Karl Marx - Sein Leben, Sein Werk - Karl Vorländer - E-Book

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Karl Vorländer

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Beschreibung

Karl Marx – Sein Leben, Sein Werk von Karl Vorländer ist eines der frühesten und zugleich gründlichsten Werke über Leben und Denken des Begründers des wissenschaftlichen Sozialismus. In stilistisch klarer und sachlich fundierter Sprache gelingt es Vorländer, das Leben von Karl Marx nicht nur chronologisch, sondern auch in seiner geistigen und politischen Entwicklung nachzuzeichnen. Die besondere Stärke dieses Werkes liegt in der Detailtreue, mit der der Autor sowohl biografische Stationen als auch ideengeschichtliche Kontexte beleuchtet. Karl Marx wird in dieser Darstellung nicht als abstrakter Theoretiker gezeichnet, sondern als Mensch mit politischer Leidenschaft, intellektueller Rastlosigkeit und sozialem Engagement. Vorländer schildert Marx' Herkunft aus einem wohlhabenden jüdisch-bürgerlichen Elternhaus in Trier, seine Studienzeit in Bonn und Berlin, wo er sich zunächst in der Philosophie Hegels schulte, und seine Hinwendung zur radikalen Gesellschaftskritik. Besonders eindrücklich beschreibt der Autor die politisch bewegten Jahre in Paris, Brüssel und schließlich London, wo Marx unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen lebte und an seinem Hauptwerk, dem Kapital, arbeitete. Vorländer geht detailliert auf Marx' journalistische Tätigkeit, seine Rolle in der Neuen Rheinischen Zeitung, seine Ausweisung aus mehreren Ländern, seine Beobachtungen der 1848er Revolution und seine langjährige Zusammenarbeit mit Friedrich Engels ein. Dabei wird deutlich, wie eng die persönlichen Lebensumstände – Armut, Krankheit, familiäre Schicksalsschläge – mit dem theoretischen Schaffen verflochten waren. Besonders bemerkenswert ist, wie der Autor die politischen Aktivitäten von Marx in der Internationalen Arbeiterassoziation mit seinen ökonomischen Studien verknüpft und somit den engen Zusammenhang zwischen Praxis und Theorie sichtbar macht. Marx erscheint hier als Denker, der in ständiger Auseinandersetzung mit seiner Zeit stand: mit der Industrialisierung, den politischen Umbrüchen und der sozialen Frage. Vorländer gelingt es, die intellektuelle Entwicklung von Marx vom idealistischen Philosophen zum revolutionären Ökonom nachvollziehbar darzustellen, ohne dabei in apologetische oder polemische Extreme zu verfallen. Karl Vorländer (1860–1928) war Philosoph und Pädagoge, der sich besonders um die Popularisierung philosophischen Denkens verdient machte. Als sozialistisch gesinnter Denker verstand er es, komplexe Zusammenhänge zugänglich darzustellen. Sein Werk über Karl Marx zeichnet sich durch historische Genauigkeit und ideologiefreie Klarheit aus und gilt als ein Standardwerk der Marx-Biografik.

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Karl Vorländer

Karl Marx - Sein Leben, Sein Werk

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort
Erster Teil. Der Junge Marx
Kapitel I. Trierer Knabenzeit
Kapitel II. Auf der Universität
Kapitel III. Die Doktordissertation Verzicht auf das Akademische Lehramt
Kapitel IV. Redakteur der Rheinischen Zeitung
Kapitel V. Neue Zeitschriftenpläne - Heirat Fortgang aus Deutschland
Kapitel VI. In Paris. Der Übergang zum Sozialismus
Kapitel VII. Der Freundschaftsbund mit Friedrich Engels
Kapitel VIII. Die Sturm- und Drangzeit in Brussel
Kapitel IX. Fortsetzung: Weiterbildung des Historischen Materialismus in der „Deutschen Ideologie“
Kapitel X. Brüsseler Jahre. Dritter Teil: Die Streitschrift Gegen Proudhon das Kommunistische Manifest
Zweiter Teil. Die Mannesjahre
Kapitel XI. Ein Jahr Revolution in Deutschland
Kapitel XII. Das Londoner Exil der Fünfziger Jahre
Kapitel XIII. Die Ausbildung des Historischen Materialismus
Kapitel XIV. Verhältnis zu Darwin und Hegel. Die Dialektische Methode
Kapitel XV. Aussenpolitik
Kapitel XVI. Stellung zur Lassalleschen Agitation. Die Internationale Arbeiter-Assoziation
Kapitel XVII. Fortsetzung der Wissenschaftlichen Arbeit: ,Das Kapital'
Dritter Teil. Die Altersjahre
Kapitel XVIII. Persönliches. Marx zu Hause Letzte Theoretische Arbeiten
Kapitel XIX. Verhältnis zu der Sozialen Bewegung
Kapitel XX. Die Letzte Leidenszeit. Der Todmarx’ Persönlichkeit
Vierter Teil. Marx’ Bedeutung für die Gegenwart

VORWORT

Inhaltsverzeichnis

Karl Marx ist, obwohl nicht mehr in ganz so hitzigem Kampf der Meinungen stehend wie vor etwa einem Vierteljahrhundert, auch heute noch „ein Zeichen“, dem vielfach „widersprochen wird“. Und gar der „Marxismus“ ist für Millionen von Zeitungslesern ein Ding, das sie einfach ablehnen oder verabscheuen, die meisten, ohne es überhaupt zu kennen. Aber selbst auf seiten seiner Freunde und der ihn mehr oder minder gläubig verehrenden Massen kennt nur eine Minderzahl Marx’ Leben, Persönlichkeit und Weltanschauung genauer. In der Tat ist früher, abgesehen von seinen nationalökonomischen Arbeiten, seine politische Theorie und Praxis dermaßen in den Vordergrund des Interesses getreten, daß selbst die Partei, die sich an ihn anschloß, mit der Person des fern von ihr im englischen Exil Lebenden sich viel weniger beschäftigt hat; zumal da er selbst auf diese persönlichen Dinge keinen Wert legte, es daher auch verschmäht hat, Lebenserinnerungen zu schreiben. Das ist — das Nähere möge der Leser in unserem Anhang nachlesen! — eigentlich erst seit zehn Jahren anders geworden: seitdem Franz Mehring 1918 die zur Hundertjahrfeier von Marxens Geburtstag veröffentlichte „Geschichte seines Lebens“ schrieb. Aber dies in mancher Hinsicht treffliche Buch ist doch zu sehr in politischem Sinne und für die Mitglieder der Partei geschrieben, als daß es heute für ein allgemeines Publikum noch ganz genügen könnte; zudem sind gerade im letzten Jahrzehnt wichtige Veröffentlichungen erschienen, die neues Licht über sein Leben, namentlich seine jüngeren Jahre, verbreiten. Anderseits hat das letzte, zweibändige Werk W. Sombarts „Der proletarische Sozialismus“ (1924) eine derartige Lauge des Hasses über den einst von ihm selbst verehrten großen Sozialisten ausgegossen, daß es mir schon deshalb notwendig erscheint, von K. Marx auf Grund der Tatsachen eine unbefangene Schilderung zu geben: eine Schilderung, die zwar den großen Mann verehrt, allein sich frei weiß von jeder parteilichen Voreingenommenheit, die auch seine Schwächen und Einseitigkeiten nicht verhehlt).

Ich komme philosophisch von Kant und bin vor dreißig Jahren von dieser Seite her zu Marx gekommen. Ich bin aber niemals „Kantianer“ in dem Schulsinne gewesen, als den der russische Marxist Bucharin mich erledigt, noch „Marxist“ in demjenigen Sinne, wie Sombart in seinem eben genannten Buche mich abtut. Meine Darstellung ist zudem von beiden Standpunkten unabhängig bezüglich der Tatsachen, die sie rein nach den glücklicherweise gerade in neuester Zeit reichlicher fließenden, im Anhang verzeichneten Quellen sine ira et studio zu schildern sich bemüht. Wer Marx auch nur von seiner menschlichen, weltanschaulichen und politischen Seite—die in engerem Sinn nationalökonomische bleibt für mich als Nichtfachmann ausgeschlossen — in der Hauptsache durch einfache Erzählung seines Lebensganges darzustellen unternimmt, der muß sich freilich stets der Unvollkommenheit seines Versuchs bewußt sein. Und der Unvollständigkeit. Auch mir geht es ähnlich wie Mehring: ich mußte mich oft mit einer Seite statt eines Bogens, einem Satze statt einer Seite begnügen, wollte ich den Umfang meines Buches nicht über die selbstgesetzte Grenze hinaustreiben. Das betrifft namentlich die zahlreichen Personen, mit denen Marx im Laufe seines reichen, fünfundsechzig-jährigen Lebens, in Freundschaft oder Streit, zusammengetroffen ist. Dagegen hoffe ich ein anschauliches Bild seiner nicht leicht zu erfassenden Persönlichkeit, seines Lebensganges, seiner Weltanschauung und auch seiner wissenschaftlichen und politischen Hauptleistung in ihren wesentlichsten Zügen gegeben zu haben. Ursprünglich hervorgegangen aus einer akademischen Vorlesung über Marx’ Leben und Werk, hat meine Biographie hoffentlich den wärmeren Ton des mündlichen Vortrags einigermaßen beibehalten.

