Liebe für einen Tag - Nina Kayser-Darius - E-Book

Liebe für einen Tag E-Book

Nina Kayser-Darius

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Beschreibung

Mit den spannenden Arztromanen um die "Kurfürstenklinik" präsentiert sich eine neue Serie der Extraklasse! Diese Romane sind erfrischend modern geschrieben, abwechslungsreich gehalten und dabei warmherzig und ergreifend erzählt. Die "Kurfürstenklinik" ist eine Arztromanserie, die das gewisse Etwas hat und medizinisch in jeder Hinsicht seriös recherchiert ist. Nina Kayser-Darius ist eine besonders erfolgreiche Schriftstellerin für das Genre Arztroman, das in der Klinik angesiedelt ist. 100 populäre Titel über die Kurfürstenklinik sprechen für sich. »Willkommen im Hotel King's Palace, Herr Dr. Falkenburg«, sagte Stefanie Wagner mit charmantem Lächeln. »Wir freuen uns, daß Sie unser Gast sind für die nächsten Tage.« »Ich freue mich auch, wieder einmal in Berlin zu sein«, erwiderte Dr. Albert Falkenburg und ließ ein verschmitztes Lächeln sehen, das Stefanie sofort für ihn einnahm. Er hatte etwas Jungenhaftes an sich, fand sie. Etwas an ihm erinnerte sie an den sechsjährigen Sohn ihrer Nachbarn, der ständig auf der Suche nach Abenteuern war und deshalb die Welt aus hellwachen Augen betrachtete. Abgesehen von seinem Lächeln wirkte Dr. Falkenburg durch und durch seriös: groß, schlank, dunkelhaarig. Nicht eigentlich gutaussehend, aber mit interessanten Gesichtszügen, die von den lebhaften Augen beherrscht wurden und dem ausdrucksvollen Mund, der sich offenbar gerne zu einem Lachen oder Lächeln verzog. Bestimmt war er ein großartiger Erzähler, konnte Spannung aufbauen, eine Pointe verzögern. »Sind Sie Arzt«, hörte sie sich fragen. »Wegen Ihres Titels, meine ich.« »Nein, nein, ich bin Historiker«, antwortete er. »Ich arbeite wissenschaftlich – ein schrecklich seriöses Leben, das kann ich Ihnen sagen, Frau Wagner. Aber ich bin in Berlin, um das für ein paar Tage zu vergessen. Ich treffe mich hier mit Freunden von früher – wir wollen mal wieder ordentlich…« Ihm fehlte das richtige Wort, stirnrunzelnd dachte er darüber nach. »Einen draufmachen?« kam sie ihm zu Hilfe. »Auf den Putz hauen?« Er lachte laut und vergnügt. »Genau, Sie haben es erfaßt. Für einige Tage mal wieder zehn oder zwölf sein, wissen Sie? Vergessen, daß man schon längst erwachsen ist. Dumme Streiche machen, zu

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Seitenzahl: 115

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Kurfürstenklinik – 63 –Liebe für einen Tag

Dann brach die Welt für Jill zusammen

Nina Kayser-Darius

»Willkommen im Hotel King’s Palace, Herr Dr. Falkenburg«, sagte Stefanie Wagner mit charmantem Lächeln. »Wir freuen uns, daß Sie unser Gast sind für die nächsten Tage.«

»Ich freue mich auch, wieder einmal in Berlin zu sein«, erwiderte Dr. Albert Falkenburg und ließ ein verschmitztes Lächeln sehen, das Stefanie sofort für ihn einnahm. Er hatte etwas Jungenhaftes an sich, fand sie. Etwas an ihm erinnerte sie an den sechsjährigen Sohn ihrer Nachbarn, der ständig auf der Suche nach Abenteuern war und deshalb die Welt aus hellwachen Augen betrachtete.

