Lady Windermeres Fächer - Oscar Wilde - E-Book

Lady Windermeres Fächer E-Book

Oscar Wilde

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Beschreibung

"Lady Windermeres Fächer" ist eine Komödie in vier Aufzügen, die am Samstag, dem 20. Februar 1892, im St. James's Theatre in London uraufgeführt wurde. Die Geschichte handelt von Lady Windermere, die vermutet, dass ihr Mann eine Affäre mit einer anderen Frau hat. Sie konfrontiert ihn damit, aber obwohl er alles abstreitet, lädt er besagte andere Frau, Mrs. Erlynne, zum Geburtstagsball seiner Frau ein. Verärgert über die vermeintliche Untreue ihres Mannes beschließt Lady Windermere, ihren Mann zu verlassen. Nachdem sie erfahren hat, was geschehen ist, folgt Mrs. Erlynne Lady Windermere und versucht, sie zur Rückkehr zu ihrem Mann zu überreden ....

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Seitenzahl: 99

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Lady Windermeres Fächer

 

Deutsche Neuübersetzung

 

OSCAR WILDE

 

 

 

 

 

 

 

 

Lady Windermeres Fächer, O. Wilde

Jazzybee Verlag Jürgen Beck

86450 Altenmünster, Loschberg 9

Deutschland

 

 

ISBN: 9783849661847

 

www.jazzybee-verlag.de

[email protected]

 

 

Inhalt:

Dramatis Personae. 1

Die Szenen des Stücks. 2

1. Akt3

2. Akt22

3. Akt41

4. Akt57

 

 

Dramatis Personae

 

Lord Windermere

Lord Darlington

Lord Augustus Lorton

Mr. Dumby

Mr. Cecil Graham

Mr. Hopper

Parker, der Butler

Lady Windermere

Die Herzogin Berwick

Lady Agatha Carlisle

Lady Plymdale

Lady Stutfield

Lady Jedburgh

Mrs. Cowper-Cowper

Mrs. Erlynne

Rosalie, das Dienstmädchen

 

 

Die Szenen des Stücks

 

1. Akt:. Frühstückszimmer in Lord Windermeres Haus.

2. Akt: Salon in Lord Windermeres Haus.

3. Akt: Lord Darlingtons Gemächer.

4. Akt: Wie im ersten Akt.

 

Zeit: Ende des 19. Jahrhunderts.

Ort: London

 

Die Handlung des Stücks findet innerhalb von vierundzwanzig Stunden statt, beginnend an einem Dienstagnachmittag um fünf Uhr und endend am nächsten Tag um halb zwei Uhr.

 

 

1. Akt

 

Szene: Frühstückszimmer in Lord Windermeres Haus in der Carlton House Terrace. Türen mittig und rechts. Schreibtisch mit Büchern und Papieren rechts. Sofa mit kleinem Teetisch links. Fenster zur Terrasse links. Tisch rechts.

 

[Lady Windermere sitzt am Tisch rechts und arrangiert Rosen in einer blauen Vase].

[Auftritt Parker]

Parker. Ist Ihre Ladyschaft heute Nachmittag zu Hause?

Lady Windermere. Ja – wer möchte das wissen?

Parker. Lord Darlington, Mylady.

Lady Windermere. [Zögert einen Augenblick] Führen Sie ihn herein – und übrigens bin ich für jeden Besucher zu Hause.

Parker. Sehr wohl, Mylady. [Ab durch die Tür in der Mitte]

Lady Windermere. Gut, dass ich ihn nochmal sehe vor heute Abend. Ich bin froh, dass er gekommen ist.

[Auftritt Parker durch die Tür in der Mitte].

Parker. Lord Darlington.

[Auftritt Lord Darlington durch die Tür in der Mitte. Parker ab].

Lord Darlington. Wie geht es Ihnen heute, Lady Windermere?

Lady Windermere. Und wie geht es Ihnen, Lord Darlington? Leider kann ich Ihnen nicht die Hand geben., sie ist ganz nass von diesen Rosen. Sind sie nicht reizend? Sie kamen heute Morgen aus Selby.

Lord Darlington. Sie sind absolut perfekt. [Sieht einen Fächer auf dem Tisch liegen] Und was für ein wunderbarer Fächer! Darf ich ihn mir ansehen?

Lady Windermere. Sehr gerne. Hübsch, nicht wahr? Sogar mein Name steht drauf, was ich gerade erst selbst bemerkt habe. Mein Mann hat ihn mir zum Geburtstag geschenkt – Sie wissen, dass ich heute Geburtstag habe?

