Meine beste Feindin - Patricia Vandenberg - E-Book

Meine beste Feindin E-Book

Patricia Vandenberg

0,0

Beschreibung

Nun gibt es eine Sonderausgabe – Dr. Norden Extra Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. Der Fausthieb traf die rechte Wange. Inas Kopf ruckte nach hinten, im Nacken knackte es gefährlich, ihr wurde schwarz vor Augen, bevor der Schmerz in ihr Bewusstsein drang. Sie taumelte. Noch ehe sie sich richtig gefangen hatte, traf der zweite Schlag die Lippe. Ina schrie auf, warmes Blut rann über ihr Kinn, durchfeuchtete ihre weiße Bluse. Sie stürzte zu Boden. »Hör auf, Florian, hör bitte auf damit.« Ihre Stimme war nicht mehr als ein gequältes Jammern, was ihn nur noch mehr anzustacheln schien. »Ah, jetzt winselst du um Gnade. Da bist du bei mir an den Falschen geraten. Ich will, dass du endlich deine Lektion lernst«, schleuderte er ihr zornbebend entgegen. Er holte mit dem Fuß aus und versetzte ihr einen Tritt in den Magen. Ina krümmte sich zusammen und verlor das Bewusstsein. »Sag doch was. Sag mir endlich, dass ich der einzige Mann in deinem Leben bin. Na los, wirds bald.« Immer noch außer sich vor Wut starrte Florian auf die ohnmächtige Frau zu seinen Füßen. Er atmete heftig ein und aus. Erst nach und nach begriff er, dass sie nicht antworten konnte.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 126

Veröffentlichungsjahr: 2023

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Dr. Norden Extra – 122 –Meine beste Feindin

Zwei Schwestern und ein Schicksal

Patricia Vandenberg

Der Fausthieb traf die rechte Wange. Inas Kopf ruckte nach hinten, im Nacken knackte es gefährlich, ihr wurde schwarz vor Augen, bevor der Schmerz in ihr Bewusstsein drang. Sie taumelte. Noch ehe sie sich richtig gefangen hatte, traf der zweite Schlag die Lippe. Ina schrie auf, warmes Blut rann über ihr Kinn, durchfeuchtete ihre weiße Bluse. Sie stürzte zu Boden.

»Hör auf, Florian, hör bitte auf damit.« Ihre Stimme war nicht mehr als ein gequältes Jammern, was ihn nur noch mehr anzustacheln schien.

»Ah, jetzt winselst du um Gnade. Da bist du bei mir an den Falschen geraten. Ich will, dass du endlich deine Lektion lernst«, schleuderte er ihr zornbebend entgegen. Er holte mit dem Fuß aus und versetzte ihr einen Tritt in den Magen. Ina krümmte sich zusammen und verlor das Bewusstsein. »Sag doch was. Sag mir endlich, dass ich der einzige Mann in deinem Leben bin. Na los, wirds bald.« Immer noch außer sich vor Wut starrte Florian auf die ohnmächtige Frau zu seinen Füßen. Er atmete heftig ein und aus. Erst nach und nach begriff er, dass sie nicht antworten konnte. »Ina, was ist denn?« Seine Stimme wurde langsam ruhiger, nahm einen flehenden Ton an. »Sag doch was! Inalein, hörst du mich?« Aber Ina reagierte immer noch nicht. Mit einem Schlag war Florians Wut verraucht, verzweifelt sackte er auf die Knie, Tränen in den Augen.

»Ina, mach doch keinen Unsinn! Das war doch nicht so gemeint. Oh, lieber Gott, was hab’ ich da getan? Das wollte ich doch nicht. Ina, wach auf. Du liebe Zeit, was mach ich denn jetzt?« Panik stieg in ihm auf, als seine Freundin einfach nicht mehr wach werden wollte. In seiner Not sprang Florian auf und rannte in die Küche, um Eisbeutel und Taschentücher zu holen. Als er zu Ina zurückkehrte, öffnete sie mühsam die Augen, in denen namenloses Erschrecken stand. »Nicht, nein«, flüsterte sie in Erwartung neuer Schläge. Florian seufzte vor Erleichterung. »Gott sei Dank, du bist wieder wach.« Fürsorglich kniete er neben ihr nieder, legte den Eisbeutel auf ihre Wange, betupfte die blutende Lippe. Ina stöhnte auf vor Schmerz. »Mein Kleines, meine Geliebte, es tut mir so leid. Ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte. Bitte verzeih mir. Ich werde alles tun, um das wieder gutzumachen«, flehte er ununterbrochen, während er sich um sie bemühte.

