Kühn glauben - Erica Willis - E-Book

Kühn glauben E-Book

Erica Willis

0,0

Beschreibung

Lange Zeit dachte Erica Willis, die ganzen übernatürlichen Erfahrungen, wie Prophetie, Heilung, Wunder usw., seien nur etwas für „Superchristen“. Bis Gott ihr einen Weg zeigte, wie sie trotz ihres Eingespanntseins in Familie, Beruf und Gemeinde ihre Beziehung zu ihm so vertiefen konnte, dass diese Erfahrungen ganz natürlich zu einem Teil ihres Lebens wurden. In diesem Buch erzählt sie auf kurzweilige Art ihre Geschichte und Erlebnisse. Entstanden ist eine praktische Anleitung für alle, die sich nach einer tieferen Beziehung zum Heiligen Geist sehnen. Mit anschaulichen Beispielen, wie sie durch einfaches, vertrauensvolles Gebet die Kraft Gottes erlebte, macht sie uns Hoffnung, dass Jesus in der Lage ist, auch unsere Herzen zu verändern, damit wir seine Liebe in mächtiger Weise ausleben können.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 307

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS



 

 

Erica Willis

Kühn glauben

Wie einfaches, zuversichtliches Gebetdas Übernatürliche freisetzt

GloryWorld-Medien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1. Auflage 2019

© 2018 by Erica N. Willis. Originally published under the title „Believe Boldly“ by Chosen Books, a division of Baker Publishing Group, Grand Rapids, Michigan, USA.

© der deutschen Ausgabe 2019 GloryWorld-Medien, Xanten, Germany, www.gloryworld.de

Alle Rechte vorbehalten

Bibelzitate sind, falls nicht anders gekennzeichnet, für das Alte Testament der Elberfelder Bibel, Revidierte Fassung von 1985/1991/2008 (Rev. 26), und für das Neue Testament der „Neue Genfer Übersetzung“ (NGÜ), 2009 entnommen. Weitere Bibelübersetzungen:

NLB: „Neues Leben. Die Bibelübersetzung“, Holzgerlingen, 2002SLT: Schlachter 2000

Das Buch folgt den Regeln der Deutschen Rechtschreibreform. Die Bibelzitate wurden diesen Rechtschreibregeln angepasst.

Übersetzung/Satz: Manfred MayerUmschlaggestaltung: Kerstin & Karl Gerd Striepecke, www.vision-c.deFoto: Storyblocks

ISBN (epub): 978-3-95578-463-8ISBN (Druck): 978-3-95578-363-1

 

 

Stimmen zum Buch

Erica Willis ist nicht nur eine tolle Autorin und Sprecherin, sondern auch Ermutigung und Inspiration in Person. Ihre unerschütterliche Energie, kombiniert mit einem anschaulichen Humor und einer echten Leidenschaft für Jesus, involviert den Leser nicht nur in Ericas Leben, sondern auch in seine eigene unglaubliche Geschichte, so wie Gott sie für ihn geschrieben hat.

Mary CarverCo-Autorin, Choose Joy – Finding Hope and Purpose When Life Hurts.

Erica Willis ist eine Frau, die Jesus wirklich ausstrahlt. Als ich darüber las, wie ihr Weg zum völligen Gehorsam und zur gänzlichen Hingabe an den Heiligen Geist verlief, fragte ich mich: „Sam, suchst du den Heiligen Geist auch auf diese Weise?“ Ich bete, dass du – während du liest, was der Vater an Erica getan hat – ermutigt wirst, deine Augen auf ihn zu richten und auf alles einzugehen, wozu er dich einlädt.

Sam Perry, Anbetungspastor und Liebhaber der Braut;Gründer von BackPorchMinistries.org

Viele von uns sehnen sich danach, Gott auch im Alltag zu begegnen, doch scheint dies unerreichbar oder nur für bestimmte Menschentypen möglich zu sein. Kühn glauben ist eine praktische Anleitung für Menschen, die eine tiefere Beziehung zum Heiligen Geist entwickeln wollen – geschrieben von einer Autorin, die in dieser Sache selbst eine demütig Lernende ist. Mit praktischen Beispielen erzählt sie, wie sie durch Gebet die Kraft Gottes erlebte und macht anderen Frauen damit Hoffnung, dass Jesus Herzen verändern kann, damit wir seine Liebe in mächtiger Weise ausleben.

Jessica Leep FickAutorin von Beautiful Feet –Unleashing Women to Everyday Witness

Erica gibt das, was sie von Gott empfangen hat, auf so witzige und geistreiche Art weiter, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen will. Ihre wachsende Erkenntnis und Erfahrung mit dem Heiligen Geist wird dich herausfordern und ermutigen. Verpasse nichts! Gott ist so viel größer, als wir denken.

Janet McMahon, GemeindegründerinCo-Pastorin der Restore Community Church, Kansas City, Missouri

Ericas Worte sind der Weckruf, den jede „normale“ Mutter braucht: eine tiefgreifende Wahrheit, dass unser unveränderlicher Gott mitten im Windel-Wickeln und Schulbrote-Streichen nicht weniger präsent und wundertätig ist als damals bei Mose auf dem Berggipfel, und dass er uns genauso liebt.

Jenny RapsonRedakteurin, ForEveryMom.com

Wenn es eine „verlorene Kunst“ in der Gemeinde gibt, dann ist es das Gebet. Erica führt uns vor Augen, was es bedeutet zu beten – wirklich zu beten – und lädt uns alle zu diesem göttlichen Abenteuer ein. Dies ist kein theoretisches, analytisches oder philosophisches Buch über Gebet. Dieses Buch ist Gebet, und Erica gibt darin eine praktische Anleitung für den echten Christusnachfolger. Einfach und großartig, aktuell und zeitlos. Bravo, Erica!