Lord Darlington. Nein? Ist das denn möglich?

Lady Windermere. Ja, ich werde heute volljährig. Ein ziemlich wichtiger Tag in meinem Leben, nicht wahr? Und deshalb gebe ich heute Abend dieses Fest. Aber setzen Sie sich doch. [Arrangiert immer noch die Blumen]

Lord Darlington. Ich wünschte, ich hätte gewusst, dass Sie heute Geburtstag haben, Lady Windermere. Ich hätte die ganze Straße vor Ihrem Haus mit Blumen übersät, damit Sie darauf laufen könnten. Sie sind wie für Sie gemacht. [Eine kurze Pause]

Lady Windermere. Lord Darlington, Sie haben mich bereits gestern Abend im Außenministerium sehr verärgert. Ich fürchte, Sie sind gerade wieder auf dem besten Weg dazu.

Lord Darlington. Ich, Lady Windermere?

[Parker und ein Lakai kommen mit einem Tablett und einem Teeservice durch die Tür in der Mitte].

Lady Windermere. Stellen Sie es dahin, Parker. Das genügt. [Wischt sich die Hände mit ihrem Taschentuch ab, geht zum Teetisch und setzt sich] Wollen Sie mir nicht Gesellschaft leisten, Lord Darlington?

[Parker ab].

Lord Darlington. [Nimmt einen Stuhl und geht zu ihr hinüber] Ich bin ganz verlegen, Lady Windermere. Sie müssen mir erzählen, was ich getan habe. [Setzt sich an den Tisch links]

Lady Windermere. Nun, Sie haben mir den ganzen Abend lang kunstvolle Komplimente gemacht.

Lord Darlington. Ach, heutzutage sind wir alle so knapp bei Kasse, dass die einzigen schönen Dinge, die wir verteilen können, Komplimente sind. Sie sind sogar das Einzige, was wir überhaupt verteilen können.

Lady Windermere. Nein, ich meine es sehr ernst. Sie sollten sich nicht darüber lustig machen. Ich mag keine Komplimente, und mir ist nicht begreiflich, warum ein Mann denkt, dass er einer Frau gefällt, bloß weil er ihr eine Menge Dinge sagt, die er nicht so meint.

Lord Darlington. Aha – aber ich habe es so gemeint. [Nimmt den Tee, den sie ihm anbietet].

Lady Windermere. Das hoffe ich nicht. Es täte mir leid, mit Ihnen streiten zu müssen, Lord Darlington. Ich mag Sie sehr, das wissen Sie. Aber dem wäre nicht so, wenn Sie so wären wie die meisten anderen Männer. Glauben Sie mir, Sie sind besser als die, und manchmal denke ich, Sie tun so, als wären Sie schlechter.

Lord Darlington. Wir alle haben unsere kleinen Eitelkeiten, Lady Windermere.

Lady Windermere. Und warum ist gerade diese Ihre ganz spezielle? [Sitzt immer noch am Tisch in der Mitte].

Lord Darlington. Ach, heutzutage laufen so viele eingebildete Leute in der Welt herum und geben vor, gut zu sein, dass ich denke, es zeugt eher von einem demütigen und bescheidenen Gemüt, wenn man so tut, als sei man schlecht. Darüber hinaus fällt mir noch folgendes dazu ein: Wenn man vorgibt, gut zu sein, nimmt einen die Welt sehr ernst. Wenn man vorgibt, schlecht zu sein, tut sie es nicht. Das ist die verblüffende Dummheit des Optimismus.

Lady Windermere. Wollen Sie denn nicht, dass die Welt Sie ernst nimmt, Lord Darlington?

Lord Darlington. Nein, nicht die Welt. Wer sind denn die Leute, die die Welt ernst nimmt? Alle Langweiler, die man sich vorstellen kann, von den Bischöfen bis hinunter zu den Schwachköpfen. Ich möchte, dass Sie mich sehr ernst nehmen, Lady Windermere – Sie mehr als jeder andere Mensch.

Lady Windermere. Warum – warum ich?

Lord Darlington. [Nach kurzem Zögern] Weil ich glaube, dass wir gute Freunde sein könnten. Lassen Sie uns gute Freunde sein. Vielleicht brauchen Sie eines Tages einen Freund.

Lady Windermere. Warum sagen Sie so etwas?

Lord Darlington. Naja – weil wir alle irgendwann Freunde brauchen.

Lady Windermere. Ich glaube, wir sind bereits sehr gute Freunde, Lord Darlington. Und das können wir immer bleiben, solange Sie nicht –––

Lord Darlington. Solange ich was nicht ––– ?

