Mann, echt jetzt! - Moor Jovanovski - E-Book

Mann, echt jetzt! E-Book

Moor Jovanovski

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Beschreibung

Ein jeder von uns ist schon mal mit Sprüchen wie "Männer haben auch Gefühle. Hunger zum Beispiel" konfrontiert worden. Hinter solchen Sätzen versteckt sich ein langanhaltendes toxisches Verständnis der Gesellschaft gegenüber Männern und ihren Emotionen. Die Folge: Es fällt vielen Männern schwer, sich zu öffnen und frei über sich und ihre Gefühle zu sprechen. Dabei spüren viele Männer in ihrem Inneren eine tiefe Einsamkeit, Wut und Verunsicherung. Und ziehen sich in eine Welt aus Schweigen zurück, auch ihren Familien gegenüber. Das weiß Moor Jovanovski nicht nur aus eigener Erfahrung, sondern auch aus vielen Jahren in der Beratung und Begleitung von Männern. Mit seinem Buch liefert er einen wichtigen Ratgeber, der zusammen mit Schlüsselaussagen aus der Bibel eine Orientierung bietet. Er will helfen, einen Weg zu finden in ein glücklicheres Familienleben: in der Ehe, zwischen Vätern und Kindern und zu sich selbst.

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Seitenzahl: 194

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im

Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

 

© 2023 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn

Alle Rechte vorbehalten

Umschlaggestaltung: Grafikbüro Sonnhüter, www.grafikbuero-sonnhueter.de, unter Verwendung eines Bildes © Master1305 (shutterstock.com)

Lektorat: Hauke Burgarth, Pohlheim

DTP: Burkhard Lieverkus

Verwendete Schrift: Scala Pro, Scala Sans Pro

Gesamtherstellung: Finidr, s.r.o.

eBook: PPP Pre Print Partner GmbH & Co. KG, Köln, www.ppp.eu

ISBN 978-3-7615-6895-8 Print

ISBN 978-3-7615-6896-5 E-Book

 

www.neukirchener-verlage.de

Inhalt

Im gleichen Boot?

 

Teil 1: Mann sein – von der Verwundung zur Stabilität

1. Hand aufs Herz

2. Die Masken, die ich trage

3. Die Wunden, die ich habe

Wundtyp „Lüge“

Wundtyp „Angst“

Wundtyp „Wut“

Wundtyp „Scham“

4. Der Vater, der mir fehlt

5. Der Freund, den ich brauche

6. Der Mann, der ich sein will

 

Teil 2: Ehemann sein – vom Egoismus zur Partnerschaft

7. Die Frau, die ich ehre, ist die Frau, die ich begehre

8. Die Frau, die ich fördere

9. Die Frau, auf die ich höre

 

Teil 3: Vater sein – vom Überwacher zum Möglichmacher

10. Der Vater, der den Weg kennt

11. Der Vater, der den Weg bahnt

12. Der Vater, der ich sein will

Epilog – Keep it real

Dank

Im gleichen Boot?

Gefühle sind Informationen. Aus Informationen werden Maßnahmen. Aus Maßnahmen entstehen Handlungen. Aus Handlungen werden Prozesse. Aus Prozessen wächst Veränderung. Veränderung bewirkt Verbesserung. Verbesserung bringt Stabilität. Durch Stabilität entsteht Qualität. Und genau darum geht es: Dass dein Leben die Qualität bekommt und hat, die es verdient.

Du hältst kein Lehrbuch in der Hand, dass dir eine Methode zum „richtigen“ Mannsein vermittelt. Ich möchte hier meine Geschichte erzählen und dir einen persönlichen Einblick in mein Werden und Bestehen als Mann geben.

Meine Geschichte hat viel mit Suchen und Erfahren zu tun. Ich war und bin immer darauf aus, die größtmögliche Sicherheit in meinem Leben zu erfahren, eine unwiderrufliche Stabilität und Verlässlichkeit. Ich habe aber auch feststellen müssen, dass das Leben seine eigenen Gesetze hat. Man hat seine Pläne und Vorstellungen und dann „passiert“ das Leben einfach – und zwar nicht selten anders, als man es gerne hätte oder erwartet hat. Wenn ich meine Geschichte mit dir teile, dann spreche ich von diesen Hochs und Tiefs, ich werde ehrlich und aufrichtig schreiben.

