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Als Arzt und Psychotherapeut und nicht zuletzt als Freund hat Hermann-Josef Simonis schon oft Menschen in ihrer Krankheit und Gesundung begleitet, die zunächst von der Diagnose Krebs niedergeschmettert waren. Auf sehr persönliche und leidenschaftliche Art zeigt er die unterschiedlichsten Wege auf, Verantwortung für eine Heilung auf der körperlichen, seelischen und geistigen Ebene zu übernehmen. Er lädt ein, der Diagnose Krebs mit Mut, Eigeninitiative und Forschergeist zu begegnen: Es ist die Einladung zu einer sehr persönlichen Expedition durch alle diese Bereiche. Wer sich auf die Reise einlässt, wird viele Faktoren kennenlernen, die möglicherweise die Krankheit begünstigt haben. Ergänzend zur Schulmedizin wird er aber auch Heilungsmöglichkeiten erfahren, die der Krankheit auf vielfältige Weise entgegenwirken. Als Psychoonkologe will Hermann-Josef Simonis vor allem eins: Er will Mut machen! Denn wir alle können lernen, achtsamer mit unserer wertvollen Lebenszeit umzugehen, unserem Leben einen tieferen Sinn zu geben und uns unserer Gefühle bewusster und dadurch glücklicher zu werden. Dieses Buch ist wie ein Freund! Voller Liebe für das Leben, voller Mitgefühl und Vertrauen in den Menschen. Ein Buch für alle, denen die Diagnose Krebs ein Weckruf ist, sich auf den Weg zu sich selber zu machen. (Betroffene)
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Seitenzahl: 442
Veröffentlichungsjahr: 2020
Ich widme dieses Buch meinen Kindern
Holger, Ruth, Lars und Maike und meinen Enkelkindern
in der Hoffnung, dass meine Lebens-
und Liebeseinstellung sie bestärken möge,
selber ein sinnerfülltes Leben in Selbstbestimmung,
Eigenverantwortung und Liebe zu leben
und dabei glücklich zu werden.
Dieses Buch möge meine geliebte Frau Monika ermutigen,
an unseren Plänen für gemeinsame Seminare
mit Krebskranken festzuhalten und
diese möglicherweise auch alleine weiterzuführen.
Ich wünsche ihr das Vertrauen,
dass die heilende Liebe zu uns selbst
und zu unseren Mitmenschen
die Welt etwas lebens- und liebenswerter macht.
Hermann-Josef Simonis
Zell/Mosel 20.02.2020
Mein Anliegen mit diesem Buch
Der Umgang mit der schockierenden Diagnose Krebs
Ärztliche Aufklärung bei schweren Erkrankungen
Erkenne und nutze deine Krankheit als Chance
Was dein Immunsystem und somit deine Gesundheit im seelischen Bereich schwächen und die Heilung behindern kann
Dauerstress als mögliche Krankheitsursache.
Stressfaktoren im beruflichen Bereich
Medienkonsum als möglicher Dauerstressfaktor
Beziehungen entscheiden über dein Befinden
Bist du wirklich glücklich in deiner Partnerschaft?
Unzufriedenheit in zwischenmenschlichen Beziehungen als Ursache für Dauerstress
Hast du Sorgen im finanziellen Bereich, die dich existenziell und seelisch belasten?
Möglicherweise kann dein Umfeld dich krank machen
Die häufigste Ursache von Dauerstress liegt meist in uns selber, in unseren unbewussten Einstellungen zum Leben
Zu viele Vorteile durch deine Krankheit können die Heilung behindern.
Was dein Immunsystem im seelischen Bereich stärken und somit deine Heilungschancen und deine Lebensqualität fördern kann
Die eigene Vergangenheit aufarbeiten und Frieden mit ihr schließen.
Dein Weg zu innerem Frieden und Glück führt über die Heilung deiner verletzten Seele
Voraussetzung für Heilung und Entwicklung sind Ehrlichkeit und Offenheit
Gib alte, heute nicht mehr hilfreiche Glaubenssätze auf.
Grundbedürfnisse für ein erfülltes Leben und ein starkes Immunsystem.
Das goldene Mittelmaß hält uns meist gesund und macht uns glücklich
Zufriedenheit und Glück als sehr wichtige Heilfaktoren.
Nur wer sein Leben genießt, kann zufrieden und glücklich sein
Die große Herausforderung, wirkliche Intimität in der Sexualität und Partnerschaft zu wagen.
Liebe und lebe das Kind in dir.
Bleibe dir selber im Leben treu und entdecke und lebe dein wahres Selbst.
Lasse belastende, alte Lebenseinstellungen und Verhaltensweisen los.
Ich bin gut so, wie ich bin und brauche kein Vergleichen und Bewerten
Yin (weibliche) und Yang (männliche) Anteile je nach Situation angemessen leben können
Verhaltensänderungen wagen und damit die Beziehung zu sich und anderen verbessern
Ehrliches Lob öffnet das Herz unserer Mitmenschen
Dankbarkeit als goldener Schlüssel zum Glück
Um Hilfe bitten und anderen helfen führt zu guten zwischenmenschlichen Beziehungen
Körperlich und seelisch heilen durch Verzeihen.
Konzentriere dich auf das Geben, es schenkt dir Freude und Glück
Wünsche äußern und Segenswünsche aussprechen.
Sich der Herausforderung stellen, sich und seine Grenzen zu schützen
Das solltest du bei deiner Krebserkrankung im körperlichen Bereich beachten
Welche Ernährungsänderungen sind bei Krebserkrankungen ratsam.
Die immunstärkende Wirkung von Heilfasten und Fastenwandern
Aushungern von Krebs durch das Fasten nach Rudolf Breuß
Darm gesund – Kern gesund!
Übersäuerung des Körpers als Krankheitsfaktor
Die positiven Wirkungen von Bewegung und Sport
Der Einfluss des Geistes auf unsere Gesundheit
Wie können Gedanken unsere Gesundheit beeinflussen?.
Beachte die Wirkungen des Resonanzgesetzes
Die Bedeutung von eigenen Zielen und Visionen für ein erfülltes Leben.
Sich selber und andere be- und verurteilen behindert deine Selbst- und Nächstenliebe.
Positive Visualisierungen als heilsame Kraft nutzen
Durch Meditation zur Selbstbesinnung und Selbstliebe finden und sie als Kraftquelle erleben
Persönliche Gedanken, Einstellungen und Verhaltensweisen, die außergewöhnlich vorteilhafte Krankheitsverläufe und gute Prognosen fördern
Der Einfluss des Glaubens und der Spiritualität auf deine Heilung
Praktische Umsetzung von immunstärkenden Maßnahmen
Danksagung
Literaturverzeichnis
Das beachtenswerte und gehaltvolle Werk des Verfassers wird allen von der Krankheit Krebs betroffenen Lesern als eine Art Kompass im Dschungel der diversen Therapiemöglichkeiten dienen. Die ausführlichen Darlegungen bieten dem Suchenden eine reelle Chance, sich völlig neuen Erkenntnissen zu öffnen, andere Wege zu finden und zu beschreiten. Dabei wird er gleichzeitig ermutigt, die Herausforderungen des Lebens anzunehmen und im Zuge dessen die volle Verantwortung für das eigene Sein zu übernehmen. Der Leser, der innerlich tatsächlich bereit zu einer Veränderung ist, wird in den folgenden Ausführungen interessante Anstöße finden, sein Leben zu überdenken und – nach entsprechenden Erkenntnissen – gesundheitsbewusster und sinnerfüllter zu gestalten.
Für die bei einer schweren Erkrankung stets mitbetroffenen Angehörigen und Lebenspartner dienen die oft neuen Verhaltensund Therapieansätze als wertvolle Unterstützung, um – besonders im Falle großer seelischer Belastungen – ein feinfühliges und von Liebe geprägtes Mit- und Füreinander leben zu können. Die in und zwischen den Zeilen in hohem Maße zu spürende Herzlichkeit vermittelt Kraft und steigert somit den lebenswichtigen und nicht selten fehlenden Mut in schwierigen und fälschlicherweise oft als aussichtslos bezeichneten Krankheits- und Lebenssituationen. Der Autor vermittelt durch sein hohes Maß an Empathie dem Leser das wohltuende Gefühl, mit seinen Problemen nicht mehr alleine zu sein. Zweifellos hat jedes Individuum die schöpferische Freiheit, seinen ganz speziellen, eigenen Heilungsweg zu finden.
Eine Krankheit unheilbar zu nennen,
ist eine respektlose Anmaßung;
denn heilen Seele und Geist,
wandelt sich selbsttätig auch der erkrankte Körper.
Sigrid P. Körbes
Psychotherapeutin HpG – Autorin
Dieses Buch habe ich vorrangig für ernsthaft erkrankte Menschen geschrieben. Angehörige kann es unterstützen, achtsamer mit Betroffenen umzugehen und so zu ihrer Genesung beizutragen. Auch gesunden Menschen hilft dieses Buch, sich ihrer Endlichkeit bewusster zu werden und durch mutige Änderung ihrer bisherigen Lebensweise, Erkrankungen vorzubeugen. Wir alle können lernen, achtsamer mit unserer wertvollen Lebenszeit umzugehen, unserem Leben einen tieferen Sinn zu geben und uns unserer Gefühle bewusster und dadurch glücklicher zu werden.
