Licht auf Deinem Weg - Ursula Lyon - E-Book

Licht auf Deinem Weg E-Book

Ursula Lyon

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Beschreibung

Wir begrüßen Sie wie eine liebe Teilnehmerin, einen lieben Teilnehmer in einem Meditations-Seminar. Mit diesem Buch üben und meditieren wir gemeinsam, widmen uns Betrachtungen, die unser Leben betreffen und den theoretischen Hintergrund aus dem Buddhismus beleuchten. Theorie und Praxis sollen sich zu einer fruchtbaren Einheit verbinden, indem die gewonnenen Einsichten im täglichen Leben umgesetzt werden. Lassen Sie sich ein in ein lebendiges Spiel von Forschen, Entdeckungen und neuen Erfahrungen!

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Seitenzahl: 333

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Danksagung - Ursula

Ein großer Dank geht an alle meine buddhistischen Lehrer.

Als erstem Christopher TITMUSS, der mich zum “here and now” gebracht hat und vielen anderen, von denen ich in Seminaren auf verschiedene Weise Meditation und die Lehre erfahren konnte.

Geprägt hat meinen Weg zwölf Jahre die buddhistische Nonne Ayya KHEMA, die mich zum Lehren autorisierte. Meinem Mann, Jesse, sei Dank, dass er mich mit auf die spirituelle Reise genommen hat.

Ganz herzlich danke ich meinen TeilnehmerInnen in den Yoga- und Meditationskursen für ihre Fragen und inspirierenden Anregungen.

Dass meine zwei Töchter und meine fünf Enkel an meinem spirituellen Weg teilnehmen, empfinde ich als ein besonderes Geschenk.

Lieben Dank an Michele, sie hat seit 2010 viel Vorarbeit für dieses Buch geleistet.

Bettina und Günther HÖLDRICH sei Dank für ihre ausdauernde Durchsicht und Mitarbeit.

Meinem Dhamma-Freund Gerald gebührt der größte Dank, da er das Entstehen dieses Buches möglich gemacht hat.

Danksagung - Gerald

Mein großer Dank geht an all jene Menschen, von denen ich in der einen oder anderen Form in meinem Leben lernen durfte. All jenen Menschen in der langen Folge bis zum Buddha und seinen Schülern zurück, welche daran beteiligt waren diese Lehre in die Gegenwart zu bringen gebührt ein großer Dank.

Die Menschen, die mich auf den buddhistischen Weg gebracht, geleitet, gestützt und herausgefordert haben gaben mir das große Geschenk des Dhamma das ich dankbar annehme und auf diesem Weg gerne weitergebe.

Meiner Frau Heidrun danke ich für den nötigen Freiraum, das Verständnis und die Möglichkeit meine spirituellen Ideen so intensiv zu verfolgen.

Meiner Lehrerin Ursula gebührt der größte Dank für die Möglichkeit an einem so enormen Erfahrungsschatz teilhaben zu können und an diesem Werk nicht nur mitarbeiten sondern auch meinen Beitrag dazu leisten zu dürfen.

Inhaltsverzeichnis

Einladung

Die Suche

Was ist Glück?

Einsichtsübung: Mein Glück

Achtsamkeitsübung: 8 Punkte Meditation

Metta – Übung: Die Sonne der Herzensgüte

Lied: Licht vom Himmel

Was ist Zufriedenheit?

Einsichtsübung: Meine Zufriedenheit

Achtsamkeitsübung: Gehmeditation

Metta-Übung: Karuna - Der Mantel des Mitgefühls

Lied: Sabbe Satta

Echt sein

Einsichtsübung: Echt sein – sich selbst verwirklichen

Achtsamkeitsübung: Ganz bei mir sein

Metta-Übung: Samen im Herzen

Lied: So ja So

Angst

Einsichtsübung: Betrachtung über die Angst

Achtsamkeitsübung: Mein Gesicht

Metta – Übung: Lichtwesen

Lied: Maha Mangalam (Großer Segen)

Was ist Realität?

Einsichtsübung: Wirklichkeit

Achtsamkeitsübung: Atembetrachtung

Metta: Vertrauen

Lied: Hier und Jetzt

Veränderung – Welche Wege gehen?

Einsichtsübung: Lebenswege

Achtsamkeitsübung: Vier Gebiete der Achtsamkeit

Metta–Übung: die Hand des Buddha

Lied: Buddha deine Hand

Der Weg – der edle achtfache Pfad

Zuflucht als Vorbereitung

Rechte Ansicht - nicht blind den Weg gehen

Einsichtsübung: Was ist Karma?

Achtsamkeitsübung: Der klare Himmel

Metta-Übung: Das Gute in meinem Leben

Lied: Unheilsames Lassen

Rechte Gesinnung - Sich selbst gestalten

Einsichtsübung: Loslassen

Achtsamkeitsübung: Loslassen

Metta-Übung: Ein guter Freund

Lied: Loslassen

Rechte Rede - Worte werden Wirklichkeit

Einsichtsübung: Verzeihen

Achtsamkeitsübung: Benennen

Metta-Übung: Umfassende Liebe

Lied: Om Namah

Rechtes Handeln - mach ich es richtig?

Einsichtsübung: Richtlinien

Achtsamkeitsübung: Die Betrachtung des Geistes

Metta-Übung: Gute Wünsche

Lied: Heute fang ich ganz neu an

Rechter Lebenserwerb - Arbeit als Übung

Einsichtsübung: Die Praxis des Alltags

Achtsamkeitsübung: Frühstücksmeditation

Metta-Übung: Liebeskraft zum Herzen bringen

Lieder: Ich gehe vor - Ich geh zurück (Lachtanz)

Rechtes Bemühen - ohne Zwang

Einsichtsübung: Die fünf Hindernisse

Achtsamkeitsübung: Das rechte Maß bei Gedanken und Gefühlen

Metta-Übung: Blumengarten

Lied: möge unser Tun

Rechte Achtsamkeit - fürsorgliche Wachsamkeit

Einsichtsübung: Achtsamkeit und Gelassenheit

Achtsamkeitsübung: Anti-Stress Meditationen

Metta-Übung: Buddha unter dem Bodhibaum

Lied: Wem lieb sein Selbst

Rechte Sammlung und Konzentration

Einsichtsübung: Sich einlassen

Meditationsanleitung: Ein Punkt Meditation

Metta-Übung: Mitfreude

Lied: Echt-Unecht

Die Verwandlung

Liebe und Mitgefühl

Einsichtsübung: Brahmaviharas

Achtsamkeitsübung: Leerheit

Metta–Übung: Der Regenbogen der Liebe

Lied: Brahmavihara – göttliche Liebe

Die unvermeidlichen Lebensgesetze

Einsichtsübung: Fünf tägliche Betrachtungen

Metta – Übung: Der Die erleuchtete Frau

Lied: Leere schenkt mir Fülle

Frei werden

Was und wo ist Nirvana?

