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Sophokles' Meisterwerk "König Ödipus" ist ein zeitloses Drama, das die tragischen Elemente des menschlichen Schicksals und der Selbstentblößung thematisiert. Die Geschichte entfaltet sich in Theben, wo König Ödipus, ahnungslos und von Überheblichkeit geleitet, in einen schicksalhaften Konflikt mit seinen eigenen Entscheidungen verwickelt wird. Sophokles verwendet einen eindringlichen, dramatischen Stil, der durch choric Elemente und eine klare charakterliche Entwicklung geprägt ist, und spiegelt den literarischen Kontext der griechischen Tragödie wider, in dem Fragen der Moral, der Erkenntnis und des Schicksals im Mittelpunkt stehen. Sophokles, einer der bedeutendsten Dramatiker der Antike, lebte im 5. Jahrhundert v. Chr. und ließ sich von den politischen und sozialen Umbrüchen seiner Zeit inspirieren. Sein Interesse an der menschlichen Psyche und der Komplexität menschlicher Entscheidungen fließt direkt in die Charakterisierung Ödipus' ein. Durch persönliche Erfahrungen mit Macht und Verlust konnte Sophokles die Ausgangsthematik seines Werkes gestalten und die universellen Fragen des Menschseins ergründen. "König Ödipus" ist nicht nur ein Schlüsselwerk der klassischen Literatur, sondern auch eine tiefgründige Reflexion über die Grenzen menschlichen Wissens und die Unvermeidlichkeit des Schicksals. Leser, die sich für die Tragik des Lebens und die philosophischen Fragen der Verantwortung interessieren, werden in dieser unvergleichlichen Erzählung eine packende und lehrreiche Lektüre finden. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine prägnante Einführung verortet die zeitlose Anziehungskraft und Themen des Werkes. - Die Synopsis skizziert die Haupthandlung und hebt wichtige Entwicklungen hervor, ohne entscheidende Wendungen zu verraten. - Ein ausführlicher historischer Kontext versetzt Sie in die Ereignisse und Einflüsse der Epoche, die das Schreiben geprägt haben. - Eine Autorenbiografie beleuchtet wichtige Stationen im Leben des Autors und vermittelt die persönlichen Einsichten hinter dem Text. - Eine gründliche Analyse seziert Symbole, Motive und Charakterentwicklungen, um tiefere Bedeutungen offenzulegen. - Reflexionsfragen laden Sie dazu ein, sich persönlich mit den Botschaften des Werkes auseinanderzusetzen und sie mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen. - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.
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Veröffentlichungsjahr: 2023
Ödipus, der König
Jokaste, die Königin
Kreon, ihr Bruder
Teiresias
Der Priester
Der Bote aus Korinth
Der Hirte
Die Mägde
Die Greise
Vor dem Palast. Links das mächtige Tor, rechts der heilige Hain, die Mitte frei zur Stadt hinab sich senkend. Das Tor geschlossen. Es ist Tag, aber schwerer Dunst, lastend über den ganzen Himmel, macht eine fahle Nacht aus dem Tag.
Dumpfes Getös heraufdringend, stark und stärker. Die Gesichter zuerst am Rande rückwärts; dann unter dem Druck der Nachdrängenden fluten sie herein wie ein Gießbach; auf einmal ist der Platz bis an die Stufen des Palastes überschwemmt mit ihnen. Ihre Augen sind auf die Tür gerichtet, ihre Lippen wiederholen wie eine Litanei: »Ödipus, hilf uns! Hilf uns, König!« Es sind ganz junge Menschen, Knaben und Jünglinge, vereinzelt unter ihnen Greise.
Eine Stimme(lauter als alle) Ödipus – König – hilf uns!
(Die schwere Tür des Palastes tut sich jäh auf. Eine Stille. – Ödipus tritt hastig heraus. Alle Arme recken sich zu ihm.)
Ödipus Ihr Kinder, was denn soll mir euer Knien vor meines Hauses Tür? was soll mir denn dies Strecken eurer Hände gegen mich, indes die Stadt bei Tag und Nacht dumpf stöhnt, und singt und jammernd schreit bei Tag und Nacht herauf zu diesem Haus. Ich will dies nicht gemeldet haben erst durch fremden Mund. Ich selber tret' hervor – ich, Ödipus. So redet, – was treibt euch hierher?
Stimmen(matt, gräßlich) Die Pest ist auf uns – von Haus zu Haus, von Leib zu Leib der schwarze gräßliche Tod – wir sterben dahin – wir sterben alle, sterben! Wie leere Höhlen starren die Häuser – der Markt ist voll mit Toten – Sie stauen den Fluß – das Feuer verbrennt sie nicht mehr – Wir wanken daher, und wo wir wanken, atmen wir den Tod – Und wir sind jung.! – Hilf uns, König!
Ödipus Der Alte rede. Was ihr wollt von mir, begehrt, erhofft, erwartet, will ich hören. Ich will euch helfen, will ja – herzlos wär ich, wenn euer Knien mich nicht jammerte vor meiner Tür.
Priester(sein Haar ist verwildert, die Priesterbinde halb gelöst) Nun denn, du großer König, einst schon Erlöser dieser Kadmos-Stadt, gewaltig Haupt du, ragend, Ödipus, hoch über allen – hilf doch unsrer Not, erfind' ein Etwas, dring' mit deinem Denken ins Dunkle, find' uns eine Abwehr, du! Sag' uns, wir sollen dahin oder dorthin, – geh', der du größer bist als wir, geh hin, wie der Hausvater hingeht, fass' die Stadt, die, in die Knie gebrochen, stöhnend daliegt, den Kopf am Boden, stoßweis atmend – fass' sie beim Horn und richte, Ödipus, o richte die Stadt doch wieder auf – Herr, deine Stadt! Mit günst'gen Sternen hast du einmal, damals, dies Glück geschaffen – nun bewähre dich zum zweitenmal!
Ödipus Ihr armen Kinder, kund ist mir, nicht unbekannt, um wessen willen ihr kämet. Und ich weiß – ich weiß die Namen all eurer Leiden – weiß sie – geh mit ihnen zu Bett und steh mit ihnen auf und trag sie im Herzen und im Hirn und hab das Ohr mit ihrem Atem voll und meine Zunge schmeckt nichts als sie. Drum habt ihr mich auch nicht aus Schlummerruh geweckt. Ich saß und wachte und weinte – weinte um die Stadt – um euch – um mich. Und dies ist nicht der erste Tag, der so mich grüßt. Doch nicht wie Weiber weinen, wein' ich, ich wein' und ringe gegen das, was ist, und sinne hin und her und schicke mein Denken hier- und dorthin. Und mein Sinn fand dieses eine Mittel und nicht heute wend' ich es an – nein, längst: zum pythischen Palast und zum geheimnisvollen Thron des Phoibos sandte ich vor vielen Tagen den Kreon, meinen Schwager, um zu forschen, wie ich die Stadt erlöse. Aber Kreon bleibt mir zu lang und länger als der Weg und als der Auftrag fordert, und mein Herz hat diese Sorge zu den frühern und die Qual des Wartens zehrt an mir. Doch kommt er, dann wär' ich schlecht und niedrig, tät' ich dann nicht alles, was der Gott mich heißen wird. Was rufen diese?
Priester Kreon rufen sie.