Obwohl ich Allgemeinarzt und Psychotherapeut bin, habe ich selber jahrzehntelang Gedanken an eine eigene schwere Erkrankung und meine Endlichkeit erfolgreich verdrängt. Solange es uns gut geht, neigen wir vermutlich alle dazu. Bis eines Tages bei meinem besten Freund Günter eine schwere Krebserkrankung festgestellt wurde. Plötzlich war der Tod da, ganz nah, ganz direkt, nicht mehr irgendwo in weiter Ferne. Diese Erfahrung hat mich zutiefst erschüttert und wachgerüttelt. Ich konnte einfach nicht mehr so weiterleben wie zuvor. Ich wollte mehr über Krebs wissen und darüber, wie ich krebskranke Menschen körperlich und seelisch unterstützen kann, ihre Erkrankung zu überleben oder so weit wie möglich wieder gesund zu werden. Dies war der Anlass, weswegen ich damals eine Weiterbildung zum Psychoonkologen absolviert habe. Als Facharzt für Allgemeinmedizin mit dem Schwerpunkt Naturheilverfahren und als ärztlicher Psychotherapeut wollte ich eine Verbindung zwischen der Schulmedizin, der Bio-Medizin (Alternative Therapiemaßnahmen und Naturheilverfahren) und der Psychoonkologie schaffen. Die Schulmedizin hat in den letzten Jahren bewundernswerte Fortschritte in der Behandlung von Tumorleiden gemacht, welche jeder Betroffene nutzen sollte. Die Bio-Medizin hält bewährte Begleittherapien bereit, die die Schäden der invasiven Notfallmedizin (Operation, Chemotherapie und Bestrahlung) auffangen und begrenzen und das Immunsystem wesentlich stärken können. Die Psychoonkologie bietet Hilfe, durch Veränderung der Lebenseinstellung des Erkrankten, den Verlauf der Erkrankung sehr positiv zu beeinflussen und den Gesamt-Behandlungserfolg zu stabilisieren. Somit ergänzen sich diese drei unterschiedlichen Therapieansätze und erhöhen gemeinsam die Heilungsaussichten von Krebskranken. Ich glaube, dass das Beste, was wir Behandler heute einem Krebskranken anbieten können, eine Kombination aus schulmedizinisch orientierter Behandlung, flankierenden biomedizinischen Therapien und einer Langzeit-Begleitung durch eine psychoonkologische Psychotherapie ist. Ich bin davon überzeugt und habe es bei den Krankheitsverläufen meines Freundes Günter und vieler meiner Psychoonkologie-Patienten erlebt, dass eine psychoonkologische Therapie die Heilungschancen und die Lebensqualität deutlich verbessern kann. Sie hilft von Krebs betroffenen Menschen, wieder an Leib und Seele so gesund wie möglich zu werden. Es geht meines Erachtens nicht nur um die Quantität – also wie viele Jahre wir länger leben können – sondern auch und vorwiegend um die Qualität, wie sinnerfüllt, zufrieden und glücklich wir uns in dieser Zeit fühlen.
In den letzten Jahren meiner ambulanten psychoonkologischen Behandlungen durfte ich miterleben, wie viele krebskranke Patienten ihre Erkrankung überwanden und eine Art „zweites Leben“ gewannen. Wenn ich mit gut motivierten Krebskranken längere Zeit arbeiten kann, bin ich ziemlich sicher, dass sich diese Mühe in jeder Hinsicht lohnt. Diese Menschen werden voraussichtlich mit ihrem Leben weit zufriedener und menschlich gereifter sein als vor ihrer Erkrankung. Viele von ihnen werden wahrscheinlich ihre statistische Prognose um einige Jahre überleben und sich dabei einer sehr guten Lebensqualität erfreuen, sodass sie auch mit Krebs gut leben können. Dies ist meiner Meinung nach durchaus erreichbar und realistisch! Deshalb sehe ich in dem Titel „Länger und glücklicher leben – trotz Krebs“ keine leere Versprechung.
Die bisher erlebten Erfolge bereiten mir große Freude und machen meine Arbeit für mich äußerst interessant und befriedigend. Sie bestätigten mich ferner darin, dass die Psychoonkologie eine sehr hilfreiche Möglichkeit ist, Krebs zu behandeln, gleichwertig den medizinischen Behandlungen. Die schulmedizinischen Behandlungen erzielen in der Regel viel schneller greifbare Ergebnisse, während eine Psychotherapie demgegenüber mehr Zeit benötigt, um persönliche Veränderungsprozesse zu erreichen.
Wie bei vielen meiner Krebspatienten, stellen sich mir selbst bei meiner Arbeit – ich nenne sie lieber Berufung – ähnliche Lebensfragen: Auch ich frage mich immer wieder, wozu ich auf dieser Welt bin und was der tiefere Sinn meines Daseins ist. Was der Tod in meinem Leben bedeutet, wie ich ihn verstehen, mit ihm umgehen und mich auf ihn vorbereiten kann.
Mein Freund Günter hat fast alle schulmedizinischen Behandlungsmöglichkeiten und viele alternative Therapieverfahren angewandt und von ihnen bis heute, sechs Jahre nach Feststellung seiner schweren Krebserkrankung (Bauchspeicheldrüsenkrebs mit Einwachsen in zwei Hauptschlagadern), sehr profitiert.
Eher passive Menschen geben die Eigenverantwortung oft ab und überlassen sich ausschließlich medizinischen Spezialisten wie Chirurgen zur Operation, Onkologen zur Chemotherapie oder Radiologen zur Bestrahlung. Aktive, bewusster lebende Menschen übernehmen häufiger selber die Verantwortung für ihre Gesundheit und ihr Leben. Sie fragen sich nach möglichen Ursachen der Erkrankung und suchen Heilungsmöglichkeiten, die sie selber mitgestalten können. Ich möchte allen Betroffenen Mut machen, ihre Heilung selber zu fördern, indem sie Therapiemöglichkeiten nutzen, die ihr eigenes Immunsystem und somit ihre Selbstheilungskräfte stärken. Es ist nachgewiesen, dass Dauerstress und ungesunde Lebensweisen unser Immunsystem schwächen. Die Diagnose „Krebs“ wird wohl die meisten von uns schockieren, in Angst und somit in einen hohen Stresszustand versetzen. Dies wiederum ist ein wesentlicher Faktor für das Fortschreiten der Erkrankung. Umgekehrt kann durch Zuversicht, Vertrauen und durch die Stärkung unseres Immunsystems eine Besserung und möglicherweise Heilung eintreten.
Als Ganzheitsmediziner bin ich überzeugt, dass die Entstehung und die Heilung von Krankheiten auf allen drei Ebenen: Körper, Seele und Geist geschehen. In meiner Tätigkeit als Allgemeinmediziner legte ich einen meiner Schwerpunkte auf die Vorsorge, da es mir sinnvoller erschien, Krankheiten zu verhindern, statt sie bei Eintreten zu behandeln. Interessanterweise wurden die chinesischen Ärzte früher für die Gesunderhaltung ihrer Mitmenschen, also die Prävention, bezahlt. Ferner spezialisierte ich mich auf Naturheilverfahren wie das Heilfasten. Diese zielen vorwiegend darauf ab, unser Immunsystem und somit unsere Selbstheilungskräfte zu stärken, um dadurch Krankheiten vorzubeugen oder sie zu heilen.
Ebenso bin ich seit über 35 Jahren mit Herz und Seele Psychotherapeut. Meine wichtigste Erkenntnis und Erfahrung ist, dass die Heilung von Seele und Körpers, vorwiegend durch Stärkung der Liebesfähigkeit zu uns selber und zu unseren Nächsten geschieht. In diesem Buch möchte ich Ihnen diesen wichtigen Heilungsweg zur Selbstliebe beschreiben, da ich überzeugt bin, dass gerade Krebskranke sehr davon profitieren können.
Die Psychoonkologie beschäftigt sich damit, die durch eine Krebserkrankung auftretenden seelischen Belastungen zu erkennen und zu behandeln. Viele Psychoonkologen sehen ihre Aufgabe darin, Krebskranken Informationen und Ratschläge (Bewältigungsstrategien) zu geben, damit sie mit ihrer Krankheit besser umgehen können. Dies alleine erscheint mir zu wenig. Ich bin davon überzeugt, dass durch individuelle Denk- und Verhaltensänderungen im körperlichen, seelischen und geistigen Bereich das Immunsystem und die Selbstheilungskräfte so gestärkt werden können, dass eine Heilung wahrscheinlicher wird. Dies möchte ich dir in diesem Buch vermitteln.
