Marvel Avengers - Thomas Macri - E-Book

Marvel Avengers E-Book

Thomas Macri

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Beschreibung

Avengers – Wie alles begann

Die Welt wird von einem Feind bedroht, den niemand allein besiegen kann. Also macht sich Nick Fury, Direktor des Geheimdienstes S.H.I.E.L.D., daran, die mächtigsten Helden der Erde zusammenzubringen: die Avengers!

Die Superhelden Iron Man, Captain America, Thor, der unglaubliche Hulk, Black Widow und Hawkeye treten schließlich gegen den Trickster Loki an, der einen bösen Plan verfolgt, um über die Menschheit zu herrschen. Nur gemeinsam kann es den Avengers gelingen, die Welt zu retten.

Der Start der actiongeladenen Avengers-Reihe mit farbigen Filmfotos, altersgerecht erzählt für Kinder ab 10 Jahren. Basiert auf den weltweit erfolgreichen Filmen Iron Man, Der unglaubliche Hulk, Iron Man 2, Thor, Captain Amercia: The First Avenger und Marvel’s The Avengers.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 142

Veröffentlichungsjahr: 2020

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DAS BUCH ZUM FILM

Text von Thomas Macri

Auf Grundlage der Spielfilme:

Iron Man, Drehbuch von Mark Fergus & Hawk Ostby und Art Marcum & Matt Holloway

Iron Man 2, Drehbuch von Justin Theroux

Der unglaubliche Hulk, Filmhandlung und Drehbuch von Zak Penn

Thor, Filmhandlung von J. Michael Straczynski und Mark Protosevich, Drehbuch von Ashley Edward Miller & Zack Stentz und Don Payne

Captain America: The First Avenger, Drehbuch von Christopher Markus & Stephen McFeely

Marvel’s The Avengers von Joss Whedon

Aus dem Englischen von Claudia Amor

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen. Sollte diese Publikation Links auf Webseiten Dritter enthalten, so übernehmen wir für deren Inhalte keine Haftung, da wir uns diese nicht zu eigen machen, sondern lediglich auf deren Stand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung verweisen.

© 2020 MARVEL Die englische Originalausgabe erschien 2012 bei Marvel Press, ein Imprint von Disney Book Group, New York, unter dem Titel »The Avengers Assemble« 2020 cbj Kinder- und Jugendbuchverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Straße 28, 81673 München Alle deutschsprachigen Rechte vorbehalten Übersetzung: Claudia Amor Umschlaggestaltung: Geviert, Grafik & Typografie, unter Verwendung des Originalumschlags mk · Herstellung: MJ Satz und E-Book: GGP Media GmbH, Pößneck ISBN: 978-3-641-26497-0V002www.cbj-verlag.de © 2020 MARVEL

PROLOG

Der Erste Avenger

Steve Rogers wuchs in einer Zeit auf, wie sie die Menschheit noch nie erlebt hatte und die sich hoffentlich auch niemals wiederholt. Auf der ganzen Welt herrschte damals Krieg, und zu allem Übel bereits zum zweiten Mal in weniger als einem Vierteljahrhundert. Steves Eltern hatten in dem ersten Konflikt – dem »Großen Krieg«, wie man ihn zu Steves Zeiten nannte – gekämpft und ihrem Sohn viel darüber beigebracht, was es bedeutete, ein guter Soldat und, vor allen Dingen, ein guter Mensch zu sein.

Als Steve ein junger Mann war, hatte der Zweite Weltkrieg in Europa schon seit Jahren gewütet, und 1941 – Steve war damals noch keine dreiundzwanzig Jahre alt – trat Amerika in die weltweiten Kampfhandlungen ein. Steve musste zusehen, wie sich die jungen Männer aus seiner Nachbarschaft in Brooklyn an den Musterungsstellen zum Dienst meldeten, ihre Uniformen anlegten, die Taschen packten und in den Krieg zogen – aus dem viele – manchmal schien es fast, die meisten – nie wieder zurückkehrten. Jeden Tag wurde der Lärm auf den Straßen vor seinem überfüllten, vierstöckigen Wohnhaus weniger: Wo früher Bälle geschlagen, Kronkorken geschnippt und Dosen über den Asphalt getreten wurden, war es bald so leise wie wochentags in einer Kirche. Die rauen Männerstimmen, die früher überall zu hören gewesen waren, verschwanden, zuerst kaum merklich, aber dann immer schneller. Stattdessen erklang nur noch das Schwatzen der Frauen, die an der Heimatfront zurückgeblieben waren: Haben Sie schon gehört, was mit Tony McGrath passiert ist? … Mein Johnny hat seit Wochen nicht geschrieben, dieser Junge macht mich noch wahnsinnig … Ich wünschte nur, James würde nach Hause kommen, Jimmy Jr. muss schließlich seinen Vater kennenlernen …