Tränen traten in Inas Augen. »Ich hab doch gar nichts getan. Nur ein Autogramm gegeben. Das ist doch nicht so schlimm«, flüsterte sie kraftlos.

»Ich weiß ja, ich weiß es doch genau. Du musst mir verzeihen. Bitte vergiss, was ich dir angetan hab’. Es kommt nie wieder vor. Ich schwöre es. Ich liebe dich doch.« Mit fliegenden Händen liebkoste er die unverletzte Wange, streichelte über ihre bebende Schulter. Ina schloss die Augen unter den Berührungen dieser sanften Hände, die so verletzend, so schrecklich grob sein konnten. »Ich liebe dich auch, das weißt du doch. Es war wirklich nur ein Autogramm.«

»Dieser Kerl, er hat dich so angeschaut. Da ist bei mir eine Sicherung durchgebrannt. Hast du große Schmerzen?«

»Es geht schon wieder.« Vorsichtig drehte sich Ina auf den Rücken und atmete vorsichtig. Es tat weh, klappte aber ganz gut.

»Komm, ich helf dir, aufzustehen.« Vorsichtig zog Florian sie an den Händen hoch, bis sie vor ihm stand. Unendlich zart schloss er sie in seine Arme und hielt sie fest, bis sie langsam aufhörte zu zittern. »So ist gut, beruhig dich. Ganz ruhig. Willst du dich hinlegen?«

Ina schüttelte den Kopf.

»Ich muss ins Bad, mein Gesicht waschen.« Vorsichtig machte sie sich von ihm los, drehte sich um und wankte unter seinen beunruhigten Blicken Richtung Bad. Als sie ihr entstelltes Gesicht im Spiegel sah, schrie sie auf vor Schreck. »Du liebe Zeit, wie soll ich denn so morgen auftreten?« Die rechte Wange schillerte dunkelblau, die aufgeplatzte Lippe blutete immer noch. »Ich muss zum Arzt, es nützt nichts.« Sie stellte das kalte Wasser an, befeuchtete einen Waschlappen und betupfte sich damit das Gesicht. »Natürlich musst du zu einem Arzt. Die Lippe muss genäht werden, sonst bist du für dein Leben entstellt«, bemerkte Florian einsichtig. Er war ihr bis zur Badezimmertür gefolgt und beobachtete sie mit ängstlichen Augen. »Du wirst ihm doch hoffentlich nicht erzählen …« Er verstummte. Ina überlegte einen Augenblick, dann schüttelte sie den Kopf.

»Nein, natürlich nicht. Es war ein Unfall. Ich bin im Geist ein neues Klavierstück durchgegangen und habe die Säule im Flur übersehen.«

»Du bist ein wahrer Schatz. Ich wusste, dass ich mich auf dich verlassen kann.«

»Natürlich kannst du das. Kann ich mich auch auf dich verlassen?«

»Großes Ehrenwort. Das wird nie mehr wieder passieren. Ich weiß auch nicht, was mit mir los war. Wahrscheinlich hab’ ich zu viel Stress. Diese ganze Tournee zu planen ist eben doch kein Pappenstiel.« Er seufzte theatralisch und fuhr sich mit einer großen Geste durch das dichte, dunkle Haar.

»Mein armer Lieber, ich weiß doch genau, was du für mich alles auf dich nimmst. Wie oft hab’ ich dir schon angeboten, einen Assistenten einzustellen. Oder eine Sekretärin.« Ina kam mit langsamen, vorsichtigen Schritten auf ihn zu und legte ihm mitfühlend die Hand auf den Arm.

»Du weißt genau, dass wir uns das nicht leisten können.«

»Dann müsstest du auf ein bisschen Gehalt verzichten, hättest aber auch weniger Arbeit.«

»Ich glaube nicht, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um darüber zu diskutieren. Komm, ich bring’ dich jetzt zum Arzt, damit die Lippe versorgt werden kann«, machte Florian der Diskussion ein Ende.

