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Ein Stammtisch. Eine letzte Runde. Ein tödliches Geheimnis.
Emma Lindner führt seit dreißig Jahren den Gasthof „Zur Linde" in Bergheim – und kennt ihre Stammgäste wie ihre Westentasche. Jeden Donnerstag um acht versammelt sich die illustre Runde: Klaus, der pensionierte Lehrer, Herbie, der gemütliche Handwerker, Gisela, die tratschfreudige Friseurin, Martin, der glatte Versicherungsvertreter, und Renate, die präzise Apothekerin.
Bis Klaus nach der letzten Runde zusammenbricht. Einfach so. Mitten im Satz.
Die Diagnose: Herzinfarkt. Aber Emma hat ein ungutes Gefühl. Klaus war fit, gesund – und in letzter Zeit seltsam nervös. Als sie in seinem Notizbuch von anonymen Drohbriefen, Erpressung und dunklen Geheimnissen liest, ist klar: Hier stimmt etwas nicht.
Gemeinsam mit ihrer klugen Nichte Lena beginnt Emma zu ermitteln. Zwischen Bierdeckeln, alten Rechnungen und jahrelangen Freundschaften entdeckt sie ein Netz aus Lügen, verdrängten Affären und gefährlichen Geheimnissen. Jeder am Stammtisch hatte Gründe, Klaus zu hassen. Jeder hätte ein Motiv.
Doch wer hat ihn wirklich umgebracht? Der erbitterte Nachbar? Der betrogene Geschäftsmann? Die verzweifelte Geliebte? Oder jemand ganz anderes?
Ein atmosphärischer Cozy Crime aus dem Herzen einer deutschen Kleinstadt – mit viel Lokalkolorit, sympathischen Charakteren und einer Wirtin, die nicht locker lässt, bis die Wahrheit ans Licht kommt. Perfekt für Fans von Rita Falk, Krystyna Kuhn und gemütlichen Krimis mit Tiefgang.
„Letzte Runde" – wo Gemütlichkeit auf Mord trifft.
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Veröffentlichungsjahr: 2026
Letzte Runde
Ein Cozy-Crime-Roman von Dina Joansen
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Bonuskapitel 1: Sechs Monate später
Bonuskapitel 2: Ein neuer Donnerstag
Der Stammtisch war eine heilige Institution.
Jeden Donnerstagabend, Punkt acht Uhr, trafen sie sich im Gasthof „Zur Linde" in Bergheim. Immer derselbe Tisch, immer dieselben Gesichter, immer dieselben Rituale. Klaus Reinhardt setzte sich ans Kopfende, Herbert Schneider rechts von ihm, Gisela Hofmann links. Martin Keller und Renate Fischer komplettierten die Runde.
Emma Lindner, die Wirtin, kannte ihre Bestellung auswendig. Drei Pils, ein Weizen, ein Weinschorle. Erdnüsse für Herbie, Salzstangen für Gisela. Klaus nahm grundsätzlich nichts zum Bier, das sei „Ballast".
An diesem Donnerstag im November war alles wie immer.
Fast.
„Letzte Runde!", rief Klaus um halb elf wie jeden Donnerstag. Seine Stimme klang etwas heiser, aber das fiel niemandem auf. Er hob sein Glas. „Auf uns. Auf die Treue. Auf Tradition."
Sie stießen an. Gisela lachte über einen Witz, den Martin erzählt hatte. Herbie schüttelte den Kopf über die neueste Baustelle an der Hauptstraße. Renate blätterte in ihrem Terminkalender für die kommende Woche.
Klaus trank sein Glas in einem Zug leer. Dann stellte er es ab, ein bisschen zu fest. Der Bierdeckel verrutschte.
„Alles in Ordnung?", fragte Emma, die gerade die leeren Gläser vom Nebentisch einsammelte.
Klaus nickte. „Bestens."
Aber er sah blass aus. Schweißperlen standen auf seiner Stirn.