Von Zeit zu Zeit durchbohrte ein Klagelaut die abendliche Stille. Steve wusste, was das zu bedeuten hatte. Wieder war ein Junge aus Brooklyn für immer von ihnen gegangen. Kannte er ihn vielleicht? Er hatte schon vor Monaten aufgegeben, die verlorenen Freunde zu zählen. Alles schien jetzt so sinnlos. Die Straßen draußen vor seinem Fenster hatten sich verändert. Das ganze Land, ja sogar die ganze Welt hatte sich verändert. Es gab keine Garantien mehr, nur eines war klar: Steve wollte kämpfen und mithelfen, dass dieser Krieg endlich aufhörte, damit in den Straßen von Brooklyn, von Amerika und der ganzen Welt das Lachen und Spielen endlich wieder einkehrte und das Weinen derer, die auf die Rückkehr von geliebten Menschen warteten, ein Ende fand. Er war fest entschlossen, die Menschen von den Kriegsgräueln zu befreien. Er wollte alles geben, um die Wahnsinnigen, die diesen Krieg angezettelt hatten, zu stürzen. Er wollte gewinnen, damit wieder Frieden herrschte und kein Tropfen Blut mehr vergossen werden musste.

Sobald sie alt genug waren, meldeten sich Steve und ein paar Jungs aus der Nachbarschaft, darunter sein bester Freund James »Bucky« Barnes, bei der zuständigen Rekrutierungsstelle, um in den Krieg zu ziehen. Zwischen den anderen Jungen hatte sich Steve immer klein gefühlt, was hauptsächlich daran lag, dass er es, rein körperlich gesehen, auch war. Steve war deutlich kleiner als der Durchschnitt, er war schmal gebaut und wog nicht mal fünfzig Kilo. In der dreckigen New Yorker Luft fiel ihm das Atmen schwer und er war ständig außer Puste. Seine Wangen wirkten eingefallen, und er war so dünn, dass sich seine Augen fast hervorwölbten. Doch es waren genau diese Augen, die noch eine andere Seite von Steve verrieten. Denn er war ein guter, mitfühlender Mensch, der stets für Gerechtigkeit einstand.

Wenn Steve irgendeine Stärke besaß, dann war sie also nicht körperlicher Natur, sondern lag in seinem Charakter.

Die Army interessierte allerdings wenig, woran Steve glaubte, sondern nur, was er imstande war, zu leisten. Nach einer kurzen Untersuchung stellte man fest, dass das nicht viel war. Er würde im Kampfeinsatz mehr Bürde als Hilfe sein. Es sei zu seinem Besten, und zum Besten der anderen Soldaten, ihm den Kriegsdienst zu verweigern.

»Mach dir nichts draus, Steve«, tröstete ihn Bucky. »Hier bist du in Sicherheit, und zumindest passt jemand auf unser altes Viertel auf, während wir weg sind.«

Doch Steve hatte nicht vor, sich so einfach geschlagen zu geben. »Ich werde mit euch kommen«, sagte er zu seinem Freund.

Doch Bucky lachte nur. »Ich weiß, du willst das unbedingt, aber …«

»Kein Aber, Bucky. Wenn dieser Typ hier mich nicht nimmt, dann werde ich es woanders versuchen. Jeder leistet seinen Beitrag und ich werde meinen leisten.«

In den darauffolgenden Wochen versuchte er immer wieder sein Glück, jedes Mal bei anderen Rekrutierungsstellen. Doch jedes Mal fiel er bei der Untersuchung durch. Dennoch weigerte sich Steve standhaft, die Hoffnung aufzugeben.

Am Abend bevor Bucky einrücken musste, hatten die beiden ein Date mit zwei Mädchen. Zu viert besuchten sie die Weltausstellung der Zukunft – eine Art futuristische Wissenschafts- und Forschungsmesse mit Vergnügungspark. Bucky und die Mädchen interessierten sich für die Ausstellung von Stark Industries, wo der weltberühmte Erfinder Howard Stark persönlich einige seiner neuesten Kreationen vorstellen würde, darunter ein schwebendes Auto, das in der Luft fahren konnte. Doch trotz der beeindruckenden Einblicke in die Technologie der Zukunft war Steve mit den Plänen für seine eigene Zukunft beschäftigt. Er entfernte sich von den anderen und begab sich zum Rekrutierungsstand der US-Army.

