Kevin - Der Junge im Rollstuhl - Christiane Kromp - E-Book

Kevin - Der Junge im Rollstuhl E-Book

Christiane Kromp

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Beschreibung

Kaum haben die Ferien begonnen, fahren Kevins neue Freunde in Urlaub. So ganz allein, trifft sich Kevin mit André Pierre, der nach einem Reitunfall die Beine gebrochen hat und auch im Rollstuhl sitzt. Zuerst ist das gut, aber Kevin merkt bald, dass ihm dieser Junge nicht guttut. Und nicht nur das: André Pierre zieht Kevin in eine gefährliche Sache mit hinein. Seine Freunde sind für Kevin da, doch dieser schweigt, weil er Angst hat, auch seine Freunde in Gefahr zu bringen. Auch dieses Buch ist als Mitmachbuch für Kinder mit und ohne Einschränkungen angelegt und Hineinmalen ist absolut erwünscht.

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Seitenzahl: 82

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Table of Contents

Title Page

Hinweis

Vorwort

Worum geht es und wer ist Kevin?

1. Der Unfall

2. Ausgleichende Gerechtigkeit

3. Ferienbeginn

4. André Pierre einmal anders

5. Im Reitstall

6. Ein heimlicher Ausflug

7. Ärger

8. Das Geheimnis

9. Echte Freunde helfen

10. Der Einbruch

11. Angst

12. Geheimnisse sind schwer zu tragen

13. Finstere Gestalten

14. Der „Würfel“ tritt in Aktion

15. Ein paar Fragen erhalten Antwort

16. Der vierte Mann

17. Nachspiel

Eine Bitte vom Verlag

Impressum

Christiane Kromp

Kevin –

der Junge im Rollstuhl

Hinweis

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Im Laufe der Geschichte erwarten Euch Aufgaben, in denen ihr Szenen zeichnen sollt/könnt. Wenn Interesse besteht, schlagen wir vor, das Lesen an den jeweiligen Punkten zu unterbrechen, um das Bild zu malen. Anschließend könnt ihr weiterlesen.

 

Vorwort

Für meine treuen Freunde

meinen Mann und meinen Sohn,

meine Eltern und alle,

die immer an mich geglaubt haben.

Worum geht es und wer ist Kevin?

Kevin ist ein netter und fröhlicher neunjähriger Junge, schmal, mit dunklen kurzen Haaren und leuchtend blauen Augen. Anderen Kindern gegenüber hat er nur einen Nachteil: Seit seinem schweren Autounfall vor anderthalb Jahren muss er im Rollstuhl sitzen. Manche von euch kennen ihn vielleicht schon aus der vorherigen Geschichte. Die anderen werden ihn im Laufe dieser Geschichte kennenlernen. Seine Freunde Demetrios, die Zwillinge Fabian und Marie, Johanna und er selbst gehen alle auf die gleiche Grundschule der Vorstadtsiedlung, in der sie alle wohnen. Das heißt, noch gehen sie alle dorthin. In vier Wochen würden die Sommerferien beginnen. Danach würde Demetrios aufs Gymnasium gehen. Er müsste dann den Schulbus nehmen und in die Stadt fahren. Und Katrin, die kleine Schwester von Johanna, würde dann in die erste Klasse kommen.

Aber noch ist es nicht so weit. Wie einige von euch schon wissen, hat Kevin natürlich nicht nur Freunde, sondern auch Feinde. Einer davon ist André Pierre. Er geht mit Kevin, Johanna, Fabian und Marie in eine Klasse, die 3a, und kann Kevin nicht ausstehen. Gerade sind die beiden schlimm aneinandergeraten durch eine böse Intrige von André Pierre, Marc und Laura Sophie. Wenn du genau wissen willst, was da passiert ist, musst du die erste Geschichte von Kevin lesen. Sie heißt „Die sechste Seite des Würfels“ und erzählt von Kevins Einzug im Holunderweg und wie er seine Freunde gefunden hat. Es genügt zu sagen, dass Kevin und André Pierre einander misstrauen.

