Leidenschaft, die mich verbrennt - Miranda Lee - E-Book

Leidenschaft, die mich verbrennt E-Book

Miranda Lee

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Beschreibung

Ein kurzer Blick in das Juweliergeschäft in Sydney, und das Schicksal von Ex-Formel-Eins-Weltmeister Royce Grantham ist besiegelt: Er sieht den unermesslich wertvollen Opal "The Heart of Fire" - und eine bildschöne junge Frau, der er von der ersten Sekunde an verfällt. Er will sie kennenlernen, sie haben, sie nie wieder von sich lassen! Doch Melanie hat sich nach dem tragischen Ende ihrer Ehe geschworen, Männern für immer aus dem Weg zu gehen. Eine Herausforderung für Royce!

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Seitenzahl: 237

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IMPRESSUM

Leidenschaft, die mich verbrennt erscheint in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH, Hamburg

Redaktion und Verlag: Postfach 301161, 20304 Hamburg Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0 Fax: +49(0) 711/72 52-399 E-Mail: [email protected]
Geschäftsführung:Katja Berger, Jürgen WelteLeitung:Miran Bilic (v. i. S. d. P.)Produktion:Christina SeegerGrafik:Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Foto)

© by Miranda Lee Originaltitel: „Passion & The Past“ erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe JULIA, Band 1175

Umschlagsmotive: Harlequin Books S.A., Getty Images / -M-I-S-H-A-

Veröffentlicht im ePub Format in 2/2022

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783751513685

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:BACCARA, BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, TIFFANY

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1. KAPITEL

Ein Blick auf den großen schwarzen Opal in der Schaufensterauslage genügte, und Royce wusste, dass er ihn haben musste.

So war er immer schon gewesen. Schnell entschlossen, zielstrebig und unbeirrbar, was die Verwirklichung seiner Wünsche und Ziele betraf. Mit zehn Jahren wollte er Go-Cart-Meister der englischen Midlands werden. Mit vierzehn war er es. Mit neunzehn machte er sich daran, die Weltmeisterschaft in der Formel Eins anzustreben.

Diesmal allerdings kostete es ihn dreizehn Jahre, sein hoch gestecktes Ziel zu erreichen. Dreizehn lange, harte, gefährliche Jahre. Im darauf folgenden Jahr hatte er sich den Weltmeistertitel noch einmal geholt, um dann die Motorsportwelt mit der Ankündigung seines Rücktritts vom Rennsport zu überraschen. Was aber hätte es ihm gebracht, weiterzumachen? Er hatte sich der Herausforderung gestellt, sein Ehrgeiz war befriedigt. Zeit, sich ein neues Ziel zu suchen.

Das alles lag jetzt achtzehn Monate zurück, in denen er die Welt bereist hatte, um sich in Ruhe alle jene Orte anzusehen, die er aus der Perspektive des Formel-Eins-Pilots nie wirklich kennen gelernt hatte. Überdies hatte er sich zum Sammler schöner und wertvoller Objekte entwickelt. Ganze Wagenladungen von Schätzen hatte er bereits nach Hause geschickt, um damit die sechzig Zimmer des Herrenhauses aus dem achtzehnten Jahrhundert auszustatten, das er vor zwei Jahren in Yorkshire erworben hatte. Dorthin wollte er bald zurückkehren.

Jetzt, da er nicht länger seinen Hals auf der Rennstrecke riskierte, glaubten viele seiner Freunde, er würde vielleicht heiraten und eine Familie gründen. Aber Heirat hatte nie an erster Stelle auf Royces Wunschliste gestanden, und daran würde sich auch in Zukunft nichts ändern.

Den Blick auf den Opal im Schaufenster gerichtet, schweiften seine Gedanken ab. Wie mochten die australischen Frauen sein? Er hatte noch keine Zeit gehabt, eine kennen zu lernen. Erst tags zuvor war er nachmittags in Sydney gelandet und mit einem Mietwagen direkt vom Mascot Airport zum Regency Hotel gefahren. Dort hatte er sich erst einmal ausgeschlafen und nach einem ausgiebigen Brunch am späten Vormittag einen Stadtbummel gemacht. Als er bei seiner Rückkehr ins Hotel an den Läden im Foyer vorbeigeschlendert war, hatte der Opal im Schaufenster seine Aufmerksamkeit erregt.

Royce studierte die Tafel auf der Sicherheitsglasvitrine, in der der Edelstein präsentiert wurde.