Das große Heilungspotential unseres Denkens wurde in den letzten Jahrzehnten durch die Gehirnforschung wissenschaftlich untermauert, so von Gerald Hüther, Servant Schreiber und Paul Simonton. Nach meiner Überzeugung gehören zu den geistigen Heilungsfähigkeiten die meist unterschätzte Wirkung von positiven Gedanken und Visualisierungen, die Konzentration auf den eigenen Lebenssinn, der Glaube und die Bewusstseinserweiterung durch Spiritualität.
Schwerkranken – aber auch Gesunden – empfehle ich die im Kommenden aufgeführten Einflussmöglichkeiten nicht nur zur Wiedererlangung oder Erhaltung ihrer Gesundheit, sondern auch als Quelle größeren Glücks zu nutzen. Empfohlene Verhaltensund Bewusstseinsänderungen können Ihr Leben sinnerfüllter, glücklicher und somit lebenswerter machen.
Dieses Buch kann es Krebskranken erleichtern, den erschütternden Schicksalsschlag als Herausforderung und Entwicklungschance zu nutzen. Durch Annahme der Erkrankung werden wir angstfreier und können konstruktiver mit den neuen Herausforderungen umgehen.
Im Rahmen meiner therapeutischen Arbeit ist es mir immer bewusster geworden, dass Wissen, wie es auch in diesem Buch vermittelt wird, uns nicht so stark beeinflussen und helfen kann, wie unsere individuellen positiven und negativen Lebenserfahrungen. Also geht es im Leben nicht nur darum, seinen Wissensschatz zu erweitern, sondern auch den Erfahrungsschatz. Der Neurobiologe Gerald Hüther weist darauf hin, dass sich emotionale Erfahrungen viel tiefer im Gehirn verankern als Gedanken. Neue, korrigierende und heilende Erfahrungen können wir am beeindruckendsten im engen sozialen Umgang mit Menschen, wie in Selbsterfahrungsseminaren oder Gruppentherapien machen.
Deshalb biete ich Betroffenen bei Bedarf und Interesse einen längeren intensiven Therapieaufenthalt an, bei dem all die vorgestellten Therapiemethoden angewandt und erfahren werden können. Dabei ist das gegenseitige Verstehen und Unterstützen und die – im wahrsten Sinne des Wortes – liebevolle Atmosphäre in der Kleingruppe von Krebskranken – in meinen Augen – ein kaum zu übertreffender Heilfaktor.
Durch die Krankheit meines Freundes und die Beschäftigung mit der Psychoonkologie hat sich auch mein Leben grundlegend verändert. Ich lebe bewusster, spüre eine tiefere Dankbarkeit für mein Leben und meine Gesundheit und betreibe eine intensivere Gesundheitsvorsorge. Ich genieße meine kostbare Lebenszeit freudvoller und sinnerfüllter.
Was die Art der Ansprache betrifft, so empfinde ich es als deutliche Vereinfachung der Lesbarkeit, die persönliche Anrede in der männlichen Form auszudrücken. Ich bitte sehr darum, mir dies nachzusehen. Für mich hat dies keinen Einfluss auf den Inhalt und die Botschaft meines Buches.
Da ich Sie ganz persönlich ansprechen und erreichen möchte, erlaube ich mir in diesem Buch die persönliche „Du“-Form, wie ich sie auch in meinen Seminaren anbiete.
Durch Fragen, die ich den jeweiligen Kapiteln voranstelle, ist es dir möglich, das Buch auch als Arbeitsbuch zu nutzen. So kannst du dir bewusster machen, welche ganz persönlichen Faktoren möglicherweise deine Krankheit verursacht oder gefördert haben. Durch ein besseres Verständnis des Krankheitsgeschehens kannst du dann gezielte, individuelle Lebensveränderungen vornehmen. Ich empfehle dir, deine wichtigsten Erkenntnisse aufzuschreiben, damit du sie später nachlesen kannst und sie sich tiefer einprägen.
Du wirst dich vielleicht wundern, dass ich dir in diesem Buch so viele Erlebnisse und Erfahrungen aus meinem ganz persönlichen Leben anvertraue. Gerald Hüther hat mir dazu in seinem Buch: “Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn“ viel Mut gemacht, indem er schrieb:
„In gewisser Weise sind diese individuell gemachten Erfahrungen der wichtigste und wertvollste Schatz, den ein Mensch besitzt. Er kann ihn nicht nur für sich selbst nutzen, sondern – wenn er einmal die Erfahrung gemacht hat, dass Verschenken sehr viel Freude bereitet – auch versuchen, ihn an andere weiterzugeben. Das Besondere an diesem Erfahrungsschatz ist, dass er dadurch, dass man ihn benutzt und verteilt, nicht immer kleiner, sondern immer größer wird.“
Ich möchte dir, lieber Leser, mit meinen Schwächen, aber auch mit meiner positiven Entwicklung, Mut machen, dein bisheriges Leben kritisch zu überdenken und Neues zu wagen! Früher hätte ich diese Offenheit und Nähe nicht gewagt und mich zu sehr für meine Schwächen geschämt. Heute bin ich selbstbewusster und glücklich darüber, dass ich durch meine Ausbildung und Selbsterfahrung zum Psychotherapeuten und durch all meine Lebenskrisen so viel lernen durfte. Auch bin ich froh, dass ich – trotz großer Ängste – immer wieder Neues gewagt habe. Dadurch konnte ich mein Selbstwertgefühl so stärken, dass ich heute zu meiner Vergangenheit stehe, sie dir offenbare und oft auch wage, „eigensinnig“ meine Meinung zu vertreten. Sich selbst treu zu bleiben, statt es allen anderen recht machen zu wollen, ist eine von vielen wichtigen Voraussetzungen für den Aufbau eines guten Selbstwertgefühls, für Heilung und Zufriedenheit.
Wir bekommen von Gott, der Höheren Macht oder vom Leben – wie auch immer du diesen Teil für dich benennen willst – drei sehr wichtige Geschenke gemacht: Dies sind unsere Kreativität (Schöpferkraft), die Fähigkeit zu fühlen und zu lieben (Liebesfähigkeit) und meist auch die Freiheit zu wählen, welche Lebenswege wir gehen wollen. Mach dir dieses bewusst und nutze diese Lebensgeschenke. Was du bis heute erlebt hast, ist – meist unbewusst – deine eigene Wahl gewesen. Du kannst dich heute neu entscheiden und deinen Lebensweg bewusst ändern und so deine Lebensqualität verbessern.
Ich wünsche auch dir positive Lebensveränderungen, so wie ich sie erfahren habe. Ich würde mich sehr freuen, wenn dir dieses Buch und vielleicht auch die Teilnahme an einem unserer Seminare eine große Hilfe sein könnten, deine Krankheit als Wachstumschance annehmen und deinen ureigenen Weg zur Heilung leichter gehen zu können.
Auch in dir steckt diese Fähigkeit zur Veränderung, zu Wachstum und Heilung! Nutze sie!
Im Mittelalter hatten die Handwerker schmiedeeiserne Schilder ihrer Zunft an ihren Häusern hängen. Mit diesem Kupferherz in zwei Händen (Regenrinnen) auf dem Dach meines Hauses, möchte ich meinen Beruf als Psychotherapeut symbolisieren. Bei der Therapie halte ich die Liebe für einen sehr wichtigen Heilfaktor. Von Mitmenschen – auch von Therapeuten – offen und ehrlich geliebt zu werden und dies zu spüren, ist in jeder Hinsicht heilsam. Andere von Herzen zu lieben und dies auch auszudrücken führt zu Freude und Glück beim Geliebten und Liebenden.
Der Umgang mit der schockierenden Diagnose Krebs
Vor wenigen Jahren lernte ich Günter als einen Teilnehmer meiner Psychotherapiegruppe kennen. In der Therapie arbeitete er sehr engagiert an seinen alten Verletzungen. Im Gegensatz zu vielen anderen Therapeuten, die sich eher eine persönliche Distanz zu ihren Klienten auferlegen, öffne ich mich meinen Patienten und wage herzliche Umarmungen und gefühlsmäßige Nähe. So ent wickelte sich nach Abschluss der Therapie zwischen Günter und mir eine tiefe Freundschaft. Wir pilgerten gemeinsam mit meinem Bruder und 15 Teilnehmern einer Singreise, auf dem Jakobsweg von Porto (Portugal) nach Santiago de Compostela (Spanien). Auf diesen Wanderungen fühlte sich Günter zunehmend schwächer und nahm sehr stark an Gewicht ab. Ich beruhigte mich und ihn, indem ich diese Beschwerden auf eine kurz vor der Abreise festgestellte Zuckerkrankheit zurückführte.