Zum Schluß habe ich noch dem Leiter des Moskauer Marx-Engels-Archivs, Herrn Professor Rjazanov, für seine bereitwillige Überlassung der Korrekturbogen zu Band I, 2 seiner großen wissenschaftlichen Gesamtausgabe, diesem und dem Frankfurter Institut für Sozialforschung (Prof. C. Grünberg) für Hilfe bei Erlangung mehrerer Illustrationen, dem Archiv der SPD in Berlin für stets gleiche freundliche Bereitwilligkeit bei Benutzung seiner Sammlungen meinen tiefgefühlten Dank auszusprechen.

Münster, 9. Oktober 1928.

K. Vorländer.

ERSTER TEIL DER JUNGE MARX

(1818—1848)

KAPITEL I TRIERER KNABENZEIT

Inhaltsverzeichnis

1818—1835

Karl Heinrich Marx wurde am 5. Mai 1818 — eine Kopie seiner Geburtsurkunde ist noch erhalten —, also genau drei Jahre vor Napoleons I. Todestag, zu Trier an der Mosel geboren. Er, der ganz moderne Mensch, wuchs in der ältesten Stadt Deutschlands auf, der alten Augusta Treverorum („Kaiserstadt im Lande der Treverer“), die einst Residenz der römischen Kaiser, dann länger als ein Jahrtausend hindurch katholische Bischofsstadt, Hauptstadt eines geistlichen Kurfürstentums gewesen war. Jetzt war sie, erst seit wenigen Jahren der französischen Fremdherrschaft entrissen, preußisch geworden und dem strammen Regiment des preußischen Militär- und Beamtenstaats, nach der leichtlebigen moselländischen Volksart und dem weitaus vorherrschenden katholischen Religionsbekenntnis ihrer Bewohner, noch wenig gewogen.

Freilich der junge Karl Marx war Moselländer nur bedingt zu nennen, wenn er auch den rheinischen Tonfall in der Sprache nie ganz abgelegt und auch sonst manches von der ungebundenen Art des Rheinländers zeitlebens beibehalten hat; er war väterlicher- wie mütterlicherseits jüdischen Bluts. Schon sein Großvater von Vatersseite her war Rabbiner der israelitischen Gemeinde in Trier gewesen, jedoch bereits vor 1810 gestorben. Von den Söhnen war ihm Samuel (1781—1829) im Berufe gefolgt. Karls Vater, der 1782 geborene Hirschei Marx, hatte sich, arm an Vermögen unter allerhand Mühen und Beschwerden, durch seine eiserne Standhaftigkeit und Pflichttreue zu dem Beruf eines angesehenen Rechtsanwalts, „Advokat-Anwalts“, wie man damals sagte, emporgeschwungen. Er war dann im Jahre 1824, als sein ältester Sohn Karl sechs Jahre zählte, unter dem Namen Heinrich Marx mit seiner ganzen Familie zum Protestantismus übergetreten. Offenbar in erster Linie aus inneren Gründen; denn er war, frei von jeder konfessionellen Befangenheit, der Welt des Talmud und der Thora geistig längst entwachsen und der Bildung des aufgeklärten achtzehnten Jahrhunderts zugetan. Er bekennt sich einmal, in einem Briefe an den studierenden Sohn, zu einem „reinen Glauben an Gott“, wie ihn Newton, Locke und Leibniz besessen hätten; ein solcher Glaube, dem sich jeder unterwerfen könne, sei „ein großer Hebel für die Moral“ und „dem Menschen früh oder später wahres Bedürfnis“, denn es gebe „Augenblicke im Leben, wo auch der Gottesleugner unwillkürlich zur Anbetung des Höchsten hingezogen wird“. Daß er philosophisch gebildet war, ergibt sich aus der ganzen Sprache seiner Briefe, abgesehen davon, daß er einmal in ihnen Kants Anthropologie zitiert. Daneben war er aber auch ein guter Preuße im Sinne Friedrichs des Großen, und ein guter Deutscher im Sinne der Befreiungskriege. Das sieht man an der Art, wie er in einem Brief vom 2. März 1837 dem in Dichternöten begriffenen Sohn als Stoff für ein beabsichtigtes Drama oder doch „eine Ode im großen Genre“ — die Schlacht bei Belle-Alliance empfiehlt, bei der dem „Genius der Monarchie“, allenfalls „durch den Geist der sehr edlen Königin Luise“, eine Rolle zuzuteilen sei. Also eine Art Fridericianismus, damals in dem vorwiegend antipreußisch gesinnten Rheinland eine Seltenheit, die sich denn auch nicht auf den Sohn vererbt hat. Auch die pädagogischen Grundsätze des Vater Marx waren modern: er betrachtet sich, wie es ein jeder Vater unter normalen Umständen tun sollte, als den besten, nur älteren und erfahreneren, „Freund“ des Sohnes: „Du weißt, daß ich nicht pedantisch auf meine Autorität halte und auch meinem Kinde gestehe, wenn ich Unrecht habe“ (an Karl 18. November 1835). Genau so hat Karl Marx ein Menschenalter später seine Töchter erzogen. Im übrigen war Heinrich Marx, später zum Justizrat befördert, eine ebenso pflichtgetreue wie liebevolle, vielleicht etwas weiche Natur, die ganz in der Sorge um Beruf und Familie aufging. Karl hat ihn, trotz der mancherlei Gegensätze in Wesen und Charakter, stets geliebt und sein Bild noch in späteren Jahren immer bei sich auf dem Herzen getragen.

Von mütterlichem Einfluß auf den Sohn ist wenig bekannt. Henriette Marx, geborene Preßburg, entstammte einer alten holländischen Rabbinerfamilie, deren Ahnen zu Anfang des sechzehnten Jahrhunderts aus Ungarn (Preßburg!) nach den Niederlanden übergesiedelt sein sollten. Sie soll, wie die Enkelin Eleanor meint, bis zu ihrem Tode kein ganz fehlerfreies Deutsch gesprochen haben. Damit würde stimmen, daß die uns erst jetzt durch die große Marx-Engels-Ausgabe bekanntgewordenen Originalbriefe an den studierenden Sohn eine gewisse Mangelhaftigkeit der Rechtschreibung (namentlich mit Bezug auf kleine und große Anfangsbuchstaben) zeigen, die nebenbei gesagt, bei den vornehmsten Damen zur Zeit Kants und Friedrichs des Großen (bekanntlich auch bei diesem selbst) infolge des damaligen schlechten Mädchenunterrichts noch die Regel war; ja zuweilen sogar in der Grammatik. Henriette Marx, vom Vater als „lieb Hansje“ angeredet, scheint vorwiegend in den Sorgen des Hauses — bei der großen Kinderschar und dem immerhin doch nur mäßigen Wohlstand keine ganz leichte Aufgabe — und in der Betätigung ihrer Liebe zu Gatten und Kindern aufgegangen zu sein. Rührend und zugleich mit humoristischem Anklang erscheint in dieser Hinsicht der erste Brief, den die sorgende Mutter am 29. November 1835 an den zum erstenmal von Hause zur Universität fortgezogenen Sohn schrieb, worin sie ihm als wackere Hausmutter als Grundlage aller Gesundheit und alles Frohsinns Ordnung und Reinlichkeit seines Zimmers und seines eigenen Körpers — „und scheuere Du meinen lieben Carl wöchentlich mit der Schwam und Seife!“ — empfiehlt. Seine „liebenswürdige Muse“, wie sie mit originellem Humor sagt, werde sich hoffentlich „nicht durch die Prosa Deiner Mutter beleidigt fühlen, sage ihr“ — und nun kommt ein unbewußter Vorklang von Marxens späterer „materialistischer“ Geschichtsauffassung: „durch das Niedere wird das Höhere und Bessere erzielt“. Mit dem Wunsche: „Nun lebe wohl, mein lieber, theurer Carl, sey braf und gut und hab immer Gott und Deine Eltern für Augen“ und mit Grüßen und Küssen von „allen Kindern“ schließt der reizende, echt mütterliche Brief. Sie liebte wie der Vater, ihren Karl, das reichbegabte „Glückskind“, wie sie ihn gern nannte, über die Maßen; aber es kam nach dem Tode des Vaters zu einem, wie es scheint, mit seiner langen Brautschaft, seiner Berufswahl und der mit dem Todesfall zusammenhängender Vermögensteilung zu einem Zwist zwischen ihnen, der nie ganz ausgeglichen worden zu sein scheint. So hat sie denn auch, von kleineren Gesichtspunkten bestimmt, an seinen großen geistigen und später politischen Kämpfen, keinen inneren Anteil genommen, es sei denn mit Bekümmernis. Sie starb erst 1863 in hohem Alter, als der Sohn schon 45 Lebensjahre zählte, in der Heimatstadt.