„,Heart of Fire‘. Ein seltener und kostbarer, feuriger schwarzer Opal von 1260 Karat. Wird anlässlich des Jahresballs von Whitmore Opals am Freitag, dem 21. Juli, im Ballsaal des Regency Hotels als ungeschliffenes Sammlerstück versteigert. Eintrittskarten für den Ball können hier oder in der Whitmore Opals-Filiale auf den Rocks erworben werden. Die Ballkönigin erhält als Preis einen herrlichen massiven Opalanhänger im Wert von zehntausend Dollar.“

Eine Auktion am einundzwanzigsten Juli. Das war noch über einen Monat, und bis dahin wollte er längst in Melbourne sein. Er hatte jedoch die Erfahrung gemacht, dass es oft möglich war, schon im Vorfeld einer Auktion ein Gebot abzugeben. Ja, er würde dem Chef von Whitmore Opals einfach ein Angebot machen, das dieser nicht ausschlagen konnte.

Royce überlegte gerade, wer der Chef von Whitmore Opals war und wie viel er ihm würde bieten müssen, als eine Frau in dem Laden seine Aufmerksamkeit erregte … eine Frau mit schwarzem Haar, dunklen Augen, einem Teint wie Porzellan und einem Gesicht, das dem Gemälde eines alten italienischen Meisters entliehen schien. Sie unterhielt sich mit einer der Verkäuferinnen und zeigte ihr etwas in einer Einkaufstüte.

Wie verzaubert betrachtete Royce ihr wunderschönes, aber ernstes Gesicht. Vor allem die Augen spiegelten eine tiefe Traurigkeit wider. Er dachte gerade, noch nie eine derart anrührende Mischung aus Schönheit und Trostlosigkeit gesehen zu haben, als die Frau lächelte, ein so strahlendes und überraschend sinnliches Lächeln, dass Royces männliche Instinkte auf der Stelle reagierten. Der Opal war vergessen, verdrängt von einem wesentlich mächtigeren, ursprünglichen Begehren.

Erregt beobachtete Royce die schöne Unbekannte durch das Schaufenster, während sein Verstand fieberhaft nach einem Weg suchte, sie kennen zu lernen. Sein Blick glitt begehrlich über ihr makelloses Gesicht, die elegante Linie ihres Halses, den vollen, sinnlichen Mund. Warum in aller Welt versteckte eine so schöne Frau ihren Körper unter derart hässlicher Kleidung? Dieser triste grüne Trenchcoat war einfach grässlich, und das schwarze Kleid darunter wirkte genauso unförmig und plump wie die flachen schwarzen Gesundheitsschuhe.

Schwarz war eine Farbe, die Royce an Frauen allenfalls bei den Dessous reizte. Diese Frau hätte er in Purpurrot, Smaragdgrün oder Pfauenblau gekleidet und ihre zarten Fesseln mit hochhackigen zierlichen Sandaletten geschmückt.

Verdammt, sie stand im Begriff, den Laden zu verlassen!

Geistesgegenwärtig sprang Royce vor, so dass er mit der Frau vor der Ladentür zusammenprallte.

„Verzeihen Sie. Ich bin untröstlich“, entschuldigte er sich und griff unter ihren Ellbogen. „Alles in Ordnung?“

„Ja, danke“, erwiderte sie kühl.

Von nahem betrachtet war sie noch hinreißender. Sein Verlangen nach ihr wuchs. Erleichtert stellte er fest, dass sie keinen Ring trug, denn verheiratete Frauen waren für ihn tabu. „Ich hätte besser aufpassen müssen. Darf ich Sie als Wiedergutmachung zu einem Kaffee einladen?“

Sie blickte zu ihm auf. Bestürzt bemerkte Royce das Aufblitzen von Furcht in den unergründlichen Tiefen ihrer dunklen Augen. Was hatte sie in seinem Gesicht gesehen, um so zu reagieren? Hatte sein gewinnender Charme nicht über seine begehrlichen Absichten hinwegtäuschen können?

„Nein, danke“, flüsterte die Unbekannte stockend. „Ich … muss gehen.“ Im nächsten Moment eilte sie durch das Foyer, verließ das Hotel und bestieg eines der wartenden Taxis. Sie war fort, ehe Royce sich die Nummer des Taxis merken konnte.

„Verdammt!“ Er hasste es zu verlieren, selbst wenn es sich nur um eine flüchtige Laune handelte.

Eine flüchtige Laune? Das wurde der Leidenschaft, die ihn beim Blick in diese verführerischen dunklen Augen übermannt hatte, wohl nicht gerecht. Was hätte er darum gegeben, nicht Furcht, sondern lustvolle Ekstase darin aufleuchten zu sehen!

Plötzlich kam ihm eine Idee. Kurz entschlossen machte er kehrt und betrat die Filiale von Whitmore Opals.

Gemma war in Gedanken noch ganz bei Melanies unerwartetem Besuch, als ein dezentes Räuspern sie aufschreckte. Jemand hatte den Laden betreten, ein gut aussehender Mann mit einem markanten Gesicht und auffallend blauen Augen.