„Klaus?" Gisela beugte sich vor. „Du siehst nicht gut aus."
Er winkte ab. Versuchte aufzustehen. Griff nach der Tischkante.
Dann brach er zusammen.
Das Klirren des umfallenden Stuhls durchschnitt die gemütliche Kneipengeräuschkulisse wie ein Messer.
Emma ließ die Gläser fallen. Werner stürzte aus der Küche. Lena rief den Notarzt.
Aber es war bereits zu spät.
Klaus Reinhardt, pensionierter Deutschlehrer, Stammtischmitglied seit vierundzwanzig Jahren, war tot.
Und nichts in Bergheim würde jemals wieder wie immer sein.
Der Morgen nach einem Todesfall hatte eine besondere Qualität. Die Sonne schien zu grell, die Vögel zwitscherten zu laut, und die Normalität der Welt fühlte sich obszön an.
Emma Lindner stand in ihrer Küche und starrte auf die Kaffeemaschine, als könne sie dort Antworten finden. Werner saß am Tisch, stumm, die Hände um seine Tasse gelegt.
„Herzinfarkt", sagte Emma leise. „Das haben sie gesagt."
„Hmm."
„Einfach so. Mitten im Satz."
„So was passiert."
Emma drehte sich um. „Werner, er war zweiundsechzig. Fit. Ist jeden Tag gelaufen. Hat auf seine Ernährung geachtet."
Ihr Mann zuckte mit den Schultern. „Herzinfarkte sind unberechenbar. Das weißt du."
„Trotzdem."
Das Wort hing zwischen ihnen. Schwer. Unbequem.
Das Telefon klingelte. Emma nahm ab, mechanisch.
„Emma? Hier ist Gisela." Die Stimme der Friseurin klang brüchig. „Ich... ich kann nicht schlafen. Immer wieder sehe ich ihn vor mir. Wie er einfach..."
„Ich weiß."
„Die Polizei war heute Morgen bei mir. Haben Fragen gestellt. Routinemäßig, haben sie gesagt."
Emma richtete sich auf. „Was für Fragen?"
„Wie es Klaus ging. Ob er Probleme hatte. Ob er krank wirkte." Gisela machte eine Pause. „Emma, meinst du... könnte es etwas anderes gewesen sein?"
„Was meinst du mit 'etwas anderes'?"
„Ich weiß nicht. Es ist nur... er war komisch in letzter Zeit. Nervös. Hat sich ständig umgesehen."
Emma erinnerte sich. Ja, Klaus war anders gewesen. Gereizter als sonst. Weniger redselig.
„Vielleicht hatte er Stress", sagte sie.
„Vielleicht." Gisela klang nicht überzeugt. „Kommst du nachher zur Linde? Herbie hat angerufen. Er will sich treffen. Ohne Klaus... ich weiß nicht, ob ich das aushalte."
„Natürlich komme ich."
Nach dem Telefonat blieb Emma stehen, die Hand noch auf dem Hörer.
„Was?", fragte Werner.
„Nichts. Wahrscheinlich nichts."
Aber das „Trotzdem" war jetzt lauter geworden.
Um elf Uhr vormittags war der Gasthof normalerweise leer. Heute saßen Herbie, Gisela und Martin am Stammtisch. Der Stuhl am Kopfende blieb demonstrativ frei.
Emma brachte Kaffee. Niemand hatte bestellt, aber sie wusste, was nötig war.
„Danke", murmelte Herbie. Seine sonst so fröhlichen Augen waren rot gerändert.
Martin Keller dagegen wirkte gefasst. Fast zu gefasst. Er trug Anzug und Krawatte, obwohl es Freitag war und er normalerweise freitags frei hatte.
„Wo ist Renate?", fragte Emma.
„Apotheke", sagte Gisela. „Sie kann nicht weg. Aber sie kommt heute Abend."
Schweigen.
Herbie räusperte sich. „Ich habe mit Doris gesprochen. Klaus' Frau. Sie ist völlig neben sich."
