Maddrax 631 - Simon Borner - E-Book

Maddrax 631 E-Book

Simon Borner

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Beschreibung

Endlich Macapá! Nun kann mit der Herstellung eines roten Diamanten und der Forschung nach einem Serum gegen die Lymphozytische Degeneration begonnen werden.
Doch Matt hat plötzlich ganz andere Prioritäten - als er von zwei Daa'muren erfährt, die hier in der Community waren und nach dem Angriff auf eine Nosfera-Festung auf einer nahen Insel verschollen sind. Er ist entschlossen, Ira und Grao zu befreien - auch wenn das nach einer unmöglichen Mission klingt...


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Inhalt

Cover

Was bisher geschah...

Maddrax, übernehmen Sie!

Leserseite

Vorschau

Impressum

Am 8. Februar 2012 hält ein gewaltiger Komet Kurs auf die Erde! Man beschießt ihn mit Atomraketen. Drei Stratosphärenjets sollen die Auswirkung beobachten. Commander der Staffel ist der US-Pilot Matthew Drax. Doch die Raketen verpuffen auf dem Himmelskörper, von dem eine unbekannte Strahlung ausgeht. »Christopher-Floyd« schlägt in Asien ein. Die Druckwelle trifft auch die drei Jets und fegt sie davon...

Als Matthew und sein Copilot Professor Dr. Jacob Smythe aus einer Ohnmacht erwachen, trudelt ihr Jet auf die Alpen zu! Smythe steigt per Schleudersitz aus, Matt kann die Maschine notlanden. Er wird von Barbaren gefunden, die ihn als Gott ansehen und »Maddrax« nennen. Statt einer verwüsteten Erde sieht er sich fremdartigen Lebewesen und Pflanzen in einer veränderten Geografie gegenüber: Die Druckwelle hat die Fliegerstaffel durch einen Zeitstrahl um 520 Jahre in die Zukunft geschleudert! Dieser Strahl, der seit Urzeiten vom Mars zur Erde reicht, sicherte vor 4,5 Mrd. Jahren den Marsbewohnern, den Hydree, das Überleben. Der vermeintliche Komet war die Arche einer Wesenheit namens »Wandler«, deren Dienerrasse, die Daa'muren, sich die Erde untertan machen will, indem sie Fauna und Fauna mutieren und die Menschen verdummen lässt. Nur die Bunkermenschen, sogenannte Technos, bewahren sich ihr Wissen, büßen dafür aber über die Jahrhunderte ihr Immunsystem ein.

Zusammen mit Aruula, einer telepathisch begabten Kriegerin, beginnt Matt Drax seinen Feldzug. Er findet Freunde – unter anderem die Hydriten, die sich aus den Hydree entwickelt haben und in den Meerestiefen leben –, kämpft gegen die Daa'muren und Mutanten wie die blutsaugenden Nosfera, und gerät an Schurken, allen voran Jacob Smythe, der wahnsinnig wurde und die Weltherrschaft anstrebt, bis Matt ihn endlich unschädlich macht. Auch Smythes Zwilling aus einer Parallelwelt stirbt, während seine verrückte Freundin Haaley entkommt. Diese Areale, die überall auf der Erde aufbrechen, sind das Ergebnis von Zeitreisen, die die Menschen einer fernen Zukunft unternahmen, um technische Artefakte zu sammeln. Matt und seine Verbündeten – zu denen sogar zwei Daa'muren zählen, Grao und Ira – können alle schließen, wobei ihnen GRÜN, eine Art Pflanzenbewusstsein, zur Seite steht.

Auch Colonel Aran Kormak stammt aus einer dieser Parallelwelten – zumindest will er Matt dies weismachen. In Wahrheit ist er sein skrupelloser Zwilling aus dieser Welt, von dem Matt glaubt, er wäre tot. Doch Kormak, Befehlshaber der Dark Force, die aus dem Weltrat in Waashton (Washington) hervorging, scheint sich zu besinnen und verbündet sich mit Matt, als eine neue Bedrohung auftaucht. Denn kaum ist das letzte Areal in Afrika versiegelt, wobei GRÜN beinahe vernichtet wird, sehen sich die Gefährten einer kosmischen Bedrohung namens »Streiter« gegenüber, die noch immer den Wandler auf der Erde vermutet. In einem furiosen Endkampf kann Matt die Entität versteinern.