Paige HendersonMitbegründerin von Fellowship of the Sword Ministries

Ericas Begeisterung für Gott kommt in jeder Zeile von Kühn glauben zum Ausdruck. Sie hat die Kraft des Gebets und der Hingabe an den Heiligen Geist auf erstaunliche Weise erfahren, und lädt mit diesem Buch nun dich ein, deine eigene Reise mit Gott zu beginnen. Mit anschaulichen Geschichten und ansteckender Freude erzählt Erica aus ihrem Herzen und ermutigt uns, kühne Schritte des Glaubens zu unternehmen und Gott – in allem – mehr zu glauben.

Rachel Anne RidgeAutorin von Flash und Made to Belong

 

Inhalt

Vorwort

Dank

TEIL I: MEIN ZWEIFELNDES HERZ 15

1 Normalchristen und Superchristen

2 Fürchte dich nicht vor der Dunkelheit

3 Baby-Schritte

4 Leidenschaft und Beharrlichkeit

TEIL II: GOTTES VOLLKOMMENE WAHRHEIT 75

5 Satan ist ein Ekel

6 Gerüstet sein

7 Seine Gegenwart

8 Sich häuten

9 Tschüss, Angst

TEIL III: EINE GEISTLICHE STARTRAMPE 145

10 Magengrummeln

11 Wer hat meine Fliege gelöst?

12 Heilung

13 Einen kleinen Traum träumen

14 Das Beste aus beiden Welten

Über die Autorin

 

 

 

Für Joey, der mein Herz eroberte,aber nie versucht hat, es zu zähmen.

 

 

Vorwort

Unsere Welt versteht das Christentum im Moment nicht so recht. Manche fragen sich, ob der Glaube etwas mit einem Kirchengebäude zu tun hat. Andere sagen sich: Wenn es das ist, was ich in den sozialen Medien finde, dann will ich nichts damit zu tun haben. Andere sehnen sich nach Wahrheit und Hoffnung, haben aber das Gefühl, das Christentum sei nur für diejenigen, die alles im Griff haben.

Aber was ist mit uns, die wir uns Gläubige nennen?

Manchmal können auch wir durch das verwirrt werden, was wie Christentum aussieht.

Deshalb mag ich Kühn glauben so sehr. Es ist ein ehrlicher Blick darauf, dass wir oft am Rande dessen verweilen, was Jesus uns versprochen hat, während er uns doch einlädt, mit ihm ins tiefe Wasser zu springen. Das Buch zu lesen, ist, wie mit einer guten Freundin zusammenzusitzen und mit ihr die erstaunlichen Verheißungen auszupacken, die Jesus uns mitgeteilt hat.

Ich schreibe diese Worte, kurz nachdem ich ein Wochenende mit Frauen aus dem ganzen Land verbracht und ihnen gedient habe. Das ganze Wochenende über genossen wir die Schönheit der rustikalen, abgelegenen Ranch, in der wir übernachteten. Wir ergründeten die Verheißungen Gottes. Wir beteten.

Das sind Frauen, die sich danach sehnen, mit ihrem Glauben etwas in der Welt zu bewirken. Sie waren weit gefahren, weil sie Jesus folgen wollen, egal, wohin er sie führt, um was er sie bittet oder welches Wunder er in ihnen oder durch sie tun will. Sie verstehen, dass Jesus sie liebt und dass er sie errettet hat.

Sie wagen zu glauben, dass es noch mehr gibt, als jene erste und schöne Begegnung mit Jesus.

Jesus lädt seine Nachfolger ein, ihm täglich zu begegnen – in Fremden, in unseren Beziehungen, in unseren Familien, an unseren Arbeitsplätzen und in den schwierigsten Teilen des Dienstes. Er lädt uns ein, auf seine Stimme zu hören und ihm zu folgen.

Er bittet uns zu glauben, dass seine Verheißungen für heute sind. Wir sind dazu berufen, Salz und Licht in einer Welt zu sein, die ihn nicht versteht, aber die Wahrheit sucht – und dafür geben wir uns hin!

Deshalb findet dieses Buch in meiner Seele eine Resonanz. Es ist wie Musik, die spielt, während ich in T-Shirt und Yoga-Hose durch meinen Alltag gehe und meine Haare in einem Pferdeschwanz trage. Ich bin eine ganz normale Frau, die Jesus liebt, und wage dennoch zu glauben, dass wir frei sind, unseren Glauben mutig auszuleben.

Unser Glaube verändert uns, und dann verändert er die Welt um uns herum.

Wenn du geistlich hungrig bist nach allem, was Jesus anbietet …

Wenn du dich danach sehnst, mit anderen Frauen unterwegs zu sein, die sich danach sehnen, mit ihrem Glauben etwas zu bewirken …

Wenn du Gott inbrünstig darum bittest, die Freude über deine Erlösung wiederherzustellen …

Dann könnte Kühn glauben der Funke sein, der dieses schöne Werk in dir und durch dich beginnt.

Ich glaube, dass Gott zurzeit eine Armee von Jesus-Nachfolgern zusammenstellt, die ihren Glauben Seite an Seite praktizieren, ihn und auch die Welt auf ganz konkrete Weise lieben und gemeinsam kühn glauben.

Suzanne Eller, internationale Sprecherin und BloggerinAutorin von Come with Me undA Yearlong Adventure in Following Jesus

 

Dank

In erster Linie möchte ich meinem Mann Joey danken. Egal wie groß oder verrückt meine Ideen klingen, du verziehst nie eine Miene. Danke, dass du mir Raum zum Schreiben gegeben hast. Du wirst ein zusätzliches Juwel in deiner Krone bekommen, für jedes Mal, wenn du gesagt hast: „Was immer du brauchst, ich stehe hinter dir.“

Danke auch an meine Kinder, die ein so wichtiger Teil meiner Glaubensgeschichte sind: Ihr seid meine Inspiration, und ich kann euch nicht genug drücken, um meine tiefe Liebe zu euch zum Ausdruck zu bringen. Ich hoffe, dass die Stunden, die ich in dieses Buch investiert habe, während ihr noch klein seid, euch, wenn ihr größer werdet, inspirieren werden und erkennen lassen, dass es bei der Nachfolge Jesu nicht immer nur um „Spaß“ geht.

