Mache dich auf! - Ella Legan - E-Book

Mache dich auf! E-Book

Ella Legan

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Beschreibung

Sehnst du dich danach, mehr von Gott zu erleben und die Herrlichkeit seiner Gegenwart zu erfahren? Im Alltag finden wir oft kaum Raum für die persönliche Begegnung mit Gott. Aber vielleicht brennt in dir diese kleine Flamme der Hoffnung, dass da mehr ist – mehr von Gott, mehr Leben, mehr von seiner Herrlichkeit. „Mache dich auf!“ ist die Einladung zu einer Reise ins Vaterherz Gottes. Gott sieht dich und deine Situation und will dir genau dort begegnen. Lass dich von Ella Legan auf diese 40-tägige Reise mitnehmen, die dem Weg der Israeliten aus der Knechtschaft in Ägypten zum Berg Gottes nachempfunden ist. 40 Begegnungen mit Jesus und dem Gott der Herrlichkeit warten auf dich. Am Ende wirst du bereit sein, in dein eigenes Land der Verheißung weiterzuziehen. Mache dich auf!

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Seitenzahl: 446

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Ella Legan

Mache dich auf!

… und begegne dem Vaterherzen Gottes

GloryWorld-Medien

 

1. E-Book-Auflage 2023

© 2022 Ella Legan

© 2022 GloryWorld-Medien, Xanten, Germany, www.gloryworld.de

Alle Rechte vorbehalten

Bibelzitate sind, falls nicht anders gekennzeichnet, der Lutherbibel, Revidierte Fassung von 2017, entnommen. Weitere Bibelübersetzungen:

BAS: Basisbibel. Altes und Neues Testament. © 2021 Deutsche Bibelgesellschaft, StuttgartELB: Elberfelder Bibel, Revidierte Fassung von 2006GNB: Gute Nachricht Bibel, 2002NLB: „Neues Leben. Die Bibelübersetzung“, Holzgerlingen, 2017TPT: Frei übersetzt aus der englischen „The Passion Translation“ © 2013.

Die Worterklärungen sind der Elberfelder Studienbibel, 5. Auflage 2015, Textstand Nr. 28 entnommen.

Das Buch folgt den Regeln der Deutschen Rechtschreibreform. Die Bibelzitate wurden diesen Rechtschreibregeln angepasst.

Lektorat: Klaudia WagnerSatz: Manfred MayerUmschlaggestaltung: Jens Neuhaus, www.7dinge.deFoto: www.istockphoto.com

ISBN (epub): 978-3-95578-712-7ISBN (Druck): 978-3-95578-612-0

 

 

Stimmen zum Buch

Jeder, der bereit ist, sich auf dieses Meisterwerk einzulassen, wird die Gegenwart Gottes auf eine neue, tiefe Weise erfahren.

Aus einem transparenten Herzen heraus schreibt Ella behutsam und Schritt für Schritt ihre persönliche 40-tägige Wüstenreise auf, die sie unter der Führung des Heiligen Geistes durch das Buch Exodus führte.

Sie lädt uns ein, uns auf unsere eigene persönliche Reise zu begeben, um Widersprüche und Kämpfe in dem zu entdecken, was wir glauben zu sein, und offenbart dann liebevoll die Wahrheit und Tiefe der Liebe Gottes, welche die Macht hat, unser Leben zu verändern.

Dieses Buch ist ein wahrer Schatz für alle, die sich eine engere, vertrautere Beziehung mit Gott wünschen.

Carol KrumHealing Rooms Ministries; Spokane, Washington

Was für eine tief beeindruckende und erfreuliche Lektüre! Ella Legan hat für ihre Leser ein Erlebnis geschaffen, in das sie einfach eintauchen können. Beim Lesen fühlt man sich in eine epische biblische Erzählung versetzt.

Die Autorin hat es meisterhaft verstanden, eine bekannte Geschichte persönlich und relevant zu machen – für jeden, der bereit ist, sich auf neue Begegnungen und eine tiefere Beziehung mit Gott einzulassen.

Von den vielen Büchern, die ich gelesen habe, ist mir dieses wirklich im Gedächtnis geblieben. Ich habe Jesus auf eine neue und intimere Weise kennengelernt und wurde immer wieder liebevoll daran erinnert, dass ich so sehr geliebt werde. Danke, Ella, dass du dich beim Schreiben vom Herrn leiten lässt!

Teresa YancyAutorin von Unveiled By God

 

Inhalt

Einleitung

Wüstenblumen

Woche 1: Der Gott, der dich sieht, will dir am Dornbusch begegnen

1 Garten Eden – Wie du Ruhe finden kannst

2 Der Dornbusch – Begegne Gott in deinem Alltag

3 Heiliger Boden – Vom Umgang mit Schuld

4 Der Hirtenstab – Was hältst du in deiner Hand?

5 Der Brunnen – Brauchst du Hilfe in der Wüste?

6 Wirbelwind – Negative Gefühle überwinden

7 Wüstensturm – Stürme des Lebens überwinden

Woche 2: Der Herr hat ein Lamm vorbereitet, um dich aus der Gefangenschaft zu führen

8 Hängemattenort – Lass dich nicht aus der Ruhe bringen!

9 Bergauf – Wenn Gott weit weg zu sein scheint

10 Gewitter – Aus Gnade gerettet

11 Die Höhle – Wenn alles zusammenbricht

12 Dunkelheit – Überleben

13 Schwere Steine – Brauchst du Geduld?

14 Freiheit – Lass deine Höhle hinter dir

Woche 3: Der Herr, dein Arzt, ist mit dir in der Wüste

15 Federn – Sehnsucht nach Leichtigkeit

16 Ostwind – Stell dich deinen Ängsten

17 Das Meer – Ein Weg, wo es keinen Weg zu geben scheint

18 Das verlorene Gleichgewicht – Frieden im Schmerz

19 Mara – Bitterkeit überwinden

20 Himmlisches Brot – Vertraue auf Gottes Versorgung

21 Massa & Meriba – Lebendiges Wasser

Woche 4: Der König kommt – Bereite dich vor!

22 Refidim – Wenn der Feind dich angreift

23 Unterwegs – Alte Wunden überwinden

24 Der Adler – Fliegen lernen

25 Waschtag – Zuhören lernen

26 Reggae – Vorbereitung für die Feier

27 Hörnerschall – Begegne dem Herzen des Vaters

28 Jura – Die zehn Verheißungen

Woche 5: Hör auf mit dem Tanz um das Kalb – Gott wird dich befreien

29 Das Bündnis – Du bist würdig

30 Das goldene Kalb – Wer ist das Zentrum deines Lebenstanzes?

31 Gericht – Geliebt

32 Zippora – Vom Umgang mit Eifersucht

33 Das Zelt – Rede mit Gott wie mit einem Freund

34 Die Höhle – Gottvertrauen in Wartezeiten

35 Raum für dich – Für immer verändert

Woche 6: Triff den eifersüchtig liebenden Gott am Berg

36 Gottes Name – Gott begegnen

37 Abbas Mantel – Bedeckt mit Heiligkeit

38 Leiden – Gottes Gerechtigkeit

39 Eine Hütte bauen – Entdecke deine Gaben

40 Es ist vollbracht – Geh in dein Land der Verheißung

 

Nachwort

Danksagungen

Über die Autorin

 

 

Für Jeschua

 

Einleitung

Vielen Dank für die Zeit, die Sie mit dem Lesen dieses Buches verbringen werden. Ich bete für Sie, dass Ihnen Gott – der Vater, der Sohn und der Heilige Geist – durch diese Worte begegnet.

Da meine Geschichte in dieses Buch eingewoben ist, möchte ich mich Ihnen kurz in Gedichtform vorstellen und danach erklären, wie ich dazu kam, es zu schreiben.

Ich bin nur ein einfaches Mädchen,vielleicht nur ein kleines Rädchenin einer Welt, die sich immer schneller dreht,wo kaum einer weiß, wie es dem anderen wirklich geht.

Ich ging durch Heilung, Täler und Tränen,kämpfte mit Dunkelheit, Ablehnung und Ängsten.Jedes Mal, wenn ich mich niedergeschlagen fühlte,brachte Jeschua sein Licht herein, gab mir seine Krone.