1. Der Unfall

Unsere Geschichte beginnt an einem Dienstag, vier Wochen vor den Sommerferien. Draußen war es schon richtig warm und viele Kinder gingen nach der Schule schwimmen oder trieben anderen Freizeitsport. André Pierre lernte seit etwa einem Jahr reiten. Auch an diesem Dienstag hatte André Pierre wieder Reitunterricht. Er mochte Pferde und liebte das Reiten. Seine siebzehnjährige Schwester Francesca ritt für den gleichen Reitverein auf Springturnieren. Zur Freude der Eltern und der Clubkameraden war sie ziemlich erfolgreich. In der folgenden Woche nun würde ein wichtiges Springreiterturnier in der Stadt stattfinden, bei dem Francesca mit ihrem Pferd Schneeflocke angemeldet war. Das Pferd gehörte André Pierres und Francescas Eltern. Schneeflocke war ein kräftiger kleiner Araberhengst, ein wunderschöner Apfelschimmel. Er war aber auch sehr lebhaft. André Pierre lernte auf ihm reiten und hatte oft Mühe, das Temperament dieses Tieres zu bändigen. Der Hengst tänzelte auch diesmal leichtfüßig durch den Sand, als André Pierre ihn ritt. Nach seiner Reitstunde, als der Reitlehrer schon gegangen war, sah André Pierre in einer Nebenhalle den Übungsparcours für Francescas Turnier. André Pierre konnte nicht anders: Er führte Schneeflocke in die leere Halle, saß auf und lenkte sein Pferd in elegantem Bogen auf das erste Hindernis des Parcours zu. Es war ein Oxer. Schneeflocke nahm Anlauf – ein Schenkeldruck von André Pierre und das Hindernis war überwunden. André Pierre jauchzte im Sattel. Ein angenehmes Kribbeln hatte sich in seinem Bauch ausgebreitet, als das Pferd in der Luft gewesen war. Das war ja noch besser als Achterbahn!

Es folgte der Wassergraben und eine Kombination von zwei Oxern. Das Pferd schaffte mühelos den Wassergraben, aber bei der Kombination riss es mit der Hinterhand die obersten Stangen herunter. Sie fielen dem Tier von hinten gegen die Beine. Schneeflocke erschrak, schlug nach hinten aus und katapultierte seinen ungeübten Reiter im hohen Bogen zur Erde. André Pierre sah den Boden der Halle in rasender Geschwindigkeit auf sich zukommen. Er überschlug sich einmal und seine Beine prallten mit voller Wucht gegen die Stangen des zweiten Oxers. Das Pferd schlug einen eleganten Bogen und wich dem Hindernis aus. Aber André Pierre fühlte solch einen rasenden Schmerz in den Beinen, dass er das Bewusstsein verlor.

Nun hatte André Pierre sich ja heimlich in die Übungshalle geschlichen. Niemand wusste davon. Erst eine halbe Stunde später, als seine Eltern beim Reitverein angerufen und nach dem Verbleib ihres Sohnes gefragt hatten, fanden ihn der Hausmeister und der Reitlehrer in der Halle liegend. Die Beine lagen in einem seltsamen Winkel zu seinem Körper. Schneeflocke stand mit schleifenden Zügeln neben ihm.

Der Reitlehrer, Herr Reuter, stürzte erschrocken auf ihn zu und sah nach, wie es André Pierre ging. Er tastete mit vor Aufregung zitternden Fingern nach seinem Puls.

„Gott sei Dank, er lebt noch!“, rief Herr Reuter erleichtert aus.

Der Hausmeister, Herr Patzek, war inzwischen zum Telefon ins Büro gerannt, um einen Rettungswagen zu rufen.

Herr Reuter patschte unterdessen leicht auf André Pierres Wangen, um ihn wieder ins Bewusstsein zu holen.

„André Pierre, wach auf!“, rief er dabei in besorgtem Tonfall.

André Pierre erwachte mit einem schrillen Schrei, der sich nach zwei Sekunden wiederholte. Im Turnierraum hallten die Schmerzensschreie unnatürlich laut wider. Schneeflocke wieherte und lief erschrocken zur Seite.

André Pierres Augen hatten einen angstvollen Ausdruck. Es spiegelte sich auch großer Schmerz in ihnen wieder.

 

 

Aufgabe: Male André Pierre mit Schneeflocke.

 

„Meine Beine!“, jammerte er. „Sie tun so weh! Was ist mit meinen Beinen?“

In diesem Moment stand der Hausmeister im Halleneingang.

„Der Rettungswagen kommt in zehn Minuten!“, rief er André Pierre und Herrn Reuter quer durch die Halle zu. „Bis gleich, ich weise die Ambulanz ein!“ Damit war er wieder verschwunden.

Herr Reuter blieb bei André Pierre.