Es würde mich freuen, wenn du dich von meiner Geschichte inspirieren lässt und dir das ein oder andere zum Vorbild nehmen möchtest, wenn du magst. Zudem schreibe ich über meine Einsichten und Erkenntnisse, die ich als Seelsorger und Berater in der Begleitung von Männern über viele Jahre erworben habe. Das tue ich deshalb, damit du weißt, dass es sehr (!) vielen Männern mit den Themen des Lebens ähnlich ergeht. Wie man es so schön sagt: Wir sitzen alle im gleichen Boot und sind aus demselben Holz geschnitzt. Du bist also weder ein Exot noch gar ein hoffnungsloser Fall. Dein Mannsein ist ein durch und durch menschliches Thema. Mein Wunsch und Ziel ist es, dass du dich auf dich selbst einlässt und durch meine Geschichte und meine Erlebnisse mutig wirst. Mutig, um den Blick in deine innere Welt zu wagen und in Prozesse einzusteigen, die dich weiterbringen.

Mein Suchen und Erfahren haben mit einer der wichtigsten Begegnungen, die einem Mensch zustoßen kann, einen entscheidenden Einschnitt erlebt. Ich persönlich habe nie nach Religion oder Glaube gesucht; ich habe auch nicht nach Gott gefragt. Ich war immer auf der Suche nach Wegen und Möglichkeiten, mein Leben besser zu gestalten. Für Religion und Glaube hatte ich keine Zeit. Ich begegnete vielen Menschen und ihren Lebensweisen. Dabei konnte mich keine dieser Arten zu leben restlos überzeugen. Irgendwie blieb die Tür immer verschlossen. Dann bin ich Menschen begegnet, die mir einen Hinweis auf etwas gaben, das ich noch nicht kannte: die Bibel. Und obwohl ich weder gerne las noch auf der Suche nach religiösen Texten oder Informationen zum Glauben war, geschah dadurch etwas Neues: Ich las in der Bibel.

Durch die Lektüre der Bibel öffnete sich für mich eine Tür zum Leben. Gott ist für mich erfahrbar geworden. Die Aussagen und Ereignisse, die in der Bibel festgehalten sind, haben mir eine Weisheit vermittelt, die für mich lebensnotwendig war und noch immer ist. Denn das habe ich schnell verstanden: Es gibt für das Leben keine Formel, die mir Sicherheit und Wohlstand garantiert. Aber es gibt sehr wohl Weisheit, die mich anleitet, eine Lebensqualität zu erreichen, nach der ich mich sehne.

In der Bibel bin ich Gott begegnet, der personifizierten Weisheit. Diese Begegnung war und ist außergewöhnlich. Sie wird es wahrscheinlich auch bis zum Ende meines Lebens bleiben. Denn die Weisheit Gottes kann man nicht ausschöpfen, man hat aber trotzdem immer Zugang zu ihr. Dies ist mir sehr wichtig, um als Mann im Leben unterwegs zu sein.

Das Buch, das du in deinen Händen hältst, kann dir dabei eine Hilfe sein, diese Weisheit für dich zu erschließen und kennenzulernen. Es geht darin nicht um Methoden und Erfolgsschritte. Es soll um Weisheit für die wichtigsten Bereiche im Leben eines Mannes geben.

Ich habe drei Schlüsselbereiche für das Mannsein definiert, die mir selbst immer wieder begegnet sind, sei es in meiner eigenen Entwicklung oder wenn ich mit anderen Männern unterwegs war:

Die Beziehung zu dir selbst. Die Beziehung zu deinem Lebenspartner. Die Beziehung zu deinen Kindern.

 

Es beginnt mit einem alternativlosen Blick in deine innere Welt. Von dort aus gestaltest und prägst du deine äußere Welt. Wenn du hier stabil bist, dann erlebst du Qualität. Dieser Blick nach innen wird dich auch herausfordern und nicht immer bequem sein. Aber ich kann dir versichern: Er wird immer gut für dich sein.

Gute und konstruktive Entwicklungen geschehen nicht von allein. Es ist richtig, wenn du dich innerlich aufmachst, um zu lernen. Dazu gibt es keine Alternative (zumindest ist mir keine bekannt).

