Leidenschaft und Eifersucht - Patricia Vandenberg - E-Book

Leidenschaft und Eifersucht E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Nun gibt es eine Sonderausgabe – Dr. Norden Extra Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. »Es ist aus!« erklärte Nora Schulte mit bemüht fester Stimme und hielt dem verdutzten Blick ihres Freundes hartnäckig stand. »Aber warum denn so plötzlich?« erkundigte sich Eduard von Bahn überrascht. In all den vergangenen Monaten hatte er sich hartnäckig geweigert, die Veränderungen zu bemerken, die in der Beziehung zu der Unternehmerstochter Nora Schulte stattgefunden hatten. Nora indes meinte, ihren Ohren nicht zu trauen. »Das ist ja mal wieder typisch. Die ganze Zeit rede ich mir den Mund fusselig, und du hast nicht ein einziges Wort von dem verstanden, was ich dir in den vergangenen Wochen immer wieder gesagt habe.« »Dann erklär es mir eben noch einmal.« »Ich denke ja gar nicht daran. Es ist ja ohnehin nur Zeitverschwendung. Außerdem habe ich jetzt einen Termin. Vater erwartet mich, und später muss ich noch zur Vorlesung in die Uni«, erklärte Nora mit einem erleichterten Blick auf die Uhr. Sie war froh, das längst überfällige Gespräch geführt zu haben. Dennoch tat ihr Eduard leid, der wie ein begossener Pudel vor ihr stand. Rasch machte sie einen Schritt auf ihn zu und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. »Nimm es nicht so schwer. Das Leben geht weiter und ich bin mir sicher, dass du bald eine Frau finden wirst, die besser zu dir passt.« »Hast du einen anderen?«

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Seitenzahl: 118

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Dr. Norden Extra – 67 –Leidenschaft und Eifersucht

Gefühle, die bedrohlich sind

Patricia Vandenberg

»Es ist aus!« erklärte Nora Schulte mit bemüht fester Stimme und hielt dem verdutzten Blick ihres Freundes hartnäckig stand.

»Aber warum denn so plötzlich?« erkundigte sich Eduard von Bahn überrascht.

In all den vergangenen Monaten hatte er sich hartnäckig geweigert, die Veränderungen zu bemerken, die in der Beziehung zu der Unternehmerstochter Nora Schulte stattgefunden hatten.

Nora indes meinte, ihren Ohren nicht zu trauen.

»Das ist ja mal wieder typisch. Die ganze Zeit rede ich mir den Mund fusselig, und du hast nicht ein einziges Wort von dem verstanden, was ich dir in den vergangenen Wochen immer wieder gesagt habe.«

»Dann erklär es mir eben noch einmal.«

»Ich denke ja gar nicht daran. Es ist ja ohnehin nur Zeitverschwendung. Außerdem habe ich jetzt einen Termin. Vater erwartet mich, und später muss ich noch zur Vorlesung in die Uni«, erklärte Nora mit einem erleichterten Blick auf die Uhr. Sie war froh, das längst überfällige Gespräch geführt zu haben. Dennoch tat ihr Eduard leid, der wie ein begossener Pudel vor ihr stand. Rasch machte sie einen Schritt auf ihn zu und drückte ihm einen Kuss auf die Wange.

»Nimm es nicht so schwer. Das Leben geht weiter und ich bin mir sicher, dass du bald eine Frau finden wirst, die besser zu dir passt.«

»Hast du einen anderen?« nahm Eduard jedoch die Gelegenheit wahr, eine letzte Frage zu stellen.

»Es muss nicht immer ein anderer Mann kommen, damit eine Frau begreift, an den Falschen geraten zu sein«, erklärte Nora rasch, ehe sie sich endgültig abwandte und den Prokuristen der Firma ihres Vaters alleine in seinem Büro zurückließ. Kaum hatte sie die Tür hinter sich geschlossen, war sie mit den Gedanken schon bei dem Termin, der sie gleich erwartete.