Achtsamkeitsübung: Musterbetrachtung

Metta-Übung: Der Buddha am Berg

Vorwort

Ein Lebensweg besteht aus vielen Schritten, die man machen muss, um ihn als den eigenen Weg zu verstehen. Mal geht er eintönig geradeaus, steil bergan, es gibt Kurven und auch großartige Aussichtsplattformen. Manchmal kommen wir auf diesem Lebensweg an eine Kreuzung. Etwas tief in uns fragt nach Wert und Sinn unseres Lebens, ausgelöst durch einen Schmerz, eine Trennung, Krankheit oder einen bedeutenden Lebenseinschnitt, beginnt die Suche nach einer Änderung, einem sinnvollen Dasein.

Erst als ich den Buddhismus in der Praxis durch Meditation und dann auch in der Theorie kennenlernte, war es für mich klar: Das ist mein Weg.

Da wurde ich gerade fünfzig und suchte im Traum verzweifelt nach meinen vergessenen Kindern. Jesse, mein Mann, meinte damals, ich solle es einmal mit dem Buddhismus probieren. Es war für mich die Lösung. Mich begeisterte vor allem, dass ich alles was der Buddha lehrte, überdenken, nachprüfen und ausprobieren konnte, um es dann anzunehmen oder abzulehnen. Die für mich bedeutendste Entdeckung war der Schritt zur Freiheit. Ich musste nur eine Empfehlung des Erleuchteten konsequent durchführen, um zu erfahren, wie sich etwas Festgefahrenes auflöste und ein Stück geistige Unabhängigkeit gewonnen wurde.

In den fast 40 Jahren meines Unterrichtens habe ich versucht, die verschiedenen Aspekte der buddhistischen Lehre zu verbinden und in einfacher Form zu vermitteln. Ich wollte Menschen in unserer westlichen Welt einen spirituellen Weg zeigen, der trotz aller Hektik im Beruf und in den Familien Halt und Richtung gibt.

Verschiedene Manuskripte für ein Buch über den Befreiungsweg habe ich begonnen und dann weggelegt. Mit Hilfe von Gerald SCHINAGL, einem Dhammafreund, der sich wissenschaftlich mit der buddhistischen Lehre beschäftigt, ist es gelungen ein gemeinsames Werk heraus zu bringen. Gerald und ich haben beide noch andere Bücher geschrieben, welche die dargelegten Grundzüge der buddhistischen Lehre ergänzen und erweitern können.

Drei liebe Freunde Michele JOERG-RONCERAY, Bettina und Günther HÖLDRICH, haben das Buch in ihre buddhistische Praxis eingebracht und den Text gegliedert, wo nötig gekürzt und in lebendiger Form korrigiert.

Mögen die Leser und Leserinnen sich am Erkennen freuen und das Üben in der Praxis gelingen. Mögen sie auf dem Weg der Befreiung Glück und Zufriedenheit finden.

Einladung

Wir begrüßen Sie wie eine liebe Teilnehmerin, einen lieben Teilnehmer in einem Meditations-Seminar. Mit diesem Buch üben und meditieren wir gemeinsam, widmen uns Betrachtungen, die unser Leben betreffen und dem theoretischen Hintergrund dieser Übungen, der in der buddhistischen Lehre zu finden ist.

Theorie und Praxis sollen sich zu einer fruchtbaren Einheit verbinden, indem die gewonnenen Einsichten in das tägliche Leben umgesetzt werden, und sich die Erfahrungen aus dem Leben wiederum in den Einsichten spiegeln. Es ist ein lebendiges Spiel von Forschen, Entdeckungen und neuen Erfahrungen.

Gehen Sie ohne Vorurteile an die Sache heran - lassen Sie sich zuerst einmal auf die Dinge ein, welche wir Ihnen vorstellen. Probieren Sie diese aus und beurteilen Sie danach, ob das, was Ihnen hier mitgeteilt wird, für Ihr Leben von Bedeutung sein kann. Diese Art, die Inhalte einer spirituellen Lehre für sich selbst zu prüfen und nicht blind zu glauben, hat der Buddha bereits in der sogenannten Kalamasutta (Lehrrede an die Kalamer) ausgeführt.

In dieser Lehrrede wird der Buddha von Menschen eines Dorfes, in dem er lehrt, befragt, wie sie eine spirituelle Lehre, also auch seine eigene, prüfen sollten. Schließlich, so berichten die Bewohner dieses Dorfes, behauptete jeder spirituelle Führer, allein die Wahrheit zu besitzen und schmähte die anderen Lehren und Lehrer.

Der Buddha antwortete wie folgt: „Recht habt Ihr Kalamer, dass Ihr da im Unklaren seid und Zweifel hegt. In einer Sache, bei der man wirklich im Unklaren sein kann, ist euch Zweifel aufgestiegen.

Geht nicht nach Hörensagen, nicht nach Überlieferung, nicht nach Tagesmeinungen, nicht nach der Autorität heiliger Schriften, nicht nach bloßen Vernunftgründen und logischen Schlüssen, nicht nach erdachten Theorien und bevorzugten Meinungen, nicht nach dem Eindruck persönlicher Vorzüge und auch nicht nach der Autorität eines Meisters!

Wenn Ihr aber selber erkennt: Diese Dinge sind unheilsam, sind verwerflich, werden von Verständigen getadelt und, wenn ausgeführt und unternommen, führen sie zu Unheil und Leiden, dann o Kalamer, möget ihr sie aufgeben.“1

Diese prüfende, aber nicht unnötig kritische Geisteshaltung, die im englischen treffend mit reflective acceptance bezeichnet wird, können Sie sich auch zu Eigen machen, wenn Sie dieses Buch lesen.

Benutzen Sie die praktischen Betrachtungen und Übungen, um Ihr Leben zu bereichern; geben Sie ihnen Raum in Ihrem Tagesablauf. Sie werden erleben, dass auch kleine aber positive Veränderungen, die Sie in Ihren Alltag integrieren, eine erstaunliche Wirkung haben können.

Den Theoretikern und geübten Meditierern möchten wir den Rat geben, sich nicht über die scheinbar einfachen und banalen Übungen hinweg zu setzen. Denkende und intellektuelle Menschen gehen oft zu kopflastig und kompliziert an diese praktischen Dinge heran und machen sie damit komplexer als sie eigentlich sind.

