinheit, und die Vernunft, welche nach dieser Art von Erkenntnissen so begierig ist, wird durch sie mehr gereizt, als befriedigt. Solche allgemeine Erkenntnisse nun, die zugleich den Charakter der innern Notwendigkeit haben, müssen, von der Erfahrung unabhängig, vor sich selbst klar und gewiß sein; man nennt sie daher Erkenntnisse a priori: da im Gegenteil das, was lediglich von der Erfahrung erborgt ist, wie man sich ausdrückt, nur a posteriori, oder empirisch erkannt wird.

Nun zeigt es sich, welches überaus merkwürdig ist, daß selbst unter unsere Erfahrungen sich Erkenntnisse mengen, die ihren Ursprung a priori haben müssen und die vielleicht nur dazu dienen, um unsern Vorstellungen der Sinne Zusammenhang zu verschaffen. Denn wenn man aus den ersteren auch alles wegschafft, was den Sinnen angehört, so bleiben dennoch gewisse ursprüngliche Begriffe und aus ihnen erzeugte Urteile übrig, die gänzlich a priori, unabhängig von der Erfahrung entstanden sein müssen, weil sie machen, daß man von den Gegenständen, die den Sinnen erscheinen, mehr sagen kann, wenigstens es sagen zu können glaubt, als bloße Erfahrung lehren würde, und daß Behauptungen wahre Allgemeinheit und strenge Notwendigkeit enthalten, dergleichen die bloß empirische Erkenntnis nicht liefern kann.

Was aber noch weit mehr sagen will ist dieses, daß gewisse Erkenntnisse sogar das Feld aller möglichen Erfahrungen verlassen, und durch Begriffe, denen überall kein entsprechender Gegenstand in der Erfahrung gegeben werden kann, den Umfang unserer Urteile über alle Grenzen derselben zu erweitern den Anschein haben.

Und gerade in diesen letzteren Erkenntnissen, welche über die Sinnenwelt hinausgehen, wo Erfahrung gar keinen Leitfaden noch Berichtigung geben kann, liegen die Nachforschungen unserer Vernunft die wir der Wichtigkeit nach für weit vorzüglicher, und ihre Endabsicht für viel erhabener halten, als alles, was der Verstand im Felde der Erscheinungen lernen kann, wobei wir, sogar auf die Gefahr zu irren, eher alles wagen, als daß wir so angelegene Untersuchungen aus irgendeinem Grunde der Bedenklichkeit, oder aus Geringschätzung und Gleichgültigkeit aufgeben sollten.