„Hast du gehört? Der Rettungswagen ist gleich da! Halte jetzt durch, André Pierre!“

Noch einmal fragte André Pierre ängstlich: „Was ist mit meinen Beinen?“

„Ich nehme an, sie sind gebrochen“, antwortete ihm der Reitlehrer ehrlich.

„Beide?“, fragte André Pierre entsetzt.

Herr Reuter nickte.

André Pierre schloss die Augen und versuchte, tapfer zu sein. Doch es blieb bei dem Versuch. Kaum hatte er sich wieder zurückgelehnt, überschwemmte ihn eine solche Welle der Übelkeit, dass er sich in den Sand des Hallenbodens erbrach.

Sein schweißnasser Kopf sank wieder zu Boden, er jammerte und stöhnte, sein Atem ging pfeifend. Bis der Rettungswagen da war, war André Pierre bereits wieder einer Ohnmacht nahe.

Die Rettungssanitäter überprüften André Pierres Herztätigkeit, legten mit einer Kanüle einen Venenzugang und gaben ihm über einen Tropf etwas gegen die Schmerzen. Dann hoben sie ihn ganz vorsichtig auf die Tragbahre, die jetzt neben ihm im Sand stand, trugen die Bahre mit dem Jungen nach draußen zum Rettungswagen und schoben sie auf den dafür vorgesehenen Schienen in das Ambulanzfahrzeug. Dann ging es mit Sirene und Blaulicht in die nächste Kinderklinik.

2. Ausgleichende Gerechtigkeit

Habt ihr euch auch schon mal gewünscht, mit Sirene und Blaulicht fahren zu können? Ja? Wünscht es euch lieber nicht! Wenn man gesund ist und etwas davon hätte, dann fahren sie einen nicht, und wenn man sich verletzt hat oder sehr krank ist, dann hat man nichts davon. So wie André Pierre, der von der Fahrt im Krankenwagen nicht mehr viel wahrnahm. Alles schien ihm verschwommen, wie ein böser Traum. In der Klinik richteten sie seine Beine wieder ein. Glücklicherweise war es weder ein komplizierter noch ein offener Bruch. An beiden Beinen war der Oberschenkelknochen glatt durchgebrochen. André Pierres Beine wurden in einer Operation genagelt und beide Beine bis zur Hüfte eingegipst.

Als er nach der Operation zu sich kam, war eine Krankenschwester bei ihm. Sie lächelte ihn an und sagte ihm, dass seine Eltern und seine Schwester ihn heute am späten Nachmittag besuchen würden. André Pierre war ganz blass. Er befürchtete, sein Vater würde mit ihm schimpfen wegen seiner Unvorsichtigkeit. Als aber seine Familie dann da war und sich um sein Bett versammelte, freute er sich doch.

Seine Mutter fragte leise: „Was machst du denn für Sachen?“ Ihre Stimme klang erstickt, als würde sie nur mit Mühe die Tränen zurückhalten.

Eigenartigerweise schien sein Vater eher stolz auf ihn zu sein: „Konntest es wohl nicht erwarten, selbst zu springen? Ich werde mal mit deinem Reitlehrer reden, wann du Springreiten lernen kannst. Toller Junge!“

„Aber er hätte sich den Hals brechen können!“, wagte André Pierres Mutter einzuwerfen.

„Hat er aber nicht! Sei nicht immer so ängstlich mit ihm!“

Mit vor Tränen glitzernden Augen wendete sich seine Mutter ab.

Seine Schwester setzte sich auf seine Bettkante und fragte ihn: „Was ist denn eigentlich genau passiert?“

Langsam berichtete André Pierre. Seine Schwester schüttelte den Kopf.

 

 

Aufgabe: Male André Pierre im Krankenhausbett

 

„Du hättest mich fragen sollen! Schneeflocke wird leicht zu schnell, wenn er Hindernisse hintereinander angeht. Man muss ihn im Tempo immer ein wenig zügeln, sonst passiert das, was dir geschehen ist. Ich reite jede Hürde immer einzeln mit ihm an.“ Nach einer Weile fuhr sie fort: „Weißt du, Pferde können nämlich nicht mit beiden Augen gleichzeitig ein Hindernis sehen, weil ihre Augen so weit seitlich am Kopf sind. Deshalb bewegt Schneeflocke seinen Kopf hin und her, um eine Hürde anzupeilen. Aber er verschätzt sich leicht, wenn der Reiter ihm keine Hilfe gibt! Das kann man aber lernen. Wenn du willst, zeige ich dir ein paar Tricks. Aber erst mal musst du wieder auf den Beinen sein!“