Er hat mich von innen heraus verwandelt,er ist der Arzt, der mich weiter behandelt.Er sagte: Hör auf zu kämpfen,ich will dich beschenken!

Lass mich dich einfach lieben,meine Liebe bringt Heilung und Frieden,sie erfrischt und erneuert, ist rein und gut,Liebe in Fülle, mehr als genug.

Meine Wunden will ich dir zeigen,meine Wunder mit dir teilen,aber auch Gottes Freundlichkeit und Liebe bezeugen,in allem Schmerz gibt es immer wieder Freuden.

Gott ist gut!Wunder und Abenteuer gibt es mehr als genug,bei einem Leben in seiner Gegenwartwird nicht an Herrlichkeit gespart.

Mein Weg ist eine Einladung,aber auch ein Versprechen,dass das Leben weitergeht,bis Freiheit und Heilung durchbrechen.

Nachdem ich mich vorgestellt habe, möchte ich dir gerne für unsere gemeinsame Wüstenreise das „Du“ anbieten.

Meine Reise begann mit dem Beginn eines neuen Jahres. Wie jedes Jahr habe ich mich gefragt: Woher komme ich, und wohin gehe ich? In meinem Herzen fühlte ich eine tiefe Sehnsucht, mehr von Gott zu erfahren. Mein Alltagseinerlei war mir nicht genug. Ich hatte das Gefühl, dass es MEHR gibt, und nachdem ich mir die Mehr-Konferenz des Gebetshauses in Augsburg angeschaut hatte, ging ich auf die Knie und bat um mehr. Einige Wochen später gab der HERR mir eine Vision.

Es war ein stürmischer Tag, an dem es eine Unwetterwarnung für unsere Region gab. Wegen Orkanböen wurde dazu geraten, das Haus nicht zu verlassen. Normalerweise bin ich ein ängstlicher Mensch. Ich wohne im Dachgeschoss und der Sturm rüttelte heftig an dem Hausdach. Ich konnte die Vibrationen und das Wackeln spüren und sogar sehen. Aber statt Angst fühlte ich die Gegenwart Gottes. Er brachte Frieden mitten im Sturm, und selbst als die Mauern um mich herum wackelten, fühlte ich mich sicher in den Armen des Vaters.

Statt mich im Keller zu verstecken, blieb ich in meiner Dachgeschosswohnung und nahm in meinem alten, dunkelroten Ohrensessel Platz. In einer Hand hielt ich eine frisch gebrühte Tasse Tee und in der anderen meine Bibel. Ich hielt mein Herz Gott hin und betete: „Herr, hilf mir, heute in deiner Nähe zu bleiben, und bereite mich darauf vor, auf dich zu warten.“

Ich fühlte mich in Gottes Wort zum Berg Horeb hingezogen, dem Berg, auf dem Mose Gott traf und die zehn Gebote empfing. Ich begann, das 2. Buch Mose (Exodus) von Anfang an zu lesen, bis zu der Szene, in der Mose Gott auf dem Gipfel des Berges begegnete.1 Während der Sturm draußen alles erschütterte, konnte ich drinnen, in meinem Herzen, die Sehnsucht Gottes nach seinem Volk spüren. Er sehnte sich danach, es in seine Gegenwart zu führen. Es war, als würde der Herr mich auf seinen Berg in der Wüste einladen, um den brennenden Dornbusch zu sehen, an dem er Mose berief. In meinem Innersten wuchs meine Sehnsucht, den Herrn in seiner Herrlichkeit genauso zu schauen, wie es Mose getan hatte.

Als ich las, wie Mose sprach: „Lass mich deine Herrlichkeit sehen!“ (2. Mose 33,18), wiederholte mein Herz diese alten Worte. Während ich Moses Gespräch mit dem allmächtigen Gott las, wurden genau diese Worte für mich lebendig.

Mose blieb vierzig Tage und Nächte in der Gegenwart des Herrn auf dem Berg Horeb. Ich spürte, wie kostbar die Worte waren, die Gott auf diesem Berggipfel sprach, und sie sind es noch immer – wie verborgene Schätze. Während der Sturm am Haus rüttelte, fühlte ich mich wie Mose, als die Gegenwart Gottes den Berggipfel erbeben ließ. Vielleicht ist jetzt die Zeit gekommen, in der Gott, der Herr, sein Haus, seine Gemeinde, erneut erschüttern wird. Ich glaube, er wird sein Volk einladen, aus der Sklaverei in die Wüste zu kommen, um ihn auf seinem Berg zu treffen.

Ich kann mir vorstellen, wie sehr er es liebt, unseren Ruf zu hören: „Lass mich deine Herrlichkeit sehen!“ Er möchte die erste Liebe in unseren Herzen neu entfachen, individuell in jedem Einzelnen und kollektiv im ganzen Leib Christi. Wie bei Mose will Gott uns auf dem Berggipfel begegnen.

In meiner Sturmvision fühlte ich die Heiligkeit in der Berggipfel-Begegnung zwischen Gott und Mose. Der Sturm draußen und in Gottes Wort war für mich zu einem mächtigen Ausdruck seiner Gegenwart geworden. Am Nachmittag erinnerte mich der Herr an diesen kleinen, stillen Wind, den Elia auf demselben Berg erlebt hatte. Ich tauchte tief in 1. Könige 19 ein und begleitete auch Elia auf seiner Reise durch die Wüste zum Berg Horeb. Überrascht erkannte ich einige Parallelen in den Erfahrungen von Mose und Elia: Für beide waren vierzig Tage eine bedeutende Zeit gewesen, und der Berg Horeb war ein wichtiger Ort. Beide trafen den allmächtigen Gott auf dem Berggipfel und erhielten dort einen neuen Auftrag.

Mein stürmischer Visionstag endete mit dem Berg der Verklärung.2 Es war schon Abend und der Sturm draußen hatte sich gelegt, aber mein Herz brannte. Ich hatte das Gefühl, dass der Heilige Geist mich einlud, mit Jesus und seinen Jüngern – Petrus, Johannes und Jakobus – auf einen anderen Berggipfel zu steigen, den Berg der Verklärung. Dort erschien der Vater wie auf dem Berg Horeb in einer Wolke. Die Jünger konnten sehen, wie der Herr mit Mose und Elia sprach, und sie konnten die Stimme des Vaters hören. Der Vater sagte, sie sollten auf seinen geliebten Sohn hören, und ich kann mir vorstellen, dass er dies genauso auch heute zu uns sagt.

Nach diesem Tag der Begegnung brannte mein Herz weiter und ich fühlte ein ständiges Drängen nach „Mehr“ in mir, aber ich verstand noch nicht alles, was Gott mir sagen wollte. Also nahm mich der Herr mit auf eine Reise: meine eigene, persönliche vierzigtägige Reise. Es war vierzig Tage vor Ostern bzw. Passah3. Wie so oft während der Fastenzeit fragte ich den Herrn, auf was ich verzichten sollte. Ich dachte an vierzig Tage ohne Schokolade oder ähnliches, aber der Herr sagte zu mir: „Ich möchte, dass du schreibst.“ Ich war sehr überrascht und neugierig auf dieses Abenteuer und fragte den Herrn: „Wo soll ich anfangen?“ Seine Antwort war eindeutig: „Am Anfang.“ Plötzlich wusste ich, dass ich im Garten Eden anfangen musste. Danach führte er mich in die Wüste. Tag für Tag saß ich mit der Bibel vor meinem Computer und schrieb auf, wozu der Herr mich inspirierte.