Dieser glücklichen Ehe entsproß eine zahlreiche Kinderschar, aus der jedoch einige früh durch Tod ausschieden. In dem Jugendbriefwechsel mit den Eltern werden unter anderem noch zwei jüngere Brüder erwähnt: ein fast fortwährend kränkelnder Eduard und ein mit Fleiß und gutem Willen, aber wenig „Kopf“ ausgestatteter Hermann, der schon in jungen Jahren zur kaufmännischen Lehre nach Brüssel getan wurde. Kein Wunder, daß das „Glückskind“ Karl der Stolz der ganzen Familie war. Von den Töchtern schreibt der Vater einmal, daß sie „brav und fleißig“ seien, aber daß ihm „die Haare zu Berge“ ständen, wenn er bedächte, „daß jetzt diese Ware nur vergoldet gesucht wird, und ich diese Kunst so wenig verstehe“. Dennoch sollten alle am Leben gebliebenen Schwestern Karls in den Hafen der Ehe einlaufen. 1868 lebten noch drei: die einzige ältere Schwester Sophie war damals schon Witwe des holländischen Rechtsanwalts Schmalhausen in Maestricht, Emilie die Frau des Ingenieurs Conrady in Trier und Luise die Gattin des Großkaufmanns Juta in Capstadt. Das dritte Paar besuchte im Sommer 1853 den Bruder bzw. Schwager in London; der letztere, den Marx als „braven und verständigen Kerl“ lobt, machte ihm den Vorschlag, zur Aufbesserung seiner ökonomischen Verhältnisse monatlich für eine Capsrädter Zeitung, den „Zuid-African“, zu schreiben. Ob derjenige Schwager, der im Dezember 1858 von Manchester nach London in Geschäftsangelegenheiten reiste und „ein guter, langer und langweiliger Holländer“ genannt wird (Marx an Engels, 17. Dezember 1858) mit diesem Juta (was wohl wahrscheinlicher) oder mit Schmalhausen identisch ist, kann ich nicht sagen. Jedenfalls scheinen alle drei Schwestern in gut bürgerliche Familien hineingeheiratet zu haben und die Beziehungen zu dem Bruder keine schlechten gewesen zu sein; wenn auch keine intimeren und herzlichen. Denn so innig auch der Familienzusammenhang im Elternhause gewesen war, hat doch die gesamte Familie (der Vater war 1838 gestorben) wenig Einfluß mehr auf Karls Lebensschicksale und gar keine auf den von ihm selbst erwählten und gestalteten Lebensberuf gehabt.

Von beinahe noch stärkerer Einwirkung als das Elternhaus sollte das nur wenige Häuser davon entfernt stehende Haus des 1816 aus Salzwedel an die neue Trierer Regierung versetzten Regierungsrates Ludwig von Westphalen für ihn werden. Dessen Vater war Geheimsekretär des Herzogs Ferdinand von Braunschweig im Siebenjährigen Krieg gewesen und hatte eine Braut aus der berühmten schottischen Adelsfamilie der Argyll-Campbell heimgeführt, übrigens bloß zu diesem Zwecke den Adel angenommen. Auch der Sohn, Ludwig, war von Standes-und Konfessionsvorurteilen jeder Art frei; sonst hätte er nicht mit der jüdischen oder jüdisch gewesenen Nachbarsfamilie vertrauten Umgang gepflogen. In diesem Hause also verkehrten auch die beiden älteren Marxschen Kinder Sophie und Karl intim. Der Stiefbruder Ferdinand von Westphalen, der spätere preußische Minister der Reaktionszeit in den 50 er Jahren, war schon um ein Jahrzehnt älter und scheint keinen Verkehr mehr mit der Familie Marx gehabt zu haben. Aber die vier Jahre ältere Jenny und der fast gleichaltrige Edgar waren von früh auf die Spielgefährten von Karl und seiner älteren Schwester Sophie.

Aus seiner Kinderzeit ist sonst nichts Besonderes bekannt. Wie der Vater ihn schon in seiner doch wohl reiferen Knabenzeit mit Voltaire und anderen großen Aufklärern des achtzehnten Jahrhunderts wohl auf eigenes Verlangen bekannt machte, so erweckte der väterliche Freund von Westphalen in seiner Seele die Freude an Homer und Shakespeare, die Karl beinahe auswendig kannte und bis an sein Ende geliebt hat. Selbstverständlich braucht er deshalb kein überkultivierter Stubenhocker und Bücherwurm gewesen zu sein, wie Sombart das in seinem letzten Buche darstellt; er scheint vielmehr, wie andere Jungen, Knabenstreiche mitgemacht oder sogar angeführt zu haben, wenn sie auch gerade nicht in dem wenig schönen „Ausnehmen von Vogelnestern“ (Sombart) zu bestehen brauchten. Wenigstens berichtete Eleanor Marx nach dem Tode ihres Vaters in der englischen Monatsschrift Progress darüber, er sei bei seinen Kameraden geliebt und gefürchtet gewesen: „geliebt, weil er immer zu Jungenstreichen aufgelegt war, und gefürchtet, weil er“ — der Keim zu Späterem — „beißende Spottverse schrieb und seine Feinde der Lächerlichkeit preisgab“. Überhaupt machen die zahlreichen Briefe des Vaters Marx einen in jeder Beziehung so verständigen Eindruck, daß eine etwaige Überernährung des Intellekts seines Sohnes von dieser Seite ausgeschlossen ist.

Was aber hat neben dem Eltern- und dem Freundeshause die Schule, das alte, heute noch bestehende Trierer FriedrichWilhelm-Gymnasium für ihn bedeutet, dem er vom Jahre 1828 bis 1833 angehört hat? Marx selber hat sich, soviel bisher bekannt, nirgends darüber ausgesprochen. Er hat höchstens einmal gelegentlich, als er des jungen Wilhelm Liebknecht schlechten Schreibstil tadelte, auf die Erbärmlichkeit der deutschen Gymnasien und — Universitäten gescholten, auf denen man kein ordentliches Deutsch schreiben lerne. Aber wir wußten bis zu Mehrings Einleitung in seiner Ausgabe des literarischen Nachlasses (1902) überhaupt nichts davon, und besaßen auch seitdem nur fragmentarische Nachrichten über die Beschaffenheit seines Abiturientenzeugnisses und deutschen Prüfungsaufsatzes, die ein gewisser Stultz aus einer Abschrift der Trierer Prüfungsakten geliefert hatte. Erst in neuester Zeit, im dritten und letzten Hefte von K. Grünbergs „Archiv für Geschichte des Sozialismus“ (1925), hat der Herausgeber selbst, Professor Grünberg in Frankfurt, durch einen für jeden Marxkenner höchst interessanten, unmittelbar aus der Quelle geschöpften Aufsatz ,Karl Marx als Abiturient' (Seite 424—444) wertvolle Aufschlüsse gegeben, die ich durch direkte Erkundigungen bei dem mir bekanntgewordenen heutigen Direktor des Trierer Gymnasiums, M. Paulus, erfreulicherweise noch ergänzen konnte.

Karl Marx hat, so merkwürdig es klingt, in einem früheren Jesuitengymnasium seine höhere Schulbildung empfangen, das freilich nach mannigfachen Wandlungen während der Franzosenzeit (1799—1814.) seit 1815 königlich preußisches „Friedrich-Wilhelms-Gymnasium“ geworden und seit 1817 dem rheinischen Konsistorium, seit 1825 dem neuerrichteten Provinzialschulkolle-gium zu Koblenz unterstellt war. Der Unterrichtsplan war ungefähr derselbe, der den größten Teil des neunzehnten Jahrhunderts über an den preußischen Gymnasien alten Stils bestanden hat, nur daß Turn- und Gesangsunterricht zu Marx’ Zeiten noch nicht eingeführt waren, und daß auch der Unterricht in philosophischer Propädeutik „in den Lektionsplan“ nicht hatte aufgenommen werden können: offenbar doch, weil kein geeigneter Lehrer vorhanden war. Tönnies irrt sich mit seiner Vermutung [S. 3 seiner Monographie), daß sich „der junge Protestant jüdischen Bluts ausschließlich des Unterrichts durch katholische Geistliche erfreut haben dürfte“. Wohl waren, abgesehen von dem evangelischen Religionslehrer Konsistorialrat Küpper — demselben übrigens, der nach einem noch im Parteiarchiv erhaltenen Denkspruch am 3. März 1828 die junge Jenny von Westphalen konfirmiert hat —, die fest angestellten Lehrer der Anstalt, wie auch heute noch, stiftungsgemäß sämtlich katholisch, jedoch nur zwei von ihnen Geistliche: der eine katholischer Religionslehrer, der andere Marxens Primalehrer im Französischen, in zwei Wochenstunden.

Der Direktor der Anstalt, J. H. Wyttenbach (1767—1848), nach seinem Bild in der Jubiläumsfestnummer der Trierschen Landeszeitung vom 6. Oktober 1913 zu urteilen ein sehr würdiger Herr, zählte zur Zeit von Marx’ Reifeprüfung schon 68 Jahre, hat aber seines Amtes noch elf Jahre weiter gewaltet. Er war sein Geschichtslehrer in Prima und hat eine Reihe historischer und archäologischer Schriften verfaßt. Er war übrigens derselbe damals 25jährige „junge Schullehrer“, der Goethe auf seiner Rückkehr von der Champagne in Frankreich am 25. Oktober 1792 „verschiedene der neuesten Journale“ brachte und so Gelegenheit „zu erfreulichen Unterhaltungen“, namentlich über Kants Kritik der Urteilskraft und ihren Vergleich von Natur- und Kunstwerk, gab. Es wäre merkwürdig, wenn der Greis dieser Zusammenkunft mit dem großen Dichter niemals vor seinen Schülern gedacht haben sollte. Auch Marxens Lehrer in Mathematik und den Naturwissenschaften Steininger war ein tüchtiger Geologe und Mitglied zahlreicher naturwissenschaftlicher Gesellschaften. Desgleichen war sein Lehrer im Lateinischen und Griechischen Professor Lörs, der 1835 dem alten Wyttenbach als zweiter Direktor zur Seite gestellt wurde, über die Grenzen Triers hinaus bekannt.