„Ich habe nie über das Denken nachgedacht“

Das ist ein Ausspruch des großen Dichters und Denkers, Johann Wolfgang von GOETHE. Meine Erfahrungen in Meditation wie auch im alltäglichen Leben bestätigen seine Worte in der Weise, dass nicht beim intellektuellen Hinterfragen die wirklichen Einsichten auftraten. Erst als ich mich davon befreite, erfuhr ich Zusammenhänge mit einem freudigen AHA! Dann konnten auch neue kreative Gedanken aufkommen.

Kindlich unbefangen nehmen wir alles, was in uns und um uns herum geschieht, viel wirklichkeitsnäher und direkter auf, als wenn wir gleich bewerten, kategorisieren und vergleichen, ohne wirklich genau mit dem Herzen hingeschaut zu haben. Der Intellekt ist zweifellos ein mächtiges und wunderbares Instrument des Menschen, das aber zur rechten Zeit und an der richtigen Stelle eingesetzt werden sollte.

Die Wirklichkeit so sehen, wie sie ist, erklärte der Buddha als Kernaussage seiner Lehre. Das führt zu einem authentischen Leben und zu geistiger Entwicklung.

Wie sollte dieses Buch gelesen werden?

Obgleich dieses Werk einem formalen Handlungsstrang entlang aufgebaut ist (von der einleitenden spirituellen Suche über den buddhistischen Entwicklungsweg hin zum Freiwerden), muss es nicht unbedingt in dieser Reihenfolge gelesen werden. Viele der vorgeschlagenen Übungen gelingen beim ersten oder zweiten Mal vielleicht noch nicht so gut, da Sie persönliche Hilfsmittel und weitere Grundlagen möglicherweise erst später im Buch oder bei anderen Themen vorfinden.

Andererseits kann es auch vorkommen, dass eine Meditation oder Betrachtung erst dann ihre volle und manchmal auch unerwartete Wirkung entfaltet, wenn Sie ein anderes blockierendes Thema bearbeitet haben. Da diese Abhängigkeiten höchst individuell sind, wollen wir in diesem Buch keinen festgelegten Weg vorgeben, sondern Sie ermutigen, immer wieder vor und zurück zu blättern und auf Ihre Intuition zu vertrauen, um für Sie bedeutenden Referenzen oder Verweisen nachzugehen und die Themen so wie es für Sie gut und zielführend ist, zu wiederholen. Das unterstützen wir durch einen umfangreichen Stichwortindex am Ende dieses Buches.

Haben Sie keine falsche Scheu, wenn eine Übung zu einem Zeitpunkt im Buch für Sie noch nicht schlüssig ist. Übergehen Sie diese mit gutem Gewissen. Entweder kommen Sie später von selbst nochmals zu der konkreten Übung zurück, und wenn nicht, so können Sie beim nochmaligen Lesen des Buchs Neues entdecken und interessante, bisher nicht wahrgenommene Aspekte vorfinden.

1Die Übersetzung dieser Lehrrede und auch anderer Pali-Texte im vorliegenden Werk folgt keiner einzelnen publizierten Standardausgabe deutscher Sprache, sondern wurde von den Autoren bewusst gemischt bzw. modifiziert, um den Kern der Aussagen deutlicher und klarer in zeitgemäßer Sprache herauszuarbeiten.

Die Suche

Da Sie dieses Buch nicht schon nach der Einleitung weggelegt haben, besitzen wir wohl eine Gemeinsamkeit. Wir alle sind auf die eine oder andere Art Suchende. Es gibt Dinge und Umstände im Leben, mit denen wir nicht zufrieden sind. Die bisher unternommenen Versuche, Zufriedenheit und Glück zu erlangen, waren nicht von einem dauerhaften Erfolg geprägt. Wir meinen, es müsste doch irgendetwas Besseres, etwas ganz Besonderes geben.

Was macht uns also zu Suchenden?

Was ist es eigentlich, das wir suchen?

Wir wissen, dass wir etwas suchen, aber wissen wir überhaupt, was das Gesuchte ist?

Wie erkennen wir, ob etwas, das wir gefunden, haben auch das ist, was wir ursprünglich gesucht haben?

Wir wollen nun im einleitenden Abschnitt dieses Buches nachforschen, was uns zu Suchenden macht, wo unsere Probleme und Unzufriedenheiten im Leben, also der Antrieb für diese Suche liegen.

Was ist Glück?

Wenn wir gefragt werden, sind wir uns alle einig – wir wollen und suchen das Glück, unser Glück. Unser ganzes Leben haben wir darauf ausgerichtet, in der einen oder anderen Form Glück zu erlangen. Aber wie ist es uns bisher damit ergangen – wie stabil und dauerhaft haben wir das so erlangte Glück erlebt? Zeigte sich das Glück dauerhaft - oder ist es doch, wie der Wienermund sagt, ein Vogerl?

Wir sind auf der Suche nach einem anderen, Erfolg versprechenderen Weg des Glücks, aber sind wir auch wirklich dazu bereit, uns dieser Herausforderung zu stellen?

Was sagen wohl die Nachbarn?

Als ich in Hamburg bei meiner geliebten Schwester Lore einen Achtsamkeitstag durchführte, und am Nachmittag achtsames Gehen im Garten angesagt war, fiel mir ein junger Mann auf, ein Dozent an der Uni, der sich in einer dunklen Ecke versteckte. Manche staksten wie Störche durch das Gras; andere wiederum gingen langsam und versunken kleine Wege entlang, wieder andere schauten hingebungsvoll einen Baum an. Dann kamen wir in den Raum zurück, um unsere Erfahrungen auszutauschen. Der junge Dozent meinte, dass man so etwas Anormales doch nicht vor den Blicken der Nachbarn machen könnte!

Lore grinste ihn schelmisch an und meinte: "Erstens sind sie heute gar nicht da - und außerdem geben sie ihrer Freude Ausdruck, dass man bei uns ungewöhnliche, interessante Dinge zu sehen bekommt. Das ist fast wie eine Aufforderung!"

Warum ist die Erlangung eines höheren Glückes eigentlich eine Herausforderung? Und aus welchem Grund ist, wie bei Lores Achtsamkeitstag in Hamburg, eine Portion Mut dazu nötig, um glücklich sein zu können?

Diesen und auch noch weiteren Fragen und Überlegungen wollen wir uns nun widmen.

Angst vor dem Glück?