Ich möchte Kim Bangs und dem gesamten Team von Chosen Books dafür danken, dass sie sich dafür eingesetzt haben, dass meine Stimme gehört wird. Ihr alle habt vom ersten Tag an meine Geschichte und meine Sichtweise unterstützt. Ich erinnere mich an den Tag, als Gott mir sagte, dass ich mein Buch mit euch veröffentlichen würde. Es ist fantastisch zu sehen, wie das nun Wirklichkeit geworden ist. Ein besonderer Dank gilt meiner Lektorin Kathryn Deering, die meine ganze Begeisterung und Direktheit (!!!) so umgesetzt hat, dass es sowohl ermutigend als auch inspirierend ist. Es begeistert mich, wie Gott die starke Stimme in dir benutzt hat, um das Beste in mir hervorzubringen.

Dieses Buch wäre ohne meine Mentoren, Leiter und die Teilnehmer aus #theFives nicht zustande gekommen. An meine Mentoren: Niemand wird jemals erfahren, wie viele Stunden ihr, statt sie mit euren Lieben zu verbringen, für die Erstellung von Tabellen und das Gebet für Einzelne geopfert habt, um die Sache des Gebets in den Vereinigten Staaten voranzubringen. Jesus hat jeden spätabends verfassten Text und jeden von Herzen kommenden Kommentar gesehen, den ihr mitgeteilt habt. Toll gemacht! An meine Leiter: Danke, dass ihr euch an die Spitze gestellt habt, auch wenn ihr Angst hattet oder euch eurer Fähigkeiten nicht sicher wart. Ihr seid mutig und stark, und viele Menschenleben wurden durch euer Beispiel verändert! An diejenigen, die an #theFives teilgenommen haben: Das frühmorgendliche Gebet war für mich nie einfach, aber eure ermutigenden Kommentare und Gebete haben mehr als einen Berg versetzt. Gebt niemals auf, besonders nicht, wenn der Wecker um fünf Uhr morgens klingelt. Ich feuere euch an!

Danke an die Restore Community Church, dass ihr Joey und mich für die nächste Phase unseres Dienstes zugerüstet und ausgesandt habt, als wir noch keine Ahnung hatten, was das genau sein würde. Die Art und Weise, wie ihr diejenigen ehrt, die ihr schickt, ist erfrischend und inspirierend. Ich bete, dass noch mehr Gemeinden die Vision des weltweiten Leibes Christi ergreifen werden, wie ihr es getan habt.

Danke, New River Fellowship, dass ihr mir die Augen für eine Welt geöffnet habt, die mir unbekannt war. Unter eurer Leitung wurde ich auf die neuen Gaben vorbereitet, die Gott in mir freisetzen wollte. Danke, dass ihr mir eine Stimme, eine Plattform und auch eine herzliche Umarmung gegeben habt, wenn ich sie gebraucht habe.

Ich möchte meiner Familie für ihre Unterstützung danken: meinem Vater Mike und meiner Stiefmutter Jill. Meinem Stiefvater Todd, meinem Bruder Anthony, meinen Schwiegereltern Jackie und Sheila, meiner Schwägerin Mandy und meinem Schwager Jeremy. An alle meine Freunde, die auf meine Kinder aufpassten, während ich schrieb, die Abendessen für meine Familie kochten, meine Arbeit Korrektur lasen oder mir ermutigende Texte schickten, als ich aufgeben wollte: Ihr habt einen besonderen Platz in meinem Herzen – das möchte ich euch sagen.

Zuletzt noch vielen Dank an meine Mutter Jaymee. Ich habe es bis zum Central Park geschafft.

 

TEIL I: MEIN ZWEIFELNDES HERZ

 

Kapitel 1: Normalchristen und Superchristen

„Alles, Gott! Ich werde es tun! Zeig mir einfach, was als Nächstes kommt. Es muss mehr geben!“

Teppichfasern drückten gegen mein Gesicht, als meine Tränen den Wohnzimmerteppich durchnässten. Ich sehnte mich nach mehr von Gott, nach Antworten und Wegweisung von ihm. Aber alles, was ich hörte, war Stille. Mein hängender Kopf und meine schlaff herabhängenden Arme spiegelten meinen leblosen Glauben wider.

Ich war ausgelaugt, hoffnungslos und dabei, nach Strohhalmen zu greifen.

An diesem Morgen war ich auf die Knie gegangen, weil ich eine Veränderung brauchte, die nur Gott herbeiführen konnte. Mein Glaube und alles, was dazu gehörte, war, naja, langweilig. Ich wollte mehr, brauchte mehr. Ich war Hausfrau und Mutter und leitete die Kinderarbeit unserer Gemeinde. Joey, mein Mann, war Vollzeitstudent, Vollzeit-Banker und Vollzeit-Gemeinde­leiter. Die Tage waren zu kurz und mein Schlaf in der Nacht noch kürzer. Zwar konnte ich das Wirken Gottes in meinem Dienst und in meiner Familie sehen, doch stellte es mich nicht zufrieden. Der Gott des Neuen Testaments war nicht so gegenwärtig, wie ich es mir erhofft hatte. Von ganzem Herzen wünschte ich mir, die Wunder der Bibel in meinem kleinen Dienst und meiner Vorstadtfamilie zu erleben.

Mein Glaube war durchschnittlich. Ich war normal geworden. Schrecklich! Normal ist das lasche Christentum. Könnte mich jemand bitte aus meiner Laschheit ausspucken?

Wo waren die Wunder der Bibel?

Wer war durch mein Gebet von Krankheit geheilt worden?

Warum konnte ich keine echte geistliche Kampfführung erkennen?

