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Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. Patricia Vandenberg ist die Begründerin von "Dr. Norden", der erfolgreichsten Arztromanserie deutscher Sprache, von "Dr. Laurin", "Sophienlust" und "Im Sonnenwinkel". Ohne ihre Pionierarbeit wäre der Roman nicht das geworden, was er heute ist. »Diese Katze ist wahrlich keine Freundin von Ihnen«, konstatierte Dr. Daniel Norden, als er den notdürftigen Verband von der Hand seines Kollegen, des Tierarztes Dr. Wunderlich, entfernte. »Sie war zum ersten Mal bei mir. Ihre Halterin hat mir glaubhaft versichert, die Mieze sei ein wahrer Engel«, schimpfte Holger Wunderlich ärgerlich und stöhnte auf, als Daniel die tiefen blutenden Bisswunden mit Desinfektionsmittel reinigte. »Ein teuflischer Engel«, konstatierte der Allgemeinmediziner kritisch. Für gewöhnlich gab es mit dem Veterinär immer etwas zu lachen und zu scherzen. Diese Wunde gab jedoch Anlass zur Sorge. »Katzenbisse sind aufgrund ihrer Tiefe und dem Eindringen hochinfektiöser Keime immer von einem hohen Infektionsrisiko begleitet«, erklärte Daniel ernst. »Wie sieht es denn aus mit Ihrem Impfschutz? Wann war die letzte Tetanus-Impfung?« Nachdenklich wiegte Holger den Kopf. »Muss schon eine Weile her sein.« Er lächelte entschuldigend. »Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern.« »Ihr Impfpass könnte mit Sicherheit Aufschluss darüber geben«
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Seitenzahl: 117
Veröffentlichungsjahr: 2025
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»Diese Katze ist wahrlich keine Freundin von Ihnen«, konstatierte Dr. Daniel Norden, als er den notdürftigen Verband von der Hand seines Kollegen, des Tierarztes Dr. Wunderlich, entfernte.
»Sie war zum ersten Mal bei mir. Ihre Halterin hat mir glaubhaft versichert, die Mieze sei ein wahrer Engel«, schimpfte Holger Wunderlich ärgerlich und stöhnte auf, als Daniel die tiefen blutenden Bisswunden mit Desinfektionsmittel reinigte.
»Ein teuflischer Engel«, konstatierte der Allgemeinmediziner kritisch.
Für gewöhnlich gab es mit dem Veterinär immer etwas zu lachen und zu scherzen. Diese Wunde gab jedoch Anlass zur Sorge.
»Katzenbisse sind aufgrund ihrer Tiefe und dem Eindringen hochinfektiöser Keime immer von einem hohen Infektionsrisiko begleitet«, erklärte Daniel ernst.
»Wie sieht es denn aus mit Ihrem Impfschutz? Wann war die letzte Tetanus-Impfung?«
Nachdenklich wiegte Holger den Kopf.
»Muss schon eine Weile her sein.« Er lächelte entschuldigend. »Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern.«
»Ihr Impfpass könnte mit Sicherheit Aufschluss darüber geben«, bemerkte Daniel Norden augenzwinkernd. Er kannte und schätzte Dr. Wunderlich schon seit Jahren und hatte schon manch böse aussehende Wunde erfolgreich behandelt.
»Da gebe ich Ihnen vollkommen recht«, lächelte Holger trotz seiner Schmerzen tapfer. »Leider habe ich nicht die geringste Ahnung, wo er steckt.«
Er wollte lieber nicht an das Chaos in seinem Haus denken, das mit jedem Tag unübersichtlicher zu werden schien. Doch selbst wenn es ihm gelungen wäre, Herr über die Lage zu werden, hätte er nicht gewusst, wo er seine Suche beginnen sollte.
»Am besten, Sie impfen mich einfach auf Verdacht und stellen einen neuen Impfpass aus«, machte er Dr. Norden deshalb einen ganz und gar praktischen Vorschlag.