»Da bist du ja, mein Kind«, wurde Nora kurz darauf mit sichtlicher Ungeduld von ihrem Vater Mathias Schulte begrüßt. Er warf einen Blick in die bereits versammelte Männerrunde. »Wir warten alle nur auf dich. Darf ich dir Mario Cornelius vorstellen? Er ist medizinischer Berater der Firma VITA-PRO und wird uns die neuesten Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der künstlichen Ernährung vorstellen. Außerdem die aktuellen Erkenntnisse über heilende Ernährung bei Hautproblemen und -erkrankungen. Anhand dieser Ergebnisse wird unsere Entwicklungsabteilung unsere Produkte optimieren.« Mathias nickte in die Runde seiner Mitarbeiter, und Nora ließ sich nach einem gemurmelten Gruß auf den für sie vorgesehen Stuhl fallen.

Die Worte ihres Vaters hatte sie wohl gehört. Doch ihre Blicke galten nur dem jungen Mediziner, der an der Stirnseite des Besprechungstisches stand und darauf wartete, mit seinem Vortrag beginnen zu können.

Auch Marios Blick hing an der blonden, schönen Unternehmerstochter und es fiel ihm sichtlich schwer, sich auf seine Präsentation zu konzentrieren. Doch er wäre kein Profi gewesen, hätte er die Situation nicht im Griff gehabt und nach wenigen Minuten war er vollkommen in sein Thema vertieft, während Nora an seinen Lippen hing und trotzdem kaum hörte, was gesprochen wurde.

»Wo kommst du um diese Zeit her, Kind?« Tadelnd schüttelte Agnes Schulte den Kopf, als ihre jüngere Tochter Marie später als gewöhnlich aus der Schule nach Hause kam. »Und wie siehst du überhaupt aus?« Erst auf den zweiten Blick bemerkte sie die Veränderung an Marie.

Die hatte mit dem Tadel gerechnet und schob trotzig das Kinn vor.

»Das ist mein Gesicht und ich kann damit machen, was ich will«, verteidigte sie das neue Piercing an ihrer Augenbraue energisch.

»Dafür brauchst du die Erlaubnis eines Erziehungsberechtigten!« schnaubte Agnes empört. »Und was sollen jetzt überhaupt die Leute denken? Immerhin ist dein Vater ein bekannter Unternehmer in diesem Stadtviertel. So eine Schmach kannst du ihm nicht antun.«

»Erstens bin ich achtzehn und kann glücklicherweise endlich tun und lassen, was ich will. Und zweitens ist es mein Leben und nicht eures. Wenn ich euch peinlich bin, kann ich ja ausziehen.«

»Ohne abgeschlossene Berufsausbildung? Kommt überhaupt nicht infrage. Ich habe dich nicht großgezogen, damit du am Ende unter der Brücke landest«, seufzte Agnes bedrückt. »Warum kannst du dir nicht ein Beispiel an deiner großen Schwester nehmen? Nora hat uns niemals solche Sorgen und Probleme bereitet.«

»Nora, Nora, immer nur Nora! Ich kann es bald nicht mehr hören«, stöhnte Marie theatralisch und verdrehte die Augen.

»Wann akzeptiert ihr endlich, dass nicht alle Menschen so sein müssen wie ihr, und dass auch andere Lebensstile und Meinungen ihre Gültigkeit haben?«

»Wie sprichst du denn mit mir?« rief Agnes ihrer Tochter nach, die sich demonstrativ abgewandt und die Küche verlassen hatte. »Außerdem hast du noch gar nichts gegessen.«

»Vielen Dank. Mir ist der Appetit vergangen«, gab Marie zurück, während sie wütend die Treppe nach oben stapfte und die Tür schließlich laut hinter sich zuwarf.

Bei diesem Geräusch zuckte Agnes zusammen. Doch sie hatte keine Zeit, sich noch länger über Marie zu ärgern, denn eben kam Nora durch die Haustür des gutbürgerlichen Wohnhauses. Beim Anblick ihrer älteren, sorgfältig gekleideten Tochter, die das lange blonde Haar zu einem braven Pferdeschwanz zusammengebunden hatte, ging ihr das Herz auf.