Männer haben den Vorteil, dass sie oft handlungsorientiert sind. Ich lade dich ein, dass du dich auf Handlungen einlässt, die dich selbst und deine innere Welt betreffen. Erkenne und verfolge Prozesse, die dich als Person auf ein neues Level bringen, denn das Leben besteht aus Entwicklung. In vielen Bereichen wollen wir Teil solcher Entwicklungen sein. Wir wollen aktuelle Technik und nicht die von gestern. Wir wollen am Puls der Zeit sein mit dem, was wir haben und tun. Dabei übersehen wir schnell, dass unsere innere Welt so viel wichtiger ist als die vierzehnte Generation eines Smartphones. Männer sollten den Ehrgeiz haben, ihre Handlungsorientierung zuerst auf sich selbst anzuwenden, angeleitet durch die Weisheit Gottes. Lass es mich so sagen: Sei kein Mann von gestern; sei ein Mann der Entwicklung.

Dir fällt sicher auf, dass ich hier nicht von Karriere und Beruf spreche. Das hat, wie gesagt, den Grund, dass ich glaube, dass es im Leben mehr um deine Identität als um deine Position gehen muss. Das bedeutet nicht, dass beruflicher Erfolg unwichtig ist, allerdings bin ich davon überzeugt, dass unsere Identität als Männer nicht davon bestimmt werden sollte.

Für jeden der drei oben genannten Bereiche habe ich eine Weisheit formuliert. Die ist allerdings nicht auf meinem eigenen Mist gewachsen, sondern ich habe sie aus dem biblischen Buch „Die Sprüche“ übernommen. Es sind Sinnsprüche, die dir Weisheit vermitteln und Orientierung geben.

Ich möchte dich einladen, die Bibel als Grundlage für dein Denken, Fühlen und Handeln zu sehen, die dich dazu führt, der zu sein, der du sein sollst und darfst. Der Verfasser des Buches „Die Sprüche“ war der alttestamentliche König Salomo – ein sehr weiser und auch sehr angesehener Mann seiner Zeit. Ich möchte ihn damit immer wieder als Mentor heranziehen, um von seiner Weisheit zu profitieren und unser Mannsein prägen zu lassen.

Jeder der drei Teile des Buchs enthält Kapitel, die ich jeweils mit einem „goldenen Satz“ beenden werde. Ich stelle ihn dir zur freien Verfügung. Du kannst diesen „goldenen Satz“ zu deinem Motto für den Tag machen, ihn mit einem Freund diskutieren, ihn für dich selbst umformulieren, bis er passt, oder darüber nachdenken. So oder so soll er dir helfen, in deinem persönlichen Leben als Mann die nächsten Schritte gehen zu können und dich zu weiterzuentwickeln.

Mir ist dabei wichtig, dass du meine Gedanken als freundschaftliche Tipps auffasst und verstehst, dass wir uns auf Augenhöhe befinden. Als Männer sitzen wir im gleichen Boot und können voneinander lernen. Es kann sein, dass ich dich mit meinen Herausforderungen verärgere – dann sei dir sicher, dass es mir genauso geht, und auch ich mich immer wieder Herausforderungen in meinem Mannsein zu stellen habe, die mich herausfordern oder ärgern.

Gefühle sind Information. Es ist entscheidend, dass du Zugang zu deinen Gefühlen findest. Das beginnt mit deiner Entscheidung, diese Gefühle kennenzulernen und sie als etwas Brauchbares und Wertvolles anzuerkennen. Viele Dinge (wenn nicht sogar alle) sind motiviert davon, dass wir ein gutes Gefühl haben oder uns sicher fühlen wollen.

Weil das so ist, sind Gefühle extrem wichtig. Sogar die negativen. Auch die, bei denen wir uns nicht wohl fühlen, oder diejenigen, die wir am liebsten vergessen würden. Gemeint sind auch die Gefühle, über die wir nicht gerne sprechen möchten oder die uns verunsichern und uns eventuell sogar wehtun, wenn dir daran denken. Gefühle geben uns sehr wichtige Informationen darüber, was wir wollen, was wir loswerden sollten und warum wir tun, was wir tun. Sie zeigen uns das Grundbedürfnis, das jeder Mensch hat: geliebt zu sein.