Lady Windermere. Verderben Sie es jetzt nicht, indem Ihr mich großzügig mit irgendwelchen Albernheiten überhäuft. Sie halten mich für eine Puritanerin, nicht wahr? Nun, das stimmt sogar ein bisschen. Ich wurde so erzogen, und ich bin froh darüber. Meine Mutter starb, als ich noch ein Kind war. Wie Sie wissen, lebte ich immer bei Lady Julia, der älteren Schwester meines Vaters. Sie war streng zu mir, aber sie lehrte mich, was die Welt vergessen hat, nämlich den Unterschied zwischen richtig und falsch. Sie erlaubte keine Kompromisse. Und ich auch nicht.

Lord Darlington. Meine liebe Lady Windermere!

Lady Windermere. [Lehnt sich auf dem Sofa zurück] Sie halten mich für zu altmodisch – nun, das bin ich auch! Ich würde mich schämen, wenn ich mich auf das Niveau dieses Zeitalters begeben würde.

Lord Darlington. Sie halten dieses Zeitalter für sehr schlecht?

Lady Windermere. Ja. Heutzutage scheinen die Menschen das Leben als eine Art Spekulationsgeschäft zu betrachten. Aber das ist es nicht. Es ist ein Sakrament. Sein Ideal ist die Liebe, und seine Läuterung die Aufopferung.

Lord Darlington. [Lächelnd.] Oh, alles ist besser, als aufgeopfert zu werden!

Lady Windermere. [Beugt sich nach vorne] Sagen Sie das nicht.

Lord Darlington. Ich sage es aber. Ich fühle es – ich weiß es.

[Auftritt Parker durch die Tür in der Mitte].

Parker. Die Männer wollen wissen, ob sie für heute Abend die Teppiche auf die Terrasse legen sollen, Mylady?

Lady Windermere. Glauben Sie, dass es regnen wird, Lord Darlington?

Lord Darlington. Ich will nichts davon hören, dass es an Ihrem Geburtstag regnen könnte!

Lady Windermere. Dann sagen Sie ihnen, sie sollen es sofort erledigen, Parker.

[Parker ab durch die Tür in der Mitte].

Lord Darlington. [Immer noch sitzend] Glauben Sie denn – und Sie sollten das nur als frei erfundenes Beispiel verstehen – glauben Sie denn, dass im Falle eines jungen Ehepaares, das, sagen wir, erst etwa zwei Jahre verheiratet ist – dass, wenn der Ehemann plötzlich intimer Freund einer Frau von – nun, sagen wir, mehr als zweifelhaftem Charakter wird – diese ständig besucht, mit ihr zu Mittag isst und sie vermutlich sogar aushält – glauben Sie, dass die Ehefrau sich nicht ebenfalls anderweitig trösten sollte?

Lady Windermere. Sich trösten?

Lord Darlington. Ja, ich denke, das sollte sie – ich denke, sie hat das Recht dazu.

Lady Windermere. Weil der Ehemann niederträchtig ist – sollte die Frau dies auch sein?

Lord Darlington. Niederträchtigkeit ist ein so schreckliches Wort, Lady Windermere.

Lady Windermere. Ein schreckliches Wort für eine schreckliche Sache, Lord Darlington.

Lord Darlington. Wissen Sie, ich fürchte, dass gute Menschen in dieser Welt sehr viel Schaden anrichten. Und der größte dieser Schäden ist, dass sie der Verderbtheit eine so große Bedeutung beimessen. Es ist absurd, Menschen in gut und schlecht einzuteilen. Menschen sind entweder bezaubernd oder ermüdend. Ich stehe auf der Seite der Bezaubernden, und Sie, Lady Windermere, gehören selbstverständlich zu diesen.

Lady Windermere. Nun denn, Lord Darlington. [Steht auf und geht vor ihm nach rechts] Bleiben Sie ruhig sitzen, ich will nur meine Blumen fertig machen. [Geht zum Tisch zurück]

Lord Darlington. Ich muss sagen, dass Sie meiner Meinung nach mit dem heutigen Leben sehr hart ins Gericht gehen, Lady Windermere. Natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt, das gebe ich gerne zu. Die meisten Frauen, zum Beispiel, sind heutzutage ziemlich geldgierig.

Lady Windermere. Reden wir nicht über solche Leute.

Lord Darlington. Gut, aber mal abgesehen von den geldgierigen Exemplaren, die natürlich schrecklich genug sind, glauben Sie ernsthaft, dass Frauen, die das begangen haben, was die Welt einen Fehler nennt, niemals vergeben werden sollte?

