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Beim Thema Führen und Leiten lernen wir nie aus, speziell, wenn es um das Reich Gottes geht: Leiten lernen bei Jesus. Dies ist ein "echter Schönheit": präzise, geistlich tief, voller Leidenschaft für das Reich Gottes und gedeckt durch mehr als zwei Jahrzehnte Leitungserfahrung in einer missionarisch ausgerichteten Großstadtgemeinde. Es ist ein richtig spannendes Arbeitsbuch, das sich persönlich, aber auch von Gruppen im Gespräch bearbeiten lässt. Ein Buch, dessen Inhalt meditiert und durchdrungen werden will. Was Swen Schönheit sagt, ist durch den Schmelztiegel geistlicher, persönlicher und organisatorischer Prozesse gegangen. Er bearbeitet die verschiedenen Dimensionen und besonderen Herausforderungen geistlicher Leitung wie eigener Werdegang, persönliche Integrität, Professionalität - Charakter und Kompetenz, Talent und Fleiß, Bewahrung und Bewährung auf dem Lebensweg. Wer bin ich und wo komme ich her? Wie will ich sein? Wer und was ist mir anvertraut? Was kann ich und was soll ich - und was nicht? Wie baue ich eine neue Generation auf? Wer ist Gott, der mich so gemacht hat, und was will er damit bezwecken? Wie kann der größte Leiter aller Zeiten, Jesus Christus, heute heilsamen Einfluss auf mich nehmen? Wie kann ich immer mehr ein Hirte nach seinem Herzen werden?
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Seitenzahl: 500
Veröffentlichungsjahr: 2013
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© Copyright 2013 by Asaph-Verlag
1. Auflage 2013
Bibelzitate wurden folgendermaßen gekennzeichneten Übersetzungen entnommen:
DB: Das Buch. Neues Testament, übersetzt von Roland Werner,
SCM R. Brockhaus, Witten (2009)
Jüd: Das Jüdische Neue Testament, Übersetzung von David H. Stern,
Hänssler Verlag, Neuhausen-Stuttgart (1994)
EÜ: Einheits-Übersetzung, Katholische Bibelanstalt, Stuttgart (1980)
GN: Gute Nachricht Bibel, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart (1997)
Hfa: Hoffnung für alle, Brunnen Verlag, Basel/Gießen (2002)
Lu: Luther-Bibel, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart (1984)
NLB: Neues Leben – Die Bibel, Hänssler Verlag, Holzgerlingen (2005)
EB: Revidierte Elberfelder Bibel, R. Brockhaus Verlag, Wuppertal (1986)
Sch: Revidierte Schlachter-Bibel (Version 2000), Genfer Bibelgesellschaft, Genf (2003)/CLV, Bielefeld (22006)
Alle Bilder © by Swen Schönheit (Dominosteine, Kap. 12 by visual paradox.com)
Umschlaggestaltung: joussenkarliczek, D-Schorndorf, unter Verwendung eines Fotos von istockphoto.com, eagleotter
Satz/DTP: Jens Wirth
Druck: cpi books
Printed in the EU
Print: ISBN 978-3-940188-69-4 (Best.-Nr. 147469
eBook: ISBN 978-3-95459-531-0 (Best.-Nr. 148531)
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Asaph, Postfach 2889, D-58478 Lüdenscheid