Nach der Rückkehr machte der Hausarzt eine Ultraschalluntersuchung und entdeckte dabei einen auffälligen Befund an der Bauchspeicheldrüse. Günter kam zur weiteren Abklärung in eine größere Klinik, in der mein Bruder und ich ihn besuchten. Im Aufzug trafen wir seine Stationsärztin, welche ihm mitteilte, dass der Befund der Computertomographie vorliege und besprochen werden könne. Günter bat seine Ärztin, uns am Gespräch teilnehmen zu lassen. Sie erklärte, dass es sich um einen Bauchspeicheldrüsentumor handele, der schon in zwei große Gefäße eingewachsen sei. Man könne bei der Größe nur mehr wenig tun. Wir hatten Ähnliches befürchtet, waren in diesem Moment dennoch so geschockt, dass wir keine weiteren Fragen stellten. Wir suchten die Cafeteria des Krankenhauses auf und saßen uns erst einmal schweigend gegenüber. Mit meinem Wissen als Arzt sah ich meinen Freund in Gedanken innerhalb der nächsten Monate sterben. Mein Bruder bot ihm seine Hilfe beim Aufsetzen seines Testamentes an. Auch ich selber fand keine Worte des Trostes und fühlte mich unangenehm hilflos. In diesem Ausnahmezustand spürte ich auch keine Trauer und konnte nicht weinen. Noch nicht einmal meine Hilflosigkeit konnte ich ihm offenbaren. Günter ließ sich scheinbar gerne auf die sachlichen Erfordernisse bei der Testamentserstellung ein und brauchte sich dadurch seinen unangenehmen Gefühlen und Ängsten nicht zu stellen. Rückblickend erlebe ich diese Situation der Testamentsberatung als sehr unpassend. Männer neigen schnell zu praktischen Ratschlägen, und mein Bruder überwand seine Hilflosigkeit durch Besinnung auf seine beruflichen Fähigkeiten als Notar.
Könntest du dich, lieber Leser, als Betroffener oder Angehöriger in ähnlicher Situation stimmiger und einfühlsamer verhalten?
Und welches Verhalten würdest du dir als Betroffener von Angehörigen und Freunden wünschen?
In der Psychotherapie holt der Therapeut den Patienten thematisch und gefühlsmäßig dort ab, wo er sich gerade befindet. Doch wie erfahren wir, was der Betroffene im Moment denkt und fühlt und vor allem braucht? Durch einfühlsame Fragen können wir meist keine Fehler machen und die Bedürfnisse herausfinden. Ein guter Psychotherapeut zeichnet sich meiner Meinung nach dadurch aus, dass er einfühlsame Fragen stellt und weniger Ratschläge gibt. Ein Leidender weiß meistens am besten, was er braucht und was ihm hilft und vor allem, was er (noch) nicht hören möchte und verarbeiten kann. So hätte ich Günter meine Hilflosigkeit offenbaren und ihn fragen können, an was er nach diesem Gespräch dachte, wie er sich fühlte und was er sich von mir wünschte. Die Offenbarung der Krebserkrankung könnte ihn so geschockt haben, dass einige Verständnisfragen offen blieben, die er gerne geklärt hätte. Er hätte seine Ratlosigkeit äußern können, wie er es seinen Angehörigen mitteilen könne. Vielleicht hätte er sich nur gewünscht, in den Arm genommen zu werden, um Geborgenheit und Halt zu spüren und gemeinsam zu weinen. Es wäre auch verständlich gewesen, wenn er sich Ablenkung gewünscht und lieber über alltägliche und banale Themen gesprochen hätte.
Ärztliche Aufklärung bei schweren Erkrankungen
Ich finde es ratsam, sich an den Bedürfnissen des Betroffenen zu orientieren. Jedes unbedachte Wort eines Therapeuten oder Nahestehenden kann bei den Erkrankten wie ein Angstpfeil die Seele treffen und den Boden unter den Füßen wegreißen. Dann breiten sich meist Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung im Herzen aus und lähmen die Selbstheilungskräfte. Aus Angst möchten viele schwer Erkrankte anfangs gar nicht genau wissen, wie weit fortgeschritten ihre Krankheit ist, wie erfolgversprechend die Behandlungsaussichten sind, mit welchen Nebenwirkungen durch die Therapien zu rechnen ist. Vor allem möchten viele Betroffene gar nicht wissen, wie groß, nach statistischen Berechnungen, ihre Lebenserwartung noch ist. Und das ist – finde ich – ihr gutes Recht! Den Ärzten wird in den letzten Jahren von Berufsverbänden immer mehr Druck gemacht, die Patienten ausführlich – und somit oft schonungslos – aufzuklären. Meiner Meinung nach sollte es ein Pflichtseminar für Medizinstudenten geben, wo sie sich bei Rollenspielen in Schwersterkrankte hineinversetzen und empathisch nachempfinden, wie sich schonungslose oder unbedachte Aufklärungsgespräche anfühlen.
Unnötige und zu ausführliche Aufklärungen können bei bös artigen Erkrankungen dem Bedürfnis des Kranken widersprechen, ihnen große Ängste machen und die Hoffnung auf Genesung beeinträchtigen. Ich möchte hier meinen ärztlichen Kollegen, Dr. Heier, aus seinem Buch: „Nocebo: Wer‘s glaubt, wird krank“ zitieren:
„Es ist kaum ein größerer Stress, eine schlimmere Bedrohung denkbar, als eine fatale Diagnose. Der Satz: „Herr Doktor, sagen Sie mir die Wahrheit – ich kann sie vertragen“ ist eines der größten Missverständnisse in der Medizin. Niemand kann mit einer fatalen Wahrheit ohne Hoffnung umgehen. Auch wenn viele Patienten glauben, dass von ihnen ein solch rationales Verhalten erwartet wird, ist eine falsch verstandene Aufklärung riskant, vor allem, wenn sie die Hoffnung nimmt. Die Diagnose einer potentiell tödlichen Krankheit schafft Angst. Die Angst verändert das Immunsystem. Und ein geschwächtes Immunsystem kann gegen die Krankheit nicht mehr optimal vorgehen.“
Ich persönlich empfinde esals Seelenverletzung, wenn ein Arzt, ohne dass der Patient danach fragt, Voraussagen über den vermutlichen Verlauf der Erkrankung macht oder sogar mitteilt, wie viel Lebenszeit ihm laut Statistik noch bleibt. Für sehr viele Krebserkrankte ist eine schonungslose Aufklärung über die verbleibende Lebenszeit oft eine zusätzliche und unnötige Belastung. Diese unsicheren Vorhersagen sind für Betroffene oft wie ein Damoklesschwert im Nacken. Solche Vorhersagen sind immer unsicher, da es gelegentlich, und öfter als es bekannt wird, zu Spontanheilungen (Totalremissionen) kommt, welche sich die Ärzte nicht erklären können. Ängste können durch Stresshormonausschüttungen und Daueranspannungen unser Immunsystem schwächen, zum belastenden Grübeln anregen, zur Resignation und auch zu Schlafstörungen und Depressionen führen. Ängste zeitweise zu verdrängen ist eine wertvolle und lebenserhaltende geistige Fähigkeit, um bei schlimmen Erlebnissen im Leben (Traumata) funktionstüchtig zu bleiben und weiterhin Hoffnung zu bewahren. Es ist sinnvoll, dem Leben mehr Aufmerksamkeit als der Krankheit zu schenken. Gerade anfangs fällt diese Blickrichtung sehr schwer und viele Betroffene suchen vergeblich Ablenkung von den Gedanken an Krebs und dessen Folgen. In Kriegen erleben viele Soldaten schlimme Erlebnisse von Gewalt und Ohnmacht. Nach dem Überleben ist ein Verdrängen dieser Erfahrungen oft hilfreich oder sogar lebensnotwendig, um seelisch gesund und lebenstüchtig zu bleiben. Anfangs hilft uns das Vergessen bei schlimmen Schicksalsschlägen und schweren Krankheiten. Später kann es oft ratsam sein, Verdrängtes in Therapien aufzuarbeiten, um befreiter und glücklicher leben zu können.
Einer Freundin wurde im Rahmen eines Bandscheibenvorfalls der Halswirbelsäule bei einer Visite vom Oberarzt mitgeteilt, dass sie bei Bewegungen im Alltag sehr aufpassen müsse, da es zu Querschnittslähmungen kommen könne. Dieser sicherlich gut gemeinte und vorsorgliche Ratschlag des Arztes führte dazu, dass sie bis heute unter Ängsten und Daueranspannungen im Nackenbereich leidet. Sie stellt sich dann die möglichen katastrophalen Folgen vor. Diese angstbedingten Nackenanspannungen können durch den Dauerdruck erneute Bandscheibenbeschwerden provozieren. Wenn wir uns jedes Mal beim Einsteigen in unser Auto die möglichen – aber seltenen – Gefahren im Straßenverkehr bewusst machen würden, ständen wir unter Dauerstress und würden durch diese Ängste, und die damit einhergehende Unachtsamkeit eher Unfälle riskieren.