Alle Menschen streben nach ihrem persönlichen Glück; das ist der grundlegende Antrieb und Lebenssinn der Menschheit. Das Recht, sein Glück zu suchen und auch zu finden, sollte jedem und jeder zustehen. Heute werden zahlreiche Wege und Möglichkeiten angeboten, die zum Glück führen sollen. Ob dieses Glück, wenn es einmal erreicht ist, wirklich befriedigend ist oder nicht, zeigt sich häufig dann, wenn die ersten Stolpersteine auf dem Weg dorthin liegen.

Gefangen im täglichen Stress und im Kampf gegen Unannehmlichkeiten, Mangel und Mängel und in unserem Bemühen, uns im beruflichen und privaten Leben zu behaupten, finden wir nach unserem Empfinden zu wenig Zeit für freudige und glückliche Gefühle.

Aber stimmt das so?

Wir nörgeln, klagen und beschweren uns über alles, was uns beeinträchtigt. Irgendetwas gibt es immer, das uns stört und uns daran hindert, das wirkliche Glück zu erreichen. Wir erwarten, dass irgendjemand (für uns) diese störenden Hindernisse entfernt und uns damit dieses uns zustehende Glück ermöglicht.

Mit Zukunftsvorstellungen und Erwartungen versuchen wir der unbefriedigenden Gegenwart zu entfliehen, und im rastlosen Bestreben dorthin – zu unserem vermeintlichen Glück - zu gelangen, sind wir blind für das momentane, lebendige Glück des Moments direkt vor unseren Füßen, das bereits da ist, wenn wir nur die Augen dafür öffnen. Für gewöhnlich suchen wir unser Glück auf weltlichen Wegen. Aber ist es das, was uns auf Plakaten, im Fernsehen oder im Internet angeboten wird? Wohin wir auch blicken - überall wird Werbung für Dinge betrieben, deren Kauf uns Glück verschaffen soll. Aber wir müssen uns immer wieder die Frage stellen: Können uns diese Dinge wirklich glücklich machen?

Das Gefühl von Glück kann auf verschiedenen Ebenen der menschlichen Existenz erlebt werden:

Auf der

materiellen Ebene

liegt das Glück der Sinne. Die Sinnesgenüsse wie Hören, Sehen, Riechen, Schmecken oder Berühren können uns im Moment des Sinneskontaktes selbst ein angenehmes Gefühl, ja sogar Freude bereiten. Das kann bei näherer und unvoreingenommener Betrachtung bereits ein kleines Glück sein, wenn wir bereit sind, es als solches wahrzunehmen. Das Problem beginnt aber dann, wenn wir an diesen Momenten des Sinnesglücks anhaften, sie immer wieder haben wollen oder uns vor dem Verlust dieses Glücks fürchten.

Auf der

emotionalen Ebene

sind es Gefühle, wie Geborgenheit oder auch Freiheit, Liebe oder Selbständigkeit, die uns beglücken und erfreuen. Geistiges Glück erleben wir beispielsweise, wenn wir etwas (für uns) entdecken, neue Erkenntnisse gewinnen oder die bestimmende und bewegende Kraft unseres eigenen Geistes erfahren. In seinem Mechanismus gehorcht dieses Glück aber den gleichen Gesetzen wie das Sinnenglück.

Glück können wir auch in einem

sozialen Umfeld,

wo wir miteinander und füreinander sind, empfinden. Dieses soziale Glück kann sowohl an einzelnen Verbindungen zu Menschen als auch im gesamten Interaktionsfeld einer sozialen Gemeinschaft eingebettet sein. Wir erleben es in Form von Geborgenheit und Sicherheit, wenn wir uns aufgehoben, gestützt und behütet fühlen. Wenn sich dieses soziale Umfeld aber verändert, kann sich auch dieses Glück wieder in Leid und einen unbefriedigenden Zustand wandeln.

Ein erfüllendes, geistiges Glück ist nur auf einem

spirituellen

Weg zu finden, der universelle Aspekte aufzeigt und sie auch erleben lässt. Das ist jene Art von Glück, welche wir auf dem buddhistischen Pfad suchen. Wie wir dieses Glück erleben, werden Sie nun fragen – nun ja, das ist in einem Satz nicht abgehandelt und ist einer der Inhalte dieses Buches.

Woher wir unser Glück beziehen, ist also ganz individuell. Ob es nur ein Lichtstrahl ist, eine Sonne, die uns mit Freude, Vertrauen, Kraft und Liebe erfüllt, eine wertvolle Freundschaft oder eine erhebende Meditation; wichtig ist in diesem Zusammenhang nur, dass wir einen persönlichen Zugang zu den uns beglückenden Kräften finden.

Aber warum sind so viele Menschen nach wie vor auf der Suche nach Glück und haben ihr Ziel noch nicht erreicht, wenn doch die bisherigen Ausführungen zeigen, dass Glück ohne weiteres in diesem Leben, ja sogar in diesem Moment realisierbar ist?

In Gesprächen, mit vielen Menschen, die sich ernsthaft um einen guten und glücklichen Lebensweg bemühen, versuchten wir die Schwierigkeiten aufzudecken, die sie am Glücklichsein hinderten. Bei aller Verschiedenheit der Probleme und Belastungen ist es immer wieder die Angst, die sichtbar oder unsichtbar mitschwingt.

Angst scheint das generelle Hindernis für Glück und Freude zu sein. Sie hält uns davon ab, das zu tun, was wir eigentlich für gut und echt halten, was uns menschlich positiv entwickelt und uns glücklich macht. Selbst in der Liebe ist die Angst jene unheilsame Kraft, die Vertrautheit und Hingabe zerstören kann. Wenn wir also unserem Glücklichsein einen vernünftigen und stabilen Weg bahnen wollen, so kommen wir wohl nicht daran vorbei, uns den eigenen Ängsten zu stellen.

Echtes und dauerhaftes Glück kann nur durch Einsicht, Mut und Beständigkeit erlangt werden. Dabei handelt es sich, wie Sie im Verlauf dieses Buches noch sehen werden, aber nicht um Kräfte, die Ihnen von außen zugeführt werden müssen, nein Sie tragen diese Kräfte bereits in sich. Sie müssen diesen Schatz, der in Ihnen selbst verschüttet liegt, ans Licht heben. Dazu brauchen Sie nichts von der Welt um sich herum, lediglich ein zuversichtliches Bemühen, um die Schichten, die Ihr inneres Glück bis heute verdecken, zu beseitigen. Die nötigen Fähigkeiten für diese Entdeckungsarbeit trägt jeder Mensch in sich.

Nutzen Sie diese Fähigkeiten - es lohnt sich!

