Lassiter - Folge 2284 - Jack Slade - E-Book

Lassiter - Folge 2284 E-Book

Jack Slade

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Beschreibung

Die Dürre hatte die kargen Geröllebenen des Ruby County in eine staubige Hölle verwandelt. Sie brütete seit Wochen über diesem unwirtlichen Landstrich im Süden Montanas, hatte Kojoten und anderes Getier vertrieben und das Büffelgras erbarmungslos verdorren lassen. Die Männer im Nadelöhr des Chiaxxó Valley störten sich daran nicht. Sie hatten sich hinter einem Felsgrat auf die Lauer gelegt und behielten den Planwagentreck im Auge, der sich tief unter ihnen durch die enge Schlucht zwängte. Von Norden her waren fünf Gespanne gekommen. Der Treck hatte eine Stunde gerastet, die Achsen frisch eingefettet und seine Fahrt in gemächlicher Geschwindigkeit fortgesetzt. Außer einem halben Dutzend Männer befand sich auch eine einzelne Frau auf den Planwagen. Der Tod saß den Verdammten bereits im Nacken.

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Seitenzahl: 132

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Inhalt

Cover

Impressum

Im Sündenbabel von Montana

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelfoto: Maroto/Bassols

E-Book-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-2880-6

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Im Sündenbabel von Montana

Die Dürre hatte die kargen Geröllebenen des Ruby County in eine staubige Hölle verwandelt, aus der weder Kojoten noch andere Tiere zu fliehen vermochten. Sie brütete seit Wochen über diesem unwirtlichen Landstrich und hatte das hier und da aufragende Büffelgras verdorren lassen.

Die Männer im Nadelöhr des Chiaxxó Valley störten sich daran nicht. Sie hatten sich hinter einem Felsenrücken auf die Lauer gelegt und behielten den Planwagentreck im Auge, der sich tief unter ihnen durch die enge Schlucht zwängte. Vom Norden her waren die fünf Gespanne gekommen, hatten eine Stunde gerastet und ihren Treck in gemächlicher Geschwindigkeit fortgesetzt.

Der Tod saß ihnen bereits im Nacken.

Siebzehn Meilen vor dem eigentlichen Ziel des Wagentrecks hatte Cathy McKean kein Ohr mehr für Jammereien. Die aschblonde Mittdreißigerin mit den funkelnd grünen Augen, dem schmal geschnittenen Gesicht und der entschlossenen Gestik griff nach der Peitsche und trieb die beiden Wallache vor ihrem Wagen an. Sie verzog das Gesicht und versetzte ihrem Nebenmann einen herzhaften Stoß in die Rippen.

»Sie machen einen Fehler, Ma’am!«, quittierte der Bewaffnete den Hieb mürrisch. Er hieß Joseph Burden und war nicht für seinen Frohsinn bekannt. »In dieser Dürre wird uns die Hälfte der Menschen verdursten und verhungern. Sie hätten uns nie in Richtung Ruby County schicken dürfen.«

Ein Ruf von den anderen Wagen schallte durch die Felsenschlucht, die man seit einer Viertelstunde durchquerte und deren kühler Schatten sich als wahrer Segen erwies. Cathy seufzte und ließ die Peitsche erneut knallen. »Keiner von uns wird sterben, Joseph. Unsere Familien sind eine Menge gewöhnt. Von ehemals achtzig Leuten sind noch knapp fünfundfünfzig übrig.«

»Eben, Cathy, eben!«, versetzte Joseph aufgebracht. Er klammerte sich an seiner.44er-Winchester fest. »Selbst Ihr Vater ist unter den Toten! Sie hätten etwas mehr Vernunft walten lassen müssen!«

Wie aus dem Nichts überfielen Cathy die Erinnerungen an ihren Vater, die diesmal zur Abwechslung nicht den klapperdürren Leib von Rudolph McKean zeigten, sondern das fröhliche Lachen eines jüngeren McKean, der bei einer Gartenfeier über die Wiese sprang und ein Kind in die Luft warf. Es war der vierte Jahrestag der Gemeinde gewesen und sie hatten auf der Böschung hinter der Kirche gefeiert, wo sie Decken ausbreiten und ein Feuer für das Fleisch machen konnten.