„Verzeihen Sie, Miss.“ Sein Akzent war unverkennbar britisch. „Die Dame, mit der Sie eben sprachen, die mit dem schwarzen Haar … ich bin sicher, dass ich sie kenne. Ist sie zufällig Engländerin?“

„Melanie? Nein, nein, sie ist Australierin. Zumindest glaube ich es.“

Gemma verstummte nachdenklich, denn ihr wurde plötzlich bewusst, wie wenig sie von Melanie wusste, außer dass sie schon länger als Haushälterin auf Belleview arbeitete und vor Jahren auf tragische Weise ihren Ehemann und ihr Baby durch einen Autounfall verloren hatte.

„Sie kennen die Dame demnach persönlich?“, wollte der englische Tourist von ihr wissen.

Gemma lächelte. „Ja, allerdings. Sie arbeitet für meinen Schwiegervater.“

„Ihren Schwiegervater?“ Er sah sie forschend an. „Sie sehen viel zu jung aus, um schon verheiratet zu sein.“

„Aber sie ist verheiratet“, ließ sich eine männliche Stimme vernehmen.

„Nathan!“ Gemmas Freude beim unerwarteten Anblick ihres attraktiven Ehemannes erfuhr sofort einen Dämpfer, als sie den finsteren Blick bemerkte, mit dem Nathan den Fremden bedachte. Glaubte er etwa, der Engländer habe mit ihr geflirtet?

„Das ist … mein Mann“, sagte sie verunsichert. Es war nicht das erste Mal, dass Nathan sie mit seiner übertriebenen Eifersucht in Verlegenheit brachte. Anfangs hatte sie sich dadurch noch geschmeichelt gefühlt, aber inzwischen störte es sie immer mehr.

„Nathan Whitmore“, sagte Nathan kühl und reichte dem Fremden die Hand.

„Angenehm. Royce Grantham.“

„Dachte ich mir doch, dass Sie es sind“, erwiderte Nathan alles andere als begeistert. „Verraten Sie mir, was sucht der große Royce Grantham an diesem Ende der Welt?“

Erstaunt betrachtete Gemma den Fremden genauer. Weder der Name noch das Gesicht sagten ihr etwas. Was nicht verwunderlich war. Sie war noch nicht lange in Sydney, und in den zwei Monaten, seit sie in der Filiale von Whitmore Opals arbeitete, war ihr erst richtig bewusst geworden, wie weltfremd sie auf den Opalfeldern draußen im Busch aufgewachsen war. Das Regency Hotel galt in Sydney als Mekka für Berühmtheiten auf der Durchreise, und natürlich kamen sie auch als Kunden in den Laden. Gemma erkannte sie nie und wurde deswegen von ihren Kolleginnen oft geneckt.

„Ich mache Urlaub“, antwortete Royce Grantham gelassen. „Gerade erst bin ich in Ihrer schönen Stadt angekommen und habe begonnen, die Sehenswürdigkeiten zu bewundern.“

„Das habe ich bemerkt.“

Gemma wäre bei Nathans zweideutigem Kommentar am liebsten im Boden versunken, aber Royce Grantham wirkte unbeeindruckt. „Der herrliche Opal im Schaufenster hat mein Interesse erregt. Ich wollte mich danach erkundigen.“

Unwillkürlich sah Gemma ihn an. Das war eine Lüge, oder zumindest nicht die ganze Wahrheit. Denn zu allererst hatte Royce Grantham sie nach Melanie ausgefragt.

„Leider werde ich nicht mehr hier sein, wenn die Auktion stattfindet“, fuhr er fort. „Ist es richtig, dass Sie der Inhaber von Whitmore Opals sind, Mr Whitmore?“

„Nein, das bin ich nicht.“

Da Nathan keine Anstalten machte, eine weitere Erklärung hinzuzufügen, sprang Gemma ein. „Whitmore Opals gehört dem Vater meines Mannes“, sagte sie rasch. Nathans Unhöflichkeit war ihr ungemein peinlich. Sie hasste es, wenn er sich so benahm. Glücklicherweise schien Mr Grantham nicht verärgert. Überhaupt machte er nicht den Eindruck eines Mannes, der leicht zu verunsichern war.

„Der Schwiegervater, von dem Sie sprachen?“, fragte er.

„Genau. Mr Byron Whitmore.“

„Und wo kann ich ihn finden?“

Gemma nahm eine der Geschäftskarten aus dem Ständer auf der Ladentheke und reichte sie Royce mit einem besonders freundlichen Lächeln. „Die Hauptverwaltung von Whitmore Opals ist nicht weit von hier. Byron ist normalerweise mindestens bis fünf in seinem Büro. Sollten Sie ihn aber nicht antreffen, fragen Sie nach Jade, seiner Tochter, oder nach Mr Kyle Armstrong. Er ist der Marketingdirektor.“

Der Engländer erwiderte ihr Lächeln. „Vielen Dank, Mrs Whitmore. Sie waren sehr liebenswürdig. Mr Whitmore.“ Er nickte Nathan kurz zu und verließ den Laden.