Das war auch Daniels Idee gewesen. Inzwischen hatte er eine Spritze aufgezogen und forderte seinen Patienten auf, den Oberarm frei zu machen. Holger zuckte noch nicht einmal zusammen. Die Bisswunde bereitete ihm beträchtlich mehr Schmerzen als der kleine Pieks in den Muskel.
Danach konnte sich Dr. Norden endlich der Versorgung der Wunde widmen, was sich auf den zweiten Blick nicht ganz so unproblematisch herausstellte wie erhofft.
»Ich fürchte, ich komme nicht darum herum, den Tierbiss auszuschneiden«, verkündete er nach einer weiteren gründlichen Untersuchung.
»Wegen der Infektionsgefahr an Gelenken, Muskeln und Sehnen werde ich die Wunde danach nur locker adaptieren. Zum Offenhalten lege ich eine Kette aus einer antibiotisch wirkenden Substanz ein. Abschließend werden die benachbarten Gelenke durch eine Gipsschiene ruhig gestellt«, erklärte er sachlich, während er eine weitere Spritze aufzog und seine Assistentin Wendy telefonisch bat, die nachfolgenden Patienten auf eine längere Wartezeit vorzubereiten.
Inzwischen hatte Holger Zeit gehabt, sich über die Worte seines Kollegen Gedanken zu machen.
»Ist ja alles schön und gut. Auf keinen Fall will ich Ihre Kompetenz in Abrede stellen«, bemerkte er unwillig. »Aber ist das alles wirklich nötig? Wie soll ich denn mit einer Schiene am Arm praktizieren?«
Daniel Norden umspritzte das verletzte Gebiet großzügig. Dabei lächelte er.
»Gar nicht«, antwortete er schlicht.
Holger Wunderlich schnappte empört nach Luft.
»Wie stellen Sie sich das vor? Im Augenblick ist die Praxis jeden Morgen gerammelt voll. Ich kann nicht so mir nichts, dir nichts für ein paar Wochen schließen.« Aber das war nicht alles.
»Und vor allen Dingen: Was wird dann aus Fanny? Ich habe ihr versprochen, dass sie eine Ausbildung bei mir machen kann. Vor ein paar Wochen hat sie angefangen.«
Trotzdem musste Daniel hart bleiben, wenn er die Gesundheit seines Patienten nicht aufs Spiel setzen wollte.
»Wenn Sie keine Vertretung auftreiben können, bleibt Ihnen wohl nichts anderes übrig, als die Praxis zu schließen und Ihre Auszubildende bei einem Kollegen unterzubringen«, konstatierte er und machte damit klar, dass die Gesundheit seines Patienten wichtiger war als ein paar Euro mehr oder weniger in der Kasse. Wichtiger als ein paar enttäuschte Patienten. Und sogar wichtiger als eine Auszubildende.
Hätte Daniel mehr über die Hintergründe gewusst, hätte er möglicherweise anders gedacht. So aber blieb ihm keine Wahl.
Bis das Narkotikum wirkte, blieb ihm Zeit für die notwendigen Vorbereitungen und er ging geschäftig im Behandlungszimmer hin und her.
»Außer, Sie verzichten auf eine Behandlung und gehen dafür das Risiko einer Sehnenscheidenentzündung der Beugesehnen, einer Weichteilentzündung des Handrückens oder einer eitrigen Gelenkentzündung ein. Das ist natürlich Ihre Entscheidung. Ich möchte Sie nur darauf aufmerksam machen, dass Sie dann unter Umständen noch viel länger ausfallen.«
Der Tierarzt wusste, dass der Kollege Norden recht hatte. Trotzdem schluckte er hart. Wie sollte er nur diese Probleme lösen? Mehrfach hatte er in der Vergangenheit versucht, eine Vertretung zu finden, um wenigstens ein paar Tage Urlaub machen zu können. Bisher vergeblich.
»Da bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als meine Tochter Cora zu fragen«, seufzte Holger schließlich.