»Mein Vater hat damit nichts zu tun«, sagte Cathy mit zusammengepressten Lippen, doch ihr war bewusst, dass sie log. Seit ihr Vater tot war, hatte es keinen Tag gegeben, an dem sie nicht an den alten Dorfschullehrer und Bürgermeister von Clarksville gedacht hatte. Er war eine Seele von Mensch gewesen und die Gemeinde hatte eine Woche lang getrauert, als er dem Typhus erlegen war.

»Papperlapapp!«, erwiderte Joseph und zog eine griesgrämige Miene. »Kein Mensch erträgt die Faust Gottes. Sie hätten nicht das Amt Ihres Vaters übernehmen dürfen.« Er schnäuzte sich und spie aus. »Aber wer hört schon auf Greise wie mich!«

Die Karawane der mit Proviant und Wasser beladenen Planwagen scherte in eine Biegung ein und kam langsamer voran als zuvor. Cathy vertrieb die Gedanken an das gute Dutzend Siedlerfamilien, die ehrfürchtig zu ihr aufschauten, weil ihr Vater sich über die Jahre ihr Zutrauen und ihren Respekt erworben hatte. Sie hatten in Iowa keine Not gelitten, aber die Verheißung auf freies Land und einen eigenen Acker hatte sie über die Staatsgrenze getrieben.

»Die Dürre hat keiner vorausgesehen«, sagte Cathy mit belegter Stimme. »Ich gebe Ihnen mein Wort, dass ich alles tun werde, um –«

Ein peitschender Gewehrschuss setzte ihrem Schwur ein jähes Ende.

Die Kugel riss dem alten Burden die Stirn auf, pflügte ihm durch den Schädel und zerfetzte zu guter Letzt die Segeltuchplane des Wagens. Ein Schwall Blut traf Cathy an der linken Wange und sickerte heiß an ihrem Hals hinunter.

Burden japste vor Entsetzen und klammerte sich an Cathy fest. Er brachte ein heiseres Seufzen hervor, ehe er zur Seite kippte und von der Kutsche stürzte.

Geistesgegenwärtig griff Cathy nach seiner Winchester und richtete sie auf die Felsen über ihnen. Sie machte die Silhouetten von vier Männern aus, die flink von einer Deckung zur anderen sprangen und erneut auf die Planwagen feuerten.

»Vorwärts!«, schrie Cathy den Pferden zu und ließ die Zügel locker. Sie nahm einen der Angreifer ins Visier und zog den Abzug durch. Die Winchester gab einen krachenden Feuerstoß von sich und rächte den toten Burden mit einer Ladung Blei in die Brust des Fremden.

»Cathy!«, hörte die Siedlerin weit hinter sich einen Mann brüllen. Es war der junge John Simmerman, der auf einem der letzten Wagen fuhr. »Sie nehmen uns ins Kreuzfeuer! Fahr zu! In Gottes Namen, fahr zu!«

Noch bevor Cathy darüber nachdenken konnte, aus welchem Grund sie mitten in den Bergen Montanas angegriffen wurden, ging ein Schauer aus Gewehrschüssen über dem Treck nieder. Die Planen der Gespanne flatterten unter den einprasselnden Kugeln und hingen bald in Fetzen von den stählernen Streben.

Mit einem Peitschenhieb nach dem anderen jagte Cathy die Pferde voran und lauschte mit pochendem Herzen den Schreien und Rufen in ihrem Rücken. Sie warf die leere Winchester hinter sich auf die Proviantsäcke und umklammerte mit beiden Händen die Zügel.

In derselben Sekunde sah die Siedlerin die beiden Berittenen vor sich. Sie waren vermummt und hatten langläufige Waffen bei sich. Der Größere von ihnen hob den Arm und gab zugleich einen Schuss in die Luft ab.

»Hoah!«, rief Cathy und hielt die scheuenden Wallache mit aller Kraft zurück. Sie setzte eine finstere Miene auf und erklomm den Kutschbock. »Was wollt ihr, Dreckskerle? Mörder seid ihr!«

Die Männer im Sattel ritten langsam näher und warteten geduldig ab, bis das Gespann in den Stand gerollt war. Einer der Vermummten zog ein Stück Papier aus der Westentasche und bedeutete Cathy mit dem Gewehr, dass sie vom Wagen steigen sollte.