„Ich dachte, ich schau mal herein und überrasche dich mit einer Einladung zum Mittagessen“, sagte Nathan, nachdem Royce fort war. „Wie es aussieht, bin ich gerade rechtzeitig aufgetaucht.“

Gemma sah ihn verärgert an. „Was soll das heißen?“

Er seufzte gereizt. „Hol deinen Mantel, Gemma. Ich möchte nicht vor anderen Leuten mit dir streiten.“

Gemma schaute sich um und bemerkte, dass ein paar Kunden bereits neugierige Blicke in ihre Richtung warfen, während ihre Kolleginnen den Wortwechsel taktvoll ignorierten. Rasch eilte Gemma ins Hinterzimmer und holte ihren Mantel und ihre Tasche.

„Ich gehe essen“, sagte sie, als sie an den beiden anderen Verkäuferinnen vorbeikam. „Gegen zwei bin ich zurück.“

Sobald sie und Nathan das Hotel verlassen hatten, ließ sie ihrer Empörung freien Lauf. „Du hattest keinen Grund, diesem Mann so unhöflich zu begegnen, Nathan!“

„Oh doch, den hatte ich.“ Er fasste Besitz ergreifend ihren Arm. „Vermutlich wirst du mir jetzt erzählen, dass du keine Ahnung hast, wer Royce Grantham ist.“

„Das habe ich wirklich nicht. Ich weiß von diesem Gentleman lediglich, dass er Engländer ist.“

„Er ist kein Gentleman. Nicht im Entferntesten.“

„Du kennst ihn also?“

„Ich habe über ihn gelesen.“

„Was ist er denn? Ein Filmstar oder so etwas?“

Nathan lachte abfällig. „Oder so etwas trifft es ziemlich genau. Er ist zweifacher Formel-Eins-Weltmeister und steht in dem Ruf, der halsbrecherischste, rücksichtsloseste Fahrer aller Zeiten zu sein.“

„Ach ja? Und was hat das mit mir zu tun?“

„In Beziehung auf Frauen gilt er als nicht minder rücksichtslos. Er ist ein Weiberheld der schlimmsten Sorte, und ich will nicht, dass er um meine Frau herumscharwenzelt.“

Meine Frau! Allmählich begann Gemma es zu hassen, wie Nathan das sagte. Sie hatte einen Namen. Sie war eine Person, kein Besitz!

„Du hast das völlig missverstanden, Nathan“, erklärte sie und seufzte. „Mr Grantham war überhaupt nicht an mir interessiert. Wenn du es unbedingt wissen willst, er kam in den Laden, um sich nach Melanie zu erkundigen.“

„Melanie?“

„Ja, sie war vorbeigekommen, um mir ihr Verlobungsgeschenk für Jade und Kyle zu zeigen und uns an das Abendessen zu erinnern, das Byron für die beiden heute Abend gibt. Offenbar hatte Mr Grantham Melanie durch das Schaufenster bemerkt und glaubte, sie zu kennen.“

„Du meine Güte, Gemma, bist du wirklich auf diesen uralten Trick hereingefallen? Natürlich wollte er dich kennen lernen. Als ob irgendein Mann Melanie auch nur eines Blickes würdigen würde, wenn ein so bezauberndes Geschöpf wie du in der Nähe ist. Gütiger Himmel!“ Nathan blieb stehen und betrachtete Gemma halb ärgerlich, halb besorgt. „Darling, wann wirst du endlich einsehen, wie verdorben diese Welt ist?“

„Ich hasse es, wenn du so redest, Nathan“, wehrte Gemma ab. „Es war immer meine Überzeugung, dass die meisten Menschen im Grunde gut sind, und ich möchte daran festhalten. Bitte versuch nicht, mich zu verändern.“

Sein Blick war so voller Liebe, dass Gemma dahinschmolz. In solchen Momenten vergab sie ihm alles, auch seine übertriebene Eifersucht und seinen Zynismus. „Als ob ich mir je wünschen würde, dich zu verändern, Darling“, flüsterte er und küsste sie zärtlich auf den Mund. Als sein Kuss jedoch leidenschaftlicher wurde, wich Gemma zurück.

