Lassiter - Folge 2325 - Jack Slade - E-Book

Lassiter - Folge 2325 E-Book

Jack Slade

4,8
1,49 €

Beschreibung

Die gerupfte Tanne wuchs auf einem Felsvorsprung an der Südflanke des Mount Glory, dessen schroffer Gipfelgrat wegen des Schneetreibens kaum zu erkennen war. Die Männer hatten dem Baum den Spitznamen im letzten Sommer verpasst. "Da vorn ist die Zauseltanne!", rief der vordere der beiden Reiter. Sein dichter Bart war steifgefroren. "Von diesem verfluchten Drecksbaum hat er geredet!" Der andere Reiter nickte und stieg mit verkniffenem Gesicht aus dem Sattel. Er stapfte an seinem Gefährten vorbei durch den Schnee und schirmte die Augen gegen den Sturm ab. Als er bei der Tanne war, starrte er ins Tal hinunter. Der Pferdeschlitten von Walther Biddick war ein winziger schwarzer Fleck in der schneeumstürmten Tiefe. Selbst Gevatter Tod hätte sich kein anderes Wetter gewünscht ...

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 131

Bewertungen
4,8 (16 Bewertungen)
13
3
0
0
0



Inhalt

Cover

Impressum

Schüsse in der Nacht

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelfoto: Néstor Taylor/Bassols

eBook-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-4315-1

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Schüsse in der Nacht

Die gerupfte Tanne wuchs auf einem Felsvorsprung an der Südflanke des Mount Glory, dessen schroffer Gipfelgrat wegen des Schneetreibens kaum zu erkennen war. Die Männer hatten dem Baum den Spitznamen im letzten Sommer verpasst.

»Da vorn ist die Zauseltanne!«, rief der vordere der beiden Reiter. Sein dichter Bart war steifgefroren. »Von diesem verfluchten Drecksbaum hat er geredet!«

Der andere Reiter nickte und stieg mit verkniffenem Gesicht aus dem Sattel. Er stapfte an seinem Gefährten vorbei durch den Schnee und schirmte die Augen gegen den Sturm ab. Als er bei der Tanne war, starrte er ins Tal hinunter.

Der Pferdeschlitten von Walther Biddick war ein winziger schwarzer Fleck in der schneeumstürmten Tiefe. Selbst Gevatter Tod hätte sich kein anderes Wetter gewünscht …

Die knisternden Eiskristalle schlugen wie Peitschenhiebe ins Gesicht von Walther Biddick, der sein Schlittengespann stur auf dem Weg hielt und keinen verdammten Zollbreit von der Baumlinie abwich, die er inmitten der Schneeschwaden noch erkannte. Biddick mochte vierundsechzig Jahre alt und manchmal von der Gicht geplagt sein, doch er rechnete sich längst nicht zum alten Eisen. Er würde nicht einer dieser nörgelnden Greise werden, die sich unten in Jackson Hole auf ihre Gehstöcke stützten und ihre klapprigen Glieder kaum von der North in die South Street brachten. Er würde diesem verdammten Pass die Stirn bieten, solange es seine Kräfte zuließen.

»Wie weit bist du dort hinten?«, brüllte Biddick durch den Sturm seinem Gehilfen zu. »Wir müssen es vor der Dunkelheit zum Roadhouse schaffen!«

Das Roadhouse stand an der höchsten Stelle des Passes und wurde von einer Familie mit dem treffenden Namen Burden bewirtschaftet. Die Burdens hatten ein offenes Ohr für jeden geplagten Reisenden und würden Biddick das Nachtquartier gewiss nicht ausschlagen.

Hinter dem Schlitten erschien das Haupt von Biddicks Gehilfen Jacob Mills. »Ich hab’s gleich wieder dran, Mr. Biddick! Ist ’ne verfluchte Drecksarbeit!«

Biddick konnte seinem jungen Begleiter den Fluch nicht verdenken. Er hatte Jacob vor zwei Jahren eingestellt, zu einer Zeit, in der er längst keine Lehrlinge mehr in der Stellmacherei aufnehmen wollte. Der Junge hatte jedoch solches Talent und Einsatz gezeigt, dass Biddick seine Vorbehalte über Bord geworfen hatte.