Inzwischen lag er auf dem Rücken auf der Behandlungsliege, einen Arm unter dem Kopf, während Dr. Norden den anderen behandelte.
»Ist Ihre Tochter Veterinärin?«, fragte er überrascht. Das hatte er bisher nicht gewusst, da Dr. Wunderlich nur höchst selten über Privates sprach.
Diesmal machte er jedoch eine Ausnahme.
»Cora arbeitet seit vielen Jahren an einer Kölner Tierklinik. Leider haben wir in letzter Zeit nicht besonders viel Kontakt. Jeder ist so mit seinem Alltag beschäftigt, da bleibt nicht viel Zeit für die Familie«, bedauerte er die Situation ganz offensichtlich.
Daniel nickte nachdenklich.
»Wie sagte schon ein amerikanischer Top-Unternehmer: Ja, ich habe Karriere gemacht. Aber neben meiner Familie erscheint sie mir unbedeutend.«
»Was für ein weiser Satz«, seufzte Holger Wunderlich. »Leider ist mir diese Wahrheit erst aufgefallen, als meine Frau Cora und mich verlassen hat, um mit einem anderen Mann zu leben.«
Er biss sich auf die Lippe. Die alte Wunde schmerzte immer noch. »Ich hatte einfach zu wenig Zeit für sie.«
»Manche Einsichten kommen zu spät«, bedauerte Daniel zutiefst. »Aber dafür hält das Leben manchmal eine zweite Chance bereit.«
Nachdem er die Wunden sorgfältig ausgeschnitten und vernäht hatte, schnitt er mit einer kleinen Schere den schwarzen Faden ab und machte sich daran, die Verletzung zu verbinden. Am Ende konnte Holger Wunderlich einen ansehnlichen Verband vorweisen, den er in einer Schlinge vor sich hertrug.
»Cora wird nicht gerade begeistert sein, wenn sie wegen mir Urlaub einreichen muss«, erklärte Holger mit einem besorgten Blick auf seinen Arm. Er stand schon an der Tür und war im Begriff, das Sprechzimmer zu verlassen.
»Ist es möglich, dass Sie zu pessimistisch sind?«, fragte Daniel Norden besorgt. So deprimiert kannte er den Tierarzt nicht.
Holger zuckte ratlos mit den Schultern.
»Mag sein, dass mir mein Leben momentan über den Kopf wächst.«
»Dann ist diese Zwangspause vielleicht ein Wink des Schicksals. Eine Möglichkeit, sich Zeit zu nehmen, um darüber nachzudenken, was schiefläuft«, gab Dr. Norden seinem Patienten mit auf dem Weg, während sie Seite an Seite zu Wendy gingen, um einen neuen Termin zu vereinbaren.
Als das geschehen war, verabschiedete er sich mit einem warmen Händedruck. »Wenn Sie mich brauchen, bin ich immer für Sie da«, versicherte er und sah zu, wie der große grauhaarige Mann die Praxis verließ.
Mit einem großen Papiertuch wischte Fanny Kiau über die mit Desinfektionsmittel benetzte Oberfläche des Behandlungstisches. Sie war fast fertig mit ihrer Arbeit, als es an der Tür klingelte.
»Noch ein Patient?«, fragte sie sich mit einem Blick auf die Uhr und lief durch die verwaisten Räume der Praxis auf die Tür zu.
»Cedric!«
Ein heiteres Glucksen erfüllte ihre Kehle, als sie sich in die Arme ihres Freundes warf, der draußen stand, bewaffnet mit einem Pizzakarton und einer Flasche Limonade. Beides schwenkte er fröhlich durch die Luft, nachdem er Fanny atemlos geküsst hatte.
»Abendessen! Ich hoffe, ich bin nicht zu früh.« Er lugte an Fanny vorbei ins Wartezimmer. Keine Menschenseele war zu sehen.
»Du hast Glück. Wir mussten die Praxis heute früher schließen.«
»Was ist passiert?« Ungeniert spazierte Cedric an seiner Freundin vorbei ins Haus, das dem Tierarzt als Praxis und Wohnhaus diente.