„Nathan, wir sind mitten auf der Straße!“

„Na und?“

„Macht es dir Spaß, mich in Verlegenheit zu bringen?“

„Vielleicht möchte ich mich nur vergewissern, dass man dich immer noch in Verlegenheit bringen kann“, entgegnete er rätselhaft. „Komm, lass uns essen gehen. Dabei kannst du mir ja von Melanies Ausflug in die Stadt erzählen. Soweit ich weiß, verlässt diese Frau Belleview doch nur, um sonntags ihren Bruder zu besuchen.“

Melanie bezahlte das Taxi und eilte ins Haus, froh, wieder zurück auf Belleview zu sein.

Dieser schreckliche Kerl! dachte sie. Sich auf diese abgedroschene Weise an sie heranzumachen! Hatte er sich im Ernst eingebildet, sie wisse nicht, worauf er aus war? Typen wie ihm war sie schon zuhauf begegnet!

Aber das war nicht das Schlimmste. Was sie wirklich beunruhigte, war das Gefühl, das dieser Mann für den Bruchteil einer Sekunde in ihr geweckt hatte. Während der Taxifahrt hatte sie diese unbequeme Erkenntnis mit Hilfe von Zorn und Empörung noch verdrängt. Nun aber, da sie allein war, konnte sie die Wahrheit nicht länger verleugnen.

Ja, sie hatte den Mann auf Anhieb attraktiv gefunden. Ja, sein unverhüllter Annäherungsversuch hatte ihr geschmeichelt. Ja, sie war für einen Moment versucht gewesen, mit ihm einen Kaffee zu trinken und vielleicht sogar mehr …

Entsetzt stöhnte sie laut auf. Sie war sich so sicher gewesen, dass es nie wieder einem Mann gelingen würde, derartige Gefühle in ihr zu wecken, dass dieser Teil ihres Lebens zusammen mit ihrem Mann und ihrem Baby gestorben sei. Nach ihren traumatischen Erfahrungen mit Joel wollte sie mit Männern nichts mehr zu tun haben, und in den vergangenen Jahren hatte sie auch nicht ein einziges Mal Anlass gehabt, an ihrer Überzeugung zu zweifeln, dass sie den Rest ihres Lebens in einem leidenschaftslosen Vakuum verbringen würde.

Bis zu diesem Tag …

Die Erinnerung an das markante Gesicht und die aufregenden blauen Augen des Mannes ließ sie erschauern. Sie klammerte sich an die Hoffnung, dass es sich um eine einmalige Verirrung gehandelt habe, die sich nicht wiederholen würde. Immerhin lebten in Sydney vier Millionen Menschen, und da sie, Melanie, Belleview nur selten verließ, brauchte sie sich wirklich keine Sorgen zu machen, diesem Mann noch einmal über den Weg zu laufen. Überdies hatte er einen britischen Akzent gehabt. Bestimmt war er nur ein Tourist auf der Durchreise.

Mit diesen vernünftigen Überlegungen ebbte ihre Panik allmählich ab. Immer noch ein wenig zittrig durchquerte sie das große Marmorfoyer von Belleview. Als sie aber an dem vergoldeten venezianischen Spiegel vorbeikam, blieb sie beim Anblick ihres Spiegelbildes wie erstarrt stehen.

Ihre Wangen waren tief gerötet, ihre dunklen Augen glühten. War das wirklich sie, Melanie?

Entsetzt ließ sie die Handtasche auf die Marmorkonsole unter dem Spiegel fallen und schlug die Hände vors Gesicht.

„Melanie! Geht es Ihnen nicht gut?“

Nur mit größter Anstrengung gelang es Melanie, sich zu fassen. Als sie sich zu der rundlichen Frau herumdrehte, die in diesem Moment die weitläufige Marmortreppe herunterkam, trug ihr Gesicht wieder jene unnahbare Gleichgültigkeit zur Schau, hinter der sie sich für gewöhnlich versteckte.

„Ach, ich habe nur meine Tage bekommen“, schwindelte sie rasch. „In ein, zwei Stunden fühle ich mich wieder besser.“

„Sie hätten nicht in die Stadt fahren sollen“, sagte Ava mitfühlend. „Ich hätte doch die nötigen Besorgungen für Sie erledigen können. Oh je …“

Melanie zuckte zusammen, als Ava auf der untersten Stufe der Treppe ausrutschte und fast der Länge nach hingeschlagen wäre. Im letzten Moment bekam sie das Geländer zu fassen und konnte sich noch abfangen. Ava Whitmore, fast dreißig und entschieden zu pummelig, war das ungeschickteste Wesen, das Melanie kannte. Kaum ein Tag verging, an dem sie nicht stürzte, mit jemandem zusammenprallte oder irgendetwas zerbrach.