Dhammapada 204

Die Worte der Weisheit (in Pali2: Dhammapada3) sind eine Sammlung von 423 Versen, welche der Buddha bei 305 Gegebenheiten zum Wohle der Menschheit ausgesprochen haben soll. Diese Sprüche wurden in der sogenannten kürzeren Sammlung der buddhistischen Schriften (Sutta Nipata) zusammengefasst und stellen eine besonders kompakte und treffende Beschreibung der Lehre Buddhas dar. Hier führen wir den Vers Nr. 204 an:

Gesundheit ist der höchste Reichtum,

Zufriedenheit der höchste Wert,

die Zuversicht der beste Freund,

Befreiung4 allerhöchstes Glück.

Einsichtsübung: Mein Glück

Bevor wir Ihnen eine konkrete meditative Betrachtung vorstellen, soll einführend erklärt werden, worum es sich dabei eigentlich handelt. Die meditative Betrachtung ist eine Form der Themen–Meditation, die in der buddhistischen Lehre auch als weises Erwägen (in Pali: yoniso manasikara) oder auch Kontemplation5 bezeichnet wird. Der Intellekt allein reicht dabei nicht aus, um das erwünschte gründliche und weise Nachdenken zu garantieren. Das Gefühl (der Wortstamm Yoni in der Pali-Bezeichnung steht für den Mutterschoß) muss dabei zu Worte kommen und diesem weisen Besinnen eine innere Grundlage geben. Wenn man in Zurückgezogenheit und einem entspannten, ruhigen Zustand eine Sache meditativ betrachtet, ist es etwas anderes, als wenn man darüber mit den analytischen - intellektuellen Denkmustern grübelt und unbedingt eine logische und gedanklich schlüssige Lösung finden möchte. Grübeln hält sich an vage Ansätze und (un)mögliche Möglichkeiten, die ihren Ausdruck in Worten wie Wenn, Wäre oder Würde finden. Es sind allesamt chaotische Konditionale, die in der Vergangenheit oder der Zukunft gefangen sind. Eine Besonderheit dieser Art von Gedanken liegt darin, dass Sie unaufhaltsam im Kreis herum laufen, ohne eine Aussicht auf Lösung. Ärger, Missmut und Verzweiflung wachsen kontinuierlich an und ziehen die gesamten Gedanken und Gefühle spiralförmig nach unten und münden nicht selten in Depression.

Dagegen folgt die meditative Betrachtung einer klaren Struktur und versucht in ihrem Kern fünf grundlegende Fragen zu behandeln:

Was ist es? Aufzählen von sachlich verschiedenen Definitionen und Beschreibungen des betrachteten Themas. Was gehört alles dazu, wie könnte man es erklären, ohne es dabei akademisch zu analysieren?

Was macht es mit mir? Wie ist meine Befindlichkeit dabei, fühle ich mich betroffen und wie geht es mir danach?

Wo kommt es her? Was ist der Anlass, wie entsteht es, aus welcher tieferen Ursache (ohne es psychoanalytisch oder therapeutisch aufzubereiten) entsteht es?

Wo führt es hin? Ist es positiv oder negativ, welche Auswirkungen hat es in Folge, wohin führt es mich auf meinem Lebensweg?

Was kann ich dafür tun? Fördern, wenn ich es als gut und heilsam erkannt habe. Aufhalten und ändern, wenn ich es als schlecht und unheilsam erkannt habe.

Aus diesem weisen Erwägen heraus entsteht eine Form der Einsicht, die zu persönlichen Entscheidungen führt. Ganz realistisch, ohne Wenn und Aber, klärt die meditative Betrachtung das gewählte Thema und gibt auch den damit verbundenen Gefühlen eine Ausdrucksmöglichkeit. Die Frage, wo es hinführt, zeigt, was Sie davon zu erwarten haben, und ob Sie das betrachtete Szenario wirklich so haben möchten. Zur letzten Frage gehört die Überlegung, wo Sie sich Hilfe holen können, also Freunde, Lehrer, Bücher (Lesen, Schreiben), Hören oder andere Aktivitäten.

Die Praxis der meditativen Betrachtung

Setzen Sie sich für 10 - 20 Minuten aufrecht auf einen Stuhl oder auf ein Sitzkissen in einer beliebigen Meditationshaltung.

Legen Sie (wenn Sie diese Übung alleine durchführen) das Blatt mit den Fragen so vor sich hin, dass Sie es leicht lesen können. Stellen Sie sich diese Fragen persönlich.

Atmen Sie mit geschlossenen Augen ruhig und tief 5x ein und aus. Lassen Sie allen Druck vom Kopf und den Schultern absinken.

Geben Sie dem Wirrwarr und der rasanten Abfolge Ihrer Gedanken keine Aufmerksamkeit

6

.

Versuchen Sie, so gut es geht, wach und entspannt dazusitzen.

Wenn Sie zu mehreren als Gruppe die meditative Betrachtung üben, ist es angenehm, wenn eine Person die Fragen vorliest beziehungsweise die meditative Betrachtung anleitet. Wenn Sie die Betrachtung alleine durchführen, lesen Sie eine Frage und wiederholen diese bei geschlossenen Augen, bis Ihnen diese Frage wirklich eingeht. Dann antworten Sie sich selbst so einfach und kindlich, wie die Worte gerade kommen. Machen Sie bitte keine Philosophie daraus und beweisen Sie sich nicht Ihre Intelligenz! Einfach und echt soll Ihre Antwort sein!

Versuchen Sie möglichst, beim vorgegebenen Betrachtungsthema zu bleiben, und nicht geistig damit zu beginnen, Aufgabenlisten zu schreiben und zu überlegen, was alles zu tun und zu lassen wäre. Dafür ist nach der Betrachtung noch genügend Zeit vorhanden.

Vielleicht genügen Ihnen zwei Minuten - vielleicht brauchen Sie mehr, nehmen Sie sich so viel Zeit, wie Sie benötigen.

Wenn gar keine Antworten kommen wollen, ist das kein Grund zur Aufregung oder Kritik. Stellen Sie sich vor, Sie erzählen Ihrem Freund, Ihrer Freundin, was Sie vom betrachteten Thema halten.

Betrachtungsthema: Mein Glück

Was ist Glück für mich?

Ist es tägliches Glück oder Lebensglück?

Kann ich es beschreiben oder andere Worte dafür finden?

Wie würde ich es einem Freund, einer Freundin beschreiben?

Welche Gefühle weckt Glück in mir?

Erinnern Sie sich an ein schönes, beglückendes Ereignis. Holen Sie das Gefühl von damals wieder hervor, ohne sich jedoch darin zu verstricken.

Wie fühlte ich mich im Moment des Glücks, wie etwas länger danach?

Wie fühle ich mich jetzt, da dieses Glück bereits Vergangenheit ist?