Widerwillig gehorchte die Siedlerin aus Iowa. Sie sprang vom Planwagen und sah sich für einen Augenblick nach dem Rest des Trecks um. Auf dem Gespann hinter dem ihrigen lag der Leichnam von John Simmerman.

»Zum Teufel, was wollt ihr?«, fauchte Cathy und riss den Kopf wieder zu ihren Widersachern herum. Sie schritt entschlossen auf die Männer zu. »Ich hab’s nicht nötig, mit feigen Kojoten wie euch zu reden!«

Der größere Reiter lachte hämisch auf und winkte mit dem Papier in der Hand. Er richtete das Gewehr auf Cathy und reckte höhnisch das Kinn. »Du wirst mit uns reden müssen, Schätzchen. Ich habe eine Nachricht für dich.«

»Von wem?«, stieß Cathy zornig hervor. »Von dem Mistkerl, der euch für Blut an den Händen bezahlt?«

»Ganz recht«, lautete die Antwort. »Von Doug Mendenhall.«

***

Trotz der Hitze in der Kammer hatte Lassiter keinerlei Schwierigkeiten, dem wollüstigen Stöhnen seiner Gespielin die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Er trug nur noch sein vom Schweiß durchnässtes Hemd auf dem Leib, unter das sich unentwegt die Hände der nackten Jewell Parker verirrten. Das brünette Freudenmädchen mit den markanten Grübchen lag vor ihm auf dem Rücken und streckte die Beine in die Luft.

»Beim Zeus, nun komm schon!«, seufzte Jewell und zog Lassiter zu sich herunter. Sie dirigierte seinen steifen Pint mit zwei Fingern fahrig in ihre Liebeshöhle. »Ich kann’s auf den Tod nicht leiden, wenn man ’ne Lady warten lässt!«

»Geht mir nicht anders!«, brummte Lassiter und stützte sich neben Jewell ab. Er betrachtete den schlanken Leib der schönen Brünetten und wischte sich den Schweiß von der Stirn. »Aber ich hab dir gesagt, dass ich weg muss!«

»Nein, nein, das geht nicht!«, flüsterte Jewell und wand sich unter ihm. »Du musst es mir noch einmal besorgen! Ich brauch’s, hörst du? Ich brauch’s von einem …« Sie lächelte und funkelte ihn aus ihren Katzenaugen an. »Ich brauch’s von einem Kerl wie dir!«

Nach diesen Worten spreizte Jewell die Schenkel noch weiter und gab erst Ruhe, als Lassiter mit festen Hüftbewegungen zustieß. Er spürte die feuchte Enge seiner Geliebten, die selbst nach der dritten Runde nichts von ihrer Kraft zu verlieren schien. Die zarten Finger Jewells umkrampften seine Schultern und bettelten ihn um weitere Stöße an.

»Hab kein Mitleid, Lassiter!«, keuchte sie und warf die gelockten Haare herum. Sie presste ihm ihren Unterleib entgegen und schloss die Augen. »Das Mendenhall’s ist ein Tanzhaus und kein Sanatorium! Bei uns treibt man’s ordentlich! Und ich … will jetzt schreien!«

Kaum eine Sekunde später ließ sie ihren Worten Taten folgen. Sie schrie Lassiters Namen mit solcher Wucht heraus, dass der Mann der Brigade Sieben ihr die Hand auf den Mund drückte. Er war erst gestern in Crock City eingetroffen und konnte gegenwärtig nichts weniger gebrauchen, als dass jeder in der Farmerstadt wusste, wohin es ihn zuerst verschlagen hatte.

Ganz besonders galt diese Sorge seinem Mittelsmann John Mills. Der frühere Handelsvertreter im Auftrag des Schatzministeriums hatte Lassiter telegraphisch gebeten, sich unter allerhöchster Diskretion bei ihm einzufinden. Das Telegramm aus Washington dagegen hatte lediglich verlangt, dass binnen dreier Tage ein Treffen zustande kam. Solche Feinheiten waren jedoch passé, wenn jeder Freier im Tanzhaus wusste, mit wem Jewell sich im Obergeschoss vergnügte.