Nicht zum ersten Mal empfand Melanie Mitleid mit der viel jüngeren, einzigen Schwester ihres Arbeitgebers. Was war das für ein Leben, das sie in ihrem goldenen Käfig führte? Den ganzen Tag malte sie oben im Atelier an Aquarellen, die sie nie vollendete, und die Abende vertrieb sie sich vor dem Fernseher mit rührseligen Liebesfilmen. Ava war nie berufstätig gewesen und hatte auch nie eine ernsthafte Beziehung gehabt. Nachdem Byron in der Vergangenheit anscheinend ein paar Mitgiftjäger vertrieben hatte, litt seine kleine Schwester unter Minderwertigkeitskomplexen und neigte dazu, sich aus der Realität in romantische Fantasien zu flüchten.

Dabei war sie eine so liebenswerte, warmherzige Frau, die dem richtigen Mann sehr viel hätte geben können. Mit ihren schönen blauen Augen und dem hübschen Mund war sie durchaus attraktiv, wenn sie nur ein paar Pfunde verloren und ihr von Natur aus braunes Haar nicht in diesem grässlichen Rotblond gefärbt hätte.

Es war die pure Ironie, dass Melanie sich für Ava wünschte, was sie selbst als einen höchst zweifelhaften Weg zum Glück kennen gelernt hatte. War es nicht viel sicherer, sich wie Ava in einen Elfenbeinturm zurückzuziehen, anstatt seine Zukunft in die Hände eines Mannes zu legen? Melanie war nicht halb so verletzlich wie Ava, und dennoch hatte der Mann, dem sie vertraut und den sie geliebt hatte, letztendlich ihr Leben zerstört und es ihr unmöglich gemacht, je wieder einem Mann Vertrauen und Liebe entgegenzubringen.

Sie war überzeugt gewesen, dass sie nach der Erfahrung mit Joel unfähig sei, noch in irgendeiner Weise auf einen Mann zu reagieren. Anscheinend hatte sie sich gründlich geirrt, wie sie mit neuerlichem Entsetzen erkannte.

„Ich glaube, Sie sollten mit mir in die Küche kommen“, schlug Ava vor und ergriff mit ganz untypischer Entschiedenheit Melanies Arm. „Ich mache uns einen Tee.“

Kurze Zeit später saß Melanie an der Frühstücksbar. In ihrer linkischen, umständlichen Art bereitete Ava den Tee zu, wobei sie unweigerlich den Zucker verschüttete und einen Becher fallen ließ, der glücklicherweise heil blieb.

Schließlich aber war der Tee fertig. Ava holte sich noch ein paar Schokoladenkekse dazu und setzte sich ebenfalls auf einen der Hocker.

„Was halten Sie davon, dass Jade und Kyle Armstrong sich so rasch verlobt haben, Ava?“, fragte Melanie. „Ganz zu schweigen davon, dass sie bereits zu ihm gezogen ist.“

„Ach, die jungen Leute von heute haben es verlernt zu warten“, erwiderte Ava. „Aber ich gönne Jade ihr Glück. Sie hatte es nicht leicht. Wenn man allein bedenkt, wie zuletzt ihre Mutter bei diesem Bootsunfall ums Leben kam.“

„Das stimmt“, pflichtete Melanie höflich bei, wenngleich sie insgeheim dachte, dass Jade ohne ihre Mutter entschieden besser dran war. Byrons verstorbene Frau Irene war eine intrigante, neurotische Frau gewesen, die glücklicherweise mehr Zeit in Sanatorien verbracht hatte als zu Hause bei ihrem Mann und ihrer Tochter. Melanie hatte es wütend gemacht, mit ansehen zu müssen, wie eine Mutter keine Gelegenheit ausließ, die eigene Tochter schlecht zu machen. Gott sei Dank besaß Jade Mut, Zähigkeit und ihren eigenen Kopf, sonst wäre sie unter Irenes fortwährender Kritik und ihrem beißenden Sarkasmus zu Grunde gegangen.

Was Jades Vater betraf … Byron Whitmore war ein anmaßender, tyrannischer Familienpatriarch vom alten Schlag. Jades wilde Eskapaden in ihrer Teenagerzeit hatten ihn völlig überfordert, er hatte nicht begriffen, wogegen sie rebellierte. Nach Melanies eigenen Beobachtungen hatte Irene es immer schlau verstanden, vor Byron zu verbergen, was ihre Tochter unter ihr zu leiden hatte. Kein Wunder, dass das Mädchen auf der Suche nach Liebe aus ihrem Elternhaus geflohen war.

Ja, auch Melanie gönnte Jade das Glück, das ihr in Gestalt von Kyle Armstrong begegnet war. Bei dem neuen Marketingdirektor von Whitmore Opals hatte sie die starke Hand und die Liebe gefunden, die sie brauchte. Vor allem aber schien er sie von ihrer unseligen Schwärmerei für ihren Adoptivbruder Nathan geheilt zu haben, denn Nathan war kein Mann für ein junges Mädchen.