»Ist schon gut, Jacob!«, rief der alte Stellmacher über die Schulter zurück. »Du musst sie bloß wieder festbekommen! Würde es selbst machen, wenn die Gäule nicht wären!«

Von den besten Tieren, die es bei Shippen Horses & Carriages zu mieten gab, hatte ihm Glenn Shippen gewiss noch einmal die stärksten Pferde mitgegeben. Die beiden Männer waren seit einer halben Ewigkeit miteinander befreundet, und Shippen wusste aus erster Hand, dass eine Überquerung des Teton Passes zu dieser Jahreszeit ein Hasardeursmanöver war. Wäre es nach Biddick gegangen, wäre er erst im Frühjahr aufgebrochen. Sein Mann in Rexburg jedoch duldete keinen Aufschub.

»Geschafft!«, schallte von hinten Jacobs Stimme herauf. Der Sturm blies zäh aus östlicher Richtung. »Die Kufe sitzt wieder! Sollte bis hinauf zum Roadhouse halten! Hab’ vier Nägel reingeschlagen!«

Trotz der lähmenden Kälte brachte Biddick ein Lächeln zustande. Er wandte sich zu Jacob um und schlug ihm einige Male so kräftig auf die Schulter, dass der Schnee von dessen Kleidung absprang. »Ich hab’ doch gewusst, dass ich mich auf dich verlassen kann, Junge! Bei Gott, du hättest bei diesem Dreckswetter nicht mitkommen sollen! Werd’ es mir nicht vergeben, wenn dir meinetwegen etwas zustößt!«

Der Junge stieg über die Ladung hinweg, die aus einigen Kisten mit Sätteln und anderen Lederwaren bestand. Er und Biddick hatten eine Segeltuchplane darüber festgezurrt, die jetzt unter einer dicken Schneeschicht begraben lag. »Mr. Biddick, ich hätte Sie nie allein fahren lassen! Es ist viel zu gefährlich, im Februar allein auf dem Teton Pass zu sein! Ich hätte es mir nicht vergeben, wenn Ihnen etwas zugestoßen wäre!«

Der Sturm trieb eine Schneewand über die ganze Talbreite hinweg, die sich in der Luft überschlug und in anderer Gestalt wieder auseinanderfaltete. Sie hatten in der Stadt die schreckliche Geschichte von Samuel Nathan gehört, der mit seiner Familie in eine Lawine geraten und darin umgekommen war. Die Deputies von Sheriff Carringham hatten die Leichname erst im vergangenen Frühjahr gefunden.

»Der verfluchte Pass bekommt uns nicht klein, was!«, rief Biddick zu Jacob hinüber und grinste abermals. Er lauschte den knirschenden Kufen des Schlittens und richtete den Blick auf die Pferderücken, über denen die Schneeteufel tanzten. »Ich hätte Katie auslachen sollen, als sie meinte, dass wir’s nicht schaffen! Sie ist ein Hasenfuß vor dem Herrn!«

Die nächsten Minuten über verharrten Biddicks Gedanken bei seiner Tochter, die zu dieser Stunde in seiner Werkstatt in Jackson Hole saß und sich – wie Biddick es von ihr kannte – Sorgen machte. Er hätte Stein und Bein schwören können, dass er keinen ängstlicheren Menschen auf Gottes weiter Erde gab als seine Tochter. Sie hatte sich schon als Kind vor der Dunkelheit geängstigt, und als sie volljährig geworden und ihre Mutter gestorben war, hatten sich diese Ängste vervielfacht. Wie hatte sie gezetert und gejammert, als er Katie offenbart hatte, dass er nach Rexburg zu fahren gedachte!

»Katie sorgt sich bloß um uns!«, erwiderte Jacob und blickte grimmig in das Schneegestöber. Der Schlitten hatte eine weitere Talbiegung passiert. »Wie die Frauenzimmer eben sind!«

Aus dem wirbelnden Weiß des Schneesturms trat die Silhouette der gerupften Tanne hervor, jenes Baumes, von dem aus es nur noch eine Viertelmeile bis zum Roadhouse war. Die Viehtreiber aus dem Tal hatten die Tanne wegen ihres unregelmäßigen Wuchses so genannt.