Doch die Freude währt nur kurz, als Aruula mit dem Gleiter RIVERSIDE verschwindet. Matt und ein Dark-Force-Trupp folgen ihr bis nach Südamerika. Über Peru stürzen sie wegen plötzlichen Energieverlusts ab und finden die havarierte RIVERSIDE und das Wrack eines Flugzeugträgers mitten im Dschungel. Sowie eine blinde Passagierin, die mit nach Amraka kam: Haaley.

Auf der USS Nimitz trifft Matt auf eine feindlich gesinnte Mannschaft und einen gewaltigen roten Diamanten. In der Zwischenzeit wird sein Trupp dezimiert. Die letzte Dark-Force-Soldatin stirbt beim Kampf gegen einen mutierten Jaguar – ein heiliges Tier, wie Matt und Haaley erfahren, als sie von Eingeborenen überwältigt werden. Zusammen mit einer Frau von der Nimitz warten sie auf den Tod, denn auch die Fremden sind Feinde der Indios, seit sie deren Heiligtümer, zwei rote Diamanten, raubten.

Während die Soldatin entkommt, müssen Matt und Haaley eine Götterprobe bestehen: den »Spiegel von Pachacámac«, mit dem sich weitere Diamanten herstellen lassen, aus einer Todeszone zu bergen – was ihnen auch gelingt. Sie werden freigelassen und beobachten den Angriff eines Ameisenvolks auf die Nimitz. Ein Indiostamm soll den Schwarm kontrollieren, aber das Gegenteil ist der Fall: Mabuta, der »vielbeinige Gott«, nimmt sie gefangen. Dabei stellt sich heraus, dass Haaley – wie Aruula – vom Volk der Dreizehn Inseln abstammt und latent telepathisch begabt ist, was die Kommunikation mit Mabuta erleichtert. Der wird von einem Pilzgeflecht bedroht, und Matt soll ein Mittel dagegen finden. Es gelingt ihm, eine Ladung Fungizid mit dem Regen zu verteilen, was das Pilzgeflecht in dieser Region abtötet. Mabuta bringt zum Dank Matt und Haaley auf die Nimitz, wo sie als Ameisen vergeblich nach Aruula suchen, aber von einem bevorstehenden Angriff auf Mabuta erfahren.

Der versetzt Matt und Haaley unter einer Bedingung zurück in ihre Körper, die sich inzwischen an Bord der Nimitz befinden: Sie sollen Dak'kar töten! Doch Matt verbündet sich mit ihm, um mit seiner Hilfe zu dem Pilz in der Todeszone vorzustoßen, den er für intelligent hält und der mehr über Aruulas Verbleib wissen könnte. Im Gegenzug will er Dak'kar die Formel beschaffen, mit der rote Diamanten hergestellt werden können. Denn die braucht Dak'kar, um seine heimatliche Community in Macapá, Brasilien, zu retten, in der künstliche Lymphozyten, die eigentlich die Immunschwäche der Ex-Technos heilen sollten, zu einer tödlichen Krankheit führten. Die Strahlung der Diamanten kann diese Lymphozyten abschalten, doch der einzige Splitter wurde von Dak'kars damaligem Freund Toma'bar gestohlen.

In der Zwischenzeit startete eine Rettungsmission der Dark Force, die aber aufgrund des riesigen Suchgebiets eingestellt werden musste. Nur die Daa'muren Grao und Ira versuchen weiter, eine Spur der beiden Freunde zu finden. Sie stoßen auf die Community Macapá, geraten aber in die Gewalt von Nosfera, die dank der künstlichen Lymphozyten, die sie von Toma'bar erhielten, neue telepathische Kräfte entwickelt haben.