Ich fühlte mich, als könnte ich tatsächlich mit Mose zum Berg Horeb gehen, und Gottes Wort wurde lebendig wie nie zuvor. Dann führte der Herr mich auf meinen täglichen Schreibabenteuern durch persönliche Erlebnisse, innere Heilung und Korrektur. Jeder Tag war ein Schritt vorwärts zum Berg Horeb, wo ich dann den Vater traf. Während ich schrieb, offenbarte mir der Herr die Abenteuer und Wunder aus dem 2. Buch Mose (Exodus) auf eine Weise, die mir so real vorkam wie nie zuvor. Ich spürte die Gegenwart des Herrn und seine Liebe zu seinem Volk auf eine intensive Art und Weise. Ich bin sicher, dass er dich durch diese schriftlichen Begegnungen segnen wird. Ich habe sie so gelassen, wie ich sie geschrieben hatte, in vierzig kurzen Kapiteln. Zwei Jahre später fügte ich einige Erklärungen aus meinem Alltag hinzu. Diese zusätzlichen Gedanken sind nur Beispiele für das, was mir auf meiner eigenen Wüstenreise geholfen hat. Ich habe sie „Wüstenblumen“ genannt, um dir zu verdeutlichen, dass es in jeder Wüste auch Blumen gibt.

Du kannst diese Kapitel in vierzig Tagen oder in deinem eigenen Tempo lesen. Wir werden gemeinsam in kleinen Schritten zum Gipfel des Berges gehen, um Gott zu begegnen. Der Herr zeigte mir die Besonderheit dieser vierzig Tage als eine Zeit gezielter Vorbereitung. Mose und Elia hatten vierzig Tage Zeit, um auf den Berg hinaufzusteigen und sich darauf vorzubereiten, noch mehr vom Herrn zu erleben. Jesus tat es ebenso. Er fastete vierzig Tage nach seiner Taufe und bevor er seinen irdischen Dienst begann.4 Später sehen wir ihn verschiedene Berge besteigen, von denen einer der Berg der Verklärung war.

In Gottes Wort symbolisiert die Zahl vierzig eine Zeit des Wartens, Prüfens und Vorbereitens. Unser tägliches Leben mit dem Herrn ist eine schrittweise Vorbereitung auf die Begegnung mit dem lebendigen Gott. Aber während wir gehen, werden wir erkennen, dass er unsere Herzen in kleinen Schritten verändern will. Oft habe ich auf diese eine große Gottesbegegnung gewartet, aber dann erkannte ich, dass der Herr dir und mir jeden Tag im Alltag begegnen möchte. Manchmal scheint unser „christlicher Lebensstil“ trocken und langweilig. Doch durch sein lebendiges Wort will er unser Leben in ein Leben voller persönlicher Abenteuer, Wunder und Begegnungen mit sich selbst, dem allmächtigen Gott, verwandeln.

Am Ende meines stürmischen Tages zeigte mir der Herr, dass Mose und Elia einen neuen Auftrag erhielten, als sie den Berggipfel verließen. Mose wurde berufen, sein Volk aus der Wüste in das fruchtbare Land zu führen, und Elia wurde berufen, einen neuen König zu salben sowie Elisa zu lehren, der neue Prophet für Gott zu werden. Jesus redete auf dem Berg der Verklärung mit Mose und Elia über seinen Ausgang5. Er würde den Willen (Auftrag) des Vaters erfüllen und für uns, am Kreuz sterben, um uns in die Freiheit der Kinder Gottes zu führen. So scheint jedes Ende ein neuer Anfang zu sein.

Wir sind jeden Tag auf der Reise, um dem lebendigen Gott zu begegnen, bis er wiederkommt. Lassen wir uns also von ihm und seiner Liebe vorbereiten und unser tägliches Leben in der Erwartung leben, ihm zu begegnen. Sei gesegnet, während du dich jetzt darauf vorbereitest, diese Reise durch die Seiten dieses Buches zu machen und gemeinsam mit Mose und meinem Freund Jeschua6 (ich benutze am liebsten den hebräischen Namen von Jesus) in die Begegnungen einzutreten. Es gibt so viel, das er dir zeigen möchte – sich selbst und seine Herrlichkeit.

1 Vgl. 2. Mose 34.

2 Vgl. Matthäus 17.

3 Passah ist das biblische Fest, an dem das Volk Israel aus der Sklaverei der Ägypter befreit wurde. Das Wort Passah leitet sich von dem hebräischen Wort „pasah“ ab und bedeutet „lahmen, hinken oder vorbeigehen“. Es erinnert an das Vorbeigehen des Todesengels an den Häusern der Israeliten, deren Türpfosten mit dem Blut des Lammes bestrichen waren. Vgl. Worterklärung AT der Elberfelder Studienbibel #6586 und #6587.

4 Vgl. Matthäus 4,1-11.

5 Griech. „exodus“; vgl. Worterklärung der Elberfelder Studienbibel #1823.

6 Jeschua ist ein hebräischer Name und bedeutet: „(Jahwe ist) Hilfe oder Rettung“. Vgl. Worterklärung AT der Elberfelder Studienbibel #3523. Es ist der ursprüngliche Name von Jesus, unserem Retter.

Wüstenblumen

Nie zuvor sah ich etwas so Schönes:Wüstenblumen –sie erinnern mich an meinen König.Ich würde gerne eine pflücken und sie ihm bringen,oder einen ganzen Strauß,und vor seinem Thron singen.

Gott, mein König, ist der größte Künstler,Seine Leinwand ist nicht leer,die ganze Schöpfung ist sein Kunstwerk.Er hat mich gelehrt,im Winter vom Frühling zu singen,und die Blumen, die ich fand, zur Erde zu bringen.

Ich drehte mich herum und wartete nicht lang,tanzte zum himmlischen Klang,sprang auf und ab, drehte mich im Kreis,suchte, ob ich jemand fände, starr wie Eis,frierend und einsam in der Wüstensonne sitzend,innerlich leer, konnte er nicht einmal schwitzen.

Diesem einen Wüstenheldbringe ich kein Geld oder Brotkrumen,sondern eine meiner Wüstenblumen.Wie ein lächelndes Kindhalte ich meine Blume im Wind,halte sie dir im Wüstensturm hin.Dieser Sturm ist wirklich schlimm …

… aber schau her und atme diesen himmlischen Duft!Hör, wie der König dir zuruft:Du bist mein Kunstwerk, mein bestes Stück!Denk nicht gering von dir, du bist mein Glück!Du bist mir wichtigund wirst wieder aufgerichtet.

Ich segne dich, deinen Leib und deine Seele,hebe deinen Kopf und lebe!So wie die Wüstenblume mitten im Sandfindest du im Leben wieder festen Stand.

Schau auf diese Schönheit und Kraft,die der himmlische Regen in ihr schafft.Auch deine Wüste wird wieder grün,auch du wirst wieder blühn!

Ich bete für dich,mögest du neue Kraft findenund nicht in der Wüste versinken,sondern leben –und dazu will ich dir meine Wüstenblumen geben.

 

WOCHE 1: DER GOTT, DER DICH SIEHT, WILL DIR AM DORNBUSCH BEGEGNEN.

Mose aber weidete die Herde Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters von Midian. Und er trieb die Herde über die Wüste hinaus und kam an den Berg Gottes, den Horeb.

Da erschien ihm der Engel des HERRN in einer Feuerflamme mitten aus dem Dornbusch. Und er sah hin, und siehe, der Dornbusch brannte im Feuer, und der Dornbusch wurde nicht verzehrt.

Und Mose sagte sich: Ich will doch hinzutreten und diese große Erscheinung sehen, warum der Dornbusch nicht verbrennt.

Als aber der HERR sah, dass er herzutrat, um zu sehen, da rief ihm Gott mitten aus dem Dornbusch zu und sprach: Mose! Mose! Er antwortete: Hier bin ich.

Und er sprach: Tritt nicht näher heran! Zieh deine Sandalen von deinen Füßen, denn die Stätte, auf der du stehst, ist heiliger Boden! Dann sprach er: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Da verhüllte Mose sein Gesicht, denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.

Der HERR aber sprach: Gesehen habe ich das Elend meines Volkes in Ägypten, und sein Geschrei wegen seiner Antreiber habe ich gehört; ja, ich kenne seine Schmerzen. Und ich bin herabgekommen, um es aus der Gewalt der Ägypter zu retten und es aus diesem Land hinaufzuführen in ein gutes und geräumiges Land, in ein Land, das von Milch und Honig überfließt, an den Ort der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hewiter und Jebusiter.

Und nun siehe, das Geschrei der Söhne Israel ist vor mich gekommen; und ich habe auch die Bedrängnis gesehen, mit der die Ägypter sie quälen. Nun aber geh hin, denn ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Söhne Israel, aus Ägypten herausführst!