„Verständlich", sagte Martin.
„Sie sagt, Klaus hatte in letzter Zeit Kopfschmerzen. Hat aber nichts genommen. Du kennst ihn ja. Sturköpfig."
Gisela nickte. „Und diese Sache mit dem Haus."
Emma horchte auf. „Welche Sache?"
„Ach, irgendein Nachbarschaftsstreit. Klaus hat sich furchtbar aufgeregt. Ging um Grundstücksgrenzen oder so." Gisela winkte ab. „Typisch Klaus. Musste immer recht haben."
Martin verzog keine Miene. „Hat er gewonnen?"
„Keine Ahnung. Er hat nicht mehr darüber gesprochen."
Emma schenkte Kaffee nach. Ihr Blick fiel auf den leeren Stuhl. Auf den Bierdeckel, der noch dort lag, wo Klaus ihn zuletzt abgestellt hatte.
Moment.
Sie ging zum Tresen, holte ein Tablett und begann, die Gläser vom Vortag einzusammeln, die Werner noch nicht abgeräumt hatte. Ihr Glas. Herbies Glas. Giselas Glas.
Klaus' Glas.
Es stand noch da. Leer. Der Bierdeckel darunter.
Emma hob es hoch. Hielt es gegen das Licht.
Ein dünner Film. Kaum sichtbar. Ölig.
Sie stellte das Glas vorsichtig zurück.
„Emma?" Giselas Stimme. „Alles okay?"
„Ja. Alles gut."
Aber das stimmte nicht.
Am Nachmittag kam Kommissar Thorsten Bauer in die Linde. Emma kannte ihn seit Jahren. Ein ruhiger Mann, kompetent, aber nicht übermäßig ehrgeizig. Bergheim war seine letzte Station vor der Pension, und das merkte man.
„Emma. Werner." Er nickte beiden zu. „Tut mir leid wegen gestern."
„Danke", sagte Werner.
„Ich muss noch ein paar Fragen stellen. Routine. Du weißt schon."
Emma führte ihn in die kleine Stube hinter dem Schankraum. Dort war es ruhiger.
Bauer zog ein Notizbuch hervor. „Klaus Reinhardt. Wie lange war er Stammgast?"
„Vierundzwanzig Jahre. Seit wir den Laden übernommen haben."
„Gab es in letzter Zeit Auffälligkeiten? Streit? Probleme?"
Emma zögerte. „Er war angespannter als sonst. Gereizter."
„Woran lag das?"
„Keine Ahnung. Er hat nicht darüber geredet."
Bauer notierte etwas. „Hatte er Feinde?"
„Feinde?" Emma lachte unwillkürlich. „Klaus war ein pensionierter Lehrer. Was für Feinde sollte der haben?"
„Leute mögen Lehrer nicht immer."
„Das ist zwanzig Jahre her. Und außerdem..." Sie verstummte.
„Was?"
„Nichts. Nur... Gisela hat etwas von einem Nachbarschaftsstreit erwähnt."
Bauer nickte. „Wir schauen uns das an." Er klappte das Notizbuch zu. „Der Notarzt hat Herzinfarkt diagnostiziert. Keine Anzeichen für Fremdeinwirkung."
„Aber?"
Er sah sie scharf an. „Kein 'Aber'. Warum fragst du?"
Emma zuckte mit den Schultern. „Nur so ein Gefühl."
„Gefühle sind keine Beweise."
„Ich weiß."
Bauer stand auf. „Falls dir noch etwas einfällt – du weißt, wo du mich findest."
Nach seinem Abgang blieb Emma sitzen. Das Glas. Der ölige Film. Das „Trotzdem".
Sie ging zurück in den Schankraum. Das Glas stand noch da.
Vorsichtig wickelte sie es in ein Geschirrtuch und versteckte es im untersten Fach des Kühlschranks.
Werner bemerkte es nicht.
Aber Emma wusste: Das war der Punkt, an dem aus einem Todesfall eine Suche wurde.
