Kurtchen und der Bunker - Klaus Blochwitz - E-Book

Kurtchen und der Bunker E-Book

Klaus Blochwitz

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Beschreibung

Ein Junge in der Nachkriegszeit, Leben in Trümmern, immer auf der Suche nach essbaren, kalte Winter,Schule, Lehrzeit, Beruf und Hochzeit, Papa werden

Das E-Book Kurtchen und der Bunker wird angeboten von BookRix und wurde mit folgenden Begriffen kategorisiert:
Nachkriegszeit, Hunger, Kälte, Armut, Schule, Beruf, Hochzeit

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Klaus Blochwitz

Kurtchen und der Bunker

und weitere Geschichten

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Kurtchen und der Bunker

An der Mauer links von dem Treppenaufgang, der zu dem halb zerbombten Hauseingang führte, stand ein kleine Gruppe von Jungens.

Der größte von den vieren sprach ruhig aber eindringlich auf die drei anderen Jungen ein. Zwei nickten, der dritte schüttelte zweifelnd mit seinen Kopf. Kurtchen, so hieß der große Junge, sprach jetzt den kleinen Zweifler direkt an: „ Lass es uns wenigstens versuchen, wir können ja jederzeit umkehren!“

Der Zweifler hieß Clemens, hielt Kurtchen entgegen: „Wenn meine Mutter davon erfährt, setzt es Hiebe und das nicht zu knapp!“

„ Braucht ja keiner erfahren!“ Sagten jetzt alle drei wie aus einem Munde.

„ Das sagt ihr so einfach, ihr wisst doch selbst, wie die Erwachsenen sind, irgendwie kriegen die doch alles raus!“ Clemens war schwer zu überzeugen.

Kurtchen, dünn wie eine Bohnenstange, der ständige Hunger hat sein Gesicht geformt, sah eindringlich in das genauso magere Gesicht von Clemens: „Wenn wir mit den Sachen nach hause kommen, bekommt kein Mensch den Asch voll gehauen!“

„Das stimmt, wenn ich etwas brauchbares nach Hause bringe, ist alles gut!“ Stimmte Clemens endlich zu.

Worum ging es Kurtchen eigentlich?

Kurtchen war ständig auf der Suche nach etwas brauchbaren, vor allem aber etwas essbares. Dabei stöberte er in allen möglichen und unmöglichen zerbombten Häusern herum, strich wie eine Katze um jeden Bauernhof, versuchte es sogar bei den englischen Soldaten. Nicht immer erfolgreich, aber ab und zu brachte Kurtchen doch schon mal etwas mit nach Haus. Seine Mutter fragte schon lange nicht mehr, woher es hatte. Sein Vater war noch nicht aus dem Krieg zurück!

Diesmal hatte Kurtchen einen betonierten Gang entdeckt, der halb verschüttet unter den nahen Bahndamm führte. Auf einer Treppe voller Geröll ging es abwärts, das Tageslicht reichte durch die kleine Öffnung nicht sehr weit, schnell wurde es dunkel und Kurtchen hatte noch nicht ein mal das Ende der Treppe erreicht.

 

Aber Kurtchen wusste sich zu helfen.

Er lief zu den Abstellgleisen der Bahn. Dort standen Unmengen von Waggons und Kurtchen holte sich die Petroleumlampe aus den Schlusslichtern eines Güterwaggons. Mit dem funzeligen Licht tappte Kurtchen weiter die Treppe hinunter.

Am Ende der Treppe knickte der Gang rechtwinklig nach links und Kurtchen sah in dem müden Licht einen langen Gang voller Geröll, das Ende war nicht zu sehen. Sehr vorsichtig tappte Kurtchen in dem Halbdunkel weiter und sah, dass der Gang eine Abzweigung nach rechts hatte. Einen Moment überlegte Kurtchen, ob er weiter gerade aus gehen oder die Abzweigung erkunden sollte. Er entschied sich für den neuen Gang. Er drehte sich nach rechts und schrie etwas erschreckt auf, vor ihm lagen drei oder vier tote Soldaten! Der Gang endete vor einer Wand, die aus sehr stabilen Holzbrettern bestand, Kurtchen fand die Tür, die sehr genau eingepasst war. Er drückte dagegen und lautlos öffnete sich die Tür. Die Holzwand trennte das letzte Stück des Ganges ab und dadurch entstand eine Art Unterstand, nein, mehr ein Zimmer.

Kurtchen ging bis zur Mitte des Raumes und sah noch einen toten Soldaten, aber er sah auch ein Regal voller Konservendosen! Konservendosen bedeutete fast immer Essen! Kurtchen nahm eine Dose aus dem Regal, stellte die Petroleumlampe auf den kleinen Tisch und setzte sich auf den einzigen Stuhl. Er drehte die Blechdose in seinen Händen hin und her, aber er konnte über den Inhalt der Dose nicht erfahren. Kurzentschlossen nahm er sein Messer zur Hilfe, er setzte die Messerspitze auf den Dosendeckel und schlug mit der flachen Hand auf den Messergriff, gelblicher Saft floss aus der Öffnung und vorsichtig probierte Kurtchen. Ein seliges Leuchten erschien auf seinem mageren Gesicht, süß, so lecker süß! Kurtchen vergrößerte die Öffnung und setzte die Dose an den Mund. Als kein Saft mehr aus der Dose kam, hebelte Kurtchen mit seinem Messer den Deckel ganz auf und sah mit leuchtenden Augen – Pfirsiche!