[email protected] – www.asaph.net
Eigentümerhinweis
Impressum
Inhalt
Einführung
Vorwort
1. Grundlagen: Natürlich müssen wir alle leiten!
1.1 Die Schöpfung verlangt nach Leitung
1.2 Selbstleitung – Lektionen aus der Jugend
1.3 Wie Gott seine Leute souverän vorbereitet
1.4 Gottes Suche nach guten Hirten
2. Identität: Wer oder was gibt mir Sicherheit?
2.1 Woher weiß ich, wer ich wirklich bin?
2.2 Ich bin einzigartig wertvoll in Gottes Augen!
2.3 Wir müssen unsere wahre Identität hören!
2.4 Das Geheimnis: Christus lebt in uns
3. Begabung: Was steckt wirklich in mir?
3.1 Begabt, um andere zu beschenken
3.2 Gaben und Dienste im Neuen Testament
3.3 Der Leib des Christus – ein geniales Konzept
3.4 Leitungsgabe: ein Schlüssel – kein Monopol
3.5 Der fünffältige Dienst: eine neue Art der Leitung
4. Berufung: Was hat Gott mit meinem Leben vor?
4.1 Gottes Berufung: ein Vertrauensvorschuss
4.2 Zur Nachfolge berufen: eine weltweite Strategie
4.3 Von der Berufung zur Befähigung
4.4 Berufungen zur Entfaltung bringen
5. Visionen: Wunschtraum oder Gottes Wirklichkeit?
5.1 Visionen: der verborgene Motor unseres Lebens
5.2 Gott zeigt uns seine Wirklichkeit
5.3 Von Jesus lernen: Vision – Mission – Aktion
5.4 Wie werden wir Leiter mit klarer Vision?
6. Prioritäten: Wie unser Leben Richtung gewinnt
6.1 Was soll ich nur zuerst tun?
6.2 Bei Gott ist weniger oft mehr!
6.3 Jesus: Konzentration auf das Wesentliche
6.4 Zielorientiert und zentriert leben
7. Charakter: Weil ein Leben lauter spricht als Lehre
7.1 Charakter: die unsichtbaren Voraussetzungen
7.2 Christus: der gute Charakter Gottes
7.3 Unser Herz: Wenn Gott das Innenleben checkt
7.4 Das prägende Vorbild von Leitern
8. Prüfungen: Stolpersteine oder Wachstumsschritte?
8.1 Warum Gott uns „prüfen“ muss
8.2 Wenn Sünde, Welt und Teufel locken
8.3 Gottesfurcht: ein sicheres Fundament
8.4 Durch Schwierigkeiten zu wachsender Stärke
9. Vollmacht: Wenn Gott mit uns ist
9.1 Macht oder Vollmacht?
9.2 Demut als Schlüssel zur Vollmacht
9.3 Wie viel Autorität steckt im Amt?
9.4 Wenn Gott mit uns kooperiert
10. Inspiration: Aus den Quellen des Gebets leben
10.1 Beten und arbeiten
10.2 In Abhängigkeit zu Gott handeln
10.3 Beten lernen bei Jesus
10.4 Vom Heiligen Geist inspiriert leiten
11. Teambildung: Besser gemeinsam als einsam
11.1 Leiter als Einzelkämpfer?
11.2 Teams entwickeln für die Zukunft
11.3 Menschen gezielt fördern
11.4 Kommunikation als Schlüssel zur Klarheit
12. Stabübergabe: Wie fördern wir die nächste Generation?
12.1 Auf die Stabübergabe kommt es an
12.2 Mentoring in der Bibel
12.3 Potenzielle Leiter gezielt fördern
12.4 Geistliche Väter und Mütter braucht das Land!
Schlusswort
Empfohlene Literatur
Die ideale Führungsperson braucht:
die Würde eines Erzbischofs, die Selbstlosigkeit eines Missionars,
die Beharrlichkeit eines Steuerbeamten, die Erfahrung eines Wirtschaftsprüfers,
die Arbeitskraft eines Kulis, den Takt eines Botschafters,
die Genialität eines Nobelpreisträgers, den Optimismus eines Schiffbrüchigen,
die Findigkeit eines Rechtsanwalts, die Gesundheit eines Olympiakämpfers,
die Geduld eines Kindermädchens, das Lächeln eines Filmstars
und das dicke Fell eines Nilpferds.
Ingo Kleist, innenpolitischer Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion, über das ideale Profil eines neuen Polizeipräsidenten für Hamburg.[1]
Wenn der Meister regiert, ist sich das Volk kaum bewusst, dass es ihn gibt.
Der Zweitbeste ist ein Führer, den man liebt.
Der Nächste einer, vor dem man Angst hat.
Der Schlechteste ist einer, den man verachtet.
Vertraust du den Leuten nicht, machst du selbst sie nicht vertrauenswürdig.
Der Meister redet nicht, er handelt.