Unwillkürlich dachte Melanie an die erst kürzlich stattgefundene Heirat von Nathan und Gemma. Von dem Tag an, als Nathan Gemma vor wenigen Monaten nach Belleview gebracht hatte, war das Mädchen unsterblich in ihn verliebt gewesen. Kein Wunder, denn Nathan sah unwahrscheinlich gut aus und erinnerte in seinem Äußeren an den jungen Robert Redford. Gerade zwanzig und draußen im Busch fern von der Welt aufgewachsen, war Gemma den Verführungskünsten eines skrupellosen Lebemannes nicht gewachsen gewesen.

Was Melanie – und alle anderen – nicht erwartet hatten, war, dass Nathan das Mädchen tatsächlich heiraten würde. Nach seiner Scheidung von Lenore Langtry vor zwei Jahren hatte er geschworen, nie wieder zu heiraten. Kirsty, seine halbwüchsige Tochter, hatte sehr verletzt auf seine Wiederheirat reagiert, denn sie hatte insgeheim die Hoffnung gehegt, ihre Eltern könnten sich noch einmal versöhnen. Wenn man jedoch dem glauben wollte, was Melanie von Ava gehört hatte, hatten Lenore und Nathan sich nie geliebt.

„Ich gebe der Ehe von Kyle und Jade eine weitaus größere Erfolgschance als der von Nathan und Gemma“, bemerkte Ava unvermittelt, als habe sie Melanies Gedanken gelesen.

„Vermutlich, allein wegen des Altersunterschieds“, pflichtete Melanie ihr bei. „Fünfzehn Jahre im Gegensatz zu sechs oder sieben. Wie alt ist Kyle genau?“

„Achtundzwanzig, glaube ich.“

„Andererseits“, überlegte Melanie, „als ich Gemma heute in der Stadt besucht habe, wirkte sie sehr glücklich.“

„Es ist ja erst wenige Wochen her. Warten Sie, bis die Flitterwochen vorüber sind und Nathan sein wahres Gesicht zeigt.“

Diese ungewohnt scharfen Worte ließen Melanie aufhorchen. War Ava vielleicht selbst einmal in Nathan verliebt gewesen? Melanie hatte ungezählte Male beobachten können, wie sein Sexappeal auf Frauen wirkte, auch wenn sie persönlich dagegen immun war. Der Mensch Nathan aber war ihr ein Rätsel geblieben. Was versteckte sich hinter dieser schönen, aber zynischen Fassade? Was für ein Mensch war er wirklich?

„Erzählen Sie mir etwas über Nathan, Ava“, bat sie und nippte an ihrem Tee. „Er war erst sechzehn, als Byron ihn adoptierte, richtig?“

„Siebzehn“, verbesserte Ava. „Und dem Wesen nach schon ein reifer Dreißiger. Was verständlich ist, bei dem Leben, das er führte. Der traurige Alltag der Straßenkinder am King’s Cross. Dieser Sumpf wirkte zerstörerisch auf seine Seele … und seinen Körper.“

Melanie blickte entsetzt auf. „Wollen Sie behaupten, dass Nathan auf den Strich gegangen ist?“

„Das nicht gerade. Ich hörte aber zufällig, wie Byron Irene erzählte, dass Nathan mit einer vierzigjährigen Frau zusammenlebte, als er ihn aufgriff. Wenn das keine Form von Prostitution ist, weiß ich es nicht.“

„Aber er war doch noch ein halbes Kind, Ava. Die Schuld lag bei der Frau und nicht bei Nathan. Überdies kann ich mir nicht vorstellen, dass Byron ihn in sein eigenes Haus gebracht hätte, wenn er von Grund auf schlecht gewesen wäre.“

„Ach, wissen Sie, Melanie, mein Bruder ist in manchen Dingen sehr blind. Er sah damals nur den Jungen in Not und fühlte sich verpflichtet, seine Seele zu retten. Fairerweise muss man Nathan lassen, dass er Byron in fast jeder Hinsicht Grund gegeben hat, stolz auf ihn zu sein. Sein Einsatz für die Firma war beispielhaft, und seine Theaterstücke haben die Welt im Sturm erobert. Weiß der Himmel, warum. Für meinen Geschmack sind sie reichlich verrückt.“

„Ich habe nie eines gesehen. Was ist so verrückt daran?“

„Die Geschichten sind grausam und gewalttätig, die handelnden Personen in einer beängstigenden, unkontrollierten Weise emotional. Nathans Stücke sind nicht unterhaltsam, sondern aufrüttelnd, beunruhigend. Ich habe mir nur eins angesehen, das hat mir gereicht.“

„Seltsam, dabei ist Nathan ein so betont beherrschter Mensch“, überlegte Melanie.