Bucky bemerkte es, ließ die Mädchen stehen und lief zu Steve hinüber.

»Du willst es echt noch mal versuchen?«, fragte er.

»Wir sind hier auf einem Jahrmarkt. Ich versuch mein Glück«, antwortete Steve.

»Als wer?«, fragte Bucky. »Steve aus Ohio? Es ist strafbar, auf den Formularen zu lügen. Die kriegen dich, oder schlimmer noch, die nehmen dich! Das hier ist keine Hinterhofrauferei, Steve, sondern Krieg!«

»Es ist der Krieg«, antwortete Steve. »Der Krieg, den wir auf keinen Fall verlieren dürfen. Hier geht es um alles, und ich habe auch vor, alles zu geben.«

Bucky bat Steve, die freiwillige Meldung sein zu lassen – wenn auch nur für den Moment. Schließlich war es Buckys letzter Abend, und sie waren mit zwei hübschen Mädchen aus, die auf sie warteten und tanzen gehen wollten. Doch Steve lächelte nur und schüttelte den Kopf. Bucky seufzte. Er wusste nur zu gut, dass nichts auf der Welt die Meinung seines Freundes ändern konnte. Die beiden umarmten sich – ohne zu wissen, ob sie sich je wiedersehen würden –, und jeder ging seiner Wege. Bucky zog in den Krieg und Steve zog zum sechsten Mal in seine eigene Schlacht: Er kämpfte darum, kämpfen zu dürfen.

Nachdem er ein Formular mit den üblichen Fragen ausgefüllt hatte, die er mittlerweile auswendig wusste, wurde Steve in ein Untersuchungszimmer geführt. Die Situation hatte er gefühlt schon hundert Mal durchlaufen. Dort stand die Liege, auf die er sich für die Messung seiner Vitalfunktionen legen musste. Dort lagen die Instrumente, die der Arzt für seine Untersuchung brauchte. In der Ecke stand ein Papierkorb und an der hinteren Wand hing die Tafel für den Sehtest … Über ihm hing ein Schild mit der Aufschrift: FALSCHANGABENAUFDEMREKRUTIERUNGSFORMULARSINDSTRAFBAR. Während Steves Blick noch auf dem Schild ruhte, trat der Arzt ein.

Steve war vielleicht schwach und von schlechter Gesundheit, aber Angst hatte er nie gehabt. Nicht bis zu diesem Moment. Denn nun sah es ganz so aus, als hätte die Regierung seine »Spielchen« durchschaut. Hinter dem Arzt folgte ein älterer bärtiger Mann in Laborkittel und Brillengläsern. Er dankte dem Arzt und entließ ihn.

»Fünf Musterungen in fünf verschiedenen Städten? Überall durchgefallen. Sie geben nicht auf, was?« Der Mann sprach mit einem starken Akzent. War es Deutsch, was Steve da heraushörte?

Stotternd versuchte Steve, sich zu rechtfertigen, doch der Mann hob die Hand.

»Sie wollen also kämpfen?«

»Ich hasse Unterdrücker«, antwortete Steve.

»Ich kann Ihnen eine Chance anbieten«, sagte der Mann.

Steves Augen weiteten sich.

»Es ist nur eine Chance«, wiederholte der Mann, der sich als Doktor Abraham Erskine vom SSR vorstellte, dem Strategic Scientific Reserve der US-Army. Steve war nicht sicher, was genau das bedeutete, aber es kümmerte ihn wenig. Wenn Dr. Erskine ihn in die Army bringen konnte, dann würde er mitgehen, ohne Fragen zu stellen.

Wochenlang trainierte Steve mit einer Gruppe von Männern – wie gewöhnlich, alle größer, gesünder und fitter als er – in einem Militärcamp. Steve kämpfte sich durch die Hindernisparcours, an denen er regelmäßig scheiterte. Er bemühte sich, bei Trainingsläufen mit den anderen Rekruten Schritt zu halten, doch meist schaffte er es mit Müh und Not ins Ziel, während die anderen hundert Meter vor ihm dahinjoggten. Doch Dr. Erskine sah in ihm etwas, das den anderen verborgen blieb: das Feuer in seinem Blick und den Drang, stets das Richtige zu tun.

An Steves letztem Tag im Trainingscamp flog wie aus heiterem Himmel eine Granate mitten unter die Rekruten.