»Ssht!«, zischte Lassiter und warf seiner vor Lust bebenden Geliebten einen strengen Blick zu. »Ich werd’ dir kein zweites Mal sagen, dass in Crock City nicht jeder meinen Namen kennen muss.«

Jewell setzte einen schuldbewussten Blick auf und seufzte vor Erregung. Sie blickte auf den Spiegel in der Ecke des Raumes und gab Lassiter einen Schlag auf die Schultern. Der große Mann aus Washington hielt inne und blickte das Freudenmädchen fragend an.

»Mills!«, wisperte Jewell und deutete auf den Spiegel, in dem ein Teil der Mainstreet zu sehen war. »Ich hab ihn eben gesehen! Er ist unten auf der Straße!«

Einen Augenblick lang wusste Lassiter nicht, ob er die Redensart, dass der Teufel stets dann erschien, wenn man von ihm sprach, verfluchen oder gutheißen sollte. Er riss den Kopf zum Spiegel herum, machte jedoch nur die staubige Straße darin aus. »Mills? Bist du sicher? Gerade jetzt?«

»Wenn ich’s dir sage!«, bekräftigte Jewell ihre Worte. »Du wolltest doch zu ihm, oder? Zu John Mills, dem Alten von der Mills Trading Co.?«

Ohne zu zögern griff Lassiter nach seiner Hose, stieg hinein und zog ein Bündel Dollarscheine aus der Tasche. Er warf sie Jewell zu und bedachte das Mädchen mit einem strengen Blick. »Die Scheine gehören dir, wenn du den Mund hältst. Ich werd’s herausbekommen, wenn du geplaudert hast, hörst du?«

Das Freudenmädchen zählte die Scheine nach, nickte eifrig und sprang zum Fenster. Sie bedeckte ihre nackten Brüste mit dem Laken und spähte auf die Straße hinaus. »Dumm bin ich nicht, Mr. Lassiter! Ich plaudere keine Geheimnisse meiner Kunden aus!« Sie ruderte mit den Armen. »Beeil dich! Er redet unten mit Mendenhall!«

Eilig schlang sich Lassiter den Revolvergurt um die Hüften und verschloss ihn. Er zog das Telegramm aus der Hosentasche und las es abermals. Am Namen von Mills und seiner Handelsorganisation bestand kein Zweifel.

»Beeil dich!«, drängte Jewell ihn erneut zur Eile. »Er wird noch reinkommen!« Sie hauchte Lassiter einen Kuss auf die Wange, drückte ihm die Hand und schob ihn auf den Flur hinaus.

***

Der gepflegte Gehrock und der glänzende Zylinder von John Mills verliehen der Begegnung mit Lassiter etwas unerwartet Feierliches, als der große Mann einige Minuten darauf über die Schwelle von Mendenhall’s Dancehall trat. Er nickte dem Schmächtigen neben Mills zu, von dem er lediglich wusste, dass es Tanzhausbesitzer Doug Mendenhall war, und begrüßte auch Mills mit einem Kopfnicken.

Der Handelsvertreter schürzte die Lippen und wandte sich grußlos zur Straße um. Er verschränkte die Arme auf dem Rücken und entfernte sich raschen Schrittes. Als er bemerkte, dass Lassiter ihm folgte, schnellte er mit zorniger Miene herum. »Ich hatte Sie um Diskretion gebeten, Mr. Lassiter! Es ist ungeheuerlich, dass ich Ihren Namen zuerst aus dem Mund einer Dirne höre!«

Indessen hatte Lassiter ganz zu Mills aufgeschlossen. Er zog eine gleichgültige Miene und winkte ab. »Das Mädchen hat genügend Dollars auf der Hand, um ab jetzt still zu sein. Sie können versichert sein, dass ich von Ihnen nicht meinen ersten Auftrag erhalte, Mr. Mills.«

»Damit habe ich auch nicht gerechnet!«, versetzte Mills und beruhigte sich allmählich. Er bog mit Lassiter in eine Seitengasse ein und wandte sich ganz zu ihm um. »Zweifellos sind Sie der beste Mann der Brigade Sieben. Die Anweisungen für Ihren Auftrag kommen aus dem Büro des Präsidenten.«

Lassiter blieb ruhig vor Mills stehen. »Um was geht es dabei?«

Auf Mills schmales Gesicht schob sich ein entgeistertes Grinsen. Er suchte einen Augenblick lang nach den richtigen Worten. »Wäre es für Crock City und Montana nicht derart ernst, könnte man beinahe darüber lachen. Es geht in der Tat um Doug Mendenhall.« Er wies in Richtung des Tanzhauses zurück. »Eben jenen Mr. Mendenhall, dem Sie gerade zugenickt haben!«