Meine Freunde wurden zwar getauft, aber ich sah, dass sie sich weiterhin schwertaten, wirklich zu glauben. Sie waren ständig auf einer Achterbahnfahrt mit Höhen und Tiefen, je nach ihren Umständen. Das sah nicht so aus wie das siegreiche Leben, das Christus uns versprochen hat. Es musste mehr geben! Die Menschen im Neuen Testament legten ihre Hände auf Fremde und sahen dann, dass deren Beine, Augen oder Herzen wiederhergestellt wurden. Das erlebten sie täglich. Wo war das in meinem Leben? War ich von Gottes ursprünglichem Plan abgekommen? Hatte ich aus dem Bedürfnis heraus, meine Begegnungen mit Gott berechenbar und kontrollierbar zu halten, das Übernatürliche unterdrückt?

An diesem Morgen wurde mir endlich klar, dass mein Leben zu einer Reihe risikoloser Begegnungen mit Gott geworden war – kalkuliert, formuliert, unterwältigend.

Ich konnte es nicht mehr ertragen! Es musste sich ändern!

Die Normalchristen

Ich betrachte mich selbst als Realist. Ich mag Fakten und Zahlen. Ich genieße gute Diskussionen über Theologie. Ich bin ausgeglichen und fair und habe einen gut funktionierenden Kopf. Lange bevor ich einen Schritt mache, ist alles in meinem Kopf abgewogen, berechnet und geplant. Ich bin präzise, logisch und komme direkt auf den Punkt.

Das einzige Problem für Menschen wie mich ist, dass Gott nicht immer zuerst zu unserem Kopf spricht. Manchmal umgeht er unseren Verstand und spricht direkt zu unserem Herzen. Leider ist es bei mir so, dass ich ganz Kopf sein kann.

Vielleicht bist du auch so. Viele Menschen sind es. Ich nenne es liebevoll „normal“. Die Dinge in deinem Leben machen Sinn und du magst es so. Ein bisschen Bewegung im Boot ist okay, aber du bringst es sicher nicht zum Schwanken. Du kommst sonntags in die Kirche und meist spricht dich die Predigt auch an. Du bist sicher und berechenbar, genau so, wie Gott es wollte, oder? Ich verstehe das vollkommen. Gott hat uns Normalchristen aus einem ganz bestimmten Grund reif und weise gemacht, aber wir neigen dazu, uns selbst zu begrenzen.

In der Highschool begann sich meine verantwortungsvolle und vorsichtige Herangehensweise in eine Angst umzuwandeln, die mich vergiftete und lähmte. Ich war fünf Jahre lang Cheerleader gewesen, als ich mich entschied, noch besser zu werden und Gymnastik zu lernen. Ich verbrachte anderthalb Stunden nach der Schule im Cheerleadertraining und flog durch die Luft, wenn meine Truppe mich wie eine Stoffpuppe in den Himmel warf. Auf und ab, auf und ab – die Stunts, die wir mit einer reinen Mädchenmannschaft eingeübt haben, waren beeindruckend. Einen Tag in der Woche rannten meine Freundin Amanda und ich aus dem Training, schnappten uns einen Fast-Food-Burger, um unsere wachstumsstarken Körper vollzutanken, und flitzten dann in den Gymnastikunterricht, kurz bevor er begann.

Der Coach begann mit einer Reihe von Aufwärm- und Dehn­übungen, damit unsere Muskeln auf eine Stunde Hin- und Herlaufen vorbereitet waren. Alle Mädchen der Klasse stellten sich an einem Ende des Raumes auf und rannten nacheinander auf den Trainer zu. Er stand bereit, die Mädchen um die Taille aufzufangen, wenn sie einen Überschlag machten. Ich liebte die Kombination aus Radschlagen und Flick-Flack. Fokussiert und entschlossen rannte ich schnell und geradlinig und zog die Übung normalerweise reibungslos durch.

Allerdings hatte ich Angst, auf irgendetwas anderes zu fallen als auf diesen federnden, gepolsterten, königsblauen Boden. Der gab mir ein sicheres und mutiges Gefühl – ganz anders als wenn ich beim Cheerleading war. Die Bahn rund um das Footballfeld, auf der wir jeden Freitagabend Stunts machten, war mit dem federnden Boden nicht zu vergleichen. Und der Holzboden des Basketballplatzes, auf dem wir während der Halbzeit im Frühjahr unsere Vorführungen machten, glich eher einer Todesfalle. Lieber würde ich mir selber das Genick brechen, als den Boden das für mich tun zu lassen!

Dieser königsblaue Boden wurde zu meinem Sicherheitsnetz und hielt mich schließlich für immer gefangen. Solange ich in meiner kontrollierten Umgebung mit Kissen und Coach war, war ich gut. Aber außerhalb meiner Komfortzone verlor ich den Blick für alles, was ich wusste und verstand. Ich wollte mich nicht über diese Grenzen hinauswagen. Wenn ich den Trainingsbereich verließ, hörte ich auf, mich als Turnerin zu betrachten. Ich stellte meine Fähigkeiten in Frage und vergaß alles, was ich in den letzten Jahren erreicht hatte. Von meinem drohenden Untergang überzeugt, habe ich in meiner ganzen Highschool-Cheering-Karriere nur einen Back-Handspring bei einem Spiel gemacht.

Einen.

Jahrelange Übung und Tausende Dollars für die Tonne. Wenn das Spiel im Gange war, waren all die Stunden harter Arbeit, Schweiß und Risiko nichts mehr wert. Nicht, weil ich unfähig war, sondern weil ich Angst vor dem Risiko hatte. Auf dem Gymnastikboden und mit einem professionellen Trainer war ich unbesiegbar. Ich hatte keine Angst, neue Fertigkeiten auszuprobieren oder höher zu springen. Mein Coach passte auf und ich wusste, dass ich nicht fallen würde. Diese festen Hände um meine Taille herum gaben mir den Mut, mutige Stunts auszuprobieren. Aber ohne diese Voraussetzung war es mir nicht möglich, etwas zu wagen.