Wenn du anfängst zu sehen, dass sich alles im Leben um Anerkennung und Liebe dreht (auch bei Männern!), dann hast du begonnen, die ersten Schritte in deine innere Welt zu gehen. Und hier möchte ich den ersten Blick auf dein Herz und deine Prägungen werfen.

Bist du bereit weiterzugehen? Lass uns zusammen auf Salomo hören und von seiner Weisheit profitieren. Gern stehe ich dir als Begleiter zur Verfügung.

Teil 1: Mann sein – von der Verwundung zur Stabilität

„Die wichtigste Ressource für dein Leben ist dein Herz – pass also gut drauf auf!“ („Die Sprüche“ nach König Salomo, Kapitel 4, Vers 23)

1. Hand aufs Herz

Nicht das Bankkonto, sondern das Herz ist die wichtigste Ressource im Leben.

Ich empfinde diese Behauptung als herausfordernd. Wenn ich ehrlich bin, dann sind mir finanzielle Ressourcen lieber als philosophische Sprüche. Vielleicht denke ich so, weil es mir als Mann realistischer erscheint, etwas durch Finanzen zu bewegen, als über Lebensweisheiten nachzudenken. Das ist sicher etwas verkürzt, weil es im Leben selbstverständlich mehr gibt als das Materielle. Aber es ist doch so, dass ich mich als Mann im Leben stark über Materialismus definiere: mein Wohlergehen, meinen Erfolg, mein Ansehen, meine Sicherheiten, meine Perspektiven, meine Erfolge. Ich möchte, dass man sieht und erkennt, wofür ich stehe und was ich erreiche. Das fühlt sich für mich wesentlich mehr nach Mannsein an, als nur die richtige Rhetorik zu haben.

Wenn ich aber weiterhin ehrlich sein soll, dann muss ich mir eingestehen, dass ich mir zwischendurch schon die Frage stelle, ob mein Mannsein tatsächlich nur dafür da ist, dass es in meinem Leben materiell stimmt. Gibt es nicht auch in mir die Sehnsucht nach dem berühmten „Es muss noch mehr geben im Leben“?

Ich habe die Erfahrung gemacht und mache sie immer wieder, dass mich die Frage umtreibt: „War das alles!?“ Auch ich fühle mich manchmal nur getrieben, habe den Eindruck, dass ich alles nur mache, um zu funktionieren.

Es gibt diese Sehnsucht nach einem tieferen Sinn und einem höheren Ziel. Für mich ist dies keine permanente Sehnsucht, sondern eine immer wiederkehrende Frage, die mich begleitet. Je länger ich unterwegs bin, desto klarer wird mir, dass es nicht um das Erreichen eines finalen Zieles geht, das mir das Gefühl gibt, angekommen zu sein. Es geht vielmehr darum, dass ich sicher sein will, dass das, was ich tue und bin, auch tatsächlich damit übereinstimmt, wer ich sein soll und darf. Okay, das ist jetzt auch irgendwie philosophisch.

Aber ich möchte eben keine Kopie von jemandem sein und mein Leben auch nicht ohne einen Sinn verbringen. Ich will mich nicht nur für meinen Arbeitgeber oder ein Unternehmen aufreiben und meine Rente als das ultimative Ziel sehen. Es muss einen Platz im Leben geben, der nur für mich reserviert ist. Einen Ort, an dem ich der sein kann, der ich so gerne sein möchte. Wenn ich diesen Gedanken mehr Raum gebe, dann verstehe ich, dass mein Bankkonto mir darauf tatsächlich keine Antwort geben kann – ich muss vielmehr mein Herz fragen.

Mit dem Herzen ist es so eine Sache. Als Mann bin ich von Haus aus nicht sonderlich geübt im Umgang mit den Themen des Herzens. Nicht selten mache ich die Erfahrung, dass wir Männer unseren Emotionen gespalten gegenüberstehen. Wir meinen, dass wir einfach aus unserem Denken heraus handeln. Vernünftig. Verstandesorientiert. Dass wir überlegt und damit auch überlegen handeln … Sorry, wenn ich hier mal Klartext schreibe: Wenn du das denkst, dann machst du dir etwas vor! Oft ist es doch so, dass wir unsere Entscheidungen so fällen, dass sie sich gut (aufgepasst!) anfühlen. Meistens ist das Bauchgefühl der entscheidende Punkt. Auch bei uns Männern. Deswegen ist paradox, wenn wir als Männer uns scheinbar nur auf das Rationale fixieren.