Ina nickte. Sie fühlte sich schwach, die blutende Lippe, auf die sie ein Taschentuch gepresst hatte, pulsierte heftig und die Wange brannte wie Feuer.

*

»Sie können gleich reingehen, Frau Schilf.« Mitfühlend betrachtete Wendy die entstellte Pianistin, die, gestützt von ihrem Freund und Manager Florian Müller, in die Praxis kam. Die beiden hatten sich via Handy ein paar Minuten zuvor angekündigt. Die treue Arzthelferin hatte dafür gesorgt, dass sich Dr. Daniel Norden Zeit für den Notfall nehmen konnte. »Ihr Lebensgefährte kann inzwischen im Wartezimmer Platz nehmen.«

»Ich möchte gerne, dass Florian mitkommt«, entgegnete Ina energisch. Wendy warf ihr einen verdutzten Blick zu.

»Ganz, wie Sie wollen. Herr Dr. Norden erwartet Sie.«

Tatsächlich stand Daniel schon an der Tür.

»Frau Schilf, was machen Sie denn für Sachen?« begrüßte er seine Patientin mitfühlend. Während er die Tür schloss, nahm das Paar Platz, ehe Ina Daniels Frage beantwortete.

»Ich bin einfach zu ungeschickt, das ist es wohl. Ein richtiges Schusselchen, nicht wahr, Florian?« Ihr unsicherer Blick wanderte zu ihrem Lebensgefährten, der zustimmend nickte. »Das kann man wohl sagen. Wie heißt es doch so schön: Genie und Wahnsinn liegen eng beieinander. Dabei hab’ ich Ina noch gesagt, sie soll sich hinsetzen, wenn sie die Partitur durchgeht. Aber nein, sie will einfach nicht hören«, erklärte er in einem Tonfall, mit dem Erwachsene gewöhnlich mit kleinen Kindern redeten. Daniel zog die Augenbrauen zusammen, während Ina die Erzählung ihres Lebensgefährten bemüht ausschmückte.

»Tja, wer nicht hören kann muss fühlen. Ich marschierte also mit den Notenblättern in der Hand im Flur auf und ab und muss dabei diese Säule übersehen haben. Zu dumm! Vor allen Dingen, weil ich morgen ein Konzert in der Philharmonie gebe.«

Daniel trat einen Schritt näher und betrachtete zuerst die geschwollene Wange, betastete sie vorsichtig. Ina zuckte zurück und stöhnte auf.

»Ich kann mir gut vorstellen, wie weh das tut. Zumindest scheint nichts gebrochen zu sein. Aber die Lippe«, vorsichtig zog er Inas Hand weg, die immer noch ein Taschentuch auf die Wunde drückte, »das muss genäht werden. Da wird die Visagistin morgen abend ganze Arbeit leisten müssen.«

»Und wenn man es ein bisschen sieht, macht es auch nichts. Strafe muss sein.« Inas unsicherer Blick verirrte sich kurz zu Florian, der ihr unmerklich zuzwinkerte. Daniel Norden entging das nicht. Er registrierte jede Kleinigkeit, jeden verräterischen Wink. Ihm entging nicht der klammernde Griff, mit dem Florian die Hand seiner Lebensgefährtin festhielt und auch nicht der forsche Blick, den er ihnen nachschickte, als er Ina bat, sich auf die Liege zu legen.

»Ich werde Ihnen jetzt eine Schmerzspritze geben, die ein paar Minuten wirken muss. Wenn Sie das Gefühl haben, dass die Lippe taub ist, sagen sie es mir bitte. Dann können wir ans Werk gehen. Ich werde versuchen, mit so wenigen Stichen wie möglich auszukommen, damit man später nichts mehr sieht«, erklärte er gut gelaunt, um sein Misstrauen zu verbergen. Ina nickte vertrauensvoll und ließ die Injektion ohne ein Zucken über sich ergehen. Während der Wartezeit kehrte Daniel an seinen Schreibtisch zurück, gab seine Diagnose in den Computer ein und machte einen kleinen, aber entscheidenden Zusatz: »Verdacht auf Misshandlung durch den Lebensgefährten!« Über den Bildschirm hinweg warf er einen Blick auf Florian, der inzwischen neben Inas Liege auf einem Hocker saß und ihr die Hand hielt. »Sie können jetzt loslegen«, erklärte er, als er Daniels prüfenden Blick auf sich ruhen spürte.