Wie geht es mir mit unerfüllten Glücksvorstellungen?

Kommt Glück von außen auf mich zu?

Bleiben Sie dazu weiter bei dem bereits zuvor geweckten Glücksereignis als Betrachtungsobjekt.

Wurde dieses Glück von außen, durch einen Ihrer Sinne ausgelöst?

Oder sind es innere Vorstellungen, Gedanken, Wünsche, die Ihr Glück bestimmen?

Hat dieses Glück eine weiter führende Wirkung auf mich und mein Leben?

Was hindert mich eigentlich daran, (jetzt) glücklich zu sein?

Kann ich mich selbst glücklich machen?

Wie kann ich die Hindernisse aus dem Weg räumen?

Wie kann ich das Glücksgefühl fördern?

Nach der Betrachtung lassen Sie nun alles Denken, Erwägen und Betrachten abfließen und bleiben noch ruhig einige Augenblicke sitzen. Atmen Sie, wie am Anfang 5x tief und ruhig ein und aus. Diesmal aber mit offenen Augen, beim Einatmen heben Sie Ihre Arme bis über den Kopf, beim Ausatmen führen Sie Ihre Arme zurück in Ihren Schoß.

Wenn Ihnen während dieser meditativen Betrachtung eine gute Idee oder eine Entscheidung für Ihren Lebensweg gekommen ist, sollten Sie diese nun in ein Notizheft oder Meditationsbüchlein eintragen.

Achtsamkeitsübung: 8 Punkte Meditation

Es gibt viele verschiedene Arten der Ruhemeditation (in Pali: samatha). Gemeinsam ist diesen Methoden das Bestreben, zur geistigen Ruhe zu führen. In dieser hektischen Zeit, wo alles schnell gehen muss und unsere Sinne von unzähligen Reizen überschwemmt werden, ist das Bedürfnis nach Ruhe stark ausgeprägt. Vom stressigen Alltag zum entspannten Zu-Sich-Selbst-Kommen ab- und umschalten zu können, ist ein oft unerfüllter Wunsch vieler Menschen, egal ob es sich um Manager, ArbeiterInnen, Hausfrauen, Hausmänner oder SchülerInnen handelt.

Die planenden, bewertenden und wirbelnden Gedanken im Kopf sollen dabei still werden, sich ordnen und von außen nach innen auf uns selbst gelenkt werden. Der Kontakt zu den eigenen Gedanken, Gefühlen und Körperempfindungen geht verloren, wenn er nicht gepflegt wird.

Jeder Mensch möchte sein Dasein, seine Existenz spüren! Das ist aber nur dann möglich, wenn der Mensch zu sich selbst eine gute Beziehung hat. Das kann gefördert werden, indem die körperliche Empfindungsfähigkeit sowie die Wahrnehmung geübt und trainiert werden.

Die 8 Punkte Meditation, die in der burmesischen Schule häufig zur Anwendung kommt, ist eine einfache aber sehr effektive Art, den Gedanken eine Richtung zu geben und sie damit zu beruhigen. Die angeführten Punkte beziehen sich auf Körperteile, die man geistig anvisiert, und die von 1 bis 8 immer wiederholt werden. Durch den dynamischen Ablauf dieser Meditation ist der Geist kontinuierlich beschäftigt und schweift dabei nicht so leicht ab wie bei einem statischen Meditationsobjekt. Diese Meditationsform ist daher sehr gut geeignet, wenn Sie von einer unruhigen oder emotionalen Situation aus zur Ruhe kommen möchten.

Die stattfindende Wahrnehmung der Körperempfindung schärft außerdem die Konzentration, denn intensiv kann sich unser Geist immer nur auf eine Sache zu einem Zeitpunkt richten; alles Andere wird ausgeschlossen. In Bruchteilen einer Sekunde kann sich der Geist zwar von einem Thema zum anderen bewegen und damit eine Art von Gleichzeitigkeit simulieren, aber wenn wir das Wahrnehmen des jeweiligen Körperteiles wirklich ernst nehmen, kommt der Geist immer wieder zum Ankerplatz zurück.

So trainieren wir unseren Geist, damit er ruhiger und geordneter wird und uns das Gefühl gibt, die eigenen Geschicke zu lenken, wir lassen ihn nicht wie mit einer Marionette seine Spielchen mit uns machen.

Setzen Sie sich für 20 - 30 Minuten an einen ruhigen Platz, an dem Sie nicht gestört werden. Wenn Sie noch nie meditiert haben finden Sie im Anhang dieses Buches eine Übersicht über verschiedene mögliche Meditationshaltungen. Wählen Sie eine davon, die es Ihnen erlaubt, etwa eine halbe Stunde in dieser zu verbleiben.

Wenn Sie ein Meditationskissen benutzen, setzen Sie sich im Schneidersitz mit gekreuzten Beinen nieder, oder knien Sie im Fersensitz mit dem Kissen zwischen den Beinen unter dem Steißbein. Rücken und Hals sollen aufgerichtet sein, um während der Meditation wach und offen zu bleiben. Die Augen können geschlossen oder leicht geöffnet sein; die Hände liegen entweder im Schoß oder auf den Knien. In stabiler, aufrechter und entspannter Haltung lässt es sich am besten meditieren.

Falls Sie einen Stuhl benötigen, achten Sie darauf, dass die Sitzfläche nicht nach hinten, sondern wenn möglich etwas nach vorne abfällt. Ihre Füße stellen Sie mit ganzer Fußsohle etwa 20 cm voneinander entfernt am Boden auf. Legen Sie Ihre Hände auf den Oberschenkeln oder im Schoß ab. Am besten ist es für Ihre Aufrichtung, wenn Sie sich nicht anlehnen.

Wenn Sie sich entspannt, sicher und wach fühlen - ist Ihre Haltung richtig; nicht, wenn Ihr Körper schlaff zusammensackt.

So meditieren Sie:

Kommen Sie erst einmal auf Ihrem Sitz soweit zur

Ruhe,

dass Sie sagen können: Hier sitze ich jetzt - sicher auf dem Boden, auf der Erde - gut aufgerichtet - den Scheitel zur Decke, zum Himmel. Angenehm entspannt liegen meine Hände auf, und meine Schultern geben nach. So sitze ich gut!

Nun richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihren rechten

Fuß.

Nehmen Sie wahr, wie er am Boden aufliegt, und sagen dann innerlich: Rechter Fuß - spüren, spüren. Warten Sie, bis Sie Ihren rechten Fuß am Boden fühlen. Wenn Sie noch nichts fühlen, dann stellen Sie auch das ohne eine Selbstverurteilung fest. Sie brauchen kein Gefühl zu erzeugen. Sie sollen nur an dem angegebenen Punkt betrachten, was tatsächlich da ist.

