Maddrax 598 - Simon Borner - E-Book

Maddrax 598 E-Book

Simon Borner

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Beschreibung

Der Kampf gegen den Streiter rückt immer näher; nur noch wenige Tage verbleiben, bis er nach der Reise durch den Zeitstrahl wieder vor dem Mars auftauchen wird! Doch sein Ziel ist die Erde. Der Flächenräumer - die einzige Waffe, die ihm gefährlich werden kann - steht auf dem Erdmond kurz vor der Vollendung.
Aber auch die Völker des Mars müssen beim Vorbeiflug geschützt werden; dieser epochalen Aufgabe hat sich Wang'kul in den vergangenen Monaten gewidmet.
Alles muss nun ineinandergreifen. Doch dann geschieht eine Katastrophe ...!


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Inhalt

Cover

Was bisher geschah...

Countdown

Leserseite

Vorschau

Impressum

Am 8. Februar 2012 trifft der Komet »Christopher-Floyd« – in Wahrheit eine Arche Außerirdischer – die Erde. Ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder, und die degenerierte Menschheit befindet sich im Krieg mit den Daa'muren, die als Gestaltwandler ein leichtes Spiel haben. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, »Maddrax« genannt, dessen Staffel durch einen Zeitstrahl vom Mars ins Jahr 2516 versetzt wird. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula erkundet er diese ihm fremde Erde, und es gelingt ihm, die lebende Arche gegen dessen kosmischen Feind, den Streiter, zu verteidigen, woraufhin der Wandler mit den meisten Daa'muren die Erde verlässt ...

Durch eine Schwächung des Raum-Zeit-Kontinuums tauchen überall auf der Erde Areale verschiedener Parallelwelten auf. Zwar können unsere Helden die Risse versiegeln – aber eine letzte Bruchstelle tauscht ein Areal um den Victoriasee in Afrika aus, das Kaiserreich Pilâtre de Roziers. Eine gewaltige Stadt erscheint, deren Bewohner einen »Dunklen Keim« verbreiten. Nach einigen Angriffen der Dunklen findet man dank der befreundeten Daa'muren Grao und Ira ein Heilmittel: Die Splitter von Daa'muren-Kristallen saugen den Dunklen Keim aus den Infizierten!

Ein Absturz über der Gigantopole wird Matt und Aruula zum Verhängnis: Ihre bösen Ebenbilder ermorden de Roziers Enkel Pilou und über hundert Hydriten, bevor man sie vernichten und das Zentrum der Stadt sprengen kann. Da diese daraufhin erstarrt, hofft man ihr Dunkles Herz zerstört zu haben.

Da naht eine neue Gefahr: Ein Roboter mit dem Geist von Professor Dr. Smythe, Matts Erzfeind, lockt einen Streiter zur Erde. Zunächst trifft die kosmische Entität auf den Mars, wo der dort lebende Hydree Wang'kul ihn per Zeitstrahl sechs Monate in die Zukunft versetzen kann. Dann erreicht »Robo-Smythe« mit dem gestohlenen Raumschiff PLASMA die Erde, wo er seinem Parallelwelt-Ich begegnet.

Inzwischen ringen die Gefährten den Wurmloch-Architekten auf dem Planeten Cancriss einen mobilen Generator ab, um eine mächtige Waffe, den Flächenräumer, ins Sonnensystem zu schaffen. Dafür müssen sie die verbrecherische Pancinowa-Regierung decken, die einen Wandler gefangen hält. Während Matt und Aruula zur Erde reisen, bringt die zwielichtige Vasraa Uon den Generator an sich. Es kommt zu einer Konfrontation zwischen Parallelwelt- und Novis-Vasraa, wobei Letztere getötet wird und Erstere auf Novis eine neue Heimat findet. Damit ist der Generator wieder in Matts Hand, und die Telepathin Eileen, die lange Zeit auf Cancriss lebte, beginnt seine Symbole zu übersetzen. Ein weiterer Erfolg ist zu verbuchen: Es gelingt ihnen, Robo-Smythe endgültig zu zerstören.