»Denken Sie das auch, Frau Schilf?«

»Natürlich. Es ist alles schon ganz taub«, nuschelte Ina, so gut es ging. Florian lächelte mit kaltem Spott. Sollte der Arzt doch denken, was er wollte. Loyal wie sie war, hielt Ina zu ihm, würde es immer tun. Von ihr drohte ihm keine Gefahr. Das musste auch Dr. Daniel Norden einsehen, als er sich seufzend an die Arbeit machte. Wie sich nach einer gründlichen Reinigung herausstellte, war die Wunde nicht ganz so gravierend und es gelang ihm, sie in drei Stichen und relativ unauffällig zu nähen. »So, das hätten wir. Und das nächste Mal folgen Sie bitte dem Ratschlag Ihres Lebensgefährten und lesen die Partitur am Esstisch«, verabschiedete sich Daniel schließlich mit einem vielsagenden Blick von Ina. Er meinte, einen feinen Schatten über ihr Gesicht huschen zu sehen, ansonsten gab sie sich keine Blöße und lächelte, so gut es der entstellte Mund zuließ.

»Vielen Dank für Ihre prompte Hilfe. Ich werde an der Abendkasse zwei Freikarten für das Konzert morgen abend hinterlegen lassen. Das heißt, natürlich nur, wenn Sie Lust haben.«

»Aber selbstverständlich.« Begeistert stimmte Daniel Norden zu und nicht nur deshalb, weil er und seine Frau Felicitas ausgesprochene Musikliebhaber waren. Bei dieser Gelegenheit konnte er Fee von seinem Verdacht erzählen und sie um eine Meinung bitten. Ihr Kennerblick täuschte sie selten. »Ich werde gleich meine Frau anrufen, ob wir morgen schon was vorhaben. Die Terminplanung liegt ganz in ihren Händen.«

»Anders als bei uns.« Florian verabschiedete sich per Handschlag von dem Arzt. »Ina ist für das Künstlerische verantwortlich, ich für die Organisation.« Er wartete nicht auf eine Antwort, nickte Daniel grinsend zu und legte den Arm um Inas Schultern, um sie sicher hinauszubegleiten. Dr. Nordens gemischte Gefühle begleiteten die beiden.

*

Wie erwartet war Felicitas Norden hellauf begeistert von Daniels Ankündigung, am nächsten Abend in die Philharmonie zu gehen. »Ina Schilf, das ist ja fantastisch. Sie ist eine der besten Pianistinnen Deutschlands, vielleicht sogar Europas. Was spielt sie denn morgen?«

»Da muss ich leider passen. Soviel hat sie mir nicht verraten.«

»Du hast sie gesehen?«

»Natürlich, wie käme ich sonst an die Karten?« Daniel lächelte verschmitzt. So gerne er die Freikarten als seine eigene Überraschung präsentiert hätte, so sehr fühlte er sich auch verpflichtet, ehrlich zu sein. »Sie war heute bei mir in der Praxis. Die Lippe aufgeplatzt, die Wange blutunterlaufen, kein schöner Anblick.«

»Dabei ist sie eine ausgesprochen hübsche Frau. Und dann noch soviel Talent. Manchmal geht das Schicksal wirklich verschwenderisch mit seinen Gaben um. Was ist ihr denn passiert?« Wie immer war Fee voller Mitgefühl mit ihren Mitmenschen, während sie ihrem Mann das verspätete Abendessen servierte.

»Angeblich ist sie gegen eine Säule im Flur gelaufen.«

»Wer hat denn schon Säulen im Flur herumstehen?« Ungläubig schüttelte Felicitas den Kopf und setzte sich mit einem Glas Wein zu Daniel an den Tisch, um ihm Gesellschaft zu leisten.

»Leute, die es sich leisten können«, bemerkte der trocken.