Dann gehen Sie weiter, lenken Ihre Aufmerksamkeit zum rechten Knie und nehmen das rechte Knie rundherum oder im Gelenk wahr. Sagen Sie sich: Rechtes Knie - spüren, spüren. Mit etwas Geduld fühlen Sie vielleicht den Stoff Ihrer Bekleidung am Knie oder in der Kniekehle, den Bodenkontakt, oder die Beugung des Gelenkes macht sich bemerkbar.

An der Stelle ist anzumerken, dass Sie sich keinen Kopf über die korrekte Benennung eines Gefühls machen sollten. Nehmen Sie den ersten Namen, der Ihnen einfällt und wenn Sie das Gefühl nicht benennen können, so unternehmen Sie auch keinen weiteren Aufwand, es genauer zu spezifizieren.

Weiter geht es zur

rechten Gesäßhälfte.

Fühlen Sie hier den Kontakt zur Sitzfläche oder den Druck und achten Sie auf die Empfindung der Berührung. Sagen Sie sich dabei selbst: Rechtes Gesäß - spüren, spüren.

Nun lenken Sie Ihre Achtsamkeit zum

linken Fuß.

Suchen ihn auf, schauen Sie innerlich hin und versuchen Sie zu fühlen, wie er daliegt. Bestätigen Sie für sich selbst diesen Punkt mit: Linker Fuß - spüren, spüren.

Weiter gehen Sie zum

linken Knie,

finden es auf und bemerken seine Lage. Achten Sie auch auf die kleinsten und einfachsten Empfindungen und sagen Sie sich: Linkes Knie - spüren, spüren.

Nun beachten Sie die

linke Gesäßhälfte

aufmerksam. Spüren Sie das Aufsitzen und sagen Sie sich innerlich: Linkes Gesäß - spüren, spüren.

Jetzt lenken Sie Ihren Geist zur

rechten Hand;

schauen Sie innerlich wo die Hand liegt und wie sie sich anfühlt, was Sie berührt. Sie bestätigen es mit: Rechte Hand - spüren, spüren.

Wechseln Sie zur

linken Hand,

nehmen auch ihre Lage wahr und was diese Hand gerade berührt. Auch hier bestätigen Sie mit: Linke Hand - spüren, spüren.

Nun gehen Sie zum

Rücken,

an die tiefste Stelle Ihrer Wirbelsäule, zum Steißbein. Mit einem ruhigen, langen Einatmen fahren Sie im Geist die Wirbelsäule hinauf bis zum Kopf - und mit einem langen Ausatmen fahren Sie ruhig und achtsam wieder hinunter. Sie begleiten das Auf und Ab mit den inneren Worten: Sitzen - Sitzen.

Beginnen Sie erneut mit dem rechten Fuß, widmen sich achtsam einem Körperteil nach dem andern und beenden jeweils eine Runde mit dem bewussten Atmen. Sie können diesen Meditationsdurchgang, wenn Sie möchten mehrmals wiederholen (beachten Sie dabei, dass das sehr intensiv, nicht zu rasch erfolgen soll).

Hier der Ablauf der 8-Punkte-Meditation in Kürze:

Rechter Fuß

Rechtes Knie

Rechtes Gesäß

Linker Fuß

Linkes Knie

Linkes Gesäß

Rechte Hand

Linke Hand

spüren, spüren

spüren, spüren

spüren, spüren

spüren, spüren

spüren, spüren

spüren, spüren

spüren, spüren

spüren, spüren

Einatmen: Steißbein bis Scheitel

Ausatmen: Scheitel bis Steißbein

Die Wiederholungen in dieser Meditation stärken die Konzentration, geben Ihnen ein intensiveres Sitzgefühl und regen die Energien zum besseren Fließen an. Indem die Gedanken und Empfindungen laufend von einem Punkt zum nächsten geleitet werden, kommen sie ganz automatisch in ruhigere Bahnen. Der Geist wird stabiler, und die Wahrnehmung der Empfindungen lässt ein Gefühl von sich nahe sein; bei sich sein aufkommen

Wenn im Anfang gar nichts oder wenig empfunden wird, ist es als eine Aufforderung zu werten, sich dieser Übung besonders zu widmen, damit Sie immer besser mit Ihren Gefühlen in Kontakt kommen.

Metta – Übung: Die Sonne der Herzensgüte

Weltliche Liebe ist uns nur zu gut bekannt: sie wird in Liedern besungen, in Filmen dargestellt und findet in Gedichten ihren Ausdruck. Fast jeder/jede war schon einmal verliebt und kann dieses Gefühl sicherlich gut und ausführlich beschreiben. Was ist aber der Unterschied zwischen dieser weltlichen, uns sehr vertrauten Liebe und einer meditativen Liebe, die im Sanskrit Maitri, in Pali Metta genannt wird?

Wir Menschen sehnen uns danach, so geliebt zu werden und lieben zu können, dass es weder zu Enttäuschungen und Ablehnung oder gar zu Verletzungen und Hass kommt. Aber trotz bester Vorsätze und größter Bemühungen ist die weltliche Liebe zu dem einen oder anderen Zeitpunkt mit Schmerz, Kummer oder Sorge verbunden.

Die meditative Liebe – Metta - hingegen könnte man treffender als umfassende Güte, ehrliche Freundlichkeit, Herzenswärme oder tiefe Akzeptanz bezeichnen. Sie ist nicht von triebhaften Gefühlen oder irrealen Vorstellungen und Erwartungen oder gar einer gegenseitigen Bedingtheit geprägt, sondern basiert auf entwickelten Einsichten und dem Fundament einer umfassenden Ethik.

Im Gefühl von Metta begegnen wir einer großen heilenden, dauerhaften und Selbstwert aufbauenden Kraft, während die weltliche Liebe uns mit Kurzlebigkeit und ihrem Wankelmut zu schaffen macht. Die weltliche Liebe kann uns zwar hoch heben und fliegen lassen, aber nicht selten zieht uns diese Art der Liebe in gleicher Weise auch in tiefe Abgründe.

In der als reife Liebe beschriebenen weltlichen Liebe sind tragende Elemente von Metta enthalten, was den Liebenden wohl selten bewusst ist, aber deren Liebe auf ein sehr tragfähiges und stabiles Fundament stellt.

Metta geht über persönliche Beziehungen weit hinaus; sie wird in der buddhistischen Lehre daher auch Allgüte oder allumfassende Liebe genannt. Sie schafft eine Atmosphäre des Friedens und Wohlwollens, und den mitunter schwierigen spirituellen Pfad beschwingt sie mit Freude und Leichtigkeit.