»Granatenangriff!«, brüllte Colonel Phillips, der Leiter des Camps.

Die Soldaten stürzten auseinander und gingen hinter Panzern, in Gräben oder hinter dem erstbesten Unterschlupf in Deckung. Alle Soldaten flüchteten.

Bis auf einen.

Steve warf sich mit vollem Körpereinsatz auf die Granate, in der Hoffnung, einige seiner Kameraden retten zu können. Er rollte sich über dem Sprengsatz zusammen und wartete auf die Detonation. Doch nichts geschah. Es war ein Test gewesen – der letzte und wichtigste in einer langen Reihe von Prüfungen. Und Steve hatte bestanden. All seiner körperlichen Unzulänglichkeiten zum Trotz hatte er das Zeug dazu, der beste Mann der US-Army zu werden: ein Supersoldat.

Charakterlich war Steve schon immer ein Superheld gewesen, doch nun würde er auch den passenden Körper dazu bekommen. Die Chance, die Dr. Erskine erwähnt hatte, war, an einem geheimen Experiment teilzunehmen, das den Namen Projekt Rebirth trug. Jahrelang hatte die Regierung an der Entwicklung eines Soldaten gearbeitet, der stärker, schneller und versierter war als die besten ihrer Männer. Steve, der bewiesen hatte, dass er den Mut dazu hatte, sollte nun der erste Supersoldat werden.

Bereits am folgenden Tag fanden sich Steve, Dr. Erskine, Colonel Phillips und die britische Agentin Peggy Carter in einem geheimen Labor ein, das unter einem Antiquitätenladen in Brooklyn lag. Steve war von dem geheimen Versteck und den technischen Geräten, die dort im Einsatz waren, schwer beeindruckt. Agent Carter begleitete ihn zum Hauptbereich des Labors, wo ihn ein Team aus Forschern und Regierungsbeamten skeptisch musterte. Dieser schwächliche, knochige Typ sollte Amerikas größte Hoffnung sein?

Doch Agent Carter ging erhobenen Hauptes an ihnen vorbei, und sie ermutigte Steve, die Leute zu ignorieren.

Aber um ehrlich zu sein, hatte Steve weder die Zeit noch den Kopf, sich darum zu kümmern. Erstens war er Ablehnung gewohnt, und zweitens war er in schwindelerregend kurzer Zeit von einem gewöhnlichen Jungen aus Brooklyn zu einem Soldaten geworden, der von einigen der klügsten Köpfe der Welt umgeben war.

Zuerst hatte er Dr. Erskine getroffen und nun auch noch Howard Stark, den berühmten Erfinder, dessen Ausstellung er vor einigen Monaten links liegen gelassen hatte. An jenem Abend hatte er nur einen einzigen Gedanken gehabt: Teil der Army zu werden. Doch nun brannte er darauf, Starks Erfindungen kennenzulernen. Die größte Faszination ging für ihn von einer Stahlkammer aus, die inmitten des Labors aufgebaut war. Stark und Dr. Erskine erläuterten, dass man Steve erst eine Dosis Supersoldatenserum verabreichen würde, die sein Muskelwachstum anregen sollte. Dann würde er in Starks Kammer eingeschlossen und mit Vitastrahlen beschossen, die das Muskelwachstum steuern und dafür sorgen würden, dass er keinen Schock erlitt oder, schlimmer noch, unkontrolliert weiterwuchs. Stark erklärte Steve auch, dass das Labor in Brooklyn angesiedelt war, weil so viel Energie wie möglich benötigt würde und nur das New Yorker Stromnetz solche Mengen liefern konnte – zumindest hoffte man das.

Ohne zu zögern, ließ sich Steve auf eine Liege in der Kammer schnallen. Dann schlossen sich die umliegenden Türen und verriegelten sich. Mr. Stark legte einen Hebel um und die Maschine verabreichte Steve gleich mehrere Injektionen des Serums. Nach Abschluss dieser ersten Phase meldete die Maschine völlig normale Vitalfunktionen. Dann betätigte Stark einen weiteren Hebel und drehte an einem Schalter, um Steve der Vitastrahlung auszusetzen. Langsam und vorsichtig erhöhte er die Intensität und behielt Steve dabei aufmerksam im Auge. Er blickte zu Dr. Erskine, der unmittelbar neben der Kammer stand. Mit zunehmender Strahlung beschleunigte sich Steves Herzschlag, bis er irgendwann rasend schnell war. Es war nicht zu übersehen, dass die Behandlung Steve stark mitnahm. Dann drang ein Schmerzensschrei aus der Kammer, der nicht von dieser Welt schien. Einige der Teammitglieder forderten die Einstellung des Experiments. Doch Steve wollte weitermachen.