Auch Krebskranken tut es oft gut, ihre Gedanken an eine bedrohliche Zukunft zu verdrängen, um der Hoffnung Raum zu lassen und mit dem aktuellen Leben und seinen Schwierigkeiten besser klar zu kommen. Mit Ängsten können wir uns weder entspannen, noch das Leben genießen und dabei neue Kräfte zur Heilung aufbauen. Als Hauptargument für eine (schonungslose) Aufklärung der Krebserkrankten wird meist angeführt, dass sich der Patient dadurch besser auf die Therapie und den vermeintlichen Rest seines Lebens vorbereiten könne. Ich glaube, dass die meisten Betroffenen ahnen, wie ernst ihre Erkrankung ist, sodass sie entsprechende Vorsorge betreiben. Nur wenn Patienten zum Schönreden und Verdrängen der Ernsthaftigkeit der Erkrankung neigen und deshalb notwendige Therapien ablehnen, ist eine weitere Aufklärung sinnvoll, um die Motivation zur Therapie zu erhöhen.
Internetversierten Patienten stehen heute alle Möglichkeiten zur Aufklärung – oder Verwirrung – im Internet zur Verfügung. Du selber solltest entscheiden, was du wissen willst und ob diese Informationen dich eher verunsichern, deprimieren und ängstigen oder eine Hilfe darstellen.
Anders ist es bei vermutlich gutartigen Krankheitsverläufen. Ich betone gerne positive Prognosen, wenn Krankheiten nur lokal sind und nicht streuen, nicht lebensbedrohlich oder gut zu heilen sind. Hoffnung stärkt – im Gegensatz zur Angst – unser Immunsystem und unsere Motivation, lässt uns entspannen und aufatmen. Selbst in scheinbar hoffnungslosen Fällen weise ich immer wieder gerne auf mögliche Spontanheilungen hin.
In seinen sehr empfehlenswerten Büchern („Das Anti Krebs Buch“ und „Die neue Medizin der Emotionen“) führt der selber an einem Gehirntumor erkrankte Psychiater und Wissenschaftler David Servan Schreiber an, dass es viel mehr sogenannte „Wunder- oder Spontanheilungen“ gibt, als bekannt werden. Für viele dieser Heilungen finden die Wissenschaftler auch heute noch keine Erklärungen. Dr. Schreiber war sich sicher, dass er seinen als unheilbar beschriebenen Tumor nur durch zusätzliche – neben den schulmedizinischen Maßnahmen – eigene Gesundheitsbemühungen wie gesündere Ernährung, Sport und psychische Veränderungen so lange überlebte.
Bei meinem Freund Günter verhielt ich mich – ähnlich wie die Stationsärztin, deren Aussage wenig Hoffnung ließ – wie ein Elefant im Porzellanladen. Ich wollte ihm viele Informationen geben und empfahl entsprechende Fachliteratur. Zu seinem Glück lehnte er meine gut gemeinten Ratschläge ab und belastete sich somit nicht mit noch größeren Ängsten. Dies ermöglichte es ihm, weiterhin sehr positiv an eine Genesung zu glauben. Am meisten half ihm dabei die ihn sehr beruhigende und Hoffnung machende Äußerung seines Chirurgen: „Ich habe Ihren Tumor entfernt!“ Auch wenn ich als Arzt mit meinen langjährigen Erfahrungen vermute, dass dies in einem so fortgeschrittenen Stadium kaum möglich war, so beließ ich ihn in diesem Glauben. Ich war dann sehr überrascht und erfreut, dass der Tumor tatsächlich lange Zeit nicht mehr nachweisbar war und Günter eine wunderschöne Zeit von sechs Jahren voller Lebensfreude und Lebenssinn genießen konnte. Dies hat mich negativen Prognosen gegenüber noch zurückhaltender werden lassen, da ich als Arzt anfangs überzeugt war, dass er nur noch wenige Monate zu leben hätte. Und es hat mir gezeigt, dass offenbar auch noch andere, uns unbekannte Kräfte, an unserer Genesung mitwirken können.
In ihrem Buch „Die Simonton-Methode“ gibt die Autorin, Cornelia Kaspar, ein gutes Beispiel für eine einfühlsame Möglichkeit, wie Onkologen mit ihren Krebspatienten reden könnten: „Ich muss Ihnen leider sagen, dass sie ernsthaft krank sind. Sie haben fortgeschrittenen Krebs und wir können Ihnen nicht prophezeien, wie das ausgeht. Aber sie müssen Folgendes wissen: Wir Ärzte tun unser Möglichstes, um Ihnen zu helfen. Sie können auch einiges dazu tun, dass Sie wieder gesund werden, und der Rest liegt in Gottes Hand.“ Bei der Diagnose Krebs verfallen viele Betroffene in eine passive Grundhaltung und geben die Verantwortung für die Genesung alleine an die behandelnden Ärzte ab. In diesem Beispiel weist der Onkologe eindrücklich darauf hin, dass jeder Betroffene aktiv zu seiner Genesung beitragen kann und somit Selbstverantwortung übernehmen sollte. Auch der Hinweis auf eine höhere Macht, zum Beispiel Gottes Hand, kann Betroffenen Mut machen, sich auch auf ihren Glauben, eine nicht zu unterschätzende spirituelle Kraftquelle, zu besinnen
Erkenne und nutze deine Krankheit als Chance
Sowohl der Gehirnforscher Gerald Hüther, als auch der Meditationslehrer Eckart Tolle und viele Therapeuten sehen in dem Schicksalsschlag einer schweren Erkrankung die große, oft einmalige Chance zum Erwachen. Dadurch erhält jeder Kranke die Möglichkeit, alt eingefahrene, nicht mehr sinnvolle Lebenswege zu verlassen und den Mut und die Energie aufzubringen, neue, bessere Richtungen im Leben zu gehen. In unserem Alltag und meist auch im Verlauf schwerer Krankheiten können wir vieles nicht beeinflussen, durchaus jedoch unseren Blickwinkel, wie wir Gegebenheiten und Probleme bewerten und mit ihnen umgehen. Eine Krebserkrankung ist somit eine existenzielle Krise und gleichzeitig auch eine existenzielle Chance für einen Wendepunkt und Neubeginn eines Lebens.
Der beliebte buddhistische Lehrer, Ajahn Brahm, erzählte dazu folgende Metapher:
„Wenn ihr mal in einen Hundehaufen tretet, dann werdet nicht sauer und streift euch nicht die Schuhe ab, sondern lächelt und geht einfach nach Hause in den Garten. Dort könnt ihr euch die Hundescheiße unter dem Apfelbaum von der Sohle kratzen. Im nächsten Jahr werdet ihr dann mehr, saftigere und süßere Äpfel ernten als je zuvor. Doch beim Biss in diese herrlichen Früchte dürft ihr nie vergessen, dass das, was ihr da zu euch nehmt, in Wirklichkeit Hundekot ist. Nur, dass dieser sich in der Zwischenzeit in süße, saftige Äpfel verwandelt hat. Ganz ähnlich ist es mit Lebenskrisen. Auch da tretet ihr sozusagen in einen Hundehaufen. Und statt sauer, verbittert oder depressiv zu werden, nehmt ihr ihn mit nach Hause und vergrabt ihn in eurem Herzen. Nicht lange, und ihr werdet weiser und mitfühlender sein. Aber vergesst nicht: Worum handelt es sich bei all dieser saftigen Weisheit und süßen Liebe in Wirklichkeit? Nur um den verwandelten Hundehaufen deines Lebens.“
Zu dieser Geschichte passend, hat Dr. Karl Adamek, der das Heilsame Singen in Deutschland bekannt gemacht hat, auf seiner „7 JA Mantren-CD“ zur aktiven Selbstheilung ein Lied mit folgendem schönen Text:
Lerne stets zu fragen, wozu ist es gut
höre auf zu klagen, fasse wieder Mut
und im Lebensgarten singe ich leise und laut
jeder Mist ist Dünger grad sowie man schaut
Ich wünsche dir, lieber Leser, dass du durch deine Lebenskrise oder Krankheit nicht verbittert oder depressiv wirst, sondern sie nutzt, um mehr Sinn in dein Leben zu bringen und als Persönlichkeit zu reifen, weiser zu werden und mehr Mitgefühl und Liebe zu dir selber und deinen Mitmenschen zu entwickeln. Dies wird dich wahrscheinlich nicht nur länger leben lassen, sondern dich in dieser Zeit auch glücklicher machen. Deswegen entschied ich mich für den Titel: „Länger und glücklicher leben – trotz Krebs“. Erst wenn du bereit bist, dein Schicksal, deine Erkrankung, anzunehmen und sie nicht zu leugnen oder zu verdrängen, findest du auch die Kraft, das Beste aus der bedrohlichen Situation und aus deinem Leben zu machen. Demut bedeutet, das in deinem Leben anzunehmen, was du nicht ändern kannst: „Ja“ dazu zu sagen bedeutet, anzuerkennen „Ja, so ist es im Moment“. Erst die Annahme der Krankheit macht dir den Weg zur Besserung frei. Die Bedrohung deines Lebens durch deine ernsthafte Erkrankung hat dich mit deiner Endlichkeit konfrontiert. Diese Erkenntnis, dass jedes Leben irgendwann ein Ende hat, macht dir die Kostbarkeit des heutigen Augenblicks deutlich. Wie bist du bis zur Feststellung deiner Erkrankung mit der Zeit umgegangen, die dir hier in deinem Körper geschenkt wurde? Werde dir gerade jetzt bewusst, wie kostbar sie ist, weil sie endlich ist. Geh mit ihr wie mit einem wertvollen Schatz um.