Zum Thema Metta könnten wir noch viel schreiben – am wichtigsten ist es, Metta in sich zu kultivieren – dann wird es zu einer tiefen Erfahrung, und Sie können Ihre eigenen Begriffe dafür finden. Das Schöne an Metta liegt darin, dass sie erlernbar und trainierbar ist. Sie müssen nicht mit der Metta – Fähigkeit geboren worden sein, vielmehr entwickelt sich dieser in uns allen angelegte Same nach und nach mit jeder Übung.

Die Übung

Um die nun folgende Metta – Meditation, die etwa 15 Minuten dauert durchzuführen, setzen Sie sich auf ihren Meditationsplatz und finden eine angenehme Position. Konzentrieren Sie sich einige Minuten auf Ihr Meditationsobjekt bis Ihr Geist ruhig und gesetzt ist. Anschließend folgen Sie im Geist dieser Anleitung:

Wir richten unser geistiges Auge auf die Sonne aus. Die Sonne weckt uns jeden Morgen mit ihrer Wärme und ihren Strahlen, die den Tag erhellen und uns zu tätigem Leben anregen. Die ganze Natur, alle Wesen - ohne Ausnahme - werden von ihr mit Energie und Lebensfreude beschenkt.

Auch wenn es dunkel ist, haben wir die Gewissheit, dass sie wieder hervorkommt und uns Licht spendet. Zum Ruhen und Schlafen brauchen wir die Dunkelheit ebenso wie morgens die Helligkeit zum Aufstehen und Aktivwerden. Wir freuen uns, wenn die Sonne aufgeht, und wir werden berührt von der Schönheit ihres Unterganges. Ihre Wärme tut uns wohl, macht uns beweglich und lebendig.

Wir werden uns gewahr, dass tief in uns eine Kraft angelegt ist, die der Sonne gleicht. Diese Kraft strahlt und wärmt von innen heraus und geht über die Körpergrenze weit hinaus. Wellen des Wohlwollens durchströmen von innen her Körper und Geist und geben dem ganzen Menschen freudige Lebendigkeit. Wir müssen es nur zulassen! Vielleicht spüren wir es noch nicht in vollem Maße - aber die Sehnsucht nach Liebe und Verbundenheit sagt uns, dass dieses Potenzial in uns vorhanden ist.

So wie die Sonne der Natur Wachsen und Gedeihen verleiht, ist es die Energie der liebenden Güte, die uns zu wirklichen Menschen macht und darüber hinaus die ganze Menschheit am Leben erhält. Ohne Zuwendung und Wohlwollen wäre die Menschheit der Vernichtung und der Ausrottung preisgegeben.

Öffnen wir nun unser Herz für umfassendes Wohlwollen, um uns selbst und alle Lebewesen, die mit uns auf diesem Planeten wohnen, zu beschützen und zu behüten. So wie die Sonne machen auch wir keine Ausnahmen und lassen die Strahlen der wärmenden Güte alle Herzen berühren.

In dem Gefühl der Verbundenheit mit allen Wesen und der gesamten Natur breiten wir das Licht der Herzenssonne weit über die Erde aus und geben allen gleichermaßen Leben spendende Kraft. Unser Wohlwollen trägt zum Frieden und zur Harmonie in der Welt bei.

Was wir am meisten brauchen und spüren, ist das befreiende Gefühl im eigenen Herzen, es löst sich ein Knoten von Druck und Belastung. Pflegen und behüten wir die Sonne der Herzensgüte in unserem Inneren wie einen großen Schatz.

Mit dem traditionellen Spruch der liebenden Güte beenden wir die Meditation:

Möge ich frei sein von Leid und Bedrückung-

Möge ich zufrieden und glücklich sein!

Mögen alle Wesen frei sein von Leid und Bedrückung -

Mögen alle Wesen zufrieden und glücklich sein!

Lied: Licht vom Himmel

2Pali ist eine mittelindische Sprache, die aus dem Vedischen hervorgegangen ist und eng mit dem Sanskrit verwandt ist. Die ursprünglichen buddhistischen Lehrtexte, auf welche sich der Theravada-Buddhismus beruft wurden in Pali mündlich übertragen und erst zu späterer Zeit niedergeschrieben.

3Die Übersetzungen der Dhammapada-Verse erfolgten von den Autoren dieses Buches in freier Form, um die bedeutenden Kernpunkte und Inhalte klarer darzustellen.

4Das Pali-Wort nibbanan kann sowohl als Befreiung, Nirwana oder auch Erlösung übersetzt werden.

5Es ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass der Begriff der Kontemplation in der christlichen Mystik anders besetzt ist und dort für Ruhemeditation steht.

6Wenn das im Moment noch nicht so einfach geht, dann wenden Sie zuerst eine der später beschriebenen Formen der Ruhemeditation an, um Ihren Geist zu beruhigen.

Was ist Zufriedenheit?

Das, was ich nicht habe…

Nach einem Yoga-Kurs sitzen wir in Frauengespräche vertieft plaudernd noch etwas zusammen. Natürlich bleiben die Männer dabei nicht ungeschoren.

Während eine Frau klagt, wie schwierig es mit ihrem Mann zu Hause sei und dass sie am liebsten allein wäre, jammert ihre Nachbarin, dass sie das Alleinsein nicht mehr aushielte und sich so sehr einen Partner wünschte. Wir schlugen vor zu tauschen!

Der Antrieb nach dem Glück zu suchen, liegt in der zumindest latenten Unzufriedenheit, die wir in uns und an den Dingen um uns herum erkennen. Wir sind mit dem, was wir gerade haben, in der einen oder anderen Art unzufrieden, gerade so wie die beiden Frauen in ihrem Gespräch.

Diese Unzufriedenheit in unserem Inneren kann zwar durch materielle Güter gelindert werden, aber sie meldet sich bereits nach kurzer Zeit, und dann auch stärker, wieder zurück.

Womit genau sind wir eigentlich unzufrieden, was macht uns zu Suchenden?

Woher kommt diese Unzufriedenheit, in welcher Weise manifestiert sie sich und was können wir wirklich tun, um den Weg zur Zufriedenheit zu erreichen?

Das Gegensatzpaar Zufriedenheit und Unzufriedenheit sowie die interessante Verbindung mit dem persönlichen Selbstwertgefühl wird in diesem Kapitel näher betrachtet.

Wahre Zufriedenheit

Wer würde sich selbst schon als zufrieden bezeichnen?

Und was bedeutet es? Das Wort zufrieden