»Nimm die Zügel!«, schrie Biddick und überließ Jacob die Führung der Pferde. Er stieg nach hinten über die Ladung und ging auf die Knie, als sich der Schlitten für einen Moment zur Seite neigte. »Ich will mir die Kufe noch mal selbst ansehen! Sie muss bis zum Roadhouse halten!«

Der Junge nickte und kauerte sich auf dem Bock zusammen, als wollte er selbst zu einem Eisklumpen werden. Biddick kroch über die Ladung nach hinten und spähte über die hintere Kante des Schlittens zur Kufe hinunter. Er stellte mit Erleichterung fest, dass Jacob gute Arbeit geleistet und vier Nägel in den gesplitterten Haltebogen getrieben hatte. Das Holz ächzte und gab federnd nach, würde sich jedoch bis zum Roadhouse nicht weiter lockern.

»Gut gemach, Jac–!«

Ein gellender Schrei seines Gehilfen schnitt Biddick das Wort ab. Der Junge riss einen Arm in die Höhe, deutete mitten in den stiebenden Schnee und riss plötzlich die Zügel herum. Eines der Pferde vor dem Schlitten brach aus und sprengte mit einem verzweifelten Galoppsprung zur Seite.

Dann sah Biddick die Tanne stürzen.

Der mächtige Baum mit den verstreut stehenden Zweigen zerschnitt wie ein rauschender Donnerschlag den stiebenden Schnee und schlug mit ganzer Wucht auf die Deichsel des Schlittens.

Das Wiehern der Pferde war das letzte Geräusch, das Biddick außer dem heulenden Sturm vernahm.

***

Der Fremde in der Mainstreet von Jackson Hole glich einer grotesken Eisgestalt, als er das Bein über den Sattel schwang und von seinem Pferd stieg. Er trug einen breitkrempigen Hut aus rissigem Leder, von dem loser Schnee stob, sowie er ihn abnahm und gegen den Oberschenkel schlug. Der krause Vollbart des Mannes war von Eiskristallen durchsetzt, die in der Wärme seines dampfenden Atems schmolzen.

»Heiliger Gott«, sagte Glenn Shippen und trat aus dem Tor seines Mietstalls. Er hatte den Fremden beobachtet, seit dieser im dichten Schneetreiben auf der Mainstreet erschienen war. »Sie hätten mildere Tage für den Ritt hinauf nach Jackson Hole abwarten sollen.«

Unter dem glitzernden Vollbart des Fremden zeigte sich der Anflug eines Lächelns. Er schlug die Hände ineinander und blies warmen Atem hinein. »Mr. Shippen? Ich hatte keine Wahl.«

»Glenn Shippen«, stellte sich der Mietstallbesitzer mit einem Nicken vor. »Sind Sie über den Snake River gekommen?«

Der fremde Reiter nickte gleichfalls und kratzte sich die Eiskruste von den Stiefeln. Er folgte Shippen ins Stallinnere und wischte sich den Bart trocken. »Ich bekam das Telegramm aus Washington und ritt am Snake River nordwärts. Es gab keine andere Route für mich.«

Shippen hob den Kopf und musterte den Fremden. »Sie bekamen ein Telegramm? Sind Sie Lassiter?«

»Wie er leibt und lebt«, erwiderte der hochgewachsene Mann und knöpfte den Mantel auf. Er trug eine zerschlissene Weste und ein altes Hemd darunter. »Ich komme wegen des Auftrags.«

Der Wind trieb eine Woge Schnee in den Stall, und Shippen schob die beiden Torflügel zu. Er hatte den Mann der Brigade Sieben erst zum Ende der Woche erwartet. »Folgen Sie mir in mein Büro, Mr. Lassiter! Sie sehen mir aus, als könnten Sie ’nen Whiskey und einen heißen Kaffee vertragen.«

Als die beiden Männer kurze Zeit darauf in der schmalen Kammer saßen, die Shippen nicht ohne Spott als sein Büro bezeichnete, hatte der getaute Schnee auf den Schultern des Fremden zwei feuchte Flecken hinterlassen. Allein aus der Art, wie der fremde Reiter seinen Kaffee trank, schloss der Mietstallbesitzer, dass er einen Mann der Tat vor sich hatte.

