Karline und der Flaschengarten - Maike Siebold - E-Book

Karline und der Flaschengarten E-Book

Maike Siebold

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Beschreibung

»Nach dieser wunderbaren Freundschaftsgeschichte will man sich sofort einen Garten zulegen.« Kilifü – Almanach der Kinderliteratur Karline und ihr Vater sind ein super Team, bis der sich in Arve verliebt. Plötzlich fühlt sich Karline wie das dritte Rad am Fahrrad. Ein verwunschener japanischer Garten, den sie mit ihrer Freundin Grete auf einem verlassenen Fabrikgelände entdeckt, wird ihr heimlicher Zufluchtsort. Aber die zarten Pflänzchen eines frisch angelegten Beetes lassen die beiden erahnen, dass außer ihnen noch jemand von der Existenz des geheimen Gartens weiß – wer ist der Junge, der sich hier heimlich herumtreibt? Als das grüne Paradies einem Autohof weichen soll, hecken die Kinder einen gewagten Plan aus … Der Zauber eines geheimen japanischen Gartens bringt alle zusammen, egal wer sie sind und woher sie kommen - Ein japanischer Garten als Oase der Ruhe und Kraft hilft Karline ihr Gefühlschaos zu ordnen - Ein besonderes Kinderbuch über Freundschaft, Achtsamkeit und Toleranz und darüber, wie viel Gutes die Liebe zur Natur bewirken kann - Mit Anleitung zum Basteln eines Flaschengartens - Zu diesem Buch gibt es ein Quiz bei Antolin Stimmen zu "Karline und der Flaschengarten": »eine warmherzige, unaufgeregte und wunderbar atmosphärisch erzählte Geschichte. Maike Siebold lädt uns zu einem Abenteuer ein, das nicht nur zauberhafte Lesemomente bereithält, sondern auch ein wunderbar warmes Gefühl im Bauch hinterlässt - so wie es eine gute Tasse Tee an einem einzigartigen Ort vermag.« Janett Cernbohuby, Janetts Meinung »"Karline und der Flaschengarten" von Maike Siebold konnte uns begeistern, verzaubern und berühren.« Tanja @tanjas_buchgarten »Dieses Kinderbuch ist wirklich etwas ganz Besonderes! Trotz der vielen Themen wie Freundschaft, Familie, Natur, Geheimnisse, Vertrauen, das Wohnen in einer Flüchtlingsunterkunft, Tod und Leben ist es nicht überladen, sondern liest sich federleicht.« Henriette @henriette_linkshaenderin »spricht mit der perfekten Mischung aus Familien-, Freundschafts- und Umweltthemen nicht nur Kinder im Alter von 9 Jahren an.Erzählt im lockeren Stil geht es hier um vier Freunde und deren Leidenschaft zur Natur, um Umweltbewusstsein und Zusammenhalt.« Alexa Sprawe, TITEL kulturmagazin

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 176

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Originalcopyright © 2021 Südpol Verlag, Grevenbroich

Autorin: Maike Siebold

Illustrationen: Kai Schüttler

E-Book Umsetzung: Leon H. Böckmann, Bergheim

ISBN: 978-3-96594-126-7

Alle Rechte vorbehalten.

Unbefugte Nutzung, wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung, Speicherung oder Übertragung,

können zivil- oder strafrechtlich verfolgt werden.

Mehr vom Südpol Verlag auf:

www.suedpol-verlag.de

Das Leben beginnt mit dem Tag, an dem man einen Garten anlegt.

Sprichwort

Inhalt

Was macht die Frau im Brummermantel?

Wie kommt der Stick ans Tageslicht?

Was steckt in dem Püppchen?

Was wird Grete sagen?

Wie sieht der Plan aus?

Wo ist der märchenhafte Garten?

Wie wird das Grüne rund?

Was sollen wir bei Regen machen?

Was ist ein Garten ohne frische Luft?

Wo bekommen wir mehr Hände her?

Wie schlau sind Erbsen?

Was wird aus meiner weltklasse Idee?

Wer versteckt sich im Gartenhaus?

Wer gewinnt das Spiel?

Wie kann man unsterblich werden?

Was verbirgt sich in der Villa?

Warum nicht einen Ausflug machen?

Wo ist das Glück hin?

Wie soll ich es ihm sagen?

Was geschieht jetzt mit dem Garten?

Wie sieht die Rettung aus?

Was hat Imad vor?

Wann macht das Pech eine Pause?

Warum läuft es immer anders, als man denkt?