Der Hauptgrund hierfür ist für mich zum einen die eigene Biografie und zum anderen eine traditionelle Rollenaufteilung. Immer noch gilt für viele das ungeschriebene Gesetz: Mannsein heißt, keine Gefühle zu zeigen. Für mich liegt das auch daran, dass es an Leitbildern fehlt. Als junger Mensch kommt man kaum in Kontakt mit Männern, die Gefühle zeigen.

Wir Männer müssen immer alles im Griff haben! Da ist für Emotionen kein Platz. Es geht darum, keine Schwäche zu zeigen und auf alles eine Antwort zu haben. Emotionen wie Angst, Traurigkeit, Ärger, Stolz, Hilflosigkeit, Scham oder Schuld dürfen nicht gezeigt werden. Das ist nur ein Klischee, doch ich bin sicher, dass es weit verbreitet ist und viele Männer dieses Bild von Männlichkeit in sich tragen

Und weil es irgendwie „verboten“ scheint, Gefühle zu haben, fällt uns Männern der Zugang zur eigenen Gefühlswelt, sprich zum Herzen als Ressource, schwer. Sogar so schwer, dass wir diesen Bereich ganz ausblenden. Instinktiv vermeiden wir Männer dann, über uns zu sprechen, und reden dafür umso mehr über andere und anderes: über den Chef, die Kollegen, die Frau, das Unternehmen oder die Kinder. Und dies geschieht dann meistens eher abstrakt und theoretisch, weil man keine Emotionen zeigen will.

Irgendwie landen wir als Männer automatisch bei dieser Ablenkungsstrategie. Es fällt bereits schwer, als Mann so etwas zuzugeben, doch wenn wir einmal Frauen dazu befragen, wie ausgeprägt sie die Emotionalität von uns Männern erleben, dann ist das schon eine (negative) Offenbarung.

Dieses „Gefühlsverbot“ verfestigt sich dann auch in der Selbstbetrachtung. Klar fühlt der Mann irgendetwas, aber wenn es nicht zweckdienlich scheint, dann wird es beiseitegeschoben. Dann redet man eben nicht über seine Gefühle, weil sie nicht hilfreich zu sein scheinen oder einen sogar noch stärker verunsichern, dabei können und müssen die eigenen Gefühle von uns Männern unbedingt erfasst werden. Denn Emotionen sind Informationsquellen – wichtiger als das Internet.

Gefühle sind wichtig, um die eigenen Grenzen auszuloten und zu erkennen, was man kann und möchte. Wonach man sich sehnt. Meine Gefühle sagen mir nämlich etwas Konkretes über mein Leben: Das meine ich mit Informationen. Diesen Zugang müssen wir uns als Männer erarbeiten. Ich bin sicher, dass es damit beginnt, dass wir die eigene innere Welt, unser Herz, betrachten – als die wichtigste Ressource.

Als Mann denke ich normalerweise: „Wenn ich fachlich kompetent bin, dann bin ich innerlich auf Kurs.“ Nach dem Motto: Wer seinen Job beherrscht, beherrscht auch sein Leben. Aber fachliche Kompetenz, kann auch zu einer Maske werden, hinter der du dich sehr gut verstecken kannst. Dann handelst du getreu dem Motto: Je mehr ich weiß, desto weniger errege ich den Verdacht, dass ich eine Not oder eine Unsicherheit habe.

Ich finde, wir Männer müssen uns überwinden, diese und andere Masken abzulegen und einen Blick in unsere innere Welt riskieren. Dies ist ein bewusster Entschluss, die antrainierte Abwehr, sich seinen Gefühlen nicht stellen zu wollen (oder zu können), zu durchbrechen. Dazu ist Mut nötig, damit wir das Risiko eingehen, uns unseren eigenen Gefühlen zu stellen, die wir normalerweise eher beiseiteschieben wollen.

Die Maske der Fachlichkeit kann eine Hürde sein. Vielleicht besteht unsere Maske aber auch aus Angst, keine Schwäche zeigen zu dürfen, oder wir tragen eine Maske aus Zynismus und Überheblichkeit, mit der wir unsere eigenen Minderwertigkeitsgefühle kaschieren wollen.