Zwei dünne Fältchen bildeten sich auf Lassiters sonnengebräunter Stirn. »Der gleiche Doug Mendenhall, mit dem Sie eben sprachen?«

»So ist es«, bestätigte Mills mit einem steifen Kopfnicken. Er schritt weiter durch die Gasse. »Man ist in Washington überzeugt, dass Mendenhall seine Tanzhäuser mit Regierungsgeldern erbaut hat. Er hat reiche Gönner in der Hauptstadt, die er jedoch im Glauben gelassen hat, dass er in Montana Waisenhäuser für Siedlerkinder errichtet.«

Ein schmales Lächeln spielte um Lassiters Lippen. »Ich versichere Ihnen, dass es sich beim Mendenhall’s nicht um ein Waisenhaus handelt.«

Aus Mills’ Kehle drang ein heiseres Lachen. »Glauben Sie nicht, ich wäre ein Unschuldslamm! Ich habe den Mädchen auch schon den einen oder anderen Besuch abgestattet.« Er blieb abrupt stehen. »Von Bedeutung ist allerdings nur, dass Mendenhall ein Vermögen aus Regierungsgeldern sprichwörtlich in den Sand gesetzt hat. Sie müssen ihn vor Gericht bringen, ehe er mit dieser Schurkerei davonkommt.«

»Jeder Marshal könnte Mendenhall festnehmen«, wandte Lassiter ein. »Dafür braucht es keinen Mann der Brigade Sieben.«

Mills spitzte die Lippen, als bereite ihm Lassiters Widerspruch körperliche Pein. Er senkte den Kopf und gab einen tiefen Seufzer von sich. »Nicht bei Mendenhall! Nicht bei einem Kerl wie ihm! Er mag harmlos wirken, aber in der Gegend wagt niemand, sich ihm entgegenzustellen. Der letzte Marshal ist nach Helena geflohen, als ihm Mendenhalls Leute an den Kragen wollten.«

Einen Moment lang herrschte Stille, die nur von einem fernen Hundebellen unterbrochen wurde. Die Männer betrachteten einander wortlos.

»In Ordnung«, sagte Lassiter danach. »Ich kümmere mich um Mendenhall.«

***

Einige Stunden später hatte Lassiter im Tathoka Palace, das keine zwei Straßen von Mendenhalls’ Dancehall entfernt lag und eine ebenso schäbige Fassade wie diese besaß, Quartier bezogen. Die Zimmer strotzten geradezu vor Dreck und waren mit allerlei Tand zugestellt, den vorbeiziehende Siedlertrecks gegen eine Nacht in einem weichen Bett getauscht hatten. Die staubigen Fenster boten einen tristen Ausblick auf die vor Hitze glühende Straße.

»Whiskey haben wir auch!«, sagte das Zimmermädchen und trug Lassiters Ledertasche zum Wandschrank hinüber. »Sie bekommen ihn bis fünf Uhr am Nachmittag. Danach ist Sperrstunde.«

Das klein gewachsene Mädchen mit den pechschwarzen Haaren warf Lassiter einen freundlichen Blick zu und verlagerte schüchtern das Gewicht von einem Bein auf das andere. Es hatte Lassiter schon die Zimmerschlüssel ausgehändigt. »Brauchen Sie sonst noch etwas, Sir?«

»Nein«, erwiderte Lassiter und warf das Kuvert auf den Tisch, in dem sich die Informantenberichte zu Doug Mendenhall befanden. Er hatte den Umschlag eine Stunde zuvor von Mills erhalten. »Oder doch – haben Sie Kautabak?«

Das Mädchen kicherte verlegen und zählte die Tabaksorten an den Fingern auf. »Hick’s haben wir, und Beverly’s Garden. Nature Flavour haben wir auch.«

Der Mann der Brigade Sieben nickte zufrieden und trat ans Fenster. Er schob die Gardine beiseite und starrte auf die Straße hinunter. »Hick’s ist gut. Zwei Schachteln brauche ich. Whiskey auch. Ich habe eine lange Nacht …« Er unterbrach sich und riss die Gardine mit einem Ruck ganz zur Seite. »Was zum Teufel?«