Was stimmt mit unseren Eltern nicht?

Fraglos glücklich

Extra: Bastel dir deinen eigenen Flaschengarten

Wie kommt der Stick ans Tageslicht?

Am Ende des Weges taucht ein Mann auf einem gelben Minibagger auf. Soweit ich es aus der Entfernung erkennen kann, ist es ein Mitarbeiter aus der Friedhofsgärt­nerei von Lucas Mutter.

Während sich der kleine Bagger langsam nähert, fragt mich Luca: „Warum wartest du eigentlich nicht in der Trau­­er­­halle auf deinen Vater? Da kannst du mit den Sarg­­trägern quatschen. Die sind doch meistens lustig drauf.“

„Darf ich nicht mehr. Vor zwei Wochen hat mir einer der Männer ein kleines Gläschen zu trinken angeboten. Ich wusste nicht, was es war, und habe es probiert.“

„Lass mich raten – es war Schnaps?“

„Jap. Hat schrecklich geschmeckt, das Zeug. Das brennt im Hals und man muss gleichzeitig husten und würgen. Das hat sogar Papa gehört. Er kam angerannt und hat ganz schön rumgebrüllt und die Männer gefragt, ob sie noch ganz bei Trost sind, einer 11-Jährigen Schnaps zu geben.“

Luca nickt. „Echt krass.“

„Hinterher hat es ihnen, glaube ich, leidgetan. Vor allem dem alten Herrn Gartmann. Tja, seitdem meint Papa, die Männer wären nicht der richtige Umgang für mich und ich soll lieber draußen warten.“

„Aber draußen ist es kalt und windig und du kannst noch nicht mal deine Hausaufgaben machen, sondern einfach nur blöd rumstehen und warten“, wendet Luca ein.

„Papa meint, die frische Luft nach der Schule wäre ge­­sund und außerdem wäre es gut, einfach mal nichts zu tun und sich in Geduld zu üben. Eine Fähigkeit, die ich angeblich noch mein ganzes Leben gebrauchen könnte.“

„Geduld ist was für Anfänger. Ich flippe lieber gleich aus.“

Ich muss lachen. Luca ist nett, nur ab und zu macht er auf cool. Das nervt. Dann erzählt er mir von einem Totenkopf-Tattoo, das er sich stechen lassen will oder davon, dass er raucht. Papa meint, Luca sei ein feiner Kerl, er würde nur die falschen Freunde haben. Oft riecht er seltsam. Nach feuchter Erde und irgendetwas anderem, von dem ich nicht weiß, was es ist. Trotzdem freue ich mich immer, wenn ich ihn treffe. Nach der Schule muss er oft seiner Mutter in der Gärtnerei oder auf dem Friedhof helfen. Wenn er Unkraut jätet oder Blumen gießt, helfe ich ihm manchmal.

Gerade als ich ihn fragen will, was er heute noch tun muss, hält Jürgen mit seinem Bagger neben uns.

„So, Kinder, jetzt geht mal ein Stück zur Seite. Es gibt auch Leute, die arbeiten müssen“, knurrt er mürrisch.

Luca und ich springen wie auf Kommando einen Schritt zurück.

„Warte, Jürgen! Guck mal, da unten liegt noch einiges drin“, ruft Luca.

Grummelnd schiebt sich der Mann vom Sitz herunter und lässt seinen Blick einmal über die Grube wandern.

„Die Leute werden immer verrückter. Was soll das gan­ze Zeug da bloß?“ Kopfschüttelnd geht er zurück zu seinem Bagger, hievt sich wieder auf den Sitz und startet die Maschine. Sanft fährt er mit der Schaufel über das Holz und schiebt die schwarzen Täfelchen, die Blumen und die kleine Figur bis an den Rand.

„Karline“, schallt die Stimme meines Vaters plötzlich über den Friedhof, „wo bist du? Wir können fahren!“

„Schade, ich muss los. Tschüss, Luca.“

Doch der hört mir gar nicht richtig zu, sondern beobachtet gebannt den Bagger bei der Arbeit.

Ich laufe zu Papa, der neben dem Beerdigungswagen am Ausgang wartet.

„Tut mir leid, heute hat es etwas länger gedauert“, entschuldigt er sich, während er seine braune Aktentasche und meinen Rucksack hinten im Auto verstaut.

Als wir langsam vom Hof rollen, klopft jemand an mein Seitenfenster. Es ist Luca. Papa stoppt den Wagen und ich lasse die Scheibe herunter. Offensichtlich ist Luca gerannt, denn er ist noch ganz außer Atem und ziemlich rot im Gesicht.