»Nicht aufhören!«, brüllte er aus dem Inneren der Kammer. »Ich halte das aus!«

Also drehte Howard Stark die Strahlung weiter hoch. Als die Maschine beinahe die volle Kraft erreicht hatte, begann das Licht zu flackern. Glühbirnen explodierten. Die Wissenschaftler gingen in Deckung. Ein stetiges Brummen drang durch das Labor, während mehr und mehr rohe Energie in Steves Körper floss. Dann riss der Stromfluss mit einem lauten Knall ab. Techniker, Ärzte, Geheimagenten und alle anderen, die sich im Raum befanden, duckten sich. Als die Türen der luftdichten Kammer sich mit einem dumpfen Zischen öffneten, kam Steve wieder zum Vorschein.

Doch es war nicht mehr derselbe Steve.

Dr. Erskine und Agent Carter halfen Steve aus der Kammer. Als er sich aufrichtete, musste er sich erst einmal an seinen neuen Blickwinkel gewöhnen.

»Wie fühlen Sie sich?«, fragte Agent Carter.

»Größer«, erwiderte Steve.

Der schwächliche Junge, der zuvor das Labor betreten hatte, war nun zum kräftigsten Soldaten der US-Army geworden. Im Raum machte sich ein freudiger Erfolgstaumel breit. Doch noch bevor man mit dem Feiern beginnen konnte, erschütterte eine Explosion das Kontrollpult des Labors. Im nächsten Moment zog einer der umstehenden Zuschauer eine Pistole aus der Jacke und schoss Dr. Erskine in die Brust.

Steve eilte dem Doktor zu Hilfe, als der Mann, der auf ihn geschossen hatte, sich das letzte Fläschchen Serum schnappte und damit türmte. Agent Carter stürmte ihm hinterher, während Steve sich um Erskine kümmerte. Mit der allerletzten Kraft, die ihm noch geblieben war, hob der Doktor, der immer überzeugt gewesen war, dass Steve das Zeug zum besten Soldaten der Welt hatte, die Hand und deutete auf Steves Herz. Er versuchte noch, etwas zu sagen, doch er war zu schwach. Steve wusste dennoch, was der Doktor hatte sagen wollen. Dann, mit einem langen, langsamen Atemzug, wich das Leben aus seinen Gliedern. Sanft legte Steve den leblosen Körper des älteren Mannes nieder. Dann sammelte er all die unbändige Kraft, die er eben erworben hatte, und stürzte davon, um den einzigen Mann zu rächen, der je an ihn geglaubt hatte.

Steve rannte schneller als je ein Mensch zuvor. Er entdeckte den Mann, den er verfolgte, als er gerade in einen Wagen stieg. Steve preschte zwischen Fahrzeugen hindurch, sprang über Zäune und balancierte über die Dächer von fahrenden Autos, um sein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Als sie den Hafen von Brooklyn erreichten, holte er den Mann endlich ein. Doch der sprang in ein Wasserfahrzeug, das – so unglaublich es schien – nichts anderes als ein U-Boot sein konnte. Das Boot tauchte unter und Steve sprang hinterher. Mit seinem neuen Körper war er ein kräftiger Schwimmer geworden, so gelang es ihm, das Boot einzuholen und den Piloten aus dem Cockpit zu zerren.

Als Steve mit ihm den Kai erreicht hatte, sprach der Bösewicht eine Warnung aus: Er und seine Geheimorganisation HYDRA könnten von niemandem aufgehalten werden. »Wenn man einen Kopf abschlägt, werden zwei neue nachwachsen«, prophezeite er. »Heil HYDRA!« Mit diesen letzten Worten biss er auf eine Giftkapsel und nahm sich das Leben, bevor Steve ihm irgendwelche Fragen stellen konnte.

Als Steve später wieder mit Colonel Phillips und Agent Carter zusammentraf, beschloss Phillips, dass es wohl am klügsten wäre, Steves neue Fähigkeiten geheim zu halten. Obwohl er Steve hatte kämpfen sehen, war er dennoch nicht überzeugt, dass ein Mann allein den Verlauf des Krieges umkehren könnte. Er hatte eine ganze Armee von Supersoldaten gewollt. Einer allein war nicht genug.