Beschreibung

Schon immer ist Reinhold Messner weiter gegangen als alle anderen. Früh ließ er das Tal seiner Südtiroler Kindheit hinter sich, bestieg alle 14 Achttausender und durchquerte zu Fuß die größten Sand- und Eiswüsten der Erde. Was aber beflügelt diesen Erfolgsmenschen? Und woher schöpft er Kraft und Phantasie, sich immer wieder neu zu erfinden? Kritisch und offen stellt der »Spiegel«-Reporter Thomas Hüetlin ihm die entscheidenden Fragen zu einem »Leben am Limit«.

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Textnachweise:

Hermann Buhl: Am Rande des Möglichen. Hrsg. von

Horst Höfler und Reinhold Messner, AS Verlag, Zürich 2003

Alexander Langer: aus privaten Schriften

Ralf-Peter Märtin: Nanga Parbat. Wahrheit und Wahn des Alpinismus. Berlin Verlag, Berlin 2002

Christoph Ransmayr: Die Schrecken des Eises und der

Finsternis. S. Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 1996

Raoul Schrott: Gilgamesh. Hanser Verlag, München 2002

Abbildungen: Archiv Reinhold Messner

Vollständige E-Book-Ausgabe der im Piper Verlag erschienenen Buchausgabe

8. Auflage 2012

ISBN 978-3-492-95633-8

© Piper Verlag GmbH, München 2004 erschienen im Verlagsprogramm Malik

Umschlaggestaltung: Birgit Kohlhaas, Egling

Umschlagfoto: Arne Schultz

KAPITEL I

DER SCHWERKRAFT TROTZEN

1949–1969

Felsklettern: Der junge Reinhold Messnerin den Cinque Torri/Dolomiten (1965)

Gedanken, die was wert sind, wollen nicht begriffen, sondern erlebt sein.

KINDHEIT AM FELS

So lange ich mich zurückerinnern kann, war ich Felskletterer. Dabei kletterte ich nicht nur an den Wänden der heimatlichen Geislerspitzen, an haushohen Felsklötzen am Waldrand, an Ruinenfassaden und in der Schulpause an der Friedhofsmauer. Vor allem kletterte ich in meiner Phantasie. Im Geiste meinem Können immer ein wenig voraus, stieg ich durch immer steilere Felswände – bis mir kein Weg in der Vertikalen mehr unmöglich erschien. Zuletzt gelangen mir Erstbegehungen in Serie – an den höchsten Wänden der Dolomiten, am Eiger, Kilimandscharo und Aconcagua.

Ich ging auch zur Schule, und daheim half ich, wie alle Geschwister, beim Aufbau des Hühnerhofs, der es unseren Eltern erlaubte, neun Kinder großzuziehen. Mein Vater war Dorfschullehrer und auch mein erster Lehrmeister im Fels, mit zehn oder zwölf aber kletterte ich ihm davon und mit meinem jüngeren Bruder Günther bald in ein Reich, das nur noch uns gehörte.

In den letzten Jahren meiner Schulzeit schon habe ich bemerkt, daß mein Weg zum Wissen nicht über Bibliotheken und Professoren, über Universitäten und Studien führen konnte. Mein Weg war das Leben und das Erleben der Realität. Ich konnte vieles lernen, Erfahrungen aus zweiter Hand übernehmen – nichts aber sollte meine Erlebnisse in der Wildnis übertreffen. All mein Wissen über soziale, naturwissenschaftliche, religiöse Zusammenhänge beruhen auf Erfahrungen, die ich selbst gemacht habe.

Das ist einer der Gründe, warum ich mich später immer wieder dazu zwang, die nächste Expedition auf die Beine zu stellen, eine neue Reise zu wagen. Wie oft habe ich mir unterwegs gesagt: Es ist genug! Trotzdem, Wochen später, wenn die Anstrengungen, die Sorgen, die Schinderei vergessen waren, begann ich von einer neuen Herausforderung zu träumen, eine neue Klettertour zu planen. Bald war ich wieder unterwegs. Und es war wieder gefährlich. Ich wollte nie Kopf und Kragen riskieren! Ich wußte aber: Würde ich eines Tages nicht mehr träumen, nicht mehr reisen können, ich würde alt sein und daran verzweifeln.

Es war Mittag, und wir saßen zu viert an der Gratschneide der Secéda in den Geislerspitzen, mein Vater, zwei meiner Brüder und ich. Über uns die Kleine Fermeda. Hell in der Sonne sah ihre Südwand steil aus, aber gegliedert, die Aufstiegsroute logisch. Wie Wattebäuschchen hingen ein paar Haufenwolken über den südöstlichen Dolomiten, deren Gipfel über die Puezhochfläche herausragten. Das Wetter also blieb gut.

Es war nicht alleine Neugier oder Übermut, die mich immerzu zwangen, die Wand über uns zu betrachten, es war mehr. Vielleicht kann man es mit Maßnehmenwollen bezeichnen. Weil mein Vater nichts dagegen hatte, ging ich los, allein und ohne Seil. Über ein Felsband lief ich ein Stück weit abwärts, dann kletterte ich schräg nach rechts oben. Der Fels, rauh und ziemlich glatt, war zuerst nicht besonders steil, unter mir aber brach die Wand senkrecht ab. Ich sah nicht nach unten, sondern auf die Wand vor mir, an der ich Griff für Griff, Tritt für Tritt höherstieg. Genau das wollte ich tun: klettern, ohne mich umzusehen, meinem Instinkt folgen, selbst den Weg finden. Darauf war ich stolz. Inzwischen hatte ich die Schlüsselstelle erreicht und sah mir die senkrechte Wand über mir genau an. Nachdem ich eine Griff- und Trittfolge ausgespäht hatte, kletterte ich los. Alles war vergessen, ich war ganz Griff und Tritt und Bewegung, selbstvergessen. Vielleicht habe ich einmal kurz gezögert und dabei an den Füßen vorbei in den Abgrund geschaut, der sich 300Meter tiefer im Grün der Almwiesen verlor. Nach ein paar Metern war die Kletterei wieder leichter, und wenig später stand ich vorsichtig am Südgipfel, kletterte über brüchigen Fels hinüber zum Hauptgipfel und schaute nach Norden hinab auf die Gschmagenhart-Alm, wo wir am Morgen zu unserer Tour aufgebrochen waren. Im Süden sah ich all die berühmten Dolomitengipfel vor mir, vom Langkofel bis zum Saß Songher, dahinter Marmolada, Monte Pelmo und Civetta.

Das Klettern war für mich mehr als Sport. Gefahr und Schwierigkeiten gehörten dazu, ausgesetzt sein und Abenteuer. Eine große Wand zu klettern bedeutete, sich ganz auszuliefern, einem Geheimnis zu folgen, ein paar Tage lang ganz auf sich selbst zurückgeworfen zu sein.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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