Nun scheint es zwar natürlich, daß, sobald man den Boden der Erfahrung verlassen hat, man doch nicht mit Erkenntnissen, die man besitzt, ohne zu wissen woher, und auf den Kredit der Grundsätze, deren Ursprung man nicht kennt, sofort ein Gebäude errichten werde, ohne der Grundlegung desselben durch sorgfältige Untersuchungen vorher versichert zu sein, daß man also die Frage vorlängst werde aufgeworfen haben, wie denn der Verstand zu allen diesen Erkenntnissen a priori kommen könne, und welchen Umfang, Gültigkeit und Wert sie haben mögen. In der Tat ist auch nichts natürlicher, wenn man unter diesem Wort das versteht, was billiger- und vernünftigerweise geschehen sollte; versteht man aber darunter das, was gewöhnlichermaßen geschieht, so ist hinwiederum nichts natürlicher und begreiflicher, als daß diese Untersuchung lange Zeit unterbleiben mußte. Denn ein Teil dieser Erkenntnisse, die mathematischen, ist im alten Besitze der Zuverlässigkeit, und gibt dadurch eine günstige Erwartung auch für andere, ob diese gleich von ganz verschiedener Natur sein mögen. Überdem, wenn man über den Kreis der Erfahrung hinaus ist, so ist man sicher, durch Erfahrung nicht widersprochen zu werden. Der Reiz, seine Erkenntnisse zu erweitern, ist so groß, daß man nur durch einen klaren Widerspruch, auf den man stößt, in seinem Fortschritte aufgehalten werden kann. Dieser aber kann vermieden werden, wenn man seine Erdichtungen behutsam macht, ohne daß sie deswegen weniger Erdichtungen bleiben. Die Mathematik gibt uns ein glänzendes Beispiel, wie weit wir es unabhängig von der Erfahrung in der Erkenntnis a priori bringen können. Nun beschäftigt sie sich zwar mit Gegenständen und Erkenntnissen, bloß so weit als sich solche in der Anschauung darstellen lassen. Aber dieser Umstand wird leicht übersehen, weil gedachte Anschauung selbst a priori gegeben werden kann, mithin von einem bloßen reinen Begriff kaum unterschieden wird. Durch einen solchen Beweis von der Macht der Vernunft aufgemuntert, sieht der Trieb zur Erweiterung keine Grenzen. Die leichte Taube, indem sie im freien Fluge die Luft teilt, deren Widerstand sie fühlt, könnte die Vorstellung fassen, daß es ihr im luftleeren Raum noch viel besser gelingen werde. Ebenso verließ Plato die Sinnenwelt, weil sie dem Verstande so vielfältige Hindernisse legt, und wagte sich jenseit derselben auf den Flügeln der Ideen, in den leeren Raum des reinen Verstandes. Er bemerkte nicht, daß er durch seine Bemühungen keinen Weg gewönne, denn er hatte keinen Widerhalt, gleichsam zur Unterlage, worauf er sich steifen, und woran er seine Kräfte anwenden konnte, um den Verstand von der Stelle zu bringen. Es ist aber ein gewöhnliches Schicksal der menschlichen Vernunft in der Spekulation ihr Gebäude so früh, wie möglich, fertigzumachen, und hintennach allererst zu untersuchen, ob auch der Grund dazu gut gelegt sei. Alsdann aber werden allerlei Beschönigungen herbeigesucht, um uns wegen dessen Tüchtigkeit zu trösten, oder eine solche späte und gefährliche Prüfung abzuweisen. Was uns aber während dem Bauen von aller Besorgnis und Verdacht freihält, und mit scheinbarer Gründlichkeit schmeichelt, ist dieses. Ein großer Teil, und vielleicht der größte, von dem Geschäfte unserer Vernunft besteht in Zergliederungen der Begriffe, die wir schon von Gegenständen haben. Dieses liefert uns eine Menge von Erkenntnissen, die, ob sie gleich nichts weiter als Aufklärungen oder Erläuterungen desjenigen sind, was in unsern Begriffen, (wiewohl noch auf verworrene Art) schon gedacht worden, doch wenigstens der Form nach neuen Einsichten gleich geschätzt werden, wiewohl sie der Materie oder dem Inhalte nach die Begriffe, die wir haben, nicht erweitern, sondern nur auseinander setzen. Da dieses Verfahren nun eine wirkliche Erkenntnis a priori gibt, die einen sichern und nützlichen Fortgang hat, so erschleicht die Vernunft, ohne es selbst zu merken, unter dieser Vorspiegelung Behauptungen von ganz anderer Art, wo die Vernunft zu gegebenen Begriffen a priori ganz fremde hinzutut, ohne daß man weiß, wie sie dazu gelangen und ohne sich diese Frage auch nur in die Gedanken kommen zu lassen. Ich will daher gleich anfangs von dem Unterschiede dieser zweifachen Erkenntnisart handeln.

Von dem Unterschiede analytischer und synthetischer Urteile

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In allen Urteilen, worinnen das Verhältnis eines Subjekts zum Prädikat gedacht wird, (wenn ich nur die bejahenden erwäge: denn auf die verneinenden ist die Anwendung leicht) ist dieses Verhältnis auf zweierlei Art möglich. Entweder das Prädikat B gehört zum Subjekt A als etwas, was in diesem Begriffe A (versteckterweise) enthalten ist; oder B liegt ganz außer dem Begriff A, ob es zwar mit demselben in Verknüpfung steht. Im ersten Fall nenne ich das Urteil analytisch, im andern synthetisch. Analytische Urteile (die bejahenden) sind also diejenigen, in welchen die Verknüpfung des Prädikats mit dem Subjekt durch Identität, diejenigen aber, in denen diese Verknüpfung ohne Identität gedacht wird, sollen synthetische Urteile heißen. Die ersteren könnte man auch Erläuterungs-, die anderen Erweiterungs-Urteile heißen, weil jene durch das Prädikat nichts zum Begriff des Subjekts hinzutun, sondern diesen nur durch Zergliederung in seine Teilbegriffe zerfällen, die in selbigen schon, (obschon verworren) gedacht waren: dahingegen die letzteren zu dem Begriffe des Subjekts ein Prädikat hinzutun, welches in jenem gar nicht gedacht war, und durch keine Zergliederung desselben hätte können herausgezogen werden, z. B. wenn ich sage: alle Körper sind ausgedehnt, so ist dies ein analytisch Urteil. Denn ich darf nicht aus dem Begriffe, den ich mit dem Wort Körper verbinde, hinausgehen, um die Ausdehnung als mit demselben verknüpft zu finden, sondern jenen Begriff nur zergliedern, d. i. des Mannigfaltigen, welches ich jederzeit in ihm denke, nur bewußt werden, um dieses Prädikat darin anzutreffen; es ist also ein analytisches Urteil. Dagegen, wenn ich sage: alle Körper sind schwer, so ist das Prädikat etwas ganz anderes, als das, was ich in dem bloßen Begriff eines Körpers überhaupt denke. Die Hinzufügung eines solchen Prädikats gibt also ein synthetisch Urteil.