Abgesehen von seinem Lächeln wirkte Dr. Falkenburg durch und durch seriös: groß, schlank, dunkelhaarig. Nicht eigentlich gutaussehend, aber mit interessanten Gesichtszügen, die von den lebhaften Augen beherrscht wurden und dem ausdrucksvollen Mund, der sich offenbar gerne zu einem Lachen oder Lächeln verzog. Bestimmt war er ein großartiger Erzähler, konnte Spannung aufbauen, eine Pointe verzögern. »Sind Sie Arzt«, hörte sie sich fragen. »Wegen Ihres Titels, meine ich.«

»Nein, nein, ich bin Historiker«, antwortete er. »Ich arbeite wissenschaftlich – ein schrecklich seriöses Leben, das kann ich Ihnen sagen, Frau Wagner. Aber ich bin in Berlin, um das für ein paar Tage zu vergessen. Ich treffe mich hier mit Freunden von früher – wir wollen mal wieder ordentlich…« Ihm fehlte das richtige Wort, stirnrunzelnd dachte er darüber nach.

»Einen draufmachen?« kam sie ihm zu Hilfe. »Auf den Putz hauen?«

Er lachte laut und vergnügt. »Genau, Sie haben es erfaßt. Für einige Tage mal wieder zehn oder zwölf sein, wissen Sie? Vergessen, daß man schon längst erwachsen ist. Dumme Streiche machen, zu viel trinken, zu wenig schlafen – all das tun, was wir uns längst abgewöhnt haben.«

Sie war beeindruckt. »Ich kenne viele, die sich das mal wieder wünschen würden«, sagte sie, »aber niemanden, der dann wirklich noch einmal über die Stränge schlägt. Richtigen Unsinn machen Sie aber nicht, oder? Ich meine, Sie kommen nicht auf die Idee, unser Hotelzimmer zu demolieren, wenn Sie zu viel getrunken haben?«

Er sah sie verdutzt an, daß sie es dieses Mal war, die laut lachte. »Man kann ja nie wissen«, verteidigte sie sich. »Sie glauben nicht, was wir hier schon alles erlebt haben.«

»Keine Sorge«, versicherte er ganz ernsthaft. »Ich vertrage gar keinen Alkohol. Wenn ich sage, daß ich zu viel trinke, dann sind damit zwei Gläser Wein gemeint. Das reicht schon, um mich betrunken zu machen.«

»Hoffentlich passen Ihre Freunde dann auf Sie auf«, meinte sie. »Kommen Sie, Herr Dr. Falkenburg, ich zeige Ihnen Ihr Zimmer. Es ist eins unsere schönsten. Sie haben Glück, daß es gerade frei war, als Sie sich angemeldet haben.«

»Diese ganze Reise ist ein Glück«, erklärte er. »Ich war schon lange nicht mehr in Berlin, ich freue mich wie ein kleines Kind auf diese paar Tage.«

»Man merkt es Ihnen an«, sagte Stefanie. Sie fuhren im Fahrstuhl nach oben, dann ging sie voran, bis sie sein Zimmer erreicht hatten. Das Gepäck war schon gebracht worden. Stefanie öffnete und sagte mit weit ausholender Gebärde: »Bitte schön, für die nächsten Tage gehört es Ihnen.«

»Das ist ja… das ist ja sensationell!« staunte er und lief sofort zu einem der großen Panoramafenster, das ihm einen grandiosen Blick über die Stadt ermöglichte. Strahlend drehte er sich zu Stefanie um: »Wenn mein Aufenthalt hier so anfängt, dann kann eigentlich gar nichts mehr schiefgehen, Frau Wagner.«

»Das wünsche ich Ihnen«, sagte Stefanie. »Viel Spaß bei allem, was Sie tun, Herr Dr. Falkenburg.«

»Danke. Und vielen Dank auch für den reizenden Empfang – sind Sie eigentlich die Chefin von dem Laden hier?«

Erneut konnte sie ein Lächeln nicht unterdrücken – sowohl über die Frage als auch über seine lockere Art, sich auszudrücken. Man hätte nicht denken sollen, daß dieser große Junge ein wissenschaftlich arbeitender Mann war! »Nein, bin ich nicht. Ich bin, wenn Sie so wollen, die rechte Hand des Chefs, die Assistentin des Direktors.«

Er legte den Kopf schief und betrachtete sie. »Ich hätte schwören können, daß Sie hier das Sagen haben. Die anderen Angestellten haben Sie so überaus respektvoll behandelt.«

Sie wurde verlegen. »Ach, das haben Sie sich nur eingebildet, Herr Dr. Falkenburg. Ich muß jetzt zurück in mein Büro. Also: Viel Spaß in Berlin. Wir sehen uns ja sicher noch.« Damit verließ sie das Zimmer und eilte auf ihren hohen Absätzen, die sie zu einem sehr eleganten dunklen Kostüm trug, zum Aufzug. Dr. Falkenburg hatte, ohne es wissen zu können, einen wunden Punkt getroffen mit seinen Bemerkungen. Stefanie war in der Tat so etwas wie die heimliche Chefin des Hotels, denn Andreas Wingensiefen, der Direktor, repräsentierte zwar sehr gern, wenn Kameras in der Nähe waren, aber die tägliche Kleinarbeit lag ihm weniger, die ließ er Stefanie machen. Das wußten natürlich alle, die im Hotel arbeiteten, und alle gingen ausschließlich zu Stefanie, wenn sie ein Problem hatten…

Sie seufzte, als sie im Fahrstuhl stand. Sie arbeitete gern und viel, aber manchmal war sie auch wütend auf ihren Chef, der es sich allzu bequem machte auf seinem Direktorensessel. Nun ja, das hatte auch Vorteile. Immerhin ließ er sie, in der Regel meistens, in Ruhe arbeiten. Er mischte sich nicht ein, ließ ihr freie Hand, und das war auch eine Menge wert.

Der Fahrstuhl hielt, sie verließ ihn und betrat gleich darauf aufatmend ihr Büro. Auf ihrem Schreibtisch, den sie vor kaum einer Viertelstunde verlassen hatte, lag eine kleine Liste mit Notizen von ihrer Sekretärin. War es denn möglich, daß in dieser kurzen Zeit bereits wieder so viele Probleme aufgetaucht waren? Sie überflog die Liste. Ja, es war möglich. Sie griff zum Telefon. Vielleicht konnte sie wenigstens einen Teil der Probleme von hier aus lösen. Wenn das nicht ging, würde sie wieder stundenlang im Haus unterwegs sein müssen. Dabei warteten noch so viele andere Aufgaben auf sie…

*

»Jill! Ji-hill!«

Mit einem Ruck fuhr Jill Hunter in die Höhe und rieb sich die Augen. Was war passiert? Brannte es? War ein Unglück geschehen? Wo war sie überhaupt?

»Jill, verdammt noch mal, jetzt mach endlich auf! Jill! Jill Hunter!«

Die Stimme gehörte ihrer älteren Schwester Mary, und nun fiel ihr wieder ein, daß sie Mary zum Frühstück eingeladen hatte. Das bedeutete: Sie hatte verschlafen? Wie peinlich, ausgerechnet dann zu verschlafen, wenn man einen Gast erwartete. Sie stolperte aus dem Bett und rannte zur Tür.

»Sag mal, bist du taub? Geht deine Klingel nicht? Und wieso schläfst du überhaupt noch? Wir sind seit einer halben Stunde verabredet, ich bin nämlich viel zu spät.«

Jill fiel ihrer Schwester um den Hals. »Entschuldige, Mary, ich hab’ verschlafen. Außerdem stelle ich abends die Klingel ab, weil hier immer irgendwelche Idioten meinen, es wäre besonders lustig, wenn sie nachts die Leute aus dem Schlaf klingeln.«

»Nachts?« fragte Mary spitz. »Hast du mal auf die Uhr gesehen? Es ist gleich Mittag. Wir waren für elf verabredet, jetzt ist es nach halb zwölf.«

»Hör auf zu schimpfen, komm endlich rein. Ich setze schon mal den Kaffee auf, dann mache ich mich ein bißchen frisch, und in einer Viertelstunde frühstücken wir.«

»Aber nur, wenn ich wieder alles mache«, murrte Mary leise vor sich hin, doch sie wirkte schon wieder völlig besänftigt. Man konnte Jill unmöglich lange böse sein.

Es dauerte dann aber doch eine halbe Stunde, bis die beiden Schwestern in Jills winziger Küche saßen und mit gutem Appetit die ersten Brötchen aßen. »Gut, daß du an die Brötchen gedacht hast«, meinte Jill. »Echt, ich hab’ mir gestern noch den Wecker stellen wollen, aber dann dachte ich: Quatsch, bis elf bin ich längst aufgestanden.«

Sie sah jetzt völlig munter aus, die blonden Haare waren zwar immer noch ein wenig verstrubbelt, aber ihre blauen Augen strahlten schon wieder unternehmungslustig. Sie sah sehr hübsch aus. Sehr hübsch und sehr jung.

Mary war ein ganz anderer Typ. Dunkler und eckiger. Alles, was bei Jill rund und weich wirkte, war bei ihr ein wenig kantig. Sie war ebenfalls hübsch, wirkte aber schon auf den ersten Blick viel ernster als ihre jüngere Schwester.

»Wann bist du denn ins Bett gekommen?«

»Gar nicht so spät gestern, gegen drei, glaube ich.« Jill gähnte verhalten. »Aber ich brauche diesen Job, Mary! Er ist anstrengend, aber wenn ich nachts nicht arbeite, kann ich mein Studium vergessen!«

›Dieser Job‹ war Jills Stelle als Bedienung in einer sehr beliebten Kneipe in Berlin-Mitte, die ›Wagenbach‹ hieß, nach einem ihrer Besitzer. Dort trafen sich alle, die sehen und gesehen sein wollten, und Jill arbeitete an vier Abenden in der Woche in dem Lokal. Sie war eigentlich gelernte Bankkauffrau, hatte jedoch bald festgestellt, daß das der falsche Beruf für sie war. Zum Entsetzen ihrer Eltern hatte sie nach drei Jahren Bank gekündigt und zu studieren angefangen. Sie wollte unbedingt Archäologin werden.

»Gut«, hatte ihr Vater gesagt, »wenn du das willst, dann mach das. Aber dann sieh auch zu, daß du das selbst finanzierst. Wenn man etwas wirklich will, muß man dafür auch Opfer bringen.«

Es war hart, aber Jill biß sich durch. Sie hatte kaum Geld, ihr Erspartes schmolz schnell zusammen, aber sie war trotzdem glücklich, der Bank entronnen zu sein. Dort hatte sie sich immer fehl am Platze gefühlt. Und da sie jünger aussah als ihre siebenundzwanzig Jahre, fiel sie unter den anderen Studenten gar nicht auf.

»Klar brauchst du einen Job – die Frage ist nur, ob es ausgerechnet dieser sein muß. Das kann doch auch nicht gesund sein, sich vier Nächte in jeder Woche um die Ohren zu schlagen. Dazu dieser Lärm, der Rauch, der Gestank – und dann noch die blöde Anmache von den Leuten, wenn sie zu viel getrunken haben.«

»So schlimm ist das gar nicht«, verteidigte sich Jill. »Ich mach’ das gern, außerdem lernt man jede Menge interessanter Leute kennen. Alle Touristen wollen Berlin-Mitte sehen, da ist immer was los.«

»Was heißt: Du lernst Leute kennen?« erkundigte sich Mary kritisch. »Du lernst überhaupt niemanden kennen, du redest vielleicht ein bißchen mit denen, aber dadurch lernst du sie doch nicht kennen!«

»Nicht in dem Sinn, daß wir danach Freunde fürs Leben sind«, erwiderte Jill, »aber ich höre wirklich viele spannende Geschichten, und manche Leute sind echt nett. Außerdem haben wir Stammgäste, und die kenne ich schon ein bißchen besser.«

»Na ja, es ist ja auch dein Job, nicht meiner«, sagte Mary friedlich.

»Eben. Außerdem ist das, was du machst, auch nicht sonderlich gesund! Den ganzen Tag am Computer sitzen und sich gar nicht bewegen…«

»Stimmt«, gab Mary zu. Sie arbeitete als Übersetzerin, und sie liebte ihren Beruf über alles. Da Jill und sie zweisprachig aufgewachsen waren – ihr Vater war Engländer – fühlten sie sich im Deutschen wie im Englischen zu Hause. Mary hatte zudem ein außerordentlich gutes Sprachgefühl, sie hatte in Fachkreisen bereits einen ausgezeichneten Namen.

»Und was gibt’s sonst Neues?« erkundigte sich Jill. »Was macht Charly? Bei mir hat er sich ewig nicht gemeldet.«

Charly war ihr großer Bruder – bereits fünfunddreißig und Verleger in London. Er kam nur selten nach Berlin, aber seine Schwestern besuchten ihn gelegentlich, wenn sie mal wieder Lust auf ›die Insel‹ hatten.

»Er ist im Streß«, berichtete Mary. »Hat sich in eine andere Frau verliebt, und Joan droht jetzt, sich scheiden zu lassen.« Joan war ihre Schwägerin.

»O nein!« rief Jill. »Was ist denn in ihn gefahren? Die beiden waren doch so glücklich miteinander!«

»Das dachte ich auch immer, aber offenbar haben sie das zum Teil nur gespielt. Jedenfalls kriselt es bei ihnen heftig, und deshalb sollten wir unseren nächsten London-Trip noch ein bißchen aufschieben. Das wäre jetzt ziemlich unpassend, glaube ich.«

»Ich hab’ sowieso kein Geld«, murmelte Jill. »Meine Miete ist gerade erhöht worden, ich bin ziemlich blank, Mary. Und ohne Geld macht es in London keinen Spaß – wenn man sich gar nichts kaufen kann.«

»Dabei sind die Flüge gerade jetzt so billig. Aber, wie gesagt, im Augenblick paßt es sowieso nicht besonders gut. Laß uns warten, bis Charly entweder reumütig zu Joan zurückgekehrt ist oder…« Sie ließ den Rest des Satzes in der Luft hängen.

»Oder?« fragte Jill entsetzt. »Du glaubst doch nicht im Ernst, die lassen sich scheiden, Mary? So eine wie Joan findet er doch nie wieder!«

»Das sagen wir, aber er sieht das ja offenbar anders. Zumindest im Augenblick. Ruf ihn an und sag ihm deine Meinung, vielleicht hört er auf dich!«

Jill dachte nach, dann nickte sie. »Das mache ich!« sagte sie entschlossen. »Der soll bloß nicht glauben, er kann uns einfach eine andere Schwägerin vorsetzen, nachdem wir uns jetzt so schön an diese gewöhnt haben.«

Mary lachte. Manchmal war Jill wirklich komisch. Dann redeten sie über die Universität, Marys aktuelle Übersetzung, einen Film, den sie kürzlich beide gesehen hatten – und als Mary das nächste Mal auf die Uhr sah, war es fast drei.

Erschrocken sprang sie auf. »Ich muß wieder an die Arbeit, Jill. Meine Güte, wie kann man sich nur so verquatschen!«

»War aber sehr schön, oder?« meinte Jill und umarmte ihre ältere Schwester. »Bis bald, Große.«

»Bis bald, Kleine.«

Jill sah Mary vom Fenster aus nach, wie sie im Eilschritt über die Straße stürmte, dann machte sie sich ans Aufräumen. Sie hatte ebenfalls noch eine Menge zu tun: Sie mußte eine Semesterarbeit schreiben, mit der sie bisher noch nicht sehr weit gekommen war. Und dann fing ja auch ihr Job schon bald an.

*

»Sie haben also zwei Tage frei«, stellte Carola Senftleben fest und betrachtete ihren jungen Nachbarn Dr. Adrian Winter aufmerksam. »Wenn Sie mich fragen, Adrian: Das ist auch dringend nötig. Besser wäre, Sie würden mal richtig Urlaub machen.«

»Nicht unbescheiden sein, Frau Senftleben«, meinte Adrian lächelnd. »Ich habe mich heute schon richtig ausgeschlafen, das war wunderbar. Anschließend bin ich ein bißchen durch den Grunewald gelaufen, das war auch schön. Dann war ich einkaufen…«

»… und haben wieder so teuren Wein mitgebracht«, bemerkte sie tadelnd. »Ich habe Ihnen doch schon oft gesagt, daß Sie das nicht tun sollen.«