Ich hatte das Gefühl, mein normales Selbst schützen zu müssen. Ich filterte jede Begegnung – physisch oder geistlich – durch meine eigene normale Definition von mir selbst, anstatt auf Christus zu schauen, um meine Identität zu finden. Wie ist das bei dir? Kannst du dich mit diesem Lebensgefühl identifizieren? Hat Gott dich berufen, um einige geistliche Risiken einzugehen? Worum bittet er dich, es zu versuchen? Wohin führt er dich, damit du aus deiner Komfortzone heraustrittst? Seine Hände halten dich. Du wirst dir nicht das Genick brechen!

Lasst uns für die Möglichkeit offen sein, dass es da draußen mehr gibt. Lasst uns nicht mehr zulassen, dass unsere Ängste unser Schicksal bestimmen.

Die Superchristen

Normalchristen wie ich wissen normalerweise nicht, was sie von Menschen halten sollen, die das supergeistliche Zeug zu lieben scheinen. Ich nenne sie die Superchristen. Superchristen scheinen von einem anderen Planeten zu kommen. Sie sind vom Herrn begeistert, ja, sie sehnen sich danach. Das sind die Menschen in deiner Gemeinde oder in deiner Bibelgruppe, die besondere Begriffe wie „Taufe im Geist“ und „heiliges Lachen“ verwenden. Sie sagen vielleicht Dinge wie: „Ich hatte gestern Abend einen Traum von Gott über dich“ oder: „Gott hat mir ein Wort für dich gegeben.“

Ein „Wort“? Mhm.

Für jemanden wie mich, der noch nie von diesen Dingen gehört hatte, waren solche Aussagen manchmal einschüchternd und überwältigend. Ich wusste nicht, ob ich den Superchristen vertrauen oder sie völlig ablehnen sollte. Sie sprengten meine Vorstellung von „normal“. Ich verfiel in höhnische Gedanken, anstatt dass ich versuchte zu verstehen, was sie sagten. Ihre Sicht auf die Welt war so anders als meine eigene. Für sie schien alles einen Sinn zu haben. Jeder Schmetterling, der vorbeischwebte, erzählte eine Geschichte über die Liebe Gottes. Jedes gesprochene Wort hatte die Kraft zu heilen oder zu töten. Einige behaupteten, Gott habe sogar festgelegt, um welche Tageszeit sie in den Lebensmittelladen gehen würden (Wirklich? Glaubst du, Gott kümmert sich um den exakten Moment, in dem du durch die Gemüseabteilung gehst? Schnapp dir einen Salatkopf, Lady, und geh weiter!)

Ich konnte sie nicht verstehen. Sie waren so leidenschaftlich! Schalteten sie jemals einfach nur den Fernseher ein, um eine Weile abzuschalten? Mein Gehirn wäre überlastet, wenn ich versuchen würde, aus allem, was ich berührt oder geschmeckt habe, eine Lektion zu lernen. Jedes Mal, wenn jemand eine Geschichte erzählte, wie Gott durch etwas Unerwartetes zu ihm sprach, rollte ich (innerlich) die Augen und schaute mich im Raum nach jemand um, der mich vor dem unsinnigen Gespräch würde bewahren können.

Dann gibt es noch die „geistlichen Träume“. Wir Normalchristen denken, unsere Träume hätten nichts mit uns zu tun, und finden sie oft seltsam. Warum sollten wir denken, dass ein Traum von rosa Elefanten eine Offenbarung Gottes ist? War das eine Botschaft des Heiligen Geistes – oder von der Pizza vom Abend vorher? Um sicherzugehen, legte ich „Träume“ unter „Superchristen“ ab und kümmerte mich nicht weiter darum.

Dann gab es jene „Sprachen“, von denen die Menschen behaupteten, sie hätten sie direkt von Gott erhalten. Was? Das muss wohl ein Witz sein! Sogenannte Gebetssprachen klangen für mich wie Gebrabbel. Das ganze super-geistliche Zeug fühlte sich einfach ein wenig verrückt an.

Bis es eines Tages nicht mehr so war.

Schmecken und Sehen

Mein Mann, Joey, ist sehr muskulös und schlank. Er geht gerne ins Fitnessstudio und genießt das Training. Aber so gut er auch aussieht, die meisten Menschen wären schockiert, wenn sie hörten, dass er süchtig nach Süßigkeiten ist. Süßigkeiten? Er ist ruiniert. Eiscreme? Natürlich isst der Durchschnittsmensch zwei Liter auf einmal, nicht wahr? Joey verschlang einmal eine ganze Schüssel einer speziellen Eiscreme ganz allein, die zehn Leute satt machen sollte. Wenn wir Freunde zum Abendessen haben, ist er immer für unser Dessert zuständig. Was mich betrifft, ist das eine großartige Regelung in unserer Ehe. Ich mache mir nicht viel aus Dessert. Joey dagegen legt großen Wert darauf, wie lange ein frischer Toll House Cookie1 im Ofen verweilt. Seine Kekse sind die perfekte Balance zwischen gebackenem, aber dennoch klebrigem Gebäck. Ich weigere mich, nach seinem Grad der Vollkommenheit zu streben. Dafür hat doch niemand Zeit, oder?

Als ich aufwuchs, waren in meiner Familie Süßigkeiten streng begrenzt. Meine Mutter hat oft gebacken, aber wir durften nie zu viel Zucker zu uns nehmen. Zwei Kekse pro Tag, höchstens. Und wir mussten sicherstellen, dass wir eine Stunde lang im Hof spielten, um den Zucker wieder zu verbrauchen. Ich hatte einen eingebauten Zuckerregler. Als Erstgeborene, als Typ-A-Mensch, gefiel mir das.