Da geschieht in Afra Seltsames: Die Dunklen stoppen ihren Vorwärtsdrang und folgen einem Ruf zur Dunklen Stadt, um dort zu vergehen. Das Herz der Stadt ist wieder erwacht und nimmt alle Energie in sich auf – bis vier Daa'muren es in sein Koma zurückstoßen.

Nun muss der Flächenräumer zur Mondstation gebracht werden, um ihn dort neu aufzubauen. Doch dann passieren Unfälle, bei denen Matt fast ums Leben kommt. Sie entpuppen sich als Sabotage – hinter der Victorius zu stecken scheint, der Kronprinz und Vater des ermordeten Pilou!

Währenddessen entscheidet sich der Kampf eines Verbündeten in einer Parallelwelt: Rulfan und seine Mannen triumphieren über die Daa'muren. Als er nach Afra gebracht wird, schnappt sich Parallelwelt-Smythe den Gleiter. Rulfan und seine Freundin Reese verfolgen ihn, bis ein roter Diamant sie durch Energieentzug zum Absturz bringt. Auch den reißt sich Smythe unter den Nagel und fliegt nach Meeraka.

Countdown

von Simon Bornerund Oliver Müller

Auf dem Mars, 3,5 Milliarden Jahre vor unserer Zeit

Alarm!

Quesra'kul zuckte zusammen, als Sirenenklang durch die Korridore hallte. Eben noch hatte der Hydree konzentriert vor einem Monitor der Tunnelfeld-Testanlage gestanden, nun schien sich seine Umgebung in laut plärrendes Chaos zu verwandeln. Schnelle Schritte mischten sich unter das Geheul der Warnsirenen draußen im Gang, gefolgt von panischen Rufen.

Was ist denn?, wunderte sich Quesra'kul. Der Wissenschaftler verließ seinen Platz an der Konsole. Sorge stieg in ihm auf. Er wollte die Tür zum Korridor gerade öffnen, als sie scheinbar von selbst aufging.

Cari'sam erschien auf der Schwelle. Die Ditrydree hatte nackte Angst in ihrem Blick. »Es ist der Zeitstrahl!«, rief sie ihrem Vorgesetzten zu. »Er... er wird uns alle vernichten!«

So schnell sie nur konnten, näherten sie sich der Schaltzentrale. Quesra'kul stellte keine Fragen. Er sah die Panik auf Cari'sams schuppigen Zügen, spürte die Angst überall um sich herum. Mehr brauchte er nicht, um zu verstehen, wie ernst die Lage sein musste. Fragen hielten da nur unnötig auf.

In der Zentrale liefen alle Fäden der Operation zusammen. Der Hydree hatte den Raum kaum erreicht, da fiel sein Blick auch schon auf die blinkenden Monitore und die entsetzten Gesichter seiner Kollegen.

»Bericht!«, wies er Simba'tol an.

Der jüngere Hydree mit den grünlichen Schuppen war Quesra'kuls rechte Hand in der Tunnelfeldanlage und zählte zu den intelligentesten Wesen, denen Quesra'kul je begegnet war. Letzteres lag natürlich auch an den Splittern des Schwarzen Kristalls, mittels derer Simba'tol die Leistung seines beeindruckenden Verstandes noch zu steigern wusste. Wenn überhaupt jemand einen Überblick der Lage hatte, dann er.

Simba'tol drehte sich zu Quesra'kul um, nackte Panik in seinem Gesicht. »Es ist der Strahl!«, keuchte er. »Die Spannung ist viel zu hoch. Das... das hatten unsere Modelle nie so berechnet. Es zerreißt uns!«

»Spannung steigt weiter!«, meldete ein Techniker von irgendwo weiter rechts. Seine Stimme überschlug sich dabei. »Plus fünfzig Prozent binnen der letzten Minute. Bei dieser Geschwindigkeit bleibt uns nicht einmal mehr Zeit, die Anlage zu evakuieren!«

»Wir brauchen ein Ventil!«, rief jemand anderes, dessen Namen Quesra'kul ebenfalls nicht kannte. »Irgendetwas, um die Spannung abzuleiten. Raus aus der Anlage.«

Cari'sam ging wortlos zu ihm, um zu helfen.