Nun ist hieraus klar: 1. daß durch analytische Urteile unsere Erkenntnis gar nicht erweitert werde, sondern der Begriff, den ich schon habe, auseinandergesetzt, und mir selbst verständlich gemacht werde; 2. daß bei synthetischen Urteilen ich außer dem Begriffe des Subjekts noch etwas anderes (X) haben müsse, worauf sich der Verstand stützt, um ein Prädikat, das in jenem Begriffe nicht liegt, doch als dazu gehörig zu erkennen.

Bei empirischen oder Erfahrungsurteilen hat es hiermit gar keine Schwierigkeit. Denn dieses X ist die vollständige Erfahrung von dem Gegenstande, den ich durch einen Begriff A denke, welcher nur einen Teil dieser Erfahrung ausmacht. Denn ob ich schon in dem Begriff eines Körpers überhaupt das Prädikat der Schwere gar nicht einschließe, so bezeichnet er doch die vollständige Erfahrung durch einen Teil derselben, zu welchem also ich noch andere Teile eben derselben Erfahrung, als zu dem ersteren gehörig, hinzufügen kann. Ich kann den Begriff des Körpers vorher analytisch durch die Merkmale der Ausdehnung, der Undurchdringlichkeit, der Gestalt usw., die alle in diesem Begriff gedacht werden, erkennen. Nun erweitere ich aber meine Erkenntnis, und, indem ich auf die Erfahrung zurücksehe, von welcher ich diesen Begriff des Körpers abgezogen hatte, so finde ich mit obigen Merkmalen auch die Schwere jederzeit verknüpft. Es ist also die Erfahrung jenes X, was außer dem Begriffe A liegt, und worauf sich die Möglichkeit der Synthesis des Prädikats der Schwere B mit dem Begriffe A gründet.

Aber bei synthetischen Urteilen a priori fehlt dieses Hilfsmittel ganz und gar. Wenn ich außer dem Begriffe A hinausgehen soll, um einen andern B, als damit verbunden zu erkennen, was ist das, worauf ich mich stütze, und wodurch die Synthesis möglich wird, da ich hier den Vorteil nicht habe, mich im Felde der Erfahrung danach umzusehen? Man nehme den Satz: Alles, was geschieht, hat seine Ursache. In dem Begriff von etwas, das geschieht, denke ich zwar ein Dasein, vor welchem eine Zeit vorhergeht usw. und daraus lassen sich analytische Urteile ziehen. Aber der Begriff einer Ursache zeigt etwas von dem, was geschieht, Verschiedenes an, und ist in dieser letzteren Vorstellung gar nicht mit enthalten. Wie komme ich denn dazu, von dem, was überhaupt geschieht, etwas davon ganz Verschiedenes zu sagen, und den Begriff der Ursachen, obzwar in jenen nicht enthalten, dennoch, als dazu gehörig, zu erkennen. Was ist hier das X, worauf sich der Verstand stützt, wenn er außer dem Begriff von A ein demselben fremdes Prädikat aufzufinden glaubt, das gleichwohl damit verknüpft sei. Erfahrung kann es nicht sein, weil der angeführte Grundsatz nicht allein mit größerer Allgemeinheit, als die Erfahrung verschaffen kann, sondern auch mit dem Ausdruck der Notwendigkeit, mithin gänzlich a priori und aus bloßen Begriffen diese zweite Vorstellungen zu der ersteren hinzufügt. Nun beruht auf solchen synthetischen d. i. Erweiterungs-Grundsätzen die ganze Endabsicht unserer spekulativen Erkenntnis a priori; denn die analytischen sind zwar höchst wichtig und nötig, aber nur um zu derjenigen Deutlichkeit der Begriffe zu gelangen, die zu einer sicheren und ausgebreiteten Synthesis, als zu einem wirklich neuen Anbau, erforderlich ist.