Mose aber antwortete Gott: Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehen und die Söhne Israel aus Ägypten herausführen sollte?

Da sprach er: Ich werde ja mit dir sein. Und dies sei dir das Zeichen, dass ich dich gesandt habe: Wenn du das Volk aus Ägypten herausgeführt hast, werdet ihr an diesem Berg Gott dienen.

Mose aber antwortete Gott: Siehe, wenn ich zu den Söhnen Israel komme und ihnen sage: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt, und sie mich fragen: Was ist sein Name?, was soll ich dann zu ihnen sagen?

Da sprach Gott zu Mose: „Ich bin, der ich bin.“ Dann sprach er: So sollst du zu den Söhnen Israel sagen: Der „Ich bin“ hat mich zu euch gesandt.

Und Gott sprach weiter zu Mose: So sollst du zu den Söhnen Israel sagen: Jahwe, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name in Ewigkeit, und das ist meine Benennung von Generation zu Generation.

2. Mose 3,1-15 ELB

Tag 1: Garten Eden – Wie du Ruhe finden kannst

Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte (1. Mose 2,8).

„Du musst dich sicher fühlen“, sagte Jeschua, „und du musst Ruhe finden.“ Ich nickte mit Tränen in den Augen. Es war ein typisch stressiger Tag. Oft fühlte ich mich von meinem Alltag überfordert. Es gab so viel zu tun, mehr als ich mit meiner geringen Zeit und Kraft bewältigen konnte. Erst am Nachmittag hörte ich zum ersten Mal seine Stimme. Während ich bei der Arbeit war, hatte ich, ehrlich gesagt, nichts von seiner Gegenwart gemerkt, obwohl er mir versprochen hatte, die ganze Zeit bei mir zu sein. Es gab immer zu viel zu tun. An den meisten Tagen wachte ich viel zu spät auf und war trotzdem immer noch müde, aber Jeschua kennt mich. Er weiß alles über mich: das Gute, das Schlechte und das Hässliche. Er kennt meine Stimmung am Morgen und erwartet in diesen ersten Momenten nie zu viel. Er wartet auf mich und begrüßt mich mit seinem wunderbaren Lächeln.

Oft kann ich jedoch weder sein Lächeln noch seine Umarmung wahrnehmen. So auch an diesem Morgen. Ich musste mich beeilen, um zur Arbeit zu kommen, aber immerhin nahm ich mir fünf Minuten Zeit, um die Bibel zu lesen. Doch seine Stimme hörte ich nicht. Ich fand keine Zeit, in Ruhe zu essen oder auch nur einen Moment innezuhalten. Dann übertrug ich, ohne es zu merken, meinen Stress auf meine Kollegen. Ja, ich erfüllte meine Arbeit, hatte aber keine Zeit, freundlich zu sein – bis mich jemand mit meinem Verhalten konfrontierte und mir spiegelte, wie es die Menschen um mich herum beeinflusste. Ich war schockiert und weinte vor Scham; und mit diesen bitteren Gefühlen kehrte ich später nach Hause zurück.

Nach einem späten Essen setzte ich mich für ein paar Minuten hin und versuchte, mich abzulenken. Ich fühlte einen Sturm von Emotionen in mir, der sich nicht beruhigen ließ. Ich wollte mich nicht so verhalten oder fühlen, und so bat ich Gott um Hilfe. Das war der Moment, in dem ich Jeschuas leise, sanfte Stimme hörte: „Du musst dich sicher fühlen, und du musst Ruhe finden.“

In der Stille meines Wohnzimmers fragte ich: „Herr, wie finde ich Ruhe?“

Meine alte Bibel lag neben mir. Ich schlug die erste Seite auf und fing einfach am Anfang an zu lesen. Die Worte aus dem ersten Buch Mose berührten mein Herz, und plötzlich war es nicht mehr Adam, der mit Gott durch Eden ging. Zeit und Raum schienen sich zu verwandeln, und ich hatte das Gefühl, genau dort zu sein, mitten im Garten Eden, und meinen Tag neu zu beginnen.

Die erste Begegnung

Ach, was war es schön, im Garten seine Stimme zu hören – wie er mich, seinen Menschen, rief. So ging ich mit ihm im Morgentau spazieren. Nach einer Weile lichtete die Sonne den Morgennebel und ich konnte all die Schönheit sehen, die er geschaffen hatte. Wir kamen an einen See und ich ging erst einmal eine Runde schwimmen. Die Temperatur war genau richtig, so wie ich es mag. Das Wasser war erfrischend für meinen Körper und meine Seele. Die aufgehende Sonne gab mir das perfekte Licht, in das ich eintauchen konnte. Hier wollte ich sein.

Doch sah ich am Ufer einen gedeckten Tisch, der auf mich wartete. Alles war von seiner Hand liebevoll vorbereitet worden. All meine Lieblingsgerichte, frisch und schön anzusehen, und der Duft des Essens … himmlisch! So rannte ich zum Strand und genoss diese besondere Zeit mit meinem besten Freund Jeschua.

Wir hatten uns an diesem Morgen viel zu erzählen. Er fragte mich, wie ich geschlafen hatte, und ich erzählte ihm meinen Traum von den fliegenden Pinguinen. Wir lachten beide herzlich über die Vorstellung. Und da ihm nichts unmöglich ist, kam ein kleiner Pinguin um einen Felsen herum gewatschelt, sah mir direkt in die Augen und tauchte dann in den See. Hier war es schön, hier wollte ich verweilen. Warum sollte ich mich beeilen? Dieser Ort war Ruhe – und doch voller Leben, Licht und Liebe. Ich fühlte mich erfrischt von der harten Nacht, die hinter mir lag.

Seine Hand ruhte auf meiner Schulter und alles in mir füllte sich mit neuer Kraft. Voller Tatendrang wollte ich aufspringen, als sich eine neue, himmlische Gelassenheit auf mich legte. Ich hielt einen Moment inne und sah in seine Augen. Liebevoll war sein Blick, und leise hörte ich seine Stimme: „Was möchtest du, dass ich heute tue?“

Ich dachte nach und suchte nach meiner langen To-do-Liste mit all dem Schweren, Unerledigten. Wo hatte ich sie gestern nur hingelegt? Lächelnd hielt er sie in seinen Händen … Aber sein Blick hatte auch etwas Trauriges. Auf seinem Gesicht lag der Ausdruck von tiefem Verständnis, und ohne ein Wort zu sagen, wusste ich, dass er sich um alles kümmern würde. Alles hier an diesem Ort mit ihm war so leicht. Tief und frei konnte ich durchatmen. Es gab nichts zu tun, als einfach nur bei ihm zu sein.