„Was gibt’s?“, frage ich gespannt.

Wortlos drückt er mir etwas in die Hand und grinst verschmitzt. Dann dreht er sich auf dem Absatz wieder um und läuft zurück auf den Friedhof.

„Was war das jetzt?“, fragt Papa neugierig.

„Weiß ich auch nicht.“ Verstohlen schaue ich in meine Hand. Luca hat mir tatsächlich die kleine Puppe aus dem Grab gebracht. Obwohl ich mich freue, fühle mich nicht ganz wohl bei der Sache.

Papa bohrt weiter. „Was hat er dir denn gegeben?“

Ich öffne die Hand und tue so, als ob ich die Figur zum ersten Mal sähe. „Eine kleine Puppe. Er dachte vielleicht, dass ich sie verloren hätte.“

„Soll ich Luca die Figur morgen zurückgeben und ihm ausrichten, dass es nicht deine ist?“

„Nein, Papa, muss du nicht. Mache ich selber, wenn ich ihn das nächste Mal sehe.“

Luca hat es bestimmt nett gemeint, denke ich, als wir weiterfahren. Aber bei nächster Gelegenheit bringe ich das Püppchen einfach zum Grab zurück.

Was steckt in dem Püppchen?

Manche finden es seltsam, dass ich in einem Beerdi­gungs­wagen durch die Gegend gefahren werde. Als ich im ersten Schuljahr von Papa mit dem Auto zur Schule gebracht wurde, hat Gretes Mutter ihn nach der ersten Schulwoche angesprochen:

„Herr Karg, haben Sie sich schon einmal überlegt, was Ihr Beruf und diese Fahrten in dem Leichenwagen mit Ihrer kleinen Tochter machen? Ich halte es für un­­gesund, sie so früh und hautnah mit ... äh ... diesem Thema in Berührung zu bringen.“

„Das ist nett, dass Sie sich Sorgen machen“, hat Pa­­pa geantwortet und sie freundlich angelächelt, „aber ich glaube, genau das Gegenteil ist ungesund. Der Tod ge­­hört zum Leben und man sollte schon als Kind lernen damit umzugehen.“

Das passiert mir immer wieder. Einige Eltern von meinen Freunden und auch manche Lehrer finden den Beruf meines Vaters schwierig. Er meint, das würde daran liegen, dass er mit seiner Arbeit daran erinnert, dass irgendwann für jeden endgültig Schluss ist.

Papas Bestattungsunternehmen ist das größte der Stadt. Eigentlich wollte er Pfarrer werden, aber auf dem Weg dorthin ist ihm etwas dazwischengekommen, sagt er.

Als wir die Haustür öffnen und den Flur betreten, er­­­tönen mächtige Orgeltöne. Es ist der Klingelton von Papas Handy. Für meinen Geschmack übertreibt er es damit ein bisschen. Papa stellt seine Tasche ab und fummelt umständlich an seinem Mantel herum, bis er nach fünf oder sechs Orgelwogen endlich sein Handy in den Händen hält.

„Bestattungen Karg“ und „Natürlich. Kein Problem“, höre ich noch, bevor ich mich weiter in Richtung Küche bewege.

Zwei Minuten später kommt mein Vater nach und lächelt mich zerknirscht an. Diesen Blick kenne ich nur zu gut. „Tut mir echt leid, Karline. Ich muss noch mal los. Es kann spät werden. Essen ist im Kühlschrank.“

Papa hat mir mal erklärt, dass er so was Ähnliches wie ein Notarzt ist.

„Ich kann meine Einsätze nicht planen. Wenn sich jemand meldet und meine Hilfe braucht, muss ich sofort hin, ob Tag oder Nacht, Wochentag oder Feiertag.“

„Aber wieso Arzt? Du kannst nicht mehr helfen. Deine Patienten sind tot“, habe ich eingewendet.

„Vergleiche hinken immer ein bisschen“, meint Papa.

Ich frage mich, ob wirklich alle Vergleiche hinken oder ob nur Papas Vergleiche einen Gehfehler haben. Auf jeden Fall sind sie oft seltsam.

Der Blick in den Kühlschrank ist enttäuschend. Auf den milchig-weißen, halbrunden Berg Spaghetti habe ich keine Lust. Ich nehme nur ein Erdbeerjoghurt und schütte mir ein Glas Traubensaft ein. Den Joghurt löffle ich in einem rekordverdächtigen Tempo aus. Jetzt kann ich mich endlich ungestört mit meinem Grabschatz be­schäftigen.