»Wir haben kein Ventil!«, erwiderte der Techniker fast schon patzig. Quesra'kul sah, wie er dabei nervös mit den Kiemen zuckte. »Die Energie steigt und steigt, aber sie entlädt sich nicht. Diese Werte sprengen jegliche Berechnungen... und uns alle gleich mit!«

Der Hydree sah erneut zu Simba'tol. »Wie konnte das geschehen?«

»Ist das noch wichtig?« Simba'tol lachte humorlos auf. Das flackernde Licht der Alarmsignale spiegelte sich auf seinen Zügen. »Wir wollten nur einen kurzen Testlauf durchführen. Nichts weiter als das. Und... und...« Er verstummte, für einen kurzen Moment sprachlos vor Hilflosigkeit.

»Wurde der Testlauf fehlerhaft begonnen?«

»Natürlich nicht«, sagte Simba'tol entrüstet. »Alle Kalkulationen stimmen, Quesra'kul. Jeder einzelne Schritt wurde genau programmiert, jede technische Komponente des Emitters auf ihre Funktionalität überprüft. Alle Systeme gaben grünes Licht, verstehst du? Alle!«

Und doch gab es eine Fehlfunktion. Quesra'kul sah nun ebenfalls zu den Konsolen und Displays, die ihn hier in der Schaltzentrale nahezu überall umgaben. Mit wenigen Blicken hatte er sich eine erste Orientierung verschafft. Sie bestätigte alle Hiobsbotschaften seiner Untergebenen. Die Spannungswerte im Inneren der Testanlage verdoppelten sich nahezu im Handumdrehen und waren längst jenseits aller Erfahrungswerte. Wie die Temperatur in einem geschlossenen Kessel, der sich immer weiter aufheizte, stiegen und stiegen sie.

Falls uns nicht sofort eine Lösung einfällt, dachte der Hydree, sind wir verloren. Es bleiben höchstens noch Minuten, wenn überhaupt. Dann explodiert hier alles!

Die Detonation würde ein gewaltiges Loch in den Rotgrund reißen. Mindestens das. Der Mie-Krater, unter dem die Tunnelfeldanlage im Boden ruhte, würde dadurch wohl noch tiefer werden, und...

Er stutzte. Mit einem Mal sah er einen Weg.

»Cari'sam!« Er wirbelte herum, ignorierte die Sirenen, konzentrierte sich einzig und allein auf seine Idee. »Der Zeitstrahl. Kannst du ihn umlenken?«

Die Ditrydree sah ihn fragend an. »Umlenken?«

»Schnell!«, drängte er. »Ja oder nein, Cari'sam? Kannst du den Strahl ins Innere des Rotgrunds lenken? Jetzt sofort?«

»Sch-schon, schätze ich«, stammelte sie verwirrt. Auch der Techniker, der neben ihr ausharrte, wirkte verständnislos. Zumindest jetzt noch. »Aber was sollte das nützen? Willst du...«

Endlich kam Bewegung in den Techniker. Er riss die Augen weit auf und sah zu Quesra'kul. »Natürlich! Wir nutzen den Strahl als Ventil!«

Der Hydree bestätigte es. »Leitet alle Energie in den Zeitstrahl und richtet ihn auf den Rotgrund selbst. So tief in das Planeteninnere, wie es nur geht.«

»Aber...« Simba'tol sah ihn verwundert an. »Was soll uns das bringen?«

»Wenn wir Glück haben«, knurrte der Hydree, »bringt es uns eine Chance. Wenn nicht, haben wir nichts verloren, denn uns bleibt dann keine Zeit mehr, es überhaupt zu bedauern.«

Cari'sam und ihr Begleiter waren schon bei der Arbeit. Auch an den anderen Stationen der Schaltzentrale machten sich die Techniker ans Werk. Quesra'kul sah auf den Monitoren, dass sie Zielkoordinaten einprogrammierten, wie sie die gesamte Anlage wohl noch nie zuvor erlebt hatte.