Ich sah mich um – die Schönheit eines neuen Tages, frisches Frühlingsgrün und Himmelblau, Sonnenlicht und fliederfarbene Blumen, Wellenrauschen und Vogelgezwitscher umgaben mich. Eine tiefe Freude erfüllte meine Sinne und mein Herz. Nach einem Moment der Stille flog ein orange-gelber Schmetterling über mir herab und ließ sich auf meiner Hand nieder. Irgendwie kitzelten mich seine Flügel, und wieder musste ich lachen. „Oh Herr, was hast du heute geplant?“ Wir waren bereits in ein lebhaftes Gespräch verwickelt, und er erklärte mir verschiedene Dinge. Das, was ich vorher nicht gesehen hatte, half er mir zu sehen. Wir gingen einen neuen Weg. Ich kannte den Weg nicht, aber es war mir egal; ich wollte nur mit ihm zusammen sein.

~~~~~~~

Etwas überrascht legte ich meine alte Bibel hin. Ich konnte jetzt nicht aufstehen und meine To-do-Liste abarbeiten. Noch immer fühlte ich den Frieden von Eden – dem Ort des Ursprungs. So soll es sein, dachte ich mir. So sollten meine Tage beginnen: einfach Zeit mit meinem besten Freund verbringen, miteinander reden und spazieren gehen.

Eden ist der Garten, den Gott für uns, seine geliebten Kinder, gepflanzt hat. Er schuf Adam, den ersten Menschen, und setzte ihn in den Garten. Wie Adam sind auch wir nach Gottes Ebenbild geschaffen. Gott wollte Zeit mit ihm verbringen, mit ihm in der Morgensonne oder am Abend spazieren gehen.

Kannst du dir Eden vorstellen? Gottes Freude war dieser schöne Garten der Gemeinschaft. Die Bedeutung von Eden ist „Lust“ oder „Wonne“1. Das war Gottes Plan für uns. Aber die ersten Menschen beschlossen, Gott als dem guten Vater zu misstrauen und folgten stattdessen der Stimme des Durcheinanderbringers (des Teufels). Danach versteckte sich der Mensch vor Gott. Er suchte nicht wie am Anfang zuerst nach Gottes Angesicht. Die Menschheit musste den Garten verlassen, den Ort der glückseligen Gemeinschaft mit Gott, und der Eingang wurde verschlossen.

Wüstenblumen: Persönliche Schritte für dich

Jesus ist der Weg zurück zu diesem Ort der Vertrautheit mit Gott.

Der Garten ist der Ort, an dem der Vater voller Freude auf seine Kinder wartet. Er wartet auf dich und mich. Er möchte Zeit mit dir verbringen. Er lädt dich ein, sich an all der Schönheit zu erfreuen, die er geschaffen hat. Es gibt einen Platz im Garten, um wahre Ruhe zu finden. Setze dich einfach neben den Vater und erzähle ihm alle deine Pläne, Wünsche und Sorgen. Er hört zu.

Der Garten ist ein sicherer Ort.

In meiner Vorstellung konnte ich den Garten mit seinen wunderschönen Pflanzen sehen. Ich konnte das lebendige Wasser spüren und die Früchte riechen – ein Ort, an dem ich Ruhe und Erfrischung finden konnte. Ich muss mich darin üben, mich mit meinem Herzen und Verstand darauf einzulassen, in meinem Alltag in diesen Garten zu gehen – den Ort der ständigen Verbindung mit dem lebendigen Gott. Auf dieser Grundlage kann ich den ganzen Tag über friedlich „wandeln“ und seine beständige Gegenwart erkennen. Auch wenn ich mich überfordert fühle, der Garten ist immer noch da. Ich muss nur eintreten. Regelmäßige Gartenzeiten werden uns verändern. Ich habe in den letzten Jahren gelernt, wie wichtig es ist, mitten im Alltag einen sicheren Ort zu haben – auch wenn es nur in meiner Vorstellung ist. Was auch immer in deinem Leben passiert ist, gerade passiert oder passieren wird: Niemand kann diesen inneren Ort stehlen oder zerstören. Niemand kann dir dort Schaden zufügen oder dich verletzen. Es ist ein Ort des Schutzes und der Freude, ein Wohnort voller Licht, ohne jegliches Übel.

Kennst du auch solche stressigen Tage? Versuche dir vorzustellen, in den Garten zu gehen. Wie sieht dein Garten aus? Was siehst du? Vielleicht hörst du etwas? Versuch mal die einengenden, religiösen Gottesbilder hinter dir zu lassen. Es ist wichtig, dass du dich sicher und wohl fühlst. Wenn deine Vorstellung von Gott nicht passt oder du ihn noch nicht als deinen Vater kennst, ist das in Ordnung. Ich brauchte Jahre, um ihn mit meinem Herzen als einen guten Vater zu sehen. Ich bete, dass dieses Buch dir dabei hilft, ihn als deinen liebevollen, beschützenden und guten himmlischen Vater immer besser kennenlernen.

Der Garten ist der Ort, an dem du deine To-Do-Liste ablegen kannst.

In meinem Alltag gibt es immer zu viel zu tun. Egal ob ich alles auf einen Notizzettel schreibe oder im Kopf sortiere, meine To-do-Liste ist immer noch zu lang. Ich versuche zu lernen, morgens alle meine „To-dos“ dem Herrn zu übergeben, damit ich nicht mehr darüber nachdenken muss, was ich als nächstes tun soll, und ihm stattdessen einfach begegnen kann. Ich kann seine Stimme deutlicher hören und erkenne, was er für das Wichtigste hält.

Wenn er mir die Liste zurückgibt, weiß ich, wie ich Prioritäten setzen muss. Wenn du ähnliche Listen hast, versuche dir vorzustellen, wie du deine Liste im Garten dem Herrn übergibst. Was wird als Nächstes passieren? Hörst du irgendetwas, wo Gott dich eventuell herausfordert, etwas Bestimmtes zu tun oder zu lassen?

Gott segne dich! Und ich ermutige dich, dem Wort „Alle eure Sorgen werft auf ihn, denn er sorgt für euch“ aus 1. Petrus 5,7 (GNB) neu Vertrauen zu schenken: Gott sorgt für dich!

 

1 Vgl. Elberfelder Studienbibel, Fußnote zu 1. Mose 2,8.

Tag 2: Der Dornbusch – Begegne Gott in deinem Alltag

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, beschloss ich, die Sorgen hinter mir zu lassen und erst einmal zuzuhören, um zu sehen, ob Gott mir etwas sagen würde. Ich nahm mein Tagebuch und schrieb: „Guten Morgen, Herr“, und ich hörte ihn flüstern: „Ich sehe dich, Kind.“

Diese wenigen Worte berührten mein Herz, und ich fühlte mich gesehen, beachtet und geliebt. In meinem Herzen wusste ich, dass er mich tatsächlich sieht. All die Arbeit, die ich erledigen musste, all meine inneren und äußeren Konflikte – er sieht all das. Ich fühlte seinen Frieden über mich kommen und erinnerte mich an die Worte aus Johannes 14,27 (TPT). Ich öffnete meine Bibel und las:

Ich hinterlasse dir das Geschenk des Friedens – meinen Frieden. Nicht die Art von zerbrechlichem Frieden, den die Welt gibt, sondern meinen vollkommenen Frieden. Gib nicht der Angst nach und sei nicht beunruhigt in deinem Herzen – sei stattdessen mutig!

Jesus hinterließ uns seinen Frieden als Geschenk. Dann ging er nach Hause zum Vater, um einen Raum für uns vorzubereiten. Als ich das ganze Kapitel vierzehn aus dem Johannesevangelium las, konnte ich mich plötzlich selbst sehen: Ich schleppte viel Gepäck. Rechts und links trug ich Koffer und Taschen, die viel zu schwer für mich waren und mich nach unten zogen. Ich fragte mich: Werde ich so in meine himmlische Wohnung, die Jesus bereitet hat, eintreten – belastet und niedergedrückt?

Doch alles, was ich sehen konnte, war das lächelnde Gesicht meines Freundes Jeschua, genau wie am Tag zuvor.

Die zweite Begegnung

Mein Freund Jeschua ging mit mir durch dieses große, alte Gartentor hinaus. Ich erinnere mich noch an jenes Geräusch, als er es mit dem Schlüssel öffnete. Wir gingen nach draußen und er führte mich nach Kanaan. Ich dachte mir: Welch ein wunderschönes Land – anders als der Garten, aber auch beachtlich. Irgendwie war alles so üppig. Die Trauben im Weinberg, die Wasserströme und das Sonnenlicht – alles war groß und schön und leuchtend. In der Luft lag ein unwiderstehlicher Duft von Honig und Milch.