Um Mabuta zu täuschen, will Dak'kar seinen Tod vorgaukeln. Das geht schief, und die Gefährten retten sich in die Todeszone. Dort aber brechen sie in das unterirdische Reich der Nocturno ein und baden – bis auf Dak'kar – in einem See, der ihre Körper langsam verholzen lässt. Auf ihrer Flucht nehmen sie die Nocturna Tautropfen mit, die Kontakt zu einer fernen Stimme hat, welche das Verderben aufhalten könnte. Doch die Gefährten verholzen zusehends, und so müssen Dak'kar und Tautropfen allein weiterfahren, während Matt, Haaley und All'ec in einem See ausharren.

Nachdem Dak'kar die ferne Stimme lokalisiert hat, kehrt Tautropfen zu ihrem Volk zurück. Er bringt die Gefährten zu der fernen Stimme –die sich als Pflanzenentität GRÜN entpuppt, die Aruula zu ihrer Regeneration benötigte. Doch mit dem Giftangriff gegen den Pilz hat Matt auch GRÜN schwer geschädigt, was Aruula ihre telepathischen Kräfte, ihren Lauschsinn kostete. Entsprechend wütend ist sie auf Matt und weist ihn ab, um sich bei GRÜN weiter zu erholen. Haaley bleibt bei ihr, während Matt, Dak'kar und All'ec Kurs auf die Nimitz nehmen.

Dort schlägt Mabuta zu, als Matt und Dak'kar das Rezept für die Diamanten aus dem Dorf der Indios beschaffen. Die Nimitz-Besatzung droht zu unterliegen, da greift Haaley Mabuta direkt an und besiegt ihn auf telepathischer Ebene! Mit der Abschrift der Formel und nachdem sie sich Trucks besorgt haben, können Matt, Dak'kar und die Überlebenden der Nimitz nun zur Community aufbrechen. Ab Manaus setzen die Fahrt mit einer instand gesetzten Autofähre auf dem Amazonas fort und erreichen schließlich den Hafen von Macapá.

Maddrax, übernehmen Sie!

von Simon Bornerund Michael Schönenbröcher

Schweiß stand auf Matthew Drax' Stirn, als PROTO die Kuppe der Anhöhe erreichte. Sogar im temperierten Inneren des Amphibienpanzers waren es fast dreißig Grad Celsius; wie mussten sich da erst die Leute fühlen, die den kleinen Konvoi in der Mittagshitze zu Fuß begleiteten?

In PROTO waren außer Dak'kar acht von ihnen untergekommen; sie teilten sich die Kojen und den kleinen Frachtraum. Je vier hatten in den Führerhäusern den beiden Tankwagen Platz gefunden. Die restlichen Menschen – Militärs und Zivilisten –, liefen neben den im Schritttempo fahrenden Fahrzeugen.

»Wir müssen eine Pause einlegen, Dak'kar«, wandte Matt sich an seinen Beifahrer. »Die Leute sind fix und fertig.«

Dak'kar brummte etwas Unverständliches. Dann aber seufzte er. »Okee. Rasten wir, bis die größte Hitze vorbei ist. Aber ich möchte die Community vor Sonnenuntergang erreicht haben.«

Matt wusste, was den Expeditionsleiter antrieb. Nicht nur die Abschrift der Formel, die es ihm ermöglichen würde, rote Diamanten herzustellen und damit die in der Community grassierende Lymphozytische Degeneration zu stoppen. Sondern auch, den Vorrat an Blut schnellstmöglich nach Hause zu bringen, den sie in einem der Tankwagen mit sich führten und der trotz des provisorischen Antigerinnungsmittels, das Dr. As'kott aus Blutegeln gewonnen hatte, jederzeit verderben und unbrauchbar werden konnte; gerade bei solchen Temperaturen.

Sie waren mit der Autofähre gestern Abend im Hafen von Macapá angelandet und hatten sich noch in der Nacht auf den Weg zum außerhalb gelegenen Flugfeld gemacht, um die kühlen Stunden zu nutzen. Mittlerweile kochte die Luft, und auch wenn es nicht mehr weit war – die Leute konnten einfach nicht mehr.