Er wusste nicht, ob sein Einfall die Rettung oder nur ein ebenso verzweifelter wie nutzloser Griff nach Strohhalmen war, so wenig konstruktiv wie die Panik auf den Zügen seines Stellvertreters. Aber er wusste, dass Cari'sams Nebenmann vorhin vollkommen recht gehabt hatte: Die Energie, die sich im Inneren der Anlage aufstaute wie die Flut an einem Staudamm, brauchte dringend ein Ventil. Andernfalls würde sie den Damm in Stücke reißen – und alles, was in ihm lebte, gleich mit.

»Bereit!«, meldete die Ditrydree schon nach wenigen Sekunden.

»Dann los!«, rief er und spannte die Nackenmuskeln so stark an, dass sie zu bersten schienen. »Alle Energie in den Strahl! Jetzt!«

Der Befehl wurde umgehend ausgeführt. Quesra'kul starrte reglos auf die Monitore, studierte jede einzelne Anzeige, die er fand... und wartete.

»Spannungswerte sinken!«, rief Simba'tol. Es klang fassungslos. »Minus zehn Prozent. Nein, fünfzehn. Zwanzig!«

»Es funktioniert!«, jubelte Cari'sam in Quesra'kuls Rücken. »Quesra'kul, du hast uns gerettet. Es gelingt wirk-«

Sie kam nicht dazu, den Satz zu beenden. Denn von einem Augenblick zum nächsten begann der gesamte Rotgrund zu beben wie nie zuvor!

Zumindest fühlte es sich so an. Quesra'kul stockte der Atem, als er die schwankenden Konsolen sah. Staub rieselte von der Felsendecke, gefolgt von scharfkantigen Steinsplittern, die durch das Wasser im Inneren der gefluteten Anlage nach unten fielen. Lichter gingen aus. Einige Techniker und Wissenschaftler verloren ihren Halt, taumelten vollkommen überrumpelt durch die Zentrale. Selbst Simba'tol, der dicht über seiner Arbeitsstation im Wasser geschwebt hatte, als es begann, flog nun nach hinten, als hätte eine unsichtbare Hand nach ihm gegriffen. Quesra'kul selbst gelang es gerade noch, sich an einem Monitor festzuhalten. Fast riss er diesen aus seiner Halterung.

Sein Herz schlug wie wild. Nackte Angst packte nach seinem Magen und fuhr ihm in die Knochen.

Was geschah hier? Was im Namen aller Götter hatte er nur angerichtet? Er hatte doch bloß helfen wollen. Und jetzt?

Nach wenigen panischen Augenblicken verging das Beben. So schnell und erklärungslos, wie es gekommen war.

Quesra'kul zögerte, bevor er den Monitor wieder losließ. Fragend sah er sich um. »Was... was war das?«

»Nicht das Ende, hoffe ich«, brummte Cari'sam. »Zumindest sind wir noch da.«

Die Ditrydree stand noch immer an der Station des namenlosen Technikers. Ihre Konsole hatte genauso wenig Schaden genommen wie sie selbst, was einem kleinen Wunder gleichkam. Rings um sie herum waren die Monitore nämlich ausgefallen, manche sogar zersplittert. Jetzt rief sie sich neue Anzeigen auf die Displays.

»Der Strahl ist deaktiviert«, meldete ihr Nebenmann. »Fast alle Systeme sind offline. Das war wohl auch für die Technik zu viel... was immer es war.«

Quesra'kul schwamm zu ihr. Auch Simba'tol, der an der Schläfe blutete, schloss sich ihnen an.

Dann sah der Hydree, was passiert sein musste. Er brauchte gar keine Erklärungen, denn die Daten auf Cari'sams Monitoren waren unmissverständlich.

»Der Strahl hat die Spannung abgeleitet«, meldete die Ditrydree. Sie klang erstaunt und erleichtert, aber auch entsetzt, als sie dann fortfuhr. »Aber was ist das?« Nun deutete sie auf den Monitor.