Es liegt also hier ein gewisses Geheimnis verborgen1, dessen Aufschluß allein den Fortschritt in dem grenzenlosen Felde der reinen Verstandeserkenntnis sicher und zuverlässig machen kann: nämlich mit gehöriger Allgemeinheit den Grund der Möglichkeit synthetischer Urteile a priori aufzudecken, die Bedingungen, die eine jede Art derselben möglich machen, einzusehen, und diese ganze Erkenntnis (die ihre eigene Gattung ausmacht) in einem System nach ihren ursprünglichen Quellen, Abteilungen, Umfang und Grenzen, nicht durch einen flüchtigen Umkreis zu bezeichnen, sondern vollständig und zu jedem Gebrauch hinreichend zu bestimmen. Soviel vorläufig von dem Eigentümlichen, was die synthetischen Urteile an sich haben.

Aus diesem allen ergibt sich nun die Idee einer besondern Wissenschaft, die zur Kritik der reinen Vernunft dienen könne. Es heißt aber jede Erkenntnis rein, die mit nichts Fremdartigen vermischt ist. Besonders aber wird eine Erkenntnis schlechthin rein genannt, in die sich überhaupt keine Erfahrung oder Empfindung einmischt, welche mithin völlig a priori möglich ist. Nun ist Vernunft das Vermögen, welches die Prinzipien der Erkenntnis a priori an die Hand gibt. Daher ist reine Vernunft diejenige, welche die Prinzipien etwas schlechthin a priori zu erkennen, enthält. Ein Organon der reinen Vernunft würde ein Inbegriff derjenigen Prinzipien sein, nach denen alle reinen Erkenntnisse a priori können erworben und wirklich zustande gebracht werden. Die ausführliche Anwendung eines solchen Organon würde ein System der reinen Vernunft verschaffen. Da dieses aber sehr viel verlangt ist, und es noch dahin steht, ob auch überhaupt eine solche Erweiterung unserer Erkenntnis, und in welchen Fällen sie möglich sei; so können wir eine Wissenschaft der bloßen Beurteilung der reinen Vernunft, ihrer Quellen und Grenzen, als die Propädeutik zum System der reinen Vernunft ansehen. Eine solche würde nicht eine Doktrin, sondern nur Kritik der reinen Vernunft heißen müssen, und ihr Nutzen würde wirklich nur negativ sein, nicht zur Erweiterung, sondern nur zur Läuterung unserer Vernunft dienen, und sie von Irrtümern frei halten, welches schon sehr viel gewonnen ist. Ich nenne alle Erkenntnis transzendental, die sich nicht sowohl mit Gegenständen, sondern mit unsern Begriffen a priori von Gegenständen überhaupt beschäftigt. Ein System solcher Begriffe würde Transzendental-Philosophie heißen. Diese ist aber wiederum für den Anfang zu viel. Denn weil eine solche Wissenschaft sowohl die analytische Erkenntnis, als die synthetische a priori vollständig enthalten müßte, so ist sie, insofern es unsere Absicht betrifft, von zu weitem Umfange, indem wir die Analysis nur so weit treiben dürfen, als sie unentbehrlich nötig ist, um die Prinzipien der Synthesis a priori, als warum es uns nur zu tun ist, in ihrem ganzen Umfange einzusehen. Diese Untersuchung, die wir eigentlich nicht Doktrin, sondern nur transzendentale Kritik nennen können, weil sie nicht die Erweiterung der Erkenntnisse selbst, sondern nur die Berichtigung derselben zur Absicht hat, und den Probierstein des Werts oder Unwerts aller Erkenntnisse a priori abgeben soll, ist das, womit wir uns jetzt beschäftigen. Eine solche Kritik ist demnach eine Vorbereitung, wo möglich, zu einem Organon, und, wenn dieses nicht gelingen sollte, wenigstens zu einem Kanon derselben, nach welchen allenfalls dereinst das vollständige System der Philosophie der reinen Vernunft, es mag nun in Erweiterung oder bloßer Begrenzung ihrer Erkenntnis bestehen, sowohl analytisch, als synthetisch dargestellt werden könnte. Denn daß dieses möglich sei, ja daß ein solches System von nicht gar großem Umfange sein könne, um zu hoffen, es ganz zu vollenden, läßt sich schon zum voraus daraus ermessen, daß hier nicht die Natur der Dinge, welche unerschöpflich ist, sondern der Verstand, der über die Natur der Dinge urteilt, und auch dieser wiederum nur in Ansehung seiner Erkenntnis a priori den Gegenstand ausmacht, dessen Vorrat, weil wir ihn doch nicht auswärtig suchen dürfen, uns nicht verborgen bleiben kann, und allem Vermuten nach klein genug ist, um vollständig aufgenommen, nach seinem Werte oder Unwerte beurteilt und unter richtige Schätzung gebracht zu werden.

II. Einteilung der Transzendental-Philosophie

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