Übrigens trat Karl erst 1830, also mit zwölf Jahren, in die damals noch nicht geteilte Tertia des Gymnasiums ein, muß demnach bis dahin im wesentlichen zu Hause vorgebildet worden sein. Die Anstalt scheint in jener Zeit vorübergehend weniger Schüler (1834: 320) gegen sonst (meist um 500) gehabt zu haben. Doch hatte Marx eine große Anzahl (31) Mitabiturienten, von denen die große Mehrzahl Söhne von kleinen Leuten: Subalternbeamten, Handwerkern, Krämern und, wie bei einer Moselstadt selbstverständlich, Schiffern und Weinbauern, waren; welch letztere wohl, wie es noch heute bei den Eifel-Gymnasien die Regel ist, katholische Theologie studierten. Noch am 17. September 1878 erinnert er sich in einem Briefe an Engels an die „Bauernburschen weiland bei uns auf dem trierischen Gymnasium“, die sich „durch Schwerfälligkeit und Bejahrtheit auszeichneten“, und „die sich zum katholischen Seminarium vorbereiten und großenteils Stipendien beziehen“ (Briefwechsel IV, 411). Nicht weniger als dreizehn Abiturienten fielen denn auch durch, davon acht in der mündlichen Prüfung, und zwölf von ihnen hatten die Prüfung schon einmal durchgemacht.

Dem Religionsbekenntnis nach waren außer Marx noch sechs andere evangelisch, deren Väter sämtlich dem Kreise der „Intellektuellen“ (höhere Beamte und Offiziere oder von freien Berufen) angehörten, wozu nur noch zwei Katholiken der gleichen Gruppe traten. Daneben befanden sich unter den Prüflingen zwei Kaufmannssöhne und ein Fabrikantensproß. Die meisten waren 19—22 Jahre alt. Siebzehnjährige, wie Marx, gab es nur drei, darunter der noch jüngere Edgar von Westphalen, sein Jugendfreund und späterer Schwager. Von den 25 Katholiken wollte die volle Hälfte Theologie studieren, sechs bestanden jedoch die Prüfung nicht, die ziemlich streng gewesen sein muß und nicht weniger als sechs Tage dauerte. Die zweite Abteilung, bei der Marx sich befand, wurde vom 21.—23. September 1835 geprüft. Das Schuljahr begann in Trier noch bis zum Jahre 1876 erst im Herbst, und von der mündlichen Prüfung konnte damals, wie heute wieder, niemand befreit werden.

Doch nun zum Abiturienten Karl Marx aus Trier, 17 Jahre alt, evangelischer Konfession, Sohn des Advokat-Anwaltes Herrn Justizrat Marx zu Trier, wie es auf dem Reifezeugnis heißt. Zunächst: er galt seinen Lehrern keineswegs, wie man denken könnte und auch Tönnies oder gar Rühle anzunehmen scheint, als ein Musterschüler, sondern nur als gut beanlagt. Auch seine „sittliche Aufführung gegen Vorgesetzte und Mitschüler“ war „gut“. In den alten Sprachen, im Deutschen und in der Geschichte zeigte er einen „sehr befriedigenden“, in der Mathematik und im Französischen „nur geringen Fleiß“. Das Zeugnis seines Freundes Edgar, der es gleichwohl im späteren Leben zu nichts Rechtem gebracht hat, war besser. Auch das Jahresmittel für seine Übersetzungen ins Lateinische und aus dem Griechischen erhob sich nur in den lateinischen Aufsätzen etwas über das Genügende, während es in den Übersetzungen ins Französische weit darunter herabsank. Und ähnlich, d. h. nur genügend, standes mit den fremdsprachlichen Übersetzungen in der schriftlichen Reifeprüfung, desgleichen in der Mathematik. Ebenso zeigte er in der mündlichen Prüfung nur „befriedigende“ Kenntnisse bei der Erörterung der Unsterblichkeit der Seele (Religion), bei der Übersetzung aus Thukydides und Homers Ilias und in der Arithmetik und Geometrie. Bloß „ziemlich befriedigend“ gar erwies er sich bei den Übersetzungen aus Horaz und Livius sowie aus Montesquieu und in der Physik (Voltasche Säule), und in der Geschichtsprüfung zeigte sich der künftige Begründer des historischen Materialismus nur „mit dem Allgemeinsten bekannt“, freilich in einem für uns Heutige so weit entlegenen Gegenstande wie den angeblichen Staatseinrichtungen des Servius Tullius und den Ereignissen des — fünften Kreuzzugs. Immerhin wurden seine Klassenleistungen in den gleichen Fächern etwas höher bewertet. So galt er in Geschichte und Geographie als „im allgemeinen bewandert“, hatte er in der Mathematik „gute“ und in der Religionslehre „ziemlich deutliche und begründete“ Kenntnisse der „christlichen Glaubens- und Sittenlehre“. Und in den alten Sprachen ließ er es zwar im Griechischen etwas an der grammatischen Sicherheit fehlen, übersetzte aber die leichteren Stellen der Klassiker auch ohne Vorbereitung mit „Fertigkeit und Umsicht“; auch die schwierigeren, mit einiger Nachhilfe, besonders wenn — wie es bezeichnenderweise heißt — die Schwierigkeit „nicht so sehr in der Eigentümlichkeit der Sprache als in der Sache und dem Gedankenzusammenhange“ bestand. Am besten war er im Deutschen; hier wurden sogar seine „grammatischen Kenntnisse“ (!), ebenso wie seine Aufsätze, als „recht gut“ bezeichnet.

Weit wichtiger aber für uns als alle diese Urteile seiner Lehrer über Marx’ Leistungen, so gerecht sie subjektiv auch abgegeben sein mögen, ist der Umstand, daß in Grünbergs Artikel zum erstenmal die drei bis dahin ganz unbekannten Prüfungsaufsätze, also gewissermaßen das „Erstlingswerk“ des Siebzehnjährigen, der deutsche, der lateinische und der — Religionsaufsatz aufs genaueste mit den Fehlern, den Anstreichungen und dem Urteil der Lehrer abgedruckt worden sind.

Verhältnismäßig am wenigsten unter ihnen interessiert der lateinische Aufsatz, der die Frage behandelte, „ob die Herrschaft des Augustus mit Recht unter die glücklicheren Zeiten des römischen Staates gezählt werde“. Der Stil ist, auch nach dem Urteil des Fachlehrers und des Direktors, gefällig, die Behandlung des Themas gewandt und die an den Tag gelegten Geschichtskenntnisse gut; dagegen finden sich ziemlich zahlreiche Verstöße gegen Grammatik und Latinität. Aber als Ganzes befriedigt er uns heutige Leser doch nicht recht. Das Thema ist ein rechtes Schulthema, das den jungen genialen Kopf offenbar nicht gepackt hat, und ist daher ziemlich äußerlich behandelt. Bemerkenswert ist, wie bei den übrigen Aufsätzen, die große Länge, die 21/2, bei dem Religionsaufsatz 3, bei dem deutschen sogar 31/4 enggedruckte Druckseiten beträgt.

Viel besser lag dem jungen Reifeprüfling offenbar das Thema des deutschen Aufsatzes: „Betrachtung eines Jünglings bei der Wahl eines Berufs“. Wohl verlockte ein solches „freies“ und für die begabteren Schüler angenehmeres Thema zum Moralisieren, und ganz ist der jugendliche Verfasser dem auch nicht entgangen. Allein, im ganzen liest sich die Arbeit gut, und der korrigierende Lehrer — es war ein noch junger Vertreter, an dessen Stelle der Direktor mit seiner Unterschrift die Verantwortung übernahm — hatte recht, wenn er den für einen so jungen Menschen in der Tat erstaunlichen Reichtum der Gedanken und ihre gute, planmäßige Anordnung lobte. Wenn er dann das dem Verfasser auch sonst eigene „übertriebene Suchen nach einem bilderreichen Ausdruck“ tadelt, so kann ich ihm darin als altgedienter Lehrer des Deutschen und zuletzt Oberschulrat nicht beipflichten. Dieser bilderreiche oder vielmehr lebendige, oft freilich ins Poetische gehende Ausdruck ist zwar vorhanden und hätte zuweilen besser eingeschränkt werden können, das ist richtig. Aber wer wird das einem phantasiereichen, geistsprühenden Schülerkopf verargen, soweit hinter den Bildern Gedanken stecken und die Klarheit und Bestimmtheit des Sinnes nicht darunter leidet? Wenn man freilich in dem Satze: „Aber wir können nicht immer den Stand ergreifen, zu dem wir uns berufen glauben; unsere Verhältnisse in der Gesellschaft haben einigermaßen schon begonnen, ehe wir sie zu bestimmen im Stande sind“, schon den Keim der künftigen materialistischen Geschichtsauffassung erblicken will, so ist das vielleicht etwas viel gesagt. Allein, es ist ein jugendlicher Vorklang des reifen Mannes, wenn er am Schlüsse mit der „Geschichte“ diejenigen „die größten Männer nennt, die, indem sie für das Allgemeine wirkten, sich selbst veredelten“, zu denen ja auch das Opfer Jesu (der nicht mit Namen genannt wird) „für die Menschheit“ gehöre; und wenn er dann schließt: „Wenn wir den Stand gewählt, in dem wir am meisten für die Menschheit wirken können, dann können uns Lasten nicht niederbeugen, weil sie nur Opfer für alle sind; dann genießen wir keine arme, eingeschränkte, egoistische Freude, sondern unser Glück gehört Millionen ... “, so denken wir unwillkürlich an sein späteres Lebenswerk.