Leo Tolstoi hat in seinem Roman „Der Tod des Iwan Iljitsch“ meisterhaft und tief beeindruckend geschildert, wie schmerzhaft die Erkenntnis im Angesicht seines Todes sein kann, nicht wirklich gelebt zu haben. Folgende Passagen haben mich tief berührt:
„Dann beruhigte er sich, hörte nicht nur auf zu weinen, er hielt sogar den Atem an und wurde ganz aufmerksam; es war, als würde er seiner Stimme lauschen, nicht jener, welche mit Tönen spricht, sondern der Stimme der Seele und dem Gang der Ideen, die in ihm wach wurden. ‚Was willst du?‘ war der erste klare Begriff , den er vernahm und den er durch Worte hätte ausdrücken können. ‚Was willst du? Was willst du?‘ wiederholte er sich. – ‚Was will ich? Nicht leiden. Leben!‘ antwortete er. Und abermals gab er sich einer gespannten Aufmerksamkeit hin, die nicht einmal durch den Schmerz abgelenkt wurde. ‚Leben? Wie möchtest du leben?‘ fragte die Stimme der Seele. ‚Ja nun, Leben, wie ich früher gelebt habe – gut und angenehm‘. ‚Wie? Du hast früher gut und angenehm gelebt?‘ fragte die Stimme. Und in Gedanken begann er, die besten Augenblicke aus seinem angenehmen Leben herauszusuchen. Doch wie sonderbar: Alle diese besten Augenblicke seines angenehmen Lebens schienen ihm jetzt gar nicht mehr das zu sein, was sie ihn einstmals dünkten.“
Diesen Fragen unserer Seele sollten auch wir uns immer wieder stellen, gerade in Krisenzeiten. Die Antworten können uns helfen, künftig bewusster und sinnerfüllter zu leben.
„Wie, wenn mein ganzes Leben am Ende doch nicht das gewesen ist, was es hätte sein sollen?“ Es kam ihm nun in den Sinn, dass dasjenige, was ihm früher eine absolute Unmöglichkeit geschienen hatte, nämlich dass er sein ganzes Leben nicht so gelebt hatte, wie er es hätte leben sollen, am Ende doch wahr sein könnte. Es kam ihm nun in den Sinn, dass all jene zaghaften Versuche eines Kampfes gegen dasjenige, was in der höchsten Gesellschaft als das einzig Richtige anerkannt wurde, dass diese kaum merklichen Versuche gerade das Richtige gewesen waren, alles Übrige aber nicht das Richtige war. Und auch sein Dienst und die ganze Art seiner Lebensweise und seine Familie und diese gesellschaftlichen und dienstlichen Interessen konnten möglicherweise nicht das Richtige sein. – Er bemühte sich, sich vor diesem Gedanken zu verteidigen. Und plötzlich fühlte er, wie hinfällig dasjenige war, was er verteidigen wollte. Es war überhaupt nichts mehr zum Verteidigen da.“
In dieser Passage drückt Tolstoi vortrefflich aus, wie bitter es am Ende unseres Lebens sein kann, zu erkennen, dass die Normen und Erwartungen der Gesellschaft, in der wir leben, nicht unbedingt die Richtigen für unser ganz persönliches Leben sind. An einer anderen Stelle drückt Tolstoi aus, was eigentlich unsere tiefsten Bedürfnisse sind: „Es kamen Momente nach Perioden anhaltender Schmerzen, während welcher Iwan Iljitsch – wie sehr er sich auch schämte, es bekennen zu müssen – sich nichts sehnlicher wünschte, als dass ihn jemand wie ein kleines Kind bedauern möge. Er sehnte sich danach, dass ihn jemand liebkoste, küsste und bemitleidete, wie man Kinder liebkost und tröstet.“
Warum spüren wir diese Bedürfnisse leider erst so deutlich, wenn wir verzweifelt sind? Und warum haben wir so große Ängste, uns die Erfüllung dieser Bedürfnisse von nahen Ange hörigen zu wünschen? Auch Mario de Andrade hat dies in seinem nachdenklich machenden Text: „Meine Seele hat es eilig“ sehr treffend formuliert:
„Ich zählte meine Jahre und entdeckte,
dass mir weniger Lebenszeit bleibt als die,
die ich bereits durchlebte.
Ich fühle mich wie jenes Kind, dass
eine Packung Süßigkeiten gewann:
Die ersten aß es mit Vergnügen, doch als es merkte,
dass nur wenige übrig waren,
begann es sie wirklich zu genießen.
Ich habe keine Zeit mehr für unendliche Konferenzen,
wo man Statuten, Normen, Verfahren
und interne Vorschriften diskutiert;
wissend, dass nichts erreicht wird.
Ich habe keine Zeit mehr, absurde Menschen zu ertragen,
die ungeachtet ihres Alters nicht mehr wachsen.
Ich habe keine Zeit mehr, mit Mittelmäßigkeit zu kämpfen.
Ich will nicht in Meetings sein,
wo aufgeblähte Egos aufmarschieren.
Ich vertrage keine Manipulierer und Opportunisten.
Mich stören die Neider, die versuchen,
Fähigere in Verruf zu bringen,
um sich ihrer Stellen, Talente und Erfolge zu bemächtigen.
Die Menschen, die keine Inhalte diskutieren,
sondern nur die Titel.
Meine Zeit ist zu knapp, um Überschriften zu diskutieren.
Ich will das Wesentliche, denn meine Seele hat es eilig.
Ohne viele Süßigkeiten in der Packung …
Ich möchte neben Menschen leben, die sehr menschlich sind.
Menschen, die über ihre Fehler lachen können.
Die auf ihre Erfolge sich nichts einbilden.
Die sich nicht vorzeitig berufen fühlen.
Die nicht vor ihren Verantwortungen fliehen.
Die die menschliche Würde verteidigen.
Und die nur an der Seite der Wahrheit
und Rechtschaffenheit gehen möchten.
Das Wesentliche ist das, was das Leben lohnenswert macht.
Ich möchte mich mit Menschen umgeben,
die das Herz anderer zu berühren wissen.
Menschen, denen die harten Stöße des Lebens beibrachten
zu wachsen mit sanften Berührungen der Seele.
Ja … ich habe es eilig … um mit der Intensität zu leben,
die nur die Reife geben kann.
Ich versuche, keine der Süßigkeiten zu verschwenden, die mir
noch bleiben.
Ich bin sicher, dass sie köstlicher sein werden als die,
die ich bereits gegessen habe.
Mein Ziel ist, das Ende zufrieden zu erreichen –
in Frieden mit mir, meinen Liebsten und meinem Gewissen.
Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt,
wenn du merkst, dass du nur eines hast.“
Die Unbewusstheit ist die größte Ursache vieler Leiden!
Ein Ziel der Psychotherapie ist es, seine eigenen Verhaltensweisen zu überdenken. Dies bedeutet, aus einem gewissen Abstand zu erlebten Situationen, das aktuelle Denken und Handeln mit der eigenen Lebensgeschichte in Zusammenhang zu bringen und es dadurch besser zu verstehen. Erst dann können wir möglicherweise neues, reiferes Verhalten wagen. Dies ermöglicht es uns oft, konfliktfreiere Beziehungen zu Partnern und Mitmenschen zu gestalten. Lieber Leser gehe ab heute immer wacher und bewusster durch dein Leben. Achte immer mehr auf das, was du gerade über dich selbst, das Leben und deine Mitmenschen denkst. Denn deine Gedanken erschaffen deine Wirklichkeit und beeinflussen, ob du dich gut oder schlecht fühlst, unglücklich oder glücklich bist. Die Krebskrankheit ist also deine große Chance, dein Leben mutig so zu verändern, dass du in deinen letzten Lebensstunden – egal, ob diese in einigen Monaten oder in vielen Jahren sein werden – wenig bereust und in Frieden gehen kannst.
Bronnie Ware hat in ihrem wunderschönen und tief beeindruckenden Buch: „Fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen. – Einsichten, die Ihr Leben verändern werden“ folgende fünf Wünsche aufgeführt:
Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mir selbst treu zu bleiben, statt so zu leben, wie andere es von mir erwarten.
Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.
Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden gehalten.
Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.
Ich wünschte, ich hätte mir mehr Freude gegönnt.
Stelle dir also jetzt schon die Frage, ob du dir diese Wünsche in deinem bisherigen Leben erfüllt hast, oder ob gerade jetzt die Zeit gekommen ist, dir diese Wünsche zu erfüllen.
In den folgenden Kapiteln werde ich auf die Wichtigkeit dieser Wünsche eingehen und dir Hilfen geben, wie du sie dir in der nächsten Zeit erfüllen kannst.