Auch vor diesem Hintergrund finde ich es interessant, dass König Salomo keine Silbe über Status, Besitz und Ansehen verliert. Dies sind nämlich typisch männliche Masken. Das ist irgendwie entwaffnend. Es geht ihm nur um die innere Welt. Und wenn ich mir die Klischees ansehe, die mich als Mann davon abhalten, mein Herz in den Fokus zu nehmen, dann glaube ich auch, dass es diese gewisse Angst gibt, die Männer davon abhält, einen Blick in ihr eigenes Herz zu riskieren. Denn es gibt dort auch Schatten und Wunden.

Jeder hat irgendwann und irgendwie Dunkles und Verletzendes im Leben erfahren. Und vielleicht erscheint es dann leichter, sich ins Klischee „Männer zeigen keine Gefühle“ zu flüchten, als sich mit ihnen konfrontiert zu sehen oder diese Bereiche genauer anzusehen.

Jedes Ereignis im Leben hinterlässt seine Spuren. Deine eigene Biografie ist geprägt von Geschichten und Erlebnissen, die sich auf dein späteres Denken und Handeln auswirken. Da sind sowohl gute als auch schlechte Erfahrungen, die du sozusagen innerlich abgespeichert hast und die auch Spuren in deinem Herzen hinterlassen haben.

Hier werden Erfahrungen und Emotionen abgespeichert, auf die du zurückgreifst, um dein Handeln zu definieren. Hier legst du dich fest, welche Ziele und Werte du hast und verfolgen möchtest. Das Herz, von dem König Salomo spricht, ist demnach kein unbeschriebenes Blatt oder gar eine neutrale Zone. Dieses Herz ist wie eine zentrale Schaltstelle für deine persönliche Lebensgestaltung.

Ich habe beispielsweise durch meine Biografie früh abgespeichert, dass man unversehens von heute auf Morgen alles verlieren kann. Durch den Verlust meiner Kernfamilie fiel ich viel zu früh aus dem „warmen Nest“ und landete nach Erfahrungen mit Drogen und Frauen in einem völligen Durcheinander.

Im Alter von siebzehn Jahren musste ich die Scheidung meiner Eltern erleben. Schon vorher trennten sich die Wege zu meinem Vater auf dramatische Weise. An einem Abend im Dezember 1993 klingelte es an unserer Wohnungstür. Mein Vater öffnete die Tür und blieb wie angewurzelt stehen. Ich kam in den Hausflur und im gleichen Augenblick klickten die Handschellen.

Mein Vater wurde vor meinen Augen und denen meiner Geschwister verhaftet und abgeführt. Zwei Beamte blieben zurück und klärten meinen Bruder und mich über die Optionen auf, die wir nun hatten: betreutes Wohnen in einer Trägerschaft des Jugendamtes oder zu Verwandten gehen. An diesem Abend zerbrach meine Familie. An diesem Abend zerbrach mein Leben. In diesem Moment zerbrach ich.

Meine Mutter ging mit meiner jüngeren Schwester einen anderen Weg, als mein Bruder und ich ihn gehen mussten. Mein Vater war insgesamt acht Monate inhaftiert und danach verlor ich den Kontakt zu ihm komplett. Wie lange er insgesamt im Gefängnis saß, wollte ich nicht wissen und weiß es auch nicht.

Dass wir keinen Kontakt haben, ist bis heute so. Ich sah ihn das letzte Mal am Tag seiner Verhandlung kurz nach der Scheidung. Er kam mir in Handschellen im Gerichtsgebäude entgegen. Ich war an diesem Tag für eine Zeugenaussage geladen. Dies war sehr schwierig für mich. Erst durch die Verhandlung erfuhr ich von seinem Strafregister, das sich über etliche Jahre erstreckte. Als Kind konnte ich es mir nicht vorstellen, und als Teenager ahnte ich nichts davon.

Was ich hier erfuhr, ließ mich an der Person meines Vaters vollends zweifeln. Ich verlor nicht nur meine Familie, sondern auch mein Ideal von Vaterschaft. Damit fiel ich also nicht nur aus dem Nest, sondern ich schlug brutal auf dem Boden auf.