„Ja, nicht wahr?“ Ava seufzte. „Er ist mir ein Rätsel. Immerhin ist er Kirsty ein guter Vater und war wenigstens so anständig, Gemma zu heiraten. Wobei ich mich allerdings frage, ob er das nur Byron zu Gefallen getan hat.“

„Byron zu Gefallen?“

„Na ja, Sie wissen doch, was für ein Moralapostel mein Bruder sein kann, und Nathan ist es wichtig, sich die hohe Meinung, die Byron von ihm hat, zu erhalten. Natürlich hat es da in der Vergangenheit gewisse Vorfälle mit gewissen Frauen gegeben, wovon Byron nichts ahnt, und ich wäre die Letzte, die ihn darüber aufklären würde. Aber wer weiß? Vielleicht tue ich Nathan ja auch Unrecht und er hat sich geändert? Vielleicht liebt er Gemma aufrichtig. Es wäre ihr zu wünschen …“

Die beiden Frauen fielen in nachdenkliches Schweigen, das durch das Läuten des Telefons an der Wand unterbrochen wurde.

„Ich gehe ran“, bot Melanie sofort an, denn hastige Bewegungen führten bei Ava meist zu einer kleinen Katastrophe.

Am Telefon war Byron, der Melanie für das Dinner am Abend kurzfristig einen weiteren Gast ankündigte. Melanie legte den Hörer wieder auf und verdrehte die Augen.

„Das war Byron. Wie es aussieht, haben wir für die Dinnerparty heute Abend noch einen Gast mehr.“

„Ach ja? Wer ist es denn?“, fragte Ava interessiert.

„Keine Ahnung. Ein Gentleman, wie Byron sich ausdrückte. Hören Sie, Ava, wenn ich mich nicht bald rühre, wird es heute Abend gar keine Dinnerparty geben. Jedenfalls keine mit Essen.“

„Kann ich Ihnen helfen?“

„Oh … das ist wirklich lieb, Ava, aber ich glaube nicht. Rita wird später kommen, um den Tisch zu decken und beim Servieren zu helfen. Gehen Sie nach oben und machen Sie sich hübsch. Wer weiß? Vielleicht ist Byrons ‚Gentleman‘ ja ein begehrter Junggeselle.“

„Und wenn, an mich wird er keinen Blick verschwenden“, erwiderte Ava trostlos.

„Machen Sie sich nicht selber schlecht, Ava. Sie haben einem Mann viel zu bieten.“

„Nur mein Geld.“

„Das stimmt nicht. Sie sind eine sehr attraktive Frau.“

„Ich bin zu fett. Die meisten Männer stehen auf schlanke Frauen mit aufregenden Figuren.“

„Ein weiterer Beweis, was für Narren sie sind.“

Melanies unerwartet heftiger Ton ließ Ava aufhorchen. Wenn sie es recht bedachte, wirkte Melanie irgendwie verändert … innerlich aufgewühlt und erregt. Und das hatte nichts mit ihren Tagen zu tun! Nein, irgendetwas musste bei ihrem Besuch in der Stadt vorgefallen sein, das sie aufgebracht hatte.

Da Ava aber wusste, wie verschlossen Byrons Haushälterin war, fragte sie nicht weiter nach, um nicht aufdringlich zu erscheinen. Stattdessen verließ sie die Küche, um Melanies Rat zu folgen und sich für den Abend zurechtzumachen. Sie hatte sowieso nichts Besseres zu tun.

2. KAPITEL

Gegen halb sieben am selben Abend war Melanie froh, dass sie sich für ein unkompliziertes Menü entschieden hatte, denn sie war nur halb bei der Sache und stellte sich mindestens so ungeschickt an wie Ava.

Über den Grund machte sie sich nichts vor. Sie konnte den Vorfall mit dem Mann nicht aus dem Kopf bekommen.

„Zum Teufel mit ihm!“, stieß sie aus und schlug die Messerschublade krachend zu.

„Ich hoffe, Sie meinen nicht mich.“

Melanie drehte sich hastig um. Byron Whitmore hatte unbemerkt aus der Richtung der Garage die Küche betreten.

„Sie sind früh zu Hause für Freitag“, bemerkte Melanie ausweichend.

„Ich wollte mich noch duschen und umziehen, ehe Royce eintrifft. Ich habe ihn für sieben Uhr bestellt, mit anderen Worten, ich muss mich sputen. Die anderen werden erst gegen halb acht eintreffen.“ Er zog bereits die Krawatte aus, während er mit langen Schritten die Küche durchquerte. „Sorgen Sie bitte dafür, dass beide Eiskübel im Salon gefüllt sind, ja?“