Die Petroleumlampe begann zu flackern, der Junge drehte die Flamme kleiner, steckte zwei Dosen ein und machte sich auf den Rückweg. Seine Mutter öffnete eine Konservendose – Schweinefleisch, seine Mutter, seine Geschwister und er selbst freuten sich auf ein leckeres Abendessen.

Die vier Jungens verabredeten sich für den nächsten Tag und Kurtchen sagte noch: „ Bringt einen Sack oder so etwas mit für die Konservendosen!“ Zustimmendes Nicken.

Zum frühen Nachmittag trafen sich die vier, Kurtchen hatte für jeden eine gut gefüllte Petroleumlampe und alle zeigten ihre leeren Kartoffelsäcke vor.

„ Gut,“ grinste Kurtchen die drei an, „ dann lasst uns gehen!“

Die kleine Gruppe verschwand in dem kleinen Wald und standen dann staunend vor dem durch das Gebüsch verdeckten Eingang. Sie tappten die Treppe hinunter, erreichten den Quergang, Kurtchen hatte vorher die toten Soldaten mit alten Decken zu gedeckt. Er wusste das Gerd etwas schreckhaft war.

Staunend, mit offenen Mündern und weit aufgerissenen Augen standen sie dann in dem Raum und dann verschwanden die Konservendosen ruck zuck in den Kartoffelsäcken und keuchend schleppten die Jungens die schwere Last aus dem Bunker!

Am nächsten Nachmittag trafen sich die vier wie immer, nur diesmal war auf jeden Gesicht ein breites Lachen zu sehen, vergnügt stupsen sich die Jungen an, knufften sich in die mageren Seiten und Clemens brachte es auf den Punkt: „ Nächstes Mal gehe ich mit, ohne jede Frage, un dat kannsse glaum!“ Ausgelassenes Lachen ließ für einen winzigen Augenblick die zertrümmerte Welt freundlich aussehen.

Kurtchen und die Schweine

 Kurtchen hatte die Schule für heute hinter sich, die Hausaufgaben erledigt und die Schulsachen ausgezogen.

Jetzt stand er in den oft geflickten und gestopften Sachen vor seiner Schwester: „ Ich guck mal so herum, was es draußen so gibt.“

„ Bringst Du wieder etwas zu essen mit?“ Hoffnungsvoll sahen zwei Augen zu ihm hoch.

„Ich werde mich um sehen!“ Sacht strich seine Hand über den kleinen Kopf seiner Schwester.

Kurtchen ging diesmal trotz aller Hinweise, diese Gegend zu meiden, aus welchen Gründen auch immer, Richtung Sandgrube, rutschte die Sandböschung hinunter, sah einen Moment den Arbeitern zu, die stöhnend und ächzend die mit Sand hoch beladenen Loren die Laderampe hoch schoben.

 

Kurtchen musste auflachen, mit den leeren Loren die Rampe hinter sausen macht viel mehr Spaß! Der dünne, hochaufgeschossen Junge ging schräg durch die Sandgrube, kletterte die Böschung hoch und verschwand nach wenigen Schritten in dem dichten Wald.Ein

 

Stück weiter stieß sein Fuß gegen etwas metallisches, dass scheppernd davon rollte. Kurtchen, neugierig wie er nun mal war, lief hinterher und fand einen Stahlhelm, er sah sich den Stahlhelm gründlich und dann strahlte sein Gesicht, kein Einschuss oder etwas anderes, der Helm ganz, komplett ganz!

Dieser Helm bedeutete mindestens zwei gute Mahlzeiten, die Frauen waren verrückt nach den Helmen, sie wurden als Kochtopf Ersatz benutzt.

 

Kurtchen ging vorsichtig tiefer in den dämmrigen Wald und sah hier und da deutliche Spuren, die nur ein Krieg hinterlässt. Eine grüne Tasche, die über einen trockenen Zweig hing, erregte seine Aufmerksamkeit, die Tasche war zwar leer, aber prima in Schuss!

Kurtchen verstaute den Stahlhelm darin und hob dann lauschend seine Kopf.

Das Grunzen und Quieken kannte er nur zu gut – Schweine, ganz sicher!

Kurtchen wurde nach vorsichtiger, er schlich wie auf Katzenpfoten und blieb wie angewurzelt stehen, Hundegebell! Hundegebell von großen und bösen Hunden! Er

kannte sich mit Hunde und deren Gebell aus und das hier hörte sich gar nicht gut an!

 

Der Junge sah sich nach einen geeigneten Baum um und sah dann von oben etwas unglaubliches! Ein flaches Gebäude, fast schon von Pflanzen und Gestrüpp zu gewachsen, davor in dem Gehege suhlten sich bestimmt an die zwanzig Schweine! Dicke, fette Schweine, auch ein paar Ferkels, rosarot noch, rannten herum!

Kurtchen hatte mal davon gehört, dass schwarz schlachten streng verboten sein soll und jetzt das hier! In seinem Kopf überschlugen sich die Gedanken, wie komme ich an die Schweine heran? Er hob plötzlich schnuppernd wie ein Hund seinen Kopf: das riecht, das riecht wie Würste riechen!

Jetzt war der Junge nicht mehr zu halten, in einem leichten Bogen schlich er durch das dichte Unterholz um den Zaum herum. Durch das dichte Gestrüpp sah er, dass das Gebäude bis an den Zaun heran reichte.Schnell hatte er ein Fenster entdeckt und versuchte es auf zu drücken, fest verschlossen. Kurtchen fand das nächste Fenster und das war nur angelehnt! Er hängte die Tasche in ein Gebüsch und kletterte den Maschendrahtzaun hoch und verschwand durch das Fenster.