»Was haben Sie für mich?«, fragte Lassiter und setzte die Tasse auf dem Tisch ab. Er hatte das Whiskeyglas daneben nicht angerührt. »Man hat mir nichts Näheres zu meinem Auftrag mitgeteilt.«

»Die Geheimniskrämerei verwundert mich nicht«, gab Shippen zur Antwort und faltete die Hände auf dem Tisch. Er suchte eine Zeitlang nach den richtigen Worten. »Die Angelegenheit ist in vielerlei Hinsicht delikat. Die Brigade Sieben schickte eigens einen Boten über den Pass, der mir die nötigen Dokumente überbrachte. Ich hegte nicht die Hoffnung, dass Sie noch vor Wochenfrist eintreffen könnten.«

»Das Telegramm mahnte mich zur Eile«, entgegnete der Fremde und äugte auf den Whiskey. Er griff nach dem Glas und trank es in einem Zug leer. »Offenbar duldet man in Washington keinen Aufschub.«

»In der Tat«, pflichtete Shippen seinem Gast bei. Er sann über die Instruktionen nach, die er aus dem Justizministerium erhalten hatte. »Die Ehre unseres einstigen Präsidenten Chester A. Arthur steht auf dem Spiel.«

Das bärtige Gesicht des Fremden zeigte keinerlei Regung. »Präsident Arthur ist seit drei Jahren tot. Er muss sich um sein Ansehen nicht sorgen.«

»Sie irren sich«, widersprach Shippen seinem Besucher mit gerunzelter Stirn. Er schob einige der Schriftstücke über den Tisch, die ihm der Bote gebracht hatte. »Die Entourage von Präsident Arthur nahm im Jahr 1883 beinahe die gleiche Route, die auch Sie benutzt haben. Man brach von Fort Washakie aus auf, überwand den Lincoln Pass und folgte dem Snake River hinauf nach Jackson Hole. Es war Arthurs letzte größere Reise, wie Sie sich möglicherweise erinnern.«

Schweigend nahm der Fremde die Dokumente zur Hand und blätterte sie durch. Seine Hände mussten noch immer steif vor Kälte sein. »Der Präsident wollte zum Yellowstone reisen. Er musste Kritik einstecken, weil er die Geschäfte in Washington im Stich ließ.«

»Er war ein gütiger und kluger Mann«, sagte Shippen und starrte ernst auf die Tischplatte. »Ich bin ihm damals im Kelly’s Inn begegnet, dem besten Haus von Jackson Hole. Er sprach eine Menge übers Fischen und Angeln.«

»Ein Gentleman von einem Präsidenten«, gab ihm der Fremde recht. Er las noch immer in den Papieren. »Worum sorgt man sich in Washington?«

»Gewissermaßen um sein ganzes politisches Erbe«, fuhr Shippen mit Emphase fort. Er wies mit einer Geste auf die Papiere in Lassiters Händen. »Sie finden in den Unterlagen den Bericht eines Informanten, in dem es heißt, dass Arthur sich in Jackson Hole mit einem Mädchen einließ. Die meisten Würdenträger in Washington hielten diesen Bericht für eine böswillige Verleumdung.«

Der Fremde sah nicht auf von den Schriftstücken. »Ist er wahr? Immerhin war Arthur seit einigen Jahren Witwer.«

Der sichere Instinkt des Fremden verunsicherte Shippen. »Nun … Er ist wahr. Ich kannte das Mädchen und den Ort, an dem das Treffen stattfand. Es ist ein gutes Mädchen, das gewiss keine niederen Absichten hegte.«

»Eine Affäre könnte Arthur auch postum teuer zu stehen kommen«, bemerkte Lassiter und blickte Shippen endlich an. »Wer wusste noch von diesem Treffen?«

»Aus Arthurs Stab keine Menschenseele«, meinte Shippen und nahm einen tiefen Atemzug. »Aber es gab Briefe des Präsidenten an das Mädchen. Sie trafen unter falschem Namen und größter Geheimhaltung in Jackson Hole ein und befanden sich im Besitz der Familie.«

»Wie heißt das Mädchen?«

»Sein Name ist Katie Biddick«, berichtete Shippen weiter. Er war froh, dass allmählich Bewegung in die Angelegenheit kam. »Sie wohnt mit ihrem Vater ein paar Häuser die Straße hinauf. Walther ist ein alter Sturkopf. Er wollte vor ein paar Tagen mit einem Schlitten über den Teton Pass.«