Wir können positive, optimistische Gedanken pflegen oder uns von negativen, pessimistischen Einstellungen belasten lassen. Wir können die Opferrolle wählen und uns bedauern lassen und dabei passiv bleiben. Oder wir können aktiv werden und unser Schicksal gestalten und mitbestimmen, wie unser Leben weiter geht (Schöpferrolle). Ich bin sicher, dass du eher zu der letzteren Gruppe zählst, sonst hättest du dieses Buch nicht in den Händen! Betroffene Krebskranke können ihr Schicksal beklagen und die Hoffnung sinken lassen, resignieren und passiv bleiben. Menschen, die ihr Schicksal gerne selber mitgestalten, werden aktiv und suchen meist auch alternative Behandlungsmöglichkeiten. Sie fragen nach den möglichen Ursachen ihrer Erkrankung, weil sie bereit sind, Eigenverantwortung zu übernehmen. Sie entscheiden sich, schlechte Angewohnheiten wie ungesunde Ernährung, Nikotin, Alkohol und andere Drogen wegzulassen. Auch sind sie eher offen dafür, seelischen Hausputz zu halten und negativen Dauerstress abzubauen. Dazu gehört es, Arbeiten und Arbeitsplätze zu meiden, die uns herunterziehen, an denen wir gekränkt, also krank gemacht werden und die uns wenig Lebenssinn und Freude spüren lassen. Aber auch schlechte Beziehungen sollten auf den Prüfstand kommen. Dies könnten die schon lange unglückliche Partnerschaft oder eher belastende Freundschaften sein. Sinnvoll ist es, Dauerstreit und somit Stress mit nahen Angehörigen, Kollegen, Freunden oder Nachbarn zu beenden und in Frieden zu kommen. Zu all diesen Veränderungen brauchen wir oft viel Mut und die Demut, sich Hilfe von lebenserfahrenen Freunden oder Therapeuten zu holen.
Ich hoffe auch dir macht folgende Mail, die meine Frau und ich gerade von unserer Freundin Anita erhielten, Hoffnung und Mut, deine Krankheit als Chance zu nutzen:
„Ich bin ganz begeistert von deinem Manuskript-Entwurf! Spricht es mich doch persönlich sehr an. Beim Lesen habe ich mich sehr an meine eigene Krankheitsgeschichte erinnert. Es ist jetzt fast zehn Jahre her, dass ich die Diagnose Krebs bekommen habe. Aus heutiger Sicht wundere ich mich sehr, wie ich das damals alles so gut hinbekommen habe, ohne das Wissen, das ich heute habe und ohne psychologische Unterstützung. Ein guter Geist hat mich begleitet und mir den richtigen Weg gezeigt, um Heilung zu erfahren. Heute habe ich viel gelernt, durch Lesen, meine Ausbildungen und meine Erfahrungen. Und genau dieses Wissen finde ich in deinem Buch bestätigt. Es ist so wichtig, dass auch die Ärzte Heilung von Krebs nicht nur aus medizinischer Sicht sehen und erkennen, dass die eigentliche Heilung auf vielen Ebenen erfolgt. Ihr seid auf einem ganz tollen und wertvollen Weg mit eurer Arbeit und ich wünsche euch ganz viel Erfolg. Ich versuche ja auch in unserer Selbsthilfegruppe dieses Wissen zu fördern. Die vielen Neuerkrankungen, vor allem bei jungen Menschen, zeigen wie wichtig unsere Arbeit ist.“
Anita engagiert sich aus Dankbarkeit für ihre Genesung im Vorstand einer Selbsthilfegruppe für Krebskranke. Ich finde es bewundernswert, dass sie ihre positiven Erfahrungen mit der eigenen Krebserkrankung Betroffenen mitteilt und ihnen Mut macht. Jeder darf seinen Weg der Heilung gehen!
Ich möchte hier zusammenfassen, welche Chancen die Bewusstheit unserer Endlichkeit im Erleben einer Grenzerfahrung durch schwere Krankheiten birgt:
Wir können neue, sinnvollere Prioritäten setzen und Triviales, wie Sicherheit und Erfolg um jeden Preis, zurückstellen.
Wir können uns meist leichter die Freiheit nehmen, Dinge nicht zu tun, wenn wir sie nicht wollen und ein Gefühl der Befreiung spüren.
Wir können uns leichter erlauben, das Leben in der Gegenwart zu spüren und zu genießen, statt dies bis zur Pensionierung oder einem anderen Zeitpunkt des Lebens zu verschieben.
Es fällt uns leichter, elementare Dinge unseres heutigen Lebens gebührend wertzuschätzen, wie Freundschaften, Familienfeste, Naturerlebnisse.
Wir wagen tiefergehende Gespräche mit geliebten Menschen.
Auch zwischenmenschliche Ängste, wie die Besorgnis, zurückgewiesen zu werden, können geringer werden, sodass wir eine größere Bereitschaft spüren, Risiken auf uns zu nehmen und wirklich Neues zu wagen.
Wenn du davon ausgehst, das die Krankheit eine Botschaft für dich hat, in der sie dir mitteilen möchte, mehr deiner Natur entsprechend zu leben und deine tieferen Bedürfnisse wahrzunehmen und zu erfüllen, dann kannst du diese Erkenntnisse aus der Erkrankung für ein zukünftiges Leben in Freude nutzen.
Anhand dieser Skulptur meines Freundes und Künstlers Przemyslaw Perschke, möchte ich an dieser Stelle ausführlicher auf das wichtige Thema Angst eingehen.
Die Gestalt hält die Schultern nach oben und vorne gezogen und wirkt ängstlich zusammengekauert. Sie ist gefesselt von einem Weidengefl echt, welches unsere Ängste symbolisiert. Der Kopf ist gespalten und ähnelt Keimblättern, die sich entfalten wollen.
In einem Zustand von Angst fühlen wir uns meist gelähmt, gestresst und mutlos. Dies hindert uns daran, an unsere Fähigkeiten zu glauben, unserem Körper mit seinen Selbstheilungskräften zu vertrauen und Neues zu wagen. Viele unserer Ängste sind uns unbewusst und beeinflussen uns dennoch stark auf eine negative Weise.
Gerade bei deiner Krebserkrankung wirst du mit vielen Ängsten, vor allem deiner Endlichkeit konfrontiert. Sei dir bewusst, dass du die Entscheidungsfreiheit hast, dich von deinen Ängsten lähmen zu lassen und zu resignieren, oder den Heilungschancen und Behandlungen zu vertrauen und an dieser Lebenskrise zu wachsen.
„Ängste fesseln unsere Entfaltung“(Perschke 2008) Tannenholz, Rote Weide, 162 x 33 x 55 cm
Vor deiner Krebserkrankung hast du vermutlich einen großen Teil deiner Lebensenergie dafür benötigt, deine Endlichkeit, den Tod, zu verleugnen. Dies fällt nun weg. Krebs ist eine bedrohliche Gefahr und gleichzeitig eine große Chance!
Ich wünsche dir von Herzen, dass du weniger Aufmerksamkeit den Gefahren und den Ängsten widmest und dich mehr für das Vertrauen in die möglichen Chancen öffnest.
Der größte Feind der Menschheit ist die Angst.
Die stärkste Kraft im Universum ist die Liebe.
Beides trägst du in dir.
Du entscheidest,
wer die Macht über dich hat.
Bejram Leka
Mein Freund Günter ist für mich ein bewundernswertes Beispiel für die Gruppe der Lebensgestalter, die das Beste aus ihrem schweren Schicksal machen und ihre Krankheit sogar als Entwicklungschance sehen und nutzen.
Er erkannte, dass seine Arbeitsstelle für ihn sehr unbefriedigend, sogar belastend war, da der Konzernchef immer nur höhere Leistungen und Gewinne auf Kosten seiner Mitarbeiter forderte. Er spürte in seinem IT-Beruf den Dauerdruck, immer auf dem neuesten Wissensstand zu sein und anderen etwas zu verkaufen, wovon er selber oft nicht überzeugt war. Somit musste er bei der Arbeit oft gegen sein Gewissen handeln. Die Arbeitsstimmung in seiner Firma war geprägt von Neid, gegenseitigem Misstrauen, Ängsten und Unzufriedenheit. Diese geldorientierte Ellbogengesellschaft tat seiner Feinfühligkeit und seiner sozialen, hilfsbereiten Art nicht gut. Dieses Leben entsprach nicht seinen ethischen Werten von Rücksichtnahme, Ehrlichkeit, Mitmenschlichkeit und Liebe. Er hatte das Glück und die Chance, mit über 60 Jahren durch seine Krankheit in Frührente zu gehen, was ihn vom krankmachenden Dauerstress entlastete. So blieb ihm mehr Freiraum für seine Hobbys und zur intensiveren Pflege seiner Bedürfnisse und der zwischenmenschlichen Beziehungen. Als Freund und Therapeut machte ich ihm Mut, den Rosenkrieg mit seiner Frau zu beenden und sich mit ihr zu versöhnen. Ich bestärkte ihn, sich aus tiefem Herzen wieder um seine drei Kinder zu kümmern, sie zu Urlauben einzuladen und wirklich für sie als liebender Vater da zu sein. Auch machte ich ihm Hoffnung, seine Sehnsucht und Suche nach einer liebevollen neuen Partnerin nicht aufzugeben – und ein kleines Wunder stellte sich völlig unverhofft ein!