Lady Windermere. [Am Tisch stehend] Ja – ich denke, man sollte ihnen nie vergeben.

Lord Darlington. Und was ist mit Männern? Glauben Sie, dass für Männer die gleichen Gesetze gelten sollten wie für Frauen?

Lady Windermere. Selbstverständlich!

Lord Darlington. Ich halte das Leben für eine zu komplexe Angelegenheit, als dass man es mit absolut verbindlichen Maßstäben regeln könnte.

Lady Windermere. Im Gegenteil. Wenn wir diese "absolut verbindlichen Maßstäbe" hätten, wäre das Leben viel einfacher.

Lord Darlington. Ohne Ausnahmen?

Lady Windermere. Ohne Ausnahmen!

Lord Darlington. Ach, was sind Sie doch für eine faszinierende Puritanerin, Lady Windermere!

Lady Windermere. Das Adjektiv war unnötig, Lord Darlington.

Lord Darlington. Ich konnte nicht anders. Ich kann allem widerstehen, außer der Versuchung.

Lady Windermere. Sie haben diese moderne Vorliebe für Schwäche.

Lord Darlington. Es ist nur eine Vorliebe, Lady Windermere.

[AuftrittParker durch die Tür in der Mitte].

Parker. Die Herzogin von Berwick und Lady Agatha Carlisle.

[Auftritt Herzogin von Berwick und Lady Agatha Carlisle durch die Tür in der Mitte].

[Parker ab durch die Tür in der Mitte].

Herzogin von Berwick. Liebe Margaret, ich bin so froh, Sie zu sehen. Sie erinnern sich an Agatha, nicht wahr? Wie geht es Ihnen, Lord Darlington? Ihnen stelle ich meine Tochter besser nicht vor, Sie sind viel zu verschlagen.

Lord Darlington. Sagen Sie doch so etwas nicht, Herzogin. Mit Verschlagenheit kann ich nun wirklich nicht dienen. Es gibt ja viele Leute, die behaupten, ich hätte in meinem ganzen Leben noch nie etwas Falsches getan – aber natürlich nur hinter meinem Rücken.

Herzogin von Berwick. Ist er nicht schrecklich? Agatha, das ist Lord Darlington. Glaube ihm bloß kein Wort. [Lord Darlington geht nach rechts] Nein, keinen Tee. Danke, mein Lieber. [Geht zum Sofa und setzt sich] Wir haben gerade bei Lady Markby Tee getrunken. Und so schlechten Tee. Fast ungenießbar. Aber das hat mich nicht überrascht. Ihr Schwiegersohn versorgt sie damit. Agatha freut sich so sehr auf Ihren Ball heute Abend, liebe Margaret.

Lady Windermere. [Setzt sich links] Oh, bitte glauben Sie nicht, dass es ein Ball wird, Herzogin. Es ist nur ein Tanz zu Ehren meines Geburtstags. Ein kleiner und auch ein früher.

Lord Darlington. [Steht links] Sehr klein, sehr früh, und sehr erlesen, Herzogin.

Herzogin von Berwick. [Immer noch auf dem Sofa] Natürlich wird er erlesen sein. Aber dafür ist Ihr Haus ja bekannt, liebe Margaret. Es ist eines der wenigen Häuser in London, in welches ich Agatha mitnehmen kann und in dem ich mich in Bezug auf den lieben Berwick absolut sicher fühle. Ich weiß nicht, was aus unserer Gesellschaft geworden ist. Überall findet man die grässlichsten Leute. Auf jeden Fall bei meinen Partys – und diese Männer werden ziemlich wütend, wenn man sie nicht einlädt. Wirklich, irgendjemand sollte etwas dagegen tun.

Lady Windermere. Das werde ich, Herzogin. Ich werde niemanden in meinem Haus dulden, der für skandalöses Benehmen bekannt ist.

Lord Darlington. Sagen Sie so etwas nicht, Lady Windermere. Dann würde ich niemals eingeladen werden! [Setzt sich]

Herzogin von Berwick. Ach, Männer sind doch nicht von Bedeutung. Bei Frauen ist das anders. Wir sind gut. Zumindest einige von uns. Aber wir werden regelrecht in die Ecke gedrängt. Unsere Ehemänner würden ganz vergessen, dass wir überhaupt existieren, wenn wir nicht ab und zu an ihnen herumnörgeln würden, nur um sie daran zu erinnern, dass uns dies von Gesetzes wegen sogar zusteht.