»Bei Schnee und Eis?«, brummte der Fremde. »Die Gegend ist der sichere Tod um diese Jahreszeit.«

Shippen nickte langsam. »Wir redeten alle auf ihn ein, aber wollte nichts davon hören. Nachdem wir nichts mehr von ihm gehört hatten, kam Katie zu mir und redete davon, dass er sämtliche Papiere der Familie mitgenommen hätte.« Er verstummte für einen Moment. »Ich wusste sogleich, dass darunter auch die Briefe von Präsident Arthur sein mussten. Ich bin sogar der Überzeugung, dass Walther nur der Briefe wegen dieses Wagnis auf sich genommen hatte.«

Die stechend blauen Augen des Fremden fixierten ihn. »Wie kommen Sie darauf?«

»Es ist eine einfache Rechnung«, gab Shippen zurück. »Im Kongress wird derzeit über den Yellowstone verhandelt. Die Eisenbahnmagnaten und Frachtunternehmen wollen Gleise in der Gegend verlegen. Sie brauchen Munition gegen die einstigen Unterstützer von Arthur.«

»Mit anderen Worten«, ergänzte Lassiter, »eine Affäre käme diesen Leuten gerade recht.« Er ließ die Papiere sinken. »Bin ich aus diesem Grund nach Jackson Hole beordert worden?«

»Offenbar schon«, bestätigte Shippen die Vermutung des Fremden. »Das Justizministerium ist zu ähnlichen Schlüssen gekommen. Sie müssen diese Briefe in Verwahrung nehmen, ehe sie in falsche Hände fallen.«

***

Der erste Stoß in den Unterleib der schönen Rezeptionistin löste ein derart befreiendes Gefühl in Lassiter aus, dass er der Brünetten einen weiteren Kuss in den Nacken gab. Seine dunkelhaarige Bettgenossin dankte es ihm mit einem wollüstigen Stöhnen und reckte ihm den wohlgeformten Hintern entgegen.

»O Lassiter!«, hauchte Lillian Wentworth und hielt sich an seinen Handgelenken fest. »Du bist ein Wüterich von einem Mann! Wie … wie lange hattest du keine Frau mehr?«

»Sechs Wochen!«, presste Lassiter zwischen zwei Stößen durch die Zähne. Er sann über den vergangenen Monat nach, den er in den Plains verbracht hatte. Er hatte vergeblich nach einem abtrünnigen Brigade-Sieben-Mann gesucht, der für eine lächerliche Summe die Seiten gewechselt hatte. »Und du? Wieso bist du nicht verheiratet?«

»Soll ich mir solch einen Spaß entgehen lassen?«, stöhnte Lillian in die Kissen. Sie trug nichts am Leib außer ihrem Miedergürtel. »Ich brauche Kerle wie dich, die … die wissen, wie man mit einer Frau umgeht!«

Die braungelockte Rezeptionistin warf den Kopf von einer Seite auf die andere und stöhnte vor Vergnügen. Sie schien keinen Gedanken daran zu verschwenden, dass das Kelly’s Inn trotz des grimmigen Wetters voller Gäste war.

Der Mann der Brigade Sieben umfasste Lillian mit einem Arm und trug sie quer durchs Zimmer. Er presste seine Geliebte mit dem Rücken an die Wand und nahm sie erneut.

»Nicht aufhören!«, wisperte Lillian ihm zu und klammerte sich mit beiden Armen an seinen Nacken. Sie spreizte die Schenkel noch weiter und stemmte sich ihm entgegen. Durch den schlanken Leib der Hotelangestellten ging ein Lustschauer nach dem anderen. »Härter, Lassiter! Noch härter! Ich will noch mehr von dir!«

Das heisere Flehen des Mädchens fachte Lassiters Leidenschaft nur umso stärker an. Er setzte zu einer wahren Salve von Lendenstößen an, in deren Folge Lillian mehr und mehr in Ekstase geriet. Sie krallte ihre Nägel in Lassiters Rücken, riss ihm die wettergegerbte Haut auf und berauschte sich an jenem erregten Ernst, der nun aus seinen Zügen sprach. Sie flüsterte ihm eine Schändlichkeit nach der anderen ins Ohr, immer bedacht darauf, seine Lust noch weiter herauszufordern.