Wenn sein Werk getan ist, sagt das Volk:
„Unglaublich: Wir haben es ganz allein vollbracht!“
Laotse (um 500 v. Chr.)[2]
Amen, amen, ich sage euch:
Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen,
und er wird noch größere vollbringen,
denn ich gehe zum Vater.
Jesus Christus – Johannes 14,12 | EÜ
[1] Friedemann Schulz von Thun/Johannes Ruppel/Roswitha Stratmann, Miteinander reden: Kommunikationspsychologie für Führungskräfte, Reinbek bei Hamburg (2000), S. 13
[2]Laotse: Tao Te King – eine zeitgemäße Version für westliche Leser, Peter Kobbe (Übers.), München (2003), S. 29
Es war eine Sternstunde im Kirchenvorstand. Ich hatte den Vorsitz, also die Aufgabe, zu leiten und zu führen. Wir saßen an diesem Abend schon längere Zeit zusammen. Dann kam jener Tagesordnungspunkt, bei dem ein wirklich kniffliges Problem zu lösen war. Die Rechtslage war klar, der menschlich-seelsorgliche Umgang damit nicht unbedingt. Ich wollte irgendwie allem und allen genügen. Im Verlauf des zunehmend ermüdenden Abwägens aller Argumente sah mich schließlich einer der Kirchenvorsteher intensiv an und äußerte dann mit fester Stimme in meine Richtung: „Du hast diesen Job gewollt. Nun triff eine Entscheidung!“ Das Interessante war, dass ich in dem Augenblick sofort wusste, was in dieser Situation richtig war. Und nicht nur das. Ich konnte es auch sofort klar zum Ausdruck bringen: „So und so machen wir das jetzt!“ Alle atmeten auf. Alle waren dankbar. So wurde es gemacht.
Gewiss, nur eine kleine Szene aus irgendeinem Kirchenvorstand in irgendeiner Gemeinde. Aber vielleicht nicht untypisch für geistliche Leitungsgremien in unserem Land. Immerhin, ich war schon einige Jahre als Pfarrer leitend tätig. Mir machte mein Dienst Freude. Im Rückblick jedoch war dies wahrscheinlich die wesentliche Geburtsstunde meiner Selbstannahme als Leiter. Du hast diesen Job gewollt. Triff eine Entscheidung! Ein anderer musste mir helfen. Es war Befreiung von außen.
Die Journalistin Cora Stephan schreibt: „Die Deutschen selbst wollen mit überwältigender Mehrheit keineswegs ‚führen‘. Aus historisch gespeister Empfindlichkeit dem Wort gegenüber. Aus Bescheidenheit. Vielleicht auch aus Faulheit. Und – weil man es nie gelernt hat … seit dem Zweiten Weltkrieg ist ‚Führung‘ ein schmutziges Wort“ (DIE WELT 11.7.2013). Zu groß ist die Skepsis vor neuerlicher Ver-Führung. Zu tief sitzt der Schaden von missbrauchter Autorität. Jedoch, zu deutlich werden nun aber auch immer mehr die Folgen mangelnder oder schlechter Führung in unserem Land und in unseren Gemeinden sichtbar.
In diese Situation hinein erscheint ein neues Buch über Führen und Leiten, geschrieben von dem Berliner Autor, Pfarrer und theologischen Referenten der GGE, Swen Schönheit. Die Regale sind voll von Büchern zum Thema Führen, Leiten und Management – gibt es davon nicht schon genug? Nein, es gibt noch nicht genug. Denn bei diesem Thema lernen wir nie aus. Niemals. Es gibt immer Neues zu entdecken und Vergessenes wieder in Erinnerung zu rufen. Speziell, wenn es um Führen und Leiten im Reich Gottes geht. Deshalb der Untertitel: Leiten lernen bei Jesus.
Es ist ein echter Schönheit, den Sie hier in den Händen halten. Präzise, geistlich tief, voller Leidenschaft für das Reich Gottes und gedeckt durch mehr als zwei Jahrzehnte Leitungserfahrung in einer missionarisch ausgerichteten Großstadtgemeinde. Swen Schönheit weiß, wovon er spricht. Was er sagt, das hat Hand und Fuß. Es ist durch den Schmelztiegel geistlicher, persönlicher und organisatorischer Prozesse gegangen. Immer wieder gibt es biografische Notizen, die das Buch authentisch machen.