Quesra'kul beugte sich vor. Das Display vor ihnen zeigte die Zielkoordinaten des Zeitstrahls, die Cari'sam vorhin spontan berechnet hatte. Sie lagen gute fünf Kilometer unter ihnen, tief im Inneren des Rotgrunds. Und sie... verblüfften.

»Trianguläre Echo-Ortung«, befahl Simba'tol. »Schnell. Wir müssen wissen, das da passiert ist!«

Weitere Techniker waren inzwischen an ihre Stationen zurückgekehrt und fuhren die Konsolen hoch, so gut es noch ging. Sofort begannen sie, den Befehl auszuführen.

»Ist das ein Hohlraum?«, wunderte sich Cari'sam. Sie studierte ihr Display, als wäre es ihr fremd.

»Das war vorhin nicht dort«, schwor ihr Nebenmann. »Das hätte ich gemerkt. Da war absolut nichts.«

Faszinierend, dachte Quesra'kul.

Die Zeitenergie des Strahls schien unerwartete Spuren im Inneren des Rotgrunds hinterlassen zu haben. Niemand hätte voraussagen können, wie sie ausfielen. Und doch staunte er gehörig über das, was er nun auf den Anzeigen sah.

Die Entladungen des Strahls schienen ein Beben im Inneren des Planeten verursacht zu haben, und das Beben hatte einen Raum erschaffen – dort, wo zuvor keiner existierte. Eine Blase tief unter dem Mie-Krater, geboren aus purer Zeitenergie.

Nach kurzer Wartezeit lagen die Ergebnisse der Echo-Ortung vor. Sie ließen zu wünschen übrig, was an der zerstörten Technik lag. Aber sie sprachen dennoch eine klare und eindeutige Sprache.

»Der Hohlraum scheint gigantisch zu sein«, meldete Simba'tol. Er klang, als habe er Schwierigkeiten, seinen eigenen Worten zu vertrauen. »Größer als jede Großstadt. Das... das ist vollkommen unmöglich, Quesra'kul. So ein unterirdisches Gewölbe entsteht nicht einfach so, von einem Moment zum nächsten.«

»In der Tat«, stimmte der Hydree zu. »Aber einfach so war hier gar nichts, Simba'tol.«

»Wir haben die Tunnelfeldanlage gerettet, oder?«, fragte die Ditrydree. »Die Gefahr ist vorüber.«

Er nickte. Alle Messwerte, die sie noch bekamen, bezeugten es. Die Spannung im Inneren der Anlage war auf den Nullwert gefallen und blieb dort. Zumindest, solange sie den Strahl nicht erneut aktivierten.

»Das stimmt«, sagte Quesra'kul. Erleichterung durchflutete ihn wie eine kühlende Strömung. »Die Gefahr ist vorbei.«

Aber was an ihre Stelle getreten war, vermochte er nicht zu beurteilen. Irgendetwas hatte hier gerade begonnen, das spürte er. Den Rest musste die Zukunft zeigen.

Knapp 3,5 Milliarden Jahre später, wenige Stunden nach dem Streiter

Es war vorbei. Die kosmische Entität war erfolgreich abgewehrt worden, die unmittelbare Gefahr gebannt. Chandra Tsuyoshi schloss die Augen und atmete tief durch.

»Ich fürchte«, erklang eine Stimme neben ihr, »das war erst der Anfang.«

Die Stimme klang kein bisschen erleichtert. Damit stand sie im krassen Gegensatz zu dem, wie Chandra sich fühlte.

Seufzend öffnete die ehemalige Mars-Präsidentin die Augen wieder und nutzte sie, um ihrem Begleiter einen tadelnden Blick zuzuwerfen. »Kannst du uns nicht einen einzigen Moment Pause gönnen, Wang'kul? Einmal durchatmen, bevor es weitergeht?«

Der Hydree und die Marsianerin, deren Körper nach wie vor jünger war, als ihre Lebensjahre es rechtfertigten, standen in den Ruinen der Tunnelfeldanlage, die Wang'kul in einer ehemaligen Höhle im Krater des Elysium Mons errichtet hatte. Jetzt klaffte ein zweihundert Meter breites Loch in der Decke, durch das die Nachtkälter hereinsickerte.