Er zeigte mir das Land und erzählte mir von seiner Sehnsucht nach seinem in Ägypten gefangenen Volk. Er erzählte mir von seiner großen Liebe und seinem Wunsch, die Menschen seines Herzens an diesen Ort zu rufen – den Ort der Freiheit und Versorgung, einen ruhigen Ort des Friedens und der Sicherheit. So oft hatte er hier gestanden und sie gerufen. Doch seine geliebten Menschen befanden sich in Gefangenschaft und mussten Tag für Tag schwere Lasten tragen.

Es war nur ein kurzer „Blick“ in das Land namens Kanaan1, bevor wir in die Wüste kamen. Ich fragte mich für einen Moment: „Was würde ich wohl in der Wüste finden?“ Während ich darüber nachdachte, sagte er mir, ich solle im Hintergrund bleiben und abwarten. Vor uns lag ein hoher Berg, der Horeb hieß und zum Felsmassiv des Sinai-Gebirges gehörte.

Er versteckte sich in der Nähe in einem Dornbusch, und das erstaunliche war, dass man ihn tatsächlich nicht sehen konnte. Ich wusste, dass er da war, aber ich konnte ihn nicht sehen. Von Weitem hörte ich das Blöken einer näherkommenden Schafherde, und bald schon konnte ich den Hirten sehen, der in unsere Richtung zog. Die Wüste war karg, überall waren nur Steine. Wo sollten die Schafe hier Nahrung finden? Plötzlich brannte der Dornbusch und mir wurde ganz warm ums Herz. Der Hirte muss dasselbe gespürt haben, denn er kam näher und schaute neugierig den brennenden Busch an.

Jeschua hatte mir gesagt, ich solle nur zusehen, also versuchte ich, mich hinter einigen großen Steinen zu verstecken. Plötzlich rief eine Stimme mit Autorität den Namen des Hirten und befahl ihm, seine Schuhe auszuziehen, weil das Land, auf dem er stand, heilig sei.

Ich hatte konzentriert zugehört und schaute etwas beschämt auf meine eigenen dreckigen Schuhe. Schnell versuchte ich sie auszuziehen. Vielleicht waren diese Worte nicht nur für den Hirten bestimmt. Außerdem wollte ich nichts von dem Gespräch verpassen. Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll. War es immer noch mein Freund Jeschua, der da sprach? Vielleicht jemand Größeres? Die Stimme war anders, aber gleichzeitig auch vertraut für mich.

Ich war tief beeindruckt von dieser Stimme. Und dann hörte ich den Namen dessen, dem die Stimme gehörte, die aus dem brennenden Dornbusch kam: „ICH BIN, der ich bin.“2 Allein dieser Name erfüllte mich mit Ehrfurcht. Wie konnte ich ihn mir vorstellen – jemanden, der jeden Moment da war, da ist und da sein wird?

Der Schafhirte antwortete ängstlich: „Ich bin Mose, verheiratet, habe zwei Söhne und arbeite derzeit bei meinem Schwiegervater in der Schafzucht in dieser kargen Wüste.“3 „Mose“ bedeutet „Der aus dem Wasser gezogen wurde.“ Seine Kindheit war traumatisch gewesen; viele Menschen hatten versucht, ihn zu töten. Er war ein wunderschönes Baby und hatte treue, liebevolle Eltern aus dem Stamm Levi. Aber Mose war von der Tochter des Pharao adoptiert worden und als wohlhabender Ägypter aufgewachsen. Doch tief in seinem Innersten wusste er, dass er in Wirklichkeit ein anderer war. So viel hatte er schon durchlebt. Er war ein Mörder, ein Flüchtling und ein Hirte. Er war verheiratet und Vater zweier Söhne. Einen von ihnen hatte er Gershom4 genannt.

In meinem Versteck dachte ich mir: „Was für eine verrückte Familiengeschichte.“ Ich schüttelte den Kopf, aber im selben Moment dachte ich an meine eigene Familiengeschichte, meinen Lebenslauf und all das, was ich erlebt hatte, und konnte mich sofort mit Mose identifizieren.

Dieser Boden war tatsächlich heilig. Irgendwie war es wegen der intensiven Feuerflammen, die aus dem Busch kamen, noch heißer als sonst, und Mose schwankte leicht. Kreislaufprobleme in der Hitze ließen ihm einen heiß-kalten Schauer über den Rücken laufen, und noch etwas anderes brachte seine Knie ins Wanken. Es war so ein Gefühl der Ehrfurcht, die plötzliche Erkenntnis, dass etwas Großes geschah, das der Verstand nicht erfassen konnte.

Die Stimme aus dem Busch sprach weiter, er habe das Elend seines in der Fremde gefangenen Volkes gesehen. Er habe ihren Schrei gehört und kenne ihren Schmerz.

Endlich ist da jemand, der versteht, der hineinsieht in das Elend, und nicht darüber hinweg. Jemand, der den Schmerz kennt – den Schmerz der Gefangenschaft, der täglichen Last sowie den körperlichen Schmerz, wenn nichts mehr geht, wenn alles um uns herum zusammenbricht und aus dem Mund nur noch ein leiser Schrei zu kommen wagt. Es gibt jemanden, der diesen Schrei hört und darauf antwortet.

Dann sagte er, er sei gekommen, um sein Volk zu retten und sie aus dem Land der Gefangenschaft in ein neues, gutes, weites Land zu führen – in ein Land, in dem Milch und Honig fließen würden. Er sagte, es sei an der Zeit, aus der Bedrängnis und Bedrückung herauszukommen, hinein in die Freiheit und Weite, in die Fülle, ins Leben.

„Und du, Mose, du sollst zum Pharao gehen und mein Volk, meine Kinder, aus der Gefangenschaft führen.“

Mose war sichtlich entsetzt: „Ich? Wer bin ich?“

Die Stimme gab ihm keine Antwort auf diese Frage. Aber er sagte ihm, dass er, der ICH BIN, der EWIG SEIENDE und EXISTIERENDE, bei ihm sein würde, und dass sie sich hier, an demselben Berg, wieder treffen würden.

Langsam schien Mose an einen Punkt zu kommen, an dem er an „den Existierenden“ glaubte. Er fand sich mit dessen realer Existenz ab und mit der Tatsache, dass er mit einem brennenden Dornbusch sprach, der versuchte, ihn davon zu überzeugen, dass er zurück nach Ägypten gehen solle – Ägypten, das Land, in dem er als Mörder mit Haftbefehl auf der Fahndungsliste stand. Gott sagte zu Mose, dass er zu seinem Stiefbruder (dem jetzigen Pharao) gehen und ihm sagen solle, dass fast hundert Prozent seiner besten Billiglohnarbeiter sein Geschäftsimperium verlassen würden, und dass er mit dem Bau der Pyramiden alleine weitermachen müsse.

Oh ja, und um Gottes Anweisungen noch zu vervollständigen, sollte Mose den Ägyptern sagen, dass sie dem Volk Gottes auch Gold und Silber und schöne Kleider für ihre Reise aus Ägypten mitgeben sollten. Wow!

Als Mose begann, das volle Ausmaß seiner Mission zu begreifen, fühlte er sich ermutigt, mit dem Ewig-Seienden auf eine neue Art und Weise zu sprechen – wie Freunde. Er teilte ihm alle seine Bedenken mit: „Die Hebräer werden mir nicht glauben. Die Ägypter werden mir bestimmt nicht gehorchen. Warum sollte uns der Pharao gehen lassen? Oh, und übrigens, ich kann nicht richtig sprechen!“

Der Ewig-Seiende hatte für alles eine Lösung. Zuerst fragte er Mose, was er in seiner Hand hielte. Mose dachte fast ein wenig zynisch: „Meinen Hirtenstab, natürlich.“ Dann erklärte ihm Gott, welche Wunder er damit vollbringen könne und solle. Und ehrlich gesagt war es echt krass, als der Stab zu einer Schlange wurde und dann wieder zu einem Stab. Oder als seine Hand zuerst widerlich voller Geschwüre und im nächsten Moment vollständig geheilt war, ein erstaunliches Wunder voller Hoffnung.