Herausgekommen ist ein richtig spannendes Arbeitsbuch. Jeder Abschnitt endet mit Fragen, die persönlich, aber auch – warum nicht? – z. B. in Leiterseminaren von Gruppen im Gespräch bearbeitet werden können. In jedem Fall ist es ein Buch, das sich nicht einfach „runterlesen“ lässt, sondern das immer wieder aus der Hand gelegt werden will. Ein Buch, dessen Inhalt meditiert und durchdrungen werden will. Ein Buch, das sich eignet, um sich damit ein paar Tage in die Stille einer persönlichen Klausur zu begeben. Wie auch immer, es ist konzentrierter Lesestoff, der Stück um Stück entdeckt werden will. Widerstehen Sie der Versuchung, es zu schnell zu lesen! Nehmen Sie sich Zeit! Es lohnt sich.
Swen Schönheit bearbeitet die verschiedenen Dimensionen und besonderen Herausforderungen geistlicher Leitung. Es geht zum einen um den eigenen Werdegang, die Frage nach der integren Persönlichkeit, dann aber auch um Professionalität. Um Charakter und Kompetenz, um Talent und Fleiß, um Bewahrung und Bewährung auf dem Lebensweg. Wer bin ich und wo komme ich her? Wie will ich sein? Wer und was ist mir anvertraut? Was kann ich und was soll ich – und was nicht? Stichwort Stabübergabe: Wie baue ich eine neue Generation auf? In dem allen, und das ist der Unterschied zu säkularer Literatur zum Thema Führung: Wer ist Gott, der mich so gemacht hat, und was will er damit bezwecken? Wie kann der größte Leiter aller Zeiten, Jesus Christus, heute heilsamen Einfluss auf mich nehmen? Wie kann ich immer mehr ein Hirte nach seinem Herzen werden?
Immer wieder berichtet die Bibel von Menschen, die hinter ihren Möglichkeiten als von Gott begabte und gesandte Leiter zurückgeblieben sind oder die aus unterschiedlichen Gründen gescheitert sind. Fast wäre das auch Petrus passiert. Nachdem der „geborene“ Leiter wegen persönlichen Versagens allen Grund gehabt hätte hinzuschmeißen, begegnet ihm der auferstandene Christus. In einem liebevollen, aber klaren Gespräch wird er erneut berufen: „Weide meine Schafe! Hüte meine Lämmer!“ Petrus lernt: Bei Jesus lernt man nie aus. Jesus will seine Gaben in uns und unseren Charakter entwickeln. Deshalb: Leiten lernen bei Jesus. Petrus erlaubt, dass Jesus ihn „formatiert“. Petrus wird so Stück um Stück zu einem „Menschen mit Format“. Für den Mann mit Ecken und Kanten wird es nicht die letzte Formatierung gewesen sein. Gleiches geschieht mit jedem Menschen, der sich ganz auf Jesus einlässt.
Es wird seinen Grund haben, warum Sie genau jetzt in diesem Buch blättern. Haben Sie eine Ahnung? Vielleicht sind Sie schon mittendrin im Thema, während Sie die ersten Zeilen lesen. Ich wünsche allen Lesern jene Befreiung von außen, wie ich sie in einer Kirchenvorstandssitzung letztlich als Handeln Gottes erfahren habe. Wie sie auch Petrus erfahren hat. Petrus, der sicher natürlich begabt war, aber noch viel zu lernen hatte. Ich wünsche Ihnen, dass Gott selber Ihnen die Angst nimmt zu leiten. Ergreifen Sie, was Gott in Ihnen und durch Sie tun will. Oder besser: Lassen Sie sich ergreifen, seien Sie ein von Jesus Ergriffener!