»Nora, mein Liebes, wie geht es dir? Komm, setz dich, das Essen ist fertig.«

Nora drückte ihrer Mutter einen Kuss auf die Wange und zuckte entschuldigend mit den Schultern.

»Tut mir leid, ich habe keine Zeit. Die Vorlesung fängt in einer halben Stunde an, und ich muss noch meine Sachen zusammenpacken.«

»Was bist du für ein fleißiges Mädchen. Warum kann deine Schwester nur nicht so sein wie du? Stell dir vor, jetzt hat sie sich so einen Ring durch die Augenbraue stechen lassen«, klagte Agnes ihrer Tochter ihr Leid, während sie die blütenweiße Schürze abnahm und das geblümte Kleid darunter glatt strich.

Nora lachte ungläubig.

»Wirklich? Die Kleine hat echt Mut. Das hätte ich mich niemals getraut.«

»Ich möchte mal wissen, was daran mutig ist? Ist es nicht viel schwieriger, den schädlichen Einflüssen und Versuchungen der heutigen Zeit zu widerstehen?«

»Ansichtssache. Aber ich habe jetzt wirklich keine Zeit für solche Grundsatzdiskussionen. Bis später, Mama.« Nora winkte ihrer Mutter zu und hastete zwei Stufen auf einmal nehmend die Treppe nach oben. Am Zimmer ihrer Schwester machte sie halt und trat ein.

»Kannst du nicht anklopfen?« fauchte Marie wütend vor Schreck. Sie stand mit dem Rücken zum geöffneten Fenster und verbarg die brennende Zigarette dahinter.

Nora lachte belustigt.

»Ich lebe nicht hinter dem Mond wie Mama, die sich immer über den Qualm aus Nachbars Garten beschwert. Das ist übrigens ungesund, was du da machst.«

»Na und? Ist mir doch egal. In diesem Spießerhaushalt ist doch sowieso alles verboten.«

»So schlimm ist es nun auch wieder nicht und bei solchen Sachen wie Rauchen oder Alkohol und anderen Drogen durchaus berechtigt.«

»Wenn unsere fürsorglichen Eltern nicht so ein Drama aus allem machen würden, würde ich gar nicht rauchen. Aber jetzt tue ich es gerade zum Trotz.«

»Wie Piercings stechen lassen?« folgerte Nora messerscharf und trat einen Schritt näher, um den neuen Körperschmuck ihrer Schwester zu begutachten. »Sieht eigentlich ganz nett aus. Aber hast du schon mal überlegt, was du damit machst, wenn du älter und klüger bist? Wenn du einen Freund hast, der so was eklig findet? Dann hast du ein Loch im Gesicht. Das ist nicht gerade attraktiv.«

»Entweder er liebt mich mit diesem Makel oder gar nicht«, gab Marie trotzig zurück und drückte die Zigarette aus. Den Stummel verstaute sie sorgfältig in einem Schraubglas, das sie wieder hinter ihren Büchern versteckte.

»Warum machst du so ein Geheimnis daraus, wenn du ohnehin nur provozieren willst?« fragte Nora verständnislos.

»Ich habe schon Ärger genug, weil ich nicht so bin wie du«, gab Marie deprimiert zurück und ließ sich neben ihrer Schwester aufs Bett fallen. Die Meinung ihrer Eltern ließ sie nicht halb so kalt, wie sie sich gerne den Anschein gab. »Warum können sie mich nicht einfach um meiner selbst willen lieben, bedingungslos?«

Tröstend legte Nora den Arm um Maries schmale Schultern.

»Mach dir nichts draus. Ich finde, du bist genau richtig, wie du bist.«

»Ein Kompliment? Das heißt, dass ich wieder lügen soll für dich, was?« witterte Marie sofort Noras Anliegen.