Mose stand staunend da und starrte auf seine Hand und dann auf den Stab. Langsam begann er zu begreifen, was er da in der Hand hielt, was Gott in seine Hand gelegt hatte. Sein Hirtenstab würde tatsächlich zu einem Wunderstab in seiner von Gott geheilten Hand werden. Und Moses sprachbegabter Bruder Aaron wurde von Gott dazu bestimmt, Mose bei seinem Sprachproblem zu helfen.

„Mach dir keine Sorgen, Mose; er ist schon unterwegs. Geh jetzt für eine Weile nach Hause, pack deine Sachen, und dann triffst du automatisch deinen Bruder hier am Horeb. Ich habe schon alles vorbereitet.“

Mose war sprachlos, blickte auf seinen Hirtenstab und den Dornbusch und ging langsam, schweigend zurück zu seiner Herde.

Als Mose in der Wüstenlandschaft verschwand, sprang Jeschua aus dem Busch und rannte auf mich zu. „War das nicht genial?“

Ich fühlte mich, als hätte ich einen Film gesehen und vergessen zu atmen. Ich konnte nur nicken, sah Jeschua etwas scheu in die Augen und brachte nur mühsam hervor: „Du?“

Aber Jeschua wollte noch nicht darüber sprechen. Er schlug mir kameradschaftlich auf die Schulter und lud mich zum Essen ein. „Wir können uns ein bisschen mehr über Themen wie Identität und Berufung austauschen.“

Nachdenklich setzte ich mich an den festlich gedeckten Tisch und nippte an dem Wein, den er mir aus einer Glaskaraffe einschenkte. Ja, wer war ich eigentlich? Wo kam ich her? Wo wollte ich hin? Meine Familiengeschichte, meine Prägungen, meine frühkindlichen Traumata, meine Ängste – er wollte alles wissen. Als Hauptgericht hatte er gebratene Wachteln vorbereitet.

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Gebratenes Geflügel war auch mein Abendessen am Abend dieses zweiten Tages der Begegnung. Ich spürte immer noch die Last meines Alltags. Warum war alles so schwer für mich? In den Abendstunden des vergehenden Tages dachte ich über mein Leben nach. Es gab eine Menge an Altlasten, die ich immer noch mit mir herumtrug, wie das Gepäck, das ich mich selbst früh an diesem Morgen hatte tragen sehen. Jeder hat seine eigene Geschichte, sein eigenes Gepäck, das er ablegen muss. Mose hatte Gott seine Sorgenliste übergeben. Gott hatte und hat auch heute noch jedes Detail im Blick … so auch bei dir.

Wüstenblumen: Persönliche Schritte für dich

Was hindert dich daran, ein fruchtbares und freudvolles Leben zu führen?

Nachdem ich die ersten beiden Kapitel des 2. Buches Mose gelesen hatte, war es wie eine Einladung des Herrn, Teil dieser Geschichte zu werden. Auf der einen Seite gab es die Geschichte des Volkes Israel, das als Sklaven in Ägypten litt. Auf der anderen Seite die persönliche Geschichte von Mose, der sein Kindheitstrauma überwinden musste, im Palast des Pharaos aufgewachsen war und sich schließlich als Mörder auf der Flucht in der Wüste wiedergefunden hatte. Gott begegnete Mose in der Wüste in einer brennenden Flamme am Dornbusch und berief ihn, sein Volk aus Ägypten zu führen.

Der Weg zurück ist nicht einfach, aber das Ziel ist klar: Anbetung am Berg Horeb. Es gab Zeiten in meinem Leben, in denen ich zurückgehen und mich dunklen Erinnerungen stellen musste. Und woher kommst du? Kennst du solche schweren Lasten? Höre auf den Einen, der dich sieht und dich aus der Sklaverei in ein fruchtbares Land ruft. Versuche, einen Moment innezuhalten, um über deine eigenen Lebenserfahrungen nachzudenken. Ändere dann den Fokus und bleib vor dem brennenden Dornbusch stehen. Hör auf Gottes Stimme. Vielleicht ruft er dich heraus aus der Sklaverei, diesem Ort, an dem du dich in deinem Leben festgefahren fühlst. Wo immer du dich gerade in deinem Leben befindest, versuche auf Gottes Stimme zu hören, was er zu dir sagt.

Der Herr sagte zu ihm: „Ich habe gesehen, wie mein Volk in Ägypten unterdrückt wird. Und ich habe ihr Schreien gehört. Ich weiß, wie sehr es leidet“ (2. Mose 3,7 NLB).

Wo immer du auch stehst, Gott sieht dich – deinen Schmerz und dein Leiden. Er hat dich nicht vergessen. Du bist nicht alleine.

Wurzeln der Vergangenheit

Manchmal verletzt mein Verhalten andere Menschen und auch mich selbst, anstatt gute Früchte zu tragen. Wenn ich zum Beispiel Druck statt Frieden verbreite, wird mein Herz hart und schwer. Oft kann ich nicht gut mit Stress umgehen. Dann bin ich nicht freundlich, liebenswert, sanft oder bescheiden. All das ist das Ergebnis der „Sklaverei“. Ich versuchte immer wieder, mich zu befreien, konnte es aber nicht aus eigener Kraft. Bevor ich zu Bett ging, betete ich zum Herrn und sprach mit ihm über meine schwere Last. Dann spürte ich seine Einladung in die Freiheit.

Es geht nicht um Religion oder den Versuch, alleine besser zu werden. Es geht darum, als Kind zu leben, nicht als Sklave. Ein Kind geht mit seinen zerbrochenen Spielsachen zum Vater und bittet ihn, sie zu reparieren. Ziemlich oft komme ich mit leeren Händen zum Vater, weil ich außer mir selbst nichts bringen kann. Da ist nur meine Zerbrochenheit. Es gab eine Zeit, da wollte der Vater meine Zerbrochenheit heilen und bat mich, mit ihm zurück zu einer längst vergangenen Erinnerung zu gehen, an den Ort, wo ich einmal verletzt worden war.

Gott antwortete: „Ich werde dir beistehen. Und das ist das Zeichen, an dem du erkennst, dass ich dich beauftragt habe: Wenn du das Volk aus Ägypten herausgeführt hast, werdet ihr mir an diesem Berg Opfer darbringen und mich anbeten“ (2. Mose 3,12 GNB).

Manchmal wird eine Wurzel der Bitterkeit in eine Wunde gepflanzt, und wir handeln aus dieser Wurzel der Bitterkeit heraus und verletzen dann auch andere Menschen. Aber wenn Gott die Wurzel der Bitterkeit aus meinem inneren Garten zieht, dann wird mein Herz frei. Vergebung ist dazu das passende Gartenwerkzeug. Seine Liebe macht mich frei zu vergeben. Und von diesen alten Wurzeln frei zu werden, erfüllte mich mit Anbetung. Erst als mein Herz frei war, war auch ich frei, ihn anzubeten. Vielleicht kannst du dich mit meinen Erfahrungen identifizieren. Ich bete, dass du Freiheit erfährst, wo immer du dich gebunden fühlst. Ich bete, dass wir ihn am Ende unserer Reise am Berg Horeb gemeinsam anbeten, wenn wir die Sklaverei hinter uns gelassen haben.

ICH BIN, DER ICH BIN

Gott stellt sich vor als „Ich bin, der ich bin“, der „Ich bin da, bei dir“. Er ist immer da. Sein Charakter ändert sich nie. Er ist ewig. Er hat dich erschaffen. Er kennt dich mit Namen, deinem Wesen. Er liebt dich. Er wird dich aus der Sklaverei heraus- und in seine Freiheit hineinführen.

Da sprach Gott zu Mose: „Ich bin, der ich bin.“ Dann sprach er: So sollst du zu den Söhnen Israel sagen: Der „Ich bin“ hat mich zu euch gesandt (2. Mose 3,14 ELB).

Ich bete, dass du dem ICH BIN begegnest.

 

1 Das Wort Kanaan leitet sich von dem hebr. Wort „kenaan“ ab und bedeutet „Niederland“. Es kommt von dem Wort „kana“: sich beugen müssen oder auch sich demütigen. Vgl. Worterklärung AT der Elberfelder Studienbibel #3738 und #3736. Interessant dazu auch das Wort „kin ah“ (#3737), das Bündel, Traglast oder Gepäck bedeutet.

2 Vgl. 2. Mose 3,14 (ELB).

3 Mose war zu dieser Zeit wohl schon knapp 80 Jahre alt. Er starb mit 120 Jahren nachdem er zuvor 40 Jahre lang mit dem Volk Israel vom Berg Horeb aus durch die Wüste gewandert war (vgl. 5. Mose 34,7). Vermutlich hatte er 40 Jahre in Ägypten verbracht und 40 Jahre in der Wüste als Schafhirte.