Matt hielt den Panzer an. Hinter ihm stoppten die Tankwagen – einer zur Hälfte mit dem Blut einer Seekuh gefüllt, der andere mit Diesel. Dak'kar verließ PROTO über die abgesenkte Heckrampe. Auf dem Monitor der rückwärtigen Kamera sah Matt, wie die Truppmitglieder ihn umringten, und hörte Dak'kars Stimme:

»Wir legen eine Rast ein, für mindestens zwei Stunden! Sucht euch Schatten und schlaft, wenn möglich. Jenno verteilt die letzten Wasservorräte.« Er nickte seinem Stellvertreter zu. »Noch gut eine Stunde, dann haben wir unser Ziel erreicht.«

Dankbar ließen sich die Menschen nieder, wo immer ein Busch oder Baum einen Schatten warf, und schlossen die Augen. Einige Soldaten sicherten den Lagerplatz.

Matt verließ das Cockpit und genoss die Brise, die ihn draußen empfing, auch wenn sie kaum kühlte. Er ließ den Blick schweifen. Die Landschaft war von schroffen Felsen und hüfthohem Dornengestrüpp geprägt – eine drastische Alternative zu den Dschungelgebieten, die der Trupp bis jetzt an Land durchquert hatte.

Vierundvierzig, dachte Matt beim Anblick der Gruppe. Nur vierundvierzig von zweihundert sind noch am Leben. Mehr haben es nicht geschafft.

Die Männer und Frauen um Dak'kar hatten viel hinter sich und in den letzten Tagen und Wochen herbe Schicksalsschläge einstecken müssen. Aber sie beklagten sich nicht und hielten durch.

Matt ließ sich im Schatten des Amphibienpanzers nieder. Dak'kar gesellte sich zu ihm und fuhr sich durch das dichte Haar, das ihm schweißfeucht in die Stirn gefallen war. »Es ist nicht mehr weit«, sagte er. »Nur noch knapp zwei Stunden, schätze ich.«

Matt merkte auf. »Vorhin hast du gesagt –«, begann er, aber Dak'kar unterbrach ihn.

»Zur Motivation. Eine Stunde klingt irgendwie... kürzer.« Er grinste.

»Und die zweite umso länger«, brummte eine Stimme neben ihnen. All'ec, der Sprengmeister von der USS Nimitz, setzte sich zu ihnen und schloss die Augen. Sein Hemd zierten dunkle Flecken. »Ich bin nicht für diese Temperaturen gemacht«, sprach er weiter.

»Das Wetter hat dich früher nie gestört, All'ec«, entgegnete Dak'kar.

»Früher bin ich auch nicht meilenweit durch die Gegend marschiert«, gab der Sprengmeister zurück. »Zumindest nicht oft.«

Dann öffnete er die Augen und zwinkerte Matt zu. Er jammerte nicht, er scherzte. Galgenhumor war die reinste Medizin, wenn man ihn in überlegten Dosen anwendete.

Matthew sparte sich eine Antwort. Stattdessen machte er es sich so bequem wie nur möglich und brummte: »Weckt mich, wenn es weitergeht.«

Das war knapp zwei Stunden später der Fall. Eine Hand packte ihn an der Schulter und rüttelte ihn wach.

»Na los, auf geht's«, sagte Dak'kar und trieb dann die restliche Gruppe an. Matt hörte, wie er dabei in die Hände klatschte. »Auf, Leute! Genug gedöst! Die Community wartet!«

Sie setzten sich wieder in Bewegung. Die beiden Tankwagen wurden gestartet, und auch Matt nahm wieder hinter dem Steuer des Amphibienpanzers Platz. Die ihn begleitenden neun Personen wechselten; auch Dak'kar blieb diesmal draußen und wurde von Jenno Moose im Beifahrersitz abgelöst.

Matt hatte ein schlechtes Gewissen, dass er selbst vom Fußmarsch verschont blieb, aber als PROTOs Fahrer hatte er nun mal dieses Privileg.

Es ging eine Anhöhe hinauf. PROTO meisterte die Steigung mühelos; die Tanklastwagen hatten da schon mehr Mühe und mussten von einigen Männern angeschoben werden. Ein Stöhnen und Fluchen erklang.