Dann heiratete ich Joey. In unserem ersten Ehejahr kam er auf die Idee, um 22.00 Uhr einen Kuchen zu backen, nur weil es sich wie eine gute Idee anhörte. Wer backt so spät einen Kuchen? Wer hat so viel Energie, um lange aufzubleiben, ein Chaos in der Küche anzurichten, darauf zu warten, dass der Kuchen fertig wird und abkühlt, ihn zu essen und dann noch das Chaos zu beseitigen? Ich sicherlich nicht! Joey hat sich nie Gedanken darüber gemacht, dass es Schlaf kostet oder wieder sauber gemacht werden muss. Er fabrizierte sein Meisterwerk mit Liebe und Fürsorge, und das tolle Aroma füllte unsere winzige Wohnung.

Als es das erste Mal passierte, glaubte ich wirklich, er sei verrückt geworden. Alles in Maßen, du bist doch kein Tier! Der Kuchen muss direkt nach dem Abendessen kommen, zusammen mit einem Glas Milch. Er ist doch kein Mitternachtssnack!

Dann probierte ich den Kuchen, der direkt aus dem Ofen glasiert worden und noch warm war. Oh! Meine Güte!

Für meine Augen eröffnete sich eine ganz neue Welt und für meinen Hosenbund eine ganz neue Größe. Wie herrlich! Wie großartig! Wie … wie … wie … wie konnte ich mehr bekommen? Wir entschieden, dass es von nun an nicht mehr nötig war, den Kuchen in Stücke zu schneiden. Das war für Amateure. Wer will denn nur ein Stück warmen, gelben Kuchen? Schnapp dir einfach ein Messer und schneide ein Stück ab, so groß du willst!

Ich hatte keine Ahnung, wie köstlich warmer Kuchen um Mitternacht schmeckt, bis ich ihn selbst probiert hatte. Am Ende stellte sich heraus, dass Joey Recht hatte: Der Mitternachtskuchen ist der beste Kuchen. Aber ich hätte nicht wissen können, wie gut, wenn ich es nie selbst probiert hätte.

So ist es auch bei Gott: „Schmecket und sehet, dass der HERR gütig ist …“ (Psalm 38,9).

Der Heilige Geist hat einen großen wohlschmeckenden Kuchen, der auf dich wartet. Keinen Kuchen, der schon einen Tag alt ist. Frischer Kuchen, direkt aus dem Ofen, speziell für dich zubereitet. Du kannst deine eigene Methode haben, wie du „Gott genießen“ kannst, und diese ist vielleicht ganz anders als die der Superchristen, die stundenlang dasitzen und ihre Bibel lesen oder blindlings für Menschen auf der Straße beten. Das macht dich nicht gerade an. Wenn du daran denkst, was dabei alles schief gehen könnte, könntest du einen Angstschub kriegen. Du musst dich selbst fragen:

Ist es die ganze Anstrengung wert, mehr vom Heiligen Geist zu erfahren?

Darf ich einen riskanten Gedanken vorschlagen? Wenn ich mein verantwortungsbewusstes erwachsenes Denken für die Möglichkeit öffne, dass Gott wilder ist, als wir uns vorstellen können, werde ich anfangen, es mit meinen eigenen Augen zu sehen. Wären diese einmal nicht damit beschäftigt, sich wegen der Absurdität von allem in meinen Hinterkopf zu rollen, hätte ich vielleicht die Chance, in Gottes Angesicht zu schauen. Es gibt keine Grenzen für unsere Begegnungen mit dem Heiligen Geist. Es scheint fast unverantwortlich zu sein, sich für Dinge wie Visionen und Träume zu öffnen, aber das ist es nicht. Eins habe ich durch den Mitternachtskuchen gelernt: Was wir durch Genuss entfesseln, werden wir durch kalkulierte Begegnungen nie erleben.

Schmeckt und seht, dass er gut ist!

Die Wochenendfreizeit

Meine Wetter-App zeigte für das Wochenende kleine Wolken und Blitze an. Aber es war ja nicht irgendein Wochenende. Es waren die drei Tage, für die ich seit Monaten gebetet, geplant und ernsthaft um Führung gebeten hatte. Es war die erste Wochenendfreizeit, die ich je geplant hatte, und ich wollte, dass sie perfekt würde.

Ich wollte achtzig Frauen in Anbetung und Gebet führen. Die meisten von ihnen hatten sich noch nie persönlich getroffen; sie waren Teil eines landesweiten Gebetsdienstes namens #theFives, den ich gestartet hatte, weil ich mich von Gott dazu geführt sah. Ich war begeistert, dass sich diese Frauen zum ersten Mal trafen und wollte, dass jede von ihnen eine neue Begegnung mit ihm haben würde. Sie brauchten Zeit, um sich an diesem Wochenende in seiner Gegenwart auszuruhen, damit sie hören konnten, wie seine Stimme liebevoll zu ihnen sprach.

Aber ach, diese winzigen Wolken! Ich hatte so große Pläne! Unsere Gebetszeiten sollten draußen in der texanischen Sonne stattfinden, umgeben von blaublühenden Wiesenlupinen – nicht drinnen in Stockbetten. Und was war mit der geplanten Poolparty? Der liebe Gott weiß doch, dass es auf jeder erfolgreichen Freizeit eine Poolparty gibt …

Doch es kamen Sturmwolken auf. Genial!

Warum tauscht Gott immer unsere Pläne gegen seine eigenen, wenn wir erwarten, dass er sich auf eine bestimmte Weise zeigt? Das macht es nicht einfach, die Sache zu schmeißen. Ich hatte Gott gebeten, jeden Teil der Freizeit zu leiten; und er hatte ja das Wochenende ausgesucht und auch den Ort. Er hatte die Frauen ausgewählt, die teilnehmen sollten. Und trotzdem Wolken!

Die Prognose für das Wochenende hatte recht. Kein blauer Himmel blickte durch die dicke Schicht von Regenwolken. Das ganze Wochenende. Ich fühlte mich niedergeschlagen. Mangelnde Kontrolle macht mich immer launisch. Ich konnte viele Dinge kontrollieren, aber das Wetter gehörte nicht dazu. Ich musste mich entscheiden: Wollte ich zulassen, dass das Wetter mein Wochenende ruiniert? Wollte ich, dass es meine Gedanken und meine Aufmerksamkeit bestimmte? Ich musste mir wieder vor Augen führen, dass dieses Wochenende Frauen die Möglichkeit geben sollte, mutig einer Seite Gottes zu begegnen, die sie noch nicht kannten. Kein Regen würde das aufhalten.