Ich hole die kleine Figur aus meiner Tasche und be­­trachte sie genauer. Die kleine Puppe sieht so süß aus! Sie sitzt im Schneidersitz, ihre Beinchen sind von einem langen Kleid bedeckt. In ihrem Schoß liegt eine win­­­zige Blume. Die kleinen Händchen hat sie gegeneinandergepresst. Ich kann nicht erkennen, ob es ein Mädchen oder ein Junge sein soll. Die Figur hat keine Haare. Ihre Augen sind geschlossen und auf der Stirn über der Nase hat sie einen kleinen Punkt. Alles an ihr sieht niedlich aus.

Ich drehe sie in meinen Händen hin und her, dann drücke ich und ziehe an ihr. Die Puppe gibt nach und auf einmal halte ich rechts den Kopf und links die Beinchen in meinen Händen. Aus der Hälfte mit dem Kopf ragt ein schmaler, rechteckiger Stift.

Ein ähnliches Teil habe ich an Papas Computer schon gesehen: einen Stick. Zu gerne möchte ich wissen, was darauf gespeichert ist. Vielleicht finde ich dann sogar her­aus, warum die Frau im Fliegenmantel das Teil ins Grab geworfen hat und komme einem großen Geheim­­nis auf die Spur?! Doch leider darf ich nicht alleine an Papas Computer, er hat sogar eine Kindersicherung installiert. Ich brauche also einen Computer und jemanden, der mir hilft, aber nicht zu viele Fragen stellt.

Da kommt nur einer infrage: Tom.

Statt weiter zu essen, hole ich mein Fahrrad aus der Garage, schwinge mich auf den Sattel und lasse mich die Straße herunterrollen. Ich strecke den Kopf in den Fahrtwind und genieße die Luft, die so gut nach Regen riecht.

Zehn Minuten später bremse ich etwas zu abrupt vor Onkel Toms Hütte in der Altstadt. Das Vorderrad schlittert und mein Lenker macht eine ruckartige Bewegung nach rechts. Im letzten Moment kann ich das Rad noch halten. Glück gehabt. Ich atme tief durch und drehe mich zum Eingang. Über der Tür baumelt ein neues Schild: WER MENSCHEN UND BÜCHER MAG, IST JEDERZEIT WILLKOMMEN! Der Spruch passt zu meinem Onkel Tom.

Mein Bremsmanöver hat Kern geweckt. Der große weiße Pudel, der bis gerade neben der Eingangstür ge­schlummert hat, erhebt sich würdevoll, streckt seine Vorderpfoten aus und kommt auf mich zugetänzelt. Sein Schwanz wedelt vor Begeisterung. Zur Begrüßung schnüffelt er erst an meinen Händen, um dann mein Gesicht abzuschlecken. Dafür muss der große Kerl sich noch nicht einmal auf seine Hinterbeine stellen, sondern nur seinen Hals recken.

„Kern, lass das. Du weißt, ich mag das nicht.“ Ich drücke den Großpudel meines Onkels ein Stückchen zur Seite. Er lässt von mir ab und setzt sich auf sein Hinterteil. Treuherzig schaut er zu mir auf. Wie soll man diesem Blick widerstehen?! Ich kraule ihn ausgiebig. Onkel Tom meint, ein Leben ohne Pudel sei möglich, aber sinnlos. Vielleicht hat er recht.

Ich drücke die Tür des Cafés auf. Fröhliches Lachen schallt mir entgegen und der leckere Geruch nach frischen Waffeln kitzelt meine Nase. Zum Glück hat das Café von Tom so gut wie immer geöffnet. Es ist toll, dass ich ihn Tag und Nacht anrufen oder besuchen kann. Na gut, morgens ist er nicht ansprechbar, aber da bin ich ja auch in der Schule.

„Hallo Lotta, wie schön, dass du mich besuchst!“ Tom kommt hinter der Theke hervor, nimmt meinen Kopf in seine Hände und gibt mir einen dicken Kuss auf die Stirn.

Der Gast vorne am Fenster auf dem knallblauen Samt­­­sessel schaut von seiner Zeitung auf. „Heißt deine Nichte nicht Karline?“

Es ist der Vater von Anton aus meiner Klasse. Ich kenne ihn von Schulfesten und einmal habe ich ihn im Rat­haus getroffen, als ich mit Papa einen Pass abholen musste.