1. Dauerstress als mögliche Krankheitsursache
Ich glaube, dass Krankheiten und auch die Entstehung von Krebs in den meisten Fällen durch mehrere krankmachende Faktoren entstehen und dementsprechend auch die Heilung oft von mehreren positiven Einflüssen abhängt. Für mich ist einer der Hauptfaktoren für die Entstehung von Krankheiten die Auswirkung von Dauerstress auf unseren Körper.
Ich zitiere meine Kollegin Siegrid Körbes:
“Auch ein von ärztlicher Seite als unheilbar krank deklarierter Mensch hat alle Chancen, gesund zu werden, sowie sein Dasein zu verlängern. Vorausgesetzt, er beseitigt die behindernden lebens- und gesundheitsfeindlichen Unstimmigkeiten. Dazu zählen in erster Linie permanenter (emotionaler) Stress, eine denaturierte Ernährung, ein Zuviel an Genussmitteln, ungelöste Dauerkonflikte und vor allem die Unfähigkeit, sich selbst und anderen zu vergeben.“
Aus der Stressforschung ist bekannt, dass Stress, vorwiegend über das vegetative oder autonome Nervensystem, erst durch Adrenalin und Noradrenalin, später durch Cortisol-Ausschüttung, wichtige Körperfunktionen beeinflusst. Unter diesen Hormonen steigen unser Blutdruck und damit auch die Gehirnversorgung mit Sauerstoff, sodass wir wacher werden und schneller auf Anforderungen und Gefahren reagieren können. Auch die Muskeln werden stärker durchblutet, sodass wir körperlich leistungsfähiger werden. In Stresssituationen werden gleichzeitig unwichtigere Körperregionen, wie die Verdauungsorgane, schlechter mit Blut versorgt.
Schon die Evolutionsgeschichte hat uns nach Meinung des Gehirnforschers Gerald Hüther aufgezeigt, dass Dauerstress auf Grund der Schwächung der Körperabwehrkräfte und der Fortpflanzungsfähigkeit, zu Krankheiten und zum Aussterben von Lebewesen geführt hat.
In vielen epidemiologischen Studien an Naturvölkern konnte nachgewiesen werden, dass diese keine oder eine verschwindend geringe Anzahl von Krebserkrankungen hatten, die heutigen Zivilisationskrankheiten keine Rolle spielten und sie insgesamt viel gesünder waren. Dies kann an mehreren Faktoren liegen, wie zum Beispiel der gesünderen Ernährung mit einer kohlenhydrat armen Steinzeit Diät, geringeren Umweltbelastungen und auch wesentlich geringerem Dauerstress. Der amerikanische Wissenschaftler Isaac Levin untersuchte 20 Jahre lang über 100.000 Indianer in den Reservaten Amerikas. Unter diesen medizinisch exakt untersuchten Personen fanden sich lediglich 29 Fälle von Krebserkrankungen. Es wurden auch sehr viel mehr alte Indianer registriert als in der weißen Bevölkerung. Levin vermutete als Hauptursache weniger Stress als bei den vermeintlich zivilisierteren Menschen. Dr. Ales Hrdlicka, amerikanischer Anthropologe und Zeitgenosse Levins, berichtete, dass die Indianer generell frohen Gemüts und zufrieden waren, weniger Bedürfnisse hatten und anhaltende Sorgen praktisch unbekannt waren.
Aus der Weltraumforschung weiß man, dass körperlicher, durch physikalische Belastungen im All, und seelischer Stress, durch Einsamkeit und Ängste, je nach Dauer des Aufenthaltes der Astronauten im All zum Aufbrauchen der Adrenalinreserven führen kann. Dadurch kommt es zu einem schweren Erschöpfungszustand, welchen wir heute wohl als Burnout bezeichnen würden. Die NASA verheimlichte diese bedrohlichen Zustände, in denen ihre Astronauten wegen völliger Kraftlosigkeit aus den Raumschiffen herausgetragen werden mussten. Sie teilte der Öffentlichkeit mit, dass sie in Quarantäne müssten.
So kann man sich auch das Burnout von Menschen in verantwortungsvollen, leitenden Positionen erklären, welche nach Dauerstressbelastungen häufiger Infekte, schwere Krankheiten und ein Lähmungsgefühl der Gehirnfunktionen bekommen.
Lieber Leser, hast du möglicherweise auch das Gefühl, dass die Welt immer hektischer und schnelllebiger wird? Damit verbunden ist ein höherer Stress für jeden von uns. Unter Therapeuten besteht die übereinstimmende Meinung, dass diese Stresszunahme auch dafür verantwortlich ist, dass psychische Erkrankungen immer häufiger eintreten. So hat die Weltgesundheitsorganisation berechnet, dass 2030 die Depression in den Industrienationen Volkskrankheit Nummer eins sein wird. Und dieses schon hohe Stressniveau wird bei dir durch die Feststellung deiner Krebserkrankung zusätzlich erhöht.
Als häufigste Folgeerkrankungen bei Krebs gelten das FatiqueSyndrom, eine chronische Müdigkeit, sowie Depressionen und Ängste. Seelischer Dauerstress, wie existenzielle Ängste mit ent sprechenden Grübelzwängen, länger andauernden Schlafstörungen und fehlende Lebensfreude, schwächen also eindeutig unser Immunsystem. Wissenschaftliche Studien belegen teilweise, dass seelischer Dauerstress die Vermehrung von vorhandenen Krebszellen und somit die Sterblichkeit fördern kann. Jeder Mensch hat in seinem Körper entartete Zellen, die normalerweise vom Immunsystem rechtzeitig erkannt und abgetötet werden. Nach Bekanntwerden der Diagnose Krebs kommt es meist zu Dauerstress in Form von Ängsten und Hoffnungslosigkeit, welcher oft den Verlauf und die Prognose der Krankheit negativ beeinflusst.
Der bereits erwähnte Autor Servan Schreiber beschreibt in seinen Büchern wissenschaftlich sehr genau, wie seelischer Stress direkt auf die Vitalität der Abwehrzellen unseres Immunsystems wirkt und dieses für Krankheiten schwächt. Früher wurde dies nur vermutet, heute konnte der neue Wissenschaftszweig, die Psychoneuroimmunologie, diese fatalen Auswirkungen von Dauerstress auf den Körper nachweisen und den Wirkmechanismus erklären. Leider wird zu wenig Geld in die Erforschung dieser Zusammenhänge investiert. Der Zusammenhang zwischen Seele und schweren körperlichen Erkrankungen wird heute noch oft von Schulmedizinern bagatellisiert oder gar nicht anerkannt. Leider bleibt deshalb der seelische Bereich in der Therapie von Krebserkrankungen ohne die wünschenswerte Berücksichtigung. Dies hat zur Folge, dass zwar die Akutbehandlungen nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen mit großem ärztlichen Einsatz und hohen Kosten durchgeführt werden, aber die Nachsorge, vor allem im seelischen Bereich, zu wünschen übrig lässt. So wird nachvollziehbar, dass es das neuere Fachgebiet der Psychoonkologie schwer hat, eine größere Bedeutung in der Behandlung von Krebserkrankungen zu erlangen und wissenschaftlich mehr wertgeschätzt zu werden.
Als Hobbygärtner kaufte ich mir kürzlich neue Pflanzen und las auf der Pflegeanleitung, dass man den Blumen Stress ersparen solle – was auch immer damit gemeint sei – damit sie gut gedeihen können. Somit sind sich unsere Gärtner interessanterweise der negativen Wirkung von Dauerstress oft viel bewusster als mache Mediziner.
Mir wird in letzter Zeit immer deutlicher, dass wir Menschen meist die Einstellung haben, dass wir in der heutigen Zeit dem Druck und somit Stress hilflos ausgeliefert sind, wir uns also nicht selber den Stress machen. Ich selber fühle mich beispielsweise meist sehr unter Druck, wenn Autofahrer hinter mir schneller sind und dicht auffahren. Wenn diesen ein Überholen nicht möglich ist, dann fahre ich automatisch und oft unbewusst schneller, als ich es normalerweise tun würde, um es dem eiligeren Verkehrsteilnehmer recht zu machen. Vielleicht kennst auch du ähnliche Verhaltensweisen bei dir selbst. Wenn ich dann diese Situationen überdenke, wird mir erst bewusst, dass ich es mir von Kindheit her angewohnt habe, es eher allen anderen recht zu machen, statt meine eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen. Vermutlich spielen dabei Minderwertigkeitsgefühle eine große Rolle. Somit ist diese Art von Stress hausgemacht und selbst zu verantworten.