»Wo ist der Doc?« Holger Wunderlich und Fannys Freund Cedric konnten sich gut leiden und pflegten einen freundschaftlichen Kontakt. Von einem erwachsenen Mann ernst genommen zu werden, war neu für Cedric. Sein Vater, der Bauingenieur Eric Sattler, hatte selten Zeit für seinen Sohn und interessierte sich mehr für seine zahlreichen Geschäfte denn für seine Familie. »Ist er nicht zu Hause?«
»Holger hatte einen Unfall. Er wurde von einer Monsterkatze angefallen und ist jetzt beim Arzt«, erklärte Fanny sichtlich deprimiert. »Hoffentlich ist es nicht so schlimm.« Sie waren an der Terrassentür angelangt und Cedric machte Anstalten, hinauszugehen.
»Der Ärmste.« Sein fassungsloser Blick ruhte auf dem unaussprechlichen Chaos im privaten Teil des Hauses. Nur die Praxis schien von dem Durcheinander verschont zu bleiben, das Holger im Laufe der Zeit um sich herum verbreitet hatte. »Mit der Hand im Verband wird er hier niemals Ordnung schaffen können.«
»Viel schlimmer: Mit einer kaputten Hand kann er nicht praktizieren«, dachte Fanny im Augenblick jedoch an etwas ganz anderes, während sie von Steinplatte zu Steinplatte hüpfte, die über den Rasen zu einem kleinen Haus führten, das sich in eine Ecke des großen Grundstücks schmiegte. »Und was wird dann aus mir?« Sie öffnete die Tür des spitzgiebligen Hauses, das von einer Glyzinie überwuchert war.
Cedric trat ein. Wie immer blieb er erst einmal in dem einzigen großen Raum im Erdgeschoss stehen, um die gemütliche Atmosphäre des Hauses auf sich wirken zu lassen.
»Nun steck nicht gleich wieder den Kopf in den Sand. Bisher hat es das Schicksal immer wieder gut mit dir gemeint und dir in letzter Sekunde einen Engel als Rettung geschickt«, lächelte er liebevoll, stellte seine Mitbringsel auf dem schlichten Holztisch ab und umfing Fanny mit beiden Armen.
»Ich war ja zuerst dagegen, dass du die Schule abbrichst und diese Ausbildung anfängst. Aber im Nachhinein muss ich sagen, dass die Entscheidung vielleicht doch nicht so falsch war.«
Cedric drückte Fanny an sich und übersäte ihr feines Gesicht mit zarten Küssen.
Fanny klammerte sich an ihren Freund. Am liebsten hätte sie ihn nie mehr wieder losgelassen, hätte das schreckliche Leben für immer ausgesperrt und mit Cedric in diesem Haus gelebt, weitab von jeder Wirklichkeit.
»Wir könnten zusammen hier wohnen. Holger hätte bestimmt nichts dagegen. Und groß genug ist das Haus mit den beiden Zimmern im ersten Stock auch«, flüsterte sie dicht an ihn gedrängt und saugte seine Wärme mit jeder Faser ihres Körpers auf. Seit der Flucht ihrer Mutter war sie süchtig nach Bestätigung und Sicherheit. Gleichzeitig wusste sie natürlich genau, dass das unmöglich war.
Lachend löste sich Cedric von seiner Freundin.
»Meine Mutter würde ausflippen, wenn ich ihr diesen Vorschlag machen würde. Und mein Vater erst …, nicht auszudenken.«
»Das verstehe ich sowieso nicht. Auf der einen Seite verpasst er jedes Fußballspiel deiner Mannschaft, ist bei keiner Schulfeier dabei. Und mischt sich doch in jedes Detail deines Lebens ein. Das passt nicht zusammen.«
Noch während sie sprach, fühlte Fanny, wie ihr die Eifersucht die Kehle zusammenschnürte. Wie oft hatte sie sich schon eine Mutter gewünscht, die ihr Grenzen setzte. Die Verbote aussprach und ihr dadurch zeigte, wie wichtig sie war.