Tag 3: Heiliger Boden – Vom Umgang mit Schuld

Die Geschichte von Mose hatte mich den ganzen Abend beschäftigt. Es gibt so viel darin zu entdecken. Mose wuchs in zwei verschiedenen Kulturen auf. Er wurde als Hebräer geboren, wuchs aber als Ägypter heran. Seine hebräischen Verwandten waren als Sklaven in Gefangenschaft, aber als Gläubige treu geblieben.

Der Name seines Vaters, Amram, bedeutet „Das Volk ist hoch“, von „erhaben sein“1, und ist ein Hinweis auf ihre Erwartungen. Obwohl sie Sklaven waren, verloren sie ihre Bestimmung nicht aus den Augen. Sie waren wertvoll in Gottes Augen. Der Name seiner Mutter, Jochebed, bedeutet „Der Herr ist Herrlichkeit2“, was zeigt, dass sie Gott trotz ihrer schlimmen Umstände vertraute.

Der Pharao war ein König, aber er hielt sich auch für Gott. Er hatte zur Zeit von Moses Geburt die Tötung aller neugeborenen hebräischen Jungen angeordnet. Doch Moses Eltern hatten ihn in einen Korb (hebräisch „Kasten“ bzw. „Kästchen“3) gelegt und im Schilfgras am Nil ausgesetzt. Der Korb erinnert an Noahs Arche (im Hebräischen dasselbe Wort) und ist ein Symbol der Hoffnung. Moses Eltern vertrauten darauf, dass Gott ihren Sohn retten würde. Seine Schwester Miriam beobachtete, wie die Tochter des Pharaos Mose fand. Sie war mutig und sprach mit dieser berühmten Frau und bot ihr an, eine Frau aus dem Volk der Hebräer zu finden, die das Kind stillen konnte. Diese Taten des Glaubens und Vertrauens auf Gott mündeten in das erste Wunder in Moses Leben. Er konnte seine frühe Kindheit bei seiner Geburtsfamilie verbringen, während alle anderen Jungen in seinem Alter getötet worden waren.

Nach einer Weile wurde Mose wie versprochen zur Tochter des Pharaos gebracht. Dort wuchs er wie einer der Königssöhne auf. Vielleicht war er verunsichert über seine Identität, vielleicht hat er sich gefragt, zu welcher Kultur oder Religion er gehört.

Als junger Erwachsener sah er zu, wie ein Ägypter einen hebräischen Arbeiter schlug. Er fühlte die Ungerechtigkeit der Situation, verurteilte und tötete den ägyptischen Sklaventreiber. Er versuchte seine Selbstjustiz zu verbergen, aber seine hebräischen Brüder hatten ihn beobachtetet. Was er heimlich im Dunkeln zu tun gedacht hatte, kam ans Licht. Für die Hebräer und die Ägypter galt er nun als Mörder, und er musste sein Leben als ägyptischer Königssohn aufgeben und in die Wüste fliehen.

Bevor ich ins Bett ging, fragte ich mich: Was bedeutet diese Geschichte für mich? Hat das in irgendeiner Weise auch mit meinem Leben zu tun? Und wieder war ich mit meinem Freund Jeschua in der Wüste.

Die dritte Begegnung

Er fragte mich, was das Schlimmste sei, das ich je getan hatte – etwas, das ich bereute, etwas, dessen ich mich schämte, oder etwas, das ich lieber begraben würde. Eine tiefe Röte stieg meinen Hals hinauf und in mein Gesicht, als ich unbeholfen zu Boden schaute. Stille breitete sich aus, aber die Stille war nicht anklagend oder unangenehm, sondern nur mehr ein Raum, um darüber nachzudenken, was mich plagte. Nach einer Weile konnte ich aufblicken und sah in seinen Augen, dass er mich nicht verurteilte. Mit einem Blick voller Liebe und Mitgefühl sagte er mir: „Es ist okay, du bist okay.“ Und dann konnte ich es tatsächlich aussprechen, und ich spürte, wie eine Last von meinen Schultern fiel. Ich saß jetzt etwas aufrechter am Tisch. Wieder klopfte er mir auf die Schulter und stand auf, um den Nachtisch zu holen: Honigwaffeln.

Unser Gespräch ging weiter, und er wollte wissen, was ich beruflich bereits gemacht hatte. Er erklärte mir, als ich über meinen Lebenslauf nachdachte, wie wichtig es sei, sich bewusst zu machen, was ich in der Hand hielte. Mit dieser Frage entließ er mich in die Nacht.

Meine Träume in dieser Nacht drehten sich um das, was ich am vergangenen Tag erlebt hatte:

Ich ging durch eine endlose Wüste; Dürre umgab mich. Kein Grün spross aus dem trockenen, rissigen Boden hervor, nur Geröll, Steine und staubiger Lehm bedeckten ihn. Jeder Schritt war mühsam, und ich bewegte mich in Zeitlupe auf einen großen, brennenden Busch zu. Weit und breit war außer einem gewaltigen Felsmassiv nur dieser Busch zu sehen. Dornen ragten daraus hervor, und das Feuer flackerte in kleinen und großen Flammen im Buschwerk.

Das Feuer blieb im Busch und ließ dieses, in der Wüste sonst tote Gestrüpp nun lebendig erscheinen. Die Feuerzungen bewegten sich darin wie in einem Tanz. Der Busch brannte, verglühte aber nicht. Als ich so nah war, dass ich die Hitze des Feuers auf meinem Körper spüren konnte, hörte ich jemanden meinen Namen rufen, erst einmal, dann zweimal.

Wem gehörte die Stimme, die mich rief? Sie klang so kraftvoll, voller Autorität. Plötzlich war es, als hätte das Brennen mein Innerstes berührt, mein Herz ergriffen, und ich antwortete: „Hier bin ich!“

Ich konnte gar nicht anders, als der Stimme zu antworten. Ich war dem Rufenden meine Antwort schuldig. Der Rufende im brennenden Dornbusch wollte meine ganze Aufmerksamkeit, und ich wandte mich den Flammen zu.

Auf einmal spürte ich etwas so Mächtiges, dass ich mein Gesicht abwenden musste. Die Hitze, die von dem Busch ausging, war so intensiv, dass ich es nicht einmal körperlich aushielt, meinen Blick ins Feuer zu richten. Sogar meine Gesichtshaut wurde ganz heiß und meine Lippen spröde. Ich wollte schon einen Schritt zurückweichen, als mich die Stimme aufforderte, meine Schuhe auszuziehen. Heiliger Boden ...

Der Staub an meinen Sandalen, all der Schmutz des Tages haftete noch daran und ebenso mancher Mist, der mir begegnet war. Also zog ich meine Schuhe aus und stand mit bloßen Füßen vor dem Feuer des Dornbuschs. Sogar der Boden fühlte sich heiß an. Und hinter dem Dornbusch erstreckte sich das Felsmassiv in gewaltiger Höhe.

Heilig. Heiliger Boden, heiliges Land. Ich spürte die Besonderheit dieses Augenblicks von Kopf bis Fuß und wusste, dass ich diesen Ort nur betreten konnte, wenn ich der Stimme Folge leisten würde. Das Betreten war hier erlaubt, aber zuerst musste ich zusammen mit meinen Schuhen den Schmutz des Tages ablegen, um der Heiligkeit am Fuße des Berges begegnen zu können.

Eine alles durchdringende Wärme erfasste zuerst meine Füße und dann meinen ganzen Körper. Der Boden „zog“ mich zu sich hin, und meine Hände berührten den erhitzten Lehm- und Steinboden, dann meine Knie, bis ich mit ausgestreckten Armen auf dem Bauch lag. Das Brennen in mir hatte sich beruhigt und ich spürte nur noch angenehme Wärme, die der Boden an mich abgab; ein tiefer Friede durchströmte mich.

Mit einem leisen Seufzen wachte ich auf. Jeschua musste ein Zelt über mir aufgeschlagen haben, als ich eingeschlafen war. Wieder war er vor mir auf den Beinen und hatte das Frühstück zubereitet. Er sagte mir, ich solle eine Weile hierbleiben. Der Staub und die brennende Sonne hießen mich in der frühmorgendlichen Wüste willkommen.

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Das Morgenlicht schien durch mein Schlafzimmerfenster. Dieser Traum kam mir wie ein echtes Abenteuer vor. Ich musste mich nicht mehr fragen, was die Geschichte von Mose für mein Leben bedeutete.

 

Wüstenblumen: Persönliche Schritte für dich

Vergebung