»Gern ertrag' ich jeden Mist!«, rief Sprengmeister All'ec plötzlich. »Wenn nur der Weg der richt'ge ist!«

Alle wandten sich ihm zu, mit fragenden Gesichtern. Auch deshalb, weil die Sätze sich reimten und in einer Art Singsang erklungen waren, der den Takt seiner Schritte hielt. Nun, da er sie ausgesprochen hatte, blieb er stehen und sah seine Gefährten anklagend an.

»Na, was denn?«, schimpfte er scherzend. »Gibt's kein Echo hier? Also noch mal, und alle machen mit! – Gern ertrag' ich jeden Mist...!«

Dieses Mal stimmte die Gruppe mit ein. »Gern ertrag' ich jeden Mist!«, hörte Matt über die Außenmikrofone die Männer erwidern – einstimmig und im gleichen lauten Singsang.

»Wenn nur der Weg der richt'ge ist!«, rief All'ec als Nächstes. Er klang zufrieden.

»Wenn nur der Weg der richt'ge ist!«, wiederholte die Gruppe. Matt ertappte sich dabei, mitzusingen, und auch Jenno stimmte mit ein.

»Meine Füße tun mir weh!«, rief der Sprengmeister nun. Die Gruppe wiederholte es artig.

»Doch das macht nichts, wenn ich geh!«, kam die nächste Zeile.

Manche Dinge ändern sich nie, dachte Matt. Seine Mundwinkel zuckten amüsiert. Schon während seiner Grundausbildung bei der US-Army hatte er diese Call-and-Response-Gesänge gemocht. Sie halfen beim Marschieren, weil sie den Geist ablenkten und den Rekruten Takt und Rhythmus vorgaben.

»Keine Last wird mir zu viel!«, rief All'ec, gefolgt vom Chor mehrerer Dutzend Kehlen. »Denn unser Bunker ist mein Ziel!«

Matt schmunzelte. An All'ec war ein Schöngeist verlorengegangen.

Die Gruppe hatte den Gipfel der Anhöhe nach kurzer Zeit erreicht – und von hier oben konnte Matt das weitläufige Flugfeld in der Ferne ausmachen. Dort musste die Community Macapá liegen. Der Jubel der Frauen und Männer bestätigte seine Hoffnung. Sie hielten ohne eine weitere Pause darauf zu, mit neuem Mut und neuem Schwung. Bis plötzlich...

»Was in aller Welt...«, entfuhr es Jenno, als ein Schatten über sie hinwegzog und für einen kurzen Augenblick das Licht der Sonne verdunkelte. Auch Matt sah zum Himmel – und riss die Augen auf.

Eine innere Anspannung ergriff ihn, als er den Verursacher des Schattens erblickte: ein gewaltiger Raubvogel, vermutlich ein Geier! Er kreiste über dem Trupp am Himmel – so zielsicher, dass es kein Zufall sein konnte. Der Vogel war auf Beute aus!

»Alarm!«, rief draußen Dak'kar. »Zu den Waffen! Aber erst feuern, wenn er nahe genug heran ist!«

Der Gesang war sofort verstummt. Überall sahen sich die Überlebenden der Nimitz nach Verstecken um, die Schutz vor dem nahenden Räuber bieten mochten. Doch auf diesem offenen Gelände gab so gut wie keine Verstecke.

Instinktiv fuhr Maddrax' Rechte zur Hüfte, tastete nach seiner Pistole am Magnetholster. Doch ob er mit den Projektilen etwas würde ausrichten können? Bei seiner ersten Begegnung mit einem Kondor, als ihn nach der Notlandung der PLASMA beim Wrack der RIVERSIDE ein Kondor angriff, hatte er das Tier mit dem Laseraufsatz seiner Waffe abwehren können – bis Haaley auf dessen Rücken gesprungen und ihm den nackten Hals durchgeschnitten hatte.1

Aber der Laser funktionierte nicht, solange PROTOs Stromversorgung aus einem roten Diamantsplitter bestand, der alle anderen Energieformen absaugte.

Nicht negativ denken, riss er sich zusammen. Handeln!

Er sprang aus dem Fahrersitz und stieg die Sprossen zur Dachluke hoch, betätigte den Riegel und kletterte auf PROTOs Oberseite. Dort beschattete er die Augen mit der Linken.