»Meiner Mutter war es immer egal, was ich gemacht habe. Ich war ihr egal. So egal, dass sie einfach mit einem Mann auf und davon gegangen ist. Ohne auf Wiedersehen zu sagen.«
Fanny hatte den Tisch gedeckt, alte Teller mit Blümchen und Goldrand, dazu verschnörkeltes, angelaufenes Silberbesteck und Kristallgläser mit altmodisch geätztem Muster. Doch als sie jetzt vor der duftenden Pizza saß, war ihr plötzlich der Appetit vergangen.
»Nicht daran denken!«, erklärte Cedric sanft, und überspielte seinen Unwillen geschickt. Langsam, aber sicher war er dieses Thema leid. Zu oft hatte er schon mit Fanny darüber diskutiert. Hatte versucht, sie zu trösten, ihr Sicherheit zu geben, so viel er mit seinen achtzehn Jahren in der Lage dazu war.
Manchmal fühlte Cedric sich beinahe erdrückt von der Verantwortung, die ihm aufgebürdet worden war, vermisste er ihren jugendlichen Leichtsinn.
»Ich liebe dich, Fanny«, sagte er schnell, bevor diese dunklen dummen Gedanken Fuß in seinem Kopf fassen konnten. »Mir ist es nicht egal, was du tust. Und jetzt will ich, dass du was isst. Wenn du so weitermachst, bist du bald nur noch Haut und Knochen.«
Über den Tisch hinweg warf Cedric seiner Freundin einen kritischen Blick zu.
Fanny ahnte, was in ihm vorgehen mochte, und fürchtete sich davor. Tapfer nahm sie das Besteck zur Hand und schnitt ein winziges Stück Pizza ab.
»Ich weiß auch nicht, was in letzter Zeit mit mir los ist. Wahrscheinlich ist einfach alles zu viel. Zuerst der Schulabbruch, weil Mama wollte, dass ich Geld verdiene. Dann ihr Verschwinden.« Obwohl ihr leicht übel wurde, kaute sie tapfer und trank einen Schluck süße Limonade.
Cedric hingegen war wie immer mit einem Bärenappetit gesegnet.
»Es wird Zeit, dass du mal wieder was Tolles erlebst. Am Wochenende gibt Saskia eine Party. Ihr Freund Tom hat mich eingeladen und ich möchte, dass du mich begleitest.«
Fanny schluckte. Vor ein paar Wochen hätte Saskia sie noch persönlich zu seiner Feier eingeladen. Damals, als sie selbst Schülerin am Gymnasium war, die Beste ihres Jahrgangs. Jetzt war alles anders. Sie gehörte nicht mehr dazu und wäre überflüssig wie ein Gepäckstück. Rasch schob sie den Gedanken beiseite. Sie war es Cedric schuldig, fröhlich zu sein.
»Toll. Ich geh sehr gerne mit.«
»Es ist aber eine Kostümparty«, plauderte Cedric unbeschwert weiter und steckte ein unglaublich großes Stück Pizza in den Mund. »Keine Ahnung, warum das sein muss. Er findet es wohl spaßig.«
»Eine Kostümparty?« Vor Schreck hätte sich Fanny beinahe verschluckt. »Welches Motto?«
»Mr. und Mrs. Smith. Ich werd meinen Smoking aus dem Schrank holen. Und dann du im Abendkleid dazu«, sein begehrlicher Blick fiel auf Fannys zarte, schlanke Figur, »und wir werden die Stars des Abends sein.«
Er sah so glücklich aus, als er die Hand nach ihr ausstreckte und ihr verliebt über die Wange streichelte, dass Fanny es nicht übers Herz brachte, ihn zu enttäuschen. Cedric hatte so viel für sie getan, da würde sie doch wohl irgendwo ein Abendkleid auftreiben.
»Ich kann es kaum erwarten.« Nach einem weiteren Bissen schob Fanny den Pizzateller von sich.