»Das haben wir doch ausgemacht, bevor ich das Betriebswirtschaftsstudium abgebrochen und mich für Medizin eingeschrieben habe. Du hast mir versprochen, mir zu helfen, damit sie nichts merken. Ich brauche deine Hilfe. Ohne dich schaffe ich es nicht.«

»Ich sollte dich für ein paar Wochen decken, bis du siehst, ob es dir gefällt. Inzwischen studierst du im dritten Semester. Ich finde, es ist langsam an der Zeit, dass du ihnen reinen Wein einschenkst«, bemerkte Marie tadelnd.

Ertappt senkte Nora den Kopf.

»Du hast ja recht, aber ich fürchte, ich bin nicht halb so mutig wie du. Ein paar Wochen musst du mir noch zur Seite stehen, bis Papa das Geschäft mit der Entwicklungsfirma abgeschlossen hat. Dann hat er gute Laune und ich kann ihm die Wahrheit sagen, ohne dass er sich übermäßig aufregt.«

»Träum weiter, Schwesterherz. Für Papa stürzt so oder so eine Welt ein, wenn er erfährt, dass du nicht in seine Fußstapfen treten und das Familienunternehmen wie seit Generationen übernehmen wirst«, stellte Marie sachlich fest. »Wenigstens ist dein Freund Eduard ein hoffnungsvoller Nachfolger. Das macht die Sache für Papa vielleicht nur halb so schlimm. Wenn du Eduard heiratest, bleibt die Firma wenigstens in der Familie.«

»Ein möglicher Nachfolger ist er bestimmt. Aber mein Freund nicht mehr«, gestand Nora leise.

»Du hast Schluss gemacht?« Ein ungläubiges Lächeln erschien auf Maries Gesicht, als Nora ihr diese Neuigkeit mitteilte. Sie hatte Eduard nie leiden können und sich stets gewundert, was ihre Schwester an diesem Lackaffen, der er in ihren Augen war, gefunden hatte.

»Nur wegen dir und um dich zu motivieren, mich weiterhin zu decken«, rechtfertigte Nora ihr Tun rasch. »Außerdem hab’ ich heute den Referenten der Forschungsfirma kennengelernt. Ein toller Typ«, geriet Nora unvermittelt ins Schwärmen, als sie sich an Mario Cornelius erinnerte.

Marie grinste.

»Du kannst dich nur verbessern. Also schön. Ich werde Mama und Papa erzählen, dass du fleißig BWL studierst und ihnen von deinen unglaublichen Fortschritten erzählen.«

»Du bist ein Schatz. Und hab’ ein Auge drauf, dass Mama nicht in mein Zimmer geht und in die Schränke schaut. Räum du meine Bügelwäsche weg, ja? Die Medizinsachen hab ich zwar versteckt, aber man weiß ja nie.«

»Schließ ab und gib mir den Schlüssel. Sicher ist sicher«, riet Marie in weiser Voraussicht.

Doch Nora war von diesem Plan nicht recht überzeugt.

»Dann schöpft Mama am Ende noch Verdacht.«

»Keine Sorge, mir fällt schon eine passende Ausrede ein. Immerhin hat Papa bald Geburtstag.«

Auf Noras Gesicht erschien ein freudiges Lächeln.

»Du bist wunderbar. Irgendwann danke ich dir all das, was du für mich tust.«

»Ich kanns kaum erwarten«, gab Marie mit einem Anflug von Sarkasmus zurück und umarmte ihre Schwester, die es nun aber wirklich eilig hatte, pünktlich in die Vorlesung zu kommen.

*

Zufrieden mit dem Verlauf des Tages kehrte Mathias Schulte am Abend aus der Firma nach Hause zurück. Das Haus, in dem schon seine Großeltern gelebt hatten und in dem er geboren worden war, begrüßte ihn wie einen alten Freund.

»Ach, es gibt doch nichts Schöneres als Beständigkeit in der Unsicherheit dieser Zeit«, seufzte er zufrieden, während er seine Schuhe auszog und in die immer selbe Ecke des Schrankes stellte. Blind, weil sie stets am selben Platz standen, schlüpfte er in seine Hausschuhe und hängte zuletzt den Mantel an die Garderobe, ehe er den Flur des altbackenen Hauses betrat, wo ihn bereits seine Frau erwartete.