»Na, da fallen mir auf Anhieb zehn Sachen ein, die ich mir zuerst kaufen würde«, lächelte Felicitas. »Aber wieso hast du ›angeblich‹ gesagt? Das klingt danach, als hättest du Zweifel an dieser Geschichte.«

»Ich bin mir nicht so sicher. Irgendwas ist zwischen Ina Schilf und ihrem Lebensgefährten nicht in Ordnung. Ich kann nicht genau sagen, was mich gestört hat, die Blicke, die Gesten, keine Ahnung.« Er schob sich eine Gabel Nudelauflauf in den Mund und kaute nachdenklich. »Du denkst an Misshandlung?«

»Ich bin immer vorsichtig mit solchen Behauptungen, das weißt du ja. Das ist auch ein Grund, warum ich gerne möchte, dass wir uns morgen abend dieses Konzert ansehen. Ihr Freund ist gleichzeitig ihr Manager, also wird er bestimmt auch da sein. Vielleicht fällt dir was auf, was meinen Verdacht bestätigt oder, was mir natürlich viel lieber wäre, entkräftet.«

»Und ich dachte, du nimmst mich mit, um mir eine Freude zu machen«, scherzte Fee, wurde aber gleich wieder ernst. »Was sollte eine Frau wie Ina Schilf dazu veranlassen, sich von einem Mann schlagen zu lassen?«

»Keine Ahnung. Ich bin kein Psychologe. Ich weiß ja auch gar nicht, ob ich recht habe. Lass uns morgen dahin gehen, dann sind wir vielleicht schlauer.« Er seufzte und wechselte das Thema. »Wie gehts denn den Kindern? Haben wir überhaupt noch welche?« Er sah sich nachdenklich um.

»Wie kommst du denn darauf?«

»Erstens ist es hier außergewöhnlich ordentlich und zweitens beunruhigend still. Was ist los?«

Felicitas lachte belustigt.

»Ordentlich ist es deshalb, weil Lewi und ich heute mal durchgegriffen haben. Janni schleppt ständig seine ganzen Spielzeugautos hier herunter, Dési lässt die Puppen überall herumliegen, von Felix stapeln sich Computerzeitschriften in jeder Ecke. Das hätte ich keine Sekunde länger ertragen. Deshalb mussten die Herrschaften heute mit anpacken und sind jetzt allesamt beleidigt in ihren Zimmern.«

»Gut, dass ich nicht zu Hause war. Das Donnerwetter kann ich mir auch so lebhaft vorstellen.«

»Manchmal geht es eben nicht anders. Nur mit Liebe hat noch keine Mutter ihre Kinder zu anständigen Menschen erzogen. Grenzen gehören genauso dazu«, verteidigte Felicitas ihre energische Haltung.

»Ganz deiner Meinung, mein Liebling. Außerdem hast du den Beweis ja schon erbracht, dass du vollkommen richtig liegst mit deinen Erziehungsmethoden. Wenn ich mir Danny so anschaue, finde ich es bemerkenswert, wie er seinen Weg durchs Medizinstudium macht.«

»Das Problem ist nur, dass das, was bei einem Kind funktioniert, noch lange nicht für das andere richtig ist. Kindererziehung ist eine richtige Wissenschaft, dafür gibt es kein Patentrezept. Nur schade, dass sie in unserer Gesellschaft so wenig Wertschätzung erfährt.«

»Siehst du das so?« Verwundert zog Daniel die Augenbrauen zusammen, sodass eine tiefe Falte auf seiner Stirn erschien. »Natürlich. Was meinst du, wie oft ich von den Leuten komisch angeschaut werde, wenn ich erzähle, dass ich nur Hausfrau und Mutter bin?«

»Na hör mal. Immerhin bist du Mutter von fünf Kindern mit Ehrenämtern und Nebenbeschäftigungen. Das soll dir erst mal eine nachmachen.«

»So siehst du das, weil du weißt, was ich alles leiste. Die Gesellschaft heutzutage erwartet allerdings von einer Frau, dass sie einen Stall voller Kinder hat, mindestens einen Halbtagsjob, dreimal die Woche ins Fitnesscenter geht und darüber hinaus eine gepflegte Erscheinung ist.« Fee schnitt eine Grimasse, und Daniel lachte.