Die Maske, die ich anschließend aufsetzte, sollte jede Angst vor Verlust verbergen. Ich demonstrierte eine äußere Stärke, die ich innerlich gar nicht besaß. In mir gab es das tiefe Trauma des Verlierens. Dass einem von einem Moment auf den anderen alles genommen werden kann, brannte sich in meine Seele ein. Es war eine Angst vor der Willkür und Unberechenbarkeit des Lebens, das scheinbar keine Gnade kennt.

Mein Herz war weder eine Hilfe noch brachte es mir Stabilität. Ich hatte vielmehr das Gefühl, dass ich nur ins Leere griff, wenn ich nach innerer Stärke und Selbstbewusstsein Ausschau hielt.

Dass König Salomo das Herz des Menschen mit einer wichtigen Ressource für sein Leben vergleicht, ist demnach herausfordernd und einladend zugleich. Denn es fordert mich dazu auf, zu meinen Gefühlen zu stehen, diese kennenzulernen und sie auch als Informationsquelle für meine Sehnsüchte zu betrachten. Dabei fallen mir auch Masken und Wunden auf, aber ich erkenne, dass eine Pflege meiner inneren Welt unumgänglich und sogar heilsam ist.

Es ist kein Geheimnis, dass man das Leben nicht beeinflussen kann. Es geschehen Dinge und es ereignen sich Begebenheiten, mit denen man einfach umgehen muss.

Einiges kann man planen, vieles geschieht einfach. Ich kann meinem Berufswunsch nachgehen und dann geht die Firma pleite und ich stehe auf der Straße. Oder ich wünsche mir ein Kind mit meiner Frau und wir bekommen entweder Drillinge oder gar keines. Kurzum: Man macht Pläne und dann geschieht das Leben! Deswegen müssen wir darauf achten, was Spuren in unserem Herzen hinterlassen darf.

Das war und ist der Grund, warum mich die Weisheit von König Salomo gepackt hat. Das Besondere für mich ist daran, dass in der Einleitung zu diesem Buch ein Vater mit seinem Sohn spricht.

Das hat mich richtig fasziniert: ein Vater, der voller Interesse und Fürsorge für seinen Sohn ist, der ihn auf scheinbar alle Themen des Lebens vorbereiten will und ihm mit Rat und Tat zur Seite steht!

Ich spürte beim Lesen, wie sich eine innere Leere in mir zu füllen begann. Das berührte mich dermaßen stark, dass ich beim Lesen dieses Buches öfter weinen musste. Das Erlebnis, dass ein Vater seinem Sohn so zugewandt sein kann, überwältigte mich. Im Alter von 21 Jahren las ich zum ersten Mal diese Worte und sie eroberten mich.

Für mich ist es deshalb unerlässlich, in meine innere Welt zu schauen. Ich habe gelernt, dass hier tatsächlich die wichtigsten Informationen über mich und für mich liegen. Es ist nicht immer leicht, mich darauf einzulassen, weil ich gerne Arbeit und Verantwortungen vorschiebe.

Ich brauche immer wieder eine Erinnerung, meine Emotionen nicht zu übersehen. Auch wegen meiner Biografie fiel es mir nicht immer leicht, diesen Blick zu riskieren. Als ich auf die Weisheit von König Salomo im Buch der Sprüche stieß, war dies für mich die ständige Erinnerung, mein Herz nicht zu ignorieren, sondern es zu pflegen.

Es gibt viele Redewendungen, die deutlich machen, dass das „Herz“ zentral für meine Lebensgestaltung ist.

Man spricht von einem „gebrochenen Herzen“, wenn es im Leben traurig wird. Es gibt die Aufforderung „Hand aufs Herz“, wenn man einen ehrlichen Moment mit jemandem erleben möchte. Man hat ein „schweres Herz“, wenn man sich Sorgen um Menschen oder Ereignisse macht. Das Herz kann aber auch „vor Freude springen“, weil man glücklich ist, oder es „rast“, weil man sich auf etwas im Leben freut. Ich finde, es ist einfach das richtige Bild, wenn man die eigene, innere Welt beschreiben will. Es ist sehr klug, sein Herz in den Fokus zu nehmen. Was König Salomo hier empfiehlt, ist tatsächlich sehr gut.