Ich entschied mich, mich mit Gottes Souveränität zufrieden zu geben. Egal, ob die Freizeit drinnen oder draußen war, er wusste, was er tat. Der ganze erste Tag verging ohne einen Tropfen; nicht einmal ein Nebel. Als wir uns an diesem Abend versammelten, lehrte ich darüber, dass Gott die intimsten Details unseres Wesens kennt und uns trotz unserer Mängel liebt. Er reicht uns einfach seine Hand, damit wir dieses Leben gemeinsam führen. Ich sprach darüber, dass wir uns oft vor Gott fürchten und leicht vergessen, dass er ein liebender Vater ist, der uns willkommen heißt.

Ich betete für die Frauen im Raum, sich mir anzuschließen, und lud sie ein, nach vorne zu kommen, wenn sie Gottes Liebe ohne Angst spüren wollten. Als ich laut betete, hörte man ein leises „Klingeln“ von oben. Das Blechdach des Gebäudes begann zu singen.

Es regnete!

Schnell ging es in ein heftiges Gewitter über. Es war, als hätte sich der Himmel nur für uns geöffnet, in diesem heiligen Moment. Obwohl der gefürchtete Regen endlich gekommen war, war er nun ein schönes Symbol dafür, wie der Heilige Geist, der oft durch Wasser dargestellt wird, diese Frauen von ihren früheren Ängsten reinigte und sie in eine neue Lebensform führte.

Solange die Frauen noch die Stufen zur unteren Bühne hinunterstiegen, auf der ich stand, bombardierten Wassertropfen das Metalldach. Es war wie eine beschwingte Symphonie zwischen Natur und Gott. Die Frauen schlangen ihre Arme umeinander, während sie inbrünstig für einen neuen und vertrauensvollen Glauben beteten. Die Zeit verging. Schließlich, sobald die Frauen wieder auf ihren Sitzen waren, hörte der Regen auf.

Sofort!

Es war das einzige Mal, dass wir an diesem Wochenende Regen hatten. Sechs Monate zuvor hätte ich gedacht, das sei alles nur Zufall. Aber jetzt? Wir hatten gerade einen besonderen Moment erlebt; Gott hatte sich durch den Regen offenbart.

Wir alle wussten, dass wir gerade etwas Übernatürliches erlebt hatten. Es war überhaupt nicht auf seltsame Weise übernatürlich, sondern einfach wunderbar. Wir saßen in der Stille, die folgte, und hüteten uns, diesen Moment zu unterbrechen, der sich heilig und göttlich anfühlte. Die Gegenwart Gottes war dort greifbarer, als ich sie je erlebt hatte, und tief im Inneren wusste ich, dass es nur der Anfang war. Gott hatte mir einen kleinen Einblick in seine gewaltige Macht gewährt, die sich mir weiter offenbaren würde, wenn ich die Mauern, die ich um meinen Glauben herum gebaut hatte, niederreißen würde. Ich müsste die Wahrheiten seines Wortes nicht wegwerfen oder die Weisheit ganz verwerfen, um Gott aus einer ganz neuen Perspektive zu betrachten.

Gott ist schließlich übernatürlich. Wer würde ihn anders wollen? Er kann nicht nur die Art und Weise erneuern, wie wir denken, handeln und lieben, sondern er kann es auch für achtzig Frauen gleichzeitig tun und seine Macht mit einem hämmernden Regenguss unterstreichen. Er liebt uns, und er bringt den Himmel auf die Erde!

Als Jesus als Mensch aus Fleisch und Blut durch die Straßen ging, behielt er die übergeistlichen Dinge nicht für sich selbst. Im Gegenteil, er öffnete die Schleusen des Himmels und ließ Wunder niederregnen. Er gab den Blinden das Augenlicht und schenkte den Verdammten Gnade. Er füllte leere Mägen und leere Herzen. Dies sprengte die Erfahrung und Erwartung der Menschen, die das nicht erklären konnten, sondern nur den Kopf in Ehrfurcht schüttelten. Gott war zu ihnen in ihre Menschlichkeit gekommen, um ihnen zu zeigen, wie er ist. Seine Gegenwart unter sündigen Menschen sollte außerdem beweisen, dass Gott nicht vorhersehbar ist.

Gott ist kein Ratgeberbuch

Wie ich, bist vielleicht auch du ein „Normalchrist“. Ein Normalchrist zu sein, ist in Ordnung. Dein Glaube gibt dir Sicherheit und Trost und jeden Tag viel Hoffnung und Offenbarung. Deine Erlösung ist sicher und du kannst Gott hören, wenn er spricht. Das alles sind tolle, schöne Dinge. Aber was wäre, wenn es für dich noch mehr Offenbarung und Kraft gäbe, wenn du deinen Glauben ausleben würdest? Ja, Gott ist verlässlich und manchmal sogar vorhersehbar; aber was ist, wenn er durch seine treuen Nachfolger – dich eingeschlossen – auch seine unbändige Wildheit zum Ausdruck bringen will?

Wenn du wüsstest, dass Gott durch deine Hände Wunder vollbringen möchte, wärst du dann offen dafür? Was wäre, wenn andere wegen eines übernatürlichen Wirkens Gottes durch dich zum Glauben an Jesus geführt würden? Würdest du dich dafür entscheiden, deine gegenwärtigen Überzeugungen zu erweitern, um scheinbar seltsame Begegnungen einzuschließen, damit das Evangelium bekannt wird? Denn so sehr wir es auch versuchen mögen, können wir Gott doch nicht in unsere Komfortzone einsperren. Er setzt die Grenzen, nicht wir.

