Komm her, sagt Mama - Gunnar Kunz - E-Book
Beschreibung

Nicht weinen, kleiner Stoffhase! Ich beschütze dich. Ich verstecke dich, wenn Mama ins Zimmer kommt, damit du nicht mitansehen musst, wie sie Dinge mit mir macht, für die ich keinen Namen habe. Dinge, die mich roh und wund zurücklassen. Geheimnisse, die so dunkel sind, dass ich in ihnen ertrinke. (Kurzgeschichte)

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl:41


Gunnar Kunz

Komm her, sagt Mama

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Zum Buch

Komm her, sagt Mama

Weitere Bücher von Gunnar Kunz

Impressum neobooks

Zum Buch

Komm her, sagt Mama

Kurzgeschichte

von

Gunnar Kunz

Inhalt:

Nicht weinen, kleiner Stoffhase! Ich beschütze dich. Ich verstecke dich, wenn Mama ins Zimmer kommt, damit du nicht mitansehen musst, wie sie Dinge mit mir macht, für die ich keinen Namen habe. Dinge, die mich roh und wund zurücklassen. Geheimnisse, die so dunkel sind, dass ich in ihnen ertrinke.

Komm her, sagt Mama

»Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist ...« Grün?, überlegt Bastian. Wie der Hut von Papa? Gelb wie die Bluse von Mama? Braun wie die rostige Stelle am Klettergerüst? Nein, viel besser: »... das ist orange.« Orange wie der weggeworfene Plastikbecher im Sand. Bastian gluckst. Das raten Mama und Papa nie.

Bo, sein Stoffhase, den er auf den Rücken geschnallt hat, gluckst auch. Bo hat nur noch ein Auge, weil das andere irgendwann verloren gegangen ist, und an seinem linken Ohr fehlt ein Stück, aber Bastian liebt ihn über alles. Bo ist der beste Freund, den man sich denken kann. Er klettert mit ihm auf die große Rutsche und macht ihm Mut, wenn er sich nicht loszurutschen traut, er pustet, wenn Bastian sich das Knie aufgeschlagen hat, und er weiß immer, wie ihm zumute ist.

Mama und Papa sehen nicht, was er sieht, so sehr sie sich auch beim Raten anstrengen, also gewinnt er das Spiel. Später rennt er zur Schaukel, wo seine Mama ihm Schwung gibt, und noch später wirbelt sein Papa ihn an einem Arm und einem Bein im Kreis, die Welt dreht und dreht sich, und Bastian und Bo sind glücklich. Papa arbeitet Schicht, das bedeutet, dass er zu komischen Zeiten nach Hause kommt und dass Bastian ihn manchmal tagelang kaum sieht, aber heute ist er da, alle beide sind sie da, sein Papa und seine Mama, und spielen mit ihm.

Der Schwung entreißt ihn Papas Händen; Bastian schreit auf, stürzt in den Sand und fängt an zu schluchzen.

»Siehst du, was du angerichtet hast?«, fährt Mama Papa an. »Hab‘ ich dir nicht gesagt, das ist zu gefährlich?« Sie kümmert sich um Bastian, pustet, streicht ihm durchs Haar und küsst ihn.

»Meine Güte, der Junge ist fünf und kein Baby. Er wird es überleben.« Papa hockt sich zu ihm. »Tut mir leid, meine Hände sind abgerutscht«, sagt er.

»Fass ihn nicht an!«, faucht Mama. »Du bist grob und ungeschickt, du hast überhaupt keine Ahnung, was der Junge braucht.« Sie presst Bastian an sich und macht tröstende Geräusche.

Bastian will nicht, dass die beiden miteinander streiten. Er versucht, ihnen zu sagen, dass es ihm nichts ausmacht, es tut auch gar nicht weh, er hat sich einfach nur erschrocken, aber sie hören nicht auf ihn und streiten weiter, sogar noch zu Hause und beim Abendessen und bis Papa zur Arbeit geht.

Danach spielt Bastian in seinem Zimmer mit Legosteinen. Er baut eine Burg und denkt sich Geschichten über Ritter und Drachen aus. Und da merkt er mit einem Mal, dass seine Mama in der Tür steht und ihn beobachtet. Sie hat wieder diesen Blick, den er schon ein paarmal bei ihr gesehen hat: wenn sie ihn badet, zum Beispiel, oder wenn sie sich für einen Gutenachtkuss zu ihm ans Bett setzt. Einen komischen Blick, irgendwie liebevoll und zugleich unheimlich.

Sie leckt sich über die Lippen. »Wollen wir beide etwas spielen?«, fragt sie, und ihre Stimme klingt belegt, als ob sie erkältet ist.

Bastian nickt. »Lego?«

»Ich weiß etwas Besseres.« Sie setzt sich zu ihm. »Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist klein und rosa und räkelt sich in deiner Hose.« Sie lächelt ihn an. »Wollen wir mal nachsehen?«

Bastian weiß nicht, was er sagen soll. Seine Kehle ist mit einem Mal trocken und sein Bauch angespannt. Mama zieht ihm die Hose aus und auch die Unterhose, alles zieht sie ihm aus, bis er nackt vor ihr steht. Wieder hat sie diesen komischen Blick, als sie ihn da unten ansieht. Bastian fröstelt. Er schämt sich, so ihren Blicken ausgesetzt zu sein.

Sie legt sich auf den Teppich. »Na komm, leg dich zu Mami.«

Gehorsam legt sich Bastian neben sie. Sein Bauch ist immer noch hart, aber seine Mama summt ein Lied und gibt ihm einen Kuss auf die Wange, das hilft ihm ein bisschen, sich zu entspannen. Schließlich gibt es nichts zu fürchten, oder? Das ist doch seine Mama, die ihn lieb hat. Die ihn streichelt, seine Wangen, seine Brust, seinen Bauch, seinen ... Bastian spürt, wie ihm heiß wird. Irgendwas regt sich da unten.

»Siehst du, wie gut dir das tut«, flüstert seine Mama.