Ringsherum ragten die Spuren der Zerstörung in den Nachthimmel, die der Energieschlag der Rückkopplung hinterlassen hatte.* Zerstörte Bionetik und verkohlte Elektronik, wohin man auch sah. Türen hingen nutzlos und schief in ihren Angeln, Bodenbeläge wiesen Risse auf, die so rau und schroff wirkten, als wollten sie den wilden Marskratern Konkurrenz machen.

Chandra schluckte. Die Anlage war rettungslos verloren, oder? Nichts und niemand würde sie mehr reaktivieren können. Die beiden ungleichen Weggefährten waren gekommen, so schnell sie nur konnten, um sich persönlich ein Bild von ihrem Zustand zu machen. Was sie sahen, war nicht gerade ermutigend, das gab auch Chandra zu.

»Das ist ja das Problem«, meinte Wang'kul. Er kannte ihre Gedanken nicht und reagierte schlicht auf ihre jüngste Bemerkung. »Es geht weiter. Ohne Unterlass. Der Streiter ist nicht vernichtet, Chandra. Glaub das bitte nicht, so gern du es auch vielleicht tun willst. Wir haben die Gefahr nur auf einen späteren Termin vertagt, nicht vertrieben. Und dieser Termin liegt durch den Ausfall des Zeitstrahls in näherer Zukunft als erhofft. Keine Millionen Jahre, sondern vielleicht nur ein paar Monate. Ich hoffe, das sieht auch der Rat so. Andernfalls lügt er sich nämlich in die Tasche.«

Sie nickte. »Du hast ja recht. Aber trotzdem... Jeder Sieg ist ein Sieg, auch wenn es nur der Sieg über eine Etappe ist.«

Wang'kul bückte sich nach einer umgestürzten Konsole. Das Gehäuse wies ein gewaltiges Loch auf, aus dem das nicht minder zerstörte Innenleben ins Freie ragte. Fast schien es, als wäre die Konsole von innen heraus explodiert. »Sieg, ja?«, murmelte er. »So sehen Siege aus?«

Sie konnte ihm den Pessimismus nicht verübeln, auch wenn er anstrengend war. Es stimmte, was Wang'kul sagte. Und hätte sie ihn gefragt, hätte sich der Hydree vermutlich auch strikt gegen den Vorwurf gewehrt, schwarz zu sehen. Wang'kul neigte nicht zu emotionalen Ausbrüchen und auch nicht zur Panikmache. Er war einfach nur... er. Pragmatisch, nüchtern und realistischer, als es seinen Gegenübern mitunter guttat.

»Hast du schon eine Ahnung, wie lange wir vom Streiter verschont bleiben?«, fragte sie zurück. »Weißt du, wie weit der Strahl ihn in die Zukunft versetzt hat?«

Der Hydree erhob sich wieder und verzog das schuppige Gesicht. »Das lässt sich erst nach einer Sichtung der Daten sagen, die wir vielleicht noch retten können«, antwortete er. »Wir können von Glück sprechen, wenn wir überhaupt eine ungefähre Vorstellung von der Zeitspanne bekommen, die uns bleibt. Dabei wäre es überlebenswichtig, die genaue Stunde seiner Rückkehr zu kennen. Aber so oder so wissen wir eins mit Sicherheit.«

»Er wird zurückkehren«, führte die Marsianerin den Satz zu Ende. »Ganz egal, was wir auch tun.«

Ihr Begleiter nickte. »Und dann wird er fortsetzen, was er hier begonnen hat. Das ist leider sehr wahrscheinlich.«

Chandra musste erneut schlucken. Was Wang'kul da sagte, war nicht neu für sie und deckte sich mit ihren eigenen Befürchtungen. Dennoch traf es sie schwer, diese laut ausgesprochen zu hören – in dem nüchternen, sachlichen Tonfall des Hydree.

Jetzt klinge auch ich schon pessimistisch, dachte sie und tadelte sich innerlich dafür. Dabei müssen wir Mut bewahren. Ohne Mut keine Hoffnung, richtig? Ohne Mut keine Lösungen.