Besonders merkwürdig ist es für einen Kenner des späteren Marx, den Religionsaufsatz des jugendlichen Abiturienten zu lesen, der ein ziemlich dogmatisches oder, wenn man will, mystisches Thema behandelt, nämlich „die Vereinigung der Gläubigen mit Christo nach Joh. 15,1—14 in ihrem Grund und Wesen, in ihrer unbedingten Notwendigkeit und in ihren Wirkungen“ darstellen sollte. (Mit dem 15. Kapitel des Johannesevangeliums ist das Gleichnis vom Weinstock und den Reben gemeint.) Man erwartet, daß hier schon der frühreife Knabe des Hauses Marx zum Ausdruck kommen werde, und man weiß nicht, wie weit die wirkliche Ansicht des Verfassers durch kluge Rücksichtnahme auf den Schulzweck und die Religionsanschauung des theologischen Lehrers bestimmt ist. Die eigene Art unseres Helden scheint uns jedoch, wenigstens im Anfange, sichtbar zu werden. Er beginnt gleich mit der philosophischen Wendung, ob nicht jene mystische „Vereinigung“ doch „durch die Natur des Menschen bedingt“ sei, ob er nicht „durch sich selbst“ seinen Endzweck zu erreichen vermag und zieht dann die Geschichte als „die große Lehrerin der Menschheit“ sowie die Entwicklung des Einzelnen heran, um jene Frage zu bejahen; bei welcher Gelegenheit übrigens noch der „göttliche“ Plato (noch nicht, wie später Aristoteles) als der größte Weise des Altertums bezeichnet wird. Sodann und am ausführlichsten wird der letzte und schwerste Beweis, das Wort Christi selber, behandelt. Es folgt eine lange und ziemlich orthodoxe, aber in schwungvolle Sprache gefaßte Auseinandersetzung über deren Sinn, das Wesen der Vereinigung und ihre Wirkung, die in der wahren Liebe und Aufopferung für unsere Brüder (man vergleiche den deutschen Aufsatz!) besteht; wobei die christliche Tugend über das „finstere Zerrbild“ der stoischen Philosophie und die „leichtfertige“ Philosophie der Epikureer, die Marx sechs Jahre später in seiner Doktorarbeit so hoch stellt, erhoben wird. Sie allein soll zu einer „Freudigkeit“ führen, die „nur das unbefangene, kindliche, mit Christo und durch ihn mit Gott verbundene Gemüt kennt, die das Leben schöner gestaltet und erhebt (Joh. 15, 14).“ Damit schließt die Arbeit.

Wir können, wie gesagt, bei dem Fehlen jeder anderen eigentlich religiösen Äußerung von Marx nicht mit Sicherheit feststellen, ob seine letzten Ausführungen eine bloße Umschreibung des Sinnes jenes Johanniskapitels sein sollen, was wir, zumal nach dem letzten Klammerzeichen, vermuten, oder nicht. Vielleicht ahnte der korrigierende Konsistorialrat doch etwas von diesen Dingen, wenn er der Arbeit zwar, und mit Recht, das Lob einer gedankenreichen, blühenden, kraftvollen Darstellung zusprach, dagegen „das Wesen der fraglichen Vereinigung gar nicht angegeben, den Grund derselben nur von einer Seite aufgefaßt und ihre Notwendigkeit nur mangelhaft nachgewiesen“, kurzum das Ganze wenig theologisch fand. Die „Gottheit“ wird übrigens, als Leiterin der Menschheit, auch im ersten Teil des deutschen Aufsatzes öfters ohne zwingenden Grund erwähnt; das entsprach ja auch der Gesinnung, die wir an seinen Eltern kennenlernten.

Gewiß soll man auf Schulaufsätze, zumal falls sie in der Aufregung der Reifeprüfung und für das Auge des Lehrers und des Provinzialschulrats geschrieben werden, keinen allzu starken Wert legen. Und Karl Marx hat sich sicherlich schon bald in vielem geändert und über seine Romantik, namentlich über sein hier dargelegtes „Christentum“, nach wenigen Jahren gelächelt. Immerhin gewährt es ein nicht rein historisches Interesse, den Unfertigen auf dieser Bildungsstufe zu beobachten, der die Gedichte von 1836 (Kap. II) noch nahe stehen, während der große Studienbrief vom 19. November 1837 ihn schon bedeutend gereifter zeigt.

Noch eine Frage steigt in uns auf, ehe wir ihn seine Vaterstadt verlassen sehen: ob nicht die zum Teil uralten historischen Denkmäler und die schöne landschaftliche Umgebung Triers irgendwelchen Eindruck in seiner Seele hinterlassen haben? Eine bestimmte Antwort läßt sich auf die erste Frage mangels einer zuverlässigen und bestimmten Äußerung nicht geben. Immerhin, glaube ich, dürfen wir sie bejahen, denn, so sehr wir auch im allgemeinen das Fehlen solcher individuellen unpolitischen wie unphilosophischen Äußerungen bei Marx bedauern, hat er doch in einem Briefe an seine Tochter Laura bei Gelegenheit eines Besuchs der alten englischen Stadt Canterbury die bezeichnende Äußerung getan, es sei keine Spur darin von der „Poesie“ zu erblicken, die man bei jeder gleichalten Stadt auf dem Kontinent wahrnehmen könne. Und daß er auch für die heimische Landschaft Sinn gehabt hat, das bezeugt nicht bloß eine Stelle in dem großen Briefe des Jünglings vom 10. November 1837, wo es von der ersten großen Reise von Hause nach Berlin heißt, daß sie ihn unter anderen Umständen „im höchsten Grade entzückt, zu Naturanschauung aufgeregt hätte“, sondern noch unmittelbarer der ursprüngliche Wortlaut der Zueignung seiner Doktorarbeit an den väterlichen Freund Geh. Rat von Westphalen, in der er die Hoffnung ausspricht, bald an dessen Seite „unsere wunderbar pittoresken Berge und Wälder wieder zu durchirren“ (S. W. Bd. I, S. 7 Anm.). Und noch mehr vielleicht die ganz in den Ton der Romantik verfallenden Gedichte seiner Studentenzeit, von denen im nächsten Kapitel noch kurz die Rede sein wird. Freilich werden solche Stimmungen später von seiner philosophischen und politischen Leidenschaft, mindestens in seiner Schriftstellerei wie in seiner Korrespondenz, völlig überwuchert.

Doch nun war seine Knabenzeit vorüber. Und der siebzehnjährige Jüngling verließ im Oktober 1835 das alte Trier und mit ihm das Vaterhaus, das ihn bisher auf Händen getragen hatte, um zunächst die heimische Universität, die alma mater Bonnensis, zu besuchen.

KAPITEL II AUF DER UNIVERSITÄT

Inhaltsverzeichnis

1835—1841

Am 17. Oktober 1835 wurde Karl Marx als studiosus iuris ander Universität Bonn immatrikuliert, und seine ersten beiden Semester hat er an der seit 1818 wieder eingerichteten schöngelegenen Hochschule am Rhein zugebracht. Nach seinem ersten Briefe zu urteilen, kam dem angehenden Studiosen der Anfang seiner Studien angenehm und leicht vor und vermochte er, im Unterschiede von der Berliner Zeit, sogar seinem Berufsfach „Geschmack abzugewinnen“. Von den ursprünglich beabsichtigten neun (!) Kollegien hat er dann doch ein Drittel gestrichen, denn nach Ausweis seines Abgangszeugnisses vom 22. August 1836 hörte er in seinem ersten Bonner Semester Enzyklopädie der Rechtswissenschaft, Institutionen und Geschichte des römischen Rechts „sehr fleißig und aufmerksam“, von nichtjuristischen Vorlesungen bei August Wilhelm von Schlegel „Fragen über Homer“, bei Professor d’Alton Neuere Kunstgeschichte und „mit vorzüglichem Fleiß und Aufmerksamkeit Mythologie der Griechen und Römer“. Dazu kamen im Sommersemester 1836 von juristischen Vorlesungen: Deutsche Rechtsgeschichte, Europäisches Völkerrecht und Naturrecht, außerdem, wohl infolge seiner dichterischen Neigungen, Elegien des Properz bei Schlegel. Es gefiel dem Vater natürlich besser, daß der Sohn ein „Kränzchen“ besuchte, als die Kneipe. Auch muß Karl zeitweise wohl übermäßig studiert haben, worauf auch der Umstand schließen läßt, daß er sich von dem gesandten Gelde viele Bücher, besonders „große Geschichtswerke“, anschaffte; wenigstens warnt ihn der besorgte, überhaupt in seinen Briefen gern etwas moralisierende Vater davor, ebenso wie vor vielem Trinken und Rauchen, was der Gesundheit schade. Von seinen Lehrern gefiel ihm besonders gut der Rechtshistoriker Professor Walter.