Hann. Münden, im Juli 2013
Pfarrer Henning Dobers
„Dass Führer anführten in Israel, dass das Volk sich willig zeigte, dafür preist den Herrn! … Mein Herz gehört den Anführern Israels, den Freiwilligen unter dem Volk. Lobt den Herrn!“ (Ri 5,2.9 | Sch)
Es war kurze Zeit nach der Wende von 1989. Für uns Westberliner lag im Osten eine neue, fast unbekannte Welt, die es zu entdecken galt. Wir reisten also in ein kleines Dorf nach Sachsen-Anhalt, wo man mich zu einem Wochenend-Seminar eingeladen hatte. Ich war gespannt und aufgeregt. Zwar hatte ich schon vor dem Fall der Mauer immer wieder auf „Rüstzeiten“ in der DDR gesprochen, doch nun war vieles anders geworden. Meine Einstiegsfrage schien die Teilnehmer zu irritieren: „Wer von euch würde sich selbst als geistlichen Leiter bezeichnen?“ Nur wenige der rund 50 jungen Leute reckten vorsichtig ihren Arm. Hatte ich mich beim Thema geirrt? „Grundlagen geistlicher Leiterschaft“ stand doch auf der Einladung …
Später begriff ich mehr von der Zurückhaltung, die Menschen beim Stichwort „Leiter“ oder „Leitung“ empfinden, und zwar in Ost und West aus unterschiedlichen Gründen. Als ich wenig später in den 90er-Jahren auf einer Bibelschule in Rumänien unterrichtete, antwortete ein junger Mann zur selben Thematik: „Also Leiter, das sind die Leute mit der Mappe, die anderen haben den Spaten in der Hand.“ Ein typisches Bild, zum Beispiel auf einer Baustelle: Einer hat die Pläne in der Hand und diktiert den Zeitplan, alle anderen müssen seine Anweisungen ausführen. Wer leitet, ist oben angekommen, kann Anzug tragen und muss sich nicht mehr die Hände schmutzig machen. Für Christen im Sozialismus gab es nur geringe Chancen, „nach oben“ zu kommen. Dafür waren Teilnahme an der FDJ und Einstieg in die Partei der gebotene Weg. Die herrschende Klasse der DDR lebte zwar nach unseren heutigen Maßstäben nicht besonders luxuriös, doch sie handelte eigenmächtig und fällte undurchsichtige Entscheidungen, die für das werktätige Volk kaum nachvollziehbar waren.
Im demokratisch aufgeklärten Westen dagegen lebten wir mit den geistigen Folgen von 1968. Ich bekam das hautnah in meiner Ausbildung als Vikar zu spüren. Im Predigerseminar wollte, sollte oder durfte niemand so richtig. Die Studienleiter (wir waren alle „per du“) wollen uns natürlich nichts beibringen, sondern lediglich moderieren, frontaler Unterricht war von vorgestern. Die Gruppe bestimmte das Thema und redete in endlosen Debatten letztlich nur über sich selbst. Der verpönte „Vikars-Vater“ war zum partnerschaftlichen „Mentor“ mutiert. Schöne neue horizontale Welt, in der keiner über den anderen herrschen sollte. Ich lernte damals das Stichwort „Herrschaftsstrukturen“ kennen, das ähnlich vernichtend klang wie in frommen Kreisen das Prädikat „unmoralisch“ oder „unbiblisch“! Leitung erfolgte also etwa nach der Devise: Jeder mischt ein bisschen mit, doch am Ende trägt niemand die Verantwortung. So sind bis heute viele Gemeinden „aufgebaut“: Wir machen alle alles gemeinsam …
Im Westen unseres Landes wurden wir nachhaltig geprägt von diesem Generalverdacht gegenüber jeder Form von Autorität. Vor allem in kirchlichen Kreisen zeigte sich bis in die Sprache hinein eine defensive Grundhaltung: Man wollte nur noch „vorschlagen“ oder „anregen“ oder ergriff die Initiative lediglich, weil man „gebeten wurde“. Wer Leitung ausübte, entschuldigte sich quasi dafür. Beliebigkeit war die Folge, Belanglosigkeit der Eindruck, den eine lediglich auf Gleichberechtigung ausgerichtete Kirche bei den Menschen hinterließ. , heißt es im Buch der Sprüche (29,18 | EB). Inzwischen haben wir genug von der Profillosigkeit und verabschieden uns still und heimlich von Konzepten nach dem Motto: „Worauf habt ihr denn Lust?“ Leitung ist wieder neu gefragt – wenn auch weiterhin hinterfragt.
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