Selbst wenn du mir in meinen normalen Tagen sehr ähnlich bist, pflichtbewusst (und, ehrlich gesagt, irgendwie langweilig), kannst du anfangen, die Dinge zu überdenken. Vielleicht ist es an der Zeit, die Grenzen des „Sicheren und Vorhersehbaren“ zu überschreiten. Vielleicht ist es an der Zeit, die geistliche Seite der Realität nicht mehr zu ignorieren.

Wir sind mit der Welt, in der wir leben, vertraut, aber wir wissen, dass es noch mehr gibt. Vielleicht sind wir zögerlich, wenn es darum geht, Neues auszuprobieren, aber wir erkennen die Tatsache an, dass unser geistliches Leben mehr zählt als unser physisches Leben. Wir sollten nicht schockiert sein, wenn sich das Übernatürliche unnatürlich anfühlt, denn wir sind so tief verwurzelt in dem, was wir sehen, berühren und kontrollieren können. Gott kommt nicht, um unsere Erwartungen zu erfüllen, sondern um sie zu sprengen!

Wenn ich jetzt auf die normale Erica zurückblicke, bin ich traurig. Ich habe so viel verpasst. Es war so einfach, die Dinge Gottes, die mir Unbehagen bereiteten, als „verrückt“ zu bezeichnen, anstatt mich ihnen zu öffnen und Gott zu fragen, was er mir zeigen wollte. Es war einfach, übernatürliche Dinge als „unbiblisch“ zu beschreiben. (Leider habe ich das jahrelang getan. So war es mir beigebracht worden.) Meine Identität war darin verpackt, eine Normalchristin zu sein – geerdet und vertrauenswürdig. Es war, als hätte ich eine Broschüre mit dem Titel „Alles, was du jemals über Gott wissen musst“ geschrieben und sie an alle verteilt, die ich kannte.

Jetzt musste ich jedes Exemplar verbrennen.

Unser Gott ist weder eine Broschüre noch ein Ratgeberbuch. Ebenso wenig ist es Kühn glauben. Dieses Buch ist eine Starthilfe für deinen Glauben. Es ist eine Erinnerung daran, dass Gott sich nicht begrenzen, abbilden oder kontrollieren lässt, sondern sich nur finden lässt, wenn wir ihn von ganzem Herzen suchen. Der einzige Weg, wie wir die Fülle des Lebens in ihm finden können, ist, die Grenzen zu überschreiten, aus unseren Komfortzonen auszubrechen und offen zu sein für alles, was er sagen oder tun möchte. Es sieht vielleicht nach Schweiß und würdelos aus, aber wen kümmert es? Er ist unser Ziel, das Zentrum von allem. Und er lädt uns ein, uns tiefer auf ihn einzulassen.

Es ist jede Anstrengung wert, Gott noch besser kennenzulernen. Er wird uns mehr als auf halbem Weg begegnen, sobald wir uns entschlossen haben, ein übernatürlicheres Leben führen zu wollen.

Bist du bereit für mehr?

Fühle deinen Puls

1. Hast du einen mächtigen oder machtlosen Glauben? In welchem Bereich mangelt es dir deiner Meinung nach an Glauben? In welchem Bereich ist er stark?

2. Würdest du dich als Normalchrist(in) oder Superheld(in) bezeichnen? Aus welchen Gründen?

3. Wenn du die Wahl hättest, auf welche Weise Gott in deinem Leben übernatürlich wirken sollte, um was würdest du ihn bitten?

4. Wann hat Gott dich das letzte Mal aus deiner Komfortzone gerufen, um ihm zu folgen?

5. Bekenne alle vorgefassten Urteile, die du gegen Normalchristen bzw. Superchristen hast, und bitte Gott, dir einen Neuanfang zu schenken.

 

1 Spezielle Schokoladenplätzchen zum Aufbacken.

Kapitel 2: Fürchte dich nicht vor der Dunkelheit

Ich studierte den Kalender auf meinem Handy und suchte nach einem freien Termin für einen Kaffee mit einer Freundin. Diese Woche sah es schlecht aus. Die nächste Woche war auch schon voll.

Ich scrollte und scrollte und landete im nächsten Monat. Wirklich? Ein ganzer Monat weg? Konnte es sein, dass ich nicht eine einzige Stunde für eine Freundin übrighatte, die dringend mit mir reden wollte? Da wusste ich, dass ich ein Problem hatte. Es heißt „Fülle-jeden-Moment-eines-jeden-Tages“.

Ich mag es nicht, zu Hause zu sitzen und Daumen zu drehen. Zusammen mit meinem glücklichen kleinen Mädchen gehe ich jeden Tag irgendwohin. Zum Zoo, zum Pool, zum einzigen überdachten Spielplatz, der nicht nach Pipi riecht, wohin auch immer. Wir sind regelmäßige Weltreisende. Würde es bei Chick-Fil-A1 Stempelkarten geben, wären unsere randvoll gestempelt und mit klebrigen Fingern markiert. Wir leben frei und offen und stellen unsere eigenen täglichen To-Do-Listen zusammen.

Doch hier war ich nun – zu verplant, um planen zu können.

Wie war das überhaupt möglich? War ich so sozial, dass ich keinen Platz hatte, um noch sozialer zu sein? Etwas musste gestrichen werden. Den vollgepackten Kalender zu entschlacken war nicht einfach.

Meine Leute brauchen mich, Herr! Diese Frauen, denen ich diene, können das nicht allein tun. Es ist meine Aufgabe, sie unter meine Fittiche zu nehmen und sie so zu lieben, wie du sie lieben würdest. Mit einer Frau einen super schmeckenden Kaffee zu trinken, kann mehr bewirken, als man denkt. Ich muss Platz für sie schaffen. Du hast mich doch erschaffen, um mich in das Leben der Frauen zu investieren und dabei endlos handgebrühten Kaffee zu trinken. Wie kann ich jedem dienen, zu dem du mich rufst? Der Tag hat nicht genug Stunden.