»Guten Abend, mein Schatz. Wie war dein Tag?« wiederholte Agnes die Frage, die sie ihrem Mann täglich zur selben Stunde stellte.

»Recht erfolgreich. Heute war der junge medizinische Berater da. Er hat einen guten Vortrag gehalten. Ich denke, die Entwicklungsabteilung wird gut mit ihm zusammenarbeiten.«

»Bist du nicht gegen ein Übermaß an Fortschritt?«

»Wenn man wirtschaftlichen Erfolg haben will, kann man sich dem Fortschritt nicht versagen. Das hat mir der Unternehmensberater klargemacht«, seufzte Mathias und man merkte ihm an, wie wenig ihm diese Tatsache behagte. »Im privaten Bereich lege ich allerdings weiterhin Wert auf Beständigkeit.«

»Im Gegensatz zu deiner Tochter Marie. Sie scheint ein Faible für ungewöhnliche Veränderungen zu haben.«

»Wie meinst du das?«

»Lass uns gemeinsam essen. Dann wirst du schon sehen, wovon ich spreche«, antwortete Agnes vielsagend und ging in die Küche, während sich ihr Mann an den Tisch im Esszimmer setzte und wie jeden Abend darauf wartete, dass seine Frau die Abendmahlzeit auftrug.

»Wo ist Nora?« erkundigte er sich, als Agnes mit einem dampfenden Topf in den Händen erschien.

»Sie ist in der Uni und trifft sich später noch mit ihrer Freundin Mia.«

»Muss das sein? Du weißt genau, dass ich Wert auf ein gemeinsames Abendessen lege«, gab Mathias unwillig zurück. »Außerdem wollte ich noch etwas mit Nora besprechen.«

»Ich mag die Gespräche über die Firma am Abendbrottisch ohnehin nicht. Aber da kommt Marie. Sieh dir das an!« bemerkte Agnes, als sich ihre jüngere Tochter zu den Eltern gesellte.

Mathias warf ihr einen kurzen Blick zu, ehe er die Augenbrauen zusammenzog.

»Was ist das?«

»Ein Piercing.«

»Das sehe ich. Was soll das?« fragte er gefährlich ruhig.

Marie, die sich vorgenommen hatte, sich nicht einschüchtern zu lassen, schluckte tapfer.

»Es gefällt mir.«

»Aber mir nicht. Morgen ist das Ding wieder weg, verstanden?«

Marie senkte den Blick auf den Teller. Aus Erfahrung wusste sie, dass eine Diskussion vergebens war. Wenn ihr Vater einmal eine Meinung hatte, wich er so schnell nicht mehr davon ab. »Und richte deiner Schwester aus, dass ich Wert darauf lege, sie am Tisch zu sehen.«

»Das kannst du ihr ruhig selber sagen«, entfuhr es Marie.

Mathias zog die Augenbrauen zusammen und starrte seine jüngere Tochter an.

»Ich glaube nicht, dass du ein Recht darauf hast, frech zu werden. Was gibt es Neues aus der Schule?«

»Ich habe heute in Kunst eine Eins bekommen. Mein Lehrer hat mir geraten, auf die Schnitzschule zu gehen. In Österreich gibt es eine bekannte Einrichtung, die er mir sehr empfehlen kann«, nahm Marie all ihren Mut zusammen, um von ihren Plänen zu berichten.

Agnes ließ ihren Löffel vor Schreck in die Suppe fallen. Ihr ängstlicher Blick streifte Mathias, ehe er an Marie hängen blieb.

»Eine Schnitzschule? Was willst du denn damit anfangen?«

»Kommt überhaupt nicht infrage. Du studierst BWL wie deine Schwester. Danach sehen wir weiter«, machte Mathias jedoch jeder Diskussion ein Ende.