Indessen muß der junge Student in der rheinischen alma mater wohl auch gelegentlich einmal etwas in Saus und Braus gelebt haben. Denn nach dem erwähnten Abgangszeugnis hat der angebliche bloße „Geistesmensch“ sogar einmal wegen — „nächtlichen ruhestörenden Lärmens und Trunkenheit“ eine eintägige Karzerstrafe bekommen. Dagegen ist der gefürchtete spätere „Verschwörer“ weder zu Bonn noch später zu Berlin in den Verdacht gekommen (worüber damals eine besondere Bemerkung in das Abgangszeugnis aufzunehmen war), einer „verbotenen Verbindung unter Studierenden“ angehört zu haben. Nur sei er angezeigt worden, daß er „verbotene Waffen in Köln getragen“ habe: „die Untersuchung schwebt noch“. Wir wissen sonst nichts davon. Ob er sich einmal duelliert hat? Der Vater schreibt ihm im Mai oder Juni 1836 einmal: „Ist denn das Duellieren so sehr mit der Philosophie verwebt?“ Später hat er, als Lassalle ihn im Juni 1858 in seinem Streithandel mit Fabrize um seine Meinung gefragt hatte, in Übereinstimmung mit Engels und Wilhelm Wolff, das Duell an sich für die „Reliquie einer vergangenen Kulturstufe“ und für „reine Farce“ erklärt, wenn es „aus Höflichkeit gegen die sogenannte öffentliche Meinung“ stattfindet, die ja im Grunde nur die Anmaßung einer „duellfähigen Clique“ sei. Dagegen gibt er zu, daß Individuen „in solch unerträgliche Kollisionen miteinander geraten können, daß ihnen das Duell als einzige Lösung erscheint“ (Marx an Lassalle, io. Juni 1858).

Daneben hat sich der spätere große Nationalökonom und Politiker als junger Student ausgiebig in — Poesie versucht, und zwar, dem Zeitgeist entsprechend, in romantischer Lyrik. Leider sind die schon 1836 fertiggestellten drei ziemlich dicken Gedichthefte, die in der Familie Marx aufgehoben wurden, inzwischen nach dem Berichte Rjasanovs in der neuen Gesamtausgabe von dem Enkel Jean Longuet an einen Unbekannten verliehen worden und seitdem verschollen. Wir besitzen darüber, abgesehen von zwei besonders abgedruckten, die später noch erwähnt werden sollen, nur die Notizen Mehrings, der sie sich leihweise von Marx' Tochter Laura La-fargue hatte schicken lassen, in seiner Nachlaßausgabe von 1902 (Bd. I). Danach sind es „romantische Harfenklänge“, darunter „ein Lied der Elfen, ein Lied der Gnomen, ein Sang der Sirenen, Lieder an die Sterne, Glöckners Turmlied, des Sängers letztes Lied, das bleiche Mädchen, der Knabe und das Mägdlein, ein Balladenzyklus von Alboin und Rosamunde“ und anderes der Art. Karl hat sogar anfangs an Drucken derselben gedacht, obwohl der treue Vater ihn vor dem Schicksal eines „gemeinen Poetleins“ warnte; aber er hat auch bereits nach einem Jahre, in seinem großen Bekenntnisbriefe vom 10. November 1837, selbst darüber in sehr verständiger Selbstkritik mit den Worten geurteilt: „Alles Wirkliche verschwimmt und alles Verschwimmende findet keine Grenze, breit und formlos geschlagenes Gefühl, nichts Naturhaftes, alles aus dem Monde konstruiert, rhetorische Reflektionen statt poetischer Stimmungen“. Und gar aus seinem späteren Leben berichtete die Tochter Laura dem Freunde Mehring: „Ich muß Ihnen sagen, daß mein Vater diese Verse sehr respektlos behandelt hat; allemal, wenn meine Eltern darauf zu sprechen kamen, lachten sie herzlich über diese Jugendtorheiten. “

Mit diesem glühenden Hang des Siebzehn- bis Achtzehnjährigen zu einer ziemlich formlosen Poeterei aber war ganz natürlich eine gewisse „Genialität“, d. h. Unordnung in der äußeren Lebensführung, mindestens in der von dem gestrengen Vater verlangten Rechnungslegung verbunden. „Deine Rechnung ist a la Carl, ohne Zusammenhang, ohne Resultat, . . . man fordert auch von einem Gelehrten Ordnung, besonders aber von einem praktischen Juristen“, so heißt es in einem Brief aus dem Winter 1835/36. Und warum die von ihm erwähnte Reise nicht unter den Ausgaben figuriere? „Du hast Dich doch hoffentlich nicht mit Fechten durchgeschlagen?“ Im ganzen hatte er dem Sohne im Laufe des Semesters 160 Taler gegeben; das sei aber auch für ihn das „nec plus ultra“, andere kämen mit weniger aus. Auch seinen „Studienplan“ habe er noch nicht mitgeteilt. Übrigens war der Sohn auch eine Zeitlang unwohl gewesen und erhielt deshalb von der besorgten Mutter ein ganzes Bündel gutgemeinter und verständiger Ratschläge. Er wird zu Ende des ersten Semesters (am 19. März 1836) „mit Sehnsucht“ von „allen“ zurückerwartet.

In jener obenerwähnten Selbstkritik seiner Gedichte wollte er ihnen wenigstens „eine gewisse Wärme der Empfindung und Ringen nach Schwung“ zusprechen. Solche Vorzüge zeichneten, nach den von Mehring a. a. O. S. 27f. gegebenen Proben, namentlich die Liebeslieder aus. Diese aber waren gerichtet an seine Jugendgespielin. Ende Herbst 1836 widmete er von Berlin aus alle drei Hefte, das „Buch der Lieder“ wie das „Buch der Liebe“ seiner „teuren, ewiggeliebten Jenny v. Westphalen“. Denn nicht bloß der dichtenden Romantik hat der achtzehnjährige Student seinen Zoll bezahlt, sondern er hat auch ein zweites in den Augen der Welt sehr Unvernünftiges getan: er hat sich nach seiner Rückkehr von Bonn, noch ehe er nach Berlin in die Ferne zog, mit seiner um vier Jahre älteren, am 12. Februar 1814 geborenen Jugendfreundin verlobt, und zwar zunächst noch längere Zeit ohne Wissen von deren Eltern. Die damals zweiundzwanzigjährige Jenny war ein Mädchen von ungewöhnlicher Schönheit; sie hieß noch nach Jahren die „Ballkönigin“ und „das schönste Mädchen von Trier“, und ein von uns beigegebenes Bild aus ihrer Jugendzeit stellt sie in der Tat als von bestrickender Anmut dar. Aber sie besaß mehr als das, einen ungewöhnlichen Geist und Charakter und vor allem eine tiefgehende Uneigennützigkeit, denn sie opferte ihre glänzenden Aussichten der unsicheren Zukunft des Jugendfreundes. Und sie hat ihm, wie wir noch sehen werden, durch allen Sturm und Drang, ja durch furchtbare Leiden und Qualen hindurch als seine echte, unbeugsame, tapfere Lebensgefährtin die Treue gehalten, wie er ihr, bis an ihr Ende.

Von nun an spielt auch die Verlobung — von der Karl in seinem ersten, bereits Anfang September 1836 geschriebenen Briefe aus Berlin dem Vater Mitteilung gemacht haben muß — in den Schreiben des Vaters eine fast ständige Rolle. In dessen erster Antwort, datiert aus Trier am 9. September 1836, findet sich neben allerlei persönlichen Nachrichten auch eine interessante Bemerkung über Karls Persönlichkeit. Hatte Vater Marx schon in einem früheren, nach Bonn gerichteten Briefe die „Aufrichtigkeit, Offenheit und Biederkeit seines Charakters“ gerühmt, so wie er auch sein Herz „gut und edel“ glaube, so macht er in diesem Schreiben die Bemerkung, daß Karl wohl besser, als er selbst in seiner eigenen Jugend, es verstehe, trotz seiner „strengen Grundsätze“ mit „den verschiedenartigsten Menschen umzugehen“, und gebraucht gleichzeitig eine andere, prophetische Wendung: „Reibe Dich nicht auf, Du hast noch lange, wills Gott, zu Deinem und Deiner Familie Wohl und, wenn mich meine Ahnungen nicht irren, zum Wohl der Menschheit, zu leben.“ Das ihm anvertraute Geheimnis werde er selbst vor der Mutter einstweilen noch geheim halten. Aber Karl habe, wenn er „nach abgehaltener Selbstprüfung“ auf seinem Vorhaben „wirklich beharre“, fortan „die heilige Pflicht“, trotz seiner jungen Jahre „sofort ein Mann zu werden“.