„Tom nennt Karline immer nach Romanfiguren. Ein kleiner Spleen von ihm“, kommt Maja meiner Antwort zuvor. Sie hilft bei Tom als Bedienung aus und wischt gerade die Theke ab.

„Lotta kam mir in den Sinn, als ich sah, wie du ge­­bremst hast.“ Er lacht. „Dein Fahrstil erinnerte mich an Na klar, Lotta kann Rad fahren von Astrid Lindgren.“

„Lotta ist in dem Buch vier oder fünf Jahre alt und lernt gerade erst das Radfahren. Es ist echt frech, mich mit Lotta zu vergleichen!“, beschwere ich mich.

„Ich kann nichts dafür. Ist mir eben spontan eingefallen“, grinst Tom. „Kann ich es mit einer heißen weißen Schokolade mit Marshmallows wiedergutmachen?“

„Eine heiße Weiße wäre klasse, aber ...“ Ich weiß noch nicht, wie ich Tom meinen Fund auf dem Friedhof erklären soll.

Mein Onkel schaut mich prüfend an. „Na, raus mit der Sprache. Was kann ich noch für dich tun?“

„Ich habe da was. Kannst du es dir mal anschauen?“, frage ich, während ich meinen Grabfund aus der Tasche krame. Bevor ich Tom die Figur entgegenstrecke, ziehe ich sie auseinander, um ihm den Stick zu zeigen.

Er schaut kurz drauf und sagt: „Na klar. Komm mit nach hinten. Ich mache dir die Schokolade und dann schauen wir mal, was es damit auf sich hat.“

Ich laufe an den Gästen vorbei in sein Büro.

Im Café sind schon viele Bücher, aber das Büro ist mit Büchern förm­­lich vollgestopft. Sie stapeln sich sogar auf dem Boden. Außerdem steht hier ein Schreibtisch mit einem Com­­­­puter und einem gemütlichen knallroten Samtsofa.

Vom Büro aus kann man durch eine vergitterte Glastür in einen Minigarten mit einem Rasenstück so groß wie ein Teppich sehen. Dort stehen zwei alte Korbstühle und ein kleiner, runder Tisch aus Metall, den Will, Toms Mann, rosa angemalt hat. Als ich kleiner war und Papa arbeiten musste, habe ich dort oft gespielt. Tom hat das Rasenstück meinen Open-Air-Laufstall genannt.

Hinter mir geht die Tür auf. Mein Onkel kommt mit einer großen, dampfenden Tasse ins Zimmer.

„Tausche Schokolade gegen USB-Stick“, sagt er, als er mir den Kakao entgegenstreckt.

Ich reiche ihm das kleine Plastikteil und nehme ihm den warmen Becher ab.

„Dann wollen wir doch mal sehen.“ Tom loggt sich in seinen Computer ein und steckt den Stick in die Seite des PCs. „Was soll denn auf dem Stick sein? Wozu brauchst du ihn?“, fragt mein Onkel interessiert.

„Hausaufgabe“, antworte ich. Meine Antwort klingt nicht überzeugend, eher wie eine Frage.

Tom schaut mich von der Seite prüfend an. „Ok, ich merke schon. Ich frage besser nicht weiter, sonst lügst du noch mehr, Pinocchio.“ Er wuschelt mir durchs Haar.In diesem Moment erscheinen auf dem Bildschirm jede Menge kleiner Fotos. Tom klickt auf das erste, auf dem ein Garten zu sehen ist. Kein normaler Garten, wie ich ihn von unseren Nachbarn kenne, sondern ein völlig anderer. Auf dem großen Foto sind mehrere große dunkelgrüne Büsche zu sehen, die rund und weich daliegen, so als seien im Gras dicke Sitzkissen verteilt worden.

Als Tom weiterklickt, sehen wir einen großen Tor­bo­gen aus Holz, der rot angestrichen ist und dessen Seiten mit schwarzen Schriftzeichen bemalt sind. Die seit­­­lichen Stützen tragen ein dünnes, geschwungenes Dach. Das Tor sieht aus wie ein T auf gespreizten Beinen.

Als das dritte Bild aufploppt, entfährt mir spontan ein „Wow!“ Es zeigt eine kleine Holzbrücke, die über einen wunderschönen blaugrünen Teich mit Seerosen führt.

„Elefantös“, höre ich meinen Onkel neben mir sagen. Auch er scheint beeindruckt. „Von wem hast du die Bil­der? Der Besitzer versteht eine Menge vom Garten­bau.“