Der mächtige Raubvogel, eben noch wenig mehr als ein dunkler Schemen vor der weißen, kreisrunden Scheibe der Sonne hoch am Himmel, hatte seinen Sinkflug begonnen – direkt auf die Menschen von der Nimitz zu!

»Der hat Hunger!«, rief All'ec. Er hielt, wie etliche andere, sein Gewehr in den Anschlag. »Drehen wir den Spieß um: Aus dem mach ich ein Bratchiik!«

In diesem Moment sah Matt dank seiner verbesserten Augen das weißliche Geflecht, das den Bauch des gewaltigen Raubtiers überzog. Und er begriff.

»Stopp!«, brüllte er. »Nicht schießen!«

All'ec hielt ein – und auch keiner der anderen Soldaten schoss. Irritiert schauten sie zu Matt herauf.

»Ihr wollt doch nicht das Tier erschießen, das euch auf der Nimitz den Arsch gerettet hat!«, fuhr der fort. »Das ist GRÜNs Kondor!«2

»Verdammt, du hast recht.« All'ec ließ das Gewehr sinken. Fassungslos starrte er auf die beiden Gestalten, die jetzt, da der Kondor tiefer ging, auf dessen Rücken sichtbar wurden.

Matt hatte sie längst gesehen, und sein Herz machte einen Sprung. Haaley und... Aruula! Ein Anblick, der dem Mann aus der Vergangenheit vorkam wie ein Bild aus einem Traum. Er hatte nicht damit gerechnet, dass die beiden so rasch zu ihnen stoßen würden; schließlich litt Aruula immer noch unter der langen Zeit im Koma, als GRÜN sie dazu benutzt hatte, sich mittels ihrer telepatischen Kräfte zu regenerieren.

Doch das schien sich grundlegend geändert zu haben, denn Aruula schwang die Beine über die Seite des Tiers und sprang behände von dessen Rücken. Auch Haaley stieg ab.

Die Barbarin trug ihre übliche leichte Kleidung mit den kniehohen Stiefeln und ihr Schwert auf dem Rücken. Ihre Begleiterin hatte ihre Lederkluft gegen ein weites Leinenwams eingetauscht, das ihre muskulösen Arme frei ließ. Ein breiter Gürtel fixierte es an ihrer Hüfte und ließ aus dem Wams Oberteil und Rock zugleich werden.

Aruula! Der Anblick beglückte und besorgte Matt gleichermaßen. Denn bei ihrer letzten Begegnung hatte sie versucht...

Nein, riss er sich innerlich zur Ordnung. Nicht daran denken. Es war Choyganmaa, die von Aruulas Körper Besitz ergriffen hatte.3 Jetzt ist alles wieder in Ordnung.

Doch so sehr er daran glauben wollte, so wenig wusste er, ob es stimmte.

Die Frauen näherten sich der Gruppe von der Nimitz, während der Kondor Abstand von den Menschen nahm. Matt beeilte sich, von dem Panzer herunterzukommen. Gemeinsam mit Dak'kar ging er ihnen entgegen.

»Ich grüße euch«, sagte Dak'kar, der einige Schritte Vorsprung hatte. Er musste die Lider enger zusammenkneifen, da das Sonnenlicht ihn blendete. »Matt hat euch gerade noch rechtzeitig erkannt. Andernfalls hätte euer Anflug ein böses Ende für euch genommen.« Dabei deutete er hinter sich, zu den Männern und den Waffen.

Haaley grinste. »Oder für euch. Wer weiß?«

»Erstaunlich, dass ihr uns gefunden habt«, meinte Dak'kar.

»GRÜN hat uns den Vogel ausgeliehen und ihn gesteuert«, sagte Aruula. Sie wies auf Matt. »Dank der Pflanzenkapsel, die Maddrax in seinem Arm trägt, wusste er immer, in welche Richtung ihr euch bewegt.«

Nachdem sie ihn angesprochen hatte, schaltete sich auch Matt in die Unterhaltung ein. Er wandte sich an die schöne Barbarin. »Aruula, können wir kurz reden?«

Sie nickte, als hätte sie mit nichts anderem gerechnet. Und irrte er sich, oder wirkte auch sie erleichtert?