Am 28. Dezember des Jahres tadelt er den Sohn wegen seiner Empfindlichkeit und überhaupt seiner „Exagerationen (Übertreibungen) und Exaltationen der Liebe in einem dichterischen Gemüte“, mit dem er Gefahr laufe, die Ruhe des geliebten Wesens, das ihm ein unschätzbares Opfer bringe und die größte Selbstverleugnung beweise, zu zerstören, um so mehr, da sie noch nicht wisse, wie ihre Eltern, die Verwandten und die Welt die Sache aufnehmen würden. Er müsse durch ein „männliches, festes und doch das Wohlwollen und die Gunst der Menschen erwerbendes Streben“ voranzukommen, womöglich einen Dozentenposten, „wenn auch in den unteren Graden“, zu erlangen und bis dahin durch — poetische Schriftstellerei etwas zu verdienen suchen! Es folgt eine Nachschrift der Schwester Sophie, Jennys Freundin: „Ich träume und denke nur an Euch. Jenny liebt Dich, wenn der Unterschied der Jahre ihr Kummer macht, so geschiehts ihrer Eltern wegen. Sie wird dieselben jetzt nach und nach vorzubereiten suchen, alsdann schreibe ihnen selber; Du giltst ja viel bei ihnen. Jenny besucht uns häufig. Gestern war sie noch bei uns und weinte bei Empfang Deiner Gedichte Tränen der Wonne und des Schmerzes . . . “

Am 3. Februar 1837 äußert sich der Vater zufrieden über die größere Ruhe und das straffe Arbeiten Karls. Nur müsse dieser in Absicht auf eine künftige Dozentur noch sein Stimmorgan auszubilden suchen, wie er ihm auch schon nach Bonn geraten hatte, sich wegen seiner schwachen Brust in acht zu nehmen. Jenny mache sich Sorge, ihn zur Überanstrengung zu verleiten, sie könne nach ihrem eigenen Geständnis „sich selbst nicht erklären, wie sie, die ganz Verstandmensch zu sein glaubte, sich so hinreißen ließ“. Er dürfe ihr jetzt einen Brief schreiben, für den ihm der besorgte Vater allerlei wohlgemeinte Ratschläge gibt! Jenny sehe er jetzt selten; sie könne nicht, wie sie wolle; aber Karl könne ihrer Liebe sicher sein. — Am 2. März d. J. haben sich in das Gehirn des zu Grübeleien geneigten Vaters „Grillen“ eingeschlichen, über den Charakter des Sohnes, die er diesem in einem langen Briefe offenherzig kundgibt: ob dessen Herz seinem Kopfe und seinen Anlagen entspreche, ob der Dämon, von dem dies offenbar belebt und beherrscht werde, „himmlischer oder faustischer Natur“ sei; ob er je für wahrhaft menschliches, häusliches Glück empfänglich sein werde. Jenny zeige zuweilen, gegen ihren Willen, eine Art von ahnungsschwangerer Furcht, obwohl sie ihm das auszureden suche. Die Verwirklichung aller großen Hoffnungen, die er auf Karls Emporkommen setze, bedeute ihm jedoch nichts im Verhältnis zum Glück und der Reinheit seines Herzens. Jenny scheine seine Gründe zu billigen, bitte aber den Brief an ihre Eltern nicht direkt zu schicken. Im weiteren Verlauf des Schreibens folgt dann der im ersten Kapitel erwähnte Rat zur Abfassung eines patriotischen Dramas. — Den Brief vom 12. August schreibt der Vater aus Bad Ems, wohin er sich zu einer dreiwöchigen Kur wegen eines quälenden Hustens zurückgezogen hat. Auch dem Bruder Eduard gehe es sehr schlecht, desgleichen sei Sophie nie ganz wohl und ja auch Jenny längere Zeit unpaß gewesen. Karl solle nur seine „stürmischen Eigenheiten“, seine „heftigen Aufbrausungen“, seine „kränkelnde Empfindlichkeit“ besser zu bezähmen suchen. Dieser scheint ihm damals einen Plan zu einer Zeitschrift entwickelt zu haben. Da er Karl absichtlich während der Sommerferien nicht nach Trier eingeladen hatte, so hatte er selbst eine Reise zu ihm nach Berlin geplant, muß jedoch für dieses Jahr wegen der aufgelaufenen Kosten davon absehen. — Am 16. September folgt wieder ein sehr langer Brief mit allerlei Zukunftserwägungen, betreffend den Gedanken einer akademischen Laufbahn in Jurisprudenz oder besser Philosophie. Mit der geplanten Zeitschrift scheint Karl eine theaterkritische gemeint zu haben, die freilich, wenn man an Lessing denke, wenig Mut zu einem reichlichen Einkommen mache; eher eine gut einschlagende Tragödie oder Komödie größeren Stils. Auch hat ihm der Sohn geschrieben, daß er nach Ablauf der drei Studienjahre (also vom Herbst 1838 an) auf weitere pekuniäre Unterstützung von Hause zu verzichten bereit sei. Wenn Jenny, die augenblicklich von einer Reise wieder in Trier zurückerwartet werde, ihm nicht schreiben wolle, so könne er (der Vater) das nicht billigen; die Mutter meint in einer Nachschrift dieses Stillschweigen mit „jungfräulicher Scham“ erklären zu sollen.

Dann aber ist endlich ein Brief des Sohnes vom 10. November 1837 erhalten, der uns durch seinen Inhalt und seine Ausführlichkeit für manchen verlorenen entschädigt. Er ist von Eleanor, Karl Marx' jüngster Tochter, unter den hinterlassenen Papieren von Schwester Sophie gefunden und 1897 im Jahrgang 16 der „Neuen Zeit“ veröffentlicht worden. Wir nehmen die Familiennachrichten kurz vorweg, obwohl sie im Briefe erst am Ende stehen. Die Eltern seiner Jenny haben jetzt dem Herzensbunde beider zugestimmt, und von ihr selbst hat er endlich den ersehnten Brief bekommen, den er seit seinem Empfang schon ein dutzendmal gelesen hat. Er hofft, bald Erlaubnis vom Vater zur Heimkehr nach dem über ein Jahr nicht mehr gesehenen Vaterhaus zu bekommen. Die Hauptsache jedoch ist ein Rückblick, den in diesem Briefe der über seine Jahre hinaus gereifte Studiosus auf das hinter ihm liegende, innerlich höchst bewegte Studienjahr wirft.

Die lyrische Poesie, deren eigene Produktionen er schon bald mit der ihm eigenen Selbstkritik verwirft (s. S. 18), legt er nach kurzer Zeit entschlossen beiseite. Er mußte „Jurisprudenz studieren, fühlte aber vor allem Drang, mit der Philosophie zu ringen“. Das suchte er in der Weise miteinander zu verbinden, daß er juristische Kompendien durchnahm und z. B. die beiden ersten Bücher der Pandekten ins Deutsche übersetzte, daneben aber eine „beinahe dreihundert (!) Bogen“ — ein Schreibfehler? — starke Rechtsphilosophie entwarf; zunächst eine „Metaphysik des Rechts“, höchst abstrakt und idealistisch mit Fichteschen Zügen, im Grundschema an Kants Rechtslehre angrenzend, mit Anwendung auf das römische Recht. Allein so abstrakt, daß dabei „der Geist des Rechts und seine Wahrheit untergingen“. Ein ausführliches Schema der ganzen Einteilung mit vielen lateinischen t.t. wird beigegeben. Indes sah er bald die Verkehrtheit des ganzen Planes ein, verwarf ihn daher noch vor der Vollendung und faßte ein neues, ebenso verkehrtes „metaphysisches Grundsystem“ ab. Daneben trieb er noch alles mögliche andere, machte sich Auszüge aus Lessings Laokoon, Winckelmanns Kunstgeschichte, Solgers Erwin und Ludens Deutscher Geschichte, übersetzte Tacitus' Germania und Ovids Tristia, fing auf eigene Faust Englisch und Italienisch an und las nebenher noch alles Neueste der Literatur. Am Ende des Semesters verfiel er wieder auf eigene phantastisch-satirische Poesie.

Und das alles in dem einen Winter 1836/37! Kein Wunder, daß er sich durch die nächtelange Arbeit und die völlige Vernachlässigung von Natur, Kunst, Welt, Umgang mit Kameraden völlig auf den Hund, zu einem „bleichsüchtigen Schwächling“ heruntergearbeitet hatte. Dann zog er auf den Rat eines vernünftigen Arztes aus seiner Stadtwohnung (Alte Leipziger Straße) heraus in den Vorort Stralau, damals noch ein stilles Fischerdorf an der Spree. Hier reifte er nicht bloß zu einer „robusten Festigkeit des Körpers heran“, sondern machte er auch eine grundstürzende philosophische Umwälzung in seinem Innern durch: „ein Vorhang war gefallen, mein Allerheiligstes zerrissen, und es mußten neue Götter hineingesetzt werden“. Es war die

Bekehrung zu Hegel,

die er mit diesen Worten einleitet, und die auch nicht ohne Revolutionen, die den ganzen inneren Menschen in ihm aufwühlten, vor sich ging. Es ist eigentlich merkwürdig, daß die Hegelei, wie Engels einmal im „Feuerbach“ sich ausdrückt, die trotz des bereits sechs Jahre zuvor erfolgten Todes ihres Urhebers die ganze damalige junge Welt angesteckt hatte, den leidenschaftlichen Jüngling, der sich von allem Neuen so leicht anregen ließ, nicht eher gepackt hat. Er hatte seinen philosophischen Idealismus bisher nur, nach eigenem Eingeständnis, „mit Kantischem und Fichteschem verglichen und genährt“. Von Hegel hatte er zunächst nur Fragmente gelesen, deren „groteske Felsenmelodie“ ihm „nicht behagte“. Jetzt näherte er sich ihm wieder, aber schon mit einer neuen „bestimmten Absicht“, — die „geistige Natur ebenso notwendig, konkret und festgerundet zu finden, wie die körperliche“. Doch er kann zunächst längere Zeit noch nicht von einem abstrakten Idealismus los. Er schreibt einen neuen, umfangreichen Dialog „von ungefähr vierundzwanzig Bogen“, der „vom Ausgangspunkt und notwendigen Fortgang der Philosophie“ handelt und nunmehr in „philosophisch-dialektischer Entwicklung“ — also Hegel! — die „Gottheit“ als Begriff an sich, als Religion, als Natur, als Geschichte „sich manifestieren“ läßt und — bis zum Anfang des Hegelschen Systems heranführte: nachdem er sich zu diesem Zwecke mit Naturwissenschaft, Schelling, Geschichte „einigermaßen bekannt gemacht hatte“. Indes, übersättigt von dieser Abstraktionswut und -fruchtbarkeit, wirft er sich bald darauf wieder positiven juristischen Studien und einer ganzen Reihe gelehrter rechtswissenschaftlicher Kompendien in die Arme, um danach noch Aristoteles’ Rhetorik teilweise zu übersetzen, Bacos Hauptwerk und verschiedenes andere zu lesen. Er wehrt sich also gegen Hegel. Indes, ein längeres Unwohlsein, allem Anschein nach mehr seelischer Art, läßt ihn dann doch Hegel „von Anfang bis Ende samt den meisten seiner Schüler“ — eine nette Masse von „Geist“! — kennen lernen. Allein, ein noch wichtigeres Ereignis steht ihm bevor. Er gerät durch einige Freunde, besonders einen gewissen Dr. Rutenberg, anscheinend schon in Stralau (Stralow), in einen „Doktorklub“ hinein, in dem eine Anzahl freigesinnter Privatdozenten, Gymnasiallehrer und freier Literaten zur Diskussion philosophischer und politischer Probleme zusammenkamen, und kettet sich dadurch, in Zustimmung und Widerspruch, „immer fester an die jetzige Weltphilosophie, der ich zu entrinnen gedachte“.

