Liebe mich nicht - Jessa James - E-Book

Liebe mich nicht E-Book

Jessa James

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Beschreibung

Zyniker. Versager. Außenseiter. Das ist Jameson in wenigen Worten – nicht zu vergessen atemberaubend, Stoff meiner Träume und Objekt meiner Begierde. Er ist auch der beste Freund und Geschäftspartner meines Bruders. Ich stehe auf Jameson, seit ich alt genug war, um schmutzige Träume zu haben. Mein Bruder hat allerdings sonnenklar gemacht, dass jemand zu Schaden kommen werden wird, sollte er den düsteren, in armen Verhältnissen aufgewachsenen Jameson auch nur dabei erwischen, wie er in meine Richtung schaut. Das schreckt mich jedoch nicht ab. Ich will, dass Jameson mein Erster ist. Und deswegen darf mein Bruder auch niemals herausfinden, was passiert ist. Denn Jameson hat mich geküsst. Nein – nicht geküsst – er hat mich gegen eine Wand gedrückt, mich in Besitz genommen und mir den Atem geraubt. Dann ist er in meinem Bett in einen komatösen Schlaf gefallen, sturzbetrunken. Jetzt weiß ich, dass Jameson mich will. Ich mag zwar wegen meines Bruders tabu für ihn sein, aber dieser Kuss hat sich mir ins Gedächtnis gebrannt. Ich muss noch einmal von Jameson kosten. Ich verzehre mich nach seinen brutalen Berührungen. Danach an der Wand fixiert zu werden, seinen Körper an meinen gepresst zu spüren, vor Lust und Schmerz zu schreien, während er mir alles gibt, wovon ich geträumt habe. Solange mein Bruder nicht dahinterkommt, wird mir Jameson vielleicht genau das geben, was ich will… und eine ganze Menge mehr. Dieses fast 60.000 Worte umfassende Buch ist der erste Teil von Emmas und Jamesons Geschichte. Es ist extrem sexy und endet mit einem Cliffhanger… du wirst darauf brennen, zu erfahren, wie es weitergeht!

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Seitenzahl: 300

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Liebe mich nicht

Jessa James

Liebe mich nicht: Copyright © 2020 von Jessa James

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieses Buches darf in irgendeiner Form oder mit irgendwelchen Mitteln, elektronisch, digital oder mechanisch, reproduziert oder übertragen werden, einschließlich, aber nicht beschränkt auf Fotokopieren, Aufzeichnen, Scannen oder durch irgendeine Art von Datenspeicherungs- und Datenabfragesystem ohne ausdrückliche, schriftliche Genehmigung des Autors.

Veröffentlich von Jessa James

James, Jessa

Liebe mich nicht

Cover design copyright 2020 by Jessa James, Author

Images/Photo Credit: BookCoverForYou

Hinweis des Herausgebers:

Dieses Buch wurde für ein erwachsenes Publikum geschrieben. Das Buch kann explizite sexuelle Inhalte enthalten. Sexuelle Aktivitäten, die in diesem Buch enthalten sind, sind reine Fantasien, die für Erwachsene gedacht sind, und jegliche Aktivitäten oder Risiken, die von fiktiven Personen innerhalb der Geschichte übernommen werden, werden vom Autor oder Herausgeber weder befürwortet noch gefördert.

Inhalt

Prolog

Prolog 2

Prolog 3

1. Jameson

2. Emma

3. Jameson

4. Emma

5. Jameson

6. Jameson

7. Emma

8. Jameson

9. Emma

10. Emma

11. Jameson

12. Jameson

13. Emma

14. Emma

15. Emma

16. Jameson

17. Emma

18. Jameson

19. Emma

20. Jameson

21. Jameson

22. Emma

23. Jameson

24. Emma

Bücher von Jessa James

Also by Jessa James (English)

Über die Autorin

Prolog

1997, Redemption Beach High School

Ich laufe den überdachten Zementweg zwischen den Klassenräumen entlang, wobei ich die Abnutzungsspuren auf meinen uralten schwarzen Converse betrachte und meinem Freund Asher zuhöre, der wie ein Wasserfall plappert.

„Die Sache mit meinen Eltern ist die, dass sie eine Menge Geld haben, aber auch solche Geizkrägen sind!“, regt sich Asher auf. „Sie lassen mich nicht einmal auf diesen Debattier-Ausflug gehen, weil sie meinen, das wäre keine sinnvolle Investition.“

Er verdreht die Augen. Ich nicke nur. Ich habe diese Geschichte schonmal gehört, verspüre jedoch nicht das Bedürfnis, ihn zu stoppen oder es ihm zu sagen. Außerdem sind wir nur noch wenige Minuten von Ms. Harpers Mathematikklassenraum entfernt.

Asher beschwert sich ständig über seine Eltern, was Sinn macht, nehme ich mal an. Ich meine, es ist schwer zu ertragen, sich das dauernd anzuhören, da meine Eltern mich und meine zwei kleinen Brüder vor Jahren einfach haben sitzen lassen. Jetzt leben wir bei meiner Grandma Jane. Sie ist nett und meint es gut, aber sie ist auch wirklich alt.

Vor drei Jahren versuchte ich, zum ersten Mal bei Asher zu übernachten. Asher und ich waren erst elf, praktisch noch Babys.

Ashers Eltern warfen einen Blick auf mich und beschlossen, dass ich ein schlechter Einfluss wäre. Ganz gleich, wie sehr Asher mit ihnen stritt und sie anflehte, sie änderten ihre Meinung nicht. Sie sagten die Übernachtung ab und bemühten sich, uns so oft sie konnten davon abzuhalten, miteinander abzuhängen.

Es fällt mir sehr schwer, sie dafür nicht zu hassen.

Ich blicke zu Asher. Mit seinem sorgfältig gebügelten blauen Hemd und Chinos ist er so ziemlich das komplette Gegenteil von mir. Ich trage ausgebeulte Jeans und ein löchriges Nirvana T-Shirt.

Wir sehen auch unterschiedlich aus. Asher hat blonde Haare, die er nach hinten gegelt hat. Ich habe dunkle Haare, die ich in Spitzen nach oben frisiert habe. Ich sah schon immer wie ein Rebell aus, Asher hingegen wie ein Chorknabe.

So sind wir, ehrlich gesagt, auch Freunde geworden. Asher war der Neue auf der Schule und ein erstklassiges Opfer für die Spielplatz-Bullies. Ich sah düster und gefährlich aus. Das reichte bei den meisten Kids auf der Schule schon. Sie wollten sich nicht mit mir anlegen.

Ich mischte mich ein und bewahrte ihn davor, mit dem Kopf in die Kloschüssel getaucht zu werden. Seitdem sind wir Freunde.

Asher rempelt mich mit dem Ellbogen in die Seite. „Meinst du nicht?“

„Ähh… yeah. Absolut“, sage ich, obwohl ich keinen blassen Schimmer habe, wovon er spricht. Ich bin gedanklichen einen Moment abgedriftet, weit weg.

„Ich sage dir, Zoe Waters hat über die Sommerferien mega Möpse bekommen“, sagt Asher.

Ich rolle mit den Augen. Das Einzige, das Zoe Waters getan hat, ist, anzufangen, einen BH zu tragen. Ansonsten ist sie genauso flachbrüstig wie der Rest unserer neunten Klasse. Glaub mir, ich habe nachgeschaut.

Wir erreichen das nächste Gebäude. Dessen durchsichtige Glastür kann der Tatsache, dass das hässliche braune Backsteingebäude praktisch jegliches Sonnenlicht verschluckt, kaum entgegenwirken. Ich schwinge die Tür auf und halte sie für Asher. Asher läuft hindurch und bleibt genau im Türrahmen stehen.

„Uff“, sage ich, als ich gegen ihn laufe. „Pass doch auf, Mann.“

Doch Asher gestikuliert nur den langen Flur hinab, der zu beiden Seiten mit Spinden und Klassenzimmertüren gesäumt ist. Vom anderen Ende laufen Mr. Smith und Ms. Song, der Direktor und die Schulpsychologin, direkt auf uns zu.

Ich sehe mich um und frage mich, wer wohl in Schwierigkeiten steckt. Ich werde nervös, obwohl ich nicht glaube, dass ich kürzlich irgendetwas getan habe, weswegen ich mir Sorgen machen müsste.

„Hey, wir machen uns besser vom Acker“, flüstere ich Asher zu. „Komm schon. Ms. Harper wird uns bestimmt als abwesend eintragen.“

Wir laufen den Gang hinab, doch Mr. Smith entdeckt uns. Er ist ein hagerer, älterer Mann in schwarzen Hosen sowie einem rosa und grau gestreiften Hemd und betrachtet mich mit ernstem Gesicht. Ms. Song ist eine winzige, hübsche Blondine. Sie verschränkt die Hände ineinander, als wir näher kommen.

Das kann kein gutes Zeichen sein.

Ich riskiere einen Blick zu Asher und sehe, dass er die gleiche Miene zur Schau stellt wie ich. Er versucht, herauszufinden, wer von uns beiden beim Direktor in Ungnade gefallen ist.

„Mr. Hart?“, sagt Ms. Song, deren Stimme piepsig ist und einem Chipmunk ähnelt. „Können Sie bitte mit mir kommen? Ich möchte mit Ihnen sprechen.“

Mir rutscht der Magen in die Kniekehlen. Was habe ich dieses Mal falsch gemacht? Ich zerbreche mir den Kopf, aber mir fällt beim besten Willen nichts ein.

Asher schaut zu mir, hin und her gerissen. Er wischt sich vermutlich mental gerade den Schweiß von der Stirn, denn es hätte jeder von uns beiden sein können, der in Schwierigkeiten steckte.

„Ich schätze, ich sollte in den Unterricht gehen“, sagt Asher.

„Yeah. Ich komme nach.“ Ich verlagere den Rucksack auf meiner Schulter, während Asher seitlich an Mr. Smith und Ms. Song vorbeihuscht.

„Dann wollen wir mal“, sagt Ms. Song. Ich meine, eine Spur von Traurigkeit in ihrer Stimme zu hören, aber ich bin mir nicht sicher. „Kommen Sie bitte in mein Büro.“

Sie dreht sich um und führt den Weg an, wobei ihre Absätze bei jedem Schritt über den Fliesenboden klackern. Ich versuche, mir darüber klarzuwerden, worum es hierbei gehen könnte. Ich bin schon viele Male ins Büro des Direktors geschleift worden, aber noch nie in Ms. Songs Büro.

Als wir ihr Büro erreichen, das kaum größer als ein Wandschrank ist, bedeutet sie mir, mich auf einen der orangenen Plastikstühle vor ihrem Schreibtisch zu setzen.

Mr. Smith schließt die Tür hinter uns und klopft mir anschließend doch tatsächlich auf die Schulter, was mich zusammenzucken lässt. Ich schaue erschrocken zu ihm hoch.

„Wir haben schlimme Nachrichten für dich, Sohn“, sagt er und blickt traurig drein. „Deine Großmutter ist dahingeschieden. Sie weilt nicht länger unter uns.“

Mein Mund klappt auf. Ich fühle mich… seltsam. Hauptsächlich denke ich: von allen Dingen, die er hätte sagen können, habe ich damit nicht gerechnet.

„Sie meinen… sie ist tot?“, bringe ich irgendwie hervor.

Mr. Smith wirft Ms. Song einen Blick zu, dann nickt er. „Ich fürchte, so ist es, ja. Einer eurer Nachbarn hat sie gefunden. Sieht nach einem Herzinfarkt aus.“

Ich sacke leicht zusammen. „Was… was bedeutet das für uns? Mich und meine kleinen Brüder, meine ich. Warum… ich meine… wohin werde ich nach der Schule gehen?“

Meine Stimme bricht beim letzten Wort. Das Einzige, das ich vor Augen habe, ist, dass ich durch die Tür zu Grandma Janes Haus laufen werde und sie nicht dort sein wird.

Fuck.

„Nun, wir haben das Kinder- und Jugendamt kontaktiert“, sagt Ms. Song, die zu mir kommt, um mir ihre Hand auf die Schulter zu legen.

„Was? Warum?“, frage ich benommen.

„Sie werden einen guten Platz für dich finden, wo du heute Nacht bleiben kannst. Und dann werden sie dir helfen, herauszufinden, wie die nächsten Schritte aussehen werden“, erklärt Mr. Smith.

Ich schaue zu ihm, während meine Augen feucht zu werden beginnen. „Sind das die Pflegefamilien-Leute?“

Ich weiß alles über Pflegefamilien. Damals, als meine Mom uns verließ und bis meine Grandma kam, waren wir drei einige Wochen bei Pflegefamilien untergebracht. Jeder von uns in einer anderen Familie.

„Ja, genau“, bestätigt Mr. Smith.

„Mit denen gehe ich nicht mit“, widerspreche ich und werde wütend. Meine Tränen laufen über und rinnen langsam über mein Gesicht. „Sie werden mich bestimmt nicht mit meinen Brüdern zusammentun.“

„Wir sollten uns einfach mal anhören, was sie sagen“, mischt sich Ms. Song ein. „Sie wissen, was das Beste ist, da bin ich mir sicher.“

Ich kann meine Brüder jetzt vor mir sehen. Ich kann Forest sehen, wie ihm von Grandma Jane erzählt wird. Gunnar, dem erklärt wird, dass wir in unterschiedlichen Pflegefamilien untergebracht werden.

Gunnar ist so jung, er wird sich nicht einmal an mich erinnern und Forest nach ein paar Monaten auch nicht mehr.

Ich balle die Fäuste und stehe so plötzlich auf, dass mein Stuhl nach hinten kippt.

„Oh, Jameson –“, sagt Ms. Song.

„Immer mit der Ruhe, Sohn.“ Mr. Smith packt mich am Arm. „Du wirst hier noch eine Weile warten müssen. Die Leute von der Behörde sollten bald hier sein.“

Tränen strömen mir jetzt übers Gesicht, Rotz blubbert aus meiner Nase. „Nein, Sie verstehen nicht! Ich kann nicht in eine Pflegefamilie gehen! Meine Brüder müssen bei mir bleiben!“

„Sohn –

„Verdammte Scheiße! Nennen Sie mich nicht so!“, brülle ich. Trotz seines Alters ist Mr. Smith immer noch stärker als ich. Es gelingt ihm, seine Arme um mich zu schlingen und mich tiefer in das Büro zu zerren.

„Es ist okay“, sagt er.

„Nein, das ist es nicht! Sie haben mir gerade verdammt nochmal gesagt, dass meine Grandma gestorben ist!“

Ich bin hysterisch, kratze nach ihm, kralle meine Hände in sein rosa und graues Hemd, aber er lässt nicht los. Stattdessen sagt er mir immer wieder, dass alles okay ist.

Aber ich weiß, dass es das nicht ist.

Nichts ist okay.

Meine Grandma ist tot. Meine kleinen Brüder wissen es wahrscheinlich noch nicht einmal, aber ihr Tod markiert einen Wendepunkt in unserem Leben. Ich weiß, dass das Kinder- und Jugendamt vermutlich versuchen wird, meine Brüder und mich in getrennte Pflegefamilien zu zwingen.

Ich mache mir jetzt schon Gedanken über die Einzelheiten einer Flucht und wie ich mich durchschlagen kann. Nicht nur ich, sondern mit meinen zwei kleinen Brüdern. Das Leben hat uns schon genug genommen, ich will verdammt sein, wenn ich zulasse, dass uns irgendjemand trennt.

Also nein, nichts ist okay. Und ich weiß nicht, ob es das jemals wieder sein wird.

Prolog 2

Vor einem Jahr – Ashers Verlobungsfeier

„Und deswegen spreche ich hier auf der Verlobungsfeier einen Toast aus. Auf das glückliche Paar!“, brüllt Gunnar der versammelten Menge zu, die an der Bar steht. Ich stehe den Arm um meine Verlobte Jenna gelegt da und lächle. Mein Lächeln ist nicht aufgesetzt, aber angestrengt. Es ist immer ein bisschen komisch, derjenige zu sein, auf den getrunken wird. „Auf das ihr zwei ein langes und glückliches Leben führen werdet.“

Alle sagen „hört, hört!“ oder „Cheers!“ und heben ihre Gläser. Ich hebe mein Champagnerglas und stelle Augenkontakt mit Jameson her, der in der Ecke schmollt. Er sieht in seinen dunklen Jeans und Lederjacke groß und düster aus, was irgendwie sein Ding ist.

Cece, Jamesons schäbige Surferflamme der Woche, leert ihr gesamtes Champagnerglas in einem Zug. Ich persönlich kann dem Typ Wasserstoffblondine, muss-ich-hier-Schuhe-anziehen nichts abgewinnen, aber jedem das Seine, schätze ich.

Er neigt den Kopf in meine Richtung und nippt an seinem Glas. Jameson hat sich wegen meiner Verlobung mit Jenna wie ein richtiger Scheißkerl aufgeführt. Daher ist die Tatsache, dass er heute Abend überhaupt eingeladen wurde, ein Geschenk von mir an ihn.

Ich nippe an meinem Champagner und wende mich von ihm ab. Mir ist unwohl dabei, diese Gefühle bezüglich Jameson zu hegen, der seit unserer Kindheit mein bester Freund ist.

„Schatz“, sagt Jenna, die mir ihr Champagnerglas reicht. Sie zupft einen kleinen unsichtbaren Fussel von meinem weißen Hemd und lächelt. „Kannst du mir noch ein Glas holen?“

„Klar. Ich könnte sowieso etwas Stärkeres vertragen.“

„Achte nur darauf, dass du dich nicht betrinkst.“ Sie streicht ihr schwarzes Minikleid glatt und wirft ihre blonden Haare nach hinten. „Ich möchte schließlich nicht, dass die Leute einen falschen Eindruck von dir bekommen.“

„Gott bewahre“, sage ich und verdrehe die Augen.

„Ich meine es ernst! Es sind heute Abend eine Menge Leute hier, nicht nur deine schmuddeligen Freunde.“

Ich fühle mich leicht angegriffen, aber nach einem Blick zu Jameson und seiner Freundin kann ich schwer etwas Gegenteiliges sagen. Sie machen jetzt miteinander rum, wobei Cece ihre Faust in seine Lederjacke gekrallt hat und ihn zu sich nach unten zieht. Schon bald werden sie eine Weile von der Party verschwinden, wahrscheinlich um in irgendeinem Wandschrank eine Nummer zu schieben.

Ich blicke zu Jenna, die sich abgewandt hat. Diesbezüglich bin ich beinahe neidisch auf Jameson. Jenna ist an ihren besten Tagen eine Eisprinzessin. Aber sie stammt zufälligerweise auch aus einer Familie, die noch wohlhabender ist als meine, und meine Familie hat Geld.

Die Tatsache, dass ich Jenna erbeutet habe, und das ohne ihre Hilfe, lässt meine Mutter und Vater nachts vermutlich keinen Schlaf finden. Das allein ist, meiner Meinung nach, schon zehn Ceces wert.

Ich drehe mich um und gehe zur Bar. Der Barkeeper geht, um meine Drinks zu holen, und ich bin beeindruckt davon, wie effizient er sich bewegt. Natürlich tut er das, denke ich. Jameson hat diesen Laden ausgesucht. Abgesehen vom Surfen ist die Arbeit als Barkeeper wahrscheinlich die einzige Leidenschaft, die Jameson hat.

Nun, das und schäbige ehemalige Stripperinnen.

Dennoch, als ich die ordentlich aufgereihten Alkoholflaschen betrachte und die Barkeeper, die ihrem Job geflissentlich nachgehen, stelle ich fest, dass ich neidisch bin. Wenn ich irgendetwas über Alkohol wüsste, würde ich in Nullkommanichts eine Bar eröffnen.

Ich habe sogar einen Treuhandfonds, den meine Großeltern für mich eingerichtet haben. Ich habe ihn nie angerührt, hatte Angst, auch nur einen Cent dieses Geldes auszugeben.

Ich seufze und schaue nach rechts. Meine kleine Schwester Emma sitzt auf einem Barhocker am Ende der Bar und starrt ins Leere. Ich schaue in die ungefähre Richtung, in die sie starrt, aber ich sehe nur Jameson und Cece, die miteinander rummachen.

Meine Augen bleiben länger auf Jameson liegen und ich erinnere mich an meinen sehnsuchtsvollen Moment. Ich habe eine Art Geistesblitz, mehr oder weniger. Ein Energiestrahl fegt durch mich hindurch und setzt meine Gedanken in Flammen.

Ich könnte eine Bar wie diese haben. Zum Teufel, mit Jamesons Wissen und meinem Geschäftssinn habe ich das Gefühl, dass wir wirklich etwas Großartiges aufziehen könnten.

Ich zögere, weil Jameson wegen Jenna in letzter Zeit wirklich nervtötend war. Er war schlechtgelaunt und geradezu feindselig ihr gegenüber, was zu eisiger Stille und Schmollen ihrerseits führte.

Aber die Idee, eine Bar mit Jameson zu führen, ist so fantastisch; er zapft meisterlich das perfekte Bier, ich kümmere mich um die alltäglichen Sorgen und das Geld.

Die Idee ist einfach zu verlockend, um sie zu verwerfen. Ich muss ihm zumindest davon erzählen.

Ich bewege mich schnell, denn ich habe meine Entscheidung getroffen. Natürlich werde ich von ein paar von Jennas Freunden aufgehalten, ehe ich mit ihm reden kann. Aber irgendwann erwische ich ihn, bevor er mit Cece einen Abgang machen kann.

„Hey. Hast du eine Minute?“, frage ich.

Er lässt den Whisky in seinem Glas kreisen und schaut mich amüsiert an. „Diese ganze Party ist für dich. Natürlich habe ich eine Minute.“

„Möchtest du rausgehen?“, erkundige ich mich.

Jameson nickt und sagt Cece, dass er gleich zurückkommt. Ich führe den Weg zur Tür an und stoße sie auf. Ich trete aus der klimatisierten Luft und tausche sie gegen die frühabendliche Brise ein, die vom Meer hereinweht. Wir befinden uns nur wenige Blöcke vom Ozean entfernt, wovon der Salzgeruch in der Luft zeugt.

Ich lehne mich an die raue Holzwand der Bar und Jameson tut es mir gleich. Wir blicken beide hinaus auf die Straße, während ich meine Gedanken sammle.

Zu meiner Überraschung erhebt Jameson zuerst das Wort.

„Geht es hier um Jenna?“, will er wissen.

Ich schaue zu ihm. Er zeigt keinerlei Emotionen, aber innerlich muss er bis zum Zerreißen gespannt sein, wenn er denkt, dass ich ihn wegen eines Showdowns hierhergebeten habe.

„Nein.“ Ich spreche das Wort schnell und vehement aus, damit er weiß, dass ich es ernst meine. „Ich meine, halt dich bei Jenna einfach zurück. Aber nein, das ist etwas anderes.“

Seine Brauen ziehen sich zusammen, während er versucht, dahinterzukommen, was ich meine. Er sagt allerdings nichts, weshalb ich weiterspreche.

„Ich denke, wir sollten eine Bar eröffnen.“

Sein verwirrter Gesichtsausdruck ist zum Schießen. „Du… was?“

„Eine Bar. Du stellst eine Karte zusammen, ich kümmere mich um das Geld. Wir haben beide ein Stimmrecht in Bezug auf die Atmosphäre. Zum Teufel, ich denke, deine Brüder können sogar dabei helfen, den Laden zu führen.“

„Wovon zum Henker redest du?“ Er dreht sich zu mir, nach wie vor an die Wand gelehnt.

„Ich hatte nur diesen Moment, diesen irgendwie inspirierenden Augenblick. Ich nippte drinnen an einem Drink und ich dachte… wir könnten das besser. Ich dachte ‚Jameson und ich könnten es wirklich krachen lassen, wenn wir eine Bar hätten‘.“

Jameson sieht mich an, als hätte ich eine Kopfverletzung erlitten.

„Du willst also sagen… du standst an der Bar, hast, wie ich annehme, einen weniger als erstklassigen Drink getrunken… und das hat dich auf den Gedanken gebracht, dass wir unseren eigenen Laden schmeißen sollten?“ Er sieht völlig baff aus.

„Ja, Mann. Ich habe das Geld. Du hast die Fähigkeiten…“

Er reibt sich mit einer Hand über sein Gesicht. „Ich habe endlich einen Job, in dem ich länger als ein Jahr arbeite.“

„Du arbeitest dort schon seit vier Jahren.“

„Yeah, und ich kann mich nur an zwei davon erinnern. Die ersten zwei waren ein einziger Rausch aus Whisky und Kokain. Selbst jetzt kann ich den Wunsch, jedes heiße Mädel zu ficken, das durch die Tür läuft, nicht unterdrücken.“

Ich grinse. „Ja, ja. Überzeug mich nur, dass du nicht der perfekte Kerl bist, um eine Bar zu eröffnen. Und was ist mit Cece?“

Er runzelt die Stirn. „Was ist mit ihr?“

„Ich dachte, sie sei… nett. Und dass ihr zwei eine Verbindung hättet oder was auch immer.“ Meine fehlende Aufrichtigkeit ist offensichtlich und er verdreht die Augen.

„Was ist mit dir?“, fragt Jameson. „Du hast noch nie irgendetwas Komplizierteres als einen Rum-Cola gemacht. Du hast noch nie in der Gastronomie gearbeitet. Du hast noch nie jemanden gemanagt…“

„Das stimmt nicht!“, protestiere ich. „Was ist mit –“

„Wenn du mir jetzt mit dem Sommer vor der achten Klasse kommst, ich schwöre, dann gehe ich“, droht er. Er kennt mich zu gut.

„Überleg doch nur, wie unsere Bar sein würde“, sage ich, um das Thema zu wechseln. „Wir würden einen Laden am Strand suchen. Du könntest das Zeug in den schicken Gläsern servieren, über die du immer redest –“

„Nicht alles, muss in einem Tumbler serviert werden“, murrt er.

„Du könntest gute Musik auflegen, die Lichter dimmen und dich mit nur einem Satz in das Herz jeden Mädchens dort schleichen.“ Ich wackle mit den Augenbrauen als witzigen Effekt. „Du musst lediglich sagen, dass du der Eigentümer bist.“

Das lässt ihn scheinbar innehalten. Er reibt sich über den Nacken, aber blickt weiterhin finster drein. Ich bin jedoch an diese Miene gewöhnt.

„Ich weiß nicht“, sagt er schließlich. „Es scheint eine wirklich schlechte Idee zu sein.“

„Aber…?“

„Das ist es.“

„Weißt du, ich werde es einfach wagen. Ich glaube, du bist begeisterter von der ganzen Sache, als du zugeben willst.“

Er blickt mich stumm aus zusammengekniffen Augen an. Ich strecke die Hand aus und klopfe ihm auf die Schulter.

„Warte du nur“, verspreche ich. „Es wird genial werden.“

Jameson schüttelt nur den Kopf. „Kann ich dir wenigstens einen Drink kaufen?“

„Das kannst du tun, Mann. Das kannst du tun.“

Dem schwülen Abend den Rücken zukehrend gehe ich wieder nach drinnen.

Prolog 3

Vor vier Monaten – CURE Bar

„Hey Emma, was denkst du?“, fragt Jameson, während er sich über die stoppelige Wange kratzt.

Die Wand hinter der Bar wird von einer glühenden Neon-Lichterkette beleuchtet und präsentiert die hundert Alkoholsorten, auf die Jameson bestanden hat. Er tritt einen Schritt zurück und bewundert seine Arbeit. Ich finde es absolut fantastisch, aber andererseits finde ich fast alles, das Jameson anfasst, fantastisch.

„Ohhh, es sieht klasse aus“, sage ich von meinem Platz an der Bar. Ich habe den ganzen Platz für mich beschlagnahmt, indem ich all meine Jurabücher verteilt habe, aber momentan studiere ich nicht das Gesetz. Stattdessen studiere ich Jameson. „Vielleicht solltest du dort drüben rechts noch eine Flasche hinstellen?“

Ich deute auf eine Stelle. Er schaut da hin, wohin ich deute, und nickt langsam. „Gutes Auge. An der Stelle sieht es ganz nackt aus.“

Er schnappt sich eine weitere Flasche und hebt sie hoch, um sie an der kahlen Stelle zu platzieren. Ich beiße auf meine Lippe. Jameson sieht gerade wahnsinnig gut aus, nur in dunklen Jeans, die sich perfekt an seinen Hintern schmiegen, einem schwarzen NIN-T-Shirt und blutroten Chucks.

„Es sieht gut aus“, lobe ich und noch während ich das sage, werden meine Wangen rot. Mit ‚es‘ meine ich jeden Zentimeter von ihm… und mit gut meine ich appetitlich, verlockend und über alle Maßen verführerisch.

Ich seufze. Forest tritt aus dem Hinterzimmer und sieht wie immer weltmännisch aus in seinem grünen Pullover und Jeans. Seine dunklen Haare und Bart sehen ziemlich attraktiv aus. Wenn ich nicht schon bis über beide Ohren in Jameson verknallt wäre, würde ich vermutlich für Forest schwärmen.

Er zieht seine Verlobte Addison am Handgelenk hinter sich her. Sie sagt nichts, sondern sieht in ihrem blütenweißen Kleid und kunstvoll hochgestecktem Haar einfach nur gut aus.

„Hey Leute“, sagt Forest.

„Fertig mit der Erkundung der Alkohol-Höhle, die ich oben gebaut habe?“, fragt Jameson Forest.

„Yeah. Es ist irgendwie schräg, mehrere tausend Dollar an Alkohol an einem Ort zu sehen. Aber es sieht aus, als wäre alles bereit für die Eröffnung morgen.“

„Genau rechtzeitig. Um wie viel Uhr kommst du morgen her?“

Forest blickt zu Addison. „Was denkst du, um wie viel Uhr werden wir mit dem Brunch mit deinen Eltern fertig sein? Gegen vier?“

Sie neigt den Kopf nur minimal, womit sie, wie ich vermute, ihre Zustimmung ausdrückt. Ich frage mich, was ihr Problem ist. Es sind nicht unbedingt Eis-Schwingungen, die ich von ihr empfange, wie es bei Ashers Verlobter Jenna der Fall ist. Ich empfange einfach gar nichts von Addison.

Es ist sehr merkwürdig.

Ich drehe meinen Kopf, als Gunnar durch die Eingangstür platzt, drei hübsche Blondinen, die bis zum Gehtnichtmehr aufgetakelt sind, im Schlepptau. Gunnar seinerseits sieht aus, als hätte er gerade erst eine Disko verlassen, da er ein schwarz kariertes Hemd trägt, das teilweise aufgeknöpft ist, sowie ein Paar schwarzer Jeans.

Er hat offenkundig gerade erst etwas Witziges gesagt, denn sie lachen alle.

„Ladies, setzt euch bitte einfach dort drüben hin“, sagt er und deutet zu einer der Tischnischen. Er zwinkert ihnen zu. „Ich muss hier nur eine Minute was regeln und dann können wir zurück in meine Wohnung gehen.“

Meine Augenbrauen klettern in die Höhe, aber die Mädchen kichern nur. Gunnar richtet seine Aufmerksamkeit auf mich und läuft zur Bar. „Emma. Siehst gut aus, wie üblich.“

Ich winde mich ein wenig unter seinem Blick. Gunnar hat ein gigantisches Ego, aber verdammt, er sieht auch gut genug aus, um damit durchzukommen.

„Äh, danke“, bringe ich heraus.

„Hey“, mischt sich Jameson ein, der wütend aussieht. „Du kennst die Regeln. Kein Flirten mit Emma. Die gleichen Regeln für alle.“

Ich laufe tomatenrot an und wünsche mir, ich könnte in meinem Stuhl versinken. Asher hat die gleiche Regel immer und immer wieder aufgestellt, seit ich alt genug war, um einen Sport-BH anzuziehen. Es ist super peinlich.

„Ich habe lediglich eine Feststellung gemacht“, sagt Gunnar achselzuckend. Er bemerkt Forest und Addison. „Was läuft?“

Forest verschränkt die Arme. „Wir wollten uns eigentlich vor einer Stunde hier treffen. Asher war bereits hier und ist wieder gegangen.“

Gunnar rollte mit den Augen. „Ich bin hier. Mir war nicht klar, dass ihr so eine große Sache daraus machen würdet.“

„Es ist eine große Sache“, mischt sich Jameson ein und korrigiert ihn. „Wie können wir von unseren Mitarbeitern erwarten, pünktlich zu kommen, wenn wir selbst kommen, wie es uns gerade passt?“

„Mea culpa“, sagt Gunnar, aber er sieht nicht wirklich aus, als täte es ihm sonderlich leid. „Was soll ich hier eigentlich tun?“

Jamesons Kiefer zucken. Forest springt für ihn ein. „Kannst du einfach nach oben gehen und alles überprüfen? Dich vergewissern, dass all der Rum und Tequila und Mezcal und Pisco, nach denen du verlangt hast, vorrätig sind.“

„Aye, aye“, sagt Gunnar. Er verschwindet im Hinterzimmer.

„Jedes Mal, wenn er anfängt, mir zu sagen, dass ich zu überspannt bin, bin ich so kurz davor, ihm seine verfluchte Fresse zu polieren“, verkündet Jameson, während er sich wieder zur Bar umdreht.

Die Eingangstür öffnet sich abermals und eine umwerfende junge Asiatin mit langen Haaren und makelloser Haut streckt ihren Kopf in den Laden. Als sie Forest und Jameson entdeckt, hellt sich ihr Gesicht auf und sie tritt ein. Ich betrachte ihre kurzen Jeansshorts und übergroßes Top sehnsüchtig.

Wenn meine Eltern mich in so einem Outfit draußen herumlaufen sehen würden, würden sie ausrasten. Zum Geier, ich denke, Asher würde mich sogar nach Hause eskortieren, damit ich mich umziehe, wenn er mich in dieser Kleidung sehen würde… und er sollte eigentlich der junge, coole Rebell unserer steifen Familie sein.

„Hi“, grüßt sie und wedelt mit einem Stapel Blätter. Zu meiner Überraschung hat sie einen vornehmen britischen Akzent. „Ich bringe nur schnell den Rest meiner Dokumente vorbei. Ich hoffe, ich unterbreche nichts?“

Ich schaue zu Forest, dessen Mund mehr oder weniger offensteht. Er checkt diese Frau unverhohlen ab, anstatt sich zu beeilen, ihr die Dokumente abzunehmen. Addison blickt einfach weiter geradeaus; was auch immer sie empfindet, äußerlich ist es nicht sichtbar.

„Maia, hey“, ruft Jameson, der hinter der Bar hervortritt. „Ich nehme, was auch immer du dabei hast.“

Maia reicht ihm die Papiere und lächelt mich an. Sie streckt mir ihre Hand entgegen. „Ich glaube nicht, dass wir uns schon kennengelernt haben. Ich bin Maia Yu. Ich werde hier kellnern.“

Ich nehme ihre Hand. „Emma Alderisi. Ich arbeite hier nicht, ich hänge hier nur rum.“

„Es freut mich, dich kennenzulernen. Und ich glaube, wir haben uns auch noch nicht kennengelernt?“, sagt sie und wendet sich an Addison.

„Addison Raven“, erwidert sie und verschränkt die Arme. „Ich werde Forest heiraten.“

Maia schaut zu Forest, der seinen Mund geschlossen hat, aber sie weiterhin mit etwas ähnlichem wie Ehrfurcht betrachtet.

Jameson räuspert sich. „Forest wollte gerade gehen. Stimmt’s?“

Forests wütender Blick zu Jameson ist eindeutig. „Yeah. Wir sehen uns später, Leute.“

Er führt seine hübsche zukünftige Frau aus der Bar. Maia dreht sich um und wirft einen Blick auf die blonden Mädchen, die an einem der Tische sitzen und in ihre Handys vertieft sind.

„Sucht ihr immer noch nach Leuten?“, fragt Maia verwirrt. Ich schnaube.

„Meine Güte, nein“, entgegnet Jameson. „Sie warten auf meinen anderen Bruder…“

„Was ist jetzt schon wieder?“, fragt Gunnar, der aus dem Hinterzimmer kommt. Er wirft einen Blick auf Maia und dreht seinen Charme auf die höchste Stufe. „Hey. Wir sind uns noch nicht begegnet. Ich bin Gunnar.“

„Maia.“ Sie gibt ihm die Hand. Er hält sie eine Sekunde zu lange fest, doch sie hat zu viel Klasse, um so zu tun, als würde es sie stören. Sie wirft ihre Haare nach hinten, unbeeindruckt. „Wenn das alles ist, werde ich gehen. Du brauchst uns hier morgen um drei, richtig?“

„Ja“, sagen Jamson und Gunnar gleichzeitig. Jameson bedenkt Gunnar mit einem verärgerten Blick. Gunnar grinst lediglich zurück, unerschrocken.

„Bis morgen“, verabschiedet sich Jameson.

„Wir sollten auch gehen, Mädels“, sagt Gunnar, während er zu ihnen läuft. „Maia, wir gehen alle auf einen Drink in meine Wohnung…“

„Lass sie in Ruhe, Gunnar“, knurrt Jameson. „Maia, bis später.“

„Bis dann.“ Maia wackelt mit den Fingern und geht. Gunnar macht Anstalten, hinter ihr herzulaufen, obgleich ich bezweifle, dass er weiß, was er tun soll, wenn er sie einholt.

„Gunnar“, sagt Jameson drohend. Gunnar wird langsamer und schaut dann zu den drei Blondinen, wobei seine Schultern leicht nach unten sacken.

„Kommt, gehen wir“, sagt er und wartet darauf, dass die drei Mädchen aufstehen und sich auf den Weg zur Tür machen. Er schaut zurück. „Bye, Emma.“

Ich winke, während meine Wangen abermals rot anlaufen. Gunnar ist definitiv nicht mein Typ, aber er ist irrsinnig gut aussehend. Nicht zu vergessen ein wahnsinniger Schmeichler.

Jameson legt die Blätter auf die Theke und betrachtet dann wieder die Rückwand. „Weißt du, was das hier braucht?“

Ich lege den Kopf schief. „Nein, was?“

„Ein paar Blumen“, verkündet er und blickt mit zusammengekniffenen Augen zum obersten Regal hoch. „Einige von diesen getrockneten Blumen, die der Inneneinrichter gebracht hat, in Alkoholflaschen.“

Er geht zurück ins Hinterzimmer und taucht mit ein paar aufeinandergestapelten Kartons auf. Er kommt zur Bar rüber. „Was dagegen?“

Ich nehme meine Jurabücher, die ich überall verteilt habe, und schiebe sie auf eine Seite. „Ne. Ich arbeite sowieso nicht wirklich.“

Jameson gluckst, während er einen der Kartons öffnet. Der erste Karton enthält leere Alkoholflaschen, deren Etikette zum Teil so alt sind, dass sie sich an den Rändern lösen. Der zweite Karton ist voller getrockneter Blumen, hauptsächlich Lavendel und Schleierkraut.

„Ooooh, die sehen spitze aus“, sage ich, als er anfängt, sie auf dem Tresen auszubreiten. „Darf ich helfen?“

„Klar. Danke“, erwidert er irgendwie brummig, aber es treibt mir dennoch die Hitze ins Gesicht.

Ich nehme einige Stängel von beiden Blumensorten und stecke sie in den Hals der ersten Flasche. Ich schaue zu ihm. „So?“

Er blickt nachdenklich drein und nimmt noch etwas Schleierkraut. „Vielleicht nur noch ein paar mehr…“

Er beugt sich nach vorne und greift über mich, um die Blumen in die Flasche zu stecken. Plötzlich ist er mir wirklich nah, so nah, dass ich den Duft von Shampoo und Leder an ihm riechen kann. Gänsehaut entsteht schlagartig auf meinen Armen, obwohl er mich nicht berührt.

Ich bemerke ein paar schwarze Linien, die unter dem Ausschnitt seines Shirts hervorlugen und nach unten führen zu… etwas. Ich wusste nicht, dass Jameson Tattoos hat, aber es macht selbstverständlich Sinn. Es passt zu seiner düsteren Bad Boy Persona, wenn man mich fragt.

„Sieht das gut aus?“, erkundigt er sich, während er die Stängel arrangiert.

„Was?“, frage ich abwesend. Es kostet mich einige Mühe, meine Augen von seinem muskulösen Körper loszueisen. „Oh, äh. Ja, absolut.“

Er wirft mir einen Blick zu, sagt aber nichts. „Wenn du ein einige Flaschen herrichten möchtest, werde ich sie nachher oben an der Rückwand aufstellen.“

Ich beiße auf meine Lippe und nicke. Ich beginne, ein weiteres Bündel zusammen zu stellen, und greife nach einer leeren Flasche. Er nimmt sich die eine, die er fertiggemacht hat, und fängt an, verschiedene Plätze zwischen den vollen Alkoholflaschen an der Wand auszuprobieren.

„Das ist eine wirklich schlaue Idee“, sage ich ihm.

„Es ist witzig, dass du das sagst, wenn man bedenkt, dass du Jura studierst“, meint er.

Ich runzle die Stirn, halte inne. „Das heißt nicht, dass du keinen Geistesblitz haben kannst.“

Jameson blickt eine Sekunde wieder zu mir und schüttelt leicht den Kopf.

„Meinst du das ernst? Ich habe erst letzte Woche einem Mädel den Laufpass gegeben, weil sie mir gesagt hat, dass ich nicht sonderlich hell im Kopf wäre.“ Er legt die Stirn konzentriert in Falten und tauscht eine der Flaschen unten links aus. „Was hältst du davon? Wir könnten vielleicht sechs oder sieben Flaschen so arrangieren?“

„Warte, was? Ein Mädchen, hat dir gesagt, dass du nicht ganz hell im Kopf bist?“, frage ich schockiert.

„Yeah. Ich meine… ich habe ihr erzählt, dass ich die High School nach meinem ersten Jahr hingeschmissen habe, um mich um Forest und Gunnar zu kümmern und sie meinte nur, ‚Das ergibt Sinn. Es ist okay, ich date dich nicht wegen deines Verstandes.“

Mir klappt der Mund auf. „Das ist nicht fair!“

Er dreht sich und schaut zu mir. „Das ist nichts, über das man sich aufregen müsste.“

„Das ist es! Sie klingt wie ein Miststück.“ Ich mache einen übertriebenen Schmollmund.

Humor tanzt in seinen Augen. „Du bist niedlich, wenn du dich so aufregst.“

Ich werde zum ungefähr tausendsten Mal heute knallrot. „Ich verkünde hier lediglich Fakten“, murmle ich peinlich berührt. Zum Glück geht der Moment vorüber und ich widme mich wieder meiner Aufgabe, die Blumen in ihren Vasen zu arrangieren.

Jameson stellt noch ein paar Flaschen auf, macht dann eine Pause und streicht sich über sein stoppeliges Kinn. „Ich glaube nicht, dass ich noch höher greifen kann. Wie stehst du dazu, da hochzuklettern und dich auf das Regal hier zu stellen?“

Ich ziehe meine Augenbrauen hoch. „Ähmmm…“

Er tätschelt das hintere Regal. „Ich meine, ich würde dir beim Hoch- und Runterklettern helfen. Ich verspreche, nicht unter dein Kleid zu schauen oder so.“

Ich stelle mir die Art von Hilfe vor, die er meint, die vermutlich eine Menge engen Körperkontakt beinhalten würde. Ich stemme mich von meinem Stuhl.

„Klar.“

„In Ordnung, dann komm her“, weist er mich an, wobei er zur Wand schaut. „Ich werde dich nach oben heben.“

Ich tue wie geheißen und ergreife seine Hände. Ich fühle mich seltsam dabei, mich in meinem winzigen hellgrünen Sommerkleid körperlich anzustrengen. Ich erröte erneut. Das Gefühl seiner Hände auf meinem Körper ist absolut sündhaft, auch wenn an dem, was wir tun, rein gar nichts Sündhaftes ist.

Jameson ist von Natur aus so viel wärmer als ich. Ich hole tief Luft und atme seinen sauberen Geruch ein. Er packt mich an der Taille und stemmt mich nach oben, bis ich auf dem Regal stehen kann.

An irgendeinem Punkt dieser Unternehmung drückt er tatsächlich meinen Po mit einer Hand nach oben. Ich kann das nervöse Lachen, das aus mir hervorbricht, nicht zurückhalten.

„Stehst du gut?“, fragt er.

„Ich denke schon –“, antworte ich. Dann quieke ich, als ich rückwärts falle.

Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße – ich rechne definitiv damit, auf dem Boden aufzuschlagen, hart.

Doch dann lande ich in Jamesons Armen, so perfekt, wie ich es mir nur hätte erträumen können. Unsere Gesichter sind sich in dem Moment so nah, seine Augen auf mein Gesicht gerichtet. Ich kann nur daran denken, dass ich bestimmt in seinem dunklen Blick ertrinken werde.

Seine Augen sinken auf meinen Mund. Ich schwöre, die ganze Welt um uns herum, wird langsamer. Ich lecke über meine Unterlippe, denn ich bin mir plötzlich zu einhundert Prozent sicher, dass er mich gleich küssen wird.

Ja. Es passiert. Meine Augenlider beginnen, sich in Vorbereitung darauf flatternd zu schließen.

„Whoa!“ Ashers Stimme reißt mich aus meiner Wunschvorstellung. Ich öffne meine Augen und sehe, wie er durch die Eingangstür tritt. Jameson stellt mich hastig auf die Füße und tritt eilig von mir weg. „Was ist hier los?“

„Ich bin runtergefallen!“, platzt es aus mir heraus, weil ich nicht möchte, dass Jameson Probleme mit Asher bekommt. „Ich habe versucht, nach etwas zu greifen. Jameson hat mich aufgefangen, das ist alles.“

„Entspann dich“, sagt Asher, der hinter die Bar läuft. „Jameson kennt die Regel. Nicht wahr, Jay?“

Jameson ist leicht rot im Gesicht. „Jepp. Emma ist tabu.“

Auf seine Worte hin verziehe ich das Gesicht. Ja, ja, seit ich dreizehn wurde, wiederholen sie das genau Gleiche immer wieder.

„Das stimmt“, bestätigt Asher und klopft ihm auf den Rücken.

Jameson sieht so schuldbewusst aus, dass ich beinahe Mitleid mit ihm habe. Das heißt, bis er den Mund aufmacht.

„Ich würde dir das niemals antun“, sagt er zu Asher. Dann sieht er mir direkt in die Augen. „Niemals.“

Meine Wangen fangen an, zu brennen, und ich presse meine Kiefer zusammen. „Ich bin kein kleines Mädchen, Asher. Ich kann meine eigenen Entscheidungen treffen.“

Asher und J sehen mich beide an. Asher schnaubt. „Nein, bei meinen Freunden kannst du das nicht. Ist es nicht so, J?“