Leb dein Leben! - Patricia Vandenberg - E-Book

Leb dein Leben! E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. Patricia Vandenberg ist die Begründerin von "Dr. Norden", der erfolgreichsten Arztromanserie deutscher Sprache, von "Dr. Laurin", "Sophienlust" und "Im Sonnenwinkel". Ohne ihre Pionierarbeit wäre der Roman nicht das geworden, was er heute ist. »Was noch malfür ein schöner Film! Besonders diese Liebesszenen.« Der Abspann lief, und Felicitas Norden wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. »Genau die richtige Einstimmung auf die Hochzeit morgen.« Ihr Mann Daniel, in dessen Schoß sie ihren Kopf gebettet hatte, beugte sich über sie. Das Zittern in ihrer Stimme hatte sie verraten. »Sag bloß, du weinst?«, erkundigte er sich verwundert. »Na und?«, wertete Felicitas diese Frage als Angriff und rappelte sich hoch. »Aber du hast ›Jenseits von Afrika‹ schon mindestens drei Mal gesehen«, schlug sich Felix, zweitältester Sohn der Familie, auf die Seite seines Vaters. Auf der Suche nach seinem Pullover war er ins Wohnzimmer gekommen und vor der Mattscheibe hängen geblieben. Das lag nicht zuletzt an den Flugszenen, die den Safarijäger Denys Finch Hatton in Aktion zeigten. »Na und? Und wenn ich ihn mir hundert Mal anschaue, finde ich ihn immer noch traurig und wunderschön zugleich«, schimpfte Felicitas. Das Lächeln, das um ihre Mundwinkel spielte, verriet, dass sie es nicht ganz ernst meinte. »Ihr Männer habt einfach keinen Sinn für Romantik.« »Dieses Liebesgedöns brauche ich wirklich nicht.«

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Seitenzahl: 116

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Dr. Norden – 45 –Leb dein Leben!

Patricia Vandenberg

»Was noch malfür ein schöner Film! Besonders diese Liebesszenen.« Der Abspann lief, und Felicitas Norden wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. »Genau die richtige Einstimmung auf die Hochzeit morgen.«

Ihr Mann Daniel, in dessen Schoß sie ihren Kopf gebettet hatte, beugte sich über sie. Das Zittern in ihrer Stimme hatte sie verraten.

»Sag bloß, du weinst?«, erkundigte er sich verwundert.

»Na und?«, wertete Felicitas diese Frage als Angriff und rappelte sich hoch.

»Aber du hast ›Jenseits von Afrika‹ schon mindestens drei Mal gesehen«, schlug sich Felix, zweitältester Sohn der Familie, auf die Seite seines Vaters.

Auf der Suche nach seinem Pullover war er ins Wohnzimmer gekommen und vor der Mattscheibe hängen geblieben. Das lag nicht zuletzt an den Flugszenen, die den Safarijäger Denys Finch Hatton in Aktion zeigten.

»Na und? Und wenn ich ihn mir hundert Mal anschaue, finde ich ihn immer noch traurig und wunderschön zugleich«, schimpfte Felicitas. Das Lächeln, das um ihre Mundwinkel spielte, verriet, dass sie es nicht ganz ernst meinte. »Ihr Männer habt einfach keinen Sinn für Romantik.«

»Dieses Liebesgedöns brauche ich wirklich nicht.« Felix dachte gar nicht daran, seiner Mutter zu widersprechen. »Aber die Flugszenen, die könnte ich mir immer wieder anschauen. Schwerelos dahingleiten … die Welt aus einer anderen Perspektive sehen … diese Freiheit … das stelle ich mir unglaublich vor«, geriet er unversehens ins Schwärmen und starrte immer noch auf den Bildschirm, auf dem längst eine Ansagerin die kommenden Sendungen ankündigte.

Daniel betrachtete seinen Sohn mit einer Mischung aus Verwunderung und Neugier.

»Ich wusste ja gar nicht, dass du so ein Faible fürs Fliegen hast.«

Endlich erwachte Felix aus seinen Gedanken und stand vom Boden auf, wo er es sich für die Dauer des Films bequem gemacht hatte.

»Ich auch nicht«, grinste er von oben herab. Er schüttelte seine Beine aus, die eingeschlafen waren. »Aber ich war ja auch schon zehn, als ich Feuerwehrmann und fünfzehn, als ich Actionheld werden wollte. Andere machen diese Phasen im Kindergarten durch. Vielleicht bin ich ein Spätberufener.«

»Warum nicht?«, spann Daniel Norden den Gedanken weiter. »Ärzte haben wir inzwischen ja genug in der Familie. Zur Abwechslung könntest du Pilot werden und uns die Patienten mit dem Hubschrauber in die Praxis bringen«, scherzte er gut gelaunt und beugte sich vor, um einen Schluck Wein zu trinken.

»Wenn Anneka meine Flugbegleiterin wird und für mein leibliches Wohl sorgt, können wir über diese Idee diskutieren«, erklärte sich Felix großzügig bereit.

Seine Worte wurden begleitet von einem Windhauch, der durch die offen stehende Terrassentür herein strömte und die leichten Vorhänge blähte. Felix fröstelte und erinnerte sich an den Grund, warum er vor mehr als einer Stunde ins Wohnzimmer gekommen war.

»Habt ihr übrigens meinen Pullover gesehen?« Er sah sich suchend um. »Ich muss ihn hier irgendwo liegen gelassen haben.«

»Welchen suchst du denn? In der Küche liegt ein dunkelroter. In der Garderobe habe ich einen schwarzen Kapuzenpulli entdeckt und im Esszimmer hängt über dem Stuhl ein khakifarbenes Sweatshirt, das weder deinem Bruder noch deinen Schwestern gehört«, zählte Fee auf. »Vielleicht wäre es sinnvoll, deinen Kleiderschrank hier unten aufzustellen. In deinem Zimmer scheint er überflüssig zu sein.«

Felix verstand den versteckten Appell seiner Mutter sehr wohl, dachte aber nicht im Traum daran, ihr entgegen zu kommen, geschweige denn recht zu geben. Stattdessen hatte er wie immer eine schlagfertige Antwort parat.

»Du siehst das völlig falsch, Mamilein«, sagte er mit zuckersüßer Stimme und beugte sich über sie, um ihr einen Kuss auf die Wange zu geben. »Ich bin überhaupt nicht schlampig, sondern fürsorglich. Meine Pullis sind so groß, dass sie jedem Familienmitglied passen. Wenn einem von euch kalt ist, könnt ihr jederzeit darauf zurückgreifen.«

Als hätten sie sich abgesprochen, kam in diesem Augenblick Anneka ins Wohnzimmer. Sie verschwand fast im khakifarben Sweatshirt ihres Bruders.

»Brrrr, ganz schön kalt geworden. Morgen soll es sogar noch schlimmer werden. Sommer stelle ich mir irgendwie anders vor«, murmelte sie und ließ sich neben ihre Eltern auf die Couch fallen. Erst jetzt bemerkte sie die Blicke, die auf ihr ruhten. »Was ist? Warum schaut ihr mich so an?«

Daniel lachte, während seine Frau seufzte.

»Ich geb’s auf. Dein Bruder wird wahrscheinlich erst ordentlich, wenn er einen eigenen Haushalt hat.«

»Und dann sucht er sich sicher eine Frau, die hinter ihm herräumt«, gab Anneka mit einem kritischen Blick auf ihren Bruder zurück.

Doch statt ihr böse zu sein, lachte Felix auf.

»Du kennst mich ziemlich gut, Schwesterherz.«

»Viel zu gut«, erwiderte sie. »Ein Glück, dass mein Freund so ganz anders ist als du. Sonst würde ich heute noch denken, dass alle Jungs so sind wie du, und einen großen Bogen ums männliche Geschlecht machen.« Sie zwinkerte ihm zu zum Zeichen, dass sie es nicht so meinte, und wandte sich ihrer Mutter zu. »Sag mal, ich kann mir doch morgen sicher dein graues Seidenkleid ausleihen? Noahs Mutter gibt ein Konzert, und ich hab nichts anzuziehen.«

»Tut mir leid, aber mein graues Kleid brauche ich morgen selbst«, bedauerte Fee. »Dein Vater und ich sind auf eine Hochzeit eingeladen. Aber du kannst das schwarze mit dem Glitzerausschnitt haben, das dir so gut gefällt«, bot sie nach kurzem Überlegen an.

»Du bist ein Schatz, vielen Dank! Das passt ja noch viel besser«, bedankte sich Anneka, als hätte sie nur auf dieses Angebot gewartet. Sie sprang vom Sofa auf. »Kann ich es gleich mal anprobieren?«

»Das hast du doch bestimmt schon getan?«, sagte Fee ihrer ältesten Tochter schmunzelnd auf den Kopf zu.

»Nur ganz kurz. Ich muss es noch mal genau anschauen.«

»Warte, ich komme mit. Du brauchst unbedingt die Meinung eines Fachmannes«, beschloss Felix.

Kopfschüttelnd sah Daniel seinen beiden Kindern nach.

»Ein Glück, dass wir nur zwei Töchter haben. Sonst müsste ich befürchten, dass du morgen nichts zum Anziehen hast.« Er legte den Arm um seine Frau und küsste sie.

»Und damit hätten wir geklärt, warum wir Frauen mehr zum Anziehen brauchen als Männer. Kein Sohn würde auf die Idee kommen, Klamotten von seinem Vater auszuleihen.«

»Aus Respektsgründen natürlich«, erklärte Daniel.

»Ich vermute aus Geschmacksgründen«, widersprach Fee lachend und verschloss ihm den Mund mit einem Kuss, bevor er Gelegenheit zur Reklamation hatte.

*

»Reicht es immer noch nicht?« Umringt von seinen Freunden stand Bertram Reger in der Münchner Fußgängerzone und starrte unglücklich hinab auf den Eimer, in dem sich immer noch gut ein Dutzend bunter Röllchen befanden. Ein paar Lose hatte er bereits an die Frau gebracht. Der Verkaufspreis war in Form eines Kusses zu entrichten und die glückliche Gewinnerin wurde an Ort und Stelle mit einem Ständchen des Bräutigams, einem kleinen Tanz oder einem Drink in der nächsten Bar entlohnt. »Ich hab bestimmt schon zehn Lose verhökert.«

»Nichts da! Die müssen alle weg!«, blieb sein bester Freund Bastian hart. »Schließlich willst du doch morgen deiner Braut das Ja-Wort geben.«

Sofort stimmte der Rest der Gesellschaft einen Chor an.

»Ja-Wort! Ja-Wort! Ja-Wort!«

Bertram hielt sich beide Ohren zu.

»Schon gut, schon gut. Ich mach ja weiter«, gab er sich geschlagen. Er trank einen Schluck von dem Bier, das Bastian ihm hinhielt.

»Du hast auch keine Wahl!«, bestätige der Kumpel aus Kindertagen und klopfte ihm auf die Schulter. »Nur keine Müdigkeit vorschützen.«

Bertram zwang sich ein Lächeln auf die Lippen und machte sich mit dem Eimer und verfolgt von fünf nicht mehr ganz nüchternen Männern wieder auf den Weg. Ein Junggesellenabschied war nicht gerade das gewesen, was er sich für den letzten Abend in Freiheit vorgestellt hatte. Im Grunde genommen konnte er Veranstaltungen dieser Art gar nichts abgewinnen. Um aber seine Freunde und seine zukünftige Frau Franziska – es war ihre Idee gewesen – nicht zu enttäuschen, hatte er in den sauren Apfel gebissen. Während Zissa mit ihren Freundinnen ihre Heimatstadt Erding unsicher machte, zog er durch die Münchner Fußgängerzone und machte gute Miene zum bösen Spiel.

»Lose! Frische Lose zu verkaufen! Preis: Ein Kuss ein Los!«, rief Bastian hinter ihm, während Bertram die Reaktionen der Passanten beobachtete.

Einige senkten die Köpfe und flohen aus der Gefahrenzone. Andere schauten neugierig herüber. Eine Gruppe viel zu junger Mädchen blieb lachend und kichernd stehen. Ihre Blicke trieben Bertram das Blut in die Wangen. Schnell wandte er sich ab. Um ihnen zu entgehen, drehte er sich um und sprach die erstbeste Passantin an, die ihm entgegen kam. Einen kleinen Rucksack über der Schulter schob sie einen Koffer neben sich her. Die Schiebermütze hatte sie tief ins Gesicht gezogen.

»Bitte helfen Sie mir.« Seine Stimme war flehend. Das war der einzige Grund, warum Antonia überhaupt Mitleid mit ihm hatte. Andernfalls hätte sie ihn einfach ignoriert. »Kaufen Sie mir ein Los ab?«

Obwohl sie nach der langen Reise hundemüde war, blieb sie stehen. »Sie scheinen es ja nötig zu haben«, bemerkte sie und kramte in ihrem Rucksack nach dem Geldbeutel. »Aber wenigstens betteln Sie nicht, sondern tun was für Ihr…« In diesem Moment hielt sie inne. Während sie sprach, hatte ihr Gedächtnis auf Hochtouren gearbeitet. Etwas an dem Mann kam ihr bekannt vor, weckte Erinnerungen an eine lange zurückliegende Zeit. Die Börse in der Hand legte sie den Kopf schief und sah ihn an. Inzwischen war es dunkel geworden, aber der Schein einer Straßenlaterne fiel ihm ins Gesicht. »Moment mal. Sie … du bist ja gar kein Bettler.«

»Natürlich nicht.« Bertram wollte zu einer ärgerlichen Bemerkung ansetzen, als auch er stutzte. »Antonia? Bist du das?« Das Lachen seiner Freunde klang ihm im Ohr. Glücklicherweise beschäftigten sie sich mit der Gruppe Mädchen und bekamen nicht mit, was sich ein paar Meter weiter abspielte.

»Berti?« Antonias Augen waren kugelrund vor Staunen. Das Licht der Laterne spiegelte sich darin. Genau wie damals, als sie Abschied genommen hatten voneinander. »Was machst du denn hier?« Ihr ungläubiger Blick wanderte an seiner Aufmachung hinunter.

»Wir … wir feiern Junggesellenabschied.«

Antonia lachte auf. »Du liebe Zeit, ist dieser verrückte Brauch also auch hier in Europa gelandet.« Ohne ihn aus den Augen zu lassen, schüttelte sie den Kopf. »Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass du so einen Blödsinn mitmachst.«

»Wollte ich auch nicht. Aber ich wollte Zissa nicht enttäuschen. Nicht so kurz vor der Hochzeit«, rechtfertigte sich Bertram.

»Meine liebe Schwester!« Die Grübchen tanzten auf Antonias Wangen. Es sah so aus, als ob die Sommersprossen auf ihrer Stupsnase im Takt dazu hüpften. »Hätte ich mir denken können, dass sie auf so was steht.«

Bertram konnte nicht anders. Er musste mit Antonia lachen.

»Mit dir wäre mir das wohl nicht passiert«, mutmaßte er.

»Das alberne Hütchen?« Sie deutete auf den Mini-Zylinder, der schief auf seinem Kopf saß. »Das seltsame T-Shirt?« Sie tippte auf seine Brust, die genauso hart war, wie es das Muskelspiel unter dem dünnen Stoff vermuten ließ. »Die kindischen Spiele?« Sie nahm ihm den Eimer aus der Hand und sah hinein, ehe sich ihre Schweinwerfer-Augen wieder auf ihn hefteten. »Nein, da hast du allerdings recht. Aber wie sieht es aus? Hast du Zeit für deine zukünftige Schwägerin, die weder Kosten noch Mühen gescheut hat, um der Zeremonie morgen beizuwohnen?«

Bertram drehte sich zu seinen Freunden um, die noch immer mit den Mädchen beschäftigt waren und ihn offenbar völlig vergessen hatten. Diese Tatsache brachte die Entscheidung.

Er riss sich den Zylinder vom Kopf und zerrte das Sweatshirt über den Kopf, das er sich vorsichtshalber zu Beginn des Abends um die Hüften gebunden hatte. Zu guter Letzt nahm er Antonia den Eimer mit den Losen aus der Hand und versenkte ihn in den Sträuchern des Pflanztrogs, der neben ihnen stand.

»Komm!«, forderte er Antonia auf. Er nahm ihren Koffer in die eine und Antonias Hand in seine andere Hand, und ohne dass seine Freunde es bemerkten, gingen sie händchenhaltend davon.

*

Die Runde der Freundinnen hatte beschlossen, den Abend in der Hotelbar ausklingen zu lassen. Erschöpft aber glücklich saß Franziska Pöhlmann mit ihrer besten Freundin am Tresen. Die anderen Frauen hatten sich in der Bar verteilt. Mit dem Strohhalm rührte Zissa in dem bunten Cocktail, der vor ihr stand.

»Morgen ist es also so weit. Morgen bist du Frau Franziska Reger«, dachte ihre Freundin Kathrin laut nach. Der Alkohol hatte seine ­belebende Wirkung verloren, und eine verkaterte Melancholie machte sich breit. »Schon in einer Woche­ gehst du auf große Reise und schipperst direkt hinein in ein neues Leben.« Urplötzlich stiegen ihr Tränen in die Augen. Sie musste sich anstrengen, um ihre Freundin klar zu sehen. »Hast du keine Angst?«

»Wovor sollte ich denn Angst haben?«, fragte die Braut verständnislos zurück. »Erstens kommt mein Vater mit, damit er uns bei der Neueröffnung unter die Arme greifen kann. Und zweitens erfülle ich mir meinen größten Traum und werde Geschäftsführerin in Bertrams Surfschule. Und das auch noch in herrlicher Umgebung. Wovor sollte ich also Angst haben?«

»Dominikanische Republik ist wirklich nicht schlecht«, pflichtete Kathrin ihr bei.

»Und unser Projekt auch nicht. Seit Jahren bereiten wir die Übernahme akribisch vor. Wir haben alles in die Wege geleitet. Jetzt kann nichts mehr schief gehen.« Zissas Augen glänzten vor Freude.

Kathrin nestelte eine Packung Taschentücher aus der Handtasche und putzte sich die Nase.

»Und das ganze Abenteuer beginnt mit eurer Hochzeitsreise, der Kreuzfahrt in die Karibik. Das habt ihr euch wirklich toll ausgedacht«, lenkte sie ihre Gedanken in eine positive Richtung.

»Nicht wahr? Das war meine Idee«, gab sich Franziska nicht gerade bescheiden. »Bertram wollte am liebsten fliegen. Er meinte, ihm liegen solche Luxusreisen nicht. Aber ich werde ihm schon noch beibringen, was schön ist.« Sie hob ihr Glas und prostete Kathrin zu. »Auf eine sorglose Zukunft unter Palmen.«

Dumpf klangen die Gläser aneinander.

»Auf euch beide!«, lächelte Kathrin. »Holger und ich kommen euch so bald wie möglich besuchen.«

»Das will ich hoffen«, gab Zissa zurück. »Und während sich die Männer im Wasser abplagen, haben wir mit unseren Gästen Spaß an der Bar.« Die Zukunft breitete sich so makellos vor ihr aus wie ein endlos langer, weißer Strand. Ihre Freundin kehrte inzwischen in die raue Wirklichkeit zurück. Sie sah auf die Uhr.