Man muß diesen Brief, in dem sich der junge Marx die geistigen Umwälzungen eines Jahres dem geliebten Vater gegenüber vom Herzen schreibt, selber lesen, um einen lebendigen Begriff von seinem damaligen inneren Zustand zu bekommen. Es ist in der Tat erstaunlich, was alles der eben Neunzehnjährige in diesen beiden ersten Berliner Semestern in sich geschlungen hat. Es ist eine wahrhaft übermenschliche Arbeitskraft, die alle möglichen Gebiete: Rechtswissenschaft, Philosophie der verschiedensten Art, Geschichte, Poesie, schöne Literatur, umfaßt und nicht bloß in sich aufnimmt, sondern, fast mehr noch, selbst produziert; verbunden mit einer leidenschaftlichen Selbstkritik, die unzufrieden das eben erst Geschaffene wiederum vernichtet. Wir gewahren eine Ruhelosigkeit und Leidenschaftlichkeit, die sicher nicht zu einem festen, richtunggebenden Leitstern philosophischen Denkens taugt, eine Unruhe der Gedanken, die sich auch im Reichtum der Worte nicht genug zu tun weiß, die in einem Briefe an den Vater mit der Wendung von „dem Adlerfluge des Gedankens“ beginnt, und mit der für einen so glühenden Liebhaber, wie er ist, doch ziemlich unnatürlich klingenden Bemerkung schließt, daß der Brief seiner Jenny „in jeder, auch stilistischer Hinsicht der schönste Brief“ sei, „den man von Damen denken kann“. Wobei man allerdings bedenken muß, daß er diesen seinen eigenen Brief mit „schlechtem Stil“ in der Nacht bis beinahe vier Uhr bei gänzlich abgebrannter Kerze und mit trüben Augen geschrieben hat!

Gegen Ende schließt das Schreiben mit einigen praktischen Fragen. Einen Beitrag zu seinem Almanach hat ihm Chamisso zurückgeschickt, weil derselbe schon lange gedruckt sei, seine übrigen theaterkritischen Pläne hat er noch nicht aufgegeben. Zu der von dem Vater ihm angeratenen kameralistischen Laufbahn gedachte er vielleicht später als Justitiar überzugehen, weil er charakteristischerweise „die Jurisprudenz aller Verwaltungswissenschaft vorzieht“. Wenn man später, als Assessor, zum Dr. iuris promoviere, seien auch die Aussichten viel leichter, zu einer außerordentlichen Professur zu gelangen.

Man sollte eigentlich denken, daß dieser ausführliche Bekenntnisbrief, in dem der Sohn zum Schluß bittet, ihm mit Rücksicht auf „die vielfach hin- und her geworfene Gestaltung seines Gemüts“ zu verzeihen, „wo oft das Herz geirrt zu haben scheine“, während „der kämpfende Geist es übertäubte“, den Vater umgestimmt haben müsse. Statt dessen erregte er dessen heftigen Verdruß. Hatte schon Karls vorhergehender, „fragmentarisch abgerissener“ und, „was noch viel schlimmer ist“, innerlich „zerrissener“ Brief ihm eine heftige Strafpredigt (vom 17. November) eingetragen, so beantwortete er das lange Schreiben vom 10. November am 9. Dezember mit einer Mahn-und Scheltpredigt von ebensolcher Länge, in welcher der sonst so gerechte Vater zwar vielleicht nicht Unrecht hat, wenn er dem Sohne „Ordnungslosigkeit, dumpfes Herumschweben in allen Teilen des Wissens, dumpfes Brüten bei der düstern Öllampe, Verwilderung im gelehrten Schlafrock und ungekämmten Haaren statt der Verwilderung beim Bierglase, zurückscheuchende Ungeselligkeit mit Hintansetzung alles Anstandes und selbst aller Rücksicht gegen den Vater“ vorwirft, aber in seiner Verbitterung zu ganz ungerechten Vorwürfen sich hinreißen läßt, wenn er ihm schreibt: „die Kunst, mit der Welt zu verkehren“, sei bei ihm „auf die schmutzige Stube beschränkt, wo vielleicht in der klassischen Unordnung die Liebesbriefe einer Jenny und die wohlgemeinten und vielleicht mit Tränen geschriebenen Ermahnungen des Vaters zum Fidibus“ verwandt würden! Kaum war „das wilde Toben (?) in Bonn zu Ende, kaum war dein Schuldbuch vernichtet, ... als zu unserer Bestürzung die Liebesleiden eintraten“, wobei wir „wahre Romaneneltern“ als deren „Herolde und Kreuzträger“ vielleicht „unangemessene Rollen spielten“. Und dabei nur unvernünftige und rhapsodische Briefe oder ein „tolles“ poetisches „Machwerk, das bloß bekundet, wie Du Deine Gaben verschwendest und Nächte durchmachst, um Ungetüme zu gebären; daß Du in den Fußtapfen der neuen Unholde trittst, die ihre Worte schrauben, bis sie selbst sie nicht hören, die einen Schwall von Worten, weil sie keine oder verwirrte Gedanken darstellen, als eine Geburt des Genies taufen“. Auch die unordentliche Finanzwirtschaft Karls wird getadelt: „Als wären wir Goldmännchen, verfügt der Herr Sohn in einem Jahre für beinahe 700 Taler gegen alle Abrede, gegen alle Gebräuche, während die Reichsten keine 500 ausgeben . . . Aber wie kann ein Mann, der alle 8 oder 14 Tage neue Systeme erfinden und die alten mühsam erwirkten Arbeiten zerreißen muß, wie kann der, frage ich, sich mit Kleinigkeiten abgeben . . . Jeder hat die Hand in seiner Tasche . . .“ Unter diesen Umständen wäre es Unsinn von Karl, jetzt nach Trier zu kommen, das habe Zeit bis zu den Osterferien, oder 14 Tage früher!

Den nächsten Brief vom 10. Februar 1838 schrieb Vater Marx vom Krankenlager, von dem er dauernd nicht wieder aufstehen sollte. Jetzt fühlte er sich doch allmählich — auch seine Krankheit hatte ja im vorigen Briefe seine Reizbarkeit erhöht — mit dem Sohne wieder versöhnt und ließ seinem „Herzen“ und seiner „Moralität“ volle Gerechtigkeit widerfahren, zumal nachdem Karl ihm zuliebe auf seinen Osterbesuch verzichtet hatte: „Dein letzter Entschluß ist höchst lobenswert und wohl überdacht, klug und löblich . . . Und sei versichert, daß Du nicht allein ein großes Opfer bringst. Wir sind alle in demselben Falle, aber die Vernunft muß siegen.“ Die gute Mutter fügte die traurige Mitteilung hinzu, daß der Vater sehr schwach sei, die liebe Jenny betrage sich „wie ein liebendes Kind gegen seine Eltern“ und erheitere die Familie „öfters durch ihr liebevolles, kindliches Gemüt, welches allem noch eine freundliche Seite abgewinnt“. Auch die Schwester Sophie fügte eine Nachschrift hinzu. — Am 26. (16.?) Februar schreibt umgekehrt die Mutter die Hauptmitteilungen: dem Vater gehe es mit dem Husten besser, aber er leide stark an einer „schleichenden Gicht“. Übrigens solle Karl, der über eine Herzerweiterung geklagt hatte, sich mit seiner Gesundheit mehr in acht nehmen. Er solle auch alles anwenden, um seinem militärischen Dienstjahr zu entgehen; habe er doch mit seinen schwachen Augen ein Recht dazu, seine Atteste schicke sie ihm mit: „Du würdest Dir viel Verdruß und Geld sparen“. Zu einer soldatischen Dienstzeit ist es denn auch bei Marx, im Gegensatz zu seinem Freunde Engels, nicht gekommen. Darunter steht eine verwischte, schwer zu entziffernde Zeile von des Vaters Hand: „Lieber Karl, ich grüße mit ein paar Worten, viel